Dr. Stefan Frank 2550 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2550 - Arztroman E-Book

Stefan Frank

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1,49 €

Beschreibung

Kurz bevor der Architekt Jonathan mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter von Nürnberg nach München ziehen will, erleidet er auf einer Baustelle einen schweren Unfall. Seine rechte Hand wird von einer Betonplatte zerquetscht. Die Hand kann zwar gerettet werden, aber ob Jonathan sie je wieder richtig nutzen kann, ist fraglich. Er erhält starke Schmerzmittel und Antibiotika, um eine drohende Infektion abzuwehren. Der gesamte Umzug lastet nun auf Leonie, immerhin wartet die Doppelhaushälfte in Grünwald und ihre neue Arbeitsstelle. Die Wochen vergehen, und Leonie sehnt Jonathans Entlassung entgegen. Der Alltag mit neuem Job, Kinderbetreuung und Haushalt fordert der jungen Mutter alles ab. Doch das so herbeigesehnte Familienleben, die Normalität wird zu einer harten Belastungsprobe für die junge Ehe, als Jonathan immer häufiger betrunken nach Hause kommt. Leonie weiß sich keinen Rat mehr, sie ist verzweifelt und wütend, denn Jonathan beteuert, er habe nichts getrunken ...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 123




Inhalt

Cover

Impressum

Danke, dass du zu mir hältst

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: solominviktor / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9574-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Danke, dass duzu mir hältst

Als alles gegen ihn spricht, bleibt Leonie an der Seite ihres Mannes

Kurz bevor der Architekt Jonathan mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter von Nürnberg nach München ziehen will, erleidet er auf einer Baustelle einen schweren Unfall. Seine rechte Hand wird von einer Betonplatte zerquetscht. Die Hand kann zwar gerettet werden, aber ob Jonathan sie je wieder richtig nutzen kann, ist fraglich. Er erhält starke Schmerzmittel und Antibiotika, um eine drohende Infektion abzuwehren. Der gesamte Umzug lastet nun auf Leonie, immerhin wartet die Doppelhaushälfte in Grünwald und ihre neue Arbeitsstelle.

Die Wochen vergehen, und Leonie sehnt Jonathans Entlassung entgegen. Der Alltag mit neuem Job, Kinderbetreuung und Haushalt fordert der jungen Mutter alles ab. Doch das so herbeigesehnte Familienleben, die Normalität wird zu einer harten Belastungsprobe für die junge Ehe, als Jonathan immer häufiger betrunken nach Hause kommt. Leonie weiß sich keinen Rat mehr, sie ist verzweifelt und wütend, denn Jonathan beteuert, er habe nichts getrunken …

Irgendetwas stimmt nicht. Jonny weiß nicht recht, wo er ist. Er steht in einer undurchsichtigen nebligen Wolke, vor seinen Augen wabert grauweißer Dunst, der in der Ferne etwas heller etwas wird. Unter ihm ist nur bodenlose Leere. Es gibt keine Geräusche, keine Schemen, keine Bewegungen – nichts, was darauf hindeuten würde, dass hier überhaupt etwas existiert.

Das Gefühl einer unheimlichen Bedrohung kriecht auf Jonny zu. Als es ihn erreicht, packt es ihn mit eisernen Klauen. Jonny versucht sich zu wehren. Gleich wird etwas noch viel Schrecklicheres passieren, er fühlt es deutlich.

Er trägt Jeans und normale Schuhe, wie an jedem Tag, dazu ein Hemd und ein leichtes Sakko. Saloppe Kleidung, die allen signalisiert, dass er zwar ein lockerer Typ, aber mit seinen Fünfundzwanzig durchaus ernst zu nehmen ist. Die Kleidung ist warm genug für die Jahreszeit, auch wenn es schon ein paar deftige Herbstgewitter gab.

Stimmt, Gewitter! Erst neulich hat dabei eine Windböe eine ganze Reihe Schindeln vom Dach geholt und einen weiteren Teil verrutschen lassen. Jonny erinnert sich undeutlich, dass die gesamte Dachseite noch einmal abgeräumt und neugedeckt werden musste, eine Woche Arbeit war umsonst.

Genau, jetzt fällt es ihm auch wieder ein: Er ist auf einer Baustelle, der letzten, bevor er in die neue Stadt umziehen wird. Er befindet sich hier im Auftrag seines alten Arbeitgebers, denn er ist angestellter Architekt und überwacht in dieser Funktion ein großes Bauvorhaben.

Ein viel zu großes! Es sind schon einige Dinge schiefgegangen. Jonny hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl, denn der Bauherr hat sich völlig übernommen, und jetzt sollen die Architekten es richten.

Etwas Dunkles beginnt, sich durch den Nebel auf ihn zuzubewegen. Es sind die Umrisse eines gigantischen Hauses. Noch nie hat Jonny ein so großes Haus gesehen: Irgendwer muss sich hier total verplant haben. Jonny blickt zweifelnd an der Fassade hinauf, die immer noch weiterwächst.

Eine ernste Gefahr geht von diesem Haus aus, Jonny fühlt es deutlich. Instinktiv tritt er mehrere Schritte zurück. Die Schritte, obwohl sehr vorsichtig ausgeführt, bringen das Haus zum Erzittern. Der gesamte Bau schwankt, wie auch der Boden unter ihm. Die aufspringende Angst presst Jonny den Brustkorb zusammen.

Dann sieht er, wie sich die Fassade des Hauses langsam zu neigen beginnt. Der Schatten der fallenden Wand rast über den Boden auf ihn zu, erreicht ihn und läuft über ihn hinaus, auf den Horizont zu. Mit einem Mal ist der Boden dunkel, und als Jonny verstört aufsieht, ist es der Himmel auch. Ein unheimliches Getöse liegt in der Luft, Jonny registriert das Krachen von berstendem Holz und brechendem Stein.

Ein Krake erhebt sich riesengroß aus dem Boden. Er greift nach Jonny, schlingt seine Tentakel um seinen Körper und drückt ihm den Brustkorb zusammen. Einer der unzähligen Fangarme züngelt an Jonnys rechtem Arm herunter, und als er die Hand erreicht, zerquetscht er sie mit unmenschlicher Kraft.

***

Dr. Stefan Frank schreckte vom Sofa hoch. Wo war er? Helles Sonnenlicht fiel durch die Gardine auf den Boden und malte ein feines Muster auf das Parkett. Das ganze Zimmer strahlte in einem milden nachmittäglichen Herbstgelb. Aus der Küche drangen leise Geräusche.

„Schatz?“

„Ja?“ Alexandra erschien an der Tür zum Wohnzimmer.

„Was … Wie spät ist es? Müssen wir los?“

„Es ist viertel vor drei. Wir haben noch ein paar Minuten. War ich zu laut? Ich bin schon mal in die Küche gegangen, um alles einzupacken. Ruth und Ulrich werden sich wundern, diesmal machen wir ihnen bestimmt Konkurrenz.“ Alexandra lachte.

Stefan setzte sich auf. „Warum hast du mich denn nicht geweckt?“, fragte er, während er versteckt gähnte und sich über das Gesicht rieb.

„Genau deshalb! Du bist völlig überarbeitet. Glaubst du, ich will mit einem hundemüden Mann gegen Ruth und Ulrich antreten? Da lasse ich dich lieber ein paar Minuten länger schlafen und packe schon mal unsere Sachen zusammen.“

„Das ist mir aber peinlich“, bekannte Stefan.

„Ach Schatz!“ Alexandra schüttelte den Kopf. „Warum seid ihr Männer nur immer so unvernünftig? Ihr beeindruckt eure Liebsten kein bisschen, wenn ihr euch heldenhaft den Schlaf verkneift und dann in wichtigen Situationen nicht ausgeschlafen seid. Es nimmt dir doch keiner übel, wenn du dich mal richtig ausruhst. Am wenigsten ich.“

Sie schüttelte lächelnd den Kopf und verschwand wieder in der Küche.

Stefan Frank rieb sich erneut die Augen und sah sich im Zimmer um. Wie anders seine Wohnung wirkte, wenn Alexandra da war. Obwohl sie nicht bei ihm wohnte und meist nur kurz blieb, veränderte sich mit ihrer Anwesenheit jede Mal die gesamte Atmosphäre. Er hätte gar nicht sagen können, woran es genau lag. Das ganze Haus wirkte plötzlich freundlicher, selbst die Praxis unten im Erdgeschoss strahlte mit einem Mal viel mehr Wohnlichkeit aus.

Er stand auf, ging in die Küche und lehnte sich mit verschränkten Armen in den Türrahmen. Es roch verführerisch nach frischem Backwerk. Vermutlich war es dieser Duft, der die Atmosphäre plötzlich so behaglich machte.

Das Wirken einer weiblichen Hand ließ sich einfach nicht verleugnen. Auch die Zeitungen, die er gestern achtlos auf der Anrichte im Flur abgelegt hatte, waren plötzlich ordentlich gefaltet, und das Fachbuch, in dem er neulich noch kurz etwas nachgeschlagen hatte, lag, mit einem Lesezeichen versehen, daneben.

„Sag mal“, meinte Stefan Frank, stieß sich vom Türrahmen ab, ging zu Alexandra und umfasste sie von hinten mit beiden Armen. „Willst du nicht doch endlich bei mir einziehen? Ich schwöre dir, dass es mir nicht um deine hausfraulichen Qualitäten geht, obwohl ich die Atmosphäre sehr mag, die hier jedes Mal mit dir einzieht. Wäre es nicht schön, wenn jeder Sonntag so verliefe? So … familiär?“

„Darüber haben wir doch schon so oft gesprochen“, erwiderte Alexandra tadelnd, während sie sich aus seinen Armen wand. „Natürlich mag ich es, bei dir zu sein, und als Hausmütterchen fühle ich mich kein bisschen, nur weil es mir Spaß macht, ab und zu ein bisschen Schwung in deine Junggesellenhütte zu bringen. Aber genauso gern mag ich meine eigene Wohnung – mit dir und ohne dich.“ Sie lachte und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. „Und das hat überhaupt nichts mit Beziehungsangst zu tun. Ich liebe es einfach, völlig unabhängig zu sein, als Ärztin und als Privatmensch.“

„Aber das wärst du doch auch, wenn du zu mir ziehen würdest“, startete Stefan Frank einen zweiten Versuch. „Stell es dir doch nur einfach mal vor: Jeden Sonntag wachen wir zusammen auf, ich bring dir das Frühstück ans Bett …“

„Bist du sicher, dass das auch so bleiben würde?“, fragte Alexandra neckend. „Wir sind doch gerade deshalb so gern zusammen, weil unsere Zeit so begrenzt ist. Du hast deine Praxis, ich habe meine, wir gehen zusammen ins Theater, in die Oper, zu anderen Events, fahren miteinander in Urlaub und übernachten öfter beieinander. Außerdem lieben wir es, uns zu überraschen, denn wir wissen nie im Voraus, wann was passieren wird. Ich finde das schön. Es ist spannend.“

„Ich finde es auch schön“, brummte Stefan Frank. „Deshalb möchte ich ja mehr davon. Ich könnte dir zum Beispiel auch montags den Kaffee ans Bett bringen. Und dienstags. Mittwochs. Donnerstags …“

„Stefan!“ Alexandra drohte ihm spielerisch mit dem Finger. „Das ist genau der falsche Weg. Wenn man jemanden für etwas interessieren will, dann muss man die entsprechende Sache schwer erreichbar machen. Also, wenn du mir zum Beispiel verbieten würdest, dich hier zu besuchen …“

„Aber das könnte ich doch gar nicht! Ich bin ja um jeden Abend und Morgen froh, den wir zusammen sind.“ Er versuchte, sie erneut in die Arme zu nehmen, aber Alexandra drehte sich mit einer raschen Bewegung von ihm weg.

„Das war ja auch nur theoretisch“, erklärte sie. „Ich denke jedenfalls, locken ist der völlig falsche Weg. Die angestrebte Sache schwer erreichbar zu machen, ist meist erfolgversprechender. Nicht, dass ich das schätzen würde“, fügte sie schnell hinzu.

„Hm“, Stefan schürzte die Lippen. „Du schlägst mir also allen Ernstes vor, das genaue Gegenteil von dem zu tun, was ich wirklich will? Funktioniert das eigentlich auch umgekehrt? Isst du mir nicht mehr jedes kleine Stück Schokolade weg, wenn ich eine ganze Pralinenschachtel offen auf dem Tisch liegen lasse?“

Schmunzelnd griff er erneut nach ihr, aber wieder entwand sie sich ihm mit einer schnellen Bewegung.

„Ich habe gehört, dass diese Theorie in der Praxis hin und wieder mal versagt“, erklärte sie dabei lachend. „Und bei einer Versuchsanordnung mit Schokolade scheint mir ein Versagen fast vorhersagbar, jedenfalls, wenn ich selbst die Versuchsperson bin.“

„Ach so“, entgegnete Stefan. „Sag mal, warum flüchtest du eigentlich die ganze Zeit vor mir? Habe ich dich mit meinem Angebot dermaßen verschreckt?“

„Nein, hast du nicht. Irgendwie freut es mich sogar, denn es zeigt mir, dass du es ernst meinst. Ich wollte dir bloß mal zeigen, wie das funktioniert mit dem Schwer-erreichbar-Machen. Je mehr ich mich dir entziehe, desto hartnäckiger versuchst du, mich zu erwischen“, erwiderte Alexandra und blitzte ihn schelmisch an.

„Okay, ich verstehe.“ Herausfordernd gab Stefan ihren Blick zurück. „Aber was heißt hier ernst meinen? Natürlich tue ich das. Und das hieße nach deiner Theorie: Wenn du willst, dass ich dich weniger oft bitte, hier einzuziehen, dann solltest du am besten jeden Tag bei mir übernachten. Habe ich das so richtig erfasst?“

Alexandra zog einen Schmollmund.

„Mit dir kann man einfach nicht vernünftig diskutieren“, stellte sie fest und deutete auf die eingepackten Sachen, die auf der Arbeitsplatte lagen. „Da, nimm das und bring es schon mal runter ins Auto. Ich glaub, die zehn Minuten Schonzeit sind um!“

***

Eine knappe Viertelstunde später waren sie auf dem Weg nach Schwabing, wo ihre Freunde Ruth und Ulrich Waldner genau gegenüber dem Englischen Garten eine Penthouse-Wohnung in der siebten Etage der Waldner-Klinik bewohnten.

Als Leiter der gleichnamigen Klinik, vor allem aber als Chirurg war Ulrich durch die günstige Wohnsituation bei jedem Notfall in der Lage, in weniger als fünf Minuten in einem der OP-Säle zu sein. Solcherart Notfälle waren zwar selten, aber es hatte sie schon gegeben, zum Beispiel, wenn Massenunfälle auf den umliegenden Autobahnen viele Schwerverletzte gefordert hatten.

Auch dass Ruth, seine Frau, in solchen Momenten blitzschnell einsatzbereit war, war ein Glückfall, denn sie arbeitete als Anästhesistin und konnte ihm dadurch im OP unmittelbar zur Hand sein, bevor die eilig herbeigerufenen Bereitschaftsärzte eintrafen.

Ulrich und Ruth waren ein ausgezeichnet aufeinander eingespieltes Team, und das nicht nur im OP. Auch außerberuflich klappte ihre Verständigung oft wortlos, was die beiden Ärzte zum Anlass genommen hatten, ihre Freunde Stefan und Alexandra zu einem Kochwettbewerb herauszufordern.

Der September eignete sich ausgezeichnet dafür. Es war noch warm genug, um den Kaffee auf der Dachterrasse einzunehmen und dabei den wunderschönen Blick über den Englischen Garten zu genießen, wo sich die Bäume gerade in eine farbenprächtige Postkartenansicht umzuwandeln begannen.

Am späten Nachmittag aber war der Aufenthalt in der Küche heimeliger, denn sobald die Sonne auf ihrer absteigenden Bahn einen bestimmten Punkt überschritten hatte, wurde es auf der Terrasse schon empfindlich kühl. Der Sommer war endgültig vorüber. Das Abendessen war deshalb ins Wohnzimmer verlegen worden.

Diese Essen zu viert auf der Waldner’schen Dachterrasse hatten eine lange Tradition. Stefan Frank und Ulrich Waldner kannten sich bereits aus Studienzeiten. Während es Ulrich nach dem Staatsexamen aber in den OP gezogen hatte und er als renommierter Chirurg mittlerweile die Waldner-Klinik leitete, hatte sich Stefan als Hausarzt und Geburtshelfer eine eigene Praxis in Grünwald eingerichtet.

Patienten, die eine Operation benötigten, überwies er trotzdem meist in Ulrichs Klinik, was aber nicht vorrangig ihrer Freundschaft geschuldet war, sondern dem ausgezeichneten Ruf der Klinik. Natürlich hatte sich dadurch auch ihre Freundschaft vertieft, was umso angenehmer war, als sich ihre Lebensgefährtinnen ebenfalls ausgezeichnet verstanden.

Da Ruth eine exzellente Gastgeberin und Köchin war, luden die Waldners im Sommer öfter mal Freunde zu einem opulenten Festessen auf die Dachterrasse ein. Da war es unvermeidlich, dass, wenn Stefan und Alexandra die Gäste waren, es regelmäßig zu langen Fachgesprächen kam, die manchmal bei Wein und Kerzenschein bis weit nach Mitternacht andauerten. Sobald sich zwei Ärzte trafen, waren medizinische Themen unvermeidlich, und hier waren in diesem Fall gleich vier Ärzte versammelt.

Heute nun sollte sich zeigen, ob die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen Ruth und Ulrich auch in der Küche so gut funktionierte. Die beiden Paare hatten sich darauf geeinigt, dass die Waldners für den Hauptgang und das Ambiente zuständig waren, während sich Stefan und Alexandra um die Vorspeisen und den Nachtisch kümmern würden.

Zum Glück war die Küche groß genug für vier Personen. Aber je weiter der Nachmittag fortschritt, umso häufiger standen sie sich im Weg, und irgendwann wischte sich Ruth angestrengt über die Stirn.

„Ich glaube, wir sollten beim nächsten Mal lieber wieder nach altem Muster vorgehen“, sagte sie schließlich. „Wer einlädt, kocht, und die Gäste bringen den Wein mit. Ich kann mich in meinem Refugium gar nicht richtig bewegen.“

„Ja, das fände ich auch gut“, ging Stefan schnell auf das Angebot ein, da sein Beitrag in den letzten Minuten vor allem darin bestanden hatte, den anderen dreien auszuweichen. „Man weiß ja auch gar nicht, wo sich alles befindet. Stellt euch mal vor, das liefe in meiner Praxis genauso und meine gute Martha hätte plötzlich keinen Durchblick mehr.“

Alle lachten, denn natürlich kannten sie Stefans resolute Sprechstundenhilfe Martha Giesecke, die mit schnoddriger Berliner Schnauze und großem Berliner Herzen in seiner Praxis ein strenges Regiment führte. Wenn etwas nicht in festgefügten Bahnen lief und sich dadurch Verzögerungen einstellten, konnte Schwester Martha ziemlich ungemütlich werden.