Dr. Stefan Frank 2589 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book

Dr. Stefan Frank 2589 - Arztroman E-Book

Stefan Frank

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Beschreibung

Claudia Scheffler hat im letzten Jahr ihren Facharzt gemacht und eine eigene gynäkologische Praxis eröffnet. Während ihr Mann sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, ist Claudia zurzeit die Hauptverdienerin. Um die Praxisräume ausstatten zu können, hat sie einen hohen Kredit aufgenommen und einen weiteren zahlt sie für das alte Fachwerkhaus ab, das sie gemeinsam mit ihrem Mann und den vierjährigen Zwillingen bewohnt. Mit Nachtdiensten in der Walder-Klinik versucht die junge Ärztin, sich etwas dazu zu verdienen. Wenn sie nach einem langen Praxistag nach Hause kommt, hat sie noch zwei Stunden Zeit, bevor sie in die Klinik aufbricht. Diese Zeit bleibt ihr, um mit Mann und Kindern zu Abend zu essen, sich anzuhören, wie ihr Tag verlaufen ist, und im schlimmsten Fall Tränen zu trocknen. So geht es tagein tagaus. Bis Claudias Körper und Geist streiken. Ihre Ressourcen sind aufgebraucht. Eines Abends wird ihr plötzlich schwindlig, die Knie geben nach. Und es ist ihr, als würde eine gewaltige Welle über ihrem Kopf zusammenschlagen ...

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Seitenzahl: 126

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Inhalt

Cover

Das Limit überschritten

Vorschau

Impressum

Das Limit überschritten

Roman um eine junge Ärztin, die völlig ausgebrannt ist

Claudia Scheffler hat im letzten Jahr ihren Facharzt gemacht und eine eigene gynäkologische Praxis eröffnet. Während ihr Mann sich um die Kinder und den Haushalt kümmert, ist Claudia zurzeit die Hauptverdienerin. Um die Praxisräume ausstatten zu können, hat sie einen hohen Kredit aufgenommen und einen weiteren zahlt sie für das alte Fachwerkhaus ab, das sie gemeinsam mit ihrem Mann und den vierjährigen Zwillingen bewohnt. Mit Nachtdiensten in der Walder-Klinik versucht die junge Ärztin, sich etwas dazu zu verdienen.

Wenn sie nach einem langen Praxistag nach Hause kommt, hat sie noch zwei Stunden Zeit, bevor sie in die Klinik aufbricht. Diese Zeit bleibt ihr, um mit Mann und Kindern zu Abend zu essen, sich anzuhören, wie ihr Tag verlaufen ist, und im schlimmsten Fall Tränen zu trocknen.

So geht es tagein tagaus. Bis Claudias Körper und Geist streiken. Ihre Ressourcen sind aufgebraucht. Eines Abends wird ihr plötzlich schwindlig, die Knie geben nach. Und es ist ihr, als würde eine gewaltige Welle über ihrem Kopf zusammenschlagen ...

»Gott sei Dank, endlich Feierabend.« Ulrich Waldner, Leiter der Waldner-Klinik, seufzte herzhaft und hängte seinen Arztkittel an den Garderobenhaken. »Wie sieht's mit dir aus, Stefan? Kommst du auch? Wollen wir zusammen noch ein Bier trinken?«

Dr. Stefan Frank gehörte nicht zum Klinikpersonal, sondern führte in Grünwald seine eigene Praxis als Geburtshelfer und Allgemeinmediziner. Patienten, bei denen ein Krankenhausaufenthalt notwendig wurde, überwies er jedoch grundsätzlich zu Ulli Waldner, und bei einigen, die auf ein besonderes Vertrauensverhältnis angewiesen waren, übernahm er einen Teil der Behandlung selbst.

So auch bei Frieda Wagenknecht, die heute ihre schwere Unterleibsoperation hinter sich gebracht hatte. Sie befand sich noch im Überwachungsraum und war nach einem kurzen Erwachen bereits wieder weggedämmert. Die Narkose wirkte noch nach, und die ältere Dame würde erfahrungsgemäß erst in ein paar Stunden richtig wach werden.

»Ich bleibe über Nacht hier, wenn du nichts dagegen hast, Ulli«, antwortete Stefan seinem Freund, den er bereits seit ihrem gemeinsamen Studium kannte. »Ich habe Frau Wagenknecht versprochen, dass ich da bin, wenn sie zu sich kommt. Du weißt ja, was für furchtbare Angst sie hatte – und wenn sie erst einmal wach ist, wird sie unzählige Fragen haben.«

»Wie du meinst, alter Junge.« Ulli klopfte Stefan die Schulter und schob ihm den Schlüssel zu seinem Büro, in dem er auch ein Bett stehen hatte, hin. »Aber sieh zu, dass du auch ein bisschen Schlaf bekommst. Ich habe eine wirklich verlässliche Nachtdienstärztin hier. Frau Dr. Scheffler. Gynäkologin, junge Kollegin und nur zur Aushilfe, aber eine richtig gute Kraft.«

»Das glaube ich dir gerne«, sagte Stefan, der wusste, dass Ulli bei der Auswahl seines Personals mit äußerster Sorgfalt vorging. »Hast du vor, sie über kurz oder lang fest anzustellen?«

Ulli schüttelte den Kopf.

»Würde ich sofort machen, aber leider steht sie nicht zur Verfügung. Sie baut sich eine eigene Praxis auf, aber das dauert natürlich bis das so richtig ins Laufen kommt. In der Zwischenzeit verdient sie sich bei uns durch Nachtschichten ein bisschen was dazu.«

»Ich verstehe«, antwortete Stefan. »Wenn du sie empfiehlst, kann ich ihr vielleicht mal eine Patientin überweisen. Zwar übernehme ich im gynäkologischen Bereich ja das meiste selbst, aber den einen oder anderen Fall, der nicht in mein Fachgebiet fällt, gibt es doch immer wieder.«

»Damit triffst du ganz sicher keine schlechte Wahl«, sagte Ulli. »Wer weiß, vielleicht begegnet ihr zwei Nachtgespenster euch ja in den nächsten Stunden, und du kannst dir persönlich ein Bild von ihr machen.«

Stefan bedankte sich, bestellte Grüße an Ullis Frau Ruth und wünschte dem Freund eine gute Nacht. Dann setzte er sich an Ullis Schreibtisch, ließ aber den Pager eingeschaltet, um sofort zu erfahren, wenn Frieda Wagenknecht zu sich kam. Er hatte sich Arbeit mitgebracht, um die Stunden des nächtlichen Wartens zu nutzen. Dass es während der Nacht besonderen Ereignissen kommen würde, war nicht zu erwarten. Die Patienten auf der Station waren samt und sonders in stabilem Zustand.

Schlaf und Erholung waren wichtige Pfeiler der Gesundheit und wurden viel zu oft unterschätzt. Ein Mensch, der überfordert war und nicht genug schlief und sich ausruhen, konnte nicht genesen, ganz egal, mit welchen modernsten medizinischen Methoden er behandelt wurde. Sein Körper brachte einfach nicht die Kraft dazu auf.

Auch der menschliche Geist hatte etwas von einem komplizierten technischen Gerät, dessen Batterien regelmäßig neu aufgeladen werden mussten.

Wie merkwürdig, dachte Stefan. Bei unseren Handys und Computern denken wir ganz selbstverständlich daran, doch wenn es um unsere eigenen Ressourcen geht, betragen wir uns, als würden unsere Speicher niemals leer.

Er selbst war froh darüber, dass er in seiner geliebten Alexandra eine Partnerin an der Seite hatte, die ihn daran erinnerte, dass auch er nur ein Mensch aus Fleisch und Blut und keineswegs aus Eisen war. Und Stefan wiederum erinnerte sie, wenn sie einmal vergaß, dass sie Pausen brauchte, um für ihre anstrengende Arbeit frische Kräfte zu tanken.

Alexandra war ebenfalls Ärztin. Sie kannte die Anforderungen, die der Beruf stellte, nur zu gut. Beide übten sie ihren Beruf mit Leidenschaft aus, gaben ihren Patienten alles und gerieten dabei nicht selten ans Limit ihrer eigenen Leistungsfähigkeit. Dann wurde es höchste Zeit, einen Gang zurückzuschalten und daran zu denken, dass sie mit sich selbst pfleglich umzugehen hatten.

Wenn ein Mensch nämlich erst einmal zusammenbrach, war es unendlich schwierig und dauerte lange, ihn wieder aufzubauen. In manchen Fällen gelang es sogar überhaupt nicht. Dementsprechend hatte Alexandra auch die Stirn gerunzelt, als Stefan bekannt gegeben hatte, dass er die Nacht in der Klinik bei Frieda Wagenknecht verbringen würde.

»Das ist die dritte Nachtschicht in zehn Tagen«, hatte sie zu bedenken gegeben. »Du mutest dir zu viel zu, Stefan, du hast schließlich tagsüber Patienten, die ebenfalls deine volle Aufmerksamkeit benötigen.«

»Ja, aber ich kann mich an den Abenden, an denen ich nach Hause komme, in den Armen von Münchens wundervollster Frau vollständig regenerieren«, hatte Stefan gesagt und sie zärtlich geküsst.

Alexandra aber konnte erstaunlich hartnäckig sein, vor allem wenn es um seine Gesundheit ging.

»Das genügt nicht«, beharrte sie. »Ja, richtig, wir haben beide keine Familie, um die wir uns abends noch kümmern müssten, und werden von Frau Quandt, was den Haushalt betrifft, rundum verwöhnt. Trotzdem will ich, dass du auf der Hut bist. Ich liebe dich nämlich und will dich noch eine ganze Weile behalten.«

Wieder hatte ein langer, zärtlicher Kuss ihr Gespräch unterbrochen.

»Wir fahren ja in zwei Wochen in den Urlaub«, hatte Stefan dann gesagt. »Und du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue.«

Zehn Tage Wanderurlaub im herrlichen Südtirol. Für Stefan klang das wie das Paradies schlechthin. Sie hatten eine Hütte ganz für sich allein gemietet, würden sich tagsüber an den Schönheiten der herbstlichen Landschaft erfreuen, abends im Ort köstlich essen gehen und anschließend ihre Zweisamkeit am Kamin genießen.

»Ich kann es gar nicht mehr erwarten«, bekundete er aufrichtig.

»Ich auch nicht, Liebster«, erwiderte Alexandra liebevoll. »Aber ich verlange von dir, dass die Arbeit zu Hause bleibt. Und wenn wir zurückkommen, trittst du ein bisschen kürzer, damit die Urlaubserholung nicht gleich wieder für die Katz ist. Versprichst du mir das?«

Stefan hatte es fest versprochen, wusste er doch, dass seine Liebste recht hatte. Sie sorgte sich um ihn, und er war ihr dafür dankbar. Es hatte auch andere Zeiten in seinem Leben gegeben, dunkle Zeiten, in denen er allein mit Dämonen der Vergangenheit gekämpft und sich kopfüber in seine Arbeit gestürzt hatte, weil er nur darin Halt und Sinn fand.

Alexandra war es nicht anders ergangen.

Sie beide hatten Tragödien durchlebt, die sie bis an den Rand des Erträglichen, des Menschenmöglichen getrieben hatten. Erst durch ihre Liebe war es ihnen beiden gelungen, sich aus diesem tiefen Tal heraus zu kämpfen.

Der Piepton des Rufgeräts ließ Stefan aufschrecken. Über seinen Gedanken an die Vergangenheit und an das Wunder seiner Liebe zu Alexandra musste er ein wenig eingenickt sein. So gut wie alle Ärzte, die Stefan kannte, verstanden sich darauf: Powernap nannte man das heutzutage. Stefan fand diese Bezeichnung allerdings irreführend, ja sogar nicht ungefährlich, weil der Körper aus einem so kurzen Augenblick des Halbschlafs keineswegs ›power‹ – also Kraft – beziehen, sondern höchstens kurz Luft schöpfen konnte. Vom Geist ganz zu schweigen. Um sich wirklich zu erholen, musste ein Mensch in der Lage sein, abzuschalten und all das, was ihn tagsüber beschäftigte, für ein paar Stunden regelrecht zu vergessen.

Stefan erhob sich und machte sich auf den Weg zu den Überwachungsräumen. Mit gedämpfter Stimme meldete er sich auf dem Rufer.

»Guten Abend, Stefan Frank hier. Ich nehme an, meine Patientin ist aufgewacht?«

Von Abend konnte eigentlich gar keine Rede mehr sein, denn es war bereits lange nach Mitternacht.

Eine weibliche Stimme meldete sich, die trotz des schnarrenden Gerätes angenehm klang: »Ja, Herr Dr. Frank? Hier Claudia Scheffler, die Nachtschicht. Nachtschwester Cordula hat mir gesagt, dass Sie sofort benachrichtigt werden sollen, wenn Frau Wagenknecht zu sich kommt. Ich habe bereits Fieber und Blutdruck gemessen, es ist alles im grünen Bereich. Auch die Operationswunde sieht ausgezeichnet aus. Ich kann den neuen Verband gerne schon anlegen, wenn Sie wollen.«

Stefan musste lachen. »Donnerwetter, Sie haben ja schon für alles gesorgt. Normalerweise beharrt Frau Wagenknecht darauf, dass ich der einzige Weißkittel bin, den sie in ihre Nähe lässt, aber Sie haben offenbar sämtliche Mauern und Schranken bei ihr durchbrochen. Wie es aussieht, bin ich hier überflüssig und könnte eigentlich nach Hause schlafen gehen.«

»Ach nein, Herr Dr. Frank, Sie müssen kommen.« In der Stimme der jungen Frau schwang ebenfalls ein Lachen. »Frau Wagenknecht freut sich doch so sehr auf Sie, sie will Ihnen unbedingt erzählen, dass ihr unter der Narkose ihr Hannes erschienen ist und ihr versichert hat, dass alles gut gehen wird.«

»Von Hannes hat sie Ihnen auch schon berichtet?«, fragte Stefan erstaunt. »Alle Achtung. Das ist so ungefähr der größte Vertrauensbeweis, den sie jemandem entgegenbringen kann.«

Hannes war Frieda Wagenknechts Verlobter gewesen, den sie über alles geliebt und viel zu jung bei einem Unfall verloren hatte.

»Ich habe danach nie wieder einen Mann lieben können«, hatte sie Stefan erzählt. »Hannes war einfach der Partner für mich, und in meinen Gedanken sind wir noch immer verbunden. Ich spreche sonst mit niemandem darüber, Herr Doktor. Aber Sie sind mir so vertraut ...«

Die junge Frau lachte von Neuem ihr sympathisches, ein wenig verlegenes Lachen, das ohne das Schnarren des Rufgerätes gewiss noch angenehmer klang. »Ich habe mich auch sehr geehrt gefühlt«, sagte sie. »Frau Wagenknecht ist eine so nette Patientin.«

Stefan beschleunigte seinen Schritt, und erreichte gleich darauf den Überwachungsbereich. Die junge Kollegin – Claudia Scheffler – erwartete ihn im Eingangsbereich, wo sie einen Krug mit Wasser füllte.

»Hallo«, begrüßte sie ihn freundlich. »Sie müssen der höchst wunderbare Dr. Frank sein, von dem ich schon so viel gehört habe.«

»Also so sehr wunderbar habe ich mich zwar nicht in Erinnerung, aber Dr. Frank ist eindeutig mein Name«, erwiderte Stefan lächelnd und reichte ihr die Hand.

Claudia Scheffler ergriff sie und drückte sie überraschend fest. Sie war viel schmaler, kleiner und zierlicher, als er vermutet hatte, doch ihr Gesicht, obwohl bleich und übermüdet, wirkte genauso offen und sympathisch, wie er es sich beim Klang ihrer Stimme vorgestellt hatte. Ihr dunkles Haar hatte sie sich straff aus dem Gesicht gekämmt und mit einer Klammer am Hinterkopf befestigt. Ein paar Härchen hatten sich aus dieser rein praktischen Frisur jedoch befreit und ringelten sich um ihr hübsches Gesicht, was jeglichen Eindruck von Strenge auslöschte.

»Die Patienten schwärmen jedenfalls in den höchsten Tönen von Ihnen«, sagte Claudia Scheffler. »Allen voran natürlich Frau Wagenknecht.«

»Die Patienten sollen nicht schwärmen, sondern schlafen und Ihnen ein bisschen Ruhe lassen«, entgegnete Stefan Frank noch immer schmunzelnd. »Ulrich Waldner hat mir erzählt, Sie betreuen tagsüber auch noch Patienten in Ihrer eigenen Praxis?«

Claudia Scheffler nickte. »Ich habe letztes Jahr erst meinen Facharzt gemacht und dann im Januar die Praxis eröffnet«, berichtete sie. »Es läuft ganz gut an, aber bis es sich so richtig rechnet, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Um die Praxis ausstatten zu können, habe ich einen ziemlich hohen Kredit aufgenommen – und mit einem weiteren haben mein Mann und ich ein altes Fachwerkhaus vor der Stadt gekauft, das wir selbst restaurieren. Deshalb verdiene ich mir mit den Nachtschichten etwas dazu.«

»Da haben Sie sich aber eine Menge auf einmal vorgenommen«, entfuhr es Stefan spontan.

Verlegen lachte Claudia Scheffler auf.

»Ja, mein Mann Markus und ich wollten wohl irgendwie alles auf einmal. Er ist Künstler, da braucht er ein Atelier mit viel Licht, und für die Familie, die wir gründen wollten, wünschten wir uns genug Platz zum Spielen und Herumtoben. Als wir dann auf dieses wunderschöne, völlig heruntergekommene alte Haus gestoßen sind, hat es einfach zu uns gesagt: Nehmt mich. Ich bin euer künftiges Zuhause.«

»Das klingt, als hätten Sie unmöglich widerstehen können«, sagte Stefan. »Und Familie haben Sie also auch noch?«

Die junge Ärztin nickte. »Markus und ich wollten gern junge Eltern werden. Damit, dass das erste Kinderglück dann gleich doppelt kam, hatten wir zwar nicht gerechnet, aber die beiden waren uns trotzdem herzlich willkommen.«

Zwillinge, eine eigene Praxis, ein altes Haus, das restauriert werden musste, und obendrein auch noch Nachtschichten im Krankenhaus, schoss es Stefan durch den Kopf. Diese junge Frau ging wahrlich alles andere als schonend mit ihren Kräften um.

»Passen Sie auf sich auf«, sagte er mit einer leisen Warnung in der Stimme. »Sie scheinen eine Frau zu sein, die von vielen Menschen dringend gebraucht wird – von Ihrer Familie allen voran. Dabei vergisst man nur zu leicht, auf sich selbst zu achten und mit seinen Ressourcen hauszuhalten.«

»Wem sagen Sie das.« Claudia Schefflers Lachen klang ein wenig resigniert. »Ich suche immer noch nach einer App zur Verlängerung der Tage auf sechsunddreißig Stunden. Die würde ich mir sofort auf mein Handy laden.«

»Wenn Sie eine gefunden haben, geben Sie sie bitte auch an mich weiter.« Stefan lachte mit. »Davon abgesehen könnte ich Ihnen ein paar meiner Patienten überweisen, wenn ich Ihnen damit weiterhelfe. Ich fahre in Kürze in Urlaub, und die Praxis, in die ich normalerweise die dringenden Fälle schicke, ist bereits überlaufen. Falls Sie also noch Kapazitäten haben ...«

»Oh ja, bitte!«, rief die junge Kollegin hastig. »Ich bin froh über jeden Verdienst. Mein Mann ist, wie gesagt, Künstler, da ist es nicht so einfach, sich zu etablieren ...« Sie errötete und unterbrach sich. »Aber ich sollte Sie wirklich nicht noch länger mit meinen gesammelten Problemen aufhalten. Sie sind doch Frau Wagenknechts wegen hiergeblieben, und die freut sich schon so sehr.«

»Sie haben mich nicht mit Ihren Problemen aufgehalten«, versicherte Dr. Frank. »Im Gegenteil, ich fand es sehr nett, Sie kennenzulernen. Und unter uns Kollegen ergibt sich ja immer mal die Gelegenheit, dass der eine dem anderen unter die Arme greift. Wer weiß also, ob ich nicht auch bald einmal Ihre Hilfe brauche?«

»Das würde mich jederzeit sehr freuen«, sagte Claudia Scheffler, und genauso hatte Stefan sie nach dem kurzen Gespräch auch eingeschätzt: Sie war eine, die immer und überall anderen ihre Hilfe anbot, und er konnte ihr nur von Herzen wünschen, dass niemand das ausnutzte.

Claudia hielt ihm die Wasserkaraffe hin, die sie eben gefüllt hatte.

»Hier, könnten Sie das bitte Frau Wagenknecht mitnehmen? Sie hatte mich um etwas Wasser gebeten.«