Eure Gräber sind geschaufelt - U.H. Wilken - E-Book

Eure Gräber sind geschaufelt E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Der Autor steht für einen unverwechselbaren Schreibstil. Er versteht es besonders plastisch spannende Revolverduelle zu schildern und den ewigen Kampf zwischen einem gesetzestreuen Sheriff und einem Outlaw zu gestalten. Er scheut sich nicht detailliert zu berichten, wenn das Blut fließt und die Fehde um Recht und Gesetz eskaliert. Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen). Killt Buccaneer! Schickt ihn in die Hölle, Amigos! Vaya al diablo, Buccaneer! Das versuchen fünf Mann. In dieser Nacht lauern sie Buccaneer auf. Sie wollen den König von Cochise County töten. Auf seinem Land. Big Buccaneer kommt aus dem Nebel am Fluss hervorgeritten. Seine Leibwache ist noch nicht zu sehen. Fünf schießen, was die Eisen hergeben. Blei trifft Buccaneers Pferd, peitscht ihm in die Flanke. Röhrend bäumt sich das Tier auf, schlägt zuckend um. Buccaneer wird aus dem Sattel geschleudert. Schemenhaft wirbelt er durch den Dunst. Noch im Sturz erwischt es ihn. Dann stürzt er in die Bodennebel, ist kein Ziel mehr. »Weg!«, brüllt einer der Schießer. »Presto!« Geduckt flüchten fünf Mexikaner.

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Seitenzahl: 140

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die großen Western – 412 –Eure Gräber sind geschaufelt

U.H. Wilken

Killt Buccaneer!

Schickt ihn in die Hölle, Amigos! Vaya al diablo, Buccaneer!

Das versuchen fünf Mann. In dieser Nacht lauern sie Buccaneer auf. Sie wollen den König von Cochise County töten. Auf seinem Land. Big Buccaneer kommt aus dem Nebel am Fluss hervorgeritten. Seine Leibwache ist noch nicht zu sehen.

Fünf schießen, was die Eisen hergeben.

Blei trifft Buccaneers Pferd, peitscht ihm in die Flanke. Röhrend bäumt sich das Tier auf, schlägt zuckend um.

Buccaneer wird aus dem Sattel geschleudert. Schemenhaft wirbelt er durch den Dunst. Noch im Sturz erwischt es ihn. Dann stürzt er in die Bodennebel, ist kein Ziel mehr.

»Weg!«, brüllt einer der Schießer. »Presto!«

Geduckt flüchten fünf Mexikaner. Ihre Waffen rauchen noch.

Keuchend erreichen sie die Pferde. Schon sitzen sie in den Holzsätteln. Scharf reiten sie an. Sie verlassen die Deckung der Felsen am Fluss und treiben die Pferde am Wasser entlang.

Die Antwort in Blei kommt. Sie lässt nicht länger auf sich warten. Buccaneers Leibwache taucht auf.

Drei Reiter preschen näher.

Sie sehen die flüchtenden Mexikaner kaum mehr. Dennoch eröffnen sie sofort das Feuer. Mündungsfeuer stechen durch die Nebelwand.

Die drei Leibwächter riskieren ihr Leben. Dafür werden sie gut bezahlt. Sie holen auf. Jetzt haben sie den letzten Reiter deutlich vor sich.

Gleich mehrere Kugeln treffen den Mexikaner, zertrümmern das Rückgrat. Schlaff fällt der Tote nach vorn. Die Arme schlagen um den Hals des Pferdes. Der Tote bleibt im Sattel hängen.

Die anderen Mexikaner brüllen auf, reißen die Pferde halb herum. Sie antworten mit einem Sperrfeuer. Sie schießen zurück, bis die Waffen leer sind. Dann flüchten sie weiter. Dunstschwaden schlagen hinter ihnen zusammen. Der Tote reitet mit.

Ein Leibwächter ist noch im Sattel.

Schwerverwundet hält er sich am Sattelbügel fest. Starr blickt er in die Nebelwand. Der trommelnde Hufschlag entfernt sich in Richtung der Wüstenregion. Irgendwo hinter all den kahlen Höhenzügen und öden Hügeln liegt das Wüstenstädtchen Adobe.

Jetzt ist nichts mehr zu hören. Die Nebel am Fluss und der Sand der Wüste haben den Hufschlag geschluckt.

Langsam kehrt der Leibwächter um.

Er kommt an den beiden anderen Leibwächtern vorbei. Tot liegen sie zwischen Comas. Abseits wiehern zwei Pferde.

Der Leibwächter findet Big Buccaneer.

Scheinbar leblos liegt Buccaneer am Boden.

Doch er ist nicht tot. Er wird überleben. Noch in dieser Nacht wird Big Buccaneer einen Befehl geben. Der ungekrönte König von Cochise County muss sich seiner Haut auch weiterhin wehren. Er weiß das.

Darum hetzt er in dieser Nacht seine Meute los.

*

Die letzte Schaufel Erde fällt ins Loch.

Den Rest Sand schieben sie mit den Füßen nach.

Das Grab ist zu.

Einer der Mexikaner spuckt Schleim und Staub aus.

»Schade drum – aber jetzt ist er gut dran.«

»Du sagst es«, grollt der Nebenmann. »Unser Freund hat sich mit Spielschulden davongemacht! Caramba, diese Leiche schuldet mir noch zwölf Pesos! Sauerei!«

»Mann, krieg nicht gleich Blähungen! Was regst du dich auf, he? Wir haben Big Buccaneer eins verplättet! Das ist doch was, oder? Man wird ihn in Staub betten, so wie wir unseren Amigo hier eingekuhlt haben. Hauptsache, die Verfolger spüren uns hier nicht auf.«

»Gehen wir lieber«, schlägt ein anderer vor. »Tina wartet.«

»Bueno, du hast recht. Tina kann vom Hotelfenster aus jeden rechtzeitig sehen, der nach Adobe will. Gehen wir zu ihr aufs Zimmer.«

Schweigend stiefeln sie vom Friedhof. Staub wallt unter den Schritten auf, weht über eingesunkene Gräber hinweg.

Die vier Mexikaner sind weiterhin schwer bewaffnet. Alle Waffen sind längst aufgeladen.

Langsam nähern sie sich dem Hotel. Das ist das einzige Haus mit einem Obergeschoss. Alle anderen Häuser und die Hütten ducken sich im Abendrot. Die alte kleine Stadt aus Adobe träumt vor sich hin.

Adobe führt ein jämmerliches Schattendasein. Im benachbarten Cochise County gibt es nämlich eine große Stadt – und die gehört Big Buccaneer. Von hier aus ist es ein weiter Weg bis dorthin.

In Adobe ist es also sterbenslangweilig.

Das mit der Langeweile ändert sich schon bald. Noch vor Sonnenuntergang. Da kommt nämlich ein Reiter näher. Und dieser Reiter ist wirklich zufällig Bronson.

Plötzlich klappern die Hufe seines Pferdes über die Plaza von Adobe.

Die blutjunge Mexikanerin Tina beobachtet ihn vom Fenster des Hotelzimmers aus.

Natürlich kennt sie den Mann in Schwarz nicht. Sie sieht die staubige Lederkleidung und den schwarzen Stetson, der grau vor Staub ist. Mehr kann sie von ihm nicht erkennen. Nur noch dies: dass er ein sehr gutes Pferd reitet. Er hat gut tausend Dollar unterm Hintern. So viel ist das Pferd bestimmt wert.

Niemand kennt Bronson. Er ist ein Fremder in Adobe. Trotzdem wollen ihn die vier Mexikaner umlegen.

Sie halten ihn für einen Verfolger. Weder sie noch Tina entdecken den anderen Reiter, der sich mit der Dämmerung langsam der Stadt nähert.

Die vier Mexikaner wollen sich mit Bronson anlegen. Das kann für sie böse ins Auge gehen.

Sie machen nämlich jetzt schon einen Fehler: Sie unterschätzen ihn.

Lauernd stehen sie hinter Tina im Hotelzimmer.

Der Abendwind fächelt herein und bauscht die alte Gardine. Tina beugt sich nun etwas vor. Sie will Bronson im Auge behalten.

»Er kommt her«, sagt sie leise. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein Verfolger ist. So allein? Aber man kann ja nie wissen.«

»Deshalb legen wir ihn gleich um, Tina!«

Tina schüttelt den Kopf. Sie ist klüger. Sie kann diesen Fremden mit ihren Waffen fertigmachen. Die Wirkung ist auch ohne Blei umwerfend. »Lasst euch Zeit mit dem Abschuss, Amigos. Ich kümmere mich um ihn. Beobachtet ihn nur, aber lasst euch nicht sehen.«

»Weißt du auch, was du tust, Tina?«, krächzt einer der wilden Gesellen. »Vielleicht wird er zum Tier!«

Sie lacht verhalten auf.

»Ich mag Tiere! Macht euch keine Sorgen. Vertraut mir. Den Hombre leg ich aufs Kreuz! Adelante, geht nach unten, verschwindet nach hinten.«

»Verlang nicht von uns, dass wir still zusehen, wenn er dir an die Wäsche will, Tina!«

»Darüber denke nicht nach, Freund! Los, haut ab!«

Sie ist allein. Die vier steigen die Treppe hinunter. Weit beugt Tina sich aus dem Fenster. Dabei liegen ihre Brüste schwer in der Bluse. Mit mehrmaligem Hüsteln macht sie sich bemerkbar.

Bronson hält an.

Um sie sehen zu können, muss er den Kopf weit zurücklegen. Diese kleine Mühe lohnt sich aber. Denn was er dort oben am Fenster sieht, ist schon eine volle Granate.

Tina lächelt.

Ihre weichen Lippen schimmern rot in der Abendsonne wie überreife Orangen.

Gerechter, denkt er, ein Engel! Und das in so einer miesen Town! Eine Überraschung für Vater. Mädchen, du bist reif zum Pflücken, aber von Fallobst kann bei dir keine Rede sein.

Das denkt er nicht nur – das verrät auch sein Gesichtsausdruck.

Tina sagt kein einziges Wort – doch ihre zarte rechte Hand lockt mit einer kaum merklichen Geste.

Sie macht einen auf naiv. Sie wirkt in diesem Augenblick auch wie ein zauberhaft natürliches Dorfmädchen, herrlich jung und schön doof. Doch sie hat es faustdick hinter den Ohren.

Fragend blickt er zu ihr auf.

Sie scheint zu nicken!

Mann, sie ist hungrig! Hier ist ein Notstand ausgebrochen! Stimmt – kein Aas zu sehen. Alle sitzen wie die Hühner auf ihren Eiern rum. Und das am Abend! O verdammt.

Er schluckt trocken, lenkt sein Pferd unter das Vordach und sitzt ab.

Das breite Schild über dem Eingang besagt, dass sich unten der Saloon und oben die Hotel-Suite befindet.

Er braucht sein Pferd nicht anzuleinen. Kein Fremder bekommt es vom Fleck weg. Er kann sogar sein Gewehr im Scabbard steckenlassen. Zudem lässt er das Pferd hier zurück, damit Cayuse weiß, wo er ist.

Cayuse ist der andere, der mit der Dämmerung kommt.

Auf langen Beinen bewegt er sich in den halbdunklen Saloon hinein. Zu sehen ist niemand – bis auf Tina, die ihn oben an der Treppe erwartet.

Obwohl es ziemlich schummrig ist, kann er erkennen, wie schlank und gut proportioniert sie ist. Es stimmt eben alles bei ihr. Lang fällt das schwarze Haar in weichen Wellen auf die bloßen Schultern. Die Bluse wird durch eine Kordel gehalten, doch der Knoten hat sich zwischen den Brüsten gelockert. Ein luftiger Rock berührt mit dem Saum gerade noch die Knie. Weiche Schnürsandalen schützen die bloßen Füße vor Sand und Dornen. Barfuß kann sie selbst im Saloon nicht umhergehen. Reste von Tonkrugscherben liegen am Boden.

»Buenas noches«, grüßt er lächelnd. »Bedienst du hier?«

Seine Frage irritiert sie ein wenig. So fragt kein Verfolger – schon gar nicht einer von Big Buccaneers Meute.

Doch sie lächelt und kommt nun langsam die Treppe herunter.

»Ja – warum nicht?«, haucht sie.

Er sieht, wie sie mit den gleitenden Bewegungen einer Raubkatze hinter den Tresen geht. Nichts ist abstoßend dabei, nichts wirkt erzwungen. Alles ist von einer natürlichen Harmonie. Sie steht nun hinter der Theke und blickt ihn fragend an.

»Pulque? Whisky?«

»Gib mir einen Whisky, schön voll das Glas.«

Sie füllt sein Glas und schenkt sich selber Pulque ein.

»Ziemlich dunkel hier«, meint sie. »Wie wär’s auf meinem Zimmer? Die Sonne geht unter. Es ist schön oben.«

Sie will zurück, weil sie von oben aus einen weiten Blick in das Wüstental hat. Natürlich missversteht er das. Zumindest gibt es dieses Missverständnis in diesem Moment. Als er mit ihr auf dem Zimmer ist, klärt sich das Missverständnis schnell. Noch immer selbstbewusst, setzt sich Tina mit dem Glas Pulque in der Hand auf die Bettkante.

Bronson tut so, als habe er nicht bemerkt, wie sie einen langen Blick aus dem Fenster geworfen hat. Wie suchend dreht er sich um, grinst auf einmal und setzt sich zu Tina.

Die letzten Sonnenstrahlen fallen herein. Der Himmel im Westen glüht. Schwacher Wind bewegt die Gardine. Nur leise dringen die Stimmen einiger Menschen von Plaza und Straße herauf.

In dem Zimmer ist es noch drückend warm. Tina atmet hörbar. Es muss diese drückende Wärme sein, die sie unruhig macht. Denn sie ist ein Luder, durchtrieben und kalt wie eine Hundeschnauze. Jedenfalls war sie das bis jetzt.

Sie kann sich Bronsons Bann nicht entziehen. Dabei tut er gar nichts. Sitzt nur dicht neben ihr, und ihre Hüften berühren sich.

Seine unmittelbare Nähe macht sie fiebrig. Dagegen kann sie nichts machen. Sie vergisst auf einmal sogar, dass fünf Compadres auf Buccaneers Land ritten und auf Big Buccaneer schossen, dass ein Compadre begraben ist und eine wilde Meute Verfolger hier in Adobe auftauchen kann.

»Es ist immer noch heiß«, flüstert sie und stellt das geleerte Glas zu Boden.

Er blickt tief in ihre dunklen Augen. »Dann tu was dagegen«, ermuntert er sie.

»Ja.« Seufzend löst sie den Knoten der Kordel und streicht dann das lange Haar in den freien Nacken. Langsam legt sie sich zurück und verschränkt die Arme unterm Kopf.

»Ist es besser?«, erkundigt er sich fürsorglich.

Sie lächelt und öffnet ein wenig den Mund, haucht ein Ja und blickt ihn unverwandt an. Seine Augen verraten, was er denkt und was er will. Diese gänzliche Offenheit jagt ihr heiße Schauer über den Leib. Mühsam bringt sie Ordnung in ihre Gedanken.

»Warum bist du hier?«

»Weil mein Pferd und ich was saufen wollen.«

»Warum kümmerst du dich dann nicht um dein Pferd?«

»Eins nach dem anderen.« Er grinst frech. »Was willst du noch wissen? Wie ich heiß? Bronson. Ich bin der Sohn vom alten Bronson. Auch er war Zureiter. Nur nicht auf ’ner Ranch. Und wie heißt du?«

»Tina.«

»Sehr schön, Tina. Hast du was dagegen, wenn ich Stiefel und Hemd ausziehe? Es ist wirklich heiß hier. Wenn dich der Geruch stört – ich häng die Füße nachher aus dem Fenster.«

»Mich stört so was nicht. Ich hab vier Brüder. Sie waschen sich noch nicht einmal den Hals.«

»Mir ist der Gestank gleich aufgefallen. Sie sind hier, nicht wahr?« Er zerrt die Stiefel von den Füßen und das Hemd vom Oberkörper. »Sag die Wahrheit, Tina. Du sollst mich ausnehmen wie ’ne Weihnachtsgans, und sollte ich aufmucken, erscheinen deine Brüder und pusten mir ihr Blei zwischen die Rippen.«

Er hält sie also für eine mexikanische Dirne, die für ihre Brüder anschaffen geht. Solche Mädchen gibt es überall. Nur nicht so ein schönes Mädchen wie Tina. Sie ist wie ein kostbarer Nerz: hineinschlüpfen und sich wohlfühlen. Und er muss sich eingestehen, dass er scharf auf sie ist.

»Aber nein!«, beruhigt sie ihn. »Meine Brüder tun so was nicht! Die sind ganz friedlich! Keiner weiß, dass du bei mir bist.«

Tief beugt er sich über sie und legt sich dabei gleich neben sie.

»Du bist eine unverschämt süße Lügnerin, Tina«, stellt er klar und streift die Bluse ab. »Deine Brüder können ruhig kommen, aber nicht zu früh. Ich will viel Zeit haben für dich.«

Sie seufzt, rekelt sich und spürt, dass er auf einmal nackt ist. Und das kann sie nur deshalb spüren, weil auch sie keinen Fetzen Stoff mehr am Leib hat. Wie ein Rausch überkommt es sie. Er ist fremd, stark und wild wie das Land. Als er die großen Hände flach unter ihren Körper schiebt und sie umarmt, schlingt sie die Arme um seinen Nacken und fordert ihn zum Kuss.

Sein Kuss schmeckt nach dem Salz der Wüste, und obwohl sie die Wüste tausendmal verflucht hat, macht der Salzgeschmack sie fast irre. Sie bewegt sich unter ihm wie ein schlingerndes Boot, und er hält es mit dem Nerz.

Plötzlich kommt jemand herein.

Auf dem Gang sind noch drei.

Im Nu liegt Bronson neben dem Bett. Die Rechte umspannt schon den Colt. Tina rollt sich vom Bett.

»Nicht schießen!«, schreit sie. »Er ist …« Schüsse krachen. Im Zimmer ist der Knall so scharf und ohrenbetäubend laut wie eine Detonation. Bronson kann gar nicht anders handeln. Jeder, der ihm mit einer Waffe in der Hand gegenübertritt, fordert den Tod heraus. Das können die Mexikaner aber nicht wissen. Die Erkenntnis kommt für zwei von ihnen zu spät. Bronsons Blei stößt sie zurück und wuchtet sie auf den Gang hinaus. Die beiden anderen stürmen davon. Brüllend schießen sie auf die geöffnete Zimmertür. Kugeln zertrümmern die Tür. Pulverrauch ballt sich auf dem Gang zusammen. Auch im Zimmer wallt Rauch, zieht langsam zum Fenster hin.

Zwei Männer liegen vor Bronson. Einer liegt halb in der Tür, der andere auf dem Gang, hart an der Wand.

Mit dem rauchenden Colt in der Hand, läuft Bronson ans Fenster.

Unten vor dem Hotel schnellt genau in dieser Sekunde Cayuse vom Pferd.

In diesem Moment stürzen die beiden Mexikaner aus dem Haus. Sie halten noch die Colts. Und Cayuse halten sie für einen weiteren Verfolger.

Irgendwas muss in ihren Hirnen ausgesetzt haben.

Sie reißen die Colts hoch und wollen sich den Weg freischießen.

Der schlanke sehnige Cayuse wirft sich hin, rollt weg – und Blei schlägt in den Boden. Sandfontänen stieben hoch. Die Pferde springen zurück. Auf der Straße herrscht schon die Dämmerung. Die Mexikaner können Cayuse nur undeutlich sehen. Darum treffen sie nicht. Jedenfalls nicht in diesen ersten Sekunden. Mehr Zeit lässt Cayuse ihnen nicht. Noch stößt er sich hin und her, rollt durch den Straßenstaub – doch jäh liegt er still auf dem Bauch, lang ausgestreckt.

Die Faust mit dem Colt stößt nach vorn wie der Kopf einer Klapperschlange. Feuer sticht aus dem Lauf. Die Mexikaner brechen zusammen.

Aus.

Oben beugt Bronson sich aus dem Fenster.

Er hat den Knall noch in den Ohren, hört nicht, wie Tina flüchtet. Barfuß, mit den Kleidungsstücken in den Händen, hastet sie aus dem Zimmer und nach unten.

»Cayuse?«

Er ruft nach dem Gefährten, weil er dort unten im Dunst kaum noch was erkennen kann.

»Ja«, antwortet Cayuse und taucht jetzt neben den Pferden auf. »Was ist los?«

»Das frag ich dich, Mann!« Bronson hustet. Der Geruch von verbranntem Pulverschleim reizt. »Sind sie tot?«

»Ja, ganz tot.«

»Komm rauf. Ich muss mich erst anziehen.«

»Das hab ich mir schon gedacht. Wer ist denn diesmal die Glückliche?«

Als Antwort hört Cayuse einen Fluch.

Bronson kommt vom Gang zurück und erscheint wieder am Fenster.

»Tina haut ab! Versuch, sie zu erwischen! Sie muss schon unten sein.«

Cayuse verschwindet unter dem Vordach. Bronson wendet sich ab, murmelt einen Fluch. Schnell kleidet er sich an. Dann lädt er den Colt nach. Schon kommt Cayuse herein.

»Deine Tina ist weg. Oder war sie das eben – die Alte mit den Warzen auf dem Buckel?«

»Hau ab, sonst schieß ich dich übern Haufen.«

»Beruhige dich. Ich lade dich zu einem Tee ein. Gehen wir nach unten?«

*

Einige Zeit ist vergangen.

Cayuse hat das Packpferd vom Stadtrand herangeholt. Die drei Pferde stehen nun nebeneinander vor dem Saloon.

Draußen ist Nacht.

In Adobe ist es still – doch bestimmt schleichen drüben auf der anderen Straßenseite ein paar finstere Typen herum und beobachten die Gefährten.

Sie stehen an der Theke. Bronson davor, Cayuse dahinter. Jeder hält sein Glas in der Linken. In den Gläsern schwappt teefarbener Whisky.

»Tina hat gelogen. Das waren nie im Leben ihre Brüder.«

»Dann frag ich mich, warum sie dich umlegen wollten!«

»Das weiß ich doch auch nicht! Jetzt können wir sie nicht mehr fragen.« Bronson setzt das Glas ab. »Begraben wir sie. Sieh mich nicht so an! Das muss sein.«