Falling for my Brother's Best Friend - Piper Rayne - E-Book

Falling for my Brother's Best Friend E-Book

Piper Rayne

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4,99 €

Beschreibung

Band 4 der Liebesroman-Serie von USA Today Bestseller-Autorin Piper Rayne

Savannah & Liam


Savannah Bailey hat nach dem Tod ihrer Eltern das Familiengeschäft übernommen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt. Genau wie ihr Liebesglück. Dass sie auf einmal Gefühle für Liam entwickelt, den besten Freund ihres kleinen Bruders, kommt ihr mehr als ungelegen. Denn eine Ablenkung kann sie sich nicht leisten. Außerdem passt der Frauenheld so gar nicht zu ihr, mit seinen Tattoos und der spitzen Zunge. Doch in einer Kleinstadt wie Lake Starlight ist es nicht leicht, sich aus dem Weg zu gehen. Und Gegensätze ziehen sich bekanntlich an ...

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Seitenzahl: 428

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Falling for my Brother's Best Friend

Die Autorin

PIPER RAYNE ist das Pseudonym zweier USA Today Bestseller-Autorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Heldinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!

Piper Rayne

Falling for my Brother's Best Friend

Roman

Aus dem Amerikanischen von Cherokee Moon Agnew

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Deutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin März 2021 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2021Titel der amerikanischen Originalausgabe: Falling for my Brother's Best Friend© 2019 by Piper Rayne

Umschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewE-Book powered by pepyrus.com

ISBN 978-3-95818-610-1

Emojis werden bereitgestellt von openmoji.org unter der Lizenz CC BY-SA 4.0.

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Inhalt

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Kapitel 1

SAVANNAH

Kapitel 2

LIAM

Kapitel 3

SAVANNAH

Kapitel 4

LIAM

Kapitel 5

SAVANNAH

Kapitel 6

LIAM

Kapitel 7

SAVANNAH

Kapitel 8

LIAM

Kapitel 9

LIAM

Kapitel 10

SAVANNAH

Kapitel 11

LIAM

Kapitel 12

SAVANNAH

Kapitel 13

SAVANNAH

Kapitel 14

LIAM

Kapitel 15

SAVANNAH

Kapitel 16

LIAM

Kapitel 17

SAVANNAH

Kapitel 18

LIAM

Kapitel 19

SAVANNAH

Kapitel 20

LIAM

Kapitel 21

SAVANNAH

Kapitel 22

LIAM

Kapitel 23

SAVANNAH

Kapitel 24

SAVANNAH

Kapitel 25

SAVANNAH

Kapitel 26

LIAM

Kapitel 27

SAVANNAH

Kapitel 28

LIAM

Kapitel 29

SAVANNAH

Kapitel 30

LIAM

Kapitel 31

SAVANNAH

Kapitel 32

LIAM

Kapitel 33

LIAM

Kapitel 34

SAVANNAH

Kapitel 35

LIAM

Kapitel 36

SAVANNAH

Kapitel 37

SAVANNAH

Kapitel 38

SAVANNAH

Kapitel 39

LIAM

Kapitel 40

SAVANNAH

Epilog

SAVANNAH

Und zum Schluss noch ein bisschen Einhorn-Geschwafel …

Leseprobe: Flirting with Fire

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 1

SAVANNAH

Mittwochmorgen schleiche ich nur mit einem Handtuch bekleidet über den Flur, schlüpfe in mein Zimmer und schließe vorsichtig die Tür, bevor ich endlich ausatme. Hoffentlich habe ich Liam nicht geweckt.

Sich geräuschlos fertig zu machen ist schwieriger, als Grandma Dori beim Dart-Abend aus Lucky’s Tavern zu schleifen. Die letzten Tage habe ich es geschafft, Liam aus dem Weg zu gehen, indem ich immer das Haus verlassen habe, bevor er aufgewacht ist. Und ich habe nicht vor, ihm heute zu begegnen.

Langsam schiebe ich die Kleiderbügel über die Metallstange und suche das weiteste Outfit aus, das mein Schrank hergibt. Nach Austins Hochzeit letzten Samstag – dem heißesten Tag seit drei Jahren – bin ich immer noch total vollgefressen. Nachdem ich mich angezogen habe, bürste ich mein langes blondes Haar und hoffe, es trocknet schnell genug, damit ich mir irgendeine Art von Dutt machen kann, bevor ich gehe.

Ich mache das Bett, hänge das nasse Handtuch an den Haken an der Tür, schnappe mir ein passendes Paar High Heels und schließe den Schrank. Ich will gerade gehen, mache aber noch mal kehrt, um eine Falte auf der Bettdecke glattzustreichen.

Langsam drehe ich den Türknauf, halte aber abrupt inne, als ich aus dem Flur Geräusche höre. Jemand seufzt laut und benutzt bei geöffneter Tür die Toilette am Ende des Korridors. Meine Schultern sacken vor Erleichterung zusammen. Denver.

Ich werfe einen Blick durch den Türspalt und beobachte, wie er gähnend und noch halb schlafend aus dem Badezimmer kommt und sich im Schritt kratzt.

Etwas, das jede Schwester unbedingt sehen will.

Er geht zurück in sein Zimmer und schließt die Tür.

Ich schlüpfe aus meinem Zimmer, schleiche so schnell wie möglich mit den High Heels in der Hand über den Flur, steige die Treppe hinunter und gelange in die Küche. Ich stelle meine Schuhe zusammen mit meiner Handtasche und meiner Laptoptasche auf den Konsolentisch beim Eingang, lege vorsichtig die Schlüssel daneben und schnappe mir schnell etwas zu essen, bevor ich endlich abhauen kann.

Ich will mir gerade einen Joghurt aus dem Kühlschrank nehmen, als ich höre, wie sich die Haustür öffnet und schließt. Mir läuft es eiskalt den Rücken hinab. Er ist schon wach und schläft nicht in seinem Zimmer, wie ich gehofft hatte. Ich schließe den Kühlschrank und drehe mich um.

»Aaaahhhh!« Vor Schreck mache ich einen Satz rückwärts, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass sich der große Kerl bereits gegen den Tresen lehnt, die Arme vor der Brust verschränkt.

Verdammt.

»Guten Morgen, Savannah«, sagt Liam arrogant grinsend.

»Lass das.« Ich ziehe den Joghurtdeckel ab und beäuge die Besteckschublade, die er gerade blockiert.

Genau aus diesem Grund habe ich versucht, mich davonzuschleichen. Liam Kelly ist der beste Freund meines Bruders, der Fluch meines Lebens und leider viel zu heiß. Außerdem ist er für unbestimmte Zeit mein Vermieter, denn die Versicherung lässt sich nach dem Wasserschaden verdammt viel Zeit mit der Renovierung meines Hauses.

»Was denn?«, fragt er.

»Diesen Gesichtsausdruck.«

»Welchen Gesichtsausdruck?«

Die Situation ist so unangenehm, dass ich am liebsten schreien würde.

Wie viele Leute gabeln auf Hochzeiten jemanden auf? So etwas passiert häufig. Es ist also nichts Besonderes, dass wir nach Austins und Hollys Trauung miteinander rumgemacht haben.

»Dieser Gesichtsausdruck, als hättest du deine Beute in die Enge getrieben«, erwidere ich.

»Und du denkst, du wärst meine Beute?«

»Nein.« Wieder beäuge ich die Schublade.

Er folgt meiner Blickrichtung und grinst noch breiter.

Sein T-Shirt ist verschwitzt und klebt an seinem muskulösen Körper, was bedeutet, dass er früh aufgestanden ist, um Sport zu machen. Normalerweise lässt er seine Zimmertür immer offen, wenn er nicht da ist. Doch sie war definitiv zu, als ich eben nach unten gegangen bin. Hat er das hier extra eingefädelt, um darüber zu sprechen, was Samstagabend passiert ist?

Mein Blick fällt auf den Plastikstrohhalm auf der Küchentheke, daneben eine Essensbox. Denver. Aber den Strohhalm könnte ich eventuell für meinen Joghurt benutzen.

»Willst du denn meine Beute sein?«, fragt er.

»Nein. Warum sollte ich das wollen?«

»Es schien dir zu gefallen, neulich.«

Ich schnappe nach Luft. »Das war ein Fehler. Ein betrunkener Fehler.«

»Ich war nicht betrunken.«

Ich mache einen Schritt auf die Schublade zu und verlagere das Gewicht auf ein Bein. Er könnte ein Gentleman sein und beiseitetreten, doch er tut es nicht.

»Und ich glaube, du warst auch nicht betrunken«, fährt er fort.

Ich starre in seine strahlend blauen Augen, bevor mein Blick über seine tätowierten Arme wandert, die im Moment nicht von seinem Smokin‘ Guns Tattoo Shop-Shirt bedeckt werden. Ich erinnere mich noch, wie er diese T-Shirts beim letzten Gründertag mit einer Kanone in die Menge geschossen hat. Sie waren ein Hit – wie alles, was er hier in Lake Starlight macht. Egal, ob jung oder alt – die Leute lieben ihn.

»Es spielt keine Rolle, ob ich betrunken war oder nicht. Das ändert gar nichts. Wir sind nicht …«

»Erspar mir den Vortrag. Ich habe mir alles ganz genau eingeprägt.« Er drückt sich vom Tresen ab, das Blau seiner Augen funkelt frech. »Tatsache ist, dass du mir nicht widerstehen konntest.«

Liam Kelly könnte nicht überzeugter von sich sein. Ja, er ist heiß. Doch wenn er denkt, ich würde mit ihm schlafen, nur um danach wie eines seiner Fangirls weggeworfen zu werden, hat er sich geschnitten.

Ich öffne die Schublade, schnappe mir einen Löffel und schlage sie zu. Dann schnelle ich zu ihm herum. »Was willst du von mir?«

Er schlägt die Zeitung auf, die auf der Küchentheke liegt, und setzt sich auf einen Hocker. »Nichts, Savannah. Genau das ist dein Problem. Immer denkst du, alle würden was von dir wollen.«

Das soll wohl ein Witz sein.

»Weil es so ist. Immer braucht oder will jemand was von mir. Seit ich neunzehn bin, ist es entweder Bailey Timber, Austin, Grandma Dori oder diese Stadt. Willst du die Liste von Leuten sehen, die von mir abhängig sind?« In meiner Handtasche piept mein Smartphone, als wollte es mir zustimmen. Ich muss gar nicht nachsehen, um zu wissen, dass wieder jemand etwas von mir will.

Cool und gelassen liest er weiter seine Zeitung, während ich innerlich brodle. Er hat keine Ahnung, wie es ist, als zweitälteste Bailey so viel Verantwortung zu tragen. Die Bailey, die dazu auserwählt wurde, das Familienunternehmen zu führen. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wer ich war, bevor meine Eltern gestorben sind.

»Ich habe doch gesagt, dass ich nichts will«, sagt er, nachdem ich ihn eine gefühlte Minute lang mit meinem Blick durchbohrt habe.

»Du lügst.« Ich schiebe mir einen Löffel Joghurt in den Mund.

Er senkt die Zeitung. »Du hast recht. Ich lüge. Ich will, dass du zugibst, dass du am Samstag nicht betrunken warst.«

Ich werfe die Hände in die Luft. »Ernsthaft? Was kümmert es dich?«

Er lässt die Zeitung fallen und lehnt sich zurück. Wieder lasse ich den Blick über seinen Körper schweifen und versuche, nicht daran zu denken, wie es war, seine Hände auf mir zu spüren.

»Es wäre schön, wenn du einmal ehrlich zu dir selbst wärst«, erwidert er.

»Warum? Damit du dich besser fühlst? Willst du jetzt von kichernden Mädchen auf Frauen mit Klasse umsteigen?« Ich schiebe mir einen weiteren Löffel Joghurt in den Mund.

Er verengt die Augen zu Schlitzen. »Du weißt, was das am Samstag war. Sag mir, dass es dir nicht gefallen hat.«

Ich schlecke den Löffel ab und stecke ihn in die Spülmaschine, bevor ich den Joghurtbecher wegwerfe. »Was war es denn? Ich habe fluchtartig das Zimmer verlassen, falls du dich daran erinnern kannst.«

Ich zettle gerade einen Streit an, den ich nicht gewinnen kann. Wir sind nicht betrunken ins Bett gefallen und haben uns gegenseitig die Klamotten vom Leib gerissen. Wir haben heftig miteinander rumgemacht wie zwei geile Teenager. Seither muss ich immer wieder an seine Worte denken. Wie er meinen Körper bewundert hat. Aber ich lebe nicht in einer Märchenwelt, in der es die eine Frau schafft, Liam zu ändern.

»Wenn ich dir das sagen muss, bist du es nicht wert.«

Seine Worte treffen mich – wie beabsichtigt. Liam sagt selten etwas, ohne vorher intensiv darüber nachzudenken. Darin unterscheidet er sich von meinen Brüdern. Sie mögen vielleicht die besten Freunde sein, doch Denver und Rome sagen immer, was sie denken, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Doch Liam wählt seine Worte weise.

Ich seufze, als mein Handy erneut piept. »Na schön. Ich muss jetzt zur Arbeit.« Ich schlüpfe in meine High Heels, schultere meine Handtasche und krame mein Smartphone hervor.

»Das ganze Gewicht lastet auf dir, was? Du bist verantwortlich für den Erfolg.« Er hat mir den Rücken zugedreht, sein Shirt ausgezogen und überprüft den Inhalt des Kühlschranks.

Wie angewurzelt stehe ich da und starre ihn an. Meine Schultern sacken zusammen, und meine Bissigkeit ist auch dahin. Ich hasse es, dass wir so miteinander umgehen. »Du verstehst es einfach nicht … Die Firma und die Familie. Grandma Do …«

»Keine Sorge, Sav. Ich bin schon ein großer Junge.« Er hebt die Hand, immer noch mit dem Rücken zu mir. »Hab einen schönen Tag.«

Ich fühle mich besiegt. Ich wünschte, ich könnte die Distanz zwischen uns überwinden, die Hände auf seine Hüften legen, seinen Rücken küssen, das Salz auf seiner Haut schmecken und meine Zunge über seine Tattoos gleiten lassen. Stattdessen mache ich auf dem Absatz kehrt und knalle die Tür hinter mir zu.

Wieder piept mein Handy.

»Um Himmels willen. Wer will jetzt schon wieder was von mir?«, schreie ich und bin froh, dass Liam keine Nachbarn hat.

Doch meine Wut verschwindet, als ich die Nachricht öffne und ein Foto von meiner Schwester und Wyatt sehe, wie sie in einer Kapelle in Las Vegas stehen, die linken Hände gehoben. In typischer Brooklyn-Manier schreibt sie Rate mal, gefolgt von einer weiteren Nachricht.

BROOKLYN: Zeit, eine Hochzeitsfeier zu planen, Trauzeugin. YAY!

Ich starre auf mein Handy, bevor ich einen letzten Blick zurück aufs Haus werfe. Liam wäre perfekt, um mich von der Tatsache abzulenken, dass ich einsam sterben werde, nachdem ich miterlebt habe, wie meine Geschwister nacheinander ihr Happy End gefunden haben.

Kapitel 2

LIAM

Als die Tür hinter Savannah ins Schloss fällt, knalle ich frustriert den Kühlschrank zu.

»Hui, was hat der Ketchup dir nur angetan?« Denver betritt die Küche. Er trägt nur Boxershorts, und sein Haar steht in alle Himmelsrichtungen.

Es ist das erste Mal, dass ich ihn seit der Hochzeit sehe. Wahrscheinlich hat er den Tag danach und auch die Nacht mit jemandem im Bett verbracht. Mein Freund ist großartig, aber er muss endlich sein Leben auf die Reihe kriegen.

»Kaffee?«, frage ich, um das Thema zu wechseln. Savannahs To-go-Becher steht noch neben der Kaffeemaschine. Zwing mich nicht dazu, dich damit zu bewerfen steht in Mädchenhandschrift darauf. Juno lässt keine Gelegenheit aus, ihre Schwester mit ihrem Fauxpas aufzuziehen, und Savs Geburtstag war keine Ausnahme.

»Auf jeden Fall.« Denvers Kopf fällt auf den Tisch.

Ich fülle unsere Tassen und setze mich mit der Zeitung neben ihn. »Zuerst verschwindest du von der Hochzeit, und dann tauchst du erst gestern Nacht wieder auf?«

Er hebt den Kopf und grinst.

»Wer war sie?«, frage ich.

»Eine Wiederholung.«

Im Kopf gehe ich die Gästeliste durch. Es ist schwierig, die Möglichkeiten einzugrenzen, denn es war die erste Bailey-Hochzeit, und die ganze Stadt war anwesend. Doch dann erinnere ich mich an eine kleine Brünette. »Mindy?«

Sein Grinsen wird breiter, und er nippt an seinem Kaffee. »Sie liebt es immer noch, wenn ich …«

Ich hebe die Hand. »Wir sind keine verzweifelten, geilen Sechzehnjährigen mehr.«

»Bist du etwa nicht geil?«

Ich hebe eine Augenbraue.

»Sieh mich nicht so an. Ich verstehe, dass du dich zurückhältst, weil Savannah jetzt hier wohnt, aber deine Dürreperiode hat schon vorher begonnen.« Er nimmt noch einen Schluck von seinem Kaffee.

Wie erkläre ich ihm, dass ich mich bewusst gegen Sex entschieden habe und nicht, weil ich muss? Und dass es erst sechsunddreißig Stunden her ist, dass ich eine Frau in meinem Bett hatte? Und dass diese Frau seine Schwester war?

Savannah ist wie ein juckender Mückenstich auf meinem Rücken, an den ich nicht rankomme. Ich bin nicht gerade glücklich darüber, dass ich mich immer noch darüber ärgere, dass sie am Samstag einfach aus meinem Zimmer gestürmt ist, als wir miteinander rumgemacht haben. Wir waren nur Sekunden davon entfernt, den Durst zu stillen, den wir schon so lange verspüren. Savannah mag es vielleicht abstreiten, aber ich weiß genau, dass das, was sich da zwischen uns zusammenbraut, nicht einfach wieder verschwinden wird.

»Ich habe keine Zeit. Zu viel zu tun im Tattoo-Studio.« Ich stehe auf, um den Rest meines Kaffees wegzuschütten. Dann gehe ich jetzt eben in den Laden und mache die Buchhaltung, bevor wir später öffnen.

»Schon witzig.« Denver stellt sich neben mich ans Waschbecken. »Als ich bei Mindy zu Hause war, dachte ich …«

»Du hast im Haus ihrer Eltern mit ihr geschlafen?« Ich dachte, Mindy wäre nach Vancouver gezogen.

»Sie wohnt über der Garage.« Er zuckt mit den Schultern und stellt seine Tasse in die Spüle, während ich meine in die Spülmaschine räume.

»Hast du zusammen mit ihren Eltern gefrühstückt?«

»Nein«, erwidert er schnaubend. »Wir sind im Bett geblieben. Hör auf, vom Thema abzulenken.«

»Aber es ist so einfach, dich vom Thema abzubringen.« Ich nehme seine Tasse und stelle sie ebenfalls in die Spülmaschine, denn wir wissen beide nur zu genau, dass er es nicht machen wird.

»Haha. Also … Du und Savannah …? Buzz Wheel hat über euch berichtet.«

Natürlich hat Buzz Wheel über uns geschrieben, nachdem wir gemeinsam Austins Hochzeit verlassen haben. Ich hasse diesen Klatsch-Blog. »Ich habe sie nach Hause gefahren.«

»Gut. Ich will kein Arsch sein und dir verbieten, was mit meiner Schwester zu haben, aber ich hoffe, deine Dürreperiode ist nicht ihretwegen.«

»Du spinnst doch. Ich muss jetzt duschen.« Ich gehe zur Treppe.

»Gehst du mir etwa aus dem Weg?«, ruft er mir hinterher.

»Ich habe deine Frage bereits beantwortet«, erwidere ich, bevor ich meine Zimmertür schließe. Jetzt, da ich allein bin, versuche ich, seine Worte zu verdrängen, doch beim Anblick meines Betts muss ich unweigerlich an sie denken. Wie sich ihr Körper an meinem angefühlt hat. Wie weich ihre Haut war. Der blumige Duft ihres Haars. Ihre geschwollenen Lippen und liebestrunkenen Augen. Ich muss sie mir unbedingt aus dem Kopf schlagen. Egal, wie.

Nachdem ich mich ausgezogen habe, gehe ich ins Bad und putze mir die Zähne, während ich darauf warte, dass das Wasser in der Dusche warm wird.

Jetzt denkt Denver vielleicht noch, dass es für ihn in Ordnung wäre, wenn ich mit seiner Schwester rummache, aber er ist einer, der sich erst im Nachhinein eine Meinung bildet. Und genau so wäre es auch bei dieser Sache. Vor allem, da seine Schwester denkt, ich wäre nicht gut genug für sie.

Wollt ihr wissen, was richtig beschissen ist? Wenn man ein Problem mit einer Frau hat, aber nicht mit seinen zwei besten Freunden darüber reden kann, weil sie die Brüder der besagten Frau sind, die man nicht aus dem Kopf kriegt.

Ich betrete Smokin’ Guns, schließe die Tür und lasse die Jalousien zu, damit mich keiner nervt. Nach der Konfrontation mit Savannah heute Morgen bin ich immer noch sauer. Ich brauche jetzt ein wenig Zeit für mich. In meinem Büro im hinteren Teil des Ladens bin ich nur wenige Minuten allein mit meiner Musik, bevor die Türglocke klingelt.

»Liam!«, ruft Rhys. Er betritt das Büro, bevor ich ihm sagen kann, wo ich bin. Als meine rechte Hand weiß er, was ich jeden Montagmorgen mache. »Was geht ab?«

Er lehnt sich gegen den Türrahmen und verschränkt die Arme vor der Brust. Rhys ist ein eher untypischer Tätowierer, denn er hat keinen Tropfen Tinte unter der Haut. Mit seinen ausgelatschten Vans und ausgewaschenen Jeans und T-Shirts sieht er aus wie ein Skater.

»Nicht viel.« Ich lasse den Stift fallen und rolle mit dem Stuhl zurück. »Wie war das Wochenende in der Heimat?«

»Gut. Seattle hat sich verändert. Ich bin noch nicht sicher, ob das gut oder schlecht ist.«

Rhys ist ein Zugezogener. Ich weiß nicht viel über ihn, nur, dass er eines Tages in meinem Laden aufgekreuzt ist und gefragt hat, ob ich einen Mitarbeiter brauche. Er führt ein ruhiges Leben und wohnt mit seinem Hund am Stadtrand. Wir waren schon ein paar Mal zusammen campen und fischen. Verglichen mit Denver und Rome ist er ziemlich in sich gekehrt.

»Inwiefern?«

Er zuckt mit den Schultern. »Es ist einfach anders, schätze ich. Viele neue Wohnhäuser. Die Leute sind gezwungen, in die Vororte zu ziehen, weil sie sich die Mieten in der Innenstadt nicht mehr leisten können. Aber inzwischen gibt es überall Tattoo-Studios. Vielleicht solltest du eine Zweigstelle eröffnen.« Er grinst, denn jeder, der mich auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass ich Lake Starlight niemals verlassen und aus Smokin’ Guns ein Franchise-Unternehmen machen werde.

»Vielleicht solltest du einen Laden eröffnen?« Ich hebe eine Augenbraue.

Er bricht in schallendes Gelächter aus. Ich weiß, er ist verdammt schüchtern. Außerdem hat er keine Tattoos. Manche Leute würden sagen, er sei kein richtiger Tattoo-Künstler, weil er nicht weiß, wie es ist, selbst eins zu bekommen. Doch ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Glück für ihn. Er ist ein großartiger Künstler. Das ist alles, was für mich zählt.

»Ich fände es besser, wenn du eine Zweigstelle eröffnen würdest.«

Ich muss lachen. »Warum bist du schon hier?«

»Ich wollte ein paar Skizzen anfertigen.«

»Warum machst du das nicht bei dir zu Hause?«

Wieder zuckt er mit den Schultern. Er ist kein Mann vieler Worte. »Wie war die Hochzeit?«

Okay, ich verstehe. Er will jetzt nicht über sich sprechen. »Super.«

»Super, was? Wurdest du endlich flachgelegt?« Er lacht.

»Das geht dich überhaupt nichts an.«

Er nickt und drückt sich vom Türrahmen ab.

Doch Rhys ist jemand, dem man vertrauen kann. Und ich muss unbedingt mit jemandem reden, bevor ich noch durchdrehe. »Hey, Rhys?«

Er dreht sich um. Sein Grinsen sagt alles. Die Gerüchte haben sich schon verbreitet, obwohl wir sehr vorsichtig waren, als wir die Hochzeit verlassen haben.

»Was erzählt man sich?«, frage ich.

»Nichts. Ich weiß nur, dass es entweder heiß oder kalt ist, wenn du mit Savannah Bailey in einem Raum bist. Vergiss nicht, dass ich dabei war bei dem Amsel-Tattoo.«

An dem Abend, als sie hereinkam und mich um ein Tattoo zu Ehren ihrer Eltern gebeten hat, hatte ich einen Tunnelblick. Wenn ich daran zurückdenke, bin ich immer noch erstaunt, dass sie mir vertraut hat, ihre Haut für immer mit Farbe zu versehen. »Die Wahrheit?«

Wieder lehnt er sich gegen den Türrahmen. »Immer.«

»Ich habe sie nach Hause gebracht, wir haben miteinander rumgemacht, und jetzt kriege ich sie nicht mehr aus meinem Kopf. Und da wir zusammenwohnen, verbringe ich die meiste Zeit außerhalb meines Hauses oder in meinem Schuppen.« Ich klinge gerade viel zu verletzlich. Wie ein Mädchen.

Rhys hört auf zu grinsen. »Du musst dich entscheiden, ob du versuchen willst, sie zu erobern. Entweder gibst du jetzt alles, oder du lässt es.«

»Das klingt so einfach.« Ich fahre mir durch mein dunkles Haar und reibe mir den Nacken. Ich wünschte, meine Verspannungen würden verschwinden.

»Glaub mir. Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Aber so geht es nicht weiter. Es ist nicht gut für dich, so in der Schwebe zu sein, Mann. Wenn es mit euch nicht klappt, musst du dein Leben weiterleben.« Er verschränkt die Arme, und ich frage mich, was ihn nach Lake Starlight geführt hat. Es klingt, als würde er aus Erfahrung sprechen.

»Sie ist die Schwester meiner besten Freunde.«

»Genau.«

»Was bedeutet, dass ich ihr nicht für immer aus dem Weg gehen kann.«

»Du willst nicht.« Er durchbohrt mich mit seinem Blick, als wollte er sagen Sag mir, dass ich falschliege.

»Was soll ich denn machen? Sie rausschmeißen und andere Frauen daten?«

Er tippt sich an die Nase, als hätte ich gerade die korrekte Antwort geliefert.

»Ich kann sie nicht rauswerfen. Ihre Grandma würde mir die Eier abreißen. Bist du Grandma Dori schon mal begegnet?«

Er lacht leise. »Dann mach das, was du machen kannst. Triff dich mit anderen Frauen. Schlag sie dir aus dem Kopf. Ich verstehe, dass die Situation nicht ideal ist. Dass ihr zusammenwohnt. Aber wenn sie dich auf Abstand hält, kann sie nicht von dir erwarten, dass du in deinem eigenen Haus lebst wie ein Priester.«

Ich denke über seine Worte nach. Vielleicht hat er recht. Vielleicht nehme ich zu viel Rücksicht auf Savannah.

»Oder du überzeugst sie davon, mit dir zu schlafen. Du willst eh keine feste Beziehung, oder?«

Seine Frage wirft mich ein wenig aus der Bahn. Ich hatte noch nie eine feste Freundin, aber ich hätte auch nichts dagegen, eine zu haben. Ich habe nur noch keine Frau gefunden, die ich fest in meinem Leben will. Ich lebe allein, seit ich achtzehn bin. Sie müsste wirklich umwerfend sein, damit das passiert.

Ich kann jedoch nicht abstreiten, dass ich schon mal darüber nachgedacht habe, nur mit Savannah zu schlafen. »Ich glaube, ihre Brüder hätten was dagegen, wenn ich nur mit ihr ins Bett steigen würde.« Ich hebe eine Augenbraue.

»Müssen sie es denn wissen?«

»Eigentlich nicht. Vielleicht hast du recht.«

Frech grinsend drückt er sich wieder vom Türrahmen ab. »Ich habe eigentlich immer recht.«

»Bist du deshalb nach Alaska abgehauen? Um zu beweisen, dass du immer recht hast?«

»Nein. Mir wurde nur die Aussicht zu langweilig.« Er geht zum Empfangstresen, der aus irgendeinem Grund sein Lieblingsplatz zum Zeichnen zu sein scheint.

Ich tippe auf meinem Handy auf Play, und Call You Mine von The Chainsmokers erklingt über den Bluetooth-Lautsprecher.

Rhys kommt zurück und schnappt sich mein Smartphone. »Wenn du dir das oft genug angehört hast, glaubst du es womöglich noch.«

Dann macht er Get Lucky von Daft Punk an, tätschelt mir die Schulter und verlässt den Raum.

Vielleicht war er Therapeut, bevor er nach Lake Starlight gekommen ist. Jedenfalls werde ich tun, was er sagt. Entweder werde ich mit ihr schlafen, oder ich werde mich mit so vielen Frauen treffen, bis ich nicht mehr weiß, wie Savannah Bailey halb nackt aussieht.

Kapitel 3

SAVANNAH

»Du bist heute aber schlecht drauf.« Juno sitzt mir im Lucky’s gegenüber und nippt an ihrem neuen Lieblingsdrink – Malibu Cola.

Sie trinkt jedes Mal, wenn wir hier sind, etwas anderes. Zum Glück ist Colton noch nicht hier. Doch ich rechne jede Sekunde mit ihm.

»Ich bin nicht schlecht drauf.« Ich nehme einen Schluck von meinem Wein. Dank Holly, die uns mit Weißwein versorgt, kenne ich jetzt alle Sorten. Im Moment schwanke ich zwischen Riesling und Moscato.

»Doch, bist du. Und ich glaube, es hat etwas mit dem Typen am Billardtisch zu tun.«

Ich weigere mich hinüberzusehen. »Nun ja, unsere Brüder bringen mich regelmäßig auf die Palme.«

»Vor allem Denver«, erwidert sie, ohne darauf zu bestehen, dass ich nachsehe, mit wem er hier ist. Ich sehe Liam sowieso oft genug. Ich habe ihn heute Morgen gesehen, heute Abend, bevor ich hierhergekommen bin, und ich werde ihn auch heute Nacht sehen, bevor ich ins Bett gehe. Das reicht. »Vielleicht liegt es nicht an dem Typen, sondern an dem Mädel, das er dabeihat?« Sie tippt sich an die Lippen, als würde sie darüber nachdenken.

»Ist mir egal. So lange ich nachts nicht hören muss, wie sie Denvers Namen seufzt.«

»Ich glaube, es wird nicht Denvers Name sein, den du heute Nacht hören wirst.« Ihre roten Lippen legen sich um den Strohhalm, während sie das Geschehen hinter mir beobachtet.

Ich werfe einen Blick über die Schulter. Liam schenkt seine Aufmerksamkeit einer Frau mit Minirock, die an einem Tisch neben dem Billardtisch sitzt. Denver macht sich an ihre Freundin ran. Am liebsten würde ich die Augen verdrehen, doch ich kann mich gerade noch rechtzeitig zusammenreißen.

»Wie wäre es … wenn ich dich verkuppeln würde?«, fragt Juno. »Ich bin auf der Suche nach einer echten Herausforderung.«

Ich schürze die Lippen. »Ich bin eine Herausforderung?«

»Du bist nicht gerade Mary Poppins.«

Ich lege den Kopf schief. »Ist Mary Poppins denn wirklich so nett? Ich finde, sie ist ziemlich streng.«

»Das sagt man so, Sav.«

Ich setze mein Weinglas ab und lasse meinen Nacken knacken, als das Mädchen am Billardtisch so laut lacht, dass mir beinahe das Trommelfell platzt. Jetzt bluten mir bestimmt die Ohren. »Ich habe keine Zeit für einen Mann. Ich muss Brooklyns Hochzeitsfeier planen. Wann kommen sie noch mal zurück?« Ich drehe mein Weinglas zwischen den Fingern.

»Sie meinte, sie kämen morgen zurück. Wundert mich nicht, dass sie durchgebrannt sind, nachdem Du-weißt-schon-Wer sie vorm Altar hat stehen lassen. Aber ich kann dir helfen mit der Organisation.«

Ich nicke. »Wyatts Eltern kommen hergeflogen. Die Feier wird in zwei Wochen stattfinden.«

Brooklyn ist die Einzige, die das für machbar hält. Hoffentlich meint sie mit klein auch wirklich klein. Nicht wie Austins und Hollys »kleine« Hochzeit, zu der sie ganz Lake Starlight eingeladen haben.

»Wenigstens kannst du es dann schnell von deiner To-do-Liste abhaken.«

Ich verdrehe die Augen.

»Komm schon. Du musst auch mal ein wenig Spaß haben. Ich weiß, dass ich einen guten Kerl für dich finden werde. Das ist mein Job.«

Wieder spähe ich über meine Schulter. Die Frau drückt förmlich ihre Möpse gegen Liams Brust. Er hat die Beine gespreizt, in einer Hand hält er den Queue, in der anderen ein Bier. Offensichtlich ist Liam über das, was letztes Wochenende passiert ist, bereits hinweg. Wie ich vermutet habe.

Ich seufze. Um ehrlich zu sein, könnte ich ein wenig Ablenkung gut gebrauchen, wenn ich schon mit ansehen muss, wie sich Liam durch die Stadt vögelt. Wenigstens, bis ich endlich ausziehen kann. »Probier’s, wenn du denkst, du könntest jemanden finden, den ich mag. Aber er muss mit der Tatsache zurechtkommen, dass ich Firmenchefin bin. Ich arbeite viel und sehe es nicht ein, deshalb ein schlechtes Gewissen zu haben. Ich habe familiäre Verpflichtungen.«

Als sie anfängt zu lachen und der Malibu-Drink aus ihrem Mund quillt, höre ich auf, meine Bedingungen aufzuzählen. Ich schwöre bei Gott. Wenn sie mich anspuckt, weil sie sich nicht zusammenreißen kann …

»Schon verstanden, Schwesterherz. Du willst also einen Kerl, der akzeptiert, dass du ein Workaholic bist und aufgrund deines vollen Terminkalenders regelmäßig Dates absagst?«

»Ganz genau.« Ich führe das Weinglas an die Lippen.

»Und du hältst dich nicht für einen schwierigen Fall«, erwidert sie trocken.

»Wo findest du überhaupt die ganzen Leute, die sich von dir verkuppeln lassen wollen?«, frage ich.

Sie zuckt mit den Schultern. Ihre Geheimnisse gibt sie nicht gern preis. Juno ist der festen Überzeugung, ihre Fähigkeiten als Kupplerin von unseren Vorfahren geerbt zu haben. Der Rest von uns hatte – oder hat – damit zu kämpfen, den Richtigen oder die Richtige zu finden, doch Juno …

»Hey, Ladys«, sagt Colton und setzt sich zu uns in die Sitzecke. Junos bester Freund lächelt mich an, blickt dann zu Nate an der Bar und hebt die Hand.

»Colton, wie läuft’s mit dem Praktikum?« Ich nippe an meinem Wein und richte mich gerader auf, als wäre das, was mir Colton gleich erzählen wird, das Interessanteste, was ich heute Abend zu hören bekomme. Ich bin für alles dankbar, was mich von dem schrillen Gelächter hinter mir ablenkt.

»Gut. Du kennst ja Dr. Murray. Ein Prinzipienreiter. Heute kam Mrs Klein mit ihrer Katze in die Praxis …«

Coltons langweilige Geschichte über sein Dasein als Praktikant in einer Tierarztpraxis rückt in den Hintergrund, als Liams tiefe Stimme an mein Ohr dringt und mir Gänsehaut bereitet. Er bettelt Denver um eine weitere Runde an. Nur noch ein Spiel, bevor sie gehen.

Und das hieße, zu uns, ähm, zu ihm nach Hause? Ich rüge mich innerlich und mache mir eine gedankliche Notiz, den Handwerkern, die meine Wohnung renovieren, morgen Beine zu machen. Ich kann mich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Nicht mal mehr auf meine Arbeit. Mit Liam zusammenzuleben ist keine Option mehr. Aber wenn ich gehe, gebe ich mich geschlagen. Ich sehe schon sein arrogantes Grinsen vor mir, wenn er mir hilft, auch noch den letzten Karton in mein Auto zu laden.

Scheiß auf ihn.

»Pärchen?« Die Stimme der Frau ist so fürchterlich wie die von Janice von Friends. Ich kann unmöglich die Einzige sein, die davon genervt ist.

»Perfekt«, sagt Denver. »Darf ich mir meinen Partner aussuchen?«

Als mich Colton ansieht, schüttle ich lächelnd den Kopf und tue so, als würde ich immer noch zuhören. Schön, dass Juno seine Tiergeschichten so sehr liebt, aber da ich sowieso kein großer Tierfreund bin, finde ich seine Storys nicht sonderlich faszinierend.

»Und dann fängt die Katze an zu pinkeln, und Mr Dweedles Hund, der Schäferhund …«

Ich kann unmöglich länger hier sitzen. Mein Körper ist voller nervöser Energie. Ich brauche dringend Bewegung.

»Wer will mein Partner sein?«, ruft Denver.

Ich stehe auf, ohne darüber nachzudenken. »Ich bin dabei.«

»Was? Sav?«, jammert Juno, doch ich habe keine Kontrolle über meinen Körper, während ich auf den Billardtisch zugehe.

Liam grinst wie immer und nimmt einen Schluck von seinem Bier. Kurz denke ich, ich wäre in eine Falle getappt, doch so ist er nun mal. Er säuft, hängt mit meinem Bruder ab und schleppt Frauen ab. Diesen Liam habe ich nicht mehr gesehen, seit ich vor ein paar Wochen bei ihm eingezogen bin. Doch das ist Liam Kelly, wie er leibt und lebt.

»Perfekt.« Breit grinsend deutet Denver auf mich.

Die Frau auf dem Barhocker mustert mich von oben bis unten und flüstert der anderen etwas zu, die gerade ihre Finger in Liams Hosenbund geschoben hat. Ich beäuge ihre Hand und wende mich dann meinem Bruder zu.

»Wer ist das?«, fragt das Mädchen, das an meinem Bruder interessiert zu sein scheint. Vermutlich wohnt sie ein paar Städte weiter.

Denver dreht sich zu ihr. »Meine große Schwester. Savannah.« In seinem Ton schwingt Stolz mit.

»Du hattest schon seit Jahren keinen Queue mehr in der Hand«, erinnert mich Liam. Wenigstens hat er jetzt einen Schritt beiseite gemacht. Die Hand des Mädchens legt sich nun um ein Cocktailglas, statt halb in seiner Hose zu stecken.

»Es ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.«

In unserem Elternhaus, das nun Austin und Holly gehört, hatten wir früher einen Billardtisch. Als wir noch jung waren, hingen immer alle bei uns ab. Dad kam oft herunter in den Keller und forderte die Jungs heraus, was sie zu besseren Spielern gemacht hat. Und Mom versorgte sie mit Snacks. Alle kamen gern zu uns. Die meisten unserer Freunde unterhielten sich immer zuerst eine Weile mit unseren Eltern, bevor sie nach demjenigen suchten, den sie eigentlich besuchen wollten.

»Ich hole dir einen Queue«, sagt Denver.

»Sav kann einfach den Stock aus ihrem Hintern ziehen und den benutzen«, sagt Liam bissig.

»Noch ein Glas Wein?«, fragt Nate, bevor ich etwas erwidern kann.

»Gern.« Ich glaube, ich brauche mehr Wein, wenn ich das hier überstehen will.

Nate sammelt die leeren Bierflaschen ein und geht zurück hinter die Bar.

»Ich dachte, wir wollten uns unterhalten«, bemerkt Juno, als sie und Colton zu uns stoßen und sich zu der Frau an den Tisch mit den Barhockern setzen.

Ich zucke mit den Schultern. »Ich will aber Billard spielen.«

»Seit wann?«, bohrt Juno nach.

»Genau.« Liam stützt sich auf den Queue und sieht uns an. Ich wünschte, er würde abrutschen und sich den Stock in die Nase stecken.

»Warum spielst du nicht?«, fragt Juno die Frau, die an Denver interessiert ist, denn sie ist kein bisschen schüchtern. Aber das kann man auch nicht sein, wenn man als Partnervermittlerin sein Geld verdient.

Die Frau lächelt höflich und streicht ihr Haar zurück. »Ist nicht mein Ding.«

»Und woher kommt ihr?« Wären sie von hier, würden wir sie kennen.

Wie gut, dass ich nicht diejenige bin, die Informationen über Liams Date sammeln muss. Juno erledigt den Job für mich.

»Sunrise Bay.«

»Sehr schön. Und ihr seid mit Denver und Liam hier?«

»Wir wollten mal einen Tapetenwechsel. Wir haben sie hier kennengelernt.«

Juno nickt und rückt mit ihrem Hocker näher an sie heran. »Dann seid ihr also Single?«

»Japp.« Sie nickt so heftig, dass sie mich an einen Wackeldackel erinnert.

Ich überlasse es Juno, Denvers »Date« kennenzulernen, während ich die Spitze meines Queues einkreide. »Was steht auf dem Spiel?«

Denver sieht Liam an und zuckt mit den Schultern.

»Vielleicht Aufgaben im Haushalt. Wenn ich gewinne, bleibt alles an dir hängen«, sagt Liam.

»Deal.« Denver lacht.

»Wie wäre es, wenn wir bei jedem Treffer unseren Spielpartner küssen?«, schlägt die Frau neben Liam vor.

Ich starre sie an.

Liam schlingt den Arm um ihre Taille und zieht sie zu sich, sieht mich jedoch über ihren Kopf hinweg an. »Was sagst du, Sav?«

»Ich werde auf keinen Fall meinen Bruder küssen.«

»Dann trinken die Verlierer eben Kurze.« Denver schiebt die Kugeln auf die Startlinie und entfernt das Dreieck.

»Na schön.« Diese Frau hat keine Chance gegen Denver und mich.

Liam schnappt sich die weiße Kugel und platziert sie auf der anderen Seite des Tischs. »Wer von euch will anfangen?«

»Sav«, erwidert Denver.

Als ich Denver umrunde, bekomme ich mit, wie Juno der Frau, die wegen Denver hier ist, ihre Visitenkarte gibt. Innerlich muss ich lachen, denn Juno kennt wirklich nichts.

»Bereit?« Liam sieht mich intensiv an, während der Stock vor und zurück durch seine Finger gleitet. Eingebildeter Mistkerl.

»Japp.«

Sein Blick bleibt die ganze Zeit auf mich gerichtet, während er die weiße Kugel anstößt. Fast landet sie wieder dort, wo sie am Anfang lag. Ich könnte ihm jetzt sagen, dass er anfangen soll, doch so spiele ich nicht.

Ich richte die Kugel aus und beobachte, wie der Queue einen blauen Kreideabdruck auf ihr hinterlässt. Sie kommt langsam zurück, aber nicht so nah wie eben bei Liam.

»Das heißt wohl, dass ich gewinne«, flüstert er mir ins Ohr.

»Noch nicht.« Ich verenge die Augen zu Schlitzen und umrunde den Tisch.

»Ich habe einen Klienten in Sunrise Bay. Er ist Fischer und total nett und …«

Endlich schenkt Denver seinem Date – oder was auch immer – ein wenig Beachtung. »Juno!«

»Was denn?« Juno sieht ihn unschuldig an.

Colton lacht.

Denvers Blick wandert zu ihm und wieder zu Juno. »Sie ist mit mir hier.«

»Sie hat gesagt, sie sei nicht mit dir hergekommen.«

Denver schnaubt und schüttelt den Kopf, als könnte er es nicht fassen. »Ich habe ihr gerade einen Drink ausgegeben.«

Juno steht auf, hebt die Hände und geht mit Colton zurück an unseren Tisch. »Okay, sorry«, sagt sie zu Denver und wendet sich der Frau zu. »Ruf mich morgen an.«

Die Frau blickt drein, als würde sie Juno nicht verstehen.

Ich muss mir auf die Unterlippe beißen, um nicht laut loszulachen.

»Danke«, sagt Denver und stellt sich vor die Dame, damit Juno nicht mehr mit ihr reden kann.

Juno und ich sehen einander an und grinsen, denn wir wissen beide, dass sie nur eine flüchtige Affäre ist. Dafür sind Liam, Denver und sein Zwillingsbruder Rome (bevor er Vater wurde) bekannt.

Das Geräusch zusammenstoßender Kugeln lenkt meine Aufmerksamkeit wieder auf den Billardtisch, wo Liam gerade dabei ist, seinen nächsten Stoß vorzubereiten.

Das habe ich ganz vergessen. Es waren nicht nur meine Brüder, denen mein Dad im Keller das Billardspielen beigebracht hat. Liam war auch immer dabei.

Kapitel 4

LIAM

»Sicher, dass du noch eine Runde spielen willst?«, frage ich Savannah. Sie ist schon total besoffen von den ganzen Kurzen, die sie trinken musste.

»Japp. Mein Dad hat dir vielleicht das Billardspielen beigebracht, mir aber auch.« Sie verliert das Gleichgewicht. Statt mir den Finger in die Brust zu piksen, trifft sie meine Schulter.

Irgendwie mag ich es, wenn sie so ist. Nicht, dass sie betrunken ist, sondern dass sie sich endlich mal keine Sorgen macht um Bailey Timber, ihre acht Geschwister, Grandma Dori oder sonst irgendwas, das ihr permanent im Kopf herumschwirrt. Sie lebt im Moment. Alles, was sie will, ist, mich zu besiegen. Und ja, ich liebe es, wenn ihre volle Aufmerksamkeit auf mir liegt.

Darlene oder Marlene oder vielleicht auch Carly schmiegt sich jedes Mal an mich, wenn mir Savannah zu nahekommt. Am liebsten würde ich sie abservieren, aber ich bin nun mal ein Arschloch, das Savannah eifersüchtig machen will. Ich will, dass sie denkt, ihr würde etwas entgehen.

»Komm schon. Lass uns zu dir gehen.« Sie schiebt die Finger hinten in meinen Hosenbund.

»Oh, du willst, dass dich Liam mit nach Hause nimmt?«, fragt Savannah. Ich packe ihren Arm, bevor sie noch das Gleichgewicht verliert und sich ihr Schnaps über den Billardtisch ergießt.

Darlene oder Marlene – verdammt, nennen wir sie ab jetzt einfach Bartussi – sieht mich fragend an. »Was ist das mit euch beiden?«

Savannah wackelt mit den Augenbrauen, dreht sich um, leert ihren Kurzen und hält sich am Tisch fest, als wäre er ein Geländer auf einer Klippe, das sie davon abhält, hinunter in die Wellen zu stürzen.

»Sie ist die Schwester meines Kumpels.«

Savannah schnellt herum. Eine weitere blonde Strähne fällt aus ihrem Pferdeschwanz. »Ist das alles?«

Das Gespräch zwischen Juno, Colton, Denver und seiner Barbekanntschaft kommt zum Erliegen. Stille breitet sich aus.

»Ist es das nicht?«, frage ich Savannah. Soll sie die Frage doch selbst beantworten.

»Doch.« Sie lächelt Bartussi lieblich an. »Er gehört allein dir.«

Bartussi rückt näher an mich heran. Ich erstarre. Hitze breitet sich in mir aus.

»Also noch eine Runde?« Sav stellt ihr Schnapsglas ab und lässt den Queue durch ihre Hände gleiten.

Vor zwei Spielen hat Bartussi versucht, mich mit ebenjener Bewegung anzumachen. Doch Savannah entlockt meinem Schwanz die Reaktion, die Bartussi beabsichtig hatte. Mit anderen Frauen rumzumachen ist wohl nicht der richtige Weg, um Savannah zu vergessen. Vielleicht ist Rhys’ Plan B doch der richtige, aber ich werde heute Nacht definitiv nicht mit ihr schlafen. Nicht in diesem Zustand.

»Ich bin müde«, jammert Denver und lässt seine Hand über den Oberschenkel seiner Bekanntschaft wandern.

»Ja, wir sind auch raus«, sagt Juno und steht auf.

Colton zückt sein Portemonnaie und geht hinüber zur Bar, um für ihre Drinks zu bezahlen. Wie war das noch mal? Warum sind die beiden kein Paar?

»Was? Jetzt fängt es erst richtig an, Spaß zu machen.« Savannah führt einen kleinen Tanz auf, bevor sie sich am Tisch festklammert und sich den Bauch hält. »Ohoh …«

»Komm, Sav. Ich bringe dich nach Hause.« Juno tritt neben sie und sieht mich vorwurfsvoll an.

Was zum Teufel? Ich war schon vorher hier und habe in Ruhe Billard gespielt, bevor sie dazugekommen sind.

»Das ist doch nicht meine Schuld«, sage ich.

Juno nickt und holt tief Luft.

»Liam kann mich nach Hause bringen«, sagt Savannah und lässt den Blick über meinen Körper schweifen.

Hm, Betrunkene sagen wohl tatsächlich die Wahrheit. Ich habe schon viele Lügen erzählt, wenn ich besoffen war, aber für Savannah scheint Alkohol ein Wahrheitselixier zu sein, so glühend, wie sie mich ansieht.

»Sav, er muss schon Marlene nach Hause bringen«, flüstert Juno, aber nicht so leise, dass ich es nicht hören kann.

Savannah dreht den Kopf in Marlenes Richtung. Danke, Juno. »Oh.«

Marlene legt den Queue auf den Billardtisch und schlingt die Arme um meine Taille. Sie ist so winzig – ganz im Gegensatz zu Savannah. »Komm, wir gehen.«

Ich mustere Savannahs Gesicht und suche nach irgendeinem Zeichen, dass ich diese Einladung nicht annehmen soll. Doch sie hakt sich lächelnd bei ihrer Schwester unter. »Ich schlafe heute bei dir, damit Liam mit Marlene allein sein kann.« Den Namen Marlene spuckt sie aus, als würde er einen widerlichen Geschmack in ihrem Mund hinterlassen.

Ich blinzle nicht mal. Wir wissen beide, dass ich sie am liebsten über die Schulter werfen und wieder ins Bett tragen würde. Stattdessen tut sie so, als würde sie die Vorstellung von mir mit einer anderen Frau kein bisschen stören. Doch jeder, der diese Frau kennt, weiß genau, dass sie sich an allem stört.

»Danke. Das weiß ich sehr zu schätzen.« Ich löse mich aus Marlenes Griff und nehme ihre Hand. »Hoffentlich hast du nächstes Mal mehr Glück«, flüstere ich Savannah ins Ohr, bevor ich mit Marlene an meiner Seite das Lucky’s verlasse.

»Endlich. Ist sie deine Ex oder so? Denn sie wollte dich so was von. Ich meine, sie könnte ein wenig Respekt zeigen. Ich habe dich zuerst gesehen.« Marlene drückt mich gegen eine Backsteinmauer, die Hand bereits auf der Beule in meiner Hose.

Doch sie ist nicht der Grund für die Beule.

Ich lege die Hand auf ihre, um sie zu stoppen. Ich werde dieses Mädchen nicht verarschen, ganz egal, was ich Savannah vormachen will. »Nein. Sie hat mich zuerst gesehen.«

Die Wahrheit ist, dass ich sie zuerst gesehen habe. Vor so vielen Jahren.

Die Tür der Bar öffnet sich, und Savannah stolpert zwischen Juno und Colton heraus. Juno hilft kaum mit, die ganze Arbeit hängt an Colton. Savannahs Blick fällt auf mich und Marlene und richtet sich dann auf meine Hand auf Marlenes – die auf meinem Schwanz liegt. Fuck.

»Mir ist schlecht.« Sie stellt sich neben den Baum auf dem Bürgersteig, beugt sich vornüber und übergibt sich.

Colton schließt die Augen und lässt den Kopf in den Nacken fallen.

Dann kommt auch noch Denver dazu. »Zu hart gefeiert, Sav?« Er lacht. Er ist genauso besoffen wie seine Schwester, doch um ihn mache ich mir keine Sorgen. Er kann sich um sich selbst kümmern. Er grinst mich an, denn er denkt, Marlene und ich wären schon drauf und dran. »Lasst euch nicht stören.«

»Alles okay, Sav?«, fragt Juno.

Nate kommt heraus und bringt ihr eine Flasche Wasser. Wahrscheinlich amüsieren sich gerade die anderen Gäste über sie. Bestimmt macht irgendjemand Fotos, und Buzz Wheel wird über sie schreiben, noch ehe die Nacht vorbei ist.

»Denver, ruf für Marlene ein Uber.« Ich lächle Marlene entschuldigend an und drücke mich von der Mauer ab.

Ich hebe Savannah hoch. Ihr Kopf fällt über meinen gebeugten Ellbogen, während ihre Arme schlaff herunterhängen.

»Sie kann mit zu mir kommen. Kein Grund, deine Nacht vorzeitig zu beenden.« Juno folgt mir zu meinem Auto.

Da wir alle Spiele gewonnen haben, habe ich heute Abend nur ein Bier getrunken und bin durchaus noch in der Lage zu fahren. »Nein, ich kümmere mich um sie. Aber stell sicher, dass Denver nicht mit den beiden bei mir zu Hause aufkreuzt.« Mit dem Kopf deute ich hinter mich.

Colton öffnet die Beifahrertür, und ich platziere Savannah auf dem Vordersitz. Als ich sie anschnalle, murmelt sie irgendwas.

»Bloß nicht wieder kotzen«, sage ich.

»Danke, Nate.« Juno reicht mir die Wasserflasche.

Ich umrunde das Auto, steige ein und werfe Savannah einen letzten Blick zu, bevor ich den Motor starte und sie von hier wegbringe, denn diese Situation könnte ihren Ruf ruinieren. Und dafür lebt sie schließlich.

Kapitel 5

SAVANNAH

Mein Kopf pocht wie verrückt, als ich mich auf die Seite rolle. Ich liege unter einem marineblauen Laken. Ich blicke in Richtung Nachttisch und erwarte, meinen Wecker zu sehen. Doch da ist kein Wecker. Nur eine Zeichnung eines aufwendigen keltischen Motivs.

Ich bin umgeben von Liams männlichem Duft. Ich suche das Zimmer nach ihm ab, doch nichts. Es sieht nicht mal so aus, als hätte er mit mir in einem Bett geschlafen.

Ich setze mich auf und fasse mir an den Kopf. »Was ist gestern Nacht passiert?« Ich versuche, eine Antwort zu finden, doch ich habe keine Ahnung, was nach der zweiten Runde Billard vorgefallen ist.

Ich schwinge die Beine über die Bettkante und stehe auf. Die kühle Luft des Ventilators trifft mich. Ich trage nur BH und Slip – und nicht mal die guten. Ein Baumwoll-BH mit einer rosa Schleife in der Mitte. Als wäre ich elf. Meine Unterhose bedeckt meinen gesamten Bauch. Fantastisch. Ich greife nach dem Laken, um mich darin einzuhüllen.

Ich höre unten die Tür, was mich daran erinnert, dass ich meinen Arsch besser in Bewegung setzen sollte. Mit Liams Laken um mich gewickelt, schleiche ich in mein Zimmer. Der reinste Walk of Shame – nur ohne die vorherigen Vorzüge.

Nachdem ich mir Shorts und ein T-Shirt angezogen habe, bringe ich das Laken zurück in sein Zimmer, das noch immer leer ist. Dann mache ich das Bett und suche das ganze Haus nach ihm ab. Doch ich kann ihn nirgendwo finden. Mein Blick fällt auf den grünen Schuppen, dessen Tür leicht offen steht.

Immer macht er ein Geheimnis daraus, was er da drin so treibt.

Ich verlasse das Haus und versuche, meinen hämmernden Kopf zu ignorieren, während ich den gepflasterten Weg entlanggehe. Ich will gerade die Tür zum Schuppen öffnen, als Liam herauskommt und sie hinter sich zuzieht. Manchmal glaube ich, er hat Superkräfte. Oder ein Überwachungssystem.

»Morgen«, sagt er. »Hast du das Aspirin und das Wasserglas auf der Küchentheke entdeckt?«

Ich schüttle den Kopf. »Was ist passiert?« Meine Stimme klingt rauer als gewöhnlich.

Er geht in Richtung Haus, also folge ich ihm. Er trägt immer noch das Shirt und die Jeans von gestern Abend, nur mit mehr Falten.

»Du hast dich betrunken.«

»Und wie bin ich in deinem Bett gelandet?«, frage ich schnippisch.

Vor der Tür, die in die Küche führt, bleibt er so abrupt stehen, dass ich fast mit ihm zusammenstoße. »Du hast dich reingelegt.«

»Habe ich?« Ich senke den Blick auf die perfekt verlegten Pflastersteine. Wahrscheinlich hat Liam es selbst gemacht. »Daran kann ich mich nicht erinnern.«

»Wahrscheinlich, weil du dich nüchtern ganz sicher nicht in mein Bett gelegt hättest.« Er schiebt die Hände in die Hosentaschen.

Ich würde ihn gern fragen, ob er sich zu mir gelegt hat. Wie es kommt, dass ich halb nackt aufgewacht bin. Aber es ist einfach zu peinlich. Dann bleibe ich lieber im Ungewissen.

»Danke. Tut mir leid, wenn ich dir gestern Nacht Umstände bereitet habe.« Ich schiebe mich an ihm vorbei und muss über den Rasen gehen, um nicht mit ihm in Berührung zu kommen.

Doch er packt mich vorsichtig am Arm, um mich aufzuhalten. Ich versuche, mich aus seinem Griff zu lösen, aber er lässt mich nicht los. Also halte ich inne und blicke ihm direkt in die blauen Augen.

»Ich habe auf dem Sofa geschlafen.« Er rückt ein bisschen näher. »Du hast dich selbst ausgezogen.« Noch näher. »Und du bereitest mir nie Umstände.«

»Aber du warst mit diesem Mädchen zusammen. Was ist passiert?«

Er krümmt sich ein wenig, grinst dann aber breit. »Wir haben einfach das Sofa benutzt.«

Mein Körper wird kalt, und all meine Muskeln verspannen sich. »Oh.«

»Mein Gott, denkst du wirklich, das würde ich tun?« Er lässt mich los und geht zurück zum Schuppen.

»Wäre doch möglich«, rufe ich ihm hinterher.

Er bleibt stehen und lässt den Kopf hängen. Ich beobachte, wie sich sein Rücken hebt und senkt, wie er es oft tut, wenn Liam von mir genervt ist. »Ich wollte sie nicht. Die Frau, die ich in meinem Bett haben wollte, lag bereits drin«, sagt er, ohne sich umzudrehen.

»Liam?« Was wird er jetzt tun? Will er mir erklären, warum wir miteinander schlafen sollten? »Du hättest mit ihr nach Hause gehen sollen.« Als er sich umdreht, beginnt mein Herz, immer schneller zu schlagen.

Bis er mich ansieht. »Ist es das, was du willst?«

»Ich weiß nicht, wie es anders funktionieren sollte.«

Er fährt sich mit der Zunge über die Unterlippe. »Du kannst wirklich dastehen und so tun, als wolltest du nicht, dass ich dich packe und in mein Zimmer trage?«

Ich mache einen Schritt nach vorn. Am liebsten würde ich ihn berühren, doch ich tue es nicht. Liam gehört zu den Menschen, die die ganze Hand nehmen, wenn man ihnen den kleinen Finger reicht. Er liebt die Herausforderung. Das ist alles, was ich für ihn bin. Ich bin die erste Frau, die sich nicht bereitwillig auszieht und in sein Bett legt. Nun ja, scheiße. Doch, das habe ich getan. Er war nur anständig genug, es nicht auszunutzen.

»Und warum hast du es gestern Nacht nicht gemacht, wenn es doch das ist, was ich angeblich will?«

»Du warst betrunken.« Er sieht mich an, als könnte er direkt in mein Inneres blicken und all meine Unsicherheiten und Zweifel sehen, die sich darin verbergen.

»Du bist schon oft mit betrunkenen Mädels in die Kiste gestiegen. Warum nicht mit mir?«

Er verengt den Blick und schüttelt den Kopf, als würde ich eine fremde Sprache sprechen. »Du bist eingepennt. Selbst als du dich ausgezogen hast, warst du nicht genug bei Bewusstsein, um mit mir in die Kiste zu springen.«

»Danke. Oder so.«

Er atmet laut aus. Doch mit einem Mal wandelt sich seine Stimmung um hundertachtzig Grad, und er lächelt strahlend. »Gern geschehen. Oder so.« Ich verdrehe die Augen, und er verschränkt die Arme vor der Brust. »Es war schön, dich mal so locker zu erleben.«

»Ich wünschte, ich könnte mich daran erinnern, wie sich das angefühlt hat. Aber der Abend ist ein einziger Nebel.« Mir entweicht ein nervöses Kichern.

»Vielleicht solltest du diese Seite an dir öfter aus dem Käfig lassen.«

»Wenn das nur möglich wäre.« Selbst ich höre die Sehnsucht in meiner Stimme.

Fragend hebt er die Augenbrauen.

»Was willst du von mir, Liam?«