Twist of a Love Affair - Piper Rayne - E-Book

Twist of a Love Affair E-Book

Piper Rayne

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4,99 €

Beschreibung

Band 3 der Romance-Serie von USA Today Bestseller-Autorin Piper Rayne

Was tun, wenn du eigentlich Spaß an deinem Singleleben hast, doch plötzlich taucht eine Frau mit einem Baby auf dem Arm auf und behauptet, es wäre deins?
Hier ist mein Plan:

1. Steh auf.
2. Finde heraus, wie alt das Baby ist. Rechne!
3. Versuch dich an die Frau zu erinnern, vor allem an ihren Namen.
4. Überprüfe, ob sie dich nicht mit deinem Zwillingsbruder verwechselt.
5. Ignoriere die düsteren Blicke deiner fünf Schwestern, während deine ganze Familie dabei zusieht, wie das Drama seinen Lauf nimmt.

Es gibt nur eins, was du nicht tun solltest:
6. Geh nicht davon aus, dass sie gekommen ist, weil sie möchte, dass deine Tochter dich Daddy nennt. Du wirst nur enttäuscht werden.

Zeit, einen Plan zu schmieden, um ihre Meinung zu ändern!

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Seitenzahl: 374

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Twist of a Love Affair

Die Autorin

PIPER RAYNE ist das Pseudonym zweier USA Today Bestseller-Autorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Heldinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!

Das Buch

Ein One-Night-Stand mit Folgen

Harley Sullivan weiß nicht mehr weiter. Ihre kleine Tochter Calista ist krank und der einzige, der ihr helfen kann, ist Calistas leiblicher Vater. Auf der Suche nach Denver Bailey kommt Harley nach Lake Starlight, Alaska. Sie hat nur ein Ziel: Seine Krankenakte einsehen und verschwinden.

Rome Bailey liebt das Singleleben. Als Harley in sein Restaurant marschiert und nach seinem Zwillingsbruder fragt, denkt er sich nichts dabei. Bis sich herausstellt, dass es eine Verwechslung gab ...

Piper Rayne

Twist of a Love Affair

Aus dem Amerikanischen von Cherokee Moon Agnew

Forever by Ullsteinforever.ullstein.de

Deutsche Erstausgabe bei ForeverForever ist ein Verlag der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin August 2020 (1)© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020Titel der amerikanischen Originalausgabe: Birth of a Baby Daddy© 2019 by Piper Rayne

Umschlaggestaltung: zero-media.net, MünchenTitelabbildung: © FinePic®Übersetzung: Cherokee Moon AgnewE-Book powered by pepyrus.com

ISBN 978-3-95818-515-9

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Inhalt

Die Autorin / Das Buch

Titelseite

Impressum

Die Baileys

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Epilog

Und zum Schluss noch ein wenig Einhorngeschwafel …

Leseprobe: Flirting with Fire

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

Die Baileys

Die Baileys

Austin Bailey – 32 Jahre alt(Biologielehrer/Baseball Coach)Savannah Bailey – 30 Jahre alt(Leitet die Bailey Timber Corp)Brooklyn Bailey – 27 Jahre alt(Leitet die Essential Oil Company)Rome Bailey – 25 Jahre alt(Chefkoch)Denver Bailey – 25 Jahre alt(Buschpilot)Juno Bailey – 24 Jahre alt(Verkupplerin)Kingston Bailey – 21 Jahre alt(Smokejumper – Feuerwehrelite)Phoenix Bailey – 20 Jahre alt(Studentin)Sedona Bailey – 20 Jahre alt(Studentin)

Kapitel 1

HARLEY

Ich setze Calista höher auf meine Hüfte, während ich den Koffer über das halb geschmolzene Eis zerre, das den Weg zum Cozy Cottage Bed & Breakfast bedeckt.

Es ist die günstigste Unterkunft in Lake Starlight. Sie wirkt gar nicht so heruntergekommen, wie ich befürchtet hatte. Um ehrlich zu sein, scheint sie sogar ziemlich gut in Schuss zu sein, nur ein wenig … speziell. Doch ich bin keine, die voreilige Schlüsse zieht. Nicht bei meiner Vergangenheit. Aber die meisten Menschen würden eine rosa Hausfassade nicht mit einer gelben Verkleidung kombinieren. Die Gartenzwerge und Metallskulpturen, die aus den Schneehaufen im Vorgarten herausragen, erhöhen den Merkwürdigkeitsfaktor zusätzlich. Ich kann mich nicht daran erinnern, sie auf den Fotos gesehen zu haben, als ich online gebucht habe. Aber es hätte sowieso keinen Unterschied gemacht.

Ich bin nur aus einem einzigen Grund hier – um den Vater meiner Tochter zu finden.

Mein Gott, das klingt so klischeehaft. Aber es stimmt.

Denver Bailey.

Mein One-Night-Stand ist jetzt Vater.

Ich hatte nicht vor, nach ihm zu suchen. Erst als ich sein Foto in den Nachrichten gesehen habe, weil sein Flugzeug mit einem bekannten Musikproduzenten aus Hollywood an Bord in Alaska abgestürzt war, wusste ich, wo ich ihn finden würde. Denver war der Pilot. So habe ich seinen Nachnamen erfahren.

Sechs Monate später stehe ich nun in seinem Heimatort. Aber nur, weil ich etwas von ihm brauche.

Calistas Quengeln reißt mich aus meinen Gedanken. Ich bleibe stehen, um sie wieder richtig auf meine Hüfte zu setzen. Bevor ich klopfen kann, wird die Tür aufgerissen.

Die Dame, die mir entgegenkommt, ist ungefähr Mitte fünfzig und trägt ein farbenfrohes Dashiki mit schwarzen Leggings. Unter ihrem Kopftuch blitzt grau-schwarzes schulterlanges Haar hervor. Mit farbverschmierten Händen winkt sie mich herein. Das Neonpink bildet einen starken Kontrast zu ihrer dunklen Haut.

»Haaalloooo«, begrüßt sie mich lang gezogen und breit lächelnd. »Du musst Harley sein!« Sie tritt hinaus auf die Veranda und schlingt die Arme um mich und meine Tochter. Ich werde stocksteif und atme erleichtert aus, als sie mich loslässt, um sich Calista zu widmen. »Hallo, du süßes Ding.«

Dann nimmt sie mir Calista ab. Automatisch will ich nach ihr greifen, doch sie drückt sie sicher an ihre Brust. Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, doch sie kommt mir wieder zuvor.

»Bring den Koffer rein. Ihr holt euch hier draußen sonst noch den Tod. Der Frühling lässt noch auf sich warten.« Dann verschwindet sie mit meiner Tochter im Haus. »Seid ihr zum ersten Mal in Alaska? Wie war der Flug? Was führt euch hierher? Ich bin übrigens Selene. Wie die griechische Mondgöttin.«

Mein Gehirn kommt kaum hinterher. Ich habe keine Ahnung, welche Frage ich zuerst beantworten soll, also sage ich nichts, trage stattdessen meinen Koffer ins Haus und schließe die Tür hinter mir.

Selene zieht Calista den dicken Anzug aus.

Ich sehe mich in unserem Zuhause für die nächsten Tage um. Hier drin ist es genauso bunt wie draußen. An den Wänden hängen leuchtende abstrakte Ölgemälde. Jede freie Oberfläche ist mit Krimskrams bedeckt, was jetzt, da Calista alles in den Mund steckt, ein wahrer Albtraum wird.

»Hast du die Bilder gemalt?«, frage ich Selene, die Calista gerade unterm Kinn kitzelt, doch sie kichert nicht. Stattdessen starrt sie Selene an, als wäre sie gerade aus einem Ufo gestiegen.

»Ja. Ich bin nicht nur ein Kunstfreund, sondern auch selbst Künstlerin. Und die Dekostücke draußen auf dem Rasen habe ich auch selbst gemacht.«

Ich lächle. »Cool.«

Merkwürdiges Schweigen erfüllt den Raum. Ich nutze die Gelegenheit, das Wort zu ergreifen, bevor Selene wieder loslegt. »Wir hatten eine lange Anreise. Ich denke, wir legen uns am besten erst mal eine Weile hin, bevor wir losziehen, um ein paar Dinge zu erledigen.«

Selene runzelt die Stirn. »Ich kann gern auf sie aufpassen, wenn du dich ausruhen willst.«

Sie wirkt aufrichtig, nicht wie eine Serienkillerin, die meinem Kind Leid zufügen will. Aber ich werde meine kleine Tochter nicht mit einer Fremden allein lassen.

»Schon okay. Sie braucht auch ein Nickerchen.« Ich greife nach ihr, um sie Selene abzunehmen. »Wir werden erst mal unsere Sachen auspacken und uns dann eine Runde aufs Ohr hauen, wenn es okay ist.«

»Aber natürlich. Gar kein Problem. Um fünf gibt’s Abendessen. Oder ist das zu früh? Ich bin Frühaufsteherin, was bedeutet, dass ich auch früh ins Bett gehe. Aber ich weiß, dass es auch Menschen gibt, die lieber später essen.«

Calista fängt an zu jammern. Normalerweise würde sie um diese Uhrzeit schon längst Mittagschlaf machen. Ich wiege sie auf meiner Hüfte und hoffe, dass das Gespräch schnell beendet ist. Eigentlich wollte ich nicht in einem Bed & Breakfast übernachten, weil ich befürchtet habe, die Besitzer und die anderen Gäste könnten zu neugierig sein. Aber es ist nicht so, als könnte ich mir ein Zimmer im Glacier Point Resort leisten.

»Fünf ist super.«

Als Selene in die Hände klatscht, zuckt Calista erschrocken zusammen. »Perfekt. Es gibt Zucchininudeln mit Avocadopesto. Schmeckt besser, als es klingt. Versprochen.«

Ich lächle und gehe in Richtung Treppe. Ich hole mir besser nachher etwas zu essen, wenn wir unterwegs sind.

»Ihr habt das hellblaue Zimmer.«

»Danke.«

»Wie heißt die Kleine eigentlich?«

Ich bleibe stehen und drehe mich um. »Calista.«

»Calista.« Sie lächelt. »Wunderschön. Kennst du die Bedeutung? In der griechischen Mythologie war Calista eine Arkadierin, die sich zuerst in eine Bärin und später in das Sternbild des Großen Bären verwandelt hat.« Jetzt redet sie in Babysprache, als würde sie es eher Calista als mir erzählen.

»Gut zu wissen.«

Mir wird ganz schwer ums Herz, während ich weiter die Treppen nach oben steige. Ich hoffe, meine Tochter ist auch eine Bärin, denn für das, was vor uns liegt, muss sie stark sein.

Selene hatte recht. Das Abendessen hat tatsächlich besser geschmeckt, als es geklungen hat. Ich hole unsere Jacken und packe Calista wieder warm ein, um loszuziehen und mehr über Denver herauszufinden. Lake Starlight scheint so klein zu sein, dass jeder jeden kennt. Hoffentlich treffe ich jemanden, der mir sagen kann, wo er wohnt oder für gewöhnlich abhängt.

Der Uber-Fahrer lässt mich vor einem Eisenwarenladen mit dem Namen Hammer Time heraus. Ich muss an Denvers geschickte Hände denken, meine Nippel zwischen seinen rauen Fingern. Ich schüttle den Kopf, um den Gedanken beiseitezuschieben.

Als wir den Laden betreten, klingelt die Glocke über der Tür. Ich nehme einen tiefen Atemzug. Ich liebe den Duft von frisch geschnittenem Holz und Baumaterialien.

»Kann ich Ihnen helfen?« Hinter der Theke steht ein Mann, der mich herzlich anlächelt.

Ich erwidere das Lächeln, gehe auf ihn zu und werfe einen kurzen Blick auf sein Namensschild. »Hi, Jack. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber könnten Sie mir vielleicht sagen, wo ich Denver Bailey finde?«

»Nun ja, ich habe erst vorhin mit Austin gesprochen. Er hatte große Pläne für heute Abend. Danach wollten sie sich alle in Romes neuem Restaurant treffen. Es liegt direkt am Marktplatz. Es hat noch nicht geöffnet, aber wenn Sie klopfen, hören die Baileys es bestimmt. Einfach nach rechts die Straße lang. Ein paar Blocks weiter. Es heißt Terra & Mare.«

»Super. Vielen Dank für die Info.« Ich drehe mich um und gehe in Richtung Ausgang.

»Hey, wie heißen Sie?«, ruft mir Jack hinterher.

»Das ist nicht wichtig«, erwidere ich. Wieder ertönt die Glocke, als ich den Laden verlasse.

Ich pikse Calista in den Bauch. »Es war klug von deiner Mommy, in diesen Laden zu gehen. Jack ist die reinste Enzyklopädie.«

Sie kichert, und ich küsse ihre Stirn.

Während ich immer weiter in die Richtung gehe, in die mich Jack geschickt hat, dreht sich mir der Magen um, und mir kommt die Galle hoch. Calista ist damit beschäftigt, in den Himmel zu starren. Immer wieder greift sie mit einer behandschuhten Hand nach einer Schneeflocke.

Nur wenige Minuten später sehe ich das Schild von Terra & Mare. Goldene Schrift auf braunem Untergrund. Das hat Klasse. Ich spähe durchs Fenster. Das Restaurant ist leer – bis auf einen langen Tisch in der Mitte, an dem eine Gruppe von Leuten sitzt.

Denver kann ich zwar nicht entdecken, aber ein paar der Männer sitzen mit dem Rücken zu mir. Von daher könnte es einer von ihnen sein. Es ist schon über zwei Jahre her, dass ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Ich muss mich also auf verschwommene Erinnerungen verlassen. Am besten kann ich mich daran erinnern, wie ich mich in dieser einen Nacht mit ihm gefühlt habe.

Ich hole tief Luft und rufe mir noch mal in Erinnerung, warum ich hier bin. Als ich die Tür aufdrücke, weht ein eisiger Windstoß ins Restaurant. Alle Köpfe drehen sich gleichzeitig zu mir um.

Mein Blick wandert von einem zum anderen, während ich auf den Tisch zugehe. Ich überlege, ob mir irgendjemand bekannt vorkommt. Als ich Denver entdecke, schlägt mein Herz plötzlich dreimal so schnell.

Alle Erinnerungen an die Nacht und warum ich mich zu ihm hingezogen gefühlt habe, kommen zurück. Sein gutes Aussehen. Seine haselnussbraunen Augen. Wie sich sein Bizeps und seine Brust unter seinem Shirt abgezeichnet haben. Wie sich seine Bartstoppeln an den Innenseiten meiner Schenkel angefühlt haben.

Doch er kann sich ganz offensichtlich nicht an mich erinnern, was mich nur noch wütender macht.

»Tut mir leid, das hier ist eine Privatfeier. Nur für Familienangehörige«, sagt eine hübsche Blondine und erhebt sich von ihrem Stuhl.

»Dann sind wir wohl richtig«, erwidere ich schnippisch.

Alle am Tisch wechseln irritierte Blicke.

Dann kommt der Koch aus der Küche und durchquert mit einer Platte mit Rind den Raum.

Moment … Was zum Teufel ist hier los?

Mein Blick wandert vom Koch zu Denver.

Der Koch hat mich noch nicht bemerkt und stellt die Platte in die Tischmitte. »Warum sind alle so still?«, fragt er und folgt der Blickrichtung der anderen.

Mir fällt die Kinnlade herunter, und ich setze Calista höher auf meine Hüfte. »Von euch gibt’s zwei?«

Denver legt den Kopf schief, und der Koch kommt weiter auf mich zu.

»Tut mir leid. Wie kann ich dir helfen?«, fragt er. Dass er mich auch nicht erkennt, entfacht meine Wut, als würde man Benzin ins Feuer kippen.

Ich verenge die Augen zu Schlitzen. »Du kannst mir sagen, wer von euch beiden der Vater meines kleinen Mädchens ist.«

Alle Blicke wandern zwischen Denver und dem Koch hin und her.

Beide blicken panisch drein.

Was habe ich mir da bloß eingebrockt?

Kapitel 2

ROME

»Wer von euch beiden ist Denver?« Die Frau lässt den Blick zwischen meinem Bruder und mir hin und her wandern.

Ich schäme mich nicht, zuzugeben, dass mich Erleichterung umhüllt wie die schwere Decke, die sich Savannah letzten Monat gekauft hat. Ich habe keinen blassen Schimmer, wer diese Frau ist. Ich rechne kurz zurück und stelle fest, dass ich noch in Europa war, als das kleine Mädchen gezeugt wurde.

Gott sei Dank.

Aber für meinen Bruder ist das weniger gut.

Denver sieht mich an, steht langsam auf und geht auf sie zu, als müsste er eine Gefängnisstrafe antreten, ohne Chance auf Bewährung. »Ich bin Denver. Und du bist …«

Sie verlagert das Gewicht auf ein Bein und hebt eine Augenbraue. Die Kleine zieht an ihrem Haar, doch dann senkt sie nur gedankenverloren ihre Hand, ohne sich zu beschweren. »Ernsthaft? Ich weiß, dass wir beide ziemlich betrunken waren. Aber ich dachte, du würdest dich wenigstens an meinen Namen erinnern. Harley.«

Harley? Nope, ich kenne keine Harley. Also bin ich auch nicht der Daddy.

Anhand des flehenden Blicks von Denver, der »Es ist dein Kind, nicht wahr?« zu fragen scheint, wird mir klar, dass er ebenfalls keine Ahnung hat, was hier passiert.

Wenn wir sie beide nicht kennen, dann sind wir vielleicht beide fein raus. Möglicherweise will uns irgendjemand verarschen. Das riecht total nach Liam.

Mein Blick wandert zu ihm. Er sitzt zurückgelehnt da, die Arme auf die Rückenlehnen gelegt. Sein Grinsen verrät, dass er die Szene gerade genießt, aber die Verwunderung in seinem Blick sagt mir, dass es keiner seiner verfrühten Aprilscherze ist.

Nach und nach mustere ich jedes Familienmitglied und frage mich, wer so etwas machen würde. Mein Blick bleibt an G’Ma D hängen. Ihr würde so etwas ähnlichsehen. Irgendeine fremde Frau damit beauftragen, hier hereinzuschneien, um uns danach einen Vortrag über Safer Sex zu halten und darüber, dass wir uns dringend häuslich niederlassen müssen, weil sonst eines Tages genau so etwas passieren wird.

»Rome«, sagt Denver flehend.

Scheiße, er will, dass ich ihm helfe. Aber was soll ich bitte machen? Er hat sie geschwängert.

»Hör zu«, sage ich und mache einen Schritt auf sie zu. »Ich glaube, du hast den Falschen.«

Harleys Kopf schnellt zu mir herum, und sie verengt die Augen zu Schlitzen. »Und wer bist du?«

»Rome Bailey. Sein Zwillingsbruder.«

»Ich bin nicht blind«, murmelt sie.

Ich erinnere sie lieber nicht daran, dass sie diejenige war, die gefragt hat. Wir sind hier in einer Stresssituation, also behalte ich meinen Sarkasmus für mich. »Wenn er dächte, er wäre der Vater der Süßen, würde er es sagen.«

Das Baby unterbricht die angespannte Stimmung, indem es immer wieder das Gesicht seiner Mutter tätschelt und »Mama. Mama.« sagt.

»Soll ich sie nehmen, damit du …« Mit ausgestreckten Armen geht Brooklyn auf sie zu.

Doch Harley dreht ihr schnell den Rücken zu.

»Oder auch nicht.« Brooklyn wirft die Hände in die Luft und setzt sich auf einen freien Stuhl. Ich beobachte, wie sie das Gesicht der Kleinen nach Ähnlichkeiten absucht.

Das kleine Mädchen ist zuckersüß. Ich übernehme liebend gern die Rolle des Lieblingsonkels. Ihr Haar ist nicht blond wie das ihrer Mutter. Es ist hellbraun, aber sie hat die gleichen grünen Augen wie ihre Mom. Ihre Pausbäckchen sind ganz rosa von der Kälte. Sie zieht einen ihrer Fäustlinge aus, wirft ihn durch den Raum und trifft Savannah mitten ins Gesicht.

Meine ganze Familie lacht. Savannah hebt den Handschuh auf und geht langsam auf Harley zu, als wäre sie eine hungrige Tigerin, die uns alle fressen will.

»Danke«, sagt Harley und behält den Fäustling in der Hand. Doch dann zieht das Mädchen auch noch den anderen aus, der in der Sahnesoße landet, die ich eben auf den Tisch gestellt habe.

»Ich mache ihn sauber.« Meine zukünftige Schwägerin Holly fischt den Handschuh heraus und verschwindet in der Küche.

»Nicht …« Harley verstummt, denn Holly wird es so oder so tun.

»Wo sind wir stehen geblieben?« Harley nimmt die Hand der Kleinen aus ihrem Gesicht, küsst und senkt sie, bevor sie mich mit ihren grünen Augen durchbohrt. »Da sich dein Bruder Denver dumm stellt, kläre ich euch jetzt auf. Wir haben uns vor etwas über zwei Jahren in Seattle kennengelernt. Er ist dort zwischengelandet und kam in die Bar, in der ich gearbeitet habe. Er ist geblieben, als wir zugemacht haben. Eins führte zum anderen. Und das hier ist das Ergebnis unseres One-Night-Stands.« Mit dem Kopf deutet sie auf das Baby, das mich nun fasziniert anstarrt.

Denver hebt die Hände, als würden wir wieder in der Highschool im Schulbüro des Rektors sitzen. »Ich war vor zwei Jahren nicht in Seattle.« Er sieht sich nach einem Zeugen um. Oder wenigstens jemandem, der ihm zustimmt. Sind wir hier bei Maury Povich?

»Weißt du das denn noch so genau?«, fragt Austin.

Denver funkelt unseren ältesten Bruder böse an. »Ich denke, ich könnte mich daran erinnern, wenn ich dort gewesen wäre«, fährt Denver fort und erklärt, warum er genau weiß, dass er zur Zeit der Zeugung nicht in den unteren achtundvierzig Staaten war. Wir wissen alle, dass er aufgrund seines stressigen Jobs Alaska nur selten verlässt. Der Kerl ist Buschpilot. Neunzig Prozent seiner Arbeit erledigt er hier in Alaska.

Während meine Familie anfängt zu diskutieren und Harley schweigend zusieht, stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Seattle? Zwischenstopp? Vor zwei Jahren?

Fuck.

Denver war vielleicht nicht in Seattle – aber ich. Ich bin dort zwischengelandet, bevor ich nach New York weitergeflogen bin und von dort nach Florenz. Im Osten tobte ein Schneesturm. Ich kann mich noch daran erinnern, wie angepisst ich war, weil ich meinem neuen Mentor in Italien sagen musste, dass ich einen Tag später kommen würde.

Ich mustere die Frau vor mir noch einmal. Ihre grünen Puppenaugen müssen das gewesen sein, was mich zuerst gepackt hat. An die könnte ich mich doch erinnern, oder? Das Déjà-vu trifft mich mit der Wucht eines Backsteins. Ich habe dieses Wort schon mal benutzt. Puppenaugen.

An diesem Abend war ich nicht bei klarem Verstand. Ich hatte Angst, mein Mentor würde mich zum Teufel jagen. Angst, meine Familie für so lange Zeit zu verlassen. Angst, weil mein Traum nur zwei Flüge entfernt war und trotzdem wieder verschoben wurde.

»Heilige Scheiße.«

Denver starrt mich mit großen Augen an und wird ganz bleich, als er meinen Gesichtsausdruck sieht. »Du?«

Das Geräusch eines rückenden Stuhls holt mich aus meiner Trance. Austin steht auf und kommt auf uns zu. »Wir können die Sache mit Sicherheit klären«, sagt er und übernimmt die Kontrolle.

Es wundert mich, dass Savannah nicht schon längst einen Vaterschaftstest verlangt und Harley rausgeschmissen hat, bevor wir weiter darüber diskutieren. Und so schweigsam ist G’Ma D seit der Beerdigung unserer Eltern nicht mehr gewesen.

»Können wir nach hinten gehen und reden?«, frage ich Harley.

»Süß, dass du deinem Bruder helfen willst, aber Denver ist der Vater.« Sie funkelt Denver böse an, und er hustet, als müsste er sich jeden Moment über meinen neuen Fußboden übergeben.

»Was das angeht …«

Sie legt den Kopf schief und wartet auf eine genauere Erklärung. »Ich habe ihn in den Nachrichten gesehen. Er ist Pilot. Und im Gegensatz zu ihm kann ich mich an seinen Namen und sein Gesicht erinnern«, sagt sie schließlich, als sie es leid wird, darauf zu warten, dass ich noch etwas sage.

»Na ja …« Ich fasse mir in den Nacken und nehme all meinen Mut zusammen, die Wahrheit zu sagen.

Denver starrt mich an. Sein Blick sagt mir, dass er diesmal nicht für mich einstehen wird.

»Ich habe dir in Seattle seinen Namen genannt.« Ich atme laut aus. »Das haben wir immer gemacht, als wir noch jünger waren. Er hat sich bei den Mädels als ich ausgegeben und umgekehrt. Ziemlich dumm. Ich weiß.«

Der ganze Raum stöhnt. Alle fangen an zu flüstern und fragen sich, wann ich endlich erwachsen werde.

Harley blinzelt ein paarmal und blickt zwischen uns hin und her. Dafür, dass sie noch nicht lange Mutter ist, hat sie den enttäuschten Blick schon ziemlich gut drauf. »Unglaublich.«

»Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns jemals wiedersehen würden.«

»Warum hast du mir dann den Namen deines Zwillingsbruders genannt?« Wie ein Profi setzt sie das Baby auf ihre andere Hüfte. Natürlich ist sie Profi. Sie macht das ja schon seit einer Weile.

Erst jetzt kapiere ich, dass ich Vater bin und meine Tochter direkt vor mir sitzt. Eine Schwere breitet sich in meiner Brust aus. Hättet ihr mich vor diesem Moment gefragt, warum, hätte ich gesagt, weil ich kein Vater sein will. Doch in Wahrheit liegt es daran, dass ich so viel Zeit mit meiner Tochter verpasst habe.

Eine Million Fragen gehen mir durch den Kopf. Warum ist Harley jetzt hier? Warum nicht schon früher? Will sie Geld? Sucht sie schon seit zwei Jahren nach mir? Will sie eine Beziehung? Eine Familie? Ich bin nicht der Typ, der sich häuslich niederlässt. Aber wir müssen jetzt ein paar Dinge klären. Und ich will meine Familie nicht noch mehr involvieren, als sie es ohnehin schon ist.

»Können wir reden?« Ich mache einen Schritt auf Harley und das Baby zu.

Holly reicht ihr den sauberen Handschuh, und Harley bedankt sich zögerlich lächelnd.

»Nicht nötig. Ich brauche lediglich ein wenig DNA von dir.« Sie setzt das Baby wieder auf ihre andere Hüfte, kramt in ihrer Handtasche und reicht mir eine Visitenkarte. »Geh dorthin. Sie werden dir sagen, was du tun musst.«

»WARTE!«, rufe ich.

Sie bleibt stehen, ohne sich umzudrehen.

»Wie heißt sie?«

Schweigen erfüllt den Raum. Harley antwortet nicht sofort. Als würde sie darüber nachdenken, es mir nicht zu sagen.

»Calista«, sagt sie schließlich und geht, als hätte sie nicht gerade mein Leben auf den Kopf gestellt.

Kapitel 3

HARLEY

Als ich die Main Street erreiche, lehne ich mich vor einem Diner gegen die Wand und atme tief durch. »Süße, das ist vielleicht das Schwerste, was Mommy je machen musste. Nun ja, von der Geburt abgesehen. Aber dafür habe ich dich bekommen. Das war es allemal wert.«

Kichernd tätschelt mir Calista die Wangen – wie eben im Restaurant. Ich liebe die Tatsache, dass sie mich unwissentlich davor bewahrt hat, komplett durchzudrehen, nachdem ich einen weiteren Fakt über ihren Vater herausgefunden habe. Er ist ein Lügner.

»Oh, diesen Blick kenne ich.« Zu meiner Rechten taucht eine blonde Frau auf. Sie trägt eine türkisfarbene Diner-Uniform mit gepunkteten rosa Borten am Ausschnitt und an den Ärmeln. »Kommen Sie rein. Kuchen geht aufs Haus.«

Ihr Lächeln ist einladend. Nachdem ich gerade von einer Horde Fremder wertend begutachtet wurde, könnte ich durchaus jemanden im Team Harley gebrauchen. Außerdem hat sie Kuchen. Auf ihrem schwarzen Namensschild steht in Weiß Karen geschrieben.

»Danke. Kuchen klingt großartig, aber ich bezahle dafür.« Ich folge ihr hinein.

»Können Sie es fassen, dass wir so spät noch Schnee haben? Aber so ist das nun mal, wenn man in Alaska lebt. Sind Sie neu in der Stadt?« Karen schnappt sich eine Speisekarte und trägt einen Hochstuhl zu einem der hinteren Tische. »Darf ich?«, fragt sie und streckt die Arme nach Calista aus.

Langsam wird sie schwer. Die Dame scheint mich zu verstehen, obwohl sie mich nicht kennt. »Danke«, murmle ich, reiche ihr Calista und schlüpfe aus meinem nassen Mantel.

»Oh, wie niedlich sie ist. Ich sage meiner Tochter schon die ganze Zeit, dass ich endlich ein Enkelkind will.«

»Sagen ist ja wohl untertrieben. Sie hat sich erst verlobt. Gib ihr ein wenig Zeit.« Der Mann hinter der Theke dreht sich lächelnd zu uns um. Er will Karen ganz offensichtlich necken.

Sie winkt ab und verdreht die Augen. Er nickt, als wollte er sagen: »Glaub mir.«

Sie sind süß.

»Wie auch immer.« Sie schließt den Sicherheitsgurt und fährt Calista durchs Haar. »Welchen Kuchen hätten Sie denn gern?«

Ich werfe einen Blick in die Speisekarte. Selenes Essen war besser als gedacht, aber irgendwie habe ich Hunger. Vielleicht ist es auch nur emotionaler Hunger. Ist das nicht immer so? »Ich nehme eine Portion Pommes. Und wie wäre es mit Blaubeerkuchen?«, frage ich Calista, die den Mann hinterm Tresen anstarrt.

Er hält sich die Hände vors Gesicht und streckt ihr dann die Zunge heraus. Calistas Lachen klingt durch das Restaurant.

»Und ich bin diejenige, die unbedingt ein Enkelkind will.« Lachend schüttelt Karen den Kopf. »Bin sofort wieder da. Etwas zu trinken? Kaffee?«

»Ja, bitte. Aber entkoffeiniert.« Die Zeiten, als ich nach dem Abendessen noch Koffein konsumieren konnte, sind lange vorbei. Wenn sich das Leben nur noch um ein achtzehn Monate altes Kind dreht, muss man früh ins Bett und früh wieder raus.

Sie nickt und geht.

Ich höre, wie der Mann zu Karen sagt, wie süß Calista sei. Und das ist sie. Ich krame in meiner Handtasche nach ihrem Stoffbuch und lege es ihr hin. Sofort legt sie den Finger auf die aufgestickte Kuh und sagt: »Muh.«

»Oh, sie kennt schon die Tiere?« Karen stellt mir die Tasse hin und schenkt Kaffee ein. »Ich weiß noch, wie besorgt ich war, ob meine Tochter alle Entwicklungsstufen rechtzeitig erreichen würde.«

»Ja. Ich hätte nie gedacht, dass ich ihr das Alphabet so früh aufsagen und hoffen würde, dass sie es sich merken kann. Ich meine, sie geht noch nicht mal aufs Klo.«

Karen lacht. »Der Druck, der auf Müttern lastet, ist hoch.« Als ich nach dem Zucker greife, begutachtet sie meine Hand. »Vor allem auf alleinerziehenden Müttern.«

Ich ziehe die Hand zurück. Diese Frau ist neugierig. Ich darf niemandem trauen in dieser Stadt. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

»Können wir unsere Bestellung auch mitnehmen?«, frage ich.

Sie runzelt die Stirn und sieht den Mann hinterm Tresen an, der uns bestimmt ebenfalls anstarrt. Das hier ist nicht Seattle. Wir sind hier in einer alaskischen Kleinstadt. Wahrscheinlich wissen sie bereits, dass ich auf der Suche nach dem Vater meiner Kleinen ein Restaurant gestürmt habe. Nachrichten verbreiten sich hier bestimmt rasant.

»Tut mir leid. Ich wollte nicht unverschämt sein.« Karen legt die Hand auf ihre Brust. »Ich war auch alleinerziehend. Ich wollte nur helfen. Das ist alles. Tut mir leid, wenn ich zu weit gegangen bin. Aber bleiben Sie doch bitte hier im Warmen. Essen Sie in Ruhe Ihre Pommes. Brian kann sich solange um Calista kümmern, damit Sie mal einen Moment für sich haben.«

Ihr herzliches Lächeln bestätigt mein Bauchgefühl, das ich draußen hatte. Sie ist eine nette Frau. Ich höre immer auf mein Bauchgefühl. Deshalb habe ich Denver, ähm, Rome damals auch mit nach Hause genommen. Mann, daran werde ich mich erst noch gewöhnen müssen. Wie viele Briefe habe ich in den letzten zwei Jahren begonnen zu schreiben, die immer an Denver gerichtet waren?

»Danke«, sage ich, damit sie endlich aufhört, mich mitleidig anzusehen.

Normalerweise nehme ich es nicht ernst, wenn mich jemand wie sein persönliches Sozialprojekt behandelt. Aber sie war auch alleinerziehende Mutter. Sie versteht, dass ich in den letzten achtzehn Monaten nur Ruhe hatte, wenn ich in der Schule oder bei der Arbeit war. Nicht, dass ich etwas daran ändern wollen würde.

Lachend wirft Calista den Kopf in den Nacken. Ich lächle und frage mich, wie sie diese Stadt und ihre Bewohner sieht. Alles, was wir kennen, ist anders. Trotzdem gibt es immer noch nur uns beide.

Mein Handy piept in der Windeltasche, also wühle ich danach.

MIRANDA:Hast du die Tat vollbracht?

ICH:Das klingt, als wäre es eine spaßige Angelegenheit.

MIRANDA:Kannst du reden?

ICH:Nein. Zu viele Ohren. Später?

MIRANDA:Aber hast du ihn gesehen?

ICH:Falls du damit Rome und nicht Denver meinst, ja.

MIRANDA:Wie meinst du das?

ICH:Denver IST Rome. Sie sind Zwillinge, die mit den Frauen, mit denen sie schlafen, gern Spielchen spielen.

MIRANDA:Heißt das, sie haben mitten in der Nacht Rollen getauscht?

Manchmal wundere ich mich über Miranda.

ICH:Das hätte ich gemerkt.

MIRANDA:Könnte doch sein, wenn sie eineiige Zwillinge sind. Du pennst ein, er schleicht sich aus dem Zimmer und wird von seinem IDENTISCHEN Bruder abgelöst. Was meintest du, wie oft ihr es in dieser Nacht getrieben hättet? Ich dachte immer, du übertreibst. Ich meine, ein Mann …

ICH:Danke, dass du mir einen Einblick in dein verrücktes Gehirn gewährt hast.

MIRANDA:Jederzeit. Meine Wahnvorstellungen sind auch deine Wahnvorstellungen.

ICH:Ich glaube, er hat eine große Familie.

MIRANDA: Haben eineiige Zwillinge dieselbe DNA? Woher willst du wissen, ob es Rome oder Denver ist?

Ich verdrehe die Augen. Meiner besten Freundin fällt es schwer, nicht vom Thema abzukommen.

ICH: Keine Ahnung. Aber da ich nur mit EINEM geschlafen habe, mache ich mir darüber keinen Kopf.

MIRANDA:Wie geht’s Calista? Ich vermisse mein pausbackiges Mädchen.

Jetzt ist Calista diejenige, die sich die Hände vors Gesicht hält. Sie ist der Traum eines jeden Kidnappers. Man spielt nur mit ihr Verstecken, und schon liebt sie einen. Der Mann steht wieder hinter der Bar und tut, als würde er auf einer Rolltreppe stehen oder eine Treppe hinabsteigen. Jetzt fährt er wohl die großen Geschütze auf.

ICH:Es geht ihr gut. Hat schon Fans.

MIRANDA:Natürlich hat sie schon Fans. Ich sag’s dir. Sie wird mal eine Herzensbrecherin.

Nickend tippe ich eine Antwort.

ICH:Ich muss aus dieser Stadt verschwinden …

Scheiß drauf. Ich klicke auf ihre Nummer, und sie geht sofort ran.

»Ich kann dir nicht weiterschreiben. Ich bin müde, und meine Finger tun weh«, jammere ich.

Karen serviert mir die Pommes und deutet wortlos auf die Ketchup-Flasche auf dem Tisch. Dann setzt sie sich, nimmt eine Gabel, spießt ein kleines Stück Kuchen auf und hält es Calista vor den Mund.

Calista reißt die Augen auf. Dabei warne ich sie immer wieder vor Fremden und dass sie keinem trauen soll, den wir nicht kennen.

»Du klingst erschöpft«, sagt Miranda.

»Bin ich auch. Aber bald bin ich wieder zu Hause.«

»Wann?«, fragt Miranda. Ich merke, dass sie mich auf Lautsprecher gestellt hat. Im Hintergrund höre ich Musik, Seufzen und Stöhnen.

»Sind wir allein?«, frage ich.

»Keine Sorge. Mein Patient trägt Kopfhörer.«

Ich kichere.

Sie ist in Seattle und wieder einen Schritt näher an ihrem Ziel, anerkannte Masseurin zu werden, während ich hier in Alaska sitze und versuche, einen Typen, der mir nicht mal seinen richtigen Namen verraten hat, dazu zu bringen, mir seine DNA zu geben.

»Ich will gar nicht wissen, wie du es überhaupt geschafft hast, mir zu schreiben. Ich lasse dich mal weitermachen. Wir können morgen noch mal plaudern.« Die Pommes rufen schon nach mir. Nach dem, was mir das Leben angetan hat, habe ich sie mehr als verdient.

»Ja, ich sollte besser auflegen. Ich glaube, dem Typen ist nicht klar, dass er hier nicht in einem Massagesalon mit Happy End ist.«

Ich höre seine Stimme und frage mich, ob er seine Ohrstöpsel tatsächlich drin hatte oder nicht. Sie fangen an zu streiten. Ich lege lieber auf, um in Ruhe meine fettigen Pommes zu genießen. Na ja, Ruhe ist übertrieben, denn Brian hat sich nun auch noch zu uns gesetzt, um Calista gemeinsam mit Karen zu bespaßen. Calista benimmt sich, als wäre sie das unkomplizierteste Baby aller Zeiten.

Versucht mal, ihr Zucchini oder grüne Bohnen zu geben. Dann werdet ihr schon sehen, wie unkompliziert sie ist.

»Eine Freundin?«, fragt Karen und blickt auf mein Smartphone.

»Ja.« Ich tunke eine Pommes in Ketchup.

Ich sehe mich um. Sie muss sich doch bestimmt noch um andere Gäste kümmern. Aber die anderen Sitzecken sind alle leer. Dann hat sie wohl alle Zeit der Welt.

»Ist sie von hier?«

»Nein.« Ich schüttle den Kopf.

»Man-da?« Quietschend deutet Calista auf mein Handy, als das Foto meiner Freundin auf dem Display aufleuchtet.

Schnell drücke ich den roten Hörer, bevor Brian und Karen ihrer Blickrichtung folgen können.

»Sind Sie neu in Lake Starlight?«, fragt Karen zögerlich. Anscheinend hat sie Angst, mich zu verscheuchen.

»Ich bin nur für ein paar Tage hier.«

»Das habe ich mir gedacht. An die Kleine könnte ich mich erinnern.« Karen rückt näher an Calista heran und zieht die Nase kraus.

Ich lächle. Brian kommt mir irgendwie bekannt vor. Kenne ich ihn? Natürlich nicht.

Da sitzen wir nun, während ich meine Pommes esse und Calista uns unterhält. Manchmal ist es einfacher, wenn sie dabei ist. Dann muss ich keine seltsamen Gespräche führen.

»Übernachten Sie im Glacier Point?«, fragt Brian. »Wir kennen den …«

»Cozy Cottage B & B«, sage ich, bevor mir klar wird, dass ich ihnen gerade meinen Aufenthaltsort verraten habe.

Okay, Benson. Cool bleiben. Wir sind hier nicht bei Law & Order.

»Oh, Selene ist die Beste. Er ist mit ihr zur Highschool gegangen.« Karen deutet auf Brian.

»Sie war schon immer ein wenig exzentrisch, aber nett. Sie werden Ihren Aufenthalt sicherlich genießen«, sagt er. »Außerdem befindet sich die Unterkunft am Stadtrand. Da haben Sie Ihre Ruhe vor den ganzen Touristen.«

»Touristen? Ist Lake Starlight dafür denn groß genug? Es wirkt so klein.« Ich stopfe mir noch mehr Pommes in den Mund und wundere mich, warum ich Fragen stelle, die mich nicht interessieren.

Karen sieht Brian an. »Die Menschen lieben Kleinstädte. Da wir immer noch Schnee haben, ist das Glacier Point bestimmt komplett ausgebucht. Wyatt hat mir erst neulich erzählt, dass sie noch nie so viele Buchungen hatten wie diesen Winter …«

Karen nickt. Es ist offensichtlich, dass sie den Besitzer des Glacier Point kennen.

»Und mit den ganzen Läden in der Innenstadt wird das neue Restaurant meines Neffen bestimmt jede Menge Aufmerksamkeit bekommen. Er hat in Europa eine Ausbildung zum Koch gemacht, bevor er wieder zurückgekommen ist.«

»Neffe?« Ich verschlucke mich und muss husten.

Brian wartet kurz, bis ich mich wieder gefangen habe, bevor er fortfährt. »Ja. Er hat es noch nicht eröffnet. Die ganze Familie ist heute Abend dort, aber Karen wurde kurzfristig angerufen. Also leiste ich ihr Gesellschaft.«

»Ich habe dir gesagt, dass du bleiben sollst«, erwidert sie und schüttelt den Kopf, als wollte sie mir sagen, dass sie es mehr als einmal versucht hat.

»Nicht ohne dich. Wir machen das zusammen.« Er tätschelt ihr Knie, und sie sieht ihn an, als wäre er ihr Retter in der Not.

Wie sich das wohl anfühlt? Keine Ahnung. Ich musste mich schon immer auf mich selbst verlassen.

»Wie heißt das Restaurant?«, frage ich.

Es gibt doch bestimmt zwei Restaurants, die bald eröffnen, heute aber eine Privatfeier geschmissen haben, oder?

»Terra & Mare.«

»Denver, ähm, Rome ist Ihr Neffe?«, frage ich, greife nach Calistas Buch und werfe es in die Windeltasche.

»Beide, ja.« Er lächelt wie ein stolzer Vater. »Kennen Sie sie?« Sein Blick fällt auf Calista.

Ich schnappe mir unsere Jacken, schultere die Tasche und will Calista aus dem Hochstuhl heben, doch sie ist immer noch angeschnallt.

Immer wieder schreit sie »Mama, Mama« und fängt an zu weinen.

»Moment.« Karen löst den Gurt. »Entgeht uns gerade irgendwas?«

Ich hebe Calista aus dem Stuhl und setze sie auf meine Hüfte. Mein Herz hämmert wie verrückt.

»Danke für alles«, sage ich, krame Geld aus meiner Handtasche und lege es auf den Tisch.

»Warten Sie«, ruft mir Karen hinterher, doch ich drücke die Tür auf und verschwinde so schnell wie möglich.

Erst als wir um die Ecke gebogen sind, bleibe ich stehen, stelle Calista auf den Boden und gehe in die Hocke, um ihr den Mantel anzuziehen. »Wärst du für mich nicht das Wichtigste auf der Welt, wären wir jetzt nicht hier.«

Calista fällt in meine Arme und legt den Kopf an meine Schulter. Ich nehme sie hoch und rufe ein Uber. Ich wünschte, der Fahrer könnte mich noch heute Abend zurück nach Seattle bringen. Erwachsen zu sein ist scheiße!

Kapitel 4

ROME

Mit offenem Mund beobachte ich, wie die beiden mein Restaurant verlassen. Das kleine Mädchen sieht mich mit seinen grünen Augen über die Schulter seiner Mutter neugierig an. Die Kanten der Visitenkarte bohren sich in meine Handfläche, als ich sie in meiner Faust zerknülle.

»Was zum Teufel ist das?« Denvers Blick fällt auf die Karte, die jetzt ein Papierknäuel ist. Ich öffne die Hand, und er greift danach. »Ein Diagnostikzentrum in Anchorage.«

Austin nimmt sie ihm weg, doch Savannah reißt sie sofort an sich. »Ich rufe Onkel Brian an.«

»Nein.« Ich hebe die Hand. »Das ist meine Sache. Und so soll es auch bleiben.«

»Rome, Schätzchen, du brauchst jetzt deine Familie.« Dass G’Ma D ihre nette, fürsorgliche Seite zeigt, sagt mir, wie ernst die Lage ist, denn sie kommt nur selten zum Vorschein. Eigentlich immer nur ganz kurz am Gründertag, wenn wir uns daran erinnern, was wir verloren haben.

»Ich muss nachdenken.«

»Vielleicht ist sie gar nicht deine«, sagt Savannah. »Vielleicht sollst du deshalb einen Vaterschaftstest machen. Möglicherweise bist du nur einer von fünf Männern, die als Vater infrage kommen.«

»Savannah.« Brooklyn schnaubt. »Das hier ist keine Episode von Maury Povich.«

»Sav hat recht. Ich meine, ernsthaft. Rome hat sie nicht mal erkannt«, verteidigt mich Phoenix.

Aber ich glaube, ich kann mich an sie erinnern. Zumindest irgendwie. Diese Augen. Ich kenne diese Augen. Ich fahre mir durchs Haar und atme laut und lange aus. Denver zieht einen Stuhl zurück und packt mich an den Schultern. »Setz dich.«

Also setze ich mich.

»Rome war in Seattle. Er hat es zugegeben«, sagt Juno.

Wenn meine Schwestern nicht sofort aufhören, sich zu streiten, wird mein Kopf explodieren.

»Es ist meins.« Ich strecke die Hand nach der Visitenkarte aus, und Savannah reicht sie mir. Ich fingere daran herum und versuche, mir einen Plan einfallen zu lassen. Normalerweise habe ich immer einen Plan. Keinen Lebensplan, aber wenn ein Baseball auf mich zufliegt, weiß ich, wie ich zu reagieren habe. Tut mir leid, dass ich die Situation mit Baseball vergleiche, aber wenn man mit dem Sport aufwächst, lernt man, sich innerhalb einer halben Sekunde zu entscheiden, ob man schlägt oder nicht.

Ich war nie so gut wie mein Bruder Austin, aber ich hatte ein gutes Auge für den Ball. Langsamer Wurf? Warten, bis er die Plate passiert hat. Curveball? Flugbahn genau beobachten. Aber diesen Ball habe ich nicht kommen sehen. Und jetzt knallt er mir voll gegen den Helm. Jetzt liege ich im Dreck und frage mich, ob ich noch gut genug bin, um einen Ball zu treffen.

»Alles okay, Mann?« Denver schnappt sich einen Stuhl.

Seine Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Ich sehe ihn an. »Das muss ein schlechter Scherz sein, oder?« Ich starre auf die Visitenkarte. Diagnostik.

Schweigend presst Denver die Lippen zusammen. Er muss auch gar nichts sagen. Wir sind nicht nur Brüder, sondern Zwillinge. Keine gruseligen, telepathischen Zwillinge, aber wir wissen immer, was der jeweils andere denkt.

»Ich verstehe das nicht. Warum sucht sie dich und haut dann ab?«, fragt Liam.

»Weil sie Geld will. Darum«, erwidert Savannah.

»Du bist viel zu zynisch.« Liam verdreht die Augen.

»Ich sehe es eben realistisch. Sie hat Wind davon bekommen, dass Denver jetzt eine Art Held ist. Und da der Schwachkopf Denvers Namen benutzt hat, dachte sie, Griffin Thorne hätte ihm einen Haufen Kohle gegeben, weil er ihm das Leben gerettet hat. Oder sie hat von Bailey Timber erfahren und denkt, wir würden in Millionen schwimmen.«

»Wie es wohl wäre, in deinem Kopf zu sein?« Kopfschüttelnd schiebt Liam seinen Stuhl unter den Tisch. »Es ist Zeit, dass die Jungs allein reden.«

Danke, Liam.

»Soll ich die anderen rausschmeißen?«, flüstert Denver.

Ich schweige, aber mein Gesichtsausdruck sagt wohl alles.

Nach ein paar Umarmungen und hier und da einem Schultertätscheln gehen meine Schwestern und Holly. Ein kalter Luftzug weht herein, als Brooklyn G’Ma D die Tür aufhält. Doch sie bleibt vor mir stehen und wartet darauf, mir endlich die Meinung zu geigen. Ich seufze laut und sehe sie an.

»Es ist nicht so, als hätte ich dich nicht gewarnt.« Sie starrt auf mich herunter.

Ich nicke.

»Die Baileys kümmern sich um ihre Angehörigen, Rome. Ich hoffe, daran muss ich dich nicht erinnern, falls das kleine Mädchen eine Bailey sein sollte. Du musst herausfinden, wo deine Prioritäten liegen. Und zwar schnell.«

Ich nicke erneut.

Sie tätschelt mir die Wange. »Erste Urenkelin. Ethel wird so neidisch sein.« Beschwingten Schrittes geht sie davon.

Wenigstens ist eine von uns glücklich, wenn auch nur aus Schadenfreude.

Zum Glück sind jetzt nur noch die Jungs da. Am Tisch sitzen noch meine Brüder Austin, Denver, Kingston, Brooklyns Freund Wyatt und mein Kumpel Liam.

Ohne ein Wort verschwinde ich hinter der Bar, schenke mir einen Whisky ein und leere ihn in einem Zug.

»Hat dir das nicht den ganzen Schlamassel eingebrockt?«, fragt Austin.

Ich halte inne und schenke ihm den besten Fick-dich-Blick, den ich zustande bringe. »Wie wäre es, wenn du heute Abend mal mein Bruder bist und nicht mein Vater?«, erwidere ich bissig.

Denver tätschelt ihm die Schulter und setzt sich auf einen Barhocker. Ich stelle ihm ein Glas hin, und er beobachtet, wie ich ihm ebenfalls einen Jacky einschenke. »Heute ist der beste Abend, um sich zu besaufen«, sagt er und kippt seinen Kurzen.

»Ich will auch einen«, sagt Kingston.

»Vergesst mich bloß nicht«, fügt Liam hinzu.

Einer nach dem anderen setzen sie sich auf die Barhocker vor dem Tresen.

Ich reihe die Gläser nebeneinander auf, befülle und verteile sie.

Wortlos erheben wir unsere Gläser und trinken.

Kingston verzieht das Gesicht. Er trinkt eben lieber Bier als harten Alkohol. Zum Glück will er nichts zum Nachspülen, sonst müsste ich ihn aus dem Männerclub werfen. Da noch nicht Sommer ist, sollte er jetzt ein bisschen leben, bevor ihn sein Job als Buschpilot wieder voll und ganz in Beschlag nimmt.

»Dann glaubst du also, du bist der Vater?«, fragt Kingston.

»Könnte sein.« Ich seufze. »Wahrscheinlich. Ich habe sie zuerst nicht erkannt, weil sie an dem Abend, als wir uns kennengelernt haben, die Haare zusammenhatte und mehr Make-up getragen hat. Aber ich habe in Seattle tatsächlich mit einer Frau geschlafen. Zeitlich passt es auch.«

Die Jungs nicken langsam und mit zusammengepressten Lippen.

Alle blicken mitfühlend drein, aber keiner traut sich, mir direkt in die Augen zu sehen. Ab dem Zeitpunkt, wenn du das erste Mal Sex hast, ist das die größte Angst als Kerl – dass eines Tages eine Frau auftaucht und dir sagt, dass du Vater bist.

Für alle – außer Austin und Wyatt. Die hätten wahrscheinlich nichts gegen ein Kind. Sie haben sich bereits entschieden.

Ich schlafe immer noch auf einer Matratze auf dem Boden. Ohne Bettgestell. Sie liegt einfach in der Zimmerecke, daneben mein Handykabel in der Steckdose. Die Wohnung über dem Restaurant ist alles andere als hübsch. Doch ich hatte fest vor, daraus ein ansehnliches Apartment zu machen. Zumindest ansehnlich genug, um Damenbesuch zu empfangen. Jetzt erscheint mir das alles dumm und kindisch. Ein Vater sollte sein Leben im Griff haben. Oder wenigstens ein Bettgestell.

»Savannah kümmert sich darum. Gleich morgen früh wird sie im Diagnostikzentrum anrufen und sicherstellen, dass wir das Ergebnis des DNA-Tests so schnell wie möglich bekommen«, sagt Austin.

»Das überrascht mich nicht«, murmle ich.

»Was glaubst du, was sie will?«, fragt Kingston.

Ihn scheint die Sache am meisten mitzunehmen. Mit seinen einundzwanzig Jahren fängt sein Junggesellendasein erst richtig an. Ich bin sicher, er bekommt genug Angebote, wenn er unterwegs ist, um Buschbrände zu bekämpfen. Aber Kingston ist auch nicht wie Denver oder ich. Er war schon immer mehr wie Austin.

»Ich habe keine Ahnung. So weit sind wir nicht gekommen.« Ich greife nach der Whiskyflasche und schenke mir noch einen ein. Denver schiebt mir sein Glas zu. Er lässt mich nie im Stich. Ich stehe all meinen Brüdern nahe, aber er ist nun mal mein Zwilling. Wir sind auf einer ganz anderen Ebene miteinander verbunden.

Wir stoßen an und leeren die Gläser. Inzwischen brennt der Alkohol nicht mal mehr in meiner Kehle.