Familie mit Herz 154 - Moni Sommer - E-Book

Familie mit Herz 154 E-Book

Moni Sommer

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Beschreibung

Wieder nicht schwanger! Jeden Monat hofft Juliane aufs Neue, dass es endlich so weit ist - und wird bitter enttäuscht. Dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein Baby. Alle Voraussetzungen sind ideal, den kleinen Erdenbürger in ein kuschliges Nest aus Liebe und Geborgenheit zu betten. Und Thomas wäre sicher der beste Vater auf der Welt!
Immer verzweifelter wird Judith, denn auch aus medizinischer Sicht dürfte es keinerlei Schwierigkeiten geben. Deshalb trifft es sie wie ein Schlag, als Thomas ihr gestehen muss, dass eine andere sein Kid erwartet ...

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Seitenzahl: 101

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhalt

Cover

Mein Wiegenlied mit tausend Tränen

Vorschau

Impressum

Mein Wiegenlied mit tausend Tränen

Eine junge Frau gerät in eine ausweglose Situation

Von Moni Sommer

Wieder nicht schwanger! Jeden Monat hofft Juliane aufs Neue, dass es endlich so weit ist – und wird bitter enttäuscht. Dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher als ein Baby. Alle Voraussetzungen sind ideal, den kleinen Erdenbürger in ein kuschliges Nest aus Liebe und Geborgenheit zu betten. Und Thomas wäre sicher der beste Vater auf der Welt!

Immer verzweifelter wird Juliane, denn auch aus medizinischer Sicht dürfte es keinerlei Schwierigkeiten geben. Deshalb trifft es sie wie ein Schlag, als Thomas ihr gestehen muss, dass eine andere sein Kind erwartet ...

Gezielt platzierte Scheinwerfer beleuchteten die ausgestellten Bilder in der geräumigen Galerie. Festlich gekleidete Menschen standen paarweise oder in Gruppen herum und unterhielten sich angeregt über die Werke. Champagner wurde gereicht und dazu köstliche Kanapees mit Lachs oder Kaviar. Die Stimmung war aufgelockert, die Gäste amüsierten sich sichtlich.

Nur ein hochgewachsener, breitschultriger Mann im dunklen Maßanzug lehnte allein an einer Marmorsäule und sah sich nach allen Seiten um. Dann endlich schien er gefunden zu haben, wen er suchte: Juliane Lorenz.

Die junge, bildhübsche Frau war Gemälderestauratorin und gerade in ein intensives Gespräch mit dem Museumsdirektor der Stadt vertieft. Wahrscheinlich ging es um die Förderung junger Künstler. Dieses Thema lag Juliane sehr am Herzen, und sie konnte sich leidenschaftlich engagieren, wenn sie von einem Talent überzeugt war.

Juliane fand die ausgestellten Bilder der heutigen Vernissage großartig. Die noch weitgehend unbekannte Malerin kam aus der Ukraine und hatte eine Vorliebe für kräftige Farben, deren Wirkung sie durch ihren resoluten Pinselstrich noch verstärkte.

»Manchmal habe ich das Gefühl, dass Menschen nur durch Entbehrungen etwas wirklich Großes schaffen können«, sagte Juliane, und in ihren dunkelblauen Augen lagen Ernst und Nachdenklichkeit.

Dr. Kieser, der Museumsdirektor, stimmte ihr zu. »Es ist furchtbar, dass die Menschen dort einen Krieg erleben müssen. Kunst hilft bei der Verarbeitung.« Er zuckte mit einem resignierten Seufzer die Schultern, um anzudeuten, wie ganz anders die Umstände doch hier waren.

»Umso wichtiger ist es, dass wir Nachwuchskünstlern und Künstlerinnen eine Chance geben«, meinte Juliane. »Sie sind in dieser Hinsicht ein echtes Vorbild, Dr. Kieser. Leider gibt es viel zu wenige einflussreiche Herren von Ihrem Format.«

Dr. Kieser lächelte. »Danke für das Lob. Aber nun sollten Sie sich um Ihren Mann kümmern. Er ist vorhin gekommen und wartet an der Eingangssäule auf Sie.«

»Oh, Thomas ist schon da? Danke, ich werde ihn gleich mal begrüßen.« Sie reichte dem Museumsdirektor die Hand und eilte Richtung Eingang. Augenblicke später hauchte sie Thomas einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. »Hoffentlich hast du dich nicht gelangweilt, Liebster«, flüsterte sie ihm ins Ohr, denn sie wusste natürlich, dass ihr Mann ein unverbesserlicher Kunstbanause war.

»Überhaupt nicht!«, erklärte er und zwinkerte ihr zu. »Es war ausgesprochen interessant, dem Streit zu folgen, den Herr und Frau Neureich über die Farbe eines Bildes hatten. Sie konnten sich absolut nicht einigen, ob das rote oder das blaue Bild besser zu ihrem Wohnzimmerteppich passt!«

»Du übertreibst mal wieder schamlos!«, tadelte Juliane, konnte sich aber ein Lächeln nicht verkneifen.

»Doch, doch, genauso war es! Und die übrigen Diskussionen und vermeintlichen Fachgespräche verlaufen nicht anders. Dabei merke selbst ich, dass die meisten der hier Anwesenden einen Picasso nicht von einem Rembrandt unterscheiden können.«

Juliane lachte auf. »Jetzt trägst du aber wirklich zu dick auf!«

Thomas nahm ihren Arm, und gemeinsam schlenderten sie durch die Räume, wobei Juliane ihrem Mann hier und da eines der Bilder erklärte oder interpretierte.

Thomas hörte ihr dabei bewundernd zu und war stolz und glücklich darüber, dass die Frau an seiner Seite zu ihm gehörte. Juliane war nicht nur die Schönste von allen, sie war vor allem äußerst klug und warmherzig.

Er selbst war Landschaftsarchitekt und von daher ebenfalls sehr sensibel für Schönheit und Proportionen, doch Thomas bestritt heftig, etwas von Kunst zu verstehen, das war die Domäne seiner Frau.

Juliane sah ihm jetzt direkt in das markante Gesicht.

»Es tut mir leid, dass ich dir das immer wieder zumute. Aber schau, Dr. Kieser braucht für seine Galerie jede Unterstützung, die er bekommen kann.«

Als sie so voreinander standen, musste Juliane den Drang unterdrücken, die Linien in seinem Gesicht mit dem Finger nachzuzeichnen. Manchmal hatte sie das Gefühl, in Thomas noch genauso verliebt zu sein wie am ersten Tag. Oder nein ... noch viel, viel stärker!

Thomas schien das gleiche zu denken, denn er lächelte sie an und raunte: »Es ist mir völlig egal, wo ich bin. Wenn ich nur mit dir zusammen bin, mein Engel!«

Juliane und Thomas waren seit zwei Jahren verheiratet. Sie hatten sich in Frankreich beim Skifahren kennengelernt. Leider waren sie sich erst zwei Tage vor Julianes Abreise begegnet. Und so war ihre Annäherung auf den Austausch ihrer Adressen beschränkt geblieben.

Beim Abschied hatte Thomas sie sanft geküsst und versprochen: »Bis dann. Wir sehen uns!«

Doch Juliane hatte nicht daran geglaubt. Nach einem heftigen Flirt und dem Gefühl von Liebe auf den ersten Blick war sie mit der Gewissheit nach Hause gefahren, diesen aufregenden Mann nie wiederzusehen. Sie lebte im Rheinland und Thomas in Süddeutschland.

Ihre Überraschung war deshalb groß gewesen, als Thomas nach zwei Wochen angerufen und darum gebeten hatte, sie besuchen zu dürfen. Die junge Frau hätte am liebsten abgelehnt. Das letzte, was sie zurzeit brauchen konnte, waren Komplikationen in ihrem Liebesleben. Sie hatte erst vor einem halben Jahr diesen Job im Museum angenommen. Und sie hatte nicht vor, eine Wochenendbeziehung zu führen.

Doch Thomas hatte nicht lockergelassen. Und so war er in nächster Zukunft beinahe jedes Wochenende gekommen, und Juliane hatte es kaum erwarten können, bis die Woche endlich herum war. Nach fünf Monaten hatte er sie mit der Ankündigung überrascht, dass er hier eine Stellung haben konnte, wenn er wollte, und sie hatte begeistert zugestimmt.

Einer gemeinsamen Wohnung und einer gemeinsamen Zukunft hatte nichts mehr im Weg gestanden, und nach weiteren drei Monaten hatten sie im kleinen, aber sehr feierlichen Rahmen geheiratet.

Thomas lächelte Juliane liebevoll an, und sie erwiderte sein Lächeln mit einer Innigkeit, die für ihre Gefühle sprach.

Eine äußerst energische Frauenstimme riss die beiden aus ihren Träumen und holte sie in die Wirklichkeit zurück: »Ich danke dir, meine Liebe, dass es dir gelungen ist, all diese Leute hierherzuschleppen!«

Die Frau, die das gesagt hatte, war nur knapp über einen Meter fünfzig groß und hielt zwei gefüllte Champagnergläser in den Händen. Sie hatte die Figur einer Ballerina und die Stimme einer Bardame.

»Das kommt von meinem aufregenden Lebenswandel«, pflegte sie stets zu sagen, wenn Leute, die sie gerade kennenlernten, völlig überrascht auf ihre dunkle Stimme reagierten.

Michelle Dupont, wie sie sich nannte, war Mitte vierzig und die Muse zahlreicher Maler gewesen, bevor sie daran dachte, eine Galerie zu eröffnen und etwas für die eigene Altersversorgung zu tun.

»Das war doch selbstverständlich, Michelle. Diese Künstlerin ist wirklich großartig. Ich hoffe, dass ihr recht viele Bilder verkaufen könnt«, erwiderte Juliane herzlich. Sie hatte zahlungskräftige Leute angesprochen, die öfter etwas für das Museum spendeten und sich als Kunstmäzene gefielen.

Michelle reichte ihr eines der Gläser und gab Thomas das andere, dann nahm sie ein weiteres Glas von einem Tablett, das ein Kellner herumreichte.

»Auf deine Hilfe und die drei Bilder, die wir heute Abend schon verkauft haben«, toastete sie voller Stolz.

»Drei Bilder!« Juliane konnte es kaum glauben. »Mensch, das ist ja großartig. Ich gratuliere dir, Michelle!«

»Danke, aber ich teile mir deinen Glückwunsch mit Natascha. Ich denke, dass der heutige Tag ihr Durchbruch war. Es würde mich freuen. Natascha Kolnikoff ist eine tolle Frau und eine begnadete Künstlerin. Sie hat es verdient. Wo ist sie überhaupt?« Michelle blickte sich suchend um. Dann entdeckte sie die Malerin in ein anregendes Gespräch mit Dr. Kieser vertieft. »Ich werde mich mal zu den beiden gesellen, damit ich nur ja nichts Wichtiges verpasse. Schließlich habe ich Natascha entdeckt, nicht wahr?«

Sprach's und rauschte triumphierend davon.

Thomas legte den Arm um seine Frau.

»Du hast schon verrückte Freunde, weißt du das? Richtige Paradiesvögel, diese Künstler.«

Juliane sah rasch zu ihm auf. Sie hatte das Gefühl, der einzige Wermutstropfen in ihrem Glück bestand darin, dass Thomas sich auch nach zwei Jahren immer noch ein bisschen fremd in dieser Umgebung fühlte. Er vermisste seine früheren Freunde aus Süddeutschland. Freunde, die man nur über Jahre hinweg gewann.

Doch schon im nächsten Moment zerstreute er ihre Bedenken. Er zog sie an sich und fragte leise: »Glaubst du, dass wir noch lange bleiben müssen?«

Juliane neigte den Kopf. »Ich denke, wir könnten gleich gehen. Wenn du etwas Entsprechendes anzubieten hast«, fügte sie mit einem listigen Schmunzeln hinzu.

»Das habe ich, mein Liebling«, versprach er sehr geheimnisvoll.

Sie verabschiedeten sich kurz darauf von Dr. Kieser und von Michelle, die beide heftig bedauerten, dass sie schon gingen, und verschwanden dann so unauffällig wie möglich.

Im Auto lehnte sich Juliane zufrieden in die Polster zurück. Ihre Hand lag auf der ihres Mannes, und Thomas steuerte sie sicher und ruhig nach Hause.

Während er den Wagen in die Garage fuhr, wartete sie an der Eingangstür des Hauses auf ihn. Engumschlungen betraten sie die behagliche Wohnung. Dort hob Thomas sie ohne Worte hoch und trug sie ins Schlafzimmer. Mit einem leisen Klicken fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss und sperrte ihre Umwelt aus.

♥♥♥

»Wunderbar, Frau Lorenz! Wie machen Sie das nur?« Dr. Kieser, der Direktor des städtischen Museum, verhehlte seine Freude nicht. Seine kräftige Stimme hallte begeistert durch das Atelier. Beinahe gerührt betrachtete er das kleine Meisterwerk aus dem 16. Jahrhundert, das vor ihm auf der Staffelei stand.

Juliane stand mit verschränkten Armen daneben und besah sich ihre Arbeit äußerst kritisch. Aber auch ihr scharfes Auge konnte keinen Fehler mehr entdecken. Die bäuerliche Landschaft im Stil Pieter Breughels schien das Licht, das durch das hohe Fenster fiel, regelrecht einzufangen.

»Doch, ja, ganz ordentlich«, bestätigte sie deshalb.

»Ganz ordentlich?! Das können auch nur Sie sagen, Frau Lorenz!« Dr. Kieser nahm ihre beiden Hände in seine und schüttelte sie heftig. Er war kein attraktiver Mann, dieser Dr. Kieser, aber seine Menschlichkeit und seine Begeisterungsfähigkeit ließen sein Gesicht leuchten.

Juliane erwiderte sein Lächeln und gab zu, dass sie sich bei diesem Bild auch ganz besonders viel Mühe gegeben hatte.

Nachdem der Direktor das Atelier verlassen hatte, begann sie damit, die Gerätschaften zu reinigen und die Lösungen in den Schrank zu stellen.

Die übliche Befriedigung, die sie sonst nach Beendigung einer Arbeit verspürte, wollte sich heute einfach nicht einstellen. Ihre Gedanken waren ganz woanders. Beinahe geistesabwesend räumte sie den Raum auf und schloss dann ab.

Zu Hause bereitete Juliane mechanisch das Abendessen vor, deckte den Tisch und wartete auf Thomas. Als der schließlich kam, fiel ihm gleich auf, dass mit seiner Frau etwas nicht stimmte. Er begrüßte sie mit einem Kuss, doch sie reagierte kaum.

»Was ist los, Juliane? Ich dachte, du würdest heute mit deinem Bild fertig werden.« Forschend sah er ihr ins Gesicht.

»Hm.« Sie druckte ein wenig herum. Dann verschleierte sich ihr Blick, und eine Träne löste sich von ihren Wimpern.

»Ich bin wieder nicht schwanger, Thomas!«

Und bevor er noch etwas sagen konnte, lehnte sie ihren Kopf gegen seine Schulter und ließ ihrem Kummer freien Lauf.

Thomas legte den Arm um sie und ließ sie eine Weile weinen. Dann hob er ihren Kopf, damit sie ihn ansehen musste. Mit einem Taschentuch tupfte er ihr sanft die Tränen von den Wangen.

»Hör mal, Liebes, das ist doch nicht schlimm!«

»Nicht schlimm?« Juliane löste sich von ihm. »Ich dachte, du wünschst dir genauso sehr ein Kind wie ich.«

»Aber ja, natürlich. Nur ... es muss ja nicht sofort sein. Wir sind noch jung, und ganz bestimmt werden wir irgendwann ein Kind haben!«

»Irgendwann, Thomas! Warum nicht jetzt, wo wir noch jung genug dafür sind?«, antwortete sie beinahe ungeduldig.

»Wir werden noch eine ganze Weile jung genug dafür sein. Schau, du bist gerade fünfundzwanzig, und ich bin nur vier Jahre älter. Wir müssen Geduld haben!«

»Geduld!«, rief sie verzweifelt. »Manchmal habe ich beinahe das Gefühl, dass es dir überhaupt nichts ausmacht, dass ich immer noch nicht schwanger bin.«