Familie mit Herz 102 - Moni Sommer - E-Book

Familie mit Herz 102 E-Book

Moni Sommer

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

An dem Abend, als ihre Verlobung bekannt gegeben werden soll, findet Anna in Marc die ganz große Liebe. Heimlich verschwindet sie mit dem Mann, den sie kaum eine Stunde kennt, von der rauschenden Party. Der Skandal ist perfekt.
Doch die bösen Stimmen verstummen, als Marc und Anna ein Jahr später verheiratet sind und stolz ihren kleinen Sohn präsentieren. Kann es eine glücklichere Familie geben? Warum aber steht Anna dann eines Abends weinend am Bett ihres Kindes, um Abschied zu nehmen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Abschiedstränen ...

Vorschau

Impressum

Abschiedstränen ...

Eine Mutter opfert ihr Glück

Von Moni Sommer

An dem Abend, als ihre Verlobung bekannt gegeben werden soll, findet Anna in Marc die ganz große Liebe. Heimlich verschwindet sie mit dem Mann, den sie kaum eine Stunde kennt, von der rauschenden Party. Der Skandal ist perfekt.

Doch die bösen Stimmen verstummen, als Marc und Anna ein Jahr später verheiratet sind und stolz ihren kleinen Sohn präsentieren. Kann es eine glücklichere Familie geben? Warum aber steht Anna dann eines Abends weinend am Bett ihres Kindes, um Abschied zu nehmen?

Marc Röder ließ sich auf den Rücksitz des Taxis fallen. Müde strich er sich mit der rechten Hand eine Strähne seines dunklen Haares zurück. Er fühlte sich völlig erledigt, aber den Geschäftsabschluss hatte er in der Tasche.

Nur gut, dass er sich bei Onkel Hubert ein paar Tage lang ausruhen konnte. Es war höchste Zeit, dass er den alten Freund seines Vaters wieder einmal besuchte. Mindestens zwei Jahre waren seit dem letzten Zusammentreffen vergangen.

Bei dem Gedanken an ihre letzte Begegnung legte sich Marcs Stirn in Falten. Damals war Onkel Hubert bei der Beerdigung seines Vaters gewesen, der mit nur achtundfünfzig Jahren plötzlich einem Herzinfarkt erlegen war.

Marc seufzte. Sein Vater fehlte ihm immer noch an allen Ecken und Enden. Sicher, er führte jetzt die Firma, die sein Vater gegründet hatte, erfolgreich weiter, aber die Gespräche mit ihm konnten dem jungen Mann niemand ersetzen. Zusammen waren sie einfach ein unschlagbares Team gewesen.

Als das Taxi vor Onkel Huberts Haus hielt, fing es auch noch an, in Strömen zu regnen. Immer mehr freute sich Marc auf einen ruhigen Abend, nur in der Gesellschaft seines Onkels.

Eigentlich war Onkel Hubert gar nicht mit Marc verwandt, aber er hatte die Firma Röder so viele Jahre lang in rechtlichen Angelegenheiten vertreten, dass er sich nicht mehr an die Zeit erinnern konnte, wo es den alten Herrn nicht gegeben hatte. Als Freund der Familie war der Junggeselle oft ein gern gesehener Gast im Hause Röder gewesen.

Marc stieg aus dem Wagen und nahm seine Aktentasche und den kleinen Koffer heraus. Er bezahlte den Fahrer und eilte auf das Haus zu. Unter dem Portal angekommen, klopfte er sich die Regentropfen von den Schultern. Noch bevor er läuten konnte, öffnete sich die Haustür, und ein älterer Herr trat mit freudiger Erwartung auf dem Gesicht heraus.

»Marc! Wie schön, dich endlich wiederzusehen! Komm herein, mein Junge.« Er reichte dem Jüngeren die Hand und schüttelte sie kräftig. »Gib mir deinen Koffer. Endlich hast du es geschafft vorbeizuschauen. Hast du in der Gegend zu tun gehabt, oder welcher Ehre verdanke ich deinen Besuch?«

Marc Röder lachte. »Ich war in Hamburg, und auf dem Rückweg habe ich einfach die Fahrt unterbrochen. Ich hatte schon ein richtig schlechtes Gewissen. Aber seit du dich zur Ruhe gesetzt hast ...«

»Jetzt sollte wohl ich ein schlechtes Gewissen haben«, neckte Hubert Koch schmunzelnd. Er ging die Treppe voran ins Obergeschoss und öffnete die Tür zum Gästezimmer. »Aber ich wusste einfach nicht mehr, wofür ich noch mehr Geld verdienen sollte. Ich kann in Ruhe meinen Hobbys frönen, ohne am Hungertuch zu nagen, und das in den besten Jahren.«

»Deine Hobbys ...! Andere Leute sammeln Antiquitäten als Geldanlagen«, erwiderte Marc.

»Ach, bevor ich es vergesse, Marc. Ich bin heute Abend bei einem früheren Geschäftsfreund zur Geburtstagsfeier eingeladen. Sei so nett, und begleite mich. Den morgigen Abend haben wir dann ganz für uns allein, und ich zeige dir ein paar meiner neuen Schätze.«

»Ehrlich gesagt, ich bin ein bisschen müde, Onkel Hubert. Ich könnte doch hierbleiben, während du deine Freunde besuchst.«

Hubert Koch ließ den Koffer aufs Bett fallen.

»Kommt gar nicht infrage, mein lieber Junge. Wir müssen ja nicht lang bleiben. Aber wenigstens sehen lassen muss ich mich. Und wenn du dabei bist, kann ich auch früher verschwinden.«

»Na gut«, lenkte Marc ein. »Lass mir nur eine halbe Stunde, dann bin ich wieder fit.«

»Ich warte unten auf dich.« Der alte Herr sah auf seine Armbanduhr. »Wir müssen erst in einer Stunde los.«

♥♥♥

Pünktlich stiegen die beiden Männer aus dem Wagen und gingen die breite Treppe zur Villa hoch. Das Portal war hell erleuchtet, und durch die geöffnete Tür war leise Musik zu hören. Der Regen hatte aufgehört, und die spätsommerliche Abendluft war erfüllt von einer klaren Frische.

Ein älterer Mann im Frack, offensichtlich ein Angestellter, führte sie durch eine großzügige Halle in ein riesengroßes Wohnzimmer. Gruppen von festlich gekleideten Menschen standen beieinander und unterhielten sich. Ein Mann, nur unwesentlich jünger als Onkel Hubert, löste sich aus einer der Gruppen und kam mit ausgestreckten Armen auf sie zu.

»Hubert, alter Knabe! Wie schön, dass du da bist.«

Die beiden älteren Männer schüttelten sich die Hände.

»Ich werde doch nicht deinen sechzigsten Geburtstag versäumen. Alles Gute, lieber Freund.«

Hubert Koch überreichte dem Gastgeber eine sorgfältig verpackte Schachtel.

»Danke. Du weißt, ein Geschenk wäre wirklich nicht nötig gewesen.«

»Manfred, darf ich dir Marc Röder vorstellen? Er ist der Sohn eines alten Freundes und fast so etwas wie ein Neffe für mich. Er besucht mich für zwei Tage, und da habe ich ihn einfach mitgebracht. Ich hoffe, das macht keine Umstände.«

Hubert schob den jüngeren Mann nach vorn.

»Aber ganz und gar nicht. Willkommen, Herr Röder. Ich hoffe, Sie amüsieren sich gut.«

»Danke, Herr Zimmermann. Ich möchte nicht ungelegen kommen.«

Manfred Zimmermann schüttelte ihm die Hand, blickte sich um und schien dann die Person zu entdecken, die er suchte. Auf seinen Wink hin näherte sich ihnen eine junge Frau.

Manfred Zimmermann legte den Arm um ihre Schultern und meinte: »Meine Tochter Anna wird Sie ein wenig herumführen, damit Sie sich nicht so fremd fühlen. Meinen Freund Hubert muss ich Ihnen jetzt leider entführen. Anna, das ist Herr Röder, ein Freund von Hubert.«

Er ließ seine Tochter los und ging mit Hubert Koch davon. Wahrscheinlich unterhielten sich die beiden über das Geschenk, das der Antiquitätensammler seinem Freund zum Geburtstag mitgebracht hatte. Er hatte Marc verraten, dass es sich um eine kostbare Miniatur handelte.

Doch Marc bekam den Weggang der beiden schon gar nicht mehr mit. Fasziniert blickte er in die grünsten Augen, die ihm je untergekommen waren. Sein Blick umfasste eine schlanke Gestalt. Ihr dunkelblondes Haar wurde von mehreren Kämmen zurückgehalten. Die junge Frau trug keinerlei Schmuck, was ihrer Schönheit aber nicht den geringsten Abbruch tat.

Jetzt wandte ihm Anna ihr zart geschnittenes Gesicht zu. Ein Lächeln trat auf ihre Lippen.

»Kommen Sie. Ich führe Sie ein wenig herum.«

Sie legte eine Hand auf seinen Arm. Nach ein paar Schritten schon blieben sie bei einer älteren Dame stehen, die Marc unschwer als Annas Mutter erkannte. Ein beinahe faltenloses Gesicht, umrahmt von dem gleichen Haar wie das der Tochter. Lediglich ein paar silberne Fäden unterbrachen den Farbton von wildem Honig.

Marc plauderte mit der Frau seines Gastgebers, als ein schlanker, junger Mann neben Anna trat. Besitzergreifend legte er den Arm um sie und bat um den nächsten Tanz.

Während die beiden miteinander tanzten, beobachtete Marc sie vom Rand der Tanzfläche aus.

Was war bloß los mit ihm? Diese junge Frau hatte ihn völlig verzaubert. War es möglich, dass etwas dran war an dem Gerede über Liebe auf den ersten Blick? Er war siebenunddreißig Jahre alt, wenn er auch wesentlich jünger wirkte. Er hatte viele Frauen gekannt, doch nie hatte ihn eine nach so kurzer Zeit derart in ihren Bann geschlagen.

Anna merkte sehr wohl, dass Marc sie unentwegt beobachtete. Nur unzureichend beantwortete sie die Fragen ihres Tanzpartners. Richard Buren arbeitete seit drei Jahren bei ihrem Vater als Lokalredakteur. Und heute, nach Mitternacht, wollte ihr Vater ihre Verlobung mit Richard bekannt geben. Danach sollte er Mitherausgeber der Zeitung ihres Vaters werden.

Sie sah auf und blickte in Richards Gesicht. Ja, er war ein attraktiver Mann. Sein kurz geschnittenes, rötliches Haar, seine markanten Züge. All das verriet Zuverlässigkeit und Kraft. Bis heute Abend hatte sie geglaubt, Richard zu lieben. Aber wenn sie ehrlich war, hatte sie nur gedacht, diese Freundlichkeit und Sympathie, die sie empfand, könnten Liebe werden.

Anna drehte sich mit Richard im Kreis und erhaschte einen Blick auf den Fremden, der immer noch bewegungslos neben der Tür stand.

Woher kamen diese plötzlichen Zweifel? Dieser Abend sollte schließlich ihre Zukunft festlegen.

Wann immer sie am Abend umherschaute, stellte Anna fest, dass Marc Röder sie fest im Blickfeld hatte. Ab und zu unterhielt er sich mit Leuten, ohne sie jedoch aus den Augen zu lassen. Warum tanzte dieser Mann nicht mit ihr? Fühlte nur sie diese unerklärliche Anziehungskraft?

Es ging schon auf elf Uhr zu, als er plötzlich neben ihr stand.

»Darf ich um den nächsten Tanz bitten?«

Die beiden Menschen, die das Schicksal hier und heute zusammengeführt hatte, sahen sich in die Augen und merkten nicht einmal mehr, dass Richard unwillig das Gesicht verzog. Richard mochte es gar nicht, wenn seine zukünftige Frau jemand anderem ihre Aufmerksamkeit schenkte.

Annas Blick verschmolz mit dem ihres Tanzpartners. Sie spürte seine kräftigen Hände auf ihrem Rücken und erzitterte leicht vor Aufregung. Ein sanftes Beben durchlief ihren Körper. Die sanfte Melodie, die gespielt wurde, ließ sie beinahe über dem Boden schweben. Als er sie hielt, hatte Anna das Gefühl, nach Hause zu kommen – unendlich geborgen zu sein.

»Dieser Tanz wird mein Leben verändern«, sagte Marc mit rauer Stimme. Anna versuchte, sich aus dem Bann seines Blickes zu befreien, doch er hielt sie unerbittlich fest. »Ich hätte so etwas nie für möglich gehalten.«

Marc wunderte sich immer noch über sich selbst.

»Ich auch nicht«, gab Anna zurück, und es schien völlig unnötig zu erklären, worüber sie sich beide so sehr wunderten.

»Am liebsten würde ich mit dir von hier verschwinden«, wechselte er zum vertraulichen Du über.

»Und warum tust du das nicht?«

Ihr meergrüner Blick hielt nun ihn gefangen. Anna wusste nicht, wie ihr geschah. Alles um sie herum war ihr gleichgültig geworden. Sie war jung und zum ersten Mal wirklich verliebt. Nichts auf der Welt konnte dieses Glück stören. Immer wieder musste sie bewusst Luft holen, weil ihr die Spannung zwischen ihnen den Atem nahm.

»Komm!« Er zog sie an der Hand hinter sich her, dem Ausgang zu.

Die anderen Gäste waren so miteinander beschäftigt, dass niemand ihr Verschwinden bemerkte. Lediglich Richard, der seine Zukünftige nicht aus den Augen gelassen hatte, registrierte, was hier passierte.

Verdammt, Anna musste zur Vernunft kommen. In weniger als einer Stunde würde sie offiziell seine Braut sein. Ungeduldig schaute er auf seine goldene Armbanduhr und biss sich auf die Unterlippe.

So ein Benehmen konnte er nicht zulassen! Schnell eilte er auf den Ausgang zu. Was dachte sich dieser Kerl! Kam hierher und verschwand mit seiner Braut nach draußen. Anna und er würden nachher ein Wörtchen miteinander zu reden haben!

Als Richard die schwere Haustür erreicht hatte, sah er gerade noch die Umrisse von Annas Sportflitzer die Auffahrt hinunter verschwinden. Die Rücklichter schienen ihm spöttisch zuzublinzeln.

Richard machte auf dem Absatz kehrt. Außer sich vor Ärger machte er sich auf die Suche nach Annas Vater ...

♥♥♥

Vor ein paar Tagen hatte Anna ein paar Sachen aus ihrem Elternhaus geholt. Ihre Mutter hatte sie darum gebeten zu kommen, wenn sie und ihr Mann nicht zu Hause waren. Sie, Anna, hätte sich unverzeihlich benommen.

Endlich ließ sich Helga Zimmermann dazu herab, wenigstens einen Telefonanruf Annas zu beantworten.

»Ich kann nichts tun. Dein Vater ist immer noch außer sich. Er meint, du hast ihn unmöglich gemacht.«

Helga hielt den Hörer an ihr Ohr und litt darunter, ihre Tochter nicht sehen zu können. Doch Anna hatte sich wie ein dummes Kind benommen.

»Aber es wusste doch niemand außer Richard, dass Vater die Verlobung verkünden wollte«, versuchte sich Anna zu rechtfertigen.

»Für deinen Vater reicht das. Er fühlte sich Richard gegenüber verpflichtet.«

Annas Mutter hatte sich in den vergangenen Tagen sehr viele Sorgen um ihren Mann gemacht.

Als Richard ihnen von Annas Verschwinden berichtet hatte, hatte Helga geglaubt, ihren Mann würde der Schlag treffen. Nur mit Mühe hatte sie ihn beruhigen können.

»Es war nicht richtig, was du getan hast.«

Anna spürte ganz deutlich die Zurechtweisung, die im Tonfall ihrer Mutter lag.

»Mami, ich konnte nicht anders! In ein paar Stunden musste ich entscheiden, wie mein gesamtes weiteres Leben verlaufen soll. Ich kann Richard einfach nicht heiraten. Das ist mir erst an diesem Abend klar geworden.«

»Reichlich spät, Anna. Du hast wegen eines wildfremden Mannes die Menschen, die dich lieben, vor den Kopf gestoßen.«

»Ach, Mami. Ich bin Marc doch an dem Abend zum ersten Mal begegnet.«

Anna hielt den Hörer umklammert. Gerade jetzt brauchte sie ihre Mutter. Doch sie wagte es nicht, ihr zu gestehen, was ihr auf der Seele lag.

»Warum hast du es nicht dabei belassen, die Verlobung hinauszuschieben? Es tut mir leid, Anna. Aber dein Vater will dich nicht sehen.«

»Und du, Mami? Was ist mit dir? Willst du mich auch nicht sehen?«