Fateful Lies - Wenn du mir vertraust - Eva Perkics - E-Book
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Fateful Lies - Wenn du mir vertraust E-Book

Eva Perkics

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Beschreibung

Gefährliche Anziehung. Dunkle Geheimnisse. Ein Spiel mit dem Feuer.

Willow hat nur ein Ziel: Die Wahrheit über den Tod ihrer kleinen Schwester herauszufinden – und die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Ihre Suche führt sie auf eine exklusive Party, auf der nur die Elite der Stadt willkommen ist. Dort trifft sie auf Veland, einen Mann, der so gefährlich wie faszinierend ist. Was sie nicht ahnt: Hinter seinem charmanten Lächeln verbirgt sich der gefürchtete Mafiaboss von New York.
Die Anziehung zwischen ihnen ist elektrisierend, doch je näher Willow Veland kommt, desto mehr gerät sie in ein Netz aus Macht, Intrigen und dunklen Geheimnissen. Bald steht sie vor einer unmöglichen Wahl: Kann sie dem Mann vertrauen, dessen Welt so viel Zerstörung mit sich bringt? Oder wird die Wahrheit, die sie sucht, alles zwischen ihnen zerstören?
Ein fesselndes Spiel aus Liebe, Gefahr und Verlangen – perfekt für alle Fans von Mafia Romance und Romance Suspense.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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FATEFUL LIES

WENN DU MIR VERTRAUST

NEW YORK MAFIA ROMANCE SUSPENSE

BUCH 1

EVA PERKICS

INHALT

Über die Autorin

Vorbemerkungen für die Lesenden

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Bücher von Eva Perkics

Triggerwarnung

ÜBER DIE AUTORIN

Eva Perkics schreibt intensive, berührende Geschichten über Verlust, Schuld und innere Kämpfe – durchzogen von Dunkelheit, aber auch von Hoffnung. Ihre Figuren begegnen auf steinigen Wegen der Liebe und sich selbst. Geprägt von eigenen Erfahrungen kennt Eva die Schattenseiten des Lebens. Heute lebt sie mit Mann, Kindern und Hund – und glaubt fest daran: Es ist nie zu spät, neu anzufangen.

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VORBEMERKUNGEN FÜR DIE LESENDEN

Liebe Lesende,

da mir deine seelische Gesundheit am Herzen liegt, möchte ich dich darüber informieren, dass in diesem Roman potenziell triggernde Inhalte enthalten sind.

Da diese Inhalte Spoiler enthalten könnten, findest du die Themenübersicht am Ende des Romans sowie auf meiner Homepage:

www.evaperkics.com

Bitte entscheide selbst, ob du diese Warnung lesen möchtest. Falls du während der Lektüre auf belastende Themen stößt, sprich mit deiner Familie, mit Freund*innen, einer Vertrauensperson – oder suche dir professionelle Hilfe.

Ich wünsche dir von Herzen ein bereicherndes und schönes Leseerlebnis mit dieser Geschichte.

Ganz liebe Grüße

Eva Perkics

PROLOG

Miley

1 Jahr zuvor

Alles fällt mit der Wahrheit.

Der muffige Geruch auf der Schultoilette weht in meine Nase. Trotzdem sitze ich hinter der verschlossenen Tür, weil ich keinen Bock darauf habe in die Klasse zurückzukehren. Mit zitternden Händen fasse ich in meinen Rucksack und ziehe meinen pinken Dosenspitzer heraus. Seit ich mich erinnern kann, war Pink schon immer meine Lieblingsfarbe. Ich drehe die Dose auf und die weißen Perlen stechen mir ins Auge. Perlen ist mein Synonym für meine Glückspillen. In wenigen Minuten werde ich wieder das strahlende Gesicht haben, wonach ich mich täglich sehne. Die Schweißperlen sammeln sich auf meiner Stirn und ein kalter Schüttelfrost erfasst mich. Mein Fuß wippt eilig auf und nieder. Ich beiße mir auf die Lippe, denn der Blick auf mein Handy verrät mir, der Abstand zu der letzten Tablette wird kürzer. Den Gedanken, ich könnte ein Problem haben, schicke ich ins Abseits. Ich kippe den Dosenspitzer, woraufhin die zwei kleinen weißen längsförmige Pillen in meine offene Hand fallen.

Ich werfe mir die Perlen in den Mund und spüle sie mit Wasser die Kehle hinunter. Ich lehne den Kopf an die Seite der Toilettenwand und hoffe, dass die Wirkung bald einsetzen wird.

Nach einiger Zeit erklingt das quietschende Geräusch der Tür. Ich ziehe die Füße wie aus Reflex hoch, da jemand die Mädchentoilette betritt. Niemand soll mitbekommen, dass ich mich hier verstecke.

»Wie sie heute wieder aussieht«, ertönt Sams Stimme. »Miley ist wieder voll zugedröhnt«, führt sie ihren Monolog fort. Keine Ahnung, wen sie im Schlepptau hat, denn ich vernehme nur ein zustimmendes Schnauben. »Sie ist richtig asozial geworden.« Mit zusammengekniffenen Augen versuche ich Sams Worte auszublenden. Ich kenne ihre Meinung über mich. Genau genommen kenne ich jede einzelne Meinung meiner Klassenmitglieder. Mit beiden Händen drücke ich fest an meine Ohren, um die Gespräche nicht länger mitanhören zu müssen. Seit ich an diese Schule gekommen bin, haben sie ihr Urteil über mich gefällt. Es war ein fataler Fehltritt, den ich mir erlaubt habe zu tun. Seitdem sitze ich für sie sozusagen auf der Anklagebank. Eine Person, über die man ungeniert und ohne schlechtes Gewissen lästern kann.

Langsam breitet sich ein warmes Gefühl in meinem Körper aus und ich spüre, wie sich meine Mundwinkel nach oben bewegen. Die Glückspille setzt endlich ihre Wirkung frei. Mein Herzschlag verlangsamt sich. Die Probleme, die Sorgen, die Ängste, die ich noch vor wenigen Minuten in mir gespürt habe, das beklemmende Gefühl in meiner Brust, das mich zu ersticken drohte, verflüchtigen sich, wie das wiederkehrende quietschende Geräusch der Toilettentür. Sam hat wohl mit dem anderen Mädchen die Toilette verlassen.

Ich stelle beide Füße auf den Boden und erhebe mich. Den Dosenspitzer packe ich zurück in meinen Rucksack und trete aus der Toilette. Wie auf Wolken schwebend tänzle ich zum Waschtisch. Mein Blick heftet sich auf den Fliesenboden, der sich zu bewegen scheint.

Ich halte meine Hände unter den Wasserstrahl. Seltsam, ich kann mich plötzlich nicht mehr daran erinnern, ihn aufgedreht zu haben. All die dunklen Gedanken, die noch vor wenigen Minuten meine Aufmerksamkeit erregten, haben sich in Luft aufgelöst. Ich stoße die Toilettentür auf, wieder erklingt das quietschende Geräusch. Das Klingeln zum Unterrichtsschluss ertönt. Ich gehe den Flur entlang, während unzählige Schüler und Schülerinnen sich aus den Klassenzimmern drängen. Kurz rempelt mich eine Frau an. Oder bin ich gegen sie gestoßen? Ihr Gesicht ist wie bei einem Blitz nur kurzzeitig da, ehe ich sie auch schon wieder vergessen habe.

»Wisch deine nassen Hände bei jemand anderes ab!«, flucht ein Typ, doch ich fühle mich nicht angesprochen. Wie mit einem Tunnelblick laufe ich weiter den Flur entlang. Ohne Plan und ohne Ziel. In diesem Augenblick ist mir alles völlig egal.

»Diese Drogen will ich auch«, sagt eine männliche Stimme neben mir. Ich drehe den Kopf in diese Richtung, aus der die Stimme kommt.

»Ich kenne jemanden, der gutes Zeug verkauft«, wirft ein anderer Typ ein. Oder bilde ich mir das gerade ein? Ich weiß es nicht. Ich bleibe stehen und mustere den Kerl. Breite Schultern. Sommersprossen auf der Nase, sie scheinen sich zu bewegen, sodass ich kichern muss.

»Miley, geht es dir nicht gut?« Amber steht dicht hinter mir. In meiner Wahrnehmung drehe ich mich abrupt um. Da sie mich mit einem besorgten Gesichtsausdruck ansieht, bin ich mir da nicht so sicher. Vielleicht hätte ich statt zwei doch bei einer Tablette bleiben sollen?

»Alles bestens. Komm, lass uns ein bisschen frische Luft schnappen.« Ich winke ihr, dass sie mir folgen soll.

»Miley!«, höre ich sie in weiter Ferne nach mir rufen. Ich drehe mich langsam zu ihr um und gebe ein genervtes Seufzen von mir. »Wo bleibst du?«, frage ich langgezogen, weil ich nicht verstehe, weshalb sie mir nicht folgt.

Amber rennt auf mich zu, packt mich am Handgelenk und zerrt mich mit sich. Wieder kollidiere ich mit anderen Schülern, die mich beschimpfen. Doch das alles ist mir gerade egal. Viel mehr nervt mich, dass Amber meinen Arm festhält und sich ein brennender Schmerz darauf ausbreitet.

»Lass mich los«, murre ich mehrmals, doch sie zerrt mich hinter sich her. Leider fehlt mir die Kraft dagegenzuhalten.

Sie schiebt mich in den Physikraum und lässt hinter uns die Tür zuknallen. »Setz dich da hin«, fordert sie mich auf und schiebt mich zu dem Stuhl, auf dem normalerweise unser Lehrer Mr. Glassgow sitzt. Weil mich die Gelassenheit einholt, lasse ich mich auf den Stuhl sinken. Da ich nicht überprüfe, wo ich mich fallen lasse, sitze ich plötzlich auf dem Boden. Ein stechender Schmerz zieht sich von meinem Steißbein meinen Rücken aufwärts.

»Verdammte Scheiße!«, fluche ich.

Amber fasst unter meinen Arm, als wäre ich eine alte Frau, die es nicht allein hoch schafft. »Lass mich los! Ich komm schon klar!«, poltere ich weiter.

»Ach ja? Und deshalb sitzt du jetzt auf dem Boden und kommst allein gar nicht hoch?« Amber ignoriert meinen Einwand und zieht mich auf den Stuhl. »Wie viel hast du dir von den Benzos eingeworfen?«

»Pssst!«, sage ich und lege meinen Finger an den Mund. »Nicht dieses böse Wort«, flüstere ich. »Es waren nur zwei Perlen.« Ich kichere.

»Du weißt, dass Clayton dich gewarnt hat.«

»Clay, der Name ist gelogen und vielleicht übertreibt er einfach ein bisschen.«

»Klar verwendet er ein Pseudonym, aber er wird bestimmt wissen, wie die Einnahme davon ist.«

»Ach, meinst du? Und wenn sie so gefährlich sind, warum verkauft er sie mir dann in großen Mengen?« Wieder lache ich, weil ich den Ärger meiner Freundin nicht verstehe. »Komm, lass uns raus gehen, ich habe keinen Bock auf die Schule.«

»Wir kriegen Probleme«, warnt mich Amber.

»Tja, schlimmer als sie für mich jetzt schon sind, können sie eh nicht werden.«

1

Willow

»Bist du dir wirklich sicher, dass du auf diese Party gehen möchtest?« Meine beste Freundin July läuft nervös in meinem Zimmer auf und ab. Sie hat Angst um mich, auch wenn sie diese Worte noch nicht über ihre Lippen gebracht hat. Doch ich werde jetzt nicht aufgeben. Erst durch Marc bekomme ich Zugang zu dieser Veranstaltung. Es war nicht leicht, aber mit ein bisschen Geld ist in Manhattan alles möglich.

»Lass die Polizei die Arbeit erledigen, die wissen, was sie tun«, fährt sie mit ihrem Monolog fort, während ich mit dem Lockenstab ein paar schwunghafte Wellen in meine blonden Haare zaubere.

Ich schüttle den Kopf und gebe ein Seufzen von mir. »Ich habe dir doch schon alles erzählt. Sie haben die Ermittlungen eingestellt. Ihrer Meinung nach deutet nichts auf ein Verbrechen hin. Aber ich werde den Verantwortlichen finden.« Mein Blick heftet sich an mein Spiegelbild. Mein Aussehen erinnert mich an meine kleine Schwester. Wir glichen uns wie Zwillinge, dabei war sie fünf Jahre jünger als ich. Alle in unserem Umfeld meinten ständig, sie sei die jüngere Version von mir. Ich werde nicht aufgeben, bevor ich die Person gefunden habe, die meiner kleinen Schwester das angetan hat. Was muss das für ein Monster sein, das Fünfzehnjährigen Tabletten verkauft, die in falscher Dosierung zum Tode führen?

Ich erhebe mich von meinem Stuhl und mein Blick wandert zu dem Foto von meiner Schwester und mir. Meine Eltern, Miley und ich waren am Rockefeller Center und haben uns die Erleuchtungszeremonie des Weihnachtsbaumes angesehen. Unsere blauen Augen strahlen, weil wir an diesem Tag unbeschreiblich glücklich waren. Ich kann mich noch daran erinnern, als Dad dieses Foto gemacht hatte. Wir beide hatten unsere Wollmütze tief ins Gesicht gezogen und den Schal bis zur Nasenspitze gestülpt, sodass nur unsere hellblauen Augen hervorstachen. Von klein auf haben wir von Erwachsenen gehört, welch außergewöhnliche Augenfarbe wir besitzen.

Ich spüre, wie meine Augen zu brennen beginnen. Jeden verdammten Tag vermisse ich sie. Morgens, wenn ich aufstehe, halte ich vor ihrem Zimmer und will sie aufwecken. Sie hat nie den Wecker gehört, oder vielleicht war es aus Bequemlichkeit, weil sie wusste, ich würde sie nicht verschlafen lassen und an ihre Zimmertür klopfen.

»Willow, bitte überleg dir das noch mal.« July legt ihre Hand auf meine Schulter, während ich den Blick von Miley nicht abwenden kann. Damals wirkte sie entspannt und gelassen. Was ist mit ihr passiert, dass sie zu Tabletten gegriffen hat? Warum hat sie nie mit mir über ihre Sorgen oder Probleme gesprochen? Ich dachte immer, wir reden über alles, doch wie es aussieht, hatte sie Geheimnisse.

»Nein«, entgegne ich und löse den Blick von dem Bild. »Ich kann verstehen, wenn du mich nicht begleiten möchtest, immerhin sind das Leute, mit denen wir uns sonst nicht abgeben würden. Dennoch ist es der einzige Weg, den Ursprung zu finden. Die Person, die meiner Schwester die Tabletten verkauft hat.«

»Ich kann dich unmöglich ohne Begleitschutz auf diese Party gehen lassen.« Sie lächelt, aber es erreicht ihre braunen Augen nicht. »Trotzdem möchte ich nochmals erwähnen, dass ich bei dieser Sache kein gutes Gefühl habe. Wie willst du dort den Dealer finden? Du kannst schlecht herumlaufen und fragen, wer Xanax verkauft.«

»Ich weiß, aber mir wird schon etwas einfallen.«

»Ladys, seid ihr euch sicher, dass ihr hier aussteigen wollt?« Der Taxifahrer blickt über seine Schulter und in seiner Stimme schwingt Besorgnis mit. Wir befinden uns auf einem Industriegelände in East Williamsburg. Eine Lagerhalle reiht sich an die nächste.

Ich wiederhole abermals die Adresse. »Sind wir hier richtig?«

»Ja, dennoch ist das nicht die Gegend, in der sich so junge, hübsche Frauen wie ihr herumtreiben solltet.«

»Machen Sie sich um uns keine Sorgen. Wir haben eine Einladung.« Ich reiche ihm das Geld und wir steigen aus.

»Na dann, viel Spaß«, sagt er, bevor wir die Autotür schließen und er davonfährt. Es ist dunkel. Nur vier Strahler an der Wand des Gebäudes leuchten und ich entdecke zwei muskulöse Männer unweit von uns. Sie sind eindeutig die Türsteher für die Party.

»Wi, ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee ist.« July ist nervös, das bin ich auch. Aber ich darf jetzt nicht einknicken. Immerhin ist das der erste Weg, um mehr über den Dealer meiner Schwester herauszufinden. Marc meinte: »Wenn man gutes Zeug braucht, ist das die beste Adresse. Egal, was dein Herz begehrt, dort bekommst du alles.« Seine Worte hallen noch immer in meinen Ohren. Außerdem kann ich nicht wie meine Eltern resigniert aufgeben und den Tod meiner Schwester einfach so hinnehmen. Acht verdammte Monate sind seither vergangen und niemand hat sich die Mühe gemacht, aufzuklären, warum meine Schwester so früh sterben musste. Ich werde den Grund herausfinden und vor allem den Verantwortlichen der Polizei ausliefern. Das kann doch alles nicht so schwer sein.

»Soll ich dir ein Taxi rufen?« Langsam nervt mich Julys Angst. Ich kann es nicht gebrauchen, so knapp vor dem Ziel zu scheitern. Diese Chance bekommt man nicht alle Tage. Allein diese Einladung hat mich eine Stange Geld und viel Redekunst gekostet.

»Nein.« Erneut verdreht sie ihre braunen Augen.

»Dann hör endlich auf zu jammern. Ich weiß, dass wir hier nicht zu einer Kinderparty gehen. Und ja, es könnte sein, dass wir nicht mit offenen Armen empfangen werden. Aber ich werde jetzt zu diesen beiden Türstehern gehen und rein marschieren.« Meine Stimme klingt genervt und das bin ich auch. Seit Tagen liegt sie mir deshalb schon in den Ohren. Langsam fehlt mir die Geduld.

»Dann komm.« Sie nimmt meine Hand und zieht mich mit, sodass ich sogar Mühe habe Schritt zu halten. Sie drückt meine Finger zusammen, als wir vor den beiden Türstehern stehen bleiben. Ihre Miene ist ernst und sie machen ihren Job ausgesprochen gut, denn sie wirken ziemlich angsteinflößend.

»Guten Abend«, erhebt der Typ mit den schulterlangen schwarzen Haaren seine Stimme.

»Ms. Charming und Ms. Redfield. Wir stehen auf der Gästeliste.« Ich blicke ihm fest in die Augen, obwohl mich ein innerliches Zittern packt. Unsere Familiennamen sind frei erfunden, diesen Tipp hat mir Marc noch mit auf den Weg gegeben.

Er blättert in einer schwarzen Mappe, dann nickt er dem anderen zu, der uns die Tür öffnet. »Viel Spaß, Ladys.«

Wir gehen durch einen breiten Flur. Der graue Beton ist mit unzähligen Graffitis verziert. Ein weiterer Typ steht direkt vor einem Fahrstuhl, der eher etwas mit einem Lastenaufzug gemein hat.

»Guten Abend«, begrüßt er uns freundlich und bedeutet uns, einzutreten. Er folgt uns und betätigt dann den Aufzug. Die breiten Stahltüren schließen sich und ich spüre ein leichtes Ruckeln. Mein Herz hämmert wild gegen meine Rippen. Julys Griff verfestigt sich um meine Hand. Doch der Schmerz, den ich fühle, lässt mich hoch konzentriert bleiben. Kurze Zeit später öffnet sich der Fahrstuhl.

»Schönen Abend!«, verabschiedet sich der Mann von uns und wir treten nach draußen.

Augenblicklich klappt mein Mund auf. Mit allem habe ich gerechnet, aber nicht damit: Große Kronleuchter hängen von der mindestens vier Meter hohen Decke. Eine weitläufige Bar erstreckt sich gleich links von uns. Nichts wirkt abgefuckt oder billig. Dieser Raum hat ungefähr dreihundert Quadratmeter. Rechts von mir befindet sich eine überdimensionale Ledercouch, die für mindestens dreißig Leute Platz bietet. Mehrere Stehtische sind rund um die Tanzfläche aufgestellt. Sogar Kellner entdecke ich, die sich mit Häppchen auf dem Tablett durch die Menschenmengen drängen.

»Wir sollten uns unter die Leute mischen«, flüstert July in mein Ohr, weil wir beide weiterhin vor dem Fahrstuhl verharren.

»Lass uns einen Drink holen.« Ich ziehe meine Freundin mit mir, weil sie nach wie vor meine Hand krampfhaft festhält. Mein Blick heftet sich an eine Gruppe Frauen, die an der Bar steht. Plötzlich komme ich mir underdressed vor, weil sie wunderschöne Abendroben wie bei einer Gala tragen. Nichts hier erinnert an eine Drogenparty, so wie ich sie mir vorgestellt habe. Das Einzige, was hier stimmig wirkt, ist die Technomusik, die aus den unterschiedlichsten Boxen dröhnt.

»Zwei Gin Tonic, bitte«, bestelle ich und blicke mich um. Eine Gruppe Männer steht an der großen Glasfront. Jeder von ihnen trägt einen teuren Anzug, das erkenne ich sofort. Doch damit habe ich auf so einer Veranstaltung nicht gerechnet. Zum Glück habe ich mich für das schwarze Kleid entschieden und nicht für die zerschlissene Jeans mit dem knappen Top. Sonst wäre ich wie mit einem umgeschnallten beleuchteten Reklameschild aufgefallen. Dann sticht mir ein Typ ins Auge. Er steht etwas abseits und wirkt selbstbewusst. Er ist wohl der Einzige der Gäste, der es nicht für nötig hält, einen Anzug zu tragen. Obwohl er nur einen weißen Hoodie und eine helle Jeans trägt, strahlt er Autorität aus. Seine Haare wirken wie die eines Surfers. Sie sind hellblond mit ein paar dunklen Strähnen, dazu ein Undercut. Er sieht durch die Menschenmenge und als sein Blick auf mich trifft, setzt für einen kurzen Moment mein Herzschlag aus. Alles an ihm schreit förmlich nach Sexyness und Arroganz. Das ist etwas, das ich jetzt nicht gebrauchen kann. Ich muss mit einem dieser Anzugtypen ins Gespräch kommen, nicht mit diesem Mann. Trotzdem kann ich den Blick nicht von ihm abwenden. Seine Gesichtszüge sind ernst. Er streichelt sich über den etwas dunkleren Bart. Normalerweise gefallen mir Typen mit Bart nicht, aber bei ihm passt alles perfekt zusammen. Als wäre er ein Covermodel einer Friseurzeitschrift.

»Ladys, eure Drinks«, reißt mich der Barmann aus meiner Starre. Ich nehme mein Getränk und dann drehe ich mich wieder zurück. Der Typ von vorhin ist weg, die Anzugtypen ebenso.

»Verdammte Scheiße«, fluche ich und kippe den Drink hinunter, ohne mit meiner Freundin anzustoßen.

»Dir auch einen schönen Abend«, gibt July mit geknickter Stimme von sich und hebt ihr Glas in die Luft.

»Bitte entschuldige.« Ich ziehe die Schultern hoch. »Hast du zufällig die Anzugmänner von vorhin gesehen und wohin sie gegangen sind?«

»Welche meinst du? Die da drüben?« Sie nickt nach rechts zur Sitzlounge.

»Nein, die an der Glasfront gestanden haben. Mein Gefühl täuscht mich nicht, einer von ihnen kann mir bei meiner Suche weiterhelfen.«

»Keine Ahnung, von wem du sprichst. Wie dir vielleicht aufgefallen ist, sind hier unzählige solcher Anzugtypen unterwegs. Und diese wunderhübschen Frauen. Warum hast du mich nicht vorbereitet, dass ich eines meiner Chanelkleider anziehe und nicht ein Kleid von der Stange?«, wirft sie mit einem leichten vorwurfsvollen Unterton ein. »Wenn ich mich recht erinnere, meintest du, wir sollten nicht wie jemand aus reichem Hause wirken.«

»Ehrlich gesagt hatte ich selbst keine Ahnung, dass ausschließlich die Reichen und Schönen zu Gast sind. Ich kann nur hoffen, dass uns niemand erkennt.«

»Mit diesem Outfit bestimmt nicht.« July lächelt heute das erste Mal. Langsam scheint auch sie sich zu entspannen. »Übrigens kommen da ein paar typische Gangster aus dem Fahrstuhl.«

Genau so habe ich sie mir vorgestellt. Weite Jeans, Goldketten um den Hals und eine fette Rolex am Handgelenk. Ja, das völlige Klischee, aber ist unser Leben nicht ein Klischee? Wir gehen zur Schule, College oder Ausbildung, finden unseren Traumpartner und schließlich lassen sich einige wieder scheiden. Aber dieses Klischee wird meine Schwester niemals leben können. Augenblicklich wird mein Herz von einer Faust gepackt und zusammengedrückt. Der stechende Schmerz lässt mich kurzzeitig zusammenzucken. Meine Hand zittert und ich stelle das Glas auf die Bar.

»Wi, ist alles okay bei dir?« July streichelt über mein Haar.

Ich atme leise tief ein und aus, sodass sich der Schmerz schnell wieder verflüchtigt.

Konzentriere dich auf das Wesentliche.

»Alles bestens. Den letzten Schluck habe ich wohl in die falsche Röhre bekommen«, lüge ich und huste mehrmals.

»Trinken will bekanntlich gelernt sein.« Sie kichert und hat natürlich keinen blassen Schimmer, was der wahre Grund war. »Apropos trinken, soll ich uns eine neue Runde besorgen?«

»Klingt nach dem perfekten Plan.« Ich blicke mich um und entdecke die Männer mit den dicken Goldketten bei der Lounge. »Beeil dich, ich will diese Kerle unbedingt kennenlernen.«

»Du weißt, dass die Typen gefährlich aussehen? Ich meine, sieh dir ihren bösen Blick an.« Julys Augen weiten sich.

»Mag sein und genau darum müssen wir sie kennenlernen.« Ich habe mir fest vorgenommen, keine Angst zuzulassen.

»Dafür brauche ich mindestens einen Doppelten«, sagt sie und winkt den Bartender herbei.

Letztlich nehmen wir zwei doppelte Gin Tonic und mein Körper fühlt sich warm und entspannt an. Wenn ich neue Kontakte knüpfen will, dann muss ich mich jetzt mit dem Trinken zurückhalten.

Wir nehmen allen Mut zusammen und gehen zur Lounge hinüber. »Ist der Platz noch frei?«, frage ich die Männer, die tief in ein Gespräch verwickelt sind. Keiner von ihnen schenkt uns Beachtung, als wären July und ich Luft. Sie ignorieren uns, was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Vielleicht bekomme ich aus ihrem Gespräch etwas mit. Deshalb setze ich mich knapp neben einen Typ mit blauem Pullover, der mir den Rücken zugekehrt hat.

»Wenn du dich nicht anstrengst, platzt der Deal«, sagt ein anderer Mann, der in einem roten T-Shirt steckt. Er sitzt neben dem Kerl mit dem blauen Pullover. Da ich keinen ihrer Namen kenne, werde ich sie wohl in den Farben ihrer Oberteile taufen.

»Hör zu, das alles ist nicht so einfach, wie du dir das vorstellst. Schließlich gibt es viel Konkurrenz«, antwortet der Blaue.

»Die gibt es bei allem. Setz jedes Mittel ein, das du hast«, knurrt der Rote und auf seiner Stirn bildet sich eine tiefe Furche. »Wenn du dafür besondere Maßnahmen ergreifen musst, ist es mir recht. Ich will nur nicht, dass irgendetwas auf mich zurückfällt.«

Jackpot. Die Typen haben bestimmt etwas mit illegalen Geschäften zu tun. Jetzt muss ich es schaffen, sie besser kennenzulernen. Der Blaue lehnt sich zurück und unsere Blicke begegnen sich.

Ich setze mein perfektes Lächeln auf. »Hi, coole Party, oder?«

Er zieht seine dicke schwarze Augenbraue nach oben. »Was willst du?«

Ich strecke meinen Rücken etwas durch, woraufhin ich meine Brüste nach vorn drücke. Männer stehen auf so was, habe ich vor Kurzem in einer Zeitschrift gelesen. »Ähm … ich …« Ich stammele. Was soll ich ihm sagen? Dass ich gern Drogen oder Medikamente von ihm haben möchte? Ich hätte mich eindeutig besser vorbereiten müssen. Die üblichen Floskeln kenne ich nicht, mit denen man Dealern sagt, dass man gern Stoff hätte.

»Hat es dir plötzlich die Sprache verschlagen?«, erwidert der Blaue und mustert mich.

»Sie will wahrscheinlich ein Autogramm von uns«, wirft einer mit grünem T-Shirt ein.

»Autogramm«, murmle ich vor mich hin. Ich habe keine Ahnung, wer da gerade vor mir sitzt.

Der Rote lacht laut auf. »Wo möchtest du es haben?«

Ich strecke meinen Arm aus und die Jungs haben plötzlich alle einen Stift in der Hand. Scheiße. Meine Recherche beginnt ja großartig. Nacheinander kritzeln sie ihre Namen auf meinen Unterarm.

»Vielleicht könnt ihr noch euren Bandnamen dazuschreiben?«

Plötzlich prustet der Blaue los. »Die Kleine hat überhaupt keine Ahnung, wer wir sind.«

»Doch, doch, aber als Erinnerung«, quassle ich weiter und mein Puls beschleunigt sich.

»Nein, hast du nicht, denn dann wüsstest du, dass wir keine Band sind, sondern Stripteasetänzer.«

Augenblicklich gefriert mein Gesicht mit einem breiten Lächeln auf den Lippen ein. Was habe ich gerade übersehen? Keiner der Jungs sieht aus wie ein Tänzer. Sie wirken böse und eher wie Rapper oder eben Drogendealer.

»Ihr seht den Jungs von Bad Angels aber zum Verwechseln ähnlich. Sorry, wie peinlich.« Meine Kiefermuskulatur spannt vom gespielten Grinsen.

»Bad Angels? Die kenne ich nicht.« Der Rote legt den Kopf etwas schief und reibt sich sein glattrasiertes Kinn.

Bestimmt kennt er sie nicht. Die Band habe ich in diesem Moment frei erfunden. »Nicht? Die spielen wirklich gute Musik«, lüge ich weiter, um mein Gesicht zu wahren.

»Willow, ich brauche noch einen Drink, kommst du mit?« July ist die beste Freundin, die ich mir nur wünschen kann.

»Klar, für Nachschub bin ich immer zu haben.« Als würde ich auf Feuerkohlen sitzen, springe ich hoch. »Danke für euer Autogramm. Man sieht sich«, verabschiede ich mich und eile zusammen mit meiner Freundin zurück zur Bar.

July bestellt uns erneut einen doppelten Gin Tonic. »Also deine Recherche läuft ja ausgezeichnet.« Sie kichert.

»Und du fürchtest dich vor Stripteasetänzern.« Ich muss lachen und July stimmt mit ein.

»Unsere Menschenkenntnis bringt uns definitiv nicht weiter. Wir benötigen unbedingt jemanden, der uns hilft. Wir zwei wirken wie vollkommene Nerds, mit denen niemand reden möchte. Oder hat dich schon ein Typ angesprochen?« Sie stützt ihre Hand an der Bar ab und blickt sich im Raum um.

»Wir müssen eben ein bisschen lockerer werden. Der Gin ist dafür eindeutig zu schwach. Wir brauchen was Stärkeres.«

»Du willst dir Mut antrinken und dann noch bei Sinnen sein?« Wieder lacht sie laut auf und krümmt sich sogar ein bisschen.

»Okay, möglicherweise ist das doch kein so guter Plan.« Ich seufze. »Jetzt kippen wir das Getränk auf ex runter und dann gehen wir auf die Tanzfläche. Vielleicht kannst du mit deinen weiblichen Reizen punkten.« July gehört mit ihren ein Meter achtzig zu den großgewachsenen Frauen. Mit ihrem hübschen Gesicht und ihrer schlanken Figur würde sie glatt als Model durchgehen. Blöd nur, dass sie das überhaupt nicht interessiert. Lieber konzentriert sie sich auf ihr Studium, bei dem sie den Schwerpunkt Wirtschaft gewählt hat. Damals war für uns beide klar, dass wir uns für dasselbe entscheiden. Wir kennen uns, seit wir sechs Jahre alt sind und gemeinsam die Grundschule besuchten. Seitdem haben wir bisher fast alles zusammen gemacht. Bei ihr muss ich mich nie verstellen, sie kennt meinen finanziellen Status. Wir beide stammen aus reichem Haus, dennoch wurden wir bodenständig erzogen. Was leider zur Folge hat, dass wir in New Yorks Upper Class nicht reinpassen. Nicht mal unsere Eltern pflegen zu diesen Kreisen viel Kontakt, was aber im gleichen Atemzug bedeutet, dass es mir erschwert, Informationen zu Mileys Tod zu bekommen.

Ihre Freundinnen sind mir völlig fremd. Obwohl meine Schwester mit mir über alles sprechen konnte, erzählte sie nie von der Schule oder ihren Freundinnen. Früher hat es mich nicht gestört und kam mir auch nicht seltsam vor. Nur von einer Freundin weiß ich, aber die ist momentan mit ihren Eltern in Europa.

July beginnt zu tanzen, gibt sich der Musik hin. Ich hingegen stehe regungslos da, beobachte sie und die anderen Leute, die feiern und Spaß haben. Mein Blick streift durch den Raum. Dann sehe ich Miley vor der Glasfront stehen. Ich weiß, es ist eine Illusion meiner Gedanken, trotzdem fixiere ich den Punkt. Sie steht nur da, ohne ein Lächeln. Ihre blonden Haare hängen strähnig hinunter, als hätte sie ihre Haare schon viel zu lange nicht gewaschen. Tiefe, dunkle Augenringe lassen ihr Gesicht krank und müde wirken. Augenblicklich verkrampft sich mein Herz. Ich fasse mir wie automatisch an die Brust, als könnte ich dadurch den Druck abschwächen. Doch auch das ist eine Illusion meiner Gedanken, denn der Schmerz sitzt tief und lässt sich nicht mit ein paar Streicheleinheiten an meiner Brust verringern.

Kurz schweift mein Blick zurück zu July, die bereits einen Mann an ihrer Seite hat. Ihre Taktik funktioniert ständig. Egal wohin wir jemals gegangen sind, sobald sie ihren Körper in Bewegung setzt, ist sie für Männer der Mittelpunkt der Erde. Erneut schwenke ich zurück zur Glasfront und da steht der Typ von vorhin. Breitbeinig, den Blick direkt auf mich gerichtet. Ungeniert mustert er mich, doch auf meinen Lippen erscheint kein Lächeln. Denn ich bin nicht hier, um einen Mann kennenzulernen und vielleicht mit ihm im Bett zu landen. Ich bin auf dieser Party, um den Mörder meiner Schwester zu finden. Und er ist definitiv nicht mein Zielobjekt. Trotzdem schlägt mein Herz schneller, als er ein hauchzartes Lächeln preisgibt. Es ist etwas schief und wirkt äußerst sexy. Bestimmt bringt er mit diesem Lächeln viele Frauen um den Verstand. Aber ich darf meine Mission nicht aus den Augen verlieren. Ich blicke mich erneut im Loft um. Die Anzugtypen von vorhin haben sich über den ganzen Raum verteilt. Mit wem soll ich bloß ins Gespräch kommen? Wer könnte mir bei meinen unzähligen Fragen weiterhelfen?

Keiner dieser Kerle schenkt mir Beachtung, nur der Typ in dem weißen Hoodie. Er starrt mich an und das macht mich nervös.

»Ich besorge mir einen Drink«, sage ich zu July und mache mich auf den Weg zur Bar. Bisher habe ich noch niemanden gesehen, der Drogen oder sonstiges illegales Zeug konsumiert. Was habe ich erwartet? Dass mir die Beweise nur so zufliegen?

»Einen Gin Tonic, bitte«, bestelle ich und ziehe mein Handy aus meiner Handtasche. Ich tippe eine Nachricht an Marc.

Willow: Du hast gesagt, auf dieser Party bekommt man das beste Spielzeug. Du hast gelogen.

Ich starre auf mein Display in der Hoffnung, dass Marc mir schnell antwortet. Wieso konnte er nicht mitgehen? Er wäre definitiv eine Hilfe gewesen. Vielleicht hat er mich in die Irre geführt und wollte mir seinen wahren Kontakt nicht mitteilen? Er hätte mir ebenso einen Namen nennen können, damit ich die Person leichter finde.

Marc: Ich habe nicht gelogen.

Willow: Mehr hast du nicht zu sagen?

Marc: Keine Zeit. Das musst du schon selbst hinkriegen.

Willow: Arschloch

Ja, diese Ausdrucksweise passt normalerweise nicht in meinen Wortschatz, aber er macht mich wahnsinnig.

Willow: Wie viel willst du, um mir einen Namen zu nennen?

Marc: In dieser Szene gibt es keine Namen.

Willow: Bitte, wie viel?

Ich starre auf das Display, aber keine Antwort folgt. Marc will mir nicht weiterhelfen.

»Du solltest die Party genießen«, ertönt eine tiefe Männerstimme neben mir und ich hebe den Kopf. Der sexy Typ steht nun an meiner linken Seite. Sein eindringlicher Blick entgeht mir nicht. Genau in diesem Moment reicht mir der Barkeeper den Drink.

»Mache ich doch.« Ich hebe mein Glas kurz in die Luft, ehe ich es auf ex austrinke.

»Ich habe dich noch nie hier gesehen. Wer hat dich auf die Gästeliste gesetzt?« Er deutet dem Barkeeper mit zwei erhobenen Fingern.

»Anscheinend bist du Stammgast, wenn der Barmann genau weiß, was dein Herz begehrt.« Ich stecke mein Handy zurück in meine Handtasche. Aus der Ferne konnte ich seine Augenfarbe nicht erkennen, aber nun ist sie unverkennbar: türkisblau und meinen sehr ähnlich.

»Vielleicht habe ich ihm am Anfang des Abends klar zu verstehen gegeben, was ich mir heute wünsche.« Sein linker Mundwinkel zuckt nach oben.

»Na dann viel Spaß mit deinem Getränk«, sage ich und will mich abwenden, als er nach meinem Handgelenk greift. Ein wildes Kribbeln überzieht meine Haut. Was soll dieses Gefühl in mir? Ich drehe mich zu dem Mann um.

»Verrätst du mir deinen Namen?« Nun wird sein Grinsen breiter.

»Nein.« Ich ziehe meine Hand aus seiner und gehe in die entgegengesetzte Richtung, obwohl ich mich dadurch von meiner Freundin entferne. Aber ich brauche dringend Abstand. Dieser Typ könnte mir auf der Gefühlsebene gefährlich werden. Und Ablenkung kann ich jetzt definitiv nicht gebrauchen. Außerdem macht mich seine Fragerei nervös. Niemand darf erfahren, wie ich auf die Gästeliste gelangt bin, das war die Voraussetzung von Marc, ehe er mir die Einladung überreicht hat.

Wo ist überhaupt die Toilette? Ich entdecke eine Reihe von Türen nebeneinander und gehe auf sie zu. Vier schwarze Holztüren befinden sich in etwa drei Meter Abstand voneinander. Nicht eine davon hat ein Schild, wodurch man wissen würde, welche zu den Toiletten führt. Weil ich keinen Plan habe, beginne ich mit der ersten Tür ganz rechts. Als ich den Knauf betätigen will, spüre ich hinter mir einen warmen Atem auf meinem Hals. Gleich darauf liegt eine Hand auf meiner. Der Duft, der mir in die Nase steigt, kommt mir bekannt vor und gehört eindeutig zu dem Mann mit dem Hoodie.

»Was genau suchst du?« Seine Lippen sind nah an meinem Ohrläppchen. Das Kribbeln in meinem Körper wird stärker. Die Berührung auf meiner Hand und seine Körpernähe versetzen mich in einen Zustand, der mich nicht klar denken lässt.

»Die Toilette, wenn du es genau wissen möchtest.« Ich drehe mich ruckartig um, was ich besser hätte lassen sollen. Denn nun steht er so dicht vor mir, sodass mir sein herber Duft in die Nase weht. Verdammt. Müssen gut aussehende Männer immer so herrlich riechen? Können sie nicht wie aus der Mülltonne stinken, damit man ihnen nicht sofort verfällt?

»Die Toiletten findest du auf der anderen Seite des Raums. Wenn du magst, zeige ich sie dir.« Er lächelt so entwaffnend, dass Hitze in mir hochsteigt. Er ist sich seinem perfekten Äußeren mehr als bewusst und genau das ärgert mich.

»Ich komme zurecht, danke.« Ich schlängle mich an ihm vorbei, dabei streifen sich kurz unsere Fingerspitzen. Die Berührung ist grundsätzlich harmlos, aber wieder jagt sie sanfte Stromstöße durch meinen Körper.

2

Veland

»Komm schon, lass mich noch eine Line ziehen.« Rubys Hand tastet sich langsam zu meinem Hosenbund. Ihre großen Brüste drückt sie an mein Gesicht, während sie auf und nieder wippt, als wolle sie mich vor meinen Gästen reiten. Sie ist genauso wie die meisten Frauen in Manhattan. Für Geld und Drogen sind sie fast zu allem bereit.

Ich schiebe ihre Hand weg, stoße sie von meinem Schoß und erhebe mich vom Ledersofa. Ich sehe mich in meinem Loft um. Mindestens zweihundert Leute haben sich eingefunden und feiern mit mir den neuesten Triumph. Meine Läufer haben sich unweit von mir zu einem Grüppchen zusammengestellt. Immer wieder blicken sie zu mir. Sie warten auf mein Kommando, um mich in mein Besprechungszimmer zu begleiten.

»Veland, bitte.« Ruby folgt mir und lässt ihre langen Finger an meinem Rücken hinabgleiten. »Dein Koks ist das Beste. Ich verspreche dir, ich mache alles, was du willst.« Sie leckt sich über ihre feuerroten Lippen. Natürlich wird sie alles tun. Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. Doch momentan habe ich keinen Bock auf ihre Gesellschaft, denn mein Geschäft ist mir wichtiger.

»Nicht jetzt!«, knurre ich und sie nimmt sofort Abstand. Auch das habe ich erwartet, dass sie wie ein Hund auf Kommando hört. Niemand würde mir widersprechen oder meine Wünsche infrage stellen. Oder mir Konter geben. Ich reibe mein Kinn, während ich die Gäste beobachte, als mir eine Frau auffällt, die ich noch nie hier gesehen habe. Obwohl sie mir in die Augen blickt und nicht, wie ein verängstigtes Reh reagiert, wirkt sie wie eine Frau, die nicht an diesen Ort gehört. Ihre langen blonden Haare und ihr dezentes Make-up lassen sie brav aussehen. Sie starrt genauso zu mir wie ich zu ihr, aber in ihrem Blick liegt kein Flirtversuch, das erkenne ich sofort. Ob sie eine Polizistin ist und diese Party ausspionieren will? Keine Ahnung, wie lange wir uns mustern. Als sie sich zur Bar abwendet, nicke ich den Läufern zu. Ohne ein Wort zu verlieren, folgen sie mir in mein Besprechungszimmer. Sie wissen, was ich von ihnen erwarte. Zu lange arbeite ich in diesem Geschäft. Genau genommen sieben Jahre. Mit sechzehn habe ich meinen perfekten Kontakt kennengelernt. Ein Typ, der mir zu sehr viel Macht und Ruhm verholfen hat. Damals schon war ich im Drogengeschäft tätig. Mit etwa zehn Läufern, die meine Drogen wie Cannabis und Ecstasy verkauften. Heute sind es fünfzig, doch diese Leute verkaufen nur teilweise direkt an die Konsumenten, die meisten haben ebenso Läufer unter sich. Ich bin an der Spitze der Pyramide. Keiner von ihnen kennt meinen richtigen Namen. Veland Rossdale wurde vor mehr als sieben Jahren geboren. Meinen wahren Namen kennen ausschließlich meine Eltern, aber da wir keinen Kontakt pflegen, gibt es niemanden, der mich wirklich kennt. Sogar dieses Loft habe ich über einen Mittelsmann gekauft. Ich lebe unter dem Radar. Weil ich mein Geld möglichst sauber halten muss, werde ich in Bitcoins bezahlt.

Bevor ich die schwarze Tür hinter mir schließe, blicke ich nochmals zu der blonden Schönheit. Sie kippt ihren Drink auf ex runter. Also von der Polizei wird sie bestimmt nicht sein, ist mein letzter Gedanke, bevor ich die Tür ins Schloss fallen lasse. Meine Läufer machen mir den Weg frei, um in die Mitte des Raumes zu gelangen.

»Jungs, wir haben es geschafft!«, sage ich und gleichzeitig beginnen die Männer zu applaudieren. Mein Besprechungsraum ist schalldicht und abhörsicher, weshalb es mir keine Sorgen bereitet, als ein paar sogar laut pfeifen. Die Männer platzieren sich im Halbkreis vor mir. »New York City ist ab sofort unser Revier. Die Upper Class wird nun exklusiv von uns versorgt. Das ist ein großartiger Erfolg!«

Erneut johlen und applaudieren die Jungs. Sie profitieren genauso von diesem Geschäft wie ich. Der Unterschied ist, wenn einer auffliegt, bin nicht ich es, sondern sie, aber das ist ihnen bewusst. Niemand würde sich trauen, mich bei der Polizei anzuschwärzen, da meine Kontakte weit über die Grenzen New Yorks hinausreichen. Meine Läufer wissen genau, wenn nur einmal mein Name fällt, sind sie tot. Ja, dieses Geschäft ist rau und hart, deshalb werde ich auch »Veland, der King« genannt. Wenn man seine Zugpferde nicht im Griff hat, gehen sie mit einem durch und man landet schneller auf dem Boden, als einem lieb ist.

Wir besprechen unsere weiteren Ziele. Auch wenn Manhattan ein lukratives Pflaster ist, sollten wir über die Grenzen hinaus agieren. Meine Vision steht klar fest: Ich möchte der größte Drogenboss von ganz Amerika werden. Mich interessieren die kleinen Fische nicht. Ich will zu den Stars und Sternchen, den Persönlichkeiten, die wirklich Kohle haben. Den Beginn habe ich vor mehr als drei Jahren gestartet und es wird leicht sein, auch diese Leute für mich zu gewinnen.

»Nächste Woche bin ich zu einer After-Show-Party von der Folen-Gala eingeladen. Dario und Cole werden mich begleiten.«

---ENDE DER LESEPROBE---