Gefährtin der Schatten - Lara Adrian - E-Book

Gefährtin der Schatten E-Book

Lara Adrian

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oder
Beschreibung

Ob Schwerter oder Schusswaffen, es gibt niemanden, der es im Kampf mit Renata aufnehmen kann - egal, ob Mensch oder Vampir. Nur einer ist ihr ebenbürtig: Nikolai, der blonde Vampir. Er stellt Renatas schwer erkämpfte Unabhängigkeit auf eine harte Probe und weckt Gefühle in ihr, die sie noch nie zuvor erlebt hat. Soll sie ihm vertrauen und sich einer Leidenschaft hingeben, die für sie beide Rettung oder Verderben bedeuten kann? Fünfter Roman der begeistert aufgenommenen Romantic Fantasy-Reihe "Midnight Breed" von Bestseller-Autorin Lara Adrian. "Tauchen Sie ein in Lara Adrians Welt der Vampire und lassen Sie sich verzaubern!" J. R. Ward

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 485




GEFÄHRTIN DER

SCHATTEN

Roman

Ins Deutsche übertragen von Katrin Kremmler

Für Lindsey, eine echte „Magnolie aus Stahl“, eine toughe Südstaatenlady mit einem Herzen aus purem Gold.Dieses Buch ist für Dich, in der Hoffnung auf bessere, glücklichere Tage.

Danksagung

Ich werde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass ich so vielen Menschen dankbar bin für das Privileg, jeden Tag aufzuwachen und das tun zu können, was ich wirklich liebe. Meinen Dank meiner fantastischen Agentin Karen Solem und meiner wunderbaren Lektorin Shauna Summers, dass sie meine Bücher in Druck bringen; meinen großartigen Lesern, die dafür sorgen, dass ich weitermachen kann; all den Buchhändlern, Bibliothekaren und Bloggern, die meine Bücher so großzügig weiterempfehlen; meinen Freunden und Angehörigen für ihre Liebe.

Und ganz besonders danke ich meinem Mann, meinem geschätzten Freund und geliebten Partner, dem mein ganzes Herz gehört. Danke Dir für jeden Augenblick unseres gemeinsamen Lebens.

1

Auf der Bühne des höhlenartigen Jazzclubs unter den Straßen von Montreal sang eine Sängerin mit purpurroten Lippen von der Grausamkeit der Liebe. Obwohl ihre laszive Stimme recht angenehm und der Text von Blut, Schmerz und Lust tief empfunden war, hörte Nikolai nicht zu. Er fragte sich, ob sie wusste – ob überhaupt irgendjemand von den Dutzenden von Menschen, die sich in diesem kleinen Club auf engstem Raum aneinanderdrängten, sich darüber im Klaren war, dass sie ihre Atemluft mit Vampiren teilten.

Die beiden jungen Frauen, die auf der Sitzbank in der dunklen Ecke pinkfarbene Martinis kippten, hatten jedenfalls nicht die leiseste Ahnung.

Sie saßen zwischen gleich vier Exemplaren dieser Gattung eingezwängt, eine Gruppe aalglatter junger Männer in Lederklamotten, die versuchten, bei ihnen zu landen – bislang ohne viel Erfolg –, und so taten, als hätten sie den jungen Frauen nicht schon die ganze letzte Viertelstunde gierig auf die Halsschlagader gestarrt. Obwohl sich die jungen Vampire offensichtlich schwer ins Zeug legten, um ihre potenziellen Blutwirtinnen aus dem Club zu locken, kamen sie damit bisher nicht sonderlich weit.

Niko stieß ein spöttisches Schnauben aus.

Amateure.

Er bezahlte sein Bier, ließ es unberührt an der Bar stehen und schlenderte auf den Tisch in der Ecke zu. Als er sich näherte, sah er, wie sich die beiden Frauen mit wackeligen Beinen von der Sitzbank erhoben. Kichernd stolperten sie zusammen auf die Toiletten zu und verschwanden in einem dämmerigen, überfüllten Gang, der aus dem Gastraum hinausführte.

Nikolai ließ sich lässig am Tisch nieder.

„’n Abend, die Damen.“

Die vier Vampire starrten ihn schweigend an, sie erkannten ihn sofort als Angehörigen ihrer Art. Niko hob eines der hohen, lippenstiftverschmierten Martinigläser an seine Nase und schnupperte am Bodensatz des fruchtigen Getränks. Er zog eine Grimasse und schob den Drink zur Seite.

„Menschen“, knurrte er gedehnt. „Wie kriegen die bloß diese Scheiße runter?“

Ein wachsames Schweigen senkte sich über den Tisch, als Nikolais Blick über die vier Stammesvampire glitt, offensichtlich allesamt kultivierte junge Zivilisten. Der größte der vier räusperte sich und sah Niko an. Ohne Zweifel hatte sein Bauchgefühl ihm signalisiert, dass Niko nicht von hier war – und dass er alles andere als zivilisiert war.

Der Junge wollte sich cool geben und zeigte mit seinem Unterlippenbärtchen in Richtung Toilette. „Wir haben sie zuerst gesehen“, murmelte er. „Die Frauen. Wir haben sie zuerst gesehen.“ Wieder räusperte er sich, als wartete er darauf, dass seine drei Kumpane ihm Rückendeckung gaben. Keiner tat es. „Wir waren zuerst da, Mann. Wenn die Mädels wieder an den Tisch zurückkommen, gehen sie mit uns.“

Niko lachte leise über den kläglichen Versuch des jungen Mannes, sein Revier abzustecken. „Denkst du wirklich, ihr wärt mir gewachsen, wenn ich vorhätte, euch die Mädels auszuspannen? Nur die Ruhe, daran habe ich kein Interesse. Ich bin auf Informationen aus.“

Dieselbe Tour hatte er in dieser Nacht schon zweimal durchgespielt, in anderen Clubs, die dafür bekannt waren, dass sich dort Stammesvampire auf der Jagd nach Blut trafen. Nikolai war auf der Suche nach jemandem, der ihm einen Tipp geben konnte, wo sich ein Stammesältester, ein Vampir namens Sergej Jakut, aufhielt.

Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der nicht gefunden werden wollte, und besonders jemanden, der so geheimnisvoll und unstet war wie Jakut. Er war hier in Montreal, da war Nikolai sich sicher. Erst vor einigen Wochen war es ihm endlich gelungen, den öffentlichkeitsscheuen Vampir ans Telefon zu kriegen, um ihn über die Gefahr zu informieren, in der die mächtigsten, seltensten Mitglieder des Stammes schwebten – die etwa zwanzig Stammesvampire der Ersten Generation, die noch lebten.

Jemand verübte gezielte Mordanschläge auf Gen Eins-Vampire. In den letzten Monaten waren schon einige von ihnen ermordet worden, und Niko und seine Waffenbrüder in Boston – ein kleiner Kader bestens ausgebildeter, tödlicher Krieger, der als der Orden bekannt war – hatten es sich zu ihrer wichtigsten Aufgabe gemacht, die ungreifbaren Mörder der Gen Eins aufzuspüren und auszuschalten. Darum hatte der Orden beschlossen, alle verbliebenen Gen Eins zu kontaktieren und zur Zusammenarbeit anzuwerben.

Sergej Jakut war alles andere als begeistert gewesen. Er fürchtete niemanden und hatte seine eigenen Leute, die ihn beschützten. Die Einladung des Ordens, auf eine Krisensitzung nach Boston zu kommen, hatte er abgelehnt. Deshalb war Nikolai nach Montreal beordert worden, um ihn zu überzeugen. Wenn Jakut erst einmal das ganze Ausmaß der Gefahr erkannt hatte, in der sich der Orden und alle Stammesvampire gegenwärtig befanden, würde sich der Gen Eins schon zu ihnen gesellen, da war sich Nikolai sicher.

Aber zuerst musste er diesen gerissenen Hundesohn überhaupt finden.

Bislang hatten seine Erkundigungen in der Stadt nichts gebracht. Geduld war nicht gerade seine Stärke, aber er hatte ja noch die ganze Nacht vor sich und würde weitersuchen. Früher oder später würde ihm jemand die Antwort geben, auf die er wartete. Und auch wenn nicht – wenn er genug herumgefragt hatte, würde Sergej Jakut sich vielleicht selbst bei ihm melden.

„Ich suche jemanden“, sagte Nikolai zu den vier jungen Vampiren. „Einen Vampir aus Russland. Sibirien, um genau zu sein.“

„Daher kommst du also?“, fragte der mit dem Unterlippenbärtchen, offenbar der Sprecher der Gruppe. Ihm war wohl Nikolais leichter Akzent aufgefallen, der sich auch in all den langen Jahren, die er schon beim Orden in den Staaten lebte, noch nicht abgeschliffen hatte.

Nikos gletscherblaue Augen verrieten seine Herkunft nur allzu deutlich. „Kennst du diese Person?“

„Nein, Mann. Kenn ich nicht.“

Auch zwei der anderen schüttelten augenblicklich verneinend den Kopf, aber der vierte junge Mann, der sich mit missmutigem Gesicht tief in die Sitznische gelümmelt hatte, warf Nikolai über den Tisch einen beunruhigten Blick zu.

Niko fixierte ihn. „Und du? Irgendeine Ahnung, von wem ich rede?“

Zuerst dachte er, der Vampir würde nicht antworten. Er sah ihn schweigend und mit verschleiertem Blick an, doch dann, endlich, zuckte der Junge mit den Schultern und stieß einen Fluch aus.

„Sergej Jakut“, murmelte er.

Der Name war kaum zu hören, aber Nikolai hörte ihn. Und am Rand seines Blickfeldes bemerkte er, dass auch eine Frau mit ebenholzfarbenem Haar, die in der Nähe an der Bar saß, ihn gehört hatte. Er sah es daran, wie sich unter ihrem langärmeligen schwarzen Oberteil plötzlich ihr Rücken anspannte und wie ihr Kopf herumfuhr, als besäße allein dieser Name die Macht, ihn zu bewegen.

„Du kennst ihn?“, fragte Nikolai den Stammesvampir, wobei er die Frau an der Bar nicht aus den Augen ließ.

„Nicht persönlich, ich weiß nur, dass es ihn gibt. Er lebt nicht in den Dunklen Häfen“, sagte der Junge. Die Dunklen Häfen, das waren die gesicherten Vampirreservate, in denen der Großteil der Zivilbevölkerung des Vampirvolks in Nordamerika und Europa lebte. „Das ist ein ganz übler Typ, was man so hört.“

Kann man wohl sagen, gab Nikolai stumm zu. „Irgendeine Idee, wo ich ihn finden kann?“

„Nein.“

„Bist du dir sicher?“, fragte Niko und beobachtete, wie die Frau an der Bar von ihrem Hocker glitt und sich anschickte zu gehen. Ihr Cocktailglas war immer noch mehr als halb voll, aber auf die bloße Erwähnung von Jakut hin schien sie es plötzlich sehr eilig zu haben, den Club zu verlassen.

Der junge Vampir schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, wo der Typ zu finden ist.“

Nikolai warf einen Blick über die Schulter und sah, dass die groß gewachsene Schwarzhaarige sich einen Weg nach draußen durch die Menschentrauben an der Bar bahnte. Da drehte sie sich plötzlich um, ihre jadegrünen Augen unter den dunklen Wimpern und dem glänzenden, kinnlangen Haar waren durchdringend. Nikolai bemerkte eine Spur von Angst in ihnen, als sie ihn anblickte, nackte Angst, die sie nicht einmal zu verbergen versuchte.

„Ich fass es nicht“, murmelte Niko.

Sie wusste etwas über Sergej Jakut.

Und anscheinend sogar eine ganze Menge. Dieser entsetzte, panische Blick, als sie sich umdrehte und die Flucht ergriff, sagte alles.

Nikolai ging ihr nach. Er schlängelte sich durch das Menschengetümmel im Club, die Augen auf das seidige, schwarze Haar seiner Beute gerichtet. Die junge Frau war schnell, so flink und wendig wie eine Gazelle, und mit ihren dunklen Kleidern und Haaren verschmolz sie praktisch mit der Umgebung.

Aber Niko war ein Stammesvampir, und es gab keinen Menschen, der einem Angehörigen seiner Spezies davonlaufen konnte. Sie schlüpfte rasch durch die Tür des Clubs und eilte dann hinaus auf die Straße. Nikolai folgte ihr. Sie musste gespürt haben, dass er ihr hart auf den Fersen war, denn sie sah sich hektisch um, um ihren Vorsprung einzuschätzen, und die hellgrünen Augen erfassten ihn wie Laserstrahlen.

Jetzt lief sie schneller, bog um die nächste Hausecke in eine Seitenstraße ein. Keine zwei Sekunden später war auch Niko dort. Er grinste, als er sie nur wenige Meter vor ihm erblickte. Die Gasse zwischen zwei hohen Backsteingebäuden, in die sie hineingerannt war, war eng und dunkel – eine Sackgasse, der Weg abgeschnitten durch einen verbeulten Müllcontainer aus Metall und einen über drei Meter hohen Maschendrahtzaun.

Die junge Frau wirbelte auf ihren überhohen Stiefelabsätzen herum. Sie keuchte heftig, hatte die Augen fest auf ihn gerichtet und beobachtete jede seiner Bewegungen.

Nikolai ging ein paar Schritte in die düstere Seitengasse hinein, dann blieb er stehen, die Hände begütigend ausgebreitet. „Es ist okay“, sagte er zu ihr. „Kein Grund wegzurennen. Ich will nur mit Ihnen reden.“

Sie starrte ihn stumm an.

„Ich will Sie nach Sergej Jakut fragen.“

Es war deutlich zu sehen, wie sie schluckte, ihr glatter weißer Hals dehnte sich.

„Sie kennen ihn doch, nicht wahr?“

Ihr Mundwinkel zuckte, fast unmerklich, aber genug, um ihm zu sagen, dass er richtig lag – sie kannte den öffentlichkeitsscheuen Gen Eins. Ob sie Niko zu ihm führen konnte, war eine andere Frage, aber in diesem Moment war sie seine beste, möglicherweise seine einzige Spur.

„Sagen Sie mir, wo er ist. Ich muss ihn finden.“

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Ihre Füße standen leicht auseinander, als wäre sie kurz davor loszurennen. Niko sah, wie sie fast unmerklich einen Blick auf eine verbeulte Tür zu ihrer Linken warf.

Sie machte einen Satz auf die Tür zu.

Niko zischte einen Fluch und flog ihr nach, mit aller Geschwindigkeit, die ihm zu Gebote stand. Bis sie die Tür in ihren quietschenden Angeln aufgestoßen hatte, stand Niko vor ihr auf der Schwelle und verstellte ihr den Weg in die Dunkelheit auf der anderen Seite. Er lachte leise darüber, wie einfach es war.

„Ich sagte doch, kein Grund wegzulaufen“, wiederholte er und zuckte leicht mit den Schultern, als sie vor ihm zurückwich. Er ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen und folgte ihrem langsamen Rückzug tiefer in die Gasse.

Himmel, sie war atemberaubend. Im Club hatte er nur einen Blick auf sie erhascht, aber jetzt, da er so nah vor ihr stand, erkannte er, dass sie absolut umwerfend war. Groß und gertenschlank unter ihrer hautengen schwarzen Kleidung, mit makelloser milchweißer Haut und strahlenden mandelförmigen Augen. Ihr herzförmiges Gesicht war eine hypnotisierende Kombination von Stärke und Zartheit, ihre Schönheit strahlend und düster zugleich. Nikolai war sich bewusst, dass er sie anstarrte, aber verdammt noch mal, er konnte nichts dagegen tun.

„Reden Sie mit mir“, sagte er. „Sagen Sie mir Ihren Namen.“

Mit einer unbefangenen, harmlosen Bewegung streckte er die Hand nach ihr aus. Er spürte den Adrenalinstoß, der in ihr Blut schoss – roch seinen scharfen, zitrusartigen Duft in der Luft –, aber den perfekten Roundhouse-Kick sah er nicht kommen, bis ihr spitzer Stiefelabsatz ihn voll in die Brust traf.

Verdammt.

Er schwankte, eher überrascht als aus dem Gleichgewicht gebracht.

Diese kurze Atempause war alles, was sie brauchte. Wieder machte die junge Frau einen Satz auf die Tür zu, und dieses Mal gelang es ihr, in dem dunklen Gebäude zu verschwinden, bevor Niko herumwirbeln und sie zurückhalten konnte. Er jagte ihr nach, polterte hinter ihr ins Haus.

Das Gebäude war leer, nur ein weitläufiger nackter Betonboden lag unter seinen Füßen, unverputzte Ziegelmauern und freiliegende Eisenträger umgaben ihn. Eine ungute Vorahnung prickelte ihm im Nacken, als er tiefer in die Dunkelheit rannte, aber der Großteil seiner Aufmerksamkeit galt der jungen Frau, die in der Mitte der leeren Halle stand. Sie starrte ihn drohend an, als er sich ihr näherte, jeder Muskel ihres schlanken Körpers angespannt und bereit zum Angriff.

Nikolai hielt diesem stechenden Blick stand, bis er vor ihr stehen blieb. „Ich werde Ihnen nicht wehtun.“

„Ich weiß.“ Sie lächelte, kräuselte nur andeutungsweise die Lippen. „Die Gelegenheit bekommst du gar nicht.“

Ihre Stimme war samtig, aber das Glitzern in ihren Augen nahm einen kalten Ausdruck an. Ohne Vorwarnung spürte Niko plötzlich ein betäubendes Druckgefühl in seinem Kopf. Ein Hochfrequenzton schrillte in seinen Ohren und schwoll zu unerträglicher Lautstärke an, wurde dann sogar noch lauter. Nikolai spürte, wie die Beine unter ihm nachgaben. Er brach in die Knie, alles verschwamm ihm vor den Augen, und sein Kopf fühlte sich an wie kurz vor dem Platzen.

Entfernt registrierte er das Geräusch von gestiefelten Füßen, die auf ihn zukamen – mehrere Paare, die zu Männern beträchtlicher Größe gehörten, allesamt Vampire. Gedämpfte Stimmen summten über ihm, während er unter dem plötzlichen lähmenden Angriff auf seine Sinne stöhnte.

Es war eine Falle.

Die Schlampe hatte ihn absichtlich hergeführt, weil sie gewusst hatte, dass er ihr folgen würde.

„Das reicht, Renata“, sagte einer der Vampire, der den Raum betreten hatte. „Du kannst ihn jetzt loslassen.“

Auf diesen Befehl ließ der Schmerz in Nikolais Kopf etwas nach. Er sah auf, direkt in das schöne Gesicht seiner Angreiferin, die auf ihn herunterstarrte. Er lag zu ihren Füßen.

„Nehmt ihm die Waffen ab“, sagte sie zu ihren Gefährten. „Wir müssen ihn hier raushaben, bevor seine Kräfte wiederkehren.“

Nikolai stotterte ein paar saftige Flüche in ihre Richtung, aber seine Kehle war wie zugeschnürt, und da ging sie auch schon fort, ihre hohen Absätze klapperten über den kalten Betonboden davon.

2

Renata konnte gar nicht schnell genug aus dieser Lagerhalle herauskommen. Ihr Magen war in Aufruhr, auf Stirn und Nacken brach ihr kalter Schweiß aus. Sie lechzte nach der frischen Nachtluft, als wäre sie kurz vor dem Ersticken, aber sie behielt ihren gleichmäßigen, entschlossenen Schritt bei. Einzig ihre zu Fäusten geballten Hände ließen erkennen, dass sie alles andere als ruhig und gesammelt war.

So war es immer bei ihr – das waren die üblichen Nachwirkungen, wenn sie sich ihrer übersinnlichen, lähmenden Macht bediente.

Als sie endlich allein draußen in der Gasse war, nahm sie hastig ein paar tiefe Atemzüge. Der Sauerstoff kühlte ihre brennende Kehle, aber das war auch alles, was sie tun konnte, um sich nicht vor Schmerzen zu krümmen, die ihr jetzt wie eine feurige Flut durch die Glieder schossen, bis in ihr tiefstes Inneres hinein.

„Verdammt“, murmelte sie in die leere Dunkelheit und wiegte sich ein wenig auf ihren hohen Absätzen. Sie atmete noch ein paarmal tief ein, starrte auf den schwarzen Asphalt unter ihren Füßen und konzentrierte sich einfach nur darauf, nicht ohnmächtig zu werden.

Hinter ihr ertönte aus der Lagerhalle das rasche, schwere Schlurfen von gestiefelten Füßen. Bei dem Geräusch hob sie ruckartig den Kopf und zwang sich zu einem Ausdruck kühler Gleichmut auf ihrem erhitzten, angespannten Gesicht.

„Seid vorsichtig bei ihm“, sagte sie und sah auf den schlaffen Körper des riesigen, halb bewusstlosen Mannes hinunter, den sie außer Gefecht gesetzt hatte und den nun die vier Wachen, ihre Kollegen, aus der Halle schleppten wie erlegtes Wild. „Wo sind seine Waffen?“

„Fang auf.“

Beinahe ohne Vorwarnung kam ein schwarzer Lederbeutel auf sie zugeflogen, geworfen von Alexej, dem Anführer der heutigen Einsatztruppe. Das hämische Grinsen in seinem schmalen Gesicht, als der schwere Lederbeutel, der voller Metall war, gegen ihre Brust krachte, entging ihr nicht. Der heftige Aufprall fühlte sich an, als bohrten sich tausend Nägel in ihre empfindliche Haut und Muskeln, aber sie fing den Beutel ohne den geringsten Schmerzenslaut auf und hängte sich den langen Lederriemen über die Schulter.

Aber Lex wusste es. Er kannte ihre Schwächen und sorgte dafür, dass sie das nie vergaß.

Im Gegensatz zu ihr waren Alex und ihre anderen Begleiter Vampire – Stammesvampire, jeder von ihnen. So wie auch ihr Gefangener einer sein musste, dachte Renata. Das hatte sie schon gespürt, als sie ihn vorhin im Club gesehen hatte, und ihr Verdacht hatte sich schon dadurch bestätigt, dass sie fähig war, ihn mithilfe ihrer mentalen Kräfte unschädlich zu machen. Ihre übernatürliche Gabe war beeindruckend, hatte aber auch ihre Grenzen. Sie funktionierte nur bei Stammesvampiren; den einfacheren menschlichen Gehirnzellen konnte der Hochfrequenzstrahl, den sie nur durch einen kurzen Augenblick der Konzentration mental aussenden konnte, nichts anhaben.

Sie selbst war ein Mensch, wenn auch von Geburt an ein wenig anders als das übliche Standardmodell Homosapiens. Für Lex und seine Spezies war sie eine Stammesgefährtin, eine der wenigen Menschenfrauen, die von Geburt an nicht nur einzigartige übersinnliche Fähigkeiten besaßen, sondern sich auch, was noch seltener war, mit dem Stamm fortpflanzen konnten. Das Trinken von Stammesblut verstärkte ihre Fähigkeiten sogar noch und verlieh den Frauen Langlebigkeit. Eine Stammesgefährtin konnte Hunderte von Jahren alt werden, wenn sie regelmäßig Nahrung aus den Venen eines Vampirs zu sich nahm.

Bis vor zwei Jahren hatte Renata keine Ahnung gehabt, warum sie so anders war als alle anderen Menschen, die sie kannte, oder wohin sie eigentlich gehörte. Aber nachdem sie Sergej Jakut über den Weg gelaufen war, wusste sie schnell Bescheid. Er war der Grund dafür, dass sie, Lex und die anderen heute Nacht Wache standen und in der Stadt patrouillierten, auf der Suche nach dem Mann, der nach dem öffentlichkeitsscheuen Jakut herumgefragt hatte.

Dieser Stammesvampir, den Renata im Jazzclub entdeckt hatte, war die ganze Nacht über bei seinen Nachforschungen so unvorsichtig vorgegangen, dass sie sich fragen musste, ob er Sergej Jakut absichtlich dazu bringen wollte, von selbst zu ihm zu kommen. Wenn das der Fall war, musste der Typ entweder ein Idiot oder lebensmüde sein oder beides. Die Antwort auf diese Frage würde sie schon sehr bald haben.

Renata zog ihr Handy heraus, klappte es auf und drückte die Kurzwahltaste der ersten abgespeicherten Nummer. „Wir haben einen“, verkündete sie, als die Verbindung zustande kam. Sie gab ihren Standort an, dann klappte sie das Handy wieder zu und steckte es ein. Mit einem Blick dorthin, wo Alexej und die anderen Wachen mit ihrem bewusstlosen Gefangenen stehen geblieben waren, sagte sie: „Der Wagen ist unterwegs. Sollte in etwa zwei Minuten hier sein.“

„Lasst diesen Sack voll Scheiße fallen“, befahl Lex seinen Männern. Sie lockerten ihren Griff, und der Körper des Vampirs fiel mit einem schweren Rums auf den Asphalt. Mit in die Hüften gestemmten Händen, die seine Pistolenholster und ein riesiges Jagdmesser, das in einer Scheide an seinem Gürtel steckte, förmlich einrahmten, sah Lex auf das bewusstlose Gesicht des Vampirs zu seinen Füßen hinunter. Er sog die Luft mit einem scharfen, geringschätzigen Atemzug ein, dann spuckte er aus und verfehlte dabei nur knapp den messerscharfen Wangenknochen unter ihm. Die schaumige weiße Speichelschliere landete mit einem nassen Platschen auf dem dunklen Asphalt, keinen Zentimeter von dem blonden Kopf des Mannes entfernt.

Als Alexej wieder aufsah, lag ein hartes Glitzern in seinen dunklen Augen. „Vielleicht sollten wir ihn töten.“

Einer der anderen Wächter lachte leise, aber Renata wusste, dass Lex keine Witze machte. „Sergejs Befehl war, ihn reinzubringen.“

Alexej stieß ein spöttisches Schnauben aus. „Damit seine Feinde wieder eine Chance haben, sich seinen Kopf zu holen?“

„Wir wissen nicht, ob dieser Mann etwas mit dem Anschlag zu tun hatte.“

„Können wir da so sicher sein?“ Alexej drehte sich um und starrte Renata ungerührt an. „Von jetzt an traue ich niemandem mehr. Man sollte doch meinen, du würdest Sergejs Sicherheit genauso wenig aufs Spiel setzen wollen wie ich.“

„Ich führe Befehle aus“, erwiderte sie. „Sergej hat uns aufgetragen, jeden zu finden, der sich in der Stadt nach ihm erkundigt, und ihn zum Verhör zu bringen. Das werde ich auch tun.“

Lex’ Augen unter seinen scharfen, dunklen Brauen wurden schmal. „Na gut“, sagte er, doch seine Stimme war zu ruhig, zu gleichmütig. „Du hast recht, Renata. Wir haben unsere Befehle. Wir werden ihn abliefern, wie du sagst. Aber was machen wir, solange wir hier draußen auf den Wagen warten?“

Renata starrte ihn an und fragte sich, worauf er hinauswollte. Lex schlenderte um den bewusstlosen Stammesvampir herum und trat ihn mit dem Stiefel prüfend in die ungeschützten Rippen. Keine Reaktion. Nur der Brustkorb des Mannes hob und senkte sich weiter schwach bei jedem Atemzug.

Alexej kräuselte die Lippen zu einem höhnischen Grinsen, als er den anderen Männern mit dem Kinn ein Zeichen gab. „Meine Stiefel sind dreckig. Vielleicht macht dieser nutzlose Müllhaufen sie mir sauber, während wir warten, was?“

Als seine Gefährten aufmunternd glucksten, hob Lex einen Fuß und ließ ihn über dem reglosen Gesicht des Gefangenen schweben.

„Lex …“, setzte Renata an, wohl wissend, dass er sowieso nicht auf sie hören würde, wenn sie versuchte, ihn davon abzuhalten. Aber genau in diesem Moment fiel ihr an dem blonden Mann dort am Boden etwas Seltsames auf. Er atmete flach und gleichmäßig, seine Glieder waren reglos, aber sein Gesicht … er hielt zu still, auch wenn er bewusstlos war. Und das war er nicht.

Im nächsten Sekundenbruchteil war es Renata ganz klar: Der Mann war hellwach. Hellwach und sich völlig bewusst darüber, was um ihn herum vorging.

Oh, Himmel noch mal.

Jetzt kicherte Alexej leise und ließ sein Bein sinken, senkte seine dicke Stiefelsohle auf das Gesicht des Mannes.

„Lex, warte! Er ist nicht …“

Nichts, was sie hätte sagen können, hätte irgendetwas an dem Chaos geändert, das nun um sie herum ausbrach.

Lex war noch mitten in der Bewegung, als der Mann die Hände hochriss, ihn am Knöchel packte wie eine Schraubzwinge und diesen ruckartig verdrehte. Schon flog Lex von ihm herunter und heulte schmerzerfüllt auf, als er zu Boden fiel. Keine Sekunde war vergangen, als sich der Mann so kraftvoll und geschmeidig auf die Füße gerollt hatte, wie Renata es noch bei keinem anderen Kämpfer gesehen hatte.

Und verdammte Scheiße – er hatte Lex’ Pistole.

Renata ließ den sperrigen Ledersack fallen und griff hastig nach ihrer eigenen Waffe, einer .45er, die sie verdeckt in einem Schulterholster trug. Nach der geistigen Anstrengung von vorhin waren ihre Finger immer noch träge, und einer der anderen Wächter reagierte, bevor sie ihre Waffe ziehen konnte. Er ballerte eine hastige Salve ab und verfehlte sein Ziel um ganze fünfzehn Zentimeter.

Und schneller, als sie alle folgen konnten, erwiderte der eben noch Gefangene das Feuer und jagte dem Wächter eine Kugel direkt in die Stirn. Einer von Sergej Jakuts handverlesenen, altgedienten Bodyguards sank leblos auf dem Asphalt zusammen.

Oh, Herr im Himmel, dachte Renata in wachsender Sorge, als die Situation zusehends außer Kontrolle geriet. Hatte Alexej womöglich recht gehabt? War dieser Stammesvampir derselbe Auftragskiller, der schon früher versucht hatte zuzuschlagen?

„Wer ist der Nächste?“, fragte er, einen Fuß in Lex’ Lendenwirbelsäule gerammt, während er die Waffe kühl zwischen den anderen beiden Wächtern und Renata hin und her schwenkte. „Was, jetzt traut sich plötzlich keiner mehr?“

„Bringt den Hurensohn um!“, brüllte Lex und wand sich wie ein gefangenes Insekt unter dem schweren Stiefel, der ihn zu Boden gedrückt hielt. Seine Wange an den Asphalt gequetscht, die Fangzähne vor Wut ausgefahren, blitzte Lex Renata und seine Männer wütend an. „Blast ihm doch das Hirn raus, gottverdammt!“

Noch bevor Alexej den Befehl ganz aussprechen konnte, wurde er wieder auf die Füße gerissen. Er schrie auf, als sein Gewicht auf seinem verletzten Knöchel lastete. Als ihm der Lauf seiner eigenen Waffe hinters Ohr gedrückt wurde, wurden seine bernsteinfarbenen Augen von nackter Panik erfüllt. Sein Bezwinger dagegen war so ruhig und unbewegt, wie man nur sein konnte.

Oh heilige Muttergottes!

Mit wem hatten sie es nur zu tun?

„Ihr habt ihn gehört“, sagte der Mann, der Lex überwältigt hatte. Seine Stimme war tief und gelassen, sein Blick durchdringend, sogar im Dunkeln. Er starrte Renata an. „Na los doch, wenn einer von euch die Eier dazu hat. Aber wenn ihr lieber nicht wollt, dass ich sein Hirn an dieser Hauswand verspritze, schlage ich vor, ihr lasst die Waffen fallen. Schön ruhig auf den Boden legen.“

Neben sich in der Gasse registrierte Renata das leise Grunzen und Schniefen der Stammesvampire. Jeder für sich war körperlich viel stärker als sie selbst; zusammen konnten sie Lex’ Angreifer vielleicht überwältigen. Jedoch schien keiner von ihnen Lust zu haben, das herauszufinden. Ein leises metallisches Klicken ertönte, als eine Waffe vorsichtig auf den Asphalt gelegt wurde. Nun blieb ihr nur noch ein Wächter als Rückendeckung. Eine Sekunde später legte auch er seine Waffe nieder. Beide Vampire zogen sich langsam ein paar Schritte zurück, gaben sich wachsam schweigend geschlagen.

Und nun stand Renata dieser unerwarteten Gefahr allein gegenüber.

Das war auch ihm klar. Mit gebleckten Zähnen warf er ihr die Andeutung eines Lächelns zu. Die Spitzen seiner Fangzähne begannen auszufahren. Das zeigte nur allzu deutlich, dass er stinksauer war, ebenso wie das bernsteinfarbene Licht, das seine Augen erfüllte, während er begann, die typischen Züge der Stammesvampire anzunehmen. Sein Lächeln wurde so breit, dass sich unter seinen rasiermesserscharfen Wangenknochen Grübchen bildeten. „Sieht so aus, als wären jetzt nur noch wir beide übrig, Schätzchen. Meine Bitte wird nicht höflicher werden, wenn du mich noch länger warten lässt. Leg deine verdammte Waffe hin, oder ich mach ihn alle.“

Renata überdachte kurz ihre Möglichkeiten – die wenigen, die ihr in diesem Augenblick noch blieben. Ihr Körper war immer noch so roh wie ein freiliegender Nerv, die Nachwirkungen der geistigen Kraftanstrengung quälten sie immer noch, warfen sie fast um. Sie konnte einen erneuten Angriff auf seine Sinne versuchen, aber sie wusste, dass ihre Reserven dafür schon nicht mehr ausreichen würden. Selbst wenn sie all ihre Kräfte zusammennahm, wäre ihr Angriff nicht stark genug, um ihn noch einmal außer Gefecht zu setzen. Und wenn sie sich erst einmal so verausgabt hatte, konnte sie niemandem mehr nutzen.

Die andere Möglichkeit war ähnlich riskant. Normalerweise war sie ein erstklassiger Schütze, mit schnellen Reflexen, eine treffsichere Scharfschützin, aber auf diese Fähigkeiten konnte sie nicht zählen, wenn der größte Teil ihrer Konzentration völlig davon in Anspruch genommen wurde, einfach nur ihre Glieder und Finger zum Funktionieren zu bringen. Was sie auch tat, momentan standen die Chancen recht gering, dass Alexej heil aus dieser Sache herauskam. Zur Hölle, die Chancen, dass sie oder die anderen heil hier rauskamen, lagen praktisch bei Null.

Dieser Stammesvampir hatte alle Trümpfe in der Hand, und der Ausdruck in seinen Augen, als er sie beobachtete und darauf wartete, dass sie über ihr weiteres Schicksal entschied, zeigte nur zu deutlich, dass er sich in seiner Machtposition äußerst wohlfühlte. Er hatte Renata, Lex und den Rest von ihnen genau dort, wo er sie haben wollte.

Aber verdammt noch mal, sie würde sich nicht kampflos ergeben.

Renata holte Luft, um sich zu sammeln, dann zog sie ihre Waffe aus dem Schulterholster und richtete sie auf ihn. Ein wilder Schmerz durchfuhr ihre Arme vor lauter Anstrengung, sie auszustrecken und ruhig zu halten, aber Renata kümmerte sich einen Dreck darum, schob den Schmerz beiseite.

Sie entsicherte die Waffe. „Lass ihn los. Jetzt.“

Die Mündung von Lex’ Waffe blieb, wo sie war, fest hinter sein rechtes Ohr gerammt. „Du denkst doch nicht im Ernst, dass wir hier verhandeln? Waffe fallen lassen. Sofort.“

Er stand Renata genau in der Schusslinie, aber Lex stand in seiner. Und sein klarer Vorteil war seine übermenschliche Schnelligkeit. Er würde ihrer Kugel sicher ausweichen können, sobald er sie auf sich zukommen sah. Und selbst wenn sie in Bestform war, würde es einen Sekundenbruchteil dauern, bis sich die nächste Kugel in die Kammer schob. Jede Menge Gelegenheit für ihn, selbst das Feuer zu eröffnen, ob er Lex nun zuerst erschoss oder erst nachdem er sie ausgeschaltet hatte. In nur einer Sekunde hätte er sie alle voll Blei gepumpt. Dieser Mann war ein Stammesvampir; mit seinem beschleunigten Stoffwechsel und den außergewöhnlichen Wundheilungskräften hatte er eine gute Chance, eine Schusswunde zu überleben, aber sie? Sie sah dem sicheren Tod ins Auge.

„Hast du ein Problem mit mir persönlich, oder ist er es, den du heute Nacht tot sehen willst? Vielleicht hasst du einfach alles mit einem Schwanz dran, ist es das?“

Obwohl sie ihn fest im Visier hatte, war sein Tonfall lässig, als spielte er nur mit ihr. Als nähme er sie überhaupt nicht ernst. Der arrogante Scheißkerl. Sie antwortete nicht, sondern spannte nur den Hahn der Waffe und legte ihren Zeigefinger leicht auf den Abzug.

„Lass ihn gehen. Wir wollen keinen Ärger mit dir.“

„Bisschen zu spät dafür, meinst du nicht? Ihr seid gerade dabei, Riesenärger zu kriegen.“

Renata verzog keine Miene. Sie wagte nicht einmal zu blinzeln, aus Angst, dass dieser Mann das als Schwäche interpretieren und entsprechend reagieren würde.

Jetzt zitterte Lex heftig, sein Gesicht war schweißüberströmt. „Renata“, keuchte er, aber sie war sich nicht sicher, was er ihr damit sagen wollte. Dass sie sich ergeben oder dass sie den Treffer ihres Lebens landen sollte? „Renata … verdammt noch mal …“

Sie zielte weiter unbeirrt auf Alexejs Bezwinger, ihre Ellbogen durchgedrückt, die Waffe fest in beiden Händen. Eine leichte Sommerbrise erhob sich, und der weiche Luftzug schnitt über ihre hochempfindliche Haut wie Glasscherben. In der Ferne konnte sie das Knallen des Feuerwerks vom großen Finale des Festivals am Wochenende hören, die gedämpften Explosionen vibrierten wie Donner in ihren schmerzenden Knochen. Verkehr rauschte auf der Straße vor der Gasse vorbei, Bremsen kreischten, Motoren stießen eine Übelkeit erregende Mischung von Abgasdämpfen, erhitztem Gummi und verbranntem Öl aus.

„Wie lange willst du das noch hinziehen, Schätzchen? Weißt du, Geduld ist nicht meine Stärke.“ Sein Tonfall war beiläufig, aber die Drohung hätte nicht deutlicher sein können. Er spannte den Hahn seiner Waffe, bereit, die Nacht zu ihrem blutigen Ende zu bringen. „Gib mir einen guten Grund, warum ich diesem Arschloch nicht das Hirn voller Blei pumpen soll.“

„Weil er mein Sohn ist.“ Die tiefe Männerstimme kam aus halber Höhe der düsteren Gasse. Keinerlei Emotion schwang in diesen Worten mit, aber sie klangen bedrohlich und wurden mit einem starken Akzent gesprochen – dem kalten, kehligen Tonfall von Sergej Jakuts sibirischer Heimat.

3

Nikolai warf den Kopf herum und sah, wie sich Sergej Jakut in der schmalen Gasse näherte. Der Gen Eins-Vampir ging vor zwei nervös wirkenden Bodyguards her, sein starrer, unerschrockener Blick glitt lässig von Niko zu dem Stammesvampir, den er immer noch mit vorgehaltener Waffe bedrohte. Niko nickte ihm grüßend zu, sicherte die Pistole wieder und ließ sie langsam sinken. Sobald er seinen Griff lockerte, schüttelte Jakuts Sohn ihn mit einem geknurrten Fluch ab und brachte sich schnell außer Reichweite.

„Unverschämter Mistkerl“, knurrte er giftig. Er platzte fast vor Wut, jetzt, da er sich in sicherer Entfernung befand. „Ich habe Renata gesagt, dass der Kerl gefährlich ist, aber sie wollte nicht auf mich hören. Lass ihn mich für dich umlegen, Vater. Er soll krepieren wie ein Hund.“

Jakut nahm weder von seiner Bitte noch von seiner Anwesenheit überhaupt irgendeine Notiz und schritt stattdessen schweigend auf Nikolai zu, der abwartend dastand.

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