Versprechen der Nacht - Lara Adrian - E-Book

Versprechen der Nacht E-Book

Lara Adrian

4,5
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oder
Beschreibung

Als die Studentin Savannah in der Bibliothek ihrer Universität ein dreihundert Jahre altes Schwert berührt, sieht sie in einer Vision einen hellhaarigen Krieger, der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Am nächsten Abend wird ihre Mitbewohnerin ermordet und das Schwert gestohlen. Als Savannah kurz darauf von einer unmenschlichen Kreatur angegriffen wird, rettet ihr der geheimnisvolle Gideon das Leben, der ihr seltsam bekannt vorkommt ... Inklusive der romantisch-feurigen Gestaltwandler-Story "Nightdrake" sowie einer Leseprobe aus Band 12 "Kriegerin der Schatten" der Midnight-Breed-Reihe von Bestseller-Autorin Lara Adrian. Die Novelle "Versprechen der Nacht" erschien bereits bei LYX in dem Kompendium "Midnight Breed - Alles über Lara Adrians Stammesvampire"

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 242




LARA ADRIAN

Versprechen der Nacht

Ins Deutsche übertragen von

Katrin Kremmler

1

Boston University,

Oktober 1974

Savannah Dupree drehte die silberne Urne in ihren behandschuhten Händen und studierte deren kunstvolle Gravierungen durch die bläuliche Patina des zweihundert Jahre alten Kunstwerks. Das in das polierte Silber getriebene Blumenmotiv deutete auf den Stil des Rokoko aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hin, und doch war das Muster eher dezent, viel schlichter als auf den meisten vergleichbaren Beispielen in den Nachschlagewerken, die offen vor ihr auf dem Tisch im Seminarraum lagen.

Savannah zog einen ihrer weichen weißen Baumwollhandschuhe aus, die die Urne während der Untersuchung vor Fettrückständen der Haut schützen sollten, und griff nach einem der Bücher. Sie blätterte durch mehrere Seiten Fotos von Kunstobjekten, Trinkgefäßen, Serviertellern und Schnupftabakdosen aus Italien, England und Frankreich und verglich deren aufwendigere Verzierungen mit denen der Urne, die sie zu katalogisieren versuchte. Sie und die drei anderen Kunstgeschichtsstudentinnen im ersten Studienjahr, die mit ihr zusammen in diesem Archivraum der Universität saßen, waren von Professor Keaton ausgesucht worden, um Pluspunkte in seinem Seminar zu sammeln, indem sie ihm bei der Inventarisierung und Analyse von kolonialen Möbelstücken und Kunstgegenständen aus einem kürzlich gespendeten Nachlass zur Hand gingen.

Sie war nicht blind gegenüber der Tatsache, dass der unverheiratete Professor für sein Spezialprojekt außerhalb der regulären Unterrichtszeit nur Studentinnen ausgewählt hatte. Savannahs Mitbewohnerin Rachel war, als die Wahl auf sie gefallen war, förmlich ausgeflippt vor Begeisterung. Aber sie hatte auch seit der ersten Semesterwoche um Keatons Aufmerksamkeit gebuhlt. Und war definitiv bemerkt worden. Savannah sah zur Bürotür des Professors hinüber, wo der dunkelhaarige Mann gerade telefonierend am Fenster stand und dabei mit nur allzu offensichtlichem Interesse die hübsche, rothaarige Rachel in ihrem engen, tief ausgeschnittenen Pullover und dem ultrakurzen Mini begaffte.

»Ist er nicht ein scharfer Hund?«, flüsterte sie Savannah zu, und ihre vielen dünnen Metallarmreifen klirrten melodisch, als sie die Hand hob, um sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr zu streichen. »Könnte doch glatt Burt Reynolds’ Bruder sein, findest du nicht auch?«

Savannah runzelte skeptisch die Stirn. Sie sah zu dem schlanken Mann mit dem schulterlangen Haar und dem wilden Schnauzer hinüber.

Er trug einen hellbraunen Cordanzug und ein Satinhemd mit offenem Kragen, aus dem dunkles Brusthaar quoll; darin glitzerte ein Kettenanhänger mit seinem Sternzeichen. Hip oder nicht, der Look ließ Savannah absolut kalt. »Tut mir leid, Rach. Ich seh’s nicht. Nur wenn Burt Reynolds einen Bruder im Pornobusiness hat. Und er ist zu alt für dich. Menschenskind, der ist doch fast vierzig!«

»Halt die Klappe! Ich finde ihn süß«, kicherte Rachel, verschränkte die Arme unter den Brüsten und warf ihren Kopf schwungvoll in den Nacken. Prompt lehnte Professor Keaton sich noch näher an die Scheibe, jetzt sabberte er fast. »Ich geh ihn mal fragen, ob er nicht einen Blick auf meine Arbeit werfen will. Vielleicht bittet er mich ja, nach der Uni noch dazubleiben und seine Radiergummis zu sortieren oder so.«

»Mhmmm. Oder so«, meinte Savannah gedehnt und schüttelte lächelnd den Kopf, als Rachel mit den Augenbrauen wackelte und dann zu dem Büro des Professors herüberstolzierte. Savannah, die mit einem Vollstipendium und der höchsten Punktzahl beim Zulassungstest von zweiundzwanzig Kommunen in South Central Louisiana an die Uni von Boston gekommen war, hatte es eigentlich nicht nötig, ihre Noten aufzubessern. Dass sie dieses Extra-Studienprojekt angenommen hatte, lag nur an ihrem unstillbaren akademischen Wissensdurst.

Wieder sah sie die Urne an, dann holte sie sich einen anderen Katalog mit Londoner Silberwaren der Kolonialzeit und verglich das Stück mit den dort aufgeführten. In ihrer ursprünglichen Einschätzung unsicher geworden, nahm sie ihren Bleistift und radierte aus, was sie schon in ihr Notizbuch geschrieben hatte. Die Urne war nicht aus England. Amerikanisch, korrigierte sie. Wahrscheinlich in New York oder Philadelphia hergestellt. Oder deutete die Schlichtheit des Rokokomusters doch eher auf die Arbeit eines Kunsthandwerkers aus Boston hin?

Savannah stieß einen leisen Seufzer aus, frustriert darüber, wie langweilig und ungenau diese Arbeit letztendlich war. Schließlich gab es dafür eine bessere Methode.

Sie kannte eine viel effizientere, akkuratere Möglichkeit, um die Herkunftsfrage dieser alten Kunstschätze zu klären und all ihre verborgenen Geheimnisse offenzulegen. Aber sie konnte hier nicht anfangen, alles mit bloßen Händen anzufassen. Nicht mit Professor Keaton in seinem Büro nur ein paar Meter weiter. Nicht während ihre beiden anderen Kommilitoninnen mit ihr um den Tisch versammelt waren und ihre eigenen Stücke aus der Sammlung abarbeiteten. Sie konnte nicht riskieren, ihre besondere Gabe, die ihr in die Wiege gelegt worden war, hier zu benutzen.

Nein, diesen Teil von sich hatte sie zu Hause in Acadiana zurückgelassen. Sie würde hier in Boston niemandem Anlass geben, sie für irgend so eine dubiose Voodoo-Spinnerin zu halten. In der überwiegend weißen Studentenschaft fiel sie schon genug auf. Sie wollte niemanden wissen lassen, wie seltsam sie wirklich war. Außer ihrer einzigen lebenden Verwandten, ihrer älteren Schwester Amelie, wusste niemand von Savannahs übersinnlicher Gabe, und wenn es nach ihr ging, sollte es auch so bleiben.

So sehr sie Amelie auch liebte, so war Savannah doch froh gewesen, den Sumpf Louisianas hinter sich zu lassen und ihren eigenen Weg im Leben zu finden. Einem normalen Leben. Einem, das nicht in den Sümpfen verwurzelt war, mit einer, soweit Savannah sich erinnern konnte, extrem exzentrischen Cajun-Mutter und einem Vagabunden als Vater, der sich ihr ganzes Leben lang nie hatte blicken lassen und von dem man laut Amelie so gut wie gar nichts wusste.

Ohne Amelie, die sie praktisch aufgezogen hatte, hätte Savannah niemanden gehabt. Sie fühlte sich immer noch irgendwie fehl am Platz in der Welt, verloren und auf der Suche, abseits von allen anderen um sie herum. Solange sie denken konnte, hatte sie sich immer … anders gefühlt.

Wahrscheinlich war sie deshalb so entschlossen, ihr Leben normal zu gestalten.

Sie hatte gehofft, wenn sie gleich nach der Highschool wegzog und an die Uni ging, würde sie endlich ein Ziel haben. Ein Gefühl von Zugehörigkeit und Richtung. Sie hatte die Maximalanzahl an Kursen belegt, und ihre Abende und Wochenenden verbrachte sie mit einem Teilzeitjob an der Boston Public Library.

Oh, Scheiße.

Einem Job, zu dem sie zu spät kommen würde, wie sie jetzt erkannte, als sie zur Uhr an der Wand aufsah. Ihre Vier-Uhr-Schicht in der Bibliothek begann in zwanzig Minuten – kaum noch genug Zeit, auch wenn sie hier jetzt alles stehen und liegen ließ und dann quer durch die Stadt raste.

Savannah klappte ihr Notizbuch zu und räumte hastig ihren Arbeitsbereich auf dem Tisch auf. Sie nahm die Urne mit ihren behandschuhten Händen und trug das Stück zurück in den Lagerraum, wo der Rest der katalogisierten Möbel und Kunstobjekte der gespendeten Sammlung aufbewahrt wurde.

Als sie das Silbergefäß ins Regal stellte und ihre Handschuhe auszog, fiel ihr in einer dämmrigen Ecke des Raumes etwas ins Auge. Eine lange, schmale Kiste stand dort gegen die Wand gelehnt, teilweise von einem aufgerollten antiken Teppich verdeckt.

War ihr und den anderen Studentinnen da etwa ein Stück entgangen?

Sie ging hinüber, um es sich genauer anzusehen. Hinter der Teppichrolle stand eine alte Holzkiste. Etwa einen Meter fünfzig lang und unspektakulär, außer der Tatsache, dass sie nicht bei den anderen Stücken, sondern offenbar absichtlich auf die Seite gestellt worden war. Versteckt.

Was war das?

Savannah schob mühsam die schwere, starre Teppichrolle zur Seite. Als sie sie gegen die Wand lehnte, stieß diese gegen die Holzkiste. Die wiederum kippte nach vorne und drohte zu Boden zu fallen.

Panisch hechtete Savannah mit ausgestreckten Armen vor und versuchte mit ganzem Körpereinsatz, den Fall der Kiste zu dämpfen. Als sie sie auffing und von der Wucht des Falles auf die Knie gerissen wurde, sprangen die alten Lederbänder, die die Kiste zusammenhielten, mit einem leisen Knallgeräusch auf.

Kalter, glatter Stahl fiel aus der Kiste direkt in Savannahs ausgestreckte Hände.

Ihre nackten Hände.

Das Metall war kalt an ihren Handflächen. Schwer. Scharf geschliffen. Tödlich.

Erschrocken holte Savannah Luft, konnte sich aber nicht schnell genug bewegen, um die Macht ihrer Gabe zu stoppen, die jetzt in ihr durch die Berührung zum Leben erwachte.

Die Geschichte des Schwertes öffnete sich ihr wie ein Fenster in die Vergangenheit. Ein zufälliger Augenblick, für immer in dem Metall gespeichert, der sich jetzt in lebhaften, wenn auch bruchstückhaften Details vor Savannahs innerem Auge abspielte.

Sie sah einen Mann, der die Waffe im Kampf zückte.

Groß und bedrohlich, mit einer wilden blonden Lockenmähne, starrte er unter einem samtschwarzen, mondhellen Himmel auf einen unsichtbaren Gegner nieder. Seine Haltung war gnadenlos, so grimmig wie der Tod selbst. Durchdringende blaue Augen blitzten durch die schweißnassen Haarsträhnen, die ihm in sein kühnes, kantiges Gesicht fielen.

Der Mann war riesig und breitschultrig, unter dem losen Fall seines ungebleichten Leinenhemdes wölbten sich mächtige Oberarmmuskeln. Glatte Hirschlederhosen spannten sich über seinen mächtigen Schenkeln, als er sich seinem Feind näherte, das Schwert zum Todesstoß gezückt. Wer immer der Mann war, der einst diese tödliche Waffe geschwungen hatte – das war kein neuzeitlicher Dandy, sondern ein Krieger.

Kühn.

Arrogant.

Von gefährlicher, magnetischer Anziehungskraft.

Der Schwertkämpfer näherte sich seinem Ziel, keine Gnade in seinem angespannten Mund, und seine unnachgiebigen blauen Augen waren schmal von einer inneren Wut, die Savannah nicht verstand. Wider all ihre Instinkte regte sich eine dunkle Neugier in ihr.

Wer war dieser Mann?

Woher kam er? Wie hatte er gelebt?

Vor wie vielen Jahrhunderten musste er gestorben sein?

Durch die Linse ihres inneren Auges beobachtete Savannah, wie der Krieger stehen blieb. Er starrte auf den Gegner hinunter, den er jetzt im tödlichen Nahkampf stellte. Sein breiter Mund war schmal und gnadenlos. Er hob seinen Schwertarm.

Und dann ließ er die Waffe in einem raschen, gnadenlosen Todeshieb hinuntersausen.

Savannahs Herz raste, dröhnte wild in ihrer Brust. Sie konnte kaum atmen angesichts der Mischung aus Angst und Faszination, die in ihr wirbelte.

Sie versuchte, das Gesicht des Schwertkämpfers besser zu sehen, aber seine wilde goldene Mähne und die nächtlichen Schatten verbargen es vor ihr.

Und jetzt, wie es so oft bei ihrer Gabe der Fall war, begann die Vision sich aufzulösen. Das Bild zersplitterte in Scherben, die in alle Winde zerstoben.

Sie hatte ihre Gabe nie kontrollieren können, nicht einmal, wenn sie es versucht hatte. Es war eine mächtige Gabe, aber nur sehr schwer fassbar. So war es auch jetzt wieder. Savannah bemühte sich, das Bild festzuhalten, das das Schwert ihr zeigte, aber es entglitt ihr … verblich … verschwand aus ihrer Reichweite.

Als Savannahs Blick sich wieder klärte, löste sie die Finger von der Waffe und starrte auf den polierten Stahl auf ihren offenen Handflächen.

Sie schloss die Augen und versuchte, das Gesicht des Schwertkämpfers aus ihrer Erinnerung hinaufzubeschwören, aber ihr war nur ein ganz schwacher Eindruck geblieben. Und schon bald begann auch dieses Bild, ihr zu entgleiten. Dann war es fort.

Er war fort.

In die Vergangenheit zurückverbannt, wohin er gehörte.

Und doch pulsierte eine einzige, beunruhigende Frage durch ihren Kopf und durch ihre Adern. Sie forderte eine Antwort, die jemals zu bekommen sie wenig Hoffnung hatte.

Wer war er?

2

Von verrottenden Dachbalken regneten Glasscherben und Trümmer in die Dunkelheit herunter, als drei Mitglieder des Patrouillenteams des Ordens durch das verdreckte Oberlicht einer verlassenen Textilfabrik in Chinatown in die Fabrikhalle hinuntersprangen. Als Reaktion auf den Überraschungsangriff von oben stob die Gruppe der wildäugigen, blutsüchtigen Bewohner der alten Ruine auseinander in Deckung.

Die würden nicht weit kommen.

Gideon und seine beiden Mitstreiter hatten ein Mitglied des Roguenestes fast die ganze Nacht verfolgt und auf den besten Zeitpunkt zum Angriff gewartet. Sie hatten sich von dem Blutsauger zu seinem Schlupfwinkel führen lassen, wo der Orden nicht nur dieses eine blutsüchtige Raubtier eliminieren konnte, sondern gleich mehrere. Ein halbes Dutzend, schätzte Gideon auf die Schnelle, als er, Dante und Conlan kurz nach Mitternacht ihren Überraschungsangriff starteten.

Sobald Gideons Stiefelsohlen auf dem müllübersäten Boden landeten, setzte er auch schon einem der fliehenden Rogues nach und packte ihn bei seinem verdreckten Trenchcoat, der ihm wie ein Segel hinterherflatterte. Er warf den Rogue hart zu Boden, den Unterarm in den Nacken der mutierten Kreatur gepresst. Mit der freien Hand griff Gideon nach dem kürzeren seiner beiden Dolche, die einen ständigen Teil seiner Kampfausrüstung bildeten. Die dreißig Zentimeter lange, rasiermesserscharfe, titanbeschichtete Stahlklinge glänzte im schwachen Mondlicht, das vom offenen Dach hereinfiel.

Der Rogue begann wild um sich zu schlagen, fauchte durch die Fänge und versuchte, sich zu befreien. Gideon gab dem Blutsauger keine Chance.

Er ließ den Mantel los, packte den Rogue an seinem struppigen braunen Haar und riss ihm den Kopf nach hinten. Die bernsteingelben Augen des Vampirs glühten wild und unkoordiniert, aus seinem offenen Maul tropfte klebriger Speichel, er knurrte und zischte in der rasenden Wut seiner Blutgier.

Gideon stieß ihm den Dolch in die Kuhle an seinem entblößten Halsansatz.

Allein schon die Klinge bedeutete den sicheren Tod, aber das Titan – ein schnell wirkendes Gift für den verseuchten Blutkreislauf der Rogues – gab ihm den Rest. Der Körper des Vampirs bäumte sich auf, als das Titan in sein Blut drang und seine Zellen von innen heraus zu zerfressen begann. Innerhalb weniger Sekunden hatte er sich in schwelenden Glibber verwandelt, von dem nur ein trockener Aschehaufen übrig blieb. Dann war er ganz verschwunden.

Während das Titan dem Rogue den Garaus machte, fuhr Gideon herum, um die Lage bei den anderen zu checken. Conlan verfolgte einen Blutsauger, der sich auf eine stählerne Laufplanke hoch über dem Boden der Fabrik geflüchtet hatte. Der riesige schottische Krieger warf einen Titandolch nach ihm und schoss ihn damit so unfehlbar ab wie mit einer Kugel.

Einige Meter weiter war Dante in einen Nahkampf mit einem Rogue verwickelt, der so dumm war, zu glauben, dass er gegen den dunkelhaarigen Krieger eine Chance hatte. Dante wich seinen ungedeckten Schlägen ruhig, aber rasch aus, zog dann seine geschwungenen Zwillingsdolche aus ihren Scheiden an seinen Hüften und zog sie dem angreifenden Rogue über die Brust. Der Blutsauger heulte vor Schmerzen auf und brach zu seinen Füßen zusammen.

»Drei ausgeschaltet«, rief Con in seinem kehligen schottischen Dialekt. »Noch drei übrig.«

Gideon nickte seinen Teamgefährten zu. »Zwei sind gerade nach hinten zur Laderampe unterwegs. Lasst die Scheißkerle nicht entkommen.«

Sofort rannten Conlan und Dante in die angegebene Richtung los. Sie zogen seit Jahren unter Gideons Befehl auf Roguejagd, lange genug, um zu wissen, dass sie sich auch im wildesten Kampfgetümmel immer auf seine Anweisungen verlassen konnten.

Gideon steckte seinen kurzen Dolch in die Scheide zurück und zog sein Schwert, die Waffe, die er zu Hause in London getragen hatte, damals, bevor seine Reisen – und sein Schwur – ihn nach Boston geführt hatten, um Lucan Thorne aufzusuchen und sich dem Orden anzuschließen.

Gideon sah sich rasch um, durchsuchte die düsteren Schatten des alten Gebäudes. Sofort hatte er den letzten Rogue entdeckt. Er floh zur westlichen Seite des Gebäudes und blieb dabei immer wieder stehen, offensichtlich auf der Suche nach einem Versteck.

Gideon zoomte auf seine Beute ein, sah sie mit mehr als nur seinen Augen. Er war mit einer viel stärkeren Gabe der Wahrnehmung geboren: der übersinnlichen Fähigkeit, lebende Energiequellen durch feste Masse hindurch zu sehen.

Während der längsten Zeit seines langen Lebens – dreihundertfünfzig Jahre und mehr – war seine Gabe kaum mehr für ihn gewesen als ein cleverer Trick. Ein nutzloses Gesellschaftsspiel, viel weniger wichtig als seine Schwertkünste. Doch seit er dem Orden beigetreten war, hatte er seine übersinnliche Gabe zu einer Waffe geschärft. Eine, die seinem Leben ein neues Ziel gegeben hatte.

Seinen einzigen Lebensinhalt.

Jetzt setzte er diese Gabe ein, um seine aktuelle Zielperson aufzuspüren. Der Rogue, den er jagte, musste den Gedanken aufgegeben haben, ein Versteck zu finden. Jetzt verschwendete der mutierte Vampir keine wertvollen Sekunden mehr mit Pausen, sondern drehte im Gebäude abrupt nach Süden ab.

Durch die Ziegel, das Holz und den Stahl der schützenden Wände beobachtete Gideon, wie die Lichtkugel seiner Energie ihre Richtung änderte und tiefer in die Eingeweide der Fabrikruine wanderte. Gideon folgte ihr geräuschlos und unaufhaltsam. Vorbei an einem Chaos umgestürzter Nähmaschinen und ausgeblichener, ungezieferverseuchter Stoffrollen. Um eine Ecke in einen langen, trümmerübersäten Gang.

Leere Lagerräume und feuchte, dunkle Büroräume gingen von ihm ab. Gideons Opfer war in den Gang geflohen und hatte dann einen tödlichen Fehler begangen. Seine Energiekugel schwebte reglos hinter einer geschlossenen Tür am Ende des Ganges – nur wenige Meter von einem Fenster entfernt, das ihn nach draußen auf die Straße geführt hätte. Wenn die Blutgier dem Vampir nicht seinen Verstand genommen hätte, wäre er entkommen.

Aber der Tod hatte ihn gefunden.

Gideon näherte sich geräuschlos der Tür und blieb vor ihr stehen. Dann trat er sie mit einem brutalen Tritt aus den Angeln.

Der Aufprall warf den Rogue nach hinten auf den Rücken, auf den müllübersäten Boden des Büros. Gideon machte einen Satz, rammte dem mutierten Vampir einen Fuß in die Brust und die Schwertspitze unters Kinn.

»G…Gnade«, knurrte die Bestie, seine Stimme nur ein animalisches Knurren. Gnade war ein Wort, das keine Bedeutung hatte für einen Angehörigen des Stammes, der so rettungslos an die Blutgier verloren war wie diese Kreatur. Das wusste Gideon aus erster Hand. Der Atem des Rogue war sauer, stank nach Krankheit und dem übermäßigen Konsum seiner Droge – Menschenblut. Zäher Schleim rasselte in seiner Kehle, als der Vampir die Lippen von riesigen, gelben Fängen bleckte. »Lass … mich … gehen. Hab … Gnade …«

Gideon starrte unverwandt in die wilden, bernsteinfarbenen Augen. Er sah nur Grausamkeit in ihnen. Er sah Blut und rauchende Trümmer. So bestialische Morde, dass sie ihn immer noch verfolgten.

»Gnade«, zischte der Rogue, während Wut in seinen wilden Augen blitzte.

Mit einer raschen Schulterbewegung stach Gideon tief zu, durchtrennte dem Vampir effizient Hals und Wirbelsäule.

Eine schnelle, schmerzlose Exekution.

Mehr an Gnade war heute Nacht von ihm nicht zu bekommen.

3

Am nächsten Nachmittag war Savannah schon etwas früher im Institut für Kunstgeschichte. Sie hatte kaum erwarten können, ihr letztes Seminar des Tages hinter sich zu haben, und nahm den kürzesten Weg über den Campus, sobald die Einführung in die englische Literatur zu Ende war. Sie rannte die drei Stockwerke zum Archivraum vor dem Büro von Professor Keaton hinauf und sah aufgeregt, dass sie heute die Erste war. Sie warf ihre Büchertasche neben ihren Arbeitstisch und schlüpfte in den Lagerraum, in dem die Gegenstände aufbewahrt wurden, deren Inventarisierung für die Universitätsbestände noch bevorstand.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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