Hitler stahl meinen Onkel - Heribert Schöttker - E-Book

Hitler stahl meinen Onkel E-Book

Heribert Schöttker

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Beschreibung

Werdegang und Tod eines einfachen Soldaten im 2. Weltkrieg, aufgearbeitet anhand alter Feldpostbriefe. Was dachte und fühlte der einfache Soldat im 2. Weltkrieg? Einer, der weder Befehlsgewalt noch Einfluss auf das hatte, was mit ihm geschah? War er ein Nazi, ein Monster oder einfach nur ein junger Mann, dem man seine Zukunft gestohlen hat? Feldpostbriefe an die Heimat, die Mutter und den Bruder zeichnen das Bild eines friedfertigen Jungen, der als Werkzeug einer menschenverachtenden Tötungsmaschinerie missbraucht wurde, um wie viele andere einen sinnlosen Tod zu sterben. Ein Aufruf zum Widerstand gegen Krieg, Faschismus und Ausgrenzung.

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Seitenzahl: 58

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Für Aurelia

Heribert Schöttker

Hitler stahl meinen Onkel

© 2019 Heribert Schöttker

Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-7497-7358-9

Hardcover:

978-3-7497-7359-6

e-Book:

978-3-7497-7360-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Als Oma und Opa noch lebten war ich ein Teenager, hatte das Leben noch vor mir und interessierte mich so gut wie gar nicht für jene dunkle Zeit der deutschen Geschichte, von der man nur alte Schwarzweiß-Aufnahmen sehen konnte, und die darum irgendwo zwischen dem Altertum und dem finsteren Mittelalter zu liegen schien. Ein paar alte Schwarzweiß-Aufnahmen, teilweise nicht größer als Kreditkarten, gab es auch in dem einfachen verglasten Bilderrahmen, der bei Oma und Opa im Wohnzimmer hing, in der gleichen Ecke, in der auch das Fernsehgerät stand, welches Sendungen wie Der blaue Bock oder Einer wird gewinnen ebenfalls in Schwarzweiß wiedergab. Auf einigen der Fotos war mein Onkel Herbert abgebildet, der ältere Bruder meines Vaters, mal mit seinem Akkordeon (dessen Handhabung zu erlernen man mich viele Jahre später nötigte), mal zusammen mit Eltern und Bruder und auch in der Uniform der deutschen Wehrmacht mit dem unsäglichen Symbol des sogenannten tausendjährigen Reiches auf der Armbinde am Jackenärmel. Bilder eines blutjungen, freundlichen Mannes, der gern musizierte und fotografierte.

Herbert ist „gefallen“, war die Information über diesen Jungen, der nicht einmal zwanzig Jahre alt geworden war und der zehn Jahre vor meiner Geburt starb. Weder Oma und Opa noch meine Eltern haben von sich aus wesentlich mehr über diesen Onkel und seine Erlebnisse in Russland berichtet, und ich habe es versäumt, danach zu fragen als es noch möglich war. Erst nachdem meine Mutter starb und meinem Vater folgte, kam ich unerwartet in den Besitz einer größeren Anzahl von Feldpostbriefen, die Herberts letzte Jahre und Monate vor seinem Tod in lückenhaften Momentaufnahmen beleuchten. Leider existieren nur Briefe, die der junge Soldat nach Hause geschrieben hat. Antworten, die seine Mutter ihm an die Ostfront schickte, habe ich leider nicht. So gestaltet sich der postalische Dialog leider sehr einseitig.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, muss das Einzelschicksal von Herbert nicht unbedingt interessieren. Schließlich war er nur einer von vielen tausend anderen heranwachsenden jungen Menschen, denen man die Jugend gestohlen hat, damit sie in einem irrsinnigen, unmenschlichen Krieg sterben, nachdem viele von ihnen anderen Menschen Irrsinniges und Unmenschliches angetan hatten. Es gibt natürlich unzählige Familien, die ebenfalls über alte Feldpostbriefe aus dieser schwarzweißen Zeit verfügen. Mich jedenfalls hat die Beschäftigung mit den Briefen meines Onkels sehr berührt, und ich war von Anfang an entschlossen, sie zu sortieren und zu entziffern, was bei der verwendeten Sütterlinschrift nicht immer ganz leicht war.

Die ersten Feldpostbriefe kommen aus einem Ausbildungslager der Wehrmacht in Xanten, wo mein Onkel als sogenannter „Arbeitsmann“ zunächst das Exerzieren und das sogenannte Schanzen, das Ausheben von Schützengräben, erlernen musste, und wo man den jungen Männer ganz allgemein die passende Ideologie für einen heldenhaften und vaterlandstreuen Soldaten einimpfte. Ich habe die Originalbriefe jeweils den in die lateinische Schrift übertragenen Texten gegenübergestellt. Allerdings habe ich nicht alle Originalbriefe digitalisiert, weil diese ohnehin nur der Illustration dienen.

22.6.1943

Stempel: 24.6.43

Abs.:Arbeitsmann Herbert Schöttker

Xanten 22/6.43

Ihr Lieben!

Bin gut im Reichsarbeitsdienst angekommen. Es ist doch ein ganz anderes Leben als zuhause. Wir bekommen hier zu essen wie in Friedenzeiten. Zeug brauchen wir überhaupt nicht. Wir sind hier ganz neu eingekleidet worden. Eine Uniform nach Maß. Das Wetter ist auch sehr gut. Aber wir sind schon 2 mal im Luftschutzgraben marschiert. Schreiben könnt Ihr unter Feldpost No. 01044

Seid nun recht herzlich gegrüßt von Eurem Sohn Herbert

26.6.1943

Stempel: 27.6.43

Absender: Am Herbert Schöttker

Im Westen, 26/6.43

Liebe Eltern & Bruder.

Wie Ihr schon gelesen habt, geht es mir sehr gut, dieses hoffe ich auch von Euch allen? Es ist doch einmal eine richtige Abwechslung hier. Die werden aus uns schon stramme Knaben machen! Bei dem Essen, was wir bekommen, kann man auch gut exerzieren. Wir können so viel essen, wie wir wollen. An Brot, Marmelade und sonstigen Sachen gibt es hier keine Grenzen. Man versteht hier bloß sein eigenes

Wort. Aus allen Provinzen & Gauen sind wir hier zusammen.

Ich habe mich hier photographieren lassen. Die Bilder sind ja zwar nicht schön, aber selten. Wenn Ihr mal wieder im Luftschutzkeller seid, könnt Ihr mal die Nachbarn von mir grüßen.

Seid nun recht herzlich

gegrüßt von Eurem Sohn

Herbert

Lass Vater an den NS K.K.Sturm schreiben, dass ich im Reichsarbeitsdienst bin.

Ihr könnt dann ja meine Adresse beigeben, da ich ja ein ½ Jahr hierbleiben muss.

Herbert

5.7.1943

Ohne Umschlag

Westen. 5.7.43

Ihr Lieben!

Wieder ist eine schöne Woche verklungen. Es geht mir noch recht gut, was ich auch von Euch hoffe? Jetzt hat man sich hier schon eingelebt, und man möchte gar nicht mehr fort. Wenn auch der Dienst noch ein bisschen streng ist. Aber das hört ja bald auf. Denn wir sind hier mit 20 Mann zu einem Sondertrupp zugeteilt worden & sollen demnächst als Ausbilder die anderen Arbeitsmänner ausbilden.

Am 5.7.43 hat uns der Arbeitsführer besucht. In den nächsten Tagen wird der Reichsarbeitsführer uns besuchen.

Am 18.7. werden wir unseren 1. Ausgang erhalten. Am 1.7. besuchten uns berühmte Filmschauspieler und führten uns ein Fronttheater auf. Das war wieder ein großes Erlebnis für uns. Ist in Ktbg.* nichts Neues? Ist Rudi** schon fort?

Ich will nun für heute schließen

Es grüßt vielmals Euer Sohn Herbert

*Katernberg

**Jüngerer Bruder

25.07.1943

Stempel: 26.7.43

(Postkarte – Schreibmaschine)

Liebe Eltern.

Ich habe noch eine Bitte. Wenn es Euch nicht zu schwerfällt, könnt Ihr mein Accordeon mitbringen. Denn wir haben hier eine Kapelle, da fehle ich noch drin.

Wenn wir alleine ausgehen dürfen, werde ich Euch schon am Bahnhof abholen. Ihr müsst aber früh von hause wegfahren, wenn Ihr frühzeitig hier sein wollt.

Seid nun nochmals herzlichst gegrüßt Herbert

An dieser Stelle sei ein Brief eingeschoben, der offensichtlich von einem Verwandten stammt, einem anderen jungen Mann, der seinen Dienst in der Marine tat. Hier ist von tatsächlichen Kampfhandlungen die Rede, was Herbert in seinen späteren Briefen aus dem Fronteinsatz vermeidet.

24.08.1943

Ohne Umschlag

An Bord, d. 24.8.43

Ihr Lieben!

Habe heute mit bestem Dank Euer Päckchen und das Geld erhalten, worüber ich mich sehr gefreut habe. Ich glaube, dem Rudi gefällt es auch nicht zuhause was? Na, wenn er sich gut schickt, dann geht es ja. Von Herbert habe ich auch schon Post bekommen, wie er schreibt, gefällt es ihm ja ganz gut.

Von unserem Seegefecht am 4.8. habt Ihr doch sicher in den Nachrichten gehört. Es war für uns ein sehr großer Erfolg. Den Tommis haben wir so richtig die Jacke voll gehauen, trotzdem, dass er mit einer Übermacht war. Wir haben 5 englische Schnellboote versenkt und 2 schwer beschädigt. In der Nacht, da war was los. Das Gefecht hat 4 Stunden gedauert. Gesundheitlich geht es mir noch sehr gut, was bei Euch ja auch der Fall ist.