Ist es möglich? - Christian Hennecke - E-Book

Ist es möglich? E-Book

Christian Hennecke

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Beschreibung

Wie findet die Kirche Ihren Weg in die Zukunft und wie kann der christliche Glaube auch morgen lebendig gelebt werden? Christian Hennecke hat sich dazu immer wieder auf Spurensuche begeben und in mehreren vielbeachteten Büchern seine Erfahrungen und Entdeckungen geschildert. Über seinem neuen Buch steht die erstaunte Frage: Ist es möglich?? Inmitten vieler Fragen und Unsicherheiten, die dem kirchlichen Leben gegenwärtig eigen sind, zeigt Hennecke, dass die Aufbrüche und Neuanfänge zwischen allen tatsächlichen und angenommenen Krisen schon längst am Werke sind – in der Kirche vor Ort. Wie und wo Kirche im Kleinen wird ist das große Thema dieses Buches.

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CHRISTIAN HENNECKE

Ist es möglich?

Vom Wunder des kirchlichen Aufbruchs

Widmung

Für das begeisternde und begeisterte Volk Gottes, für die Menschen, mit denen ich gemeinsam auf dem Weg zu einer Kirche der Partizipation gehen darf. Und mit tiefem Dank an das Dreamteam aus Bukal Ng Tipan: Mark, Estela, Epee, Alleli und Joy.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Norbert Trelle, Bischof von Hildesheim

1. Visionen ergreifen

2. Das Werden der Kirche erfahren

1. Erfahrungen vom Lande: Kirche werden

2. Mitten im Osnabrücker Land: Vom Sterben und Werden der Verbände

3. Die Kraft des Sensus fidelium

4. Evangelisierung in Bodenwerder und anderswo

5. Die kopernikanische Wende

6. Von der Taufe her denken

7. Mehr als lokal: Vom Ort der Verbände und der charismatischen Bewegungen in der Kirche

8. Eine Neuentdeckung des Presbyteriums

9. Brutstätten des Neuen

10. Die Seminarkirche

3. Das Werden der Kirche verstehen

1. Die Umkehr zur Taufe: Die Erfahrung der Huysburg

2. Im Garten des Bischofs: Die Geschichte in den Blick nehmen

3. „Money talks“: Die ambivalente Sprache des Geldes

4. Zwischen Iloilo, Calapan und Hildesheim: Wie ein Bistum sich auf den Weg macht

5. Zwischen Vision und Aktion: The What and the How

6. Die fabelhafte Geschichte von St. Simon

7. Mixed economy: Katholisch sein heißt verbinden

8. „Lass mich dich lernen …“: Kenosis und Inkulturation

9. Wachsen können: Die Bedeutsamkeit von Relecture und Evaluation

10. Abenteurer des Neuen

4. Grundhaltungen der Kirchenentwicklung entfalten

1. Staunen: Die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums deuten

2. Vertrauen

3. Den Wandel begrüßen: Die Würdigung der Krise

4. Partizipation maximieren

5. Verwurzeln: Die Kraft des Evangeliums und seine Gestalt

6. Nähe ermöglichen: Von der Gegenwart des Reiches Gottes

7. Über sich hinauswachsen: Kirche in und von ihrer Sendung neu verstehen

8. Einen langen Atem haben: Lokale Kirchenentwicklung als Prozess

9. Visionen teilen: Wie kann man den Dienst des Priesters neu profilieren?

10. Kirchlichkeit ermöglichen: Vom Sinn der sakramentalen Grundstruktur

5. Impulse zum Weiterdenken

1. Baustellen der Zukunft

2. Theologie in einer anderen Perspektive

3. Lernen von den Zeichen der Zeit

4. Jenseits der treuen Kirchenfernen

5. Die sakramentale Grundstruktur der Kirche entfalten: Die Dreiheit der Kommunionen

6. Die Wiederentdeckung der Ortskirche

7. Das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen …

8. … und der sakramentale Dienst des Priesters in einer Kirche, die kommt

9. Ohne Teams wächst Kirche nicht

10. Priesterausbildung mit Vision: Vorschläge für die weitere Diskussion

11. Eschatologie und Pastoral: Vom langen Weg der pastoralen Entwicklung

6. Nichts ist unmöglich …

Vorwort

Lokale Kirchenentwicklung – ein weiterer schillernder Begriff oder ein vielversprechender Weg in die Zukunft der Kirche? Entgegen allen negativen Vorhersagen für das kirchliche Leben gibt es an unterschiedlichen Orten eine Vielzahl von geistlichen und evangelisierenden Aufbrüchen. Menschen werden auf neue Weise vertraut mit den Quellen des christlichen Glaubens. Sie entdecken die Bedeutung des Wortes Gottes für ihr Leben, teilen das Evangelium miteinander und lassen es in ihrer unmittelbaren Umgebung wirksam werden.

Christian Hennecke reflektiert, wie Menschen durch eine neue Form der Verkündung ihr Getauft-Sein entdecken und sich auf den Weg des Kirche-Seins begeben. Er beschreibt ein Kirchenbild, das vom gemeinsamen Priestertum der Gläubigen und ihrer engagierten Partizipation geprägt ist. Ein in dieser Weise verändertes Selbstverständnis, das auf die theologisch begründete Mitverantwortung aller zielt, hat Papst Benedikt XVI. zum Abschluss seines Deutschlandbesuches im Jahr 2011 bei viel beachteten Freiburger Rede mit dem Satz charakterisiert: „Kirche sind wir alle, wir, die Getauften.“

Ohne Frage verändert und stärkt ein solches partizipatives Kirchenverständnis die Bedeutung der Ortskirche, des Bistums und des Presbyteriums. Für mich als Bischof und meine Amtsbrüder bedeutet dies, dass wir mehr denn je herausgefordert sind, zusammen mit unserem jeweiligen Presbyterium einen Weg zu gehen, der nach gemeinsamen Entwicklungslinien in der Begleitung und Förderung der Christen vor Ort sucht.

Immer deutlicher stellt sich heraus, dass die zukünftige Entwicklung der Kirche nicht allein von strukturellen Bedingungen abhängt, folglich auch nicht in erster Linie eine administrative oder soziologische Herausforderung darstellt. Nicht eine leider viel zu verbreitete „dürre Pragmatik“ hilft bei der Gestaltung der Zukunft. Theologische Fragen stellen sich im Hinblick auf die aktuelle Situation der Kirche neu und werden zur spirituellen Herausforderung.

Im Bistum Hildesheim gehört Christian Hennecke zu denjenigen, die die Prozesse Lokaler Kirchenentwicklung maßgeblich gestalten und vor Ort mit großer Kreativität begleiten. Seine Vergewisserung „Ist es möglich? – Vom Wunder des kirchlichen Aufbruchs“ fällt zusammen mit dem Jubiläumsjahr des Zweiten Vatikanischen Konzils, zu dessen besonderen Früchten es zählt, das Bewusstsein für die besondere Würde der Getauften geschärft zu haben. Insofern verstehe ich das vorliegende Buch als einen geistlichen und erfahrungsorientierten Beitrag zur Relecture des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dafür bin ich Christian Hennecke von Herzen dankbar.

Im November 2012

Norbert TrelleBischof von Hildesheim

1. Visionen ergreifen

Es geht um die Zukunft unserer Kirche, jenseits einer schon fast rituellen Rede von der Krise. Es geht um einen weiten und freien Blick, der sich nicht einfangen lässt von einer rückwärtsgewandten Vision, die die Vergangenheit verklärt und sich unter dem Begriff vielfältiger Mangelerscheinungen verbirgt – und gut verbergen kann: Denn Strukturveränderungen, die geringe Anzahl an verfügbaren Priestern, das Ende einer selbstverständlichen Glaubenskultur mit all ihrem Reichtum, die unbequemen Wahrheiten soziologischer Untersuchungen, all dies macht deutlich, dass das bisherige Gefüge des Christwerdens und Christbleibens in einem tiefen Wandlungsprozess steht, in dem vieles, was gelungen ist und liebgewonnen wurde, zu Ende geht. Und es stellen sich viele neue Fragen. Spürbar sind die große Unsicherheit und auch eine ernst zu nehmende Angst: Wohin führt dieser Umbruch?

Es fällt auf, dass für viele Christen, und auch für Priester und Bischöfe, die Zukunft wenig fassbar, wenig farbig ist – für sie ist eine sich erneuernde Gestalt der Kirche kaum erkennbar, wohl aber der Abbruch und das Ende, das unerbittlich näher rückt. Wo aber die Zukunft nicht erkennbar wird, wo keine Vision lockt, dort bleibt der Abbruch- und Verdunstungsgedanke leitend. Wo nicht erfahrbar wird, welchen Weg Gott mit uns gehen will, kann eine Vision gar nicht geboren werden, und erst recht nicht handlungsleitend sein. Dann bleiben wir im Abwägen. Dann bleiben wir Bedenkenträger, dann werden wir die Zukunft nicht wagen. Dann bleibt Mutlosigkeit, eben Angst – oder auch ein Hoffen wider alles Hoffnung. Vor allem aber bleibt eine Blindheit für die schon vorhandenen Aufbrüche, die in eine deutliche Richtung weisen.

Was es also braucht, das ist mehr als ein Traum: Es braucht eine gemeinsam geteilte Erfahrung des Ankommens des Reiches Gottes in unserer heutigen Zeit. Es braucht eine im Evangelium verwurzelte Erfahrung, die uns zu Sehenden macht. Denn mit einer solchen Vision können wir sehen lernen, was schon längst angebrochen ist und sich deutlich abzeichnet.

Dieser Skizze der Zukunft soll dieses Buch dienen. Es greift zurück auf die bemerkenswerte Konsonanz weltkirchlicher Prozesse und es berichtet von Erfahrungen des Aufbruchs, die eine deutliche Sprache sprechen: sie sprechen von einer Kirche, die aus der Kraft des Evangeliums lebt, von einer Kirche, die Beziehungen konkret lebt und sich dabei als Leib Christi erfährt – und damit eucharistisch lebt; von einer Kirche, die die Würde aller Getauften ins Spiel bringt – und damit dem sakramentalen Dienstamt eine neue Perspektive in verunsichernden Zeiten öffnet; von einer Kirche, die sich inkulturiert und den Menschen unserer Zeit dient; von einer Kirche, die als Volk Gottes auf das Ziel des Reiches Gottes hin sich selbst überschreitet, über sich hinauswächst. Grundwort und Grundvollzug dieser Kirche ist die trinitarisch gegründete Rede von der Partizipation: Ja, es geht um die Entdeckung, dass Gottes Lebenswirklichkeit uns (sakramental) zuteilgeworden ist – und dass sich aus dieser Teilgabe eine Wirklichkeit kirchlichen Lebens entwickelt, die das Teilgeben und Teilnehmen in den Mittelpunkt rückt. Diese Grundgestalt des Kircheseins zu entdecken – darum geht es in dieser Skizze.

Aber wie kann ein Entwicklungsprozess begleitet und gefördert werden, der eine farbige, im Vorgeschmack erlebte Zukunftsvision in kleinen Schritten ins Leben bringt? Wie kann Partizipation ermöglicht werden? Welche Grundhaltungen, aber auch welche Wege können erlernt und dann gegangen werden? Erste Antwortversuche können hier beschrieben werden und machen deutlich, dass es sich bei einem Prozess lokaler Kirchenentwicklung um einen langen Weg handelt, der ohne eine tiefe Vision des Kircheseins, ohne eine Verwurzelung im Evangelium und ohne konkrete teilgebende Verfahren und Methoden nicht möglich ist.

Wer einen solchen Prozess in Gang bringen will, wer ihn begleiten will, der muss wissen: Visionen müssen innerlich ergriffen werden. Sie müssen ergreifen, also Erfahrungen sein, die mich nach vorne ausstrecken. Nur wenn ich sie bewohne und mir zu eigen gemacht habe, entfesseln sie Leidenschaft, ermöglichen sie die Geduld, lange Wege des Wachsens zu gehen – und setzen eine methodische Phantasie frei, die es vielen ermöglicht, diese Vision am konkreten Ort und im Heute Gestalt werden zu lassen. Die konkrete Vorerfahrung des Reiches Gottes, die mich ergreift, ist natürlich gebunden an ihren evangelischen Ursprung, der sich in der lebendigen Tradition der Kirche wiederfindet – und ist auch immer mehr als „meine Vision“: Um Kirche zu entwickeln, braucht es die gemeinsame Gestaltung des Weges. Mir scheint, ohne eine Visionsgemeinschaft riskiert jede Vision die verspinnerte Träumerei, und verliert ihre Erdung in der Wirklichkeit der Menschen: Eine echte Vision braucht also einen ekklesialen Lebensraum, der eine gemeinschaftliche Praxis ermöglicht, die diese Vision bezeugt. Mit den kurzen Worten all derer, die uns auf diesem Weg begleiten: „The method is the message“ – wie kann die Vision einer partizipierenden Kirche weitergetragen werden, wenn nicht sichtbar und erfahrbar wird, dass wir von Anfang an gemeinsam einen Weg des Evangeliums gehen und gestalten? Die ersten Erfahrungen mit diesem einfachen und doch komplexen Weg konkreter Prozessentwicklung finden sich auf diesen Seiten.

Visionen ergreifen: Wo kann man das besser entdecken als in der Apostelgeschichte? Und gerade die Perspektive der Apostelgeschichte kann einen guten Auftakt bilden zu den nachfolgenden Überlegungen. Auch hier geht es um einen langsamen und überraschenden Werdeprozess der Kirche. Wie gestaltete sich dieser Werdeprozess? Welche Grundhaltungen und Grundfiguren zeigen sich? Der Ausgangspunkt der Apostelgeschichte hat nämlich Ähnlichkeiten mit unserer Situation des Umbruchs und Wandels: Die jüdische Tradition und ihre Gemeinschaftsgestalt konnten zwar als Anknüpfungspunkt dienen, aber angesichts der Vision vom Reich Gottes und der Erfahrungen der Apostel mit dem Auferstandenen und der Teilgabe des göttlichen Lebens brauchte es einen noch unbeschrittenen Zukunftsweg. Wie konnten die Apostel diesen Weg gehen? Welche Grundhaltungen wurden leitend? Welche Erfahrungen setzten sich durch?

— Die Umkehr der Visionäre —

Sie sind eine visionäre Gemeinschaft, die einige Jahre mit Jesus und seiner Botschaft vom Reich Gottes gelebt hat. Jesus hatte sie berufen, sie zu Aposteln „gemacht“, und dennoch macht die Apostelgeschichte schon zum Auftakt deutlich, dass die wesentliche Grundhaltung der Apostel die Umkehr wird. Umkehren müssen sie, weil sie nicht verstanden haben. Das zieht sich wie eine Grundlinie schon durch die Evangelien. Gerade die Berufung durch Christus, die Lebens- und Weggemeinschaft mit ihm, führt eben nicht automatisch dazu, ihn und die Vision vom Reich Gottes zu verstehen. Das Ergreifen dieser Vision ist ein lang dauernder Umkehrprozess: Eigene Vorstellungen müssen losgelassen und geweitet werden, und die Apostel lernen Schritt für Schritt vor allem eines: Das Reich Gottes ist nicht ergreifbar, aber es kann einen so tief ergreifen, dass es auf einem langen Lernweg die Apostel in ihrem Denken und Handeln durchdringt. Einen solchen Prozess der Umkehr – ähnlich dem Lernweg der Apostel – dürfen wir heute mitgehen. Er trägt für den Zusammenhang schon eine erste Erkenntnis bei: Die Vision vom Reich Gottes, die für die Apostel prägend geworden ist, verlangt eine „gnadentheologische Reformulierung“ (Bucher) der Kirchenentwicklung:„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Er wird euch fähig machen, überall als meine Zeugen aufzutreten: in Jerusalem und Judäa, in Samarien und bis in die entferntesten Länder der Erde“ (Apg 1,8). Kirchenentwicklung ist ein Abenteuer des Geistes, keine programmatische Umsetzung bekannter Vorstellungen – und zentral bleibt die Herausforderung, als Zeugengemeinschaft die geistgewirkte Gegenwart des Auferstandenen in Denken, Reden und Tun zu bezeugen. Genau dies wird ja deutlich bei der Nachwahl des Matthias. Entscheidend kommt es darauf an, dass die Gemeinschaft der Apostel von derselben Umkehrerfahrung geprägt ist: „Denn zusammen mit uns soll er vor allen Menschen bezeugen, dass Jesus, der Herr, auferstanden ist“ (Apg 1,22). Es geht um diese Gemeinschaft des Auferstandenen, aus der heraus jede Zukunft möglich wird. Die Apostel waren und sind sich bewusst, dass ohne die lebendige Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen der Weg in die Zukunft verstellt ist. Aber diese Erfahrung der Gegenwart des Auferstandenen ist fast so etwas wie das Grundparadigma der Zukunftsentwicklung der jungen Christusnachfolger. Das Loslassen aller bekannten Koordinaten zugunsten der erfahrbaren Kraft seiner Gegenwart lässt sie leben, erkennen und wagen, erschließt ihnen Tradition und Zukunftswege, ermöglicht mutige Weichenstellungen.

— In den Sprachen der Anderen reden —

Das erschließt sich in der Pfingsterfahrung der Apostelgemeinschaft. Es ist nämlich eine Umkehrerfahrung ersten Ranges: Hier werden die Apostel aus ihrer Angst und Fixiertheit herausgeschleudert in die Realität einer vielfältigen Wirklichkeit und befähigt, sich auf ihre Berufung einzulassen: Sie können in den Sprachen der Anderen reden und so der Sehnsucht der Menschen nach den großen Taten Gottes entsprechen: „Doch jeder von uns hört diese Männer in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden“ (Apg 2, 11). Diese Teilgabe des Geistes führt eben gerade die Apostel zur Umkehr in jene Wirklichkeit der Hingabe, zu der die teilgebende Gegenwart des Auferstandenen führt. Es ist das Loslassen von eigenen Sicherheiten zugunsten eines neuen Denkens und Handelns und ein Sich-Einlassen auf die Lebenswirklichkeit und Kultur der Menschen, mit denen sie leben. Sehr spannend macht das die Apostelgeschichte in der paulinischen Erfahrung auf dem Areopag deutlich. Paulus lässt sich auf die Wirklichkeit seiner Gesprächspartner ein und spricht von ihrer Sprache her die Wirklichkeit der Auferstehung aus (vgl. Apg 17, 16ff). Paulus selbst formuliert im Römerbrief diese Grundumkehr: „Weil Gott soviel Erbarmen mit euch hatte, fordere ich euch auf, liebe Brüder und Schwestern, euer ganzes Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Bringt euch selbst mit Leib und Seele als lebendiges und heiliges Opfer dar, das Gott gefällt. Einen solchen Gottesdienst erwartet er von euch. Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an, sondern lasst euch von Gott verändern, indem ihr euch an Gottes Maßstäben orientiert. Nur dann könnt ihr beurteilen, was Gott von euch will, was gut und vollkommen ist und was ihm gefällt“ (Röm 12,1–2).

Die Praxis pastoraler Entwicklung und die Zukunftsperspektive des „neuen Weges“ werden hier erkennbar und gangbar aus einer existenziellen Umkehr und einem Eintreten in die Hingabe Christi selber, die neue Maßstäbe ermöglicht, eben Maßstäbe Gottes. Das Entdecken dieser Maßstäbe ist wiederum ein gemeinsamer Prozess der Unterscheidung. Die gesamte Apostelgeschichte bezeugt dieses Vorgehen eindrucksvoll, wie im Kontext der Wahl der Sieben, aber auch im Prozess der Unterscheidung im Blick auf Heidenchristen deutlich wird1.

— Die Wirklichkeit erschließen—

Dabei zeigt sich in der Pfingsterfahrung der Apostel erstaunlich parallel zur Schlüsselerfahrung Jesu: Die Taufe am Jordan ermöglichte ihm, die eigene persönliche Erfahrung als Wirklichkeitserfahrung für alle zu verkünden. Genau so jetzt: das pfingstliche Kommen des Geistes bleibt nicht die Erfahrung der Apostel: „Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat. Bei ihm heißt es: Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, will ich alle Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben, und sie werden in meinem Auftrag prophetisch reden“ (Apg 2, 17–18).

Die Wirklichkeit in dieser Weise zu erschließen und zu entdecken, das genau beschreibt den Weg der Apostel und der ersten Christen: Es geht darum, immer wieder und überall selbst in der Gegenwart des Auferstandenen zu leben und sich von seiner Gegenwart her führen zu lassen: von der Entwicklung der ersten Gemeinde über die Frage nach den Heidenchristen – der gemeinschaftlich geprägte Weg der Apostel und der ersten Christengemeinden lebt von der Erfahrung, dass es der auferstandene Herr ist, der führt, begleitet, aufbaut, erschließt und entwickelt.

— Ist es möglich? —

Von daher ist der Aufbruch hin zu einem neuen Weg der Verkündigung und der ungeahnten Kirchenentwicklungen, der unserer Kirche heute und hier zugemutet ist, ein „normaler“, ein normativer Weg der Wandlung. Ja, er beinhaltet einen Paradigmenwechsel; ja, er verlangt eine tiefe Gründung in die Verheißungen Gottes; ja, er verlangt eine Orientierung an der Tradition der Kirche und besonders an der Schrift. Dieser Weg der Wandlung ist – im Kairós Seiner Gegenwart – noch unerkannt und unerhört und verlangt nach Menschen, die selbst schon geprägt sind von der Leben stiftenden und Gemeinschaft schaffenden Gegenwart des Auferstandenen. Aus dieser Grunderfahrung einer Neugeburt christlichen Lebens lässt sich dann auch Schritt für Schritt erschließen, welche kommenden Wege Gott mit seinem Volk im Blick auf Sein Reich gehen will.

Dafür braucht es Grundhaltungen, die in diesem Buch entschlüsselt und verdeutlicht werden sollen. Es braucht vor allem eine pastorale Perspektive, die sich einzulassen vermag auf unerhörte Neuheitserfahrungen (vgl. Apg 10), auf gemeinschaftliche Such- und Deutungsprozesse (vgl. Apg 15) und korrigierbare Weggeschichten (vgl. Apg 16) und den Mut, den Intuitionen nachzugehen, in der einzigen Sicherheit, dass es der gegenwärtige Christus ist, der diese Wege führt2.

Damit ähnelt die hier zu entwickelnde Perspektive, die sowohl die Vision einer zukünftigen Kirchengestalt als auch die Wege ihrer konkreten Entwicklung in den Blick nehmen will, ein wenig jener angloamerikanischen Perspektive des Pragmatismus, die Matthias Sellmann jüngst vorgestellt hat3: ein Weg der gemeinsamen Suche, ein Weg gemeinsamen Hörens auf die Zeichen der Zeit und der Experimente. In der Tat: Was mich in den vergangenen Jahren zutiefst berührt hat, sind der Mut für neue Wege, die Tiefe und Verwurzelung in der Tradition und die Kraft zur Relecture, die ich in verschiedenen Ortskirchen im Umbruch beobachten und miterleben durfte4. Gemeint ist also nicht eine oberflächliche Praxis und schon gar nicht das besinnungslose Weitermachen (oder Weiterwursteln) pastoraler Praxis angesichts der Dramen des Umbruchs. Es geht vielmehr um einen Aufruf zur gehorsamen Aufmerksamkeit, um einen Prozess, der sich immer wieder orientiert am Hören auf das Wirken des Geistes in den Zeichen dieser Zeit, es geht um das gemeinsame Hören auf das Wort und die Verheißungen der Schrift und das gehorsame Tun dessen, was dieser Kairós zu handeln aufgibt: zu lassen, zu sterben und aufzuerstehen.

— Es ist möglich – Eine marianische Pastoralperspektive —

So kommt es zum Titel dieses Buches. Er entstammt einer sehr konkreten Erfahrung aus einem Schulungskurs in Bukal Ng Tipan/Manila. Am Ende des einführenden geistlichen Retreats hörten wir einen deutschen Song aus dem Rilke-Projekt mit dem Titel „Ist es möglich?“. Dieses ermutigende Wort erinnerte mich an die Verkündigungsgeschichte. Und damit erhält die Perspektive der nachstehenden Überlegungen eine wesentlich marianische Dimension.

„Wie kann das geschehen?“, so fragt Maria angesichts der Verheißung und Verkündigung des Engels. Die heilsgeschichtliche Logik göttlichen Handelns in der Geschichte verweist immer wieder auf die unverrechenbare Gnade. Und nur zu berechtigt ist die Frage Marias, wie denn möglich sein kann, was aus menschlicher Sicht unmöglich scheint. Gott verkündet eine Zukunftsvision für sein Volk, die aber eben nicht „äußerlich“ bleiben darf, sondern vertrauend und gehorsam ergriffen werden will. Und die ergreift eben durch und durch und lässt die Zukunftsvision Fleisch werden in der Person dessen, der sich ergreifen lässt.

Die Ankündigung der bleibenden und erlösenden Gegenwart Gottes bei seinem Volk bleibt nicht äußerlich, harmlos, weltlos, sondern wirkt spirituell, ganzheitlich und weltvoll: Sie gebiert eine geisterfüllte Leidenschaft für den Weg Gottes in unserer Zeit.

Wie also ist es möglich, dass Gott sein Volk erneuert? Es ist möglich, wenn Menschen sich existenziell auf die Vision Gottes einlassen, wenn sie den ersten Erfahrungen (Lk 1,36) trauen und Gottes Aufruf zum Gehorsam folgen: „Ich gehöre dem Herrn, ich stehe ihm ganz zur Verfügung. Alles soll so geschehen, wie du es mir gesagt hast“ (Lk 1,38).

Von diesen Menschen und ihren Erfahrungen handelt dieses Buch. Sie bezeugen: Es ist möglich.

1 Vgl. dazu meine Überlegungen zu der Innovationsfähigkeit der apostolischen Gemeinde in C. Hennecke, Kirche, die über den Jordan geht, Münster 52011, 146-162.

2 So formuliere ich gnadentheologisch den Begriff der abduktion. Vgl. hierzu r. Bucher, … wenn nichts mehr bleibt, wie es war. Zur prekären Zukunft der katholischen kirche, Ostfildern 2012; W. Beck, Die unerkannte avantgarde im Pfarrhaus. Zur Wahrnehmung eines abduktiven Lernortes kirchlicher Pastoralgemeinschaft, Münster 2008./

3 Vgl. Matthias sellmann, Katholische Kirche in den Usa. Was wir von ihr lernen können, Freiburg 2011.

4 Dokumentiert ist dieser Weg in Christian Hennecke, Glänzende Aussichten, Wie Kirche über sich hinauswächst, Münster 22011; P. Elhaus/C. Hennecke (Hg.), Gottes sehnsucht in der stadt. auf der suche nach Gemeinden von morgen, Würzburg 2011; C. Hennecke/M. Lätzel, kein Mangel, nirgends. Lernender Dialog mit der Diözese Poitiers, in GuL 84 (2011), 306-315.

2. Das Werden der Kirche erfahren

2.1 Erfahrungen vom Lande: Kirche werden

Am letzten Tag der gemeinsamen Studienreise evangelischer Theologiestudenten und katholischer Seminaristen in London, um dort neue Formen gemeindlichen Lebens kennenzulernen5, treffen wir einen anglikanischen Pfarrer. Neben den beeindruckenden Erfahrungen in London blieb nämlich eine Frage offen: Und wie ist es auf dem Land? Geht das nur in der Vielfalt und Mobilität der Stadt? Was ist auf dem Land? Und hier erzählte uns Father Peter von seinen Erfahrungen, die auf der einen Seite sehr vertraut klingen. Geldmangel zwingt auch hier zu Zusammenführungen von Pfarreien und zu Kirchenschließungen.

Doch elektrisierend ist die folgende Wandlungsgeschichte einer Gemeindegeburt: In einem kleinen Dorf im Norden Englands musste die Kirche geschlossen werden – es war nicht mehr möglich, die Kosten für die Instandhaltung des Gebäudes zu bezahlen. Und es waren auch nur noch wenige alte Frauen da, die dort gerne Gottesdienst feierten. Der Pfarrer sprach mit den Frauen, und sie konnten es verstehen, dass ihretwegen die Kirche nicht erhalten werden konnte.

Damit verschwindet die Kirche aus dem Dorf? Nein, die älteren Damen beschließen, dass sie sich von nun an zum Beten in einer ihrer Wohnungen treffen. Sie beten. Sie beten für die Menschen im Dorf. Jede Woche treffen sie sich. Und eines Tages fällt ihnen auf, dass in ihrer Nachbarschaft eine alleinerziehende Mutter lebt, die fast nicht aus dem Haus kommt wegen ihrer Kinder. Sie beschließen, sie nach dem Gebet zu besuchen und ihre Mithilfe anzubieten: „Wir haben gesehen, dass Sie Schwierigkeiten beim Einkaufen haben. Können wir unsere Hilfe anbieten? Wir würden Ihre Kinder sitten …“ Die Mutter ist sehr überrascht. Ein ungewöhnliches Angebot. Nach kurzem Zögern nimmt sie an: „Aber wie kommen Sie auf diese Idee? Noch nie hat jemand aus dem Dorf mir das angeboten.“ „Wir treffen uns seit einiger Zeit zum Beten, wir beten für das Dorf und die Menschen – und da sind wir auf Sie aufmerksam geworden …“ Die Mutter ist perplex und begeistert: „Ich bete auch mit, kann ich?“

Nach einigen Wochen des gemeinsamen Betens für die Menschen im Dorf bemerkten sie in der Nachbarschaft ein Ehepaar – einer der Partner leidet an Multipler Sklerose. Der andere Partner ist überfordert und kommt nicht mehr raus. Wieder gehen sie zu diesem Paar und erzählen ihre Geschichte, bieten Hilfe an. „Das ist wunderbar, ich bin so dankbar – und: Könnten Sie nicht zum Beten zu uns kommen? Wir wollen auch mitbeten …“ Und so geschieht es.

Innerhalb weniger Monate kommen weitere Menschen dazu. Gemeinsam beten für das Dorf – und konkreter Dienst aneinander: eine Kirchengeburt an einem Ort, wo doch alles am Ende zu sein schien. Diese Erfahrung, so klein und speziell sie zu sein scheint, öffnet Perspektiven und ist emblematisch für eine zukünftige Kirchenentwicklung.

— Lokal —

Ist die Kirche ein Kirchengebäude? Die Identifikation des Kircheseins mit dem Kirchbau ist für viele Menschen prägend. Bei vielen Prozessen der Strukturveränderung und auch bei vielen notwendigen Kirchenschließungen wird dies deutlich: Zum einen zeigt sich, wie sehr die Kirchenerfahrung mit der eucharistischen gottesdienstlichen Versammlung identifiziert wird. Damit wird deutlich, wie sehr die Christen aus der Kraft eucharistischer Versammlung leben wollen, wie bewusst und reflektiert dies auch immer sein mag. Oft wird ja der Verdacht geäußert, dass die Eucharistiefeier gar nicht so wichtig sei für die engagierten Christen – das kann angesichts dieser Erfahrungen wohl nicht so aufrechterhalten werden. Hier liegt ein eucharistisches Verständnis zugrunde, das nicht nur die liturgische Feier, sondern auch die gemeinschaftliche Existenz und die Versammlung vor Ort in den Mittelpunkt rückt und Eucharistie so zum Mittelpunkt des gemeinschaftlichen Lebens macht.

Darin liegt zum anderen auch eine Schwäche. Wenn nämlich das Kirchesein mit einem Gebäude identifiziert wird, zerfällt die Kirchenerfahrung mit dem Gebäude. Dann aber verwechselt man das Sein mit der Gestalt, in der Form ist dann auch das Leben geronnen. Genau das macht die kleine Erfahrung aus England deutlich. Dies zu entdecken und zu verstehen, ist aber nicht die Verantwortung der Christen vor Ort – hier ist der Verstehenshorizont der Verantwortlichen gefragt. Wenn Bischöfe und Pfarrer hier keine Vision anbieten, und die einzige Alternative bleibt, zu einem zentralen Ort zu fahren, dann ist das in der Eucharistie gegründete Kirchenverständnis in seiner theologischen Potentialität unterboten und verkürzt. Denn so sehr es wahr ist, dass gerade auch die zentrale eucharistische Versammlung deutlicher machen kann, was Kirche in der Weite und ihrer Katholizität ist, so sehr ist auch wahr, dass die eucharistische Existenz vor Ort gelebt werden will.

Genau das hatte der anglikanische Pfarrer im Blick. Das Gespräch mit den Frauen eröffnete ihnen einen Raum – auch ohne lokale Eucharistie und ohne Kirchengebäude weiter Kirche zu sein, im Hören auf das Wort, im gemeinsamen Beten, in der Sorge für die konkrete Lebenswelt. Gerade hier wird die visionäre Fähigkeit dieses Pfarrers deutlich: Er sieht die Taufwürde der Beteiligten, ihre Möglichkeiten, das gemeinsame Priestertum der Gläubigen vor Ort zu leben – es bleibt nicht bei der Trauer und dem Verweis auf den zentralen Gottesdienstort, sondern es kommt zur Einladung, lokal Kirche zu sein und Kirche zu leben.

— Kirche wird neu geboren —

Die Pointe dieser Entwicklung ist die Ausrichtung auf das Wohl des Dorfes, auf die konkreten Menschen in ihrem unmittelbaren Lebenskontext. Dabei wird deutlich, dass das gemeinsame Beten und Hören auf die Schrift hier tatsächlich die örtliche Gemeinde hervorbringt. Denn das gemeinsame Beten und das gemeinsame Hören führen in die konkrete Aufmerksamkeit für die Menschen im Umfeld. Es ist ein gemeinsamer Raum, in dem gemeinsam in den Blick genommen werden kann, was an Herausforderungen und Problemen anliegt; in dem auch durch das Beten und das Hören eine konkrete Sendung wahrgenommen werden will. Die Gemeinschaft der Betenden und Hörenden wird pfingstlich: Sie gehen auf Menschen zu, die ihnen durch das Beten naher rücken – und sie stellen sich absichtslos in den Dienst. Genau dieser Dienst führt zum Wachsen der Kirche, denn dabei „werden ihrer Gemeinschaft Menschen hinzugefügt“ (vgl. Apg 2).

Unerwartet wächst hier eine Gemeinschaft von Gläubigen, die nicht den herkömmlichen Mustern entspricht. Weder spielt hier das Gebäude eine Rolle, noch das Alter der Beteiligten, wohl aber der Pfarrer. Denn er ermöglicht eine Entwicklung, indem er den Christen vor Ort Mut macht, Kirche aus der Kraft ihres Glaubens zu leben. Zeugnis, Dienst und Gemeinschaft werden hier neu buchstabierbar – und das eben nicht als spontane Kirchenbildung ohne institutionellen Kontext, sondern als Ermöglichungsraum innerhalb der Pfarrei. Denn natürlich feiert die Pfarrei vor Ort in einer anderen Kirche (es sind in diesem Fall neun Kirchgebäude) die Eucharistie, zu der auch die Frauen aus dem kleinen Ort gehören – aber zugleich erwächst genau aus dieser Kraft vor Ort die Möglichkeit, die eucharistische Sendung fortzuleben und fruchtbar zu machen – in Gemeinschaft und konkreter Sendung.

— Merkposten für eine zukünftige Kirchenentwicklung —

Es wird in dieser kleinen Erfahrung deutlich, dass eine Kirchenentwicklung in der Spannung zwischen institutioneller Konzentration und lokaler Ermöglichung stattfindet. Im genauen Hinschauen auf die sich hier abzeichnende Ekklesiogenese wird deutlich, dass diese nicht in Dialektik zur Strukturentwicklung läuft, wohl aber ins Licht rückt, welche spezifischen Möglichkeiten zu entdecken und welche Unterscheidungen zu treffen sind.

Es wird deutlicher, wozu die Pfarrei da ist. Sie ist der Ermöglichungsraum, verstanden in einem sehr strikt theologischen Sinn: Leitung als sakramentaler Dienst besteht hier darin, gemeinsam mit Menschen an ihrem konkreten Lebensort die Chancen kirchlichen Lebens auszuloten, gemeinsam mit ihnen zu entdecken, welche Perspektive sich angesichts dramatischer Wandlungsprozesse auftun kann. Das setzt nun aber voraus, dass der Pfarrer und sein Team ihrerseits eingebunden sind in einer gemeinsamen Visionsperspektive der Ortskirche. Es ist im Folgenden noch näher zu beschreiben, welche konkreten Grundhaltungen dahinterstehen. Aber auch hier wird deutlich, dass die konkrete Ermutigung zur Gebetsgemeinschaft voraussetzt, dass der Pfarrer von einer Vision ergriffen ist, die eben nicht den institutionellen Rückbau der Kirche mit dem Rückbau des Kircheseins insgesamt identifiziert. Hinter seiner Vision steckt augenscheinlich eine Erfahrung, die dem Christsein, das in der Taufe gegründet und aus der Eucharistie genährt ist, zutraut, Kirche am Ort zu sein. Aus diesem Vertrauen, das ja gegenseitig ist, wächst nun eine neue Kirchengestalt, die in ihrer Substanz doch genau an die frühchristlichen Hausgemeinden erinnert. Auch hier geht es nicht um eine rein soziologische Gruppenbildung, sondern die gelebte Sendung bezeugt eindrücklich, dass die Neuheit dieser Entwicklung einmündet in die lebendig machende Erfahrung des Betens und Hörens.

Dabei entwickelt sich eine Kirchengestalt, die eben nicht zusammenfällt mit einer Kirchenerfahrung klassischer Kirchgänger. Es ist wahrscheinlicher, dass das diakonische Zeugnis auch Menschen anzieht und auf den Weg des Glaubens bringt, die mit klassischen sakramentalen Formen gänzlich unvertraut sind – und auf absehbare Zeit diese auch nicht ersehnen. Wenn man hier – wie die Anglikaner brillant formulieren – von einer „Kirche für ‚Beginner‘ “ sprechen sollte, so wird hier das Wachsen dieser örtlichen Gemeinschaft als katechumenale Kirchenbildung zu beschreiben sein, mit nach außen offenen Grenzen, als ein Raum persönlichen und gemeinschaftlichen Glaubenswachstums.

— Ist es möglich? —

Ist auch in unserem deutschsprachigen Kontext ein Werden solcher Kirchengestalten denkbar, wenn angesichts der notwendigen Strukturwandlungen sich neu die Frage nach der Kirche am Ort stellt? Wenn es nicht nur darum geht, dass bestehende Gemeinden weiter bestehen können, auch dann, wenn Kirchen geschlossen werden? Welche Vision des Kircheseins soll befördert und ermöglicht werden? Welche Prozesse geistlichen Wachsens könnten in den Blick genommen werden? In der Tat, eine solche Entwicklung ist möglich und notwendig, will auch die Rede von einer lokalen Kirchenentwicklung nicht nur zu einer Ermutigung verkommen, einfach vor Ort weiterzumachen. Die Herausforderung liegt in der Tat darin, nicht nur Strukturen zu regeln (das ist eher leicht), sondern Prozesse einer visionsgeleiteten Kirchenentwicklung zu fördern. Das wird nur dann gelingen, wenn die jeweils Verantwortlichen solche Erfahrungen gemacht haben und deswegen mit dem ihnen anvertrauten Volk Gottes geduldig Wachstumswege gehen können. Dann werden unerwartete Entwicklungen möglich – wie auf dem Land im Norden Englands.

2.2 Mitten im osnabrücker Land: Vom sterben und Werden der Verbände

Es ist eine spannende Erfahrung, die mir ein Diakon erzählt. Die Geschichte zweier katholischer Verbände in einer kleinen Stadt im Osnabrücker Land. Der eine Verband hat eine außergewöhnliche Wachstumsgeschichte hinter sich – der andere eine erfolglose Mitgliederwerbung. Wie und warum hat sich das ereignet? Welches Geheimnis steckt hinter den unterschiedlichen Entwicklungen des Wachsens und des Rückgangs?

Der eine Verband hatte sich in seinem Bemühen um Erneuerung eine Perspektive gegeben: Was sind eigentlich die sozialpolitischen Herausforderungen hier bei uns vor Ort? An welchen gesellschaftlichen Fragen unseres Lebenskosmos wollen wir uns beteiligen? Diese Ausgangsfrage führte zu einem drängenden Problem des Ortes: Wie können unsere Hauptschüler einen Ausbildungsplatz bekommen? Der Verband beschloss, sich dieses Anliegen zu eigen zu machen. Die Planungen beteiligten viele andere Akteure. Dafür nutzten die Mitglieder ihre Beziehungen und Netzwerke aus: Viele lokale Unternehmer, örtliche Politiker und Institutionen wurden mit einbezogen. Im Ergebnis gelang es so, dass den Schülern tatsächlich ein Ausbildungsplatz angeboten werden konnte. Doch es geschah noch mehr: Der Verband wurde wahrgenommen als interessante Gemeinschaft von Männern und Frauen, die sich für das gesellschaftliche Gemeinwohl engagierten. Das Interesse am Verband wuchs. Und Menschen wollten Mitglieder werden.

Der andere Verband hatte – wie viele Verbände – Nachwuchsprobleme und beschloss eine intensive Mitgliederwerbung, die allerdings ohne Erfolg war. So schwand seine Attraktivität weiter.

— Kirchwerdung im Brennglas —

Wie in einem Brennglas kann diese kleine Erfahrung deutlich machen, welche Kennzeichen eine Kirchwerdung haben wird. Zunächst fällt auch in dieser Erfahrung auf, dass der Verband wesentlich teilhat an den „Freuden und Hoffnungen, der Trauer und Angst der Menschen, besonders der Armen und Bedrängten jedweder Art“ (Gaudium et spes 1). Die Sendungsorientierung des Verbandes richtet sich dabei zum einen an seiner Ursprungssendung aus (beide Verbände sind Sozialverbände), und zum anderen an der konkreten Herausforderung vor Ort. In dieser Orientierung zeigt sich nun dieser Verband als Katalysator gemeinsamer Bemühungen aller Menschen an diesem Ort. Er kristallisiert die Zusammenarbeit vieler gutwilliger Mitbürgerinnen und Mitbürger – wird praktisch eine Plattform der Kommunikation und des gemeinsamen Engagements. So ermöglicht er eine Zusammenarbeit aller Interessierten und stellt sich absichtslos in den Dienst an der gemeinsamen Sache. Theologisch gesprochen verwirklicht dieser Verband einen Akzent der Ekklesiologie des II. Vatikanums: Zeichen und Werkzeug für die Einheit der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander zu sein (vgl. Lumen Gentium 1). Genau diese Handlungsperspektive führt in ihrer Absichtslosigkeit auch hier zur Glaubwürdigkeit. Der Verband wird anziehend für Menschen, die bis dahin noch nicht an eine mögliche Mitgliedschaft gedacht haben: Gemeinschaft mit einem konkreten „Wozu“ und in einem konkreten Handeln, so wird deutlich, ist attraktiv – ganz im Gegensatz zu der Erfahrung des anderen Verbandes: Mitgliederwerbung um des Erhalts und des Fortbestands einer Gemeinschaft willen lockt nicht.

Auch hier weitet sich Kirchwerdung in einem nach außen offenen Geschehen. Wahrscheinlich werden eben nicht nur klassische Katholiken plötzlich neu ihr Interesse an diesem Verband zeigen, der sich so intensiv um die konkreten sozialen Herausforderungen bemüht.

— Kirche, die sich überschreitet —

Darin steckt eine Reihe von Herausforderungen: Welches Grundverständnis der Zugehörigkeit zu einem kirchlichen Verband braucht es – und welche Vision von Kirchlichkeit und kirchlicher Identität steckt hinter einer solchen Entwicklung? Zweifellos braucht es dabei eine doppelte Perspektive. Zum einen wird die Grundgestalt des Volkes Gottes auf seinem Glaubensweg relevant. Und es gilt ganz deutlich, dass die Kategorien des Christwerdens hier neu bedacht werden müssen.

Sehr überzeugend sind in diesem Kontext die Reflexionen von Philipp Bacq6. Im Kontext seiner Überlegungen zu einer zeugenden Pastoral formuliert er präzise die anstehende Frage nach der Zukunftsgestalt des Christlichen: „Die Fragen lauten daher nicht: Wie wird es der Kirche gelingen, neue Christen zu wecken? Welche pastorale Strategien sind zu entwickeln, um darin möglichst effizient zu sein? Absolut nicht. Die Fragen gehen vielmehr in eine andere Richtung: Was geht zwischen Gott und diesen Frauen und Männern vor, die am Beginn des 21. Jahrhunderts leben? Welche Wege nimmt Gott, um sich ihnen zu nähern und zu ermöglichen, dass sie neu zu seinem Leben geboren werden? Inwieweit lädt er die Kirche dazu ein, ihre traditionelle Art zu glauben und zu leben umzuwandeln, um diese Begegnung zu ermöglichen?“7

Vor dem Hintergrund dieser Fragestellungen wird deutlich, dass sich hier ein neuer Blick auf eine Kirche abzeichnet, die pastoralpraktisch die Wirklichkeit einer geöffneten Zugehörigkeit aufnimmt: Es geht ja gar nicht um die Kirche und ihr Wachstum oder ihren Bestandserhalt, sondern um das Reich Gottes: „Zunächst gilt, dass ungezählte Frauen und Männer allein durch die Art und Weise, wie sie die Beziehungen zu anderen Menschen leben, zu Töchtern und Söhnen werden. Gott teilt sich ihnen mit, ohne dass sie sich dessen notwendigerweise bewusst werden … Anders gesagt, diese Menschen führen ein Leben, von dem man sagen könnte, dass es bereits in sich sakramental ist: Zeichen für den Lebensstil Gottes, den es im Alltag verwirklicht. Sie sind Menschen der Seligpreisungen, Zeichen für das Reich Gottes. Vom Evangelium her gibt es ja keine ‚bloß horizontalen Beziehungen‘ “, die von einer authentischen Beziehung zu Gott abgetrennt wären.“8

Schließlich wird in dieser Erfahrung noch einmal deutlich, dass Kirchenentwicklung dort geschieht, wo Christen sich orientieren an den konkreten Herausforderungen vor Ort und zusammen mit allen Menschen an einer „Zivilisation der Liebe“ (Johannes Paul II.) mitwirken. Dabei gilt es aber eine doppelte Voraussetzung zu beachten: Wo und wann immer Kirche als „Zeichen und Werkzeug“ des anbrechenden Gottesreiches Menschen zusammenfügt, braucht es auch eine tiefe Verwurzelung in der Christusgegenwart, braucht es Christen, die sich als Jünger verstehen und in ihrer Nachfolge Christus als die Mitte ihrer Gemeinschaft bezeugen. „Indem sie Jesus folgen, zeugen diese Frauen und Männer in ihm eine neue Identität: Durch sie wird Jesus zum Stifter und Hirten einer sichtbaren und dauerhaften Gemeinschaft, die Samenzelle der künftigen christlichen Gemeinde.“9

So führt gerade die lokale Sendungsorientierung zurück in eine Wirklichkeit kirchlicher Gemeinschaft, die sich aus Wort und Sakrament speist. Je tiefer Christen sich einlassen auf die Herausforderungen ihres Lebens- und Beziehungsraums, je weiter sie sich öffnen für die ihnen eigene Sendung, desto tiefer wird ihre Identitätssuche sein: Sie werden den suchen, der auf dem Weg ihrer Sendung gegenwärtig ist und sie nährt.

Umgekehrt – und das wird schmerzlich deutlich an der Erfahrung des Verbandes, der sich um Mitgliederwerbung bemühte: Dort, wo Bemühungen nur um offensichtliche Bestandswahrung kreisen, wo es also nur darum geht, die eigene Gemeinschaft zu stärken, geschieht ein langsamer Sterbeprozess: Dann scheint – wie in diesem Fall – die Kraft erschöpft, sich wirklich auf die Menschen unserer Zeit einzulassen.

2.3 Die Kraft des Sensus fidelium

Im Sommer 2011, bei der Summerschool in Hildesheim – einem fünftägigen Workshop für Teams aus Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen, die sich auf den Weg einer lokalen Kirchenentwicklung machen wollten – kam die Anfrage. Wäre es nicht möglich, mit engagierten und interessierten Christen aus einigen Pfarreien in und um Münster einen Einführungsweg in lokaler Kirchenentwicklung zu gestalten?

Für uns ein interessanter Vorschlag. Denn auch wir wollen ja lernen, „wie“ es am besten geht – und dazu müssen wir selbst diese Wege mit anderen ausprobieren. Vier kleine Wochenenden (Freitagabend – Samstagnachmittag) konnten wir vereinbaren. Und kurz vor Weihnachten fand dann der erste Abschnitt statt.

Die Elemente dieses „Kurses“ kristallisierten sich nach und nach immer mehr heraus. Vor allem zeigte sich, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt, bei dem die gelebte Spiritualität aus dem Wort, die gefeierte Liturgie und die gemeinsame theologische und pastoralpraktische Arbeit ein „Gefüge“ darstellen, dessen innere Mitte ein theologisch in der Trinität verwurzeltes und pastoralpraktisches Verständnis von Partizipation ist: Das Geheimnis des Kircheseins ist ein Geheimnis der Teilhabe am göttlichen Leben und ein geistgewirkter Prozess der Communio und Kommunikation, das Geheimnis der Offenbarung ist das teilgebende Sprechen Gottes zu den Menschen, der durch sein Wort Kirche hervorbringt, das Geheimnis der Sendung ist die Fortsetzung der liebenden Hingabe und Teilgabe Gottes in die Welt hinein und die Feier der Liturgie will innere Teilhabe am Geschehen dieser Teilgabe sein.

So kann auf einem solchen Kursweg eine Weggemeinschaft von Jüngern wachsen, die auf diesem Weg immer mehr selbst entdecken, welchen Weg Gott mit seinem Volk an diesem Ort gehen will. Dazu gehört vor allem die spirituelle Gründung im Wort Gottes und die Entdeckung des eigenen Taufweges und der eigenen Kirchenerfahrungen.

— Gott spricht – Gott teilt sich mit und Gemeinschaft entsteht —

Das Hören auf das Wort Gottes im Bibelteilen einzuüben, ist deswegen ein erster Schritt. Jenseits verkürzter Erfahrungen mit der Rezeption dieses Weges10 geht es ja beim Bibelteilen um eine zu erlernende Grundform eines christuszentrierten Umgangs mit der Schrift, die sich in sehr unterschiedlichen Formen ausfalten lässt. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer gemeinsamen Form der lectio divina – auch wenn diese vom Bibelwerk geförderte Form des Umgangs mit der Schrift viele Elemente des Bibelteilens aufnimmt.

Gospelsharing, Bibelteilen will nun aber genau jenen Horizont öffnen, den die konziliare Konstitution Dei Verbum gewiesen hat. Die einzelnen Schritte des Bibelteilens öffnen den Weg für eine Begegnung mit dem lebendigen Christus im Wort, der die Hörenden in seinen Leib hineinnimmt und sie sich als Kirche entdecken lässt, die konkret gesandt ist an dem Ort, an dem sie lebt, und dort im Lebens- und Beziehungsraum die Sendung Jesu weiterführt.

Auch im Münsterland wird diese Erfahrung zur tragenden Mitte. Ein beredtes Zeichen: Denn es ist immer wieder erfahrbar, wie begeistert und zugleich überwältigt engagierte Christen sich einlassen auf diese Form einer tiefen Christusbegegnung. Es macht auch deutlich, dass Wege des Bibelteilens so etwas sind wie eine mystagogische Einführung in eine Christusfreundschaft, damit aber einführen in eine partizipative Logik des Anteilnehmens und Anteilgebens der eigenen Erfahrung mit dem Wort und der Christusbegegnung, in eine Spiritualität der Gemeinschaft11, die so etwas wie eine Grundgestalt gemeinsamer Spiritualität ist – eine Spiritualität des Volkes Gottes.

— Taufe entdecken —

Vor diesem Hintergrund entwickelt sich der Kursweg weiter. Die eigene Berufungsgeschichte zu entdecken und zu teilen und damit die Würde und Reichweite der Taufberufung zu entdecken– das ist ungewöhnlich: „Ich habe doch keine eigene Berufung, keine eigenen Gaben – wann bin ich schon mal Gott begegnet?“, so eine engagierte Frau aus der Pfarrei. Erst Schritt für Schritt wird diese Entdeckung wichtig. „Wir haben keine eigenen Gaben und Charismen“ – „Niemand hat je nach diesen Dingen gefragt“ – „Ist das nicht peinlich, eigene Gaben zu benennen?“: So sagen einige am ersten Kurstag am Ende zu uns, um am letzten Kurstag auszurufen: „Jetzt brauchen wir einen Charismenkurs – wie können wir das machen?“ In der Tat, hier hat nicht nur ein „Kurs“ stattgefunden, der informiert – hier hat ein Glaubensweg angefangen, der sowohl spirituell transformiert als auch eine ganz eigene theologische und pastorale Kompetenz des Gottesvolkes entstehen lässt.

— Den eigenen Weg zum Kirchesein entfalten —

Nirgends wird das für uns so sichtbar wie beim gemeinsamen Nachdenken über die Entwicklung des Kirchenverständnisses und die eigene Zielvision. Dabei verwenden wir ein Modul, das schon rund um die Welt gelaufen ist. Schon in den siebziger Jahren hatten Oswald Hirmer und Fritz Lobinger im Lumkoinstitut ein Praxismodul entwickelt, bei dem es um die erfahrene Kirchenentwicklung und Wachstumsschritte im Kirchenverständnis geht. Über die Prozesse in Indien und den Philippinen sind wir auch mit diesem Modul in Berührung gekommen.

Hier im Münsterland wird uns dabei deutlich, welche innere Kraft diese ganz einfache – partizipative – Methode entfaltet, die man „Schritte auf dem Weg zu einer eigenen Vision des Kircheseins“ nennen könnte. Sie besteht ganz einfach aus Bildern, die zum Denken anregen. Ich werde mich immer an diesen Tag im Januar 2012 erinnern, an dem wir mit der Gruppe von etwa 50 Personen diese Entwicklungswege des Kircheseins anschauen. In meinem Leben hatte ich immer eine Begeisterung für Ekklesiologie, für die Lehre und das Verstehen der Kirche – aber nie zuvor habe ich eine solche Erfahrung gemacht: 50 engagierte Erwachsene, die miteinander verschiedene Phasen unserer Kirchenentwicklung bedenken, miteinander diskutieren, einander zuhören und ergänzen, ja korrigieren. Die Bilder machen es möglich – aber vor allem jene Atmosphäre, die uns weiterhin existenziell im Austausch sein lässt und in der neues Wissen geboren wird.