Jace ... and no way back - M.S. Kelts - E-Book

Jace ... and no way back E-Book

M.S. Kelts

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Beschreibung

Dass Dirk Dohlinger ein "Problem" mit Männern hat, weiß er nicht erst seit dem Abend, an dem er seinen Bruder Mike und dessen Lebensgefährten Jamie bei einer heißen Nummer überrascht hat. Er versucht jedoch krampfhaft, an seinem Leben als Ehemann und Vater festzuhalten und überspielt seine Unzufriedenheit. Es gelingt ihm auch gut, bis er von Mike zu einem Casting für ihre Agentur gedrängt wird. Dort begegnet er dem Model Jace Stolz. Zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Männern fliegen die Funken und sie beginnen eine Affäre, die ihrer beider Leben komplett auf den Kopf stellt.

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Seitenzahl: 940

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M.S. Kelts

Jace … 

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2016

http://www.deadsoft.de

© the author

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© GD photoarts – http://www.gdphotoarts.com

With kind permission of Pierpaolo Impullitti

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-033-1

Inhalt:

Dass Dirk Dohlinger ein „Problem“ mit Männern hat, weiß er nicht erst seit dem Abend, an dem er seinen Bruder Mike und dessen Lebensgefährten Jamie bei einer heißen Nummer überrascht hat.

Er versucht jedoch krampfhaft, an seinem Leben als Ehemann und Vater festzuhalten und überspielt seine Unzufriedenheit. Es gelingt ihm gut. Bis er von Mike zu einem Casting für ihre Agentur gedrängt wird.

Im Laufe der Zeit trifft man viele Menschen. Sie kommen und gehen. Bei manchen fragt man sich: Wo warst Du die ganze Zeit und wie hat es ohne Dich funktioniert?

Danke, dass Du da bist, Mäuschen. Für Deinen unermüdlichen Zuspruch, die wohldosierten Tritte und aufbauenden Worte.

1.

Dirk

Kennt ihr das auch? Den Moment, wenn man irgendetwas tut und das Schicksal einem dabei auf die Schulter tippt? Dieses innere Ziehen, das dich unmissverständlich darauf hinweist, dass du just in dem Moment einen Weg einschlägst, der dich an einen Ort führt, den du herbeisehnst und zugleich fürchtest wie den Teufel persönlich?

Haargenau so geht es mir gerade, als ich auf der kleinen Anzeige meines Telefons die Nummer von Mikes Telefonanschluss lese. Er und sein Mann, Jamie, drehen momentan in LA und sind somit weit weg. Was für mich aber keinen Schutz bedeutet.

Ich kneife die Augen zusammen, als könne ich das Läuten so zum Verstummen bringen, was natürlich völliger Schwachsinn ist. Vielleicht sollte ich meinem Bruderherz einen anderen Klingelton gönnen: Eine Truckhupe, so ein lautes, dröhnendes Monster, wäre passender als diese melodiösen Klänge.

Ich seufze laut und beschließe, mir erst mal einen Kaffee zu holen. Er wird ohnehin nicht aufgeben und mich ab jetzt im Minutentakt quälen, bis ich sein Gespräch annehme. Wobei er ja nicht wissen kann, warum ich mich so ziere.

Fünf Minuten später kehre ich in mein Büro zurück und schiele wieder auf das Display. Sag ich ja: Minutentakt! Es ist im Grunde völlig bescheuert, dass ich mich jedes Mal davor drücke, mit ihm zu telefonieren. Ich mag meinen Bruder und seinen Mann sehr.

Ehrlich.

Was ich hingegen gar nicht leiden kann, sind die Gefühle, die ihre grandiose Liebe in mir auslöst.

Das sanfte Geräusch von Vogelgezwitscher, vermengt mit meditativen Klängen, erfüllt abermals den Raum.

Definitiv der falsche Klingelton.

Und eben erwähntes Schicksal holt zum Paukenschlag aus. Das zarte Schultertippen habe ich erfolgreich seit Jahrzehnten ignoriert, nun klappt es seit Längerem nicht mehr. Nämlich seit mein kleiner Bruder einen Pornodarsteller an Land gezogen, sich mit an Unverschämtheit grenzender Offenheit geoutet und inzwischen an Jamies Seite zum Erotikstar aufgestiegen ist. Irgendwann um diesen Zeitpunkt herum hat sich der für mich zuständige Schutzengel samt Schicksal auf härtere Maßnahmen verlegt.

Und diesmal ist es irgendwie stärker, die Vorahnung massiver, irgendwie kompromisslos. Vielleicht habe ich dem Schicksal zu lange ein Schnippchen geschlagen, wer weiß. Weg mit diesen unerklärlichen Gedanken und zurück zur Realität, sprich dem läutenden Telefon.

Ich umrunde seufzend den ordentlich aufgeräumten Schreibtisch und sinke in meinen schwarzen Ledersessel. Ich schüttle meinen Kopf und starre den schwarzen Apparat an. Warum überfallen mich jedes Mal die gleichen blödsinnigen Gedanken, wenn ich mit den beiden Kontakt habe? Neid?

Nein, definitiv nicht. Ich gönne ihnen ihre wunderschöne, große Liebe von ganzem Herzen. Immerhin haben sie ja auch beide hart darum gekämpft.

Liegt die Antwort etwa irgendwo da unten? Versteckt in kryptischen Buchstaben, die sich in den Rillen des alten Bohlenbodens verbergen, oder warum starre ich in die Dämmerung unter meinem Schreibtisch?

Hilft nichts. Ich weiß, warum. Jeder Versuch, mir selbst ein Schnippchen zu schlagen, ist verlorene Zeit. Ich weiß es schon lange. Aber … es zu verschweigen, hilft, es zu verdrängen. Genauso praktisch wie jede Situation, die mich mit erhobenen Zeigefinger daran erinnert, lieber umgangen zu werden.

Leider Gottes sind Mike und Jamie der Prototyp einer solchen Situation und eine Begegnung mit ihnen ist kein erhobener Zeigefinger, sondern gleicht dem amerikanischen Plakat, auf dem dick und fett steht: ‚WE WANT YOU!‘

Sehnsucht!

Schwupp, jetzt ist es raus. Ich hab’s gewusst, kaum bricht Mike in meinen sorgsam durchgeplanten und biederen Alltag ein, kann ich der Wahrheit nicht länger entkommen.

Verflucht aber auch. Ich reibe mein Gesicht und hole krampfhaft Luft. Ja, verdammt, ich habe Sehnsucht! Nach … nach dem, was die beiden miteinander haben. Diese Wahnsinnsliebe, die jeden in ihrer Nähe dahinschmelzen lässt, mich eingeschlossen.

Es läutet abermals!

Dicht neben meinem Ohr haut ein ganzes von besagtem Schicksal verpflichtetes Orchester auf einen drei Meter großen Gong.

Ich nehme das Gespräch entgegen und mein Leben macht einen Purzelbaum.

„Hi, kleiner Bruder.“

Michael lacht am anderen Ende durch die Entfernung etwas zeitverzögert. „Hi, wo treibst du dich denn rum? Definitiv keine Zeit für die Mittagspause, oder?“

War ja klar, dass er vorher checkt, ob er mich erwischt. „Nein, ich war gerade Kaffee holen. Was gibt’s so Dringendes, dass du mich mit minütlichen Anrufen quälst? Ihr kommt doch übermorgen sowieso her.“

Statische Geräusche knistern in der Leitung. „… verschieben muss.“

Was? Irgendwas stört die Verbindung. Ich warte ein paar Sekunden, aber er ist wohl fertig. Das Fragment des Satzes ergibt keinen Sinn. „Mike, ich habe dich nicht verstanden, was ist los?“

„Das wird nichts mit übermorgen! Mein Drehpartner ist ausgefallen und wir müssen auf Ersatz warten. Wir haben die Flüge um eine Woche nach hinten verschoben.“

Ich muss lachen. Drehpartner ausgefallen? „Was hast du angestellt? Hat er dich nackt gesehen und die Flucht ergriffen?“

Mike kichert haltlos und wirft einen englischen Satz in den Raum, der nicht mir gilt. Im Hintergrund höre ich weitere fröhliche Stimmen. Ich kann es immer noch nicht fassen, womit er inzwischen recht gutes Geld verdient. Seit einem Jahr bearbeitet er mich schon, dass ich ihn endlich in LA besuche und seine und Jamies Kollegen kennenlerne.

Bis heute habe ich mich erfolgreich davor gedrückt, wobei meine Familie meist als Ausrede herhalten muss. Dieser Besuch würde mir das Genick brechen. Definitiv zu viel Testosteron auf einem Haufen! Hat mir letztes Jahr bei den Highlandgames schon gereicht. Nicht, dass ich auf Männer in Röcken stehe, mir reichen Männer an sich schon! Vor allem, wenn es solche gut trainierten, verdammt sympathischen Kerle wie Mikes Freunde und Mitschotten sind. Und wenn mir das schon Probleme macht, was wird dann erst passieren, wenn ich seinen Kollegen drüben begegne? Diese Männer sind alle wie aus dem Katalog und … na ja. Ich will nicht länger darüber nachdenken. Schön blöd!

Ah, er redet weiter.

„Dirk, du musst uns einen riesigen Gefallen tun.“

Oh nein. Ich seufze schon, ehe er weiterspricht. Mike und seine Gefallen! Das kann nur etwas sein, was mir Ärger einbringt. War schon immer so, ich habe ein untrügliches Gespür für Fettnäpfchen und ähnliche Unannehmlichkeiten. Und wenn mein Bruderherz mit von der Partie ist, haben sie immer die Größe eines Schwimmbeckens.

„Mike, ich …“

„Jetzt hör doch erst mal zu. Uns wäre es anders auch lieber, aber es gibt keine andere Möglichkeit, bitte.“

Ich seufze lauter, er nimmt es als Aufforderung. „Gut, also wir hätten am Samstag doch dieses Treffen mit den Bewerbern für unsere Agentur. Kannst du das bitte für uns übernehmen? Wir …“

Um Himmels willen! Allein der Gedanke produziert eine Gänsehaut auf meinem ganzen Körper. „Nein!“

„Die Jungs kommen so gegen drei, ich schicke dir alle Unterlagen per Fax …“

„NEIN!“

Stille.

„Wie, nein? Ich war doch noch gar nicht fertig.“

Manchmal kann mein Bruder richtig nervig sein. Wie ein tollpatschiger Hundewelpe, nur größer und mit noch mehr Charme. Verflucht! „Ich sage dennoch nein. Ich habe keine Zeit.“

„Ach jetzt … Es ist Samstag, du musst nicht ins Büro, und …“

„Mike, nein. Such dir bitte jemand anderen. Ich kann so was nicht.“

„Du weißt doch noch gar nicht, was ich von dir will.“

Da hat er recht, aber ich will es auch gar nicht wissen. Es geht um Männer! Gutaussehende, junge Männer, die sich für eine einschlägige Agentur bewerben. 80 Prozent von ihnen dürften schwul sein. Also genau der Typ Mann, dem ich seit langer Zeit aus dem Weg gehe und den ich meide wie der Teufel ein Eichhörnchen.

In der Gesellschaft schwuler Männer habe ich immer das Gefühl, sie können es sehen! Die Tatsache, dass ich ihnen längst nicht so abgeneigt bin, wie ich es in Anbetracht des Ringes an meinem Finger sein sollte. Dass mir warm wird und der bloße Gedanke an sie es schafft, mich zu erregen.

„Bitte, Mike, verschon mich“, versuche ich ein letztes Mal an seine Vernunft zu appellieren. Wobei ich schon um die Sinnlosigkeit weiß, während ich es ausspreche.

„Sorry, kann ich nicht. Es ist wirklich wichtig und niemand anderem als dir würden wir das auf die Schnelle anvertrauen. Schau dir die Kerle an, du weißt, was hier gesucht wird und wer vor Jamies Linse passt. Check sie einfach und die anderen vertröstest du.“

Mein Kopf möchte auf die Holzplatte meines Schreibtisches. Ich weiß allerdings, wie die Jungs aussehen sollten. Habe ja immerhin denselben Geschmack. Oh bitte. Die Aktion kann nur nach hinten losgehen.

„Bitte, Mike, ich …“

„Hey, Bruderherz, ich muss weiter. Ich schicke dir die Unterlagen zu und melde mich später wieder, okay?“

Statt einer Antwort brumme ich missmutig und entlocke ihm ein weiteres fröhliches Lachen. „Schade, dass dein Drehpartner dich nicht mit irgendetwas Fiesem angesteckt hat.“

„Ja, ich hab dich auch lieb, Brüderchen. Ich soll dir Grüße von meinem Süßen ausrichten, er bedankt sich auch für deine Unterstützung.“

Spricht’s und legt auf. Na klasse, so viel dann dazu, dass ich irgendeine Wahl habe.

Eine viertel Stunde später spuckt mein Fax eine Vielzahl von Bildern mit dazugehörigen Daten aus. Resigniert klopfe ich den Stapel, es sind an die 24 Blätter, in Form und lege sie, ohne sie eines Blickes zu würdigen, beiseite. Ich will keines dieser Gesichter näher betrachten und damit irgendwelchen Wünschen, Träumen und sonstigem Blödsinn Tür und Tor öffnen.

Zur Hölle mit meinem Bruder! Was jahrzehntelang ein bloßer Verdacht, ein abstruser Gedanke ohne Beweis und Tiefe war, ist dank ihm seit gut einem Jahr nicht mehr von der Hand zu weisen: Ich stehe auf Männer!

Das allein ist schon Irrsinn. Ich habe es immer als fixe Idee abgetan, etwas, das meine Neugierde anregt, mehr auch nicht. Ein geheimer, sexy Wunschtraum, den jeder von uns mit sich rumträgt.

So wäre es wohl auch für den Rest meines Lebens geblieben. Ich hätte weiter, ohne zu zaudern, an der Seite meiner Frau Melanie mein etwas biederes Dasein gefristet und wäre leidlich zufrieden gewesen.

Dann kamen Mikes Outing und Jamie. Und dieser saublöde Abend nach dem Studioausbau. Ich weiß heute noch nicht, warum ich nicht einfach wieder gegangen bin. Warum habe ich nicht meine Cola geschnappt und bin nach oben in mein Zimmer verschwunden, als ich bemerkt habe, dass die zwei gerade zur Sache kommen?

Aber nein, ich Hornochse bleibe wie festgewachsen sitzen und beobachte die wohl heißeste Nummer, die ich je gesehen habe. Zu sehen, wie es zwei Männer miteinander treiben, ist an sich schon eine Sache für sich. Aber dabei ihre Liebe zueinander mitzubekommen, dieses unglaubliche Begehren und innige Miteinander … Das war es, was mich erst recht sprachlos gemacht hat.

Seitdem weiß ich, dass mein kleines Problem längst die Größe eines Hochseedampfers angenommen hat.

Der Vergleich passt sogar. Ich umschiffe seit dato jede Untiefe, gehe Mikes Kumpels und Kollegen aus dem Weg, erfinde Ausreden, um sie nicht zu besuchen, wenn Aidan – der übrigens ein absolut feiner Kerl ist – und weitere von Jamies alten Freunden bei ihnen sind. Das ist schwierig und schmerzhaft, weil ich mich in ihrer Gesellschaft gefährlich wohl und seltsam frei fühle. Und, was noch viel schlimmer ist, mit gierigen Augen jede ihrer kleinen Gesten und Berührungen in meine hungrige Seele sauge. Wenn diese Kerle sich umarmen, rumblödeln, löst es in mir eine Lawine aus, die ich kaum verkrafte.

Langsam frage ich mich, wie ich es 34 Jahre geschafft habe, das zu ignorieren? Aber obwohl ich mein Verlangen kenne, werde und kann ich nichts weiter tun, als schauspielern! Ich habe einen Weg gewählt und den werde ich weitergehen.

Und wird Liebe nicht im Grunde völlig überschätzt? All das Sehnen und Leiden …

Okay, das ganze Orchester schüttelt unisono den Kopf.

Lassen wir das.

Bleiben wir bei der Ehrlichkeit, ist ja niemand hier, dem ich irgendetwas beweisen muss.

Ich bin unglücklich! Mein Leben ist nicht mehr als eine aufgeblähte Hülle voller Momente der Sinnlosigkeit. Meine Ehe? Ein Stück Papier, das bestimmt, was ich am Wochenende zu tun habe und wohin der nächste Urlaub geht. Ich weiß, ich bin zynisch und Melanie gegenüber extrem unfair. Aber dieser Zynismus ist alles, was mich seit damals über Wasser hält.

Bla, bla, bla. Ich sollte mal genauer hinschauen. 

Ein Hochseedampfer mit Tretbootantrieb und in Sichtweite ein tückischer Eisberg.

Habe wohl übersehen, dass auf meinem Schiff der Name Titanic steht!

2.

Jace

Ich steige aus der Tram und halte für einen Moment das Gesicht in die Sonne. Passanten rempeln mich an, aber das stört mich nicht. Die Sonne, die fremden Berührungen, all das zeigt mir, dass ich im Leben zurück bin.

Unwillkürlich spüre ich ein Grinsen auf meinem Gesicht. Ein Schub Lebensfreude stupst mein Herz an und drängt die Erinnerung an die letzten zwei Jahre weiter in den Hintergrund. Ich habe das Gefühl, aus einem Traum erwacht zu sein, so verschwommen sind die Gedanken an diese Zeit. Wie ein Filmriss, der sich über Monate hinzieht. Vielleicht ist es auch besser so. Nein, nicht vielleicht, sondern definitiv. Die Trauer ist vorbei, der Schmerz, nicht mehr so lähmend, lässt mir wieder die Möglichkeit, etwas zu tun. Zeit, nach vorne zu sehen und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Ja.

I’ll be back, frei nach Arni!

Noch einmal lese ich die Adresse auf dem Spickzettel in meiner Tasche, obwohl ich sie längst auswendig kann. Ein kleinlicher Tick, aber notwendig, wenn ich wieder dahin will, wo ich vor ein paar Jahren war. Nur nichts dem Zufall überlassen, das war schon immer meine Stärke.

So wie jetzt, auch wenn das Ziel sich von meinen früheren Plänen etwas unterscheidet. Ich will raus aus der bornierten Enge des Modezirkels. Mein Panzer ist mir zu klein geworden, beziehungsweise ich bin nun endlich so weit, das zu tun, was ich im Grunde schon immer wollte, aber aus Rücksicht auf meine Familie unterlassen habe, auch wenn ich ihr egal bin. Ich will Freiheit, die Ungezwungenheit des Erotikmarktes kosten. Noch ein Grund ist, dass ich keinen Bock darauf habe, mich mit den zuckersüßen Teenies und aufstrebenden 18-jährigen Schönlingen messen zu müssen.

Das ist vorbei. Mit 28 bin ich fast zu alt, aber ich weiß, anderweitig wird man meine Qualitäten zu schätzen wissen.

Nein … ich zwinge meine Gedanken weg von dunklen Erinnerungen, die prompt wieder zur Stelle sind. Es macht keinen Sinn, über vertane Chancen und verpasste Gelegenheiten nachzugrübeln. Das hat mir genug Zeit geraubt.

Jetzt heißt es leben, die Unabhängigkeit genießen und nur für mich da sein, und zwar in jeder Hinsicht.

Noch immer zufrieden lächelnd mache ich mich auf den restlichen Weg. Nur zwei Querstraßen, da muss das Hotel liegen. Ich bin echt gespannt und neugierig. Dass die sehr bekannte und angesehene Agentur auch in Deutschland castet, ist mir neu. Ich bin einfach nicht mehr so ganz auf dem Laufenden, auch das muss sich in nächster Zeit ändern. Zwar habe ich Vorarbeit geleistet, aber im Grunde ist es zu früh, um auf dieses Casting zu gehen. Meine Mappe ist nicht auf dem neuesten Stand und bedarf einiger aktueller Aufnahmen, aber ich lasse es jetzt einfach darauf ankommen.

Da diese spezielle Agentur für ihre Seriosität und Qualität bekannt ist, muss ich einfach hingehen. Es wäre so klasse, wenn ich da unterkäme, ich mich dadurch endlich ausleben könnte …

Ah, ich sehe die markante, restaurierte Fassade des Hotels. Vielleicht kenne ich jemanden von den Agenten oder den Models? Wobei das zweite eher unwahrscheinlich ist. Die Branche ist extrem schnelllebig und oberflächlich. Ein Neustart, wie ich ihn vorhabe, ist eher schwierig, aber wie gesagt … ich kenne meine Qualitäten und kann sie auch einsetzen.

3.

Dirk

Die Resonanz meiner Ehefrau auf dieses Casting am Samstag war zwar vorhersehbar, aber das Ausmaß des Unwetters hat mich doch ein wenig überrascht.

Wir haben wieder mal Zoff. Langsam wird das zu einem Dauerzustand, die Gründe dafür werden immer kleiner und nichtiger. Aber sobald Mike irgendwie die Finger im Spiel hat, tickt sie regelrecht aus. Ich weiß, dass sie ihn nicht besonders mag, noch nie mochte. Woher ihre Abneigung kommt, kann ich nicht erklären. Es ist in der letzten Zeit noch schlimmer geworden, als projizierte sie ihren ganzen Frust und das Kippen unsere Ehe auf ihn. Dabei kann er tatsächlich nicht das Geringste dafür.

Ich bemerke, dass ich in jüngster Vergangenheit nicht mehr für uns kämpfe. Das erschreckt mich selbst. Anstatt vernünftig mit ihr zu reden, ziehe ich mich zurück und lasse sie schimpfen. Was soll ich auch dagegen argumentieren? Sie hat ja irgendwo recht.

Normalerweise gehört das Wochenende uns, die Zeit, in der ich mit meiner Tochter Lea etwas unternehme, was ich liebend gern tue. Aber Melanies Nähe strengt mich zu sehr an, ich muss immer darauf achten, was ich wie, warum und wie oft mache.

Herrgott, nach 10 Jahren Ehe hängen wir uns an jeder Kleinigkeit auf. Mich nervt ihr frauentypischer Klamottentick und sie regt sich über meine angebliche Schlampigkeit auf. Sie versteht einfach nicht, dass ich, wenn ich Feierabend habe, meinen Anzug schnellstmöglich ausziehe und lieber in Jeans und T-Shirt den Rest des Abends begehe.

Show! Das ist es, was sie abziehen will, habe ich längst durchschaut. Sie legt Wert auf ihren Status als Architektenfrau.

Das kotzt mich so an! Dabei … will ich einfach nur Dirk sein, nach Hause kommen, in meinen kühnsten Träumen von einem Mann in den Arm genommen werden … 

Okay, jetzt wird’s kitschig. Lassen wir das, dieses schwülstige Kopfkino ist was für SIXX.

Samstag, kurz vor 14 Uhr. Das Casting findet im Saal eines Hotels statt, welches Michael umgebaut hat. Das Ambiente passt wie angegossen, an den Wänden hängen riesige, für Jamies Verhältnisse relativ brave Fotografien. Dennoch … die detaillierte Wiedergabe gut gebauter Männerkörper bleibt bei mir nicht ohne Wirkung.

Ich bin extra früher gekommen, weil ich die Unterlagen noch nicht angeschaut habe. Die letzten drei Tage waren auch so schon schlimm genug. 24 Jungs im Alter von 19 bis 29. Eine bunte Mischung mit einer Gemeinsamkeit: Sie alle streben eine Modelkarriere an, oder besser eine Erotikmodelkarriere. Dürften also alle recht offenherzig und selbstbewusst daherkommen.

Klasse! Und keiner, der mir zur Seite steht. Ich muss Mike echt mal fragen, wer ihm die Schnapsidee unterbreitet hat, dass ich für so was geeignet sein soll.

Aber wie ich die Sache einschätze, ist sowieso Jamie wieder mal die treibende Kraft. Dieses kleine Schlitzohr hat es wirklich faustdick hinter den Ohren. Er versteht es, Geld zu machen, und hat die deutsche Marktlücke sofort für sich entdeckt. Seit er nicht mehr dreht, dehnt er seinen Aktionsradius immer weiter aus und hat ihrer amerikanischen Agentur die Idee einer deutschen Zweigstelle schmackhaft gemacht. So weit, so gut, aber er und Mike haben viel zu viel um die Ohren, um sich genügend darum kümmern zu können. Und da komme ich ins Spiel, wie es aussieht. Hätte mir auch eher auffallen können, bei den ständigen Hinweisen, die Mike in diversen Gesprächen eingestreut hat.  

Pete, einer der Hotelbesitzer, begrüßt mich, begleitet mich in den vorbereiteten Raum und wir unterhalten uns über Alltägliches. Nach ein paar Minuten verschwindet er, um mir eine Kanne Kaffee und Wasser zu bringen.

Dann also die Unterlagen. Seufzend hole ich den Stapel aus der Mappe und drehe ihn um. Ja, ich hatte recht: jung und hübsch. Wobei der Erste mir nicht so zusagt, stelle ich fest. Viel zu knabenhaft und schmal. Eric ist erst 19 Jahre alt, oh Mann, sollte der nicht noch zur Schule gehen? Na super, das sind ja genau die richtigen Gedanken für den Job. Ich bin nicht hier, um diesen Männern eine Moralpredigt zu halten.

Weiter. Mirko, 22, gut gebaut, dunkler Typ, muskulös, der würde passen. Ich lege seinen Bogen beiseite. Die Agentur beschäftigt eher kräftigere Typen, keine Twinks, deshalb kann ich vorher schon etwas aussortieren. Zwar hat Karl, der zuständige Agent in Amerika, schon ausgesucht, aber er ließ durchblicken, dass viele der Bögen gefakt sein könnten.

Ich bin in dieser Hinsicht gut gebrieft worden, was hilfreich ist. Die nächsten zwei Kandidaten fallen gleich durchs Raster, sie wirken wie die netten Jungs von nebenan. Wenn ich mir die mit Mike an einem Set vorstelle, bekomme ich eine Gänsehaut. Uah, weg mit diesen Gedanken. Wenn ich mir meinen Bruder überhaupt bei seiner Arbeit vorstelle, kommt automatisch dieser Abend mit Jamie in meinen Kopf und darauf kann ich jetzt echt verzichten.

Weiter mit den Bildern.

Ein Peter, hmmm, sieht etwas altbacken aus, aber gute Figur. Muss ich mir anschauen. Dann Jace, 28, toller Body, fein definiert, alles dran, gutes Gesicht …

Fuck!

Und was für ein Gesicht. Dieser arrogante, hochmütige und irgendwie gestellte Ausdruck zeigt mir, dass er bereits Erfahrung hat. Das ist kein Anfängerbild, sondern eine professionelle Sedcard. Dieser – ich blättere zurück und suche seinen Namen – Jace ist eine andere Nummer, definitiv. Älter und mit Sicherheit erfahrener. Dunkelblonder Schopf, perfekt gestylt, markantes Gesicht mit etwas zu vollen Lippen, Typ Schmollmund. Diese Augen! Ich schlucke mühsam. Ich wusste ja vorher schon, dass das hier eine blöde Idee ist, aber inzwischen wird daraus eine mittlere Katastrophe. Was für eine Farbe ist das? Ich halte mir das Foto so dicht an die Nase, dass ich einen Fettfleck darauf hinterlasse.

Grün? Nein. Braun? Irgendwas dazwischen. Wie bernsteinfarbener Honig.

Mein Tretbootdampfer nimmt den Eisberg in Angriff!

4.

Jace

Ich bin sprachlos, was bei mir echt selten vorkommt, als ich den Empfangsraum des Hotels betrete. Dass dieser alte Kasten renoviert ist, war von außen ersichtlich, aber erst im Inneren zeigt sich die Extravaganz.

Wenn ich Zeit hätte, würde ich zu gern mal die Gesichter von unwissenden Reisenden beobachten, wenn sie das sehr erotische Ambiente bemerken. Nichts hier drin ist billig oder entspricht rot-plüschigem Klischee, im Gegenteil. Die schnörkellosen, modernen Möbel ergänzen die Wahnsinnsbilder sehr gut und unterstreichen deren Wirkung.

Sehr ansprechend, ich bin wirklich beeindruckt vom Können des Fotografen. Die großen Männerakte sind hervorragend umgesetzt, sehr sexy und jeder davon mit dem gewissen Quäntchen mehr, als würde der abgelichtete Mann in der nächsten Szene zur Sache kommen. Ich brauche unbedingt Bilder von dem Künstler, das steht fest.

Da der Weg zum Casting durch Schilder ausgewiesen ist und ich früh dran bin, nehme ich mir die Zeit und betrachte die Signatur im unteren rechten Eck.

Hmmm. ‚Silverart‘ sagt mir nichts. Aber Moment … Irgendetwas klingelt bei dem Namen doch. Silverart, Silver … da war doch was.

Wow. Ich trete respektvoll einen Schritt zurück. Ist das nun Zufall, dass genau diese Agentur, bei der er als Akteur unter Vertrag war, hier castet? Oder hat der Mann, der das Pseudonym Silver trägt, tatsächlich hiermit zu tun?

Er dürfte in meinem Alter sein und soweit ich mich erinnere, hat er, nachdem ihn ein Attentat entstellt hat, das Metier gewechselt. Er ist vom Pornostar aus dem Bett hinter die Kamera gewechselt. Obwohl er, soweit ich weiß, auch noch als Model recht erfolgreich ist.

Ja, Silver! Das muss er sein.

Ein Grund mehr, hier ordentlich zu punkten.

Dann lassen wir es mal angehen.

Kurze Zeit später finde ich mich, wie befürchtet, zwischen teils sehr jungen Männern wieder. Bei ein paar von ihnen bin ich mir echt nicht sicher, ob die wissen, was der Job eigentlich bedeutet. War ich auch je so naiv? Ich glaube nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich habe nie was dem Zufall überlassen, stets penibel geplant und Entscheidungen immer zu meinem Vorteil getroffen. Privat und geschäftlich.

Das hat mir den Ruf eines eiskalten Egoisten eingebracht, aber das war mir immer egal. In dieser Branche spielt jeder eine Rolle. Zu zeigen, wer man in Wirklichkeit ist, macht einen schwach und angreifbar und darauf konnte und kann ich getrost verzichten.

Die einzige Person, die mich wirklich immer so erlebte, wie ich bin, ist weg, also wozu soll ich etwas ändern?

Dann ist es endlich soweit und ich werde hineingebeten.

Schon als ich den Raum durchquere und auf den Tisch zugehe, hinter dem der Mann sitzt, der über meine nächste Zukunft entscheidet, weiß ich, dass ich meinen erst vor kurzem getroffenen Vorsätzen untreu werde.

Ich habe mir eigentlich fest vorgenommen, mich komplett auf meine Karriere zu konzentrieren und irgendwelche Affären und sonstige Liebschaften sein zu lassen.

Eigentlich.

Der Plan kippt gerade.

Keine Ahnung, woran es liegt, aber dieser Mann hat etwas, was mich total anspricht. Er dürfte ein paar Jährchen älter als ich sein, sehr ruhige, gelassene Ausstrahlung. Er wirkt geerdet, gefestigt, als stünde er mit beiden Beinen fest im Leben und wüsste, was er will.

Oder sind es seine Augen? Fast komisch, wie er sie aufreißt, als er mich erblickt. Aber nicht sein offensichtliches Begehren macht mich an, sondern diese Wärme in ihnen. Er strahlt Sicherheit aus. Weiß der Teufel, warum mich das so anmacht.

Fakt ist jedoch: Ich werde es bei ihm versuchen und da ich ihm ja offensichtlich auch gefalle, dürfte es kein großes Problem sein.

Ja, mein Unterleib meldet sich begeistert zu Wort. Diesen großen, kräftig gebauten Mann im Bett zu haben, dürfte genau nach meinem Geschmack sein.

5.

Dirk

Eineinhalb Stunden später wirft der Ausguck meines Schiffes sein Fernglas über Bord und springt ins eisige Wasser.

Elf Männer liegen hinter mir. Ich hatte lustige, provokante Gespräche und ein paar haben die Zähne gar nicht auseinander gebracht. Karl hat definitiv recht: Foto und Wirklichkeit liegen manchmal universenweit auseinander. Meine engere Wahl ist auf drei zusammengeschrumpft, aber ich glaube, bei denen dürfte es Potential geben.

Ich erwische mich dabei, wie ich jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, den Atem anhalte. Jace’ Bild hat einen Negativabdruck in meinem Hirn hinterlassen. Gar nicht gut.

Bis vor besagten eineinhalb Stunden dachte ich, schon auf Männer zu stehen sei mein Problem, jetzt hat das Problem ein Gesicht.

Ich stehe fraglos auf dunkelblonde Haare, Bernsteinaugen, maskulines Gesicht und den trainierten Body eines Sportlers! Vielleicht könnte ich Pete ja bitten, den Typen irgendwie abzuwimmeln? Nein, er würde meinen Geisteszustand innerhalb von Sekunden auf nicht zurechnungsfähig herabstufen, weil dieser Mann wie die Faust aufs Auge zur Agentur passt.

Ausgerechnet! Aber irgendwie war es ja klar. Fahrig verschaffe ich mir Zeit, indem ich mir frischen Kaffee einschenke. Währenddessen geht die Tür auf, Schritte erklingen, nähern sich meinem Tisch am gegenüberliegenden Ende des Raumes.

Ich schlucke mühsam und schiele aus den Augenwinkeln in besagte Richtung. Schicke Schuhe, cremefarbene Slipper, darüber eine schwarze Jeans. Mein Blick gleitet höher, meine Kaffeetasse in die Gegenrichtung.

Stimmt!

Manchmal liegen zwischen Wirklichkeit und Bild Universen! Auch diesmal! Was es noch viel schlimmer macht.

Vor mir steht zweifelsfrei dieser Jace! Allerdings liegen zwischen dem Bild und dem Kerl hier mindestens drei Jahre. Ich starre einen verteufelt gut aussehenden Mann an, dessen Gesicht noch viel ausgeprägter und schöner ist als auf dem Foto. Ein überhebliches Lächeln klebt wie festgewachsen darin und schreit meine Hand regelrecht an, es ihm von der Miene zu kloppen. Denn es ist definitiv das Ergebnis seines Aussehens. Der Mann weiß, wie er wirkt, wahrscheinlich muss er aufpassen, dass er nicht ständig auf der Schleimspur seiner Anhänger auf den Hosenboden fällt.

Okay, gut jetzt. Ich hole den Kaffee wieder an meinen Mund und atme tief durch. Ich bin hier, weil ich für die Agentur Nachschub caste! Basta! Und nicht, um mir verbotene Gelüste schmackhaft zu machen!

Seine kräftigen Hände schieben sich mit einer Mappe in mein Gesichtsfeld und nehmen alle guten Vorsätze mit. Große Klasse! Sehr gepflegt! Ein Siegelring an der Rechten mit kleinen Steinchen um ein Wappen. Länger kann ich keine Zeit schinden, sonst glaubt der noch, er castet mich!

Ich hebe meinen Kopf und zwinge mich, ihm direkt ins Gesicht zu sehen. Die Wirkung auf meinen Unterleib ist verheerend und erschreckt mich in ihrer Heftigkeit. Täusche ich mich, oder ist seine Miene längst nicht mehr so selbstsicher wie vorhin?

Würde mich schon interessieren, wie er mich sieht. Meine Gedanken stolpern wie wild durch die Gegend. Als ob das nicht völlig egal ist. Trotzdem steht er da und erwidert meine Musterung ebenso intensiv wie ich.

Dann lächelt er sachte und gibt meinem Dampfer den Todesstoß.

Hurra! Titanic zwei ist soeben gesunken … und hat das Schicksalsorchester mit nach unten gezogen, welches schon vor einiger Zeit seine Instrumente weggepackt hat.

„Hi … ich bin Jace!“

Na super! Jetzt hat der Kerl auch noch eine Stimme, die jedem Erotikhörbuch zum Bestseller verhelfen würde. Ich glaube es nicht!

Ich schüttle den Kopf und nehme sein Blatt zur Hand, wobei mir auffällt, dass ich die Eckdaten schon im Kopf habe. Dann eben seine Mappe. Nach einem stummen Blick, der ihn jedoch überhaupt nicht aus der Fassung bringt, schlage ich sie auf und habe sofort mit einem akuten Blutstau in unteren Regionen zu kämpfen.

Den Kerl vor Jamies Linse kann und mag ich mir nicht ausmalen. Und wenn schon, müsste ich eines seiner Bilder in Lebensgröße über mein Bett hängen. Am besten an die Decke und dann los …

Ich pruste unvermittelt los, weil dieser Gedanke so bescheuert ist.

„Also gelacht hat bei meinen Bildern bis heute noch keiner.“

Mein Kopf ruckt hoch und findet sein amüsant verzogenes Gesicht. Sofort mag ich diesen Ausdruck, jegliche Arroganz ist verflogen, er steigt in mein Lachen völlig unbefangen ein und nickt auf das Bild.

Ja, das Bild. Jace in einem knappen Irgendwas, wofür ich nicht mal einen Namen habe, das wirklich nur seinen Schwanz samt Hoden in feuerroten Stoff hüllt. Der Rest von ihm ist herrlich nackt. Wahnsinnskörper, das muss ich ihm neidlos zugestehen. Gut definierte Muskeln, ein herrlicher Waschbrettbauch. Das V seines Oberkörpers macht mich ganz kirre. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Was mache ich jetzt bloß? Das hier ist so blöd.

Hmmm, ich blättere einfach um. Na toll, jetzt fehlt wenigstens auch noch der String. Ein Blätterwald, Jace lehnt an einem Baum und schaut zum Fotografen zurück. Sein Hintern hält, was die Vorderseite verspricht. Ein richtiger Knackarsch! Würde mich schon interessieren, wie viel Zeit der im Fitnessstudio verbringt, um so auszusehen.

Mist!

Ich blättere die Mappe durch und muss mich mit dem Gedanken anfreunden, dass dieser Kerl mich heiß macht!

Ich wollte immer wissen, wie sich ein Mann anfühlt? Nein, ich will wissen wie genau dieser Mann sich anfühlt! Jace wird innerhalb von Minuten zum Dreh- und Angelpunkt meiner Gelüste.

Nun, zumindest kenne ich jetzt meinen Typ. Nicht, dass es irgendeine Rolle spielt.

Mit einem lauten Knall schließe ich seine Mappe, lehne mich zurück und wage es, ihn direkt anzusehen. Er grinst lässig. Kein Zweifel, dieser Mann kennt das Metier.

„Ich brauch dir nicht zu erzählen, dass du passt, das weißt du selber.“ Ich räuspere mich, ein wolliger Klumpen blockiert den flüssigen Wortfluss.

Jace nickt lediglich.

„Deine Mappe sieht nicht danach aus, als hättest du keinen Erfolg. Allerdings sind die Bilder alle etwas älter. Warum jetzt die Agentur?“

Seine Schultern zucken kurz nach oben. „Ich musste eineinhalb Jahre pausieren und möchte neu einsteigen. Ich will weiterkommen.“

„Als Erotikmodel?“, frage ich ungläubig. Täusche ich mich oder ist die normale Karriere nicht eigentlich erstrebenswerter, weil weniger anrüchig und angesehener?

Wieder grinst er hinreißend. Diese winzigen Grübchen neben seinem Mund werden mein Untergang sein. Wieso flammt jedes Mal wieder das gleiche Bild vor meinem inneren Auge auf? Meine Zunge, wie sie seine vollen Lippen erforscht und dann über diese Vertiefungen leckt …

„Das Leben ist zu kurz, um brav zu sein, und normal kann jeder … Ich mag es, mich zu zeigen und zu provozieren, ganz einfach.“

Einfach? Der hat sie ja nicht mehr alle. Ich räume demonstrativ seine Sachen zusammen und reiche ihm seine Unterlagen. Stumm erwidert er meinen erzwungen wertfreien Blick.

„Ich gebe deine Sachen weiter, danke, Jace“, schaffe ich zu nuscheln und hoffe, er nimmt das als Anlass, zu verschwinden.

Ha, tut er. Wortlos dreht er sich um und entfernt sich zwei Schritte. Dann hält er jedoch an und schaut zu mir zurück. Stumm mustert er mich mit gerunzelter Stirn und schüttelt schließlich lachend den Kopf, während er sich wieder nähert.

Gar nicht gut. Mein Schwanz pocht munter vor sich hin, der Anblick seines festen Hinterns reicht aus, um mir den Rest zu geben. Was will der denn noch?

Galant zieht er eine Karte aus der hinteren Hosentasche und hält sie mir unter die Nase.

Automatisch greife ich danach und lese in sauber gedruckten Buchstaben: Jacob Stolz. Model. Und eine Mobilnummer.

„Jacob?“ Wider Willen muss ich grinsen. Also dieser Eros sieht nicht aus wie ein Jacob. Der Nachname passt allerdings wie angegossen.

„Ja, meine Eltern fanden das wohl lustig. Ich bevorzuge Jace.“

„Das kann ich verstehen.“ Ich wedle mit der Karte umher. „Was soll ich jetzt damit? Deine Daten stehen alle auf dem Kontaktbogen.“

Seine Augen blitzen auf, als er mit den Schultern zuckt. „Wer weiß, vielleicht hast du ja mal Verwendung dafür?“

Das nenne ich dann mal direkt. Aber sehe ich so … notgeil aus? Die Hand, an der ich meinen Ehering trage, fällt demonstrativ auf den Tisch. Er folgt der Geste mit den Augen. Sein Grinsen wird breiter und die linke Augenbraue klettert nach oben.

„Hübscher Ring!“

Boah, was für ein Arsch! Ich starre ihn fassungslos an, als er sich wegdreht und Richtung Tür geht.

„Ich glaube kaum, dass ich für deine Karte Verwendung habe!“, rufe ich ihm hinterher.

Er winkt, neigt den Kopf in meine Richtung und lächelt süß. „Man weiß ja nie!“

Die Tür ist schon seit Sekunden zu, aber ich starre noch immer Löcher in das dunkle Türblatt.

Was sollte das? Wirke ich so verzweifelt? Verwechselt der mich mit einer Besetzungscouch? Oh Gott, nein. Das war jetzt mal so die total falsche Metapher. Ich mag Kino, aber nicht, wenn es in meinem Kopf stattfindet, ich einer der Schauspieler bin und dieser verdammte Jace irgendwelche Dinge mit mir macht.

Der Vorhang steht noch immer einen Spalt offen, als Nummer 13 den Saal betritt und sich angenehm professionell vorstellt.

6.

Dirk

Dieser junge Mann verfolgt mich auch 10 Tage später noch, als mein Bruderherz endlich wieder deutschen Boden betritt und ich ihm den ganzen Mist übergeben kann.

Wir treffen uns bei unseren Eltern. Das ist inzwischen eine regelrechte Tradition. Das Auto der beiden Weltenbummler steht im Hof und einer von uns findet immer die Zeit, sie vom Flughafen abzuholen.

Schon komisch, seit Mike so viel in Amerika ist, sehen wir uns eigentlich öfter als früher, als er lediglich 200 Kilometer weiter im Süden wohnte.

Ja, das Leben unserer gesamten Familie, sprich meines und das meiner Eltern, hat sich mit seinem mitverändert. Ich hinke aber irgendwie hinterher. Meine eigene Unzulänglichkeit schließt mich aus, offenbart mir meine kaum eingestandene Einsamkeit. Ständig muss ich mich verstellen, schauspielern, ein Leben führen, das im Grunde nicht mehr das Meine ist.

Verfahrene Situation, nur weil ich irgendwie in eine recht verfrühte Midlifecrisis rutsche, jammere ich hier rum.

Sie sitzen bereits bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen, als ich zu ihnen stoße. Melanie ist nicht mit von der Partie. Seit wir beinahe täglich streiten, gehen wir zu solchen Treffen nur noch gemeinsam, wenn wir zum Sonntagsessen eingeladen werden.

Widerwillig erobert ein Lächeln mein Gesicht, als ich aus dem Wohnzimmer Jamies herzliches Lachen vernehme. Das tut gut, die Erinnerung an den Überfall, bei dem er fast sein Leben verloren hätte, und seinen mühsamen Weg ins Leben zurück hat bei uns allen Spuren hinterlassen und ihn näher gebracht. Er ist ein fester Teil dieser Familie geworden.

Ich betrete das Zimmer und werde sofort mit einem lautstarken Hallo begrüßt. Mike steht auf und zieht mich in eine Bärenumarmung. „Hey Bruderherz“, flüstert er mir dabei ins Ohr und hebt mich ein Stück vom Boden hoch.

Ich ächze, erwidere die Geste aber gern. Mir fehlen zu seiner Größe nur zwei bis drei Zentimeter, aber an seine Breite werde ich nie rankommen. Er erfüllt das Klischee vom blonden Wikinger noch mehr als früher. Regelmäßige Studiobesuche gehören eindeutig zum Berufsbild Erotikdarsteller. Bekommt ihm gut, genauso wie die Sonne Kaliforniens. Er ist braungebrannt, wahrscheinlich nahtlos, und seine blauen Augen strahlen vor Glück.

„Alles okay?“, fragt er. Für eine Millisekunde überkommt mich Angst, er würde irgendetwas von meinem schwarz-grauen Inneren erkennen.

„Ja, viel Arbeit, aber sonst alles beim Alten.“ Ja, genau! Mein persönliches Desaster in kurzen, präzisen Worten auf den Punkt gebracht: Alles beim Alten. Ich könnte kotzen!

Dann steht Jamie vor mir. Auch wir umarmen uns voller Zuneigung. Er ist einen Kopf kleiner als ich, ebenfalls sehr gut im Training, aber weitaus zierlicher als sein Mann.

„Danke, dass du uns aus der Patsche geholfen hast“, meint er statt einer Begrüßung, und anders als Mike hat er wenigstens den Anstand, es nicht als selbstverständlich anzusehen.

„Gern geschehen.“ Ja, klar. Schon nach zwei Sätzen bin ich wieder so weit, dass ich im nächstbesten Mauseloch verschwinden möchte. Seine Patsche ist jetzt meine Patsche!

Dieser verfluchte Jace geht mir nicht mehr aus dem Sinn, das ist totaler Mist. Jetzt habe ich es die letzten Tage leidlich geschafft, ihn aus meinem Kopf zu verbannen, aber kaum erinnert mich Jamie an das Treffen, ist alle Arbeit umsonst.

Das junge Model ist wie ein Lesezeichen in meinem Hirn, steckt an einer Stelle, die extrem spannend und interessant ist … an der ich aber nicht weiterlesen kann.

Die nächsten zwei Stunden verlaufen sehr entspannt. Unsere beiden Weltenbummler erzählen von ihrem arbeitsreichen Aufenthalt, wobei sie geschickt alles auslassen, was mir und unseren Eltern die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. Die Branche ist uns ja bekannt, aber hier gilt eines: Jamie fotografiert und Mike dreht Filme. Mehr Details sind unerwünscht und unnötig. Das ist ein stummes Einverständnis zwischen uns allen.

Ich bekomme zwar meist hinterher doch alles erzählt, aber das zählt dann nicht. Diesmal jedoch werde ich auf nähere Informationen verzichten und ihnen, entgegen meiner Gewohnheiten, keinen Gegenbesuch in Wangen abstatten.

Brauche ich jetzt einfach nicht. Jedes erotische Einzelteil verselbstständigt sich gerade zu einem Puzzle, das letztendlich ein Bild ergibt: Jace.

Nein Danke!

Nachdem Mum den Tisch abgeräumt und sich mit unserem Vater ins Wohnzimmer verzogen hat, hole ich die Ergebnisse des Castings.

Jamie nimmt die aussortierten Bögen an sich und geht sie gemeinsam mit Mike durch.

„Ich wusste, du hast es drauf“, kommentiert mein Bruder die Auswahl und lächelt mich gewinnend an.

„Was nicht heißt, dass ich es noch mal mache. Das ist euer Job.“

„Ja, schon, aber du hast genug mitbekommen, um ein gutes Urteil abzugeben. Wir haben dich in der Agentur vorgestellt und du hast grünes Licht, um uns hier zu unterstützen.“

Ich atme tief durch und reibe mein Gesicht. Was soll das denn? Ehrlich? Spinnen die jetzt? „Jetzt mal langsam … Ich führe ein Architekturbüro, da passt das überhaupt nicht rein.“

Jamie nickt gedankenverloren und betrachtet mit gerunzelter Stirn ein Bild. Da ich ihm gegenübersitze, kann ich nicht erkennen, welcher junge Mann ihn ins Grübeln bringt. Er legt den Bogen auf den Tisch, neben den Stapel, und antwortet: „Wir müssen eine Lösung dafür finden, Dirk. Dieses ständige Pendeln ist ja gut und schön, aber es ist extrem anstrengend. Wir brauchen in Deutschland eine Vertrauensperson, die unsere Termine sortiert und solche Sachen übernimmt.“

„Manager? Übertreibst du jetzt nicht ein bisschen?“

Er sieht ungläubig auf. „Nein, tu ich nicht. Das Beste wäre im Grunde, einer von uns bliebe hier und der andere in den Staaten, aber dazu sind wir beide nicht bereit, oder, Babe?“ Er sieht Mike an, dessen Arm fest um Jamies Hüfte geschlungen ist.

„No way! Lieber verzichte ich auf die Hälfte der Jobs.“

Klare Ansage und völlig verständlich. Ich würde die Liebe meines Lebens auch nicht ständig am anderen Ende der Welt … Oh! Was denke ich denn jetzt schon wieder für einen Quatsch?

Melanie sollte, oder ist, oder … Aaahhh.

Bloß weg mit diesen Gedankengängen!

„Dann sucht euch jemanden. Macht eine Ausschreibung, ein Jobangebot, irgendwas …“

Mike räuspert sich laut und funkelt mich an. „Nein! Ich bin zwar noch relativ neu in dem Business, aber eines habe ich gelernt: Vertrauen ist dort das allerwichtigste! Ich will meinen Arsch nicht einem Fremden anvertrauen, der aus lauter Gier irgendwelchen Blödsinn damit anstellt und Verträge aushandelt, die ich nicht erfüllen kann und will. Und was Jamie angeht: Die Männer, die sich vor seine Kamera stellen, müssen einem bestimmten Standard entsprechen. Billig kann jeder, das brauche ich dir nicht zu erklären.“

Mir fällt nichts Vernünftiges darauf ein, weil er recht hat. Mehr zu mir selbst murmle ich: „Ist wohl eher ein anderes Körperteil, welches du zur Verfügung stellst.“

Sie lachen beide herzhaft auf. Ich drehe mich weg und schaue aus dem Fenster. Mums ganzer Stolz: ihr blühender Rosengarten. Da ist es wieder, dieses innige Gefühl der Verbundenheit zwischen den beiden. Das Schicksal zeigt mir den Stinkefinger und präsentiert mir einen Ausweg in Form meines Bruders und Schwagers. Ohne Worte.

„Trotzdem … ich kann das nicht, ich …“

„Du musst es jetzt auch nicht sofort entscheiden“, wirft Jamie beschwichtigend ein und lässt die Blätter auf den Tisch sinken.

Oh nein, ausgerechnet Jace’ Bogen liegt oben auf. Er gesellt sich zum winkenden Schicksalsfinger.

„Aber denk wenigstens darüber nach. Mike hat mir erzählt, du seist ein wahres Organisationsgenie, genau das brauchen wir. Warum besprechen wir das nicht mal alles in Ruhe, wenn du uns besuchen kommst, hmmm?“

Na klasse, ich werde das Gefühl nicht los, dass die beiden schlicht so lange warten, bis sie mich breitgeschlagen haben, und gar keine andere Option ins Auge fassen.

„Ich kann diesmal nicht kommen, ich habe zu viel zu tun“, quetsche ich hervor, kann aber dabei keinem der beiden in die Augen sehen.

„Ach ja? Und warum willst du tatsächlich nicht zu uns rausfahren?“ Mike! Natürlich, wie konnte ich denken, dass er mich nicht durchschaut.

Seufzend erwidere ich ihre ernsten Blicke und zucke mit den Schultern. „Kannst du ein einfaches Nein akzeptieren?“

Er mustert mich genau. „Ja, das ist mir allemal lieber als deine schwachsinnigen Ausreden.“

Gut, um Ehrlichkeit musste man sich bei ihm noch nie Sorgen machen.

Jamie schmunzelt und widmet sich wieder den Bewerbern. Er betrachtet Jace’ Bild und legt den Kopf schräg.

Wenn er an dem Jungen irgendeinen Makel zur Sprache bringt, kann ich für nichts garantieren. Wow, was ist denn mit mir los?

„Den kenn ich!“, murmelt er undeutlich und wühlt in den Begleitblättern. „Ja, dachte ich es mir doch. Jace Stolz! Aus welchem Loch ist der denn gekrochen?“

Mir wird mulmig zumute. Das ist jetzt nicht wahr, oder? „Woher kennst du ihn?“, höre ich mich überrascht fragen.

Jamie schaut mich an, seine markanten, großen Augen funkeln. „Er ist schon lange im Geschäft, gefragtes Model mit zweifelhaftem Image. Ist vor, hmmm, etwa zwei Jahren einfach verschwunden. Ich hätte nie gedacht, dass der wieder aufkreuzt. Und du bist sicher, dass er sich nicht verlaufen hat?“

„Ja, er sagte, er möchte wieder anfangen und was Neues machen. Hat mich auch gewundert, aber er war sich völlig darüber im Klaren, dass es um ein Erotikcasting geht. Was … was für einen Ruf hat er denn?“ Klasse, jetzt komme ich schon ins Stottern. Nur gut, dass ich meine Hände unter dem Tisch verstecken kann, denn ich kann weder ihr Zittern noch wahre Schweißströme verbergen.

„Er ist eine richtige Bitch! Lässt nichts anbrennen. Man hat sich erzählt, er bräuchte keine Hotelzimmer zu mieten, weil er in jeder Stadt einen Stecher hätte …“

Jamies harte Worte handeln ihm nicht nur von mir einen überraschten Seitenblick ein. Als er es bemerkt, sieht er auf und atmet durch. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich so einen Typen aufnehmen möchte.“

„Vielleicht hat er sich geändert?“ Was, zur Hölle, rede ich denn da?

„Hmmm, wenn ja, wäre es toll, er ist klasse. Ich kenne seine alten Bilder, er ist ein Megatalent. Wenn allerdings nicht, wäre er bei einer der billigen Agenturen besser aufgehoben. Ich habe keinen Bock, dass er unseren Ruf in den Dreck zieht.“

„Wenn du ihm ins Gewissen redest?“

Jamie sieht mich nachdenklich an. Habe ich mich jetzt zu weit vorgewagt? Und warum ist mir das wichtig?

„Ich bezweifle, dass das nützt. Wenn Jace wieder ins Geschäft will, kann er sich die Agentur eigentlich aussuchen. Er wird sich keine Vorschriften machen lassen. Eben wegen solcher Typen steht die Pornobranche so mies da. Andererseits … bei den falschen Leuten wird er bald nur noch auf dem Rücken liegend zu sehen sein … Ich weiß nicht, was wir machen.“ Er legt das Blatt auf den Stapel zu den anderen und schmiegt sich an Mikes Seite.

Jamies Worte machen mich nachdenklich und ängstlich. Eine völlig abstruse Mischung. Ist Jace wirklich so ein Arsch? Lässt mich meine Menschenkenntnis völlig im Stich, weil er meinem Schwanz so gefällt? Tatsache ist: Die bloße Vorstellung, dass er bei einem der Billigproduzenten verheizt wird, macht mich nervös. Ich schüttle den Kopf, um diese Gedanken zu verscheuchen. Erstens kenne ich ihn im Grunde gar nicht und zweitens bin ich nicht sein Kindermädchen. Er schien mir ganz genau zu wissen, was er will.

Jamies schonungslos offene Darstellung von Jace’ Ruf hilft mir ein wenig, die nächsten Tage auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Wobei ich mich frage, warum ich mir überhaupt so einen Kopf drum mache. Der Kerl ist bereits wieder über alle Berge und wird meinen Weg nie mehr kreuzen.

Der Alltag hat mich am Montag wieder. Ich begehe gerade eine Großbaustelle, als mein Handy vibriert. Ich entschuldige mich bei meinen Begleitern und suche eine ruhige Ecke. Es ist Jamie! Ich hätte ja eher gedacht, dass mein Bruder mir weiterhin in den Ohren liegt, ihr Mädchen für alles zu spielen, aber er hat den Part an seinen Mann abgegeben. Der macht es wesentlich eleganter, auch wenn ich ihn längst durchschaut habe.

Nur muss ich gestehen, dass ihr Plan funktioniert. Mit seinen ständigen Mails, SMS und Anrufen bleibt der Fluchtweg in meinem Kopf bestehen und gibt meiner Krise neue Energie. So wie auch jetzt. Das ist heute schon der vierte Anruf, bei dem er irgendwelche Kleinigkeiten zu einem der Bewerber wissen will. Der Verdacht, dass er das zum Vorwand nimmt, erhärtet sich minütlich.

Als ich ihn abgewimmelt habe, nehme ich das Geschäftsgespräch wieder auf. Wir begutachten das gesamte neu erbaute Stockwerk und lassen uns vom Bauleiter auf einen schlechten Kaffee einladen.

Mein Handy klingelt erneut. Langsam werde ich echt sauer. Wenn sie mir schon mit dieser Schnapsidee auf den Wecker gehen müssen, dann wenigstens nach Feierabend. Mit einem Fluch auf den Lippen hole ich es hervor und schalte es frei.

Eine SMS. Hmmm, die Nummer kenne ich nicht. Während ich sie öffne, schaue ich unseren Gastgeber an und beantworte eine kurze Frage.

Dann wieder die Nachricht. ‚Mein Flieger landet um 19 Uhr. Treffen wir uns um 21 Uhr in der Bar des Flughafenhotels? J.‘

Aha … Was? Muss ein Irrläufer sein, keiner meiner Bekannten oder Freunde ist zurzeit unterwegs. Ich lösche die Worte und widme mich meinen Tischnachbarn.

Ein paar Minuten später wiederholt sich die Prozedur. Langsam drehe ich echt durch. War es früher schön, ohne dieses Big-Brother-Gefühl.

‚Hast du meine Nachricht erhalten? J.‘

Okay, wer immer das sein soll, bekommt jetzt wenigstens eine Antwort, sonst verdorrt die Person heute Abend am Tresen.

‚Ja, ist aber an die falsche Nummer gegangen.‘

Ich lasse den Apparat vor mir liegen und entschuldige mich bei den Anwesenden. Wobei jeder von ihnen Verständnis hat, immerhin müssen wir alle erreichbar sein. Ah, voila, die Antwort.

‚LOL. Nein Dirk, habe die richtige Nummer. Ich will dich sehen. Jace.‘

Schlagartig einsetzende Schnappatmung. Was zur Hölle? Mein Gesicht muss wohl schneeweiß werden, da meine Kollegin rechts neben mir fürsorglich nach meinem Arm greift und mich festhält. Stimmt … ich schwanke tatsächlich. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Witzigerweise, ich stimme in das Lachen meiner Tischnachbarn ein, schüttle ich das Telefon, als ob es am Text etwas ändern würde.

Das erneute Piepen macht es nicht leichter. ‚21 Uhr? Bis später. J.‘

Hallo? Sag mal … hat der nicht mehr alle? Meine Überraschung wandelt sich in handfesten Ärger. Dieses arrogante, schnöselige Bürschchen will mich sehen? Was glaubt der denn? Dass ich auf sein Pfeifen reagiere wie ein Hund?

‚Nein, ich komme nicht!‘ Wie gebannt starre ich auf das Display, und ja, er reagiert umgehend.

‚Doch! ;-)‘

Dieser … nein, ich will das Schimpfwort, das mir spontan einfällt, nicht aussprechen. So eine bodenlose Frechheit! Und wie kommt der an meine Handynummer? Hat Jamie …? Nein, sicher nicht, vor allem nicht, wenn man bedenkt, was er von Jace hält. Und wieso will der mich sehen? Inzwischen müsste er doch mitbekommen haben, dass ich mit seinem Job nichts zu tun habe. Fragen über Fragen, und noch während ich darüber nachgrüble, wird mir klar, dass er recht hat. 

Ich werde in die Bar fahren!

7.

Dirk

Ich weiß jetzt nicht, was mich mehr ärgert: die Tatsache, dass ich tatsächlich wie bestellt um kurz vor neun Richtung Flughafen fahre, oder die Auseinandersetzung mit Melanie.

Beides ist in etwa gleich blöd und nervig. Ich gehe normalerweise abends nie aus. Habe ich vor Jahren aufgegeben, eher aus Faulheit denn aus Notwendigkeit. Meine Frau jedoch hat ihre festen Ausgehtage, die sie mit Freundinnen im Kino oder beim Essen verbringt. Die Regelung klappt hervorragend. Zumindest hat sie das bis heute Abend, als ich ihr sagte, ich müsse nochmal weg, um mich mit jemandem geschäftlich zu treffen. Ihre Begeisterung über eine Umgestaltung unseres Alltags hält sich in Grenzen, da ich, was weiß ich, welcher Teufel mich geritten hat, gleich angedeutet habe, dass es zukünftig öfter vorkommen könnte.

Ich bin entsetzt, wie leicht mir die Lüge über die Lippen kommt. Betrüge ich sie nicht damit schon? Aber was hätte ich ihr auch sagen sollen? Etwa, dass mich ein 28-jähriges, schwules Malemodel auf einen Drink eingeladen hat, dem es hinsichtlich der Gerüchte nur um einen Schlafplatz mit dazugehöriger Unterhaltung gehen kann?

Wohl kaum.

Also eine Lüge.

Ich befürchte, die erste von vielen.

Blödes, grinsendes Schicksalsorchester.

Die Bar des Hotels befindet sich praktischerweise auf der gleichen Tiefgaragenebene, auf der ich einen Parkplatz finde. Angenehm empfinde ich beim Betreten die Tatsache, dass nicht mehr geraucht werden darf. So trifft einen beim Eintreten nicht gleich der Schlag. Die Lokalität ist recht modern und schnörkellos eingerichtet. Dunkles Holz, ein typisch bayerischer Touch mit schmiedeeisernen Dekoelementen und dem unvermeidlichen Weiß-Blau unserer Flagge. So sehr ich es auch versuche: Jace will hier einfach nicht her passen. Er gehört in eine Schickimickilocation mit Hip Hop und stylishen Longdrinks.

Nein! Er gehört überhaupt nicht hier her! Basta! Und genau das werde ich ihm jetzt auch klar machen.

Wäre ja noch schöner, taucht hier auf und bringt mir meinen schön geordneten Alltag durcheinander.

So, Laden geentert. Und wo ist er jetzt? Die Zahl der Gäste ist überschaubar, aber nirgends entdecke ich den dunkelblonden Haarschopf. Ich gehe einige Schritte weiter. Eine Bewegung linkerhand lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich.

Na klasse!

Besagter Mistkerl hat sich einen Platz in einem abgelegenen Separee ausgesucht. Einen Tisch am Rande, völlig umgeben von einer Sichtschutzwand und kunstvoll drapiertem Stoffefeu. Wie gemacht für ein heimliches Stelldichein!

Meine Hormone laufen Amok! Ich kann versuchen, es zu leugnen und meine ach so praktische Wut weiter am Flackern zu halten, aber es gelingt nur für einen Augenblick. Fakt ist: Dieses heimliche Treffen macht mich an! Der Kerl macht mich an! Sein Scheißruf macht mich an!

Großer Gott!

Ich bin echt völlig am Ende. Welchen Schalter hat der Mistkerl umgelegt, dass jede bis dato ausreichende und funktionierende Argumentation außer Kraft gesetzt ist? Was an ihm ist so anders? Ich komme nicht drauf und bin dem Ganzen, zu meiner Schande, ausgeliefert.

Halt! Das darf nicht sein! 

Ich sammle mich mühsam und besinne mich auf die Realität: Nicht schwul! Verheiratet! Biederer Architekt! Vater! … Langweilig! Sexuell unterversorgt! Scharf darauf, zu erleben wie ein Mann …!

Ahhhh!

Mein Gehirn neigt im Moment dazu, ständig falsche Abzweigungen zu nehmen.

Und sehr hilfreich ist die Tatsache, dass der Auslöser jetzt aufsteht, mir einen Schritt entgegen kommt und zum Stein erweichen süß lächelt, auch nicht.

Was ist der für eine Schönheit! Enge Jeans, verboten enges, weißes T-Shirt, Sonnenbrille im Haar - was ich persönlich für einen schwachsinnigen Modegag halte - und eine Hand lässig in der Hosentasche. Seine dunkelblonden Haare sind perfekt auf Nachlässigkeit getrimmt und sein Lächeln vervollständigt seine Anmut. Dieser Mann kann eigentlich nur ein Model sein, alles andere wäre pure Verschwendung.

Er wirkt wie ein Magnet auf mich. Ohne mein Zutun streben meine Beine zu ihm, helfen meinem sexuell frustrierten Körper dabei, in seine Reichweite zu gelangen.

Alles Verräter!

Dann stehe ich vor ihm. Wenigstens mein Gesicht unterliegt noch meinem Willen und schmachtet ihn nicht an wie der sehr steife, sabbernde Rest von mir.

„Woher hast du meine Nummer?“ Unfreundlich? Aber so was von. Mir egal.

Er lacht fröhlich, meine scharfen Worte prallen von seiner unverschämten Selbstsicherheit wie Gummigeschosse ab. „Die Agentur war so freundlich, sie mir zu geben, als ich ihnen sagte, du hast um weitere Auskünfte gebeten.“

Wie bitte? Ich muss später ganz dringend ein sehr ernstes Wort mit Jamie und Mike reden. Das geht ja wohl gar nicht.

„Lass das in Zukunft“, fauche ich ihn an.

„Gern … ich habe sie jetzt ja.“

Ahhh, ich möchte ihm am liebsten eine knallen. Der Mann bringt mich innerhalb von Sekunden auf 180. „Du weißt genau, was ich meine.“

Wieder lacht er und verursacht bei mir Herzrasen. „Ich habe Rotwein bestellt, ich hoffe, er trifft deinen Geschmack. Komm, setz dich hin.“

Er wendet sich ab und rutscht auf die Bank in das noch dunklere Eck. Ich hingegen bleibe verdattert stehen. Das gibt’s doch nicht. Wie kann der sich so absolut sicher sein, dass er mich rumkriegt? „Jace … Was zum Teufel willst du? Ich habe dir letztes Mal gesagt, dass du mich in Ruhe lassen sollst.“

Seelenruhig schenkt er einen Schluck in ein bauchiges Glas ein, schwenkt es elegant und schüttelt den Kopf. Wie er seine Hände bewegt, macht mich schier kirre. Wunderschöne, kraftvolle Männerhände! „Du hast nur behauptet, keine Verwendung für meine Karte zu haben.“

„Haarspalterei!“, fauche ich aufgebracht und halte ihm meine Hand hin. Wieder mal muss mein Ehering für meine Feigheit herhalten. „Was siehst du da?“

Jace lacht und klopft neben sich auf die Polster. Ich Idiot folge doch tatsächlich seiner Aufforderung. Erst dann widmet er mir seine volle Aufmerksamkeit.

Mist, der Schuss geht ja wohl nach hinten los. Er ergreift meine Hand und streicht mit dem Daumen über den abgenutzten Goldreif. Die Berührung jagt eine Horde von Schauern durch meinen ganzen Organismus, meine Kehle wird trocken. Was macht dieser Junge mit mir?

„Was ich sehe? Wenn in dem Ring ein Frauenname steht, ist in deinem Leben einiges völlig schiefgelaufen. Ich weiß, dass ich dich anmache! Du hast mich fast mit Blicken verschlungen, als ich vor dem Tisch stand. Also was stellst du dich jetzt so an? Lass uns ein Glas trinken und dann nach oben gehen, hmmm? Ich möchte mit dir schlafen und …“

„Er hatte recht!“

Seine verträumten Augen fokussieren sich wieder und er sieht mich lauernd an. „Wer?“

„Unwichtig. Aber es stimmt, du lässt wirklich nichts anbrennen, oder? In jeder Stadt einen anderen Stecher?“

Jace ist, entgegen meiner Befürchtung, weder beleidigt noch schockiert. Lachend nimmt er einen Schluck und lehnt sich an das Polster zurück.

„Mein Ruf eilt mir also voraus? Dann muss ich wenigstens nicht das schüchterne Bürschchen spielen. Und eigentlich ist es mir völlig schnuppe, was die Leute da draußen von mir denken. Hat er gesagt ich sei eine Schlampe?“

Oh, warum trifft mich das Wort härter als ihn? „So in etwa.“

Jace nickt und lässt abermals den Wein im Glas kreisen. Bilde ich mir das ein oder huscht ein Hauch von Schmerz durch seine Augen? „Dann eben Schlampe, auch egal. Zumindest habe ich mehr Spaß als er, oder?“

Wider Willen muss ich grinsen. Mehr Spaß als Jamie mit meinem Bruderherz? Da könnte er ordentlich danebenliegen. „Da dürftest du dich täuschen.“

Er schielt mich von der Seite her an. Dann klappt er das Visier wieder vors Gesicht. „Mir ist schon lange egal, was andere von mir halten. Ich mag Sex und wenn ich welchen bekommen kann, greife ich zu. Und heute will ich dich. So einfach ist das!“

Punkt.

Ausrufezeichen!

Der hat doch echt nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber ich bin von seiner unverblümten Offenheit so geplättet, dass ich nicht gleich antworten kann. „Ich glaube, du hast die Bedeutung dieses Ringes doch nicht ganz verstanden. Ich bin verheiratet und gedenke meiner Frau treu zu bleiben.“

Er verzieht das Gesicht zu einem gespielt entsetzten Ausdruck. Meine Finger kribbeln und ich spüre, wie sich meine Fäuste ballen. Ich bin kein Schläger, echt nicht, aber in dieser Sekunde könnte ich diese Profession wirklich ins Auge fassen.

„Zu blöd auch! Dann frag ich mich, warum dich mein Arsch so anmacht? Hmmm? Du konntest ja letztes Mal kaum den Blick davon nehmen …“

„Ich muss mir dein Geschwätz echt nicht anhören. Was glaubst du eigentlich? Tauchst hier auf und lässt deine altkluge Modelerfahrung raushängen? Du hast keine Ahnung, wer ich bin, was ich will oder …“

„Doch!“ Das Wort hallt scharf durch die schummerige Ecke. „Du bist scharf auf mich! Mir ist deine Ehe völlig egal, Mann. Ich will einen Fick und normalerweise muss ich nicht so ein Tamtam machen wie jetzt. Gehst du mit auf mein Zimmer oder nicht? Wenn nicht, dann solltest du das nächste Mal aufhören zu sabbern, wenn dich ein Kerl anmacht. Denn dass du schwul bist, riecht jeder auf 200 Meter gegen den Wind.“

Wow. Das ist dann mal eine Ansage. Wenn es nicht mich betreffen würde, müsste ich ihm für die kurze und prägnante Zusammenfassung all meiner privaten Dramen danken. Aber es betrifft mich. Und es ist schlichtweg scheiße, es so vor den Latz geknallt zu bekommen. Sprachlos stehe ich auf und gehe. Ich bin nicht auf den Mund gefallen, das liegt bei uns in der Familie, aber darauf kann, will, werde und darf ich nichts erwidern. Denn entweder zertrümmere ich ihm sein hübsches Modelgesicht oder tue genau das, was er sagt: ihm das Gehirn rausficken.

Großer Gott … mich erschrecken ja schon die bloßen Gedanken. Nix wie weg hier!

Raus aus dem Lokal, ohne einen Gruß geschweige denn einen Blick zurück. In Gedanken mache ich mir die Notiz, Mike und seinem Mann NIE WIEDER einen Gefallen zu tun, und unterstreiche sie tiefrot.

Ich durchquere die fast leere Tiefgarage, meine Schritte hallen laut von den Betonwänden wider. Das Piepen der Entriegelung meines Autos durchschneidet die Geräusche meiner Schritte.

Mein Kombi ist in Sichtweite, das Orange der Blinker zeichnet bunte Kreise an die Wand. Rettung in Sicht.

„Dirk?“

Verflucht aber auch. Ich hetze weiter, als wäre der Leibhaftige hinter mir her.

„Dirk!“

Eine Hand umfasst meinen Oberarm. Warum habe ich seine Schritte nicht gehört? Er reißt mich unsanft herum. Hat ganz schön Kraft, der Junge. Mein wutverzerrtes Gesicht beeindruckt ihn offensichtlich überhaupt nicht.

„Erträgst du die Wahrheit immer so schlecht?“

Boah, der spielt mit seinem Leben, weiß der das nicht? Ich kneife meine Augen zusammen und atme angestrengt durch die Nase ein und aus. „Ich muss mir von einem dahergelaufenen Schönling nicht so einen Blödsinn an den Kopf werfen lassen. Wenn du so dringend eine Nummer brauchst, geh doch in ein Bordell oder halte deinen Hintern auf die Straße. Aber lass mich zufrieden.“

„Ich will aber genau dich!“

Ich fasse es nicht! Also um den heißen Brei rumreden ist echt nicht sein Ding. „Aber ich dich nicht!“ Meine Stimme klingt nur halb so fest, wie ich es mir wünsche.

Fuck! Wieso steht plötzlich ein Auto so dicht hinter mir, dass ich nicht ausweichen kann? Erschrocken lausche ich dem Stöhnen, das mir unwillkürlich entschlüpft.

Mein Gott!

Spinnt der? Wie kann man nur so dreist sein? Jace’ Hand liegt auf meiner Körpermitte, massiert meinen harten Ständer, der zweifelsfrei meine Jeans ordentlich ausbeult. Das fühlt sich … furchtbar gut an.

Ich komme zu mir und schubse ihn grob weg. „Spinnst du jetzt völlig?“

Jace bleibt, wo er ist, und betrachtet mich von oben bis unten wie eine leckere Nachspeise. „Du bist scharf auf mich!“