Verlag: BEBUG Kategorie: Sachliteratur, Reportagen, Biografien Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

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E-Book-Beschreibung Jedermanns Lieblingsschurke - Michael Strauven

Vom "Otto Normalverbraucher" zum 007-Bösewicht Auric Goldfinger, vom Kindermörder Schrott in Es geschah am hellichten Tag zum Räuber Hotzenplotz: Gert Fröbe war einer der wenigen internationalen Stars aus Deutschland. Er, der ein Leben lang darunter litt, vor allem Bösewichte spielen zu müssen, war Publikumsliebling, ein Kerl mit weichem Herzen in rauer Schale. Bis heute ist die Sympathie für ihn ungebrochen. Michael Strauven porträtiert den Mann aus Sachsen auf seinem Weg zum Weltstar. Begnadeter Geiger, talentierter Maler, Artist, Clown, legendärer Morgenstern-Rezitator, Frauenschwarm und ein Vollblutschauspieler mit der Lust, aufs Ganze zu gehen - Fröbe war (und ist) unwiderstehlich. Kurzweilig und anschaulich zeigt die Biographie Bekanntes und Unbekanntes aus Fröbes Leben, schildert Höhen und Tiefen seiner fulminanten Karriere, stellt den Privatmann wie den Charakterdarsteller auf Weltniveau vor und lässt so eine (gesamt-)deutsche Legende lebendig werden.

Meinungen über das E-Book Jedermanns Lieblingsschurke - Michael Strauven

E-Book-Leseprobe Jedermanns Lieblingsschurke - Michael Strauven

Michael Strauven

Jedermanns Lieblingsschurke

Michael Strauven

JedermannsLieblingsschurke

Gert Fröbe. Eine Biographie

eISBN 978-3-86789-559-0

1. Auflage© 2012 by BEBUG mbH / Rotbuch Verlag, BerlinUmschlaggestaltung: Katharina Fuchs, Rotbuch VerlagUmschlagabbildung: picture-alliance/dpa,Gert Fröbe in dem Film Ganovenehre(BRD 1965/1966, Regie: Wolfgang Staudte)

Ein Verlagsverzeichnis schicken wir Ihnen gern:Rotbuch VerlagAlexanderstraße 110178 BerlinTel. 01805/30 99 99(0,14 Euro/Min., Mobil max. 0,42 Euro/Min.)

www.rotbuch.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Schicksalsentscheidung (1964)

2. Ein sächsischer Provinzclown mit Potential (1913–1930)

3. Eine sächsische Provinzgröße (1930–1933)

4. Lehrjahre in Dresden (1933–1936)

5. Endlich Schauspieler (1936–1939)

6. Wiener Episoden (1939–1941)

7. Vorkrieg und Krieg (1936–1945)

8. Kleinkunst und Alleinunterhalter (1945–1947)

9. »Ein Mann aus dem Volke – für das Volk« (1947–1949)

10. Katzenjammer und Jonglage (1949–1955)

11. Neustart in Frankreich (1954–1957)

12. Ein feuchter Furz und die Völkerfreundschaft (1958)

13. Jetzt geht’s los (1958)

14. Wer hat, der hat (1959–1962)

15. Vom herrschsüchtigen Ekel zum geliebten Gauner (1959–1961)

16. Alte Triebe – neue Liebe (1961–1962)

17. »Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt …« (1962–1963)

18. Endlich Goldfinger (1964)

19. Klamotte auf höchstem Niveau (1965)

20. »Natürlich war ich Nazi« (1965–1966)

21. My home is my castle (1964–1965)

22. Freischwimmer im Ozean der Möglichkeiten (1967–1968)

23. Lache, Bajazzo (1968–1969)

24. Das Leben geht weiter (1970–1972)

25. Karrierestau oder Karriereende? (1971–1973)

26. Alltag mit einem »Naturereignis« (1973)

27. Der Kinderschreck als Kinderfreund (1974)

28. Ein Weltstar zum Anfassen (1975–1978)

29. Fröbe außer Haus (1978–1982)

30. Fröbe außer sich (1983–1987)

31. Letzte Auftritte und Abschied (1988–1989)

Anhang

Auszeichnungen

Filmographie

Quellen

Filmographie des Autors (Auswahl)

Vorwort

Warum Gert Fröbe? Eine Frage, die man vermutlich an Sie nicht stellen muss, da Sie dieses Buch bereits in den Händen halten. Eine Frage aber, die ich mir mehrmals gestellt habe. Gert Fröbe interessiert viele, ich musste das erst lernen.

Vor Jahren habe ich mit den Verantwortlichen der Fernsehsender MDR Leipzig und SWR Baden-Baden die Fernsehreihe ARD-Legenden »erfunden«. Das war naheliegend, nachdem ein Porträt des damals dreiundneunzigjährigen Johannes Heesters, das ich für den MDR gemacht hatte, sehr guten Zuspruch beim Publikum fand. Die allererste der ARD-Legenden war bereits die bisher erfolgreichste, die »Legende Romy Schneider« zu ihrem sechzigsten Geburtstag im Jahr 1998. Fünf Millionen Zuschauer gab es bei der ersten Ausstrahlung, für mich gab es dafür den Deutschen Kritikerpreis und Aufträge für weitere »Legenden«. Die Reihe umfasst inzwischen über siebzig Sendungen, zehn davon habe ich bisher gemacht.

Im Laufe der Jahre zeigte sich, dass das deutsche Fernsehpublikum besonders deutsche Legenden schätzt und durch hohe Einschaltquoten honoriert. Das hat dazu geführt, dass ich auf Gert Fröbe kam, nachdem ich in der Reihe fast ausschließlich Hollywood-Legenden porträtiert hatte (Liz Taylor, Audrey Hepburn, Marlon Brando, Ingrid Bergman, Marlene Dietrich, Alfred Hitchcock u. a.). Bei Fröbe war ich zunächst unsicher, stellte aber bald fest, dass so gut wie jeder, alt oder jung, mit dem Namen etwas anfangen kann. Ob als dürrer »Otto Normalverbraucher« in der Berliner Ballade, als dicker »Weltfeind Nummer eins« Auric Goldfinger im gleichnamigen James-Bond-Film, als hinterlistiger Kindermörder in Es geschah am hellichten Tag oder als treuherziger Kinderfreund in Räuber Hotzenplotz, Gert Fröbe ist vielen ein Begriff. Auch die Fernsehredaktion war anfangs nicht sicher, ob ein Porträt von Gert Fröbe eine gute, quotenstarke Idee sei. Einige Kollegen höhnten gar pietätlos, man wolle eine längst vergessene Größe auf diese Art wiederbeleben. Alle Bedenken stellten sich als falsch heraus. Die »Legende Gert Fröbe« gehört zu den erfolgreichen Sendungen der Reihe und interessierte fast doppelt so viele Zuschauer wie mein entsprechender Film über Marlon Brando!

Als sich das erwies, hatte ich mit zunehmendem Interesse sehr viel Material zu Gert Fröbe gesammelt. Bisher gab es keine ausführliche Biographie dieses Mannes. Eine 1982 erschienene Monographie mit dem Titel Gert Fröbe – seine Filme, sein Leben, weist viele Fehler auf und ist keine zuverlässige Quelle. Fröbe selbst hat sich über dieses Buch geärgert. Das beginnt schon auf den ersten Seiten: Fröbes eigentlicher Name sei Froeber steht da, eine Fehlinformation, die sich als sehr langlebig erweist. Auf der Webseite der weltweit größten Filmdatenbank imdb.com steht das so bis heute (2012). Als das Buch herauskam, fragte ihn seine Verwandtschaft in der DDR, ob er sich schäme, ein Fröbe zu sein, und deshalb den Namen geändert habe. Keiner konnte sich vorstellen, dass Gert Fröbe an dem Buch nicht mitgearbeitet hatte, aber genau so war es. »Ein Skandal«, findet Fröbe und beklagt sich, er habe dieses Leben führen müssen, er habe ganz arm angefangen und sich hochgearbeitet und jetzt würden andere mit seiner Geschichte »absahnen«. Fröbe persönlich hat schließlich 1987 ein etwas selbstverliebtes Erinnerungsbuch geschrieben beziehungsweise diktiert und schreiben lassen, das nur hier und da als Quelle von Informationen dienen kann, fast immer aber ein Quell guter Anekdoten ist: Auf ein Neues sagte er …, erschienen 1988. An diesem Buch ist vor allem interessant, was er in seinem eigenen Lebenslauf nicht erwähnt. Beide Bücher sind seit langem vergriffen.

Darüber hinaus hat sich Gert Fröbe oft über sein Leben geäußert, in Presse, Rundfunk und Fernsehen, schließlich auch auf Kleinkunstbühnen mit einer »gespielten Biographie«. Ich benutze alles als Quelle zur Person, was bis Spätsommer 2012 verfügbar ist. Dabei versuche ich, nur solche Informationen weiterzugeben, die aus mehreren Quellen bestätigt sind, also als sicher angesehen werden können. Hilfreich waren besonders die Tonbandprotokolle, die für seine Autobiographie angefertigt wurden. Das ist Fröbe-Originalton. Dort äußert er sich umfassender als in seinem Buch, und er gibt Geschichten preis, die er zu Lebzeiten nicht gedruckt wissen wollte. Darüber hinaus nutze ich Fröbes Nachlass in der Deutschen Kinemathek in Berlin, deutsche und englischsprachige Presse-, Rundfunk- und Fernseharchive, Akten in Staatsarchiven, öffentliche wie private Sammlungen sowie Erinnerungen von Zeitzeugen. Dennoch bleibt eine Grauzone von guten Geschichten, die so oder auch ein wenig anders verlaufen sein könnten. Das ist kein Zufall, Fröbe selbst hat seine Erinnerungen laufend aufgeputzt, umformuliert, ja sogar revidiert – immer im Sinne der bestmöglichen Wirksamkeit beim geschätzten Publikum. Es ist also durchaus in seinem Sinne, sogar die eine oder andere Unwahrscheinlichkeit zu berichten, allenfalls versehen mit den gebotenen Zweifeln. Das werde ich tun.

Ein Fernsehmacher schreibt ein Buch? Auch für einen 45-Minuten-Film wie die ARD-Legende muss ich so gut wie alles über die porträtierte Person wissen. Dann allerdings, im Laufe der Arbeit an einem Film, muss vieles, manchmal allzu vieles unter den Tisch fallen. Kein Leben lässt sich in einer Dreiviertelstunde nacherzählen, ein so wechselreiches wie das von Gert Fröbe schon gar nicht. Für das Fernsehen muss man reduzieren auf das, was sich bebildern, also »zeigen« lässt. Wofür es keine Bilder gibt, das geht im Fernsehen nicht. So war es unvermeidlich, dass vieles in der »Legende Gert Fröbe« unerwähnt blieb, weil es nicht bebildert werden konnte. Hier, in diesem Buch, ist Raum für die Zwischentöne. Endlich konnte ich die Familie Baumann in Zwickau – Nichten und Neffen von Fröbe – noch einmal befragen, den Adoptivsohn Andreas Seyferth in München, den Sohn (?) Utz Fröbe in Seattle und viele von Fröbes Freunden und Kollegen: Gwendolyn von Ambesser, Toni Netzle, Ellen Schwiers, Vera Tschechowa, Artur Brauner, Michael Graeter, Gustav Ehmck, Peter Hajek, Dieter Hildebrandt, Gunnar Möller und Christian Wolff in Deutschland; Robert Hossein in Paris; Honor Blackman, James Fox und Nikki van der Zyl in London. Schließlich konnte ich noch einmal ausführlich mit Gert Fröbes Witwe Karin und ihrer Tochter Beate sprechen über diesen Mann, der von so vielen »auf Distanz« geliebt wird und doch »in aller Nähe« nicht einfach zu lieben war. Ich danke allen auf das Herzlichste.

Ebenso danke ich Gerolf Karwath beim SWR, dessen Entscheidung für die »Legende Gert Fröbe« mein Interesse erst auf die Spur gesetzt hat. Und selbstverständlich danke ich den freundlichen Leuten vom Rotbuch Verlag, ohne die ich gar nicht auf die Idee gekommen wäre, dieses Buch zu schreiben. Die Freude darüber, hier ausführlich und endlich mit allen Details Gert Fröbe beschreiben zu können, hat noch andere Gründe. Die Erfolgsserie »Legenden« läuft Gefahr, der Talkshow-Dominanz im Fernsehen zum Opfer zu fallen. Es sind einfach keine attraktiven Sendeplätze mehr für dieses Format garantiert. Der alte Stammplatz am Montag um 21 Uhr im Ersten ist (vorerst?) verloren. Auch der Quotenhunger bei der Auswahl hat zugenommen, komplexe Persönlichkeiten kommen immer weniger in Frage. Auch deshalb schreibe ich mit Vergnügen alles über Gert Fröbe in diesem Buch. Anders als im Fernsehen kann ich hier allerdings die Filme mit Fröbe nicht zitieren, keine Szenen zeigen. Ich werde stattdessen die Filme, die ich für bemerkenswert halte, im laufenden Text an der chronologisch richtigen Stelle näher beschreiben. Aber der Eindruck, dass hier in der Hauptsache Filmkritiken geboten werden, soll nicht aufkommen. Deshalb bleiben die Filmbeschreibungen kurz und dienen nur dazu, die Person Gert Fröbe verständlicher zu machen. Im Anhang mit einer kompletten Filmographie werden seine wichtigeren Filme noch einmal hervorgehoben. Vor allem aber soll die Person Gert Fröbe beschrieben, zitiert und gedeutet werden. Bei einem Mann, der 1913 geboren wurde, ist es zwangsläufig, dass es erst zu seiner zweiten Lebenshälfte Zeitzeugen gibt. Für die Biographie heißt das: Je älter Gert Fröbe wird, desto mehr Leute lassen sich heute finden, die mit ihm zu tun hatten und über ihn sprechen können. So ergibt es sich, dass direkte Aussagen und Meinungen zu Gert Fröbe, ja sogar Dialoge über ihn erst in der zweiten Hälfte des Buches eine größere Rolle spielen.

Gert Fröbe, der massige Kerl aus Zwickau war einer der wenigen deutschen Topstars der noch jungen Bundesrepublik. Und er ist Sympathieträger bis heute. Fröbe, der sich selbst hässlich fand und immer darunter litt, vor allem Bösewichte spielen zu müssen, war Publikumsliebling, Bambi-Preisträger, ein Kerl mit butterweichem Herzen in einer rau scheinenden Schale. Sogar den lebenslang unüberhörbaren Anklang ans Sächsische in seiner Aussprache wandelte er in einen liebenswerten Vorteil – eine Leistung in Zeiten des Kalten Krieges. Da er am Vorabend des Ersten Weltkriegs geboren wurde, spiegelt das Leben Gert Fröbes auch den Werdegang Deutschlands im letzten Jahrhundert. Gert Fröbe kam aus dem sächsischen Kohlerevier bei Zwickau und eroberte die (Film-)Welt, er kam aus dem Osten und eroberte den Westen. Der Schauspieler, Artist, Musiker, Pantomime und Maler Gert Fröbe hat das Zeug zu einer gesamtdeutschen Legende. Er konnte als Schauspieler fast alles und war sich doch für keine Klamotte zu schade. Er war Vollblutschauspieler mit der Lust, aufs Ganze zu gehen, dies aber nur auf der Bühne und in seinen Filmen. Zu Hause war er ein meist gemütlicher, etwas kleinbürgerlicher Despot. Gert Fröbe, ein netter Kerl fast ohne Geheimnis. So scheint es.

Berlin, Juli 2012

1.

Schicksalsentscheidung

1964

Irgendwann hatte Gert Fröbe sich vorgenommen, keine Schurken mehr zu spielen. War er denn nicht sehr gut angekommen als liebenswerter Panzerknacker in Der Gauner und der liebe Gott oder als gutherziger Freistilringer in Der Pauker? Die Leute mochten ihn doch als netten Kerl. Fröbe sah sich nie als Bösewicht. Seine greise Mutter in Zwickau beschwerte sich häufig: »Junge, lass die bösen Rollen – ich kann ja den Nachbarn gar nicht mehr in die Augen schauen …« Und doch hatte er in vielen Filmen genau das sein müssen, ein Schurke. Dann endlich, mit immerhin fünfzig Jahren, bekam er das Angebot seines Lebens, die Chance zur allergrößten Karriere: die Titelrolle im internationalen James-Bond-Film Goldfinger. Aber Gert Fröbe war fest entschlossen, abzusagen. Schon wieder ein Bösewicht, dazu hatte er keine Lust.

Wusste er zu diesem Zeitpunkt schon, dass er für diese Rolle nur zweite Wahl war, dass Orson Welles eigentlich dafür vorgesehen war, der aber zu viel Geld verlangt hatte? Ahnte Fröbe, dass Goldfinger, sein allererster Film auf Englisch, ihm, der selbst auf Deutsch noch immer leicht sächselte, unendliche Schwierigkeiten bereiten würde? Gert Fröbe ahnte nichts davon. Ebenso wenig konnte er sich vorstellen, dass genau dieser Film ihn weltberühmt machen würde. Er war es einfach leid, immer den Schurken zu spielen. Seit seinen frühen Theatertagen ging das nun so, immer wenn er einen jugendlichen Helden spielen wollte, wurde er ausgelacht, und es wurde nichts daraus. Fröbe war erst zu dünn, dann zu dick. Fröbe hatte böse zu sein oder ulkig, basta. Das führte dazu, dass er einen tiefen Groll hegte gegen die »Schönlinge« unter den Kollegen, die immer die sympathischen Rollen, die schönsten Frauen und dazu noch höhere Gagen bekamen als er. Und nun sollte er schon wieder einen Fiesling geben, wenn auch auf internationalem Niveau?

Zum Glück hatte Gert Fröbe seine Ehefrau Beate als Beraterin. Die kluge Beate Bach war Rundfunkreporterin beim RIAS Berlin gewesen, als sie ein Interview mit Gert Fröbe gemacht hatte, 1961 am Filmset von Via Mala (auch da hat er den Bösewicht gespielt, sehr überzeugend). Beate Bach hatte ihn so geschickt und einfühlsam ausgefragt, dass er am Ende des langen Interviews nur halb im Scherz zu ihr sagte: »Wollen Sie mich heiraten?« Und sie wollte. Dieser Ehefrau Beate vertraute Gert blind, und die überredete ihn, über Goldfinger doch noch mal nachzudenken. Das würde es nie wieder geben, dass er in einem so hochkarätig besetzten internationalen Film die Titelrolle bekommen würde. Und sicher sei diese Filmrolle Auric Goldfinger ein Bösewicht, ein ganz übler sogar, der es auf die Weltherrschaft abgesehen habe, aber James-Bond-Filme, das seien doch Film-Märchen für Erwachsene, ausgebuffte Kinounterhaltung, nicht mehr. Keiner würde von Goldfinger auf ihn, auf Gert Fröbe schließen. »Ja, aber …«, so antwortete Fröbe, aber mit der Zeit wurde er unsicher. Würde Beate denn mitkommen und ihn beim Dreh im fremden Filmatelier in fremder Sprache beschützen? Sie könne mal zuschauen, ein wenig aufpassen, Händchen halten würde sie ihm aber nicht, er müsse da schon allein durch, er solle einfach Hilfe für die englische Sprache erbitten, so die Antwort seiner Frau. Und außerdem, er könne sich gar nicht leisten, diesen Film nicht zu machen, längst würde er sich doch im Stillen »seine« Szenen im Film schon ausmalen.

Gert Fröbe flog nach London und wurde im Auftrag des James-Bond-Produzenten, dem allmächtigen Albert R. Broccoli, von Nikki van der Zyl empfangen, der Tochter eines Berliner Rabbiners, der mit seiner Familie 1939 nach England emigriert war. Jetzt und für die Dauer der Dreharbeiten an Goldfinger »beschützte« Nikki ihn, half ihm, seine englischen Dialogsätze einigermaßen richtig auszusprechen. Und doch amüsierten sich im Filmstudio fast alle, wenn Fröbe als Auric Goldfinger seine englischen Sätze »herausknödelte«. Aber schon nach der ersten Mustervorführung, bei der die Arbeitsproben des Vortages gemeinsam betrachtet wurden, stand für alle Beteiligten fest: Keine noch so falsch betonte Silbe kann diesem Goldfinger seine Präsenz auf der Leinwand nehmen. Kaum war Gert Fröbe im Bild zu sehen, schon hatte er alle Aufmerksamkeit. Es war wohl besser, diesen komischen Dicken aus Deutschland ernstzunehmen. Fröbe sei ein cinema animal, ein »Kino-Tier«, war man sich einig, die Kamera liebe ihn. Die Rolle des Auric Goldfinger, »Weltfeind Nummer eins« wurde ein Höhepunkt in Gert Fröbes Karriere, wurde sein Marmorsockel im Museum der Filmgeschichte. Danach ging es erst richtig los. Aber bis es dazu kam, das war ein langer Weg.

2.

Ein sächsischer Provinzclown mit Potential

1913–1930

Gert Fröbe stammt aus Oberplanitz bei Zwickau in Sachsen, damals eine Bergarbeiterstadt. Eine besonders dreckige Ecke, wo der Ruß des Steinkohlenbergbaus keine Fensterbank, keinen Kohlkopf im Hausgarten, kein Wäschestück auf der Leine im Freien verschont hat. Für lange Zeit war das so. Heute sind die Dörfer und Wiesen um Zwickau so sauber wie das Ruhrgebiet, seitdem es mit dem Kohlebergbau vorbei ist. In der DDR beschloss man erst 1978 das Ende des Kohleabbaus im niedersächsischen Revier. Vorher war der Ruß allgegenwärtig, waren die Straßen schmutzig, die Häuser schwarz. Das Elternhaus der Fröbes steht in der Marktstraße, heute Edisonstraße, fast am Ortseingang, wenn man von Zwickau kommt. Nebenan liegt der Hammerwald, wo ein Hirtenjunge ein paar Jahrhunderte vorher die Kohle entdeckt haben soll, indem er auf offen liegenden »schwarzen Steinen« ein Feuer machte, das kaum mehr zu löschen war. Historisch belegt ist der Planitzer Erdbrand, der 1476 durch Selbstzündung der Kohle entstand und erst gut vierhundert Jahre später, 1860, gelöscht werden konnte. Das Kohlenfeld Hammerwald war nur ein paar hundert Meter vom Haus der Fröbes entfernt. Das Hochzeitsfoto der Eltern zeigt eine Gruppe stolzer Bürger im Sonntagsstaat, die Familien Sagewitz und Fröbe. In der Mitte oben das Paar, der gutaussehende Vater Otto Johannes, geboren am 3. Mai 1886, ein sehr großer Mensch, neben ihm Mutter Helene Alma, geboren am 27. September 1884, auch eine imposante Figur. Vater Fröbe ist Seiler und Lederhändler, die Mutter ist Schneiderin. Im Haus vorn zur Straße ist das Ladengeschäft, hinten um den Hof herum befinden sich Werkstatt und Wohnung.

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