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In den ersten Jahren des zweiten Weltkriegs geboren, zog Josef später vom Süden des Landes in den Norden, um dort nicht nur eine andere Landessprache zu lernen. Nach einer weiteren Lehre hatte er größere und kleinere Arbeitsstätten im ganzen Bundesgebiet. Nach einer gesundheitlich bedingten Umschulung folgten mehrere interessante ereignisreiche Stationen in Ost und West. Auch in europäischen Krisengebieten 1993-1994 bis hin in den vorderen Orient. Historische Stätten wie die Felsenstadt Petra und Jerash in Jordanien, die älteste bewohnte Stadt Damaskus waren ebenso Stationen im Leben von Josef wie alte historische Stätten im Irak, der Stadt mit der traurigen Berühmtheit Abu Ghraib und der irakischen Hauptstadt Bagdad! Kalifornien als Urlaubsland hat Josef ebenso per Auto vom Süden den Pazifik entlang bis St. Monika und Los Angelos bereist wie Las Vegas in Nevada und den Grand Canyon in Arizona!
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Seitenzahl: 445
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Dieses Buch berichtet von meinem ereignisreichen Leben, das mich von Niederbayern über viele, viele Umwege auch nach Bagdad und Kalifornien geführt hat. Dabei habe ich viele Abenteuer erlebt, Menschen und Sitten kennengelernt, die mein weiteres Leben geprägt haben.
Meine schweren Jahre als Alkoholiker und die Zeit, wie ich davon losgekommen bin, werden offen und ehrlich dargestellt. Das ist nicht nur meine persönliche Lebensgeschichte, sondern soll Betroffenen Mut machen, diese Krankheit besiegen zu können.
Dieses Buch wurde bewusst in deutscher Muttersprache ohne jegliches Fremdwort (mit Ausnahme von Eigennamen) geschrieben.
Rezension meines Buches (Amazon):
„Das Buch hinterlässt nach dem lesen ein gutes Gefühl. Es erweckt im Leser die Lust zu reisen und die Welt zu entdecken. Eben zu erleben.
In Anbetracht dessen, dass es sich hier um eine wahre Lebensgeschichte handelt umso spannender.
Sehr lesenswert. Eine leichte Balkonlektüre für schöne Sommerabende.“
Ich wünsche allen viel Spaß und gute
Unterhaltung beim Lesen meiner Biographie.
Werner Josef Lindinger
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Geboren wurde Josef in einem niederbayerischen Dorf mit ca. 500 Einwohnern. Dieser Ort hatte wie bei den meisten kleineren Dörfern in dem überwiegend katholischen Bundesland eine verhältnismäßig große Kirche mit eigenem Pfarrer! Dieses Dorf aber hatte auch ein Schloss, mit einem Baron und eine eigene Feuerwehr! In dieser Schlosswirtschaft, ökonomischer Gutshof, waren so ziemlich alle männlichen und weiblichen, ledigen und verheirateten Dorfbewohner am Arbeiten!
So auch der Großvater von Josef! Die Großeltern wurden beide in einer Landwirtschaft geboren. Der Großvater kam als lediges Kind aus einem Bauernhof mit 13 Kindern. Zu erben gab es für den Großvater bei der Anzahl von Kindern noch dazu als lediger Bangert nichts! Ob es mehrere ledige Kinder auf diesem Bauernhof gab, darüber herrschte eisernes Schweigen! Die Großmutter brachte bei ihrer Hochzeit auch ein lediges Kind mit.
Die Beiden hatten dann selber auch noch ebenfalls 12 Kinder. Fernsehen gab es damals noch nicht! Insgesamt 9Söhne und 3 Mädchen. Von den Mädchen und den Jungs sind einige schon im Kindesalter verstorben. 5 Söhne der Beiden mussten schon bei Kriegsbeginn an die Front, der ledige von der Großmutter blieb zu Hause auf dem Hof, aus dem die Großmutter kam. Eine männliche Arbeitskraft durfte auf jedem Hof bleiben! Von den 5 Söhnen kamen zwei zur Infanterie, einer zur Marine, einer zur Artillerie und einer war vorher schon bei der Polizei den haben sie ohne Wenn und Aber zur SS abkommandiert. Nach Kriegsende kamen alle 5 mehr oder minder gesund wieder nach Hause.
Wo die anderen Kinder blieben oder waren darüber wurde nie viel geredet. Der Großvater war auch sonst ein fleißiger Mann und bekam 1957 bei seiner goldenen Hochzeit viele Ehrungen von allen Vereinen bei denen er Mitglied war. Von seinem Lieblingsverein der freiwilligen Feuerwehr, bei dem er 50 Jahre aktives Mitglied war, bekam er die Ehrennadel in Gold! Großvater war bei seiner Feuerwehr für alles stehende und liegende Material zuständig! Obwohl der Fahrer für das Tanken des nicht mehr ganz so neuen Feuerwehrautos zuständig war, wurde das Auftanken vergessen! Auf das Rote Auto mit dem gelben Blitzlicht auf dem Dach waren alle so richtig stolz. Bei einem Einsatz im Nachbardorf blieb das Auto einmal aus Spritmangel liegen. Großvater lief selbst 5 Kilometer mit dem leeren Kanister zurück und mit dem vollen Kanister wieder die 5 Kilometer zum Auto! Das mit annähernd 65 Jahren! Er war der Gerätewart! Das Löschen hatte sich dann in der Zwischenzeit erledigt! Noch im Oktober 1957 unmittelbar nach der Goldenen Hochzeit verstarb Großvater mit 80 Jahren und wurde mit allen Ehren in seinem Heimatort am Inn beigesetzt! Seine Frau folgte ihm dann kurz darauf im Januar 1958 mit 76 Jahren nach längerer Krankheit! Josef wurde als fünftes und letztes Kind der Familie in den Anfangsjahren des 2ten Weltkrieges geboren. Die ersten drei Kinder waren Mädchen, die Ältere mit Namen Marie, die zweite hörte auf den Namen Berta und die dritte war die Lotte.
Den Bruder als viertes Kind hatten die Eltern Johann getauft, letzterer war ein Zwillingskind, seine Zwillingsschwerster verstarb noch bei der Geburt! Der Bruder hatte „nasse Rippenfellentzündung“ wie man das damals nannte Er wurde in den Krankenhäusern in die ihn der Vater gebracht hatte, immer wieder aufgegeben. Erst in Rosenheim wo der Vater in dann hingebracht hatte, wurde er wieder einigermaßen gesund. Dort in diesem Krankenhaus lernte der Bruder dann erst nach drei Jahren das laufen. Doch vorher kam noch als letztes Kind der Josef! Der Tag an dem er geboren wurde muss ein Regentag gewesen sein, denn Josef hat als Kind viel geweint, obwohl er sonst ein sonniges Gemüt hatte. Die Mutter von Josef verstarb 2 Jahre nach Kriegsende mit 36 Jahren. Warum sie so jung sterben musste, wusste keiner genau zu sagen. Gute Ärzte waren zu diesem Zeitpunkt auf dem Land ziemlich wenige und dann gab es diese auch nur in größeren Ortschaften. Was tun mit 5 kleinen Kindern ohne Mutter? Die Marie gab man zu einem Bauern, da bekam sie auch nichts geschenkt und sie musste sich ihr Brot schwer verdienen. Sie musste auch noch den älteren Bruder mitnehmen. Morgens erst einmal in den Stall, das Kleinvieh versorgen. Dann mit dem Bruder ca. 4 km zur Schule gehen und nach der Schule die gleiche Strecke wieder zurück! Anschließend den Bruder mit Hühner- oder Ziegenhüten beschäftigen um dann selbst im Haus und draußen auf den Feldern mitarbeiten. Das in einem Alter von 15 Jahren! Zu mindestens bekamen beide genug zu essen! Berta die Zweitälteste hatte es besser und kam in ein Sägewerk und wurde dort im Haushalt mitbeschäftigt. Lotte die jüngste der drei Mädchen blieb zu Hause und nach der Schule musste sie alle Arbeiten die in einem Haushalt so anfallen verrichten und nebenbei auf Josef aufpassen. Sie hätte mit ihren 11Jahren sicher noch lieber gespielt! Verhältnismäßig schnell kam der Vater mit einer anderen Frau an! Die hatte den Willi dabei, einen kleinen Jungen der um 2 Jahre jünger war wie Josef.
Diese Frau war dann ohne weiteren Kommentar und ohne Wenn und Aber die neue Mutter! Kein Grüß Gott oder sonst ein Gruß, nichts! Josef konnte vom ersten Augenblick an keine Sympathie für diese Frau empfinden. Die fünf Geschwister, Marie und Berta waren auch da, sahen sich an und wussten nicht ob sie lachen oder weinen sollten! War die etwa der Grund, dass die Mutter so früh sterben musste, oder gar wollte? Für die Kinder änderte sich nichts, die älteren beiden Mädchen waren aus dem Haus und die Jüngste hatte noch mehr zu tun. Der Johann ging nicht mehr mit der Marie zum Bauern, er blieb jetzt auch wieder zu Hause. Die Stiefmutter war beim Nachbarn arbeiten, hatte für zu Hause wenig Zeit.
Der Vater hatte sich in kurzer Zeit zum Schachtmeister hochgearbeitet und wurde an eine andere Staustufe versetzt.
Herbst 1947, großer Umzug! 50 Kilometer von Niederbayern nach Oberbayern! An einem Samstag war es soweit. Vater hatte einen offenen LKW organisiert. Marke „Henschel Uralt“ und prompt hatten sie auch Motorenschaden. Samstag am späten Nachmittag! Ersatzteile besorgen für einen LKW wovon es im ganzen Landkreis so kurz nach Kriegsende vielleicht mal 5 Stück gab. Vater und der Fahrer sind los gezogen Ersatzteil organisieren. Sie haben es geschafft, nach ca.2 Stunden kamen sie zurück und haben das Auto wieder repariert! Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen und die Ladung samt Kinder, die auf der Ladefläche sitzen mussten, wurde klatschnass. Irgendwann kamen sie am Ziel an. Vater ging erst mal mit dem Fahrer in eine Gastwirtschaft um dem Fahrer eine Brotzeit zu kaufen. Die Stiefmutter führte das Kommando und die Kinder mussten das Zeug ins Haus tragen. Die nassen Sachen sollten erst einmal zum Trocknen aufgehängt werden. Aber wo hängt man Wäsche zum Trocknen auf in einer leeren Wohnung? Irgendwann war auch das Problem gelöst und es war Zeit um ins Bett zu gehen. Das einzige trockene Bett das vorhanden war, hatte die Stiefmutter dann gütige Weise den Kindern überlassen.
Am nächsten Morgen wurde Lotte dann losgeschickt um Brot zu kaufen, die anderen Lebensmittel waren zum Glück trocken geblieben. Aber wo sollte sie in einer fremden Stadt, an einem Sonntagmorgen Brot kaufen? Sie lief los aber wohin? Sie kam an ein Gasthaus, wo wahrscheinlich der Vater mit dem Fahrer am Vortag auch drin war. Die Wirtin gab ihr einen ganzen Laib Brot mit, vermutlich mehr aus Mitleid. Als Lotte dann glücklich mit dem Brot zu Hause ankam wurde sie von der Stiefmutter auch noch geschimpft, weil sie solange gebraucht hat!
In dieser neuen Stadt, die höher lag als das Gebiet am Inn, wurde eine Staustufe gebaut! Der Fluss entspringt im Engadin und mündet in Passau in die Donau! Da war was los und für die drei Jungs ein Eldorado! Eine neue Brücke wurde auch gebaut! Die Flussdämme links und rechts wurden zuerst gebaut. Die neue Brücke baute man aus Stahl und Beton, nicht so wie die Alte aus Holz. Zum Aufschütten der Dämme waren da drei kleine Dieselloks mit jeweils 4 kleinen Loren. Das Material zum Aufschütten der Dämme musste von weit hergeschafft werden. Die Loks hatten alle eine eigene Nummer. Die mit der Nummer 1gehörte dann dem Josef, die Nummer 2 war dem Johann seine und die Nummer 3 war für Willi. Es gab auch Loren mit nur einem Holzrahmen mit denen wurde das Material transportiert. An den Dämmen waren Auf,- und Abfahrten, es wurden Wetten von allen Jungs, auch die aus der Nachbarschaft, abgeschlossen. Wer an den Abfahrten am längsten bis zum Prellbock auf der Lore mit dem Holzrahmen sitzen blieb, war der Sieger und somit der Held des Tages! Der Vater hatte es den Jungs strengstens verboten auch nur auf die Dämme zu gehen! Wenn doch setzt es Hiebe mit dem Riemen! Die Stiefmutter hatte anscheinend nichts Anderes zu tun als zu petzten!
Sie hatten da auch Lumpi, einen kleinen schwarz weis gefleckten Hund! Ein weißes und ein schwarzes Ohr und vier verschiedene Füße! Dem hatte man den Schwanz abgehackt und der Hund hatte nur noch einen Stummel! Mit der Muschi, die Katze der Familie teilte sich der Hund seine Hütte. Die Kinder konnten mit ihm machen was sie wollten, der Hund ließ sich alles gefallen. Nur den Postboten konnte der Hund anscheinend nicht leiden! Als der Lumpi dann eines Tages dem Postboten den Ärmel von der Jacke zerrissen hat, hat der Vater den Hund bis in ein 40km entfernten Ort gebracht! Dort sperrte man den Lumpi in einen 2 Meter hohen Zwinger! Den Maschendraht hatten die auch noch 50 cm in den Boden gegraben. Hat aber nichts genutzt, nach drei Tagen war der Lumpi abgemagert, verdreckt und müde wieder vor der Haustür gesessen! Er hatte sich unter dem Maschendraht durchgegraben! Vater sagte der bleibt jetzt wieder hier, der kommt immer wieder! Lumpi hatte auch nie wieder mit der Post Konflikt gehabt, da war jetzt ein anderer Postbote, der war dem Lumpi total schnuppe, den hat er nicht einmal angesehen!
Eines Tages sagte der Vater zum Josef, komm mit ich werde dir was zeigen! Er wusste, dass der Josef großes Interesse an Technik und Maschinen hatte. Er nahm ihn mit zur großen Baustelle, da wurden gerade die Turbinen eingebaut!
Das war was! Weihnachten, Ostern und Pfingsten zugleich!
Da gab es was zusehen!
Er stieg mit dem Vater über eine Leiter tief in eine Grube, in der die Turbinen aus tausenden von dünnen Stahlblättern zusammengebaut wurden! Und Schrauben waren da, die waren so dick wie sein Arm! Er hatte tausend Fragen und Vater hatte sie ihm auch alle soweit er es konnte beantwortet
Der Vater hat von der Baustelle immer Abfallholz als Brennholz organisiert und dieses wurde mit einem riesigen Lkw gebracht. Dieser LKW konnte kippen, hatte auch hinten zwei Achsen und doppelte Reifen! Nicht so einen wie sie beim Umzug hatten!
In diesem Brennholz das da gebracht wurde, steckten noch viele Nägel die die drei Jungs erst einmal mit einer Zange rausziehen mussten. Die konnten die Jungs aber gerade klopfen und wieder gebrauchen. Sie bauten sich mit den besseren Stücken von diesem Abfallholz einen Bagger! Einen großen in dem sie drinnen auch stehen konnten. Das Baggergehäuse und der Ausleger waren schon soweit fertig, als der Johann in die an der Wand gestellte Säge lief und sich den Fuß ziemlich tief eingeschnitten hatte! Da war es aus mit dem Baggerbau! Während die Mutter mit dem Johann in das nächst gelegene Krankenhaus fuhr, mussten Josef und Willi den Bagger sofort wieder abbauen und das Holz wegräumen!
Es wurde auch eine neue Brücke gebaut! Nicht aus Holz so wie die Alte, sondern aus „auf Stahlträgern liegender Spannbeton“, so hatte das der Vater den Jungs erklärt! Als die Stahlträger der neuen Brücke auf den betonierten Brückenpfeilern auflagen, konnten Josef und noch ein paar Jungs aus der Nachbarschaft auf den Trägern entlang bis weit in den Inn hangeln um dann in das Wasser zu springen! Vater hatte es verboten, Mutter hatte gepetzt. Es hat Hiebe gesetzt!
In dieser Stadt gab es zwei Schulen! Eine Mädchenschule an der Nonnen von dem Orden der Englischen Fräulein unterrichteten, die war erst außerhalb vom Stadtplatz, später wurde die Schule in den Stadtplatz verlegt! In diese Schule ging dann Lotte!
Eine Knabenschule gab es, diese war in einem Gebäude untergebracht, das früher die Residenz der herrschenden Fürsten und Grafen war, die das Salzgeschäft auf dem Inn kontrollierten! Die Schule war am Ende des Stadtplatzberges und auf der Rückseite der Schule fiel das Gelände steil ab. Nicht nur Josef und sein Bruder setzten sich auf ihre Schulranzen und rutschten den Hang runter. Am besten ging das im Winter, da wurden auch regelrechte Wetten abgeschlossen wer am Weitesten kam! Schulhefte gab es zu dieser Zeit noch nicht so häufig. Schiefertafeln waren allgemein üblich, die vom Josef ging bei dieser Rutscherei öfter in die Brüche. Der Vater hat ihm dann immer die Tafel auf den Kopf gehauen, dass der Josef den Ramen von der Tafel um den Hals hängen hatte!
Johann kam aus gesundheitlichen Gründen ein Jahr später zur Schule, in der Schule wurde er nochmals um 1Klasse zurückgesetzt, er war zu oft krank. Er ging dann mit Josef in dieselbe Klasse. Willi kam erst zwei Jahre später in die Schule.
Das Klassenzimmer von den Beiden war im ersten Stock und an der Ecke zum Hof! An der Ecke an der Außenwand war ein Blitzableiter nahe am Fenster anmontiert, der aber auch als Fluchthelfer gebraucht wurde, für Jungs die nachsitzen mussten!
Lotte ging gerne zur Schule, was man von Johann und Josef so nicht sagen konnte. Bis zur 4ten Klasse war eigentlich alles einigermaßen in Ordnung, die Noten waren nicht die besten aber auch nicht die schlechtesten. Die Beiden haben sich so durchgemogelt! Die Gesangslehrerin hatte sich eingebildet, dass der Josef schön singen konnte! Die Lehrerin und der Chorleiter haben immer auf den Josef eingeredet er sollte im Kirchenchor mitsingen. Beide waren der Ansicht, dass der Josef eine schöne Stimme hatte! Auch der Pfarrer war da noch dafür, aber der Josef wollte nicht!
Niederbayrischer Dickschädel, da war nichts zu machen!
Weil er im Kirchenchor nicht singen wollte, sollte er zur Strafe ministrieren! Der Vater hatte mit der Kirche nicht allzu viel am Hut, aber weil Josef wieder mal was zu Hause ausgefressen hatte, stimmte er den Anfragen des Pfarrers zu. Vater wusste, dass Josef es hasste in Weiberkitteln rumzurennen, wie er es nannte!
Er meinte, nur abends ist der Junge zu Hause, egal was in der Kirche ist! Dem Josef viel kein Ausweg ein und so hat er sich wohl oder übel damit abgefunden. Ist ja nicht für ewig dachte er sich! Der Josef hatte aber dann sehr schnell mitgekriegt, dass der Messwein gar nicht so schlecht war und hatte auch immer wieder davon gekostet. Einmal hat er den Krug mit dem Messwein etwas mit Wasser nachfüllen müssen. Das Gesicht vom Pfarrer bei der Messe hat die ganze Kirchengemeinde gesehen! Josef hätte es auch gerne gesehen, konnte aber nicht, er musste ja mit dem Gesicht zum Altar an der untersten Stufe knien! Er hat es aber hinterher erfahren und hat sich spitzbübisch gefreut! Das Gesicht vom Pfarrer konnte er sich auch so vorstellen. Der Weg zur Kanzlei führte über 8 Holzstufen durch eine Säule. Josef wusste, was Riemenpech auf Holzbohlen für eine klebende Wirkung hat. Die Leute wunderten sich warum der Pfarrer, der in der Kirche immer so Holzschuhe anhatte, solange brauchte bis er auf der Kanzel war!
Das Ministrieren war demzufolge nur eine kurze Episode!
Eines Tages gab der Lehrer dem Bruder einen „Blauen Brief“ mit nach Hause, den sollte er dem Vater geben. Josef hatte manchmal Ideen im Kopf die mit der Schule und dem Unterricht nichts zu tun hatten!
Da bekam der Josef Schiss und ist abgehauen. Er wusste, dass in einem etwas entfernten Nachbarort Verwandte wohnten. Er wusste nicht genau wo, aber er würde sie schon finden.
Josef hat es auch gefunden! Aber da kam er vom Regen in die Traufe. Um ihn wieder zurückzuschicken war es schon zu spät. Als erstes musste er gleich Hausaufgaben machen.
Dann abends, eine Scheibe altes Brot mit Margarine und eine Scheibe Wurst, das war dann das Abendessen! Dazu Kamillentee den Josef nicht einmal riechen konnte! Dann ab in ein Bett das nach Hund roch und am nächsten Morgen in aller Frühe ab Richtung Heimat. Josef wusste nicht einmal ob das denn auch eine echte Tante war, die ihn bis zum Bus gebracht und aufgepasst hat, dass er nicht wieder abgehauen ist.
Die hatte anscheinend keine Ahnung wie oft der Bus stehen blieb und wie oft man bei so einer Gelegenheit wieder abhauen konnte! Irgendwann musste er ja wieder nach Hause, am besten gleich, dann hatte er es hinter sich! War sowieso keine gute Idee gewesen abzuhauen.
Als er dann zu Hause am Stadtplatz aus dem Bus gestiegen ist, kam die Stiefmutter gerade ziemlich verschwitzt mit dem Fahrrad an und drohte, komm du erst einmal nach Hause! Der Josef hatte riesengroßes Glück! Die Großeltern waren zu Besuch und haben verhindert, dass der Vater ihn mit dem Riemen versohlt hat. Vater hat dann auch den Brief nicht mehr erwähnt.
Konnte anscheinend nicht so schlimm gewesen sein was der Lehrer da geschrieben hat!
Ab der 4ten Klasse ging es los!
Josef und Johann, die beiden bekamen einen Lehrer der mit Vorliebe kleine Jungs verprügelte! Ob mit oder ohne Grund, einen der Jungs hatte der immer im Visier! Der Auserkorene von den Jungs musste von den Haselnusssträuchern die am Schulhofrand wuchsen, eine mittlere Gerte abschneiden und dem Lehrer bringen. Wenn der Junge der sie holen musste Pech hatte, hat der Lehrer diese Rute gleich an dem seinem Hintern ausprobiert! Man wusste nie wer dran war!
Nur den Bruder ließ er in Ruhe, der Lehrer wusste anscheinend, dass der Bruder krank war und vielleicht noch immer ist, man weiß es nur nicht! Als echter Junge wusste man natürlich auch, dass man Haselnussstecken nass machen und durch langes vorsichtiges klopfen der Rinde diese dann im Stück abziehen konnte.
Dann konnte man den Stecken in Stücke anschneiden und die Rinde im Stück wieder drüberschrieben. Wenn der Stecken dann trocken war, sah und merkte man nichts mehr. Beim nächsten Hintern oder bei der nächsten „Tatzen“ flog der Stecken stückchenweise auseinander! Das war dann immer ein Hallo!
Aber nicht lange! Das Zittern ging weiter! Aber die Jungs revangierten sich! Der Lehrer kam immer mit einem roten Motorrad Marke Triumpf 250 zur Schule und stellte dieses auf dem Schulhof ab. Wenn er nach Schulschluss nach Hause fahren wollte, hatte er des Öfteren Probleme mit seiner Maschine! Die Jungs hatten da schon mehrere Ideen wie man den Lehrer ärgern konnte! Eine Möglichkeit war, man steckte Silberpapier aus den Zigarettenschachteln in die Zündkerze, eine andere Möglichkeit war Zucker in den Tank. Abschließbare Tankdeckel waren selten, oder den Auspuff mit alten Lumpen fest zustopfen und…und …und. Bevor der Lehrer fahren konnte, hatte er immer was zu tun!
Später wurde dieser Lehrer wegen seiner Prügelei von der Schule verwiesen.
Er wurde dann Viehhändler! Die armen Viecher!
Lotte kam dann aus der Schule und sie bekam eine Lehrstelle für Hauswirtschaft im Gasthaus gegenüber der Kirche. Sie war fleißig und auch bei den Gästen sehr beliebt.
Sie bekam von den Gästen öfter Trinkgeld zugesteckt, das sie dann zu Hause versteckte. Sie wollte sich später etwas Schönes dafür kaufen. Die Stiefmutter hat das erfahren, dass die Lotte von den Gästen Trinkgeld bekommt und hat solange gesucht bis sie das Versteck gefunden hat. Sie hat der Lotte dann das Geld weggenommen! Den regulären Verdienst musste Lotte sowieso auf Heller und Pfennig zu Hause abliefern! Ob der Vater das wusste? Lotte traute sich nicht etwas zu sagen. Die Stiefmutter hat in dieser Angelegenheit sicher nicht gepetzt!
Das war dann ein Mosaikstein mehr zu Josefs Entschluss, nach der Schule so weit wie möglich von zu Hause weg!
Johann ging dann auch ein Jahr später von der Schule und begann eine Lehre als Bäcker, die er aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste. Als Lehrling musste er früh morgens das Brot mit einer „Brotkraxe“ ausliefern. Das konnte er nicht, die Temperaturunterschiede machten ihm zu sehr zu schaffen. Erst in der Backstube die Hitze, dann raus in die Kälte!
Er bekam dann nochmal eine Lehre als Maler, der Malermeister und der Bäcker waren Freunde und haben sich sicher wegen dem Bruder abgesprochen! Der Maler war mit dem Bruder sehr zufrieden. Josef hat das einmal bei einem Gespräch gehört, als sich der Vater und der Maler in der Stadt getroffen haben! Die Lehre als Maler hat der Bruder abgeschlossen und hat noch lange Jahre bei demselben Meister als Maler gearbeitet.
Ein Jahr später war es dann für Josef soweit! In der Schule wurde von einem Mann aus dem Arbeitsamt erklärt was es für Berufe gibt und welche gut oder nicht so gut sind. Der Mann meinte dann
die Klügeren weiter zur Schule gehen sollten, die nicht so klugen ein Handwerk lernen und für die Dummen bleiben dann immer noch Pickel und Schaufel.
So wurde es von dem Mann im Groben erklärt!
Ursprünglich wollte Josef immer was lernen was mit Holz zu tun hat! Dem Josef war das inzwischen alles nicht mehr so wichtig, er wollte von zu Hause weg soweit wie möglich! Von dem Mann wurde auch über Bergbau erzählt, der zwar eine körperliche Schinderei sei aber sehr gut bezahlt! Den Bergbau gäbe es in Penzberg und in Hausham, also in Bayern oder aber in Westfahlen im Ruhrpott! Letzterer das war’s! Das war weit genug weg! Acht Tage nach Schulende war es soweit! Josef bekam in der Schule ein Schreiben vom Arbeitsamt mit, das der Vater unterschreiben musste, was der ohne lange zu fragen auch unterschrieben hat! Ein Fresser weniger am Tisch! Josef und noch ein paar Jungs, die von zu Hause wegwollten oder mussten, versammelten sich mit dem bisschen Hab und Gut in einem Köfferchen oder einer Tasche, abends auf dem Stadtplatz. Der Krieg war noch nicht so lange vorbei und es gab genügend Familien deren Väter nicht oder noch nicht aus dem Krieg nach Hause gekommen sind und die Mütter nicht wussten wie sie die Mäuler sattkriegen sollten. Auf dem Stadtplatz wurden sie von einem Omnibus abgeholt der schon mehrere Jungs von anderen Ortschaften geholt hat. Der Abschied verlief im Allgemeinen sehr tränenreich, nur der Abschied von Josef blieb etwas trocken. Die Stiefmutter hatte sich mit einer Nachbarin unterhalten und die Abfahrt verpasst. Für Josef kein Problem, der Frau nicht die Hand geben zu müssen oder zu können! Die Fahrt dauert die ganze Nacht, aber zum Frühstück wäre man dann in Essen, wurde mitgeteilt. Während der Fahrt waren auch noch einige der Jungs am Weinen. Josef war auch manchmal danach zu Mute, aber er sagte sich immer wieder das wird bestimmt spannend und es gibt sicher viel Neues zu sehen.
Um 8Uhr morgens kamen sie dann müde und hungrig in Essen an. Da gab es erst einmal Frühstück, aber was für eins!
Butter, Sirup, Marmelade, Honig, Weißbrot und Kaffee, wenn das Wasser die Kaffeebohne auch nur von weitem gesehen hat, aber immerhin. Zu Hause hat man von solchen Sachen nur geträumt! Lange hatten die Jungs aber nicht Zeit, dann ging es ab zu den Untersuchungen. Oberkörper freimachen, Schuhe und Socken ausziehen und in Reihe aufstellen! Dann kam einer mit einem weißen Kittel, der hat dann seine Hand auf den Kopf von den Jungs gelegt und mit den Fingern auf seine eigene Hand geklopft! Dann mit einer Lupe in die Augen geguckt, anschließend musste die Jungs die Zunge rausstrecken! Dann kam der schwierige Teil der Untersuchung! Immer 5Jungs in Reihe, 5 Kniebeugen, schön runter bis zum Boden!
5 Liegestützen, ebenfalls schön bis zum Boden! Dann noch 10 Klimmzüge das war’s dann! Spätestens jetzt wussten die Jungs, ob sie für den Bergbau tauglich sind oder nicht. Josef hatte da schon Bedenken, denn seine Atmung ging schon entschieden schneller als bei den Anderen! Bis jetzt war ja noch keiner untersucht worden!
Wenn einer nicht tauglich war was passierte dann?
Aber Josef war tauglich! Keiner wurde wieder nach Hause geschickt! Josef hatte ein wenig mit seinen Bronchen Probleme, aber das spielte anscheinend keine Rolle. Sicher hatten auch welche von den anderen Jungs gesundheitliche Probleme, aber sie wurden alle als „Bergbautauglich“ eingestuft!
Es gab viele Zechen im Ruhrgebiet und die Jungs wurden per Los auf die Zechen verteilt. Mit Josef kamen noch 4 Jungs zur Zeche Bergmannsglück in Gelsenkirchen. Zwei der Jungs die mit Josef kamen waren aus dem Schwarzwald, einer kam aus Stuttgart und der vierte kam aus einem Dorf in der Nähe von Baden-Baden.
Josef und die 4Jungs wurden zu noch anderen in einen Bus gesteckt und über andere Zechen zuletzt nach Gelsenkirchen gefahren. Als sie dann in Gelsenkirchen-Buer-Hassel angekommen waren, wurden sie an einem Lehrlingsheim abgesetzt! Das Wort „Heim“ hatte für Josef immer etwas Negatives, er wusste nur nicht so genau warum. Im Moment machte er sich auch keine großen Gedanken darüber!
In dem Heim waren schon etliche Jungs, aber keine aus Bayern!
Das erste Problem war die Sprache! Entweder die Jungs dort hatten noch nie eine andere Sprache gehört oder sie hatten generell mit anderen Sprachen oder Dialekten Schwierigkeiten! Das war nicht nur bei Josef so, den Jungen aus Baden-Baden verstand anfangs gar keiner! Die Jungs aus dem Schwarzwald und der Junge aus Stuttgart haben sich hauptsächlich über den VfB verständigt. Das konnte Josef und der Junge aus Baden-Baden auch nicht, zu diesem Zeitpunkt war weder von FC Bayern noch von 1860 etwas zu hören, nur vom FC Nürnberg und Kaiserslautern hörte man wegen der Weltmeisterschaft gelegentlich was.
Spieler aus der Nationalelf 1954 in Bern! Als Erstes gab es dann Information vom Heimleiter in der Eingangshalle, in diesem Haus gibt es 15 Einzelzimmer für die Älteren, die 4Schlafsäle für den Rest der Belegschaft. Es gibt nur einen Speiseraum für alle in dem gegessen wird! Es gibt einen kleineren Raum zur Unterhaltung und für Spiele, mit Radio für Sportübertragungen. Das Radio wird vom Heimleiter geregelt damit es keinen Streit gibt! In den Schlafräumen ist jegliches Essen verboten! Ebenso ist im ganzen Haus jede Art von Alkoholgenuss und rauchen strengstens untersagt!
Dann gab es eine Wiederholung von der Fußballweltmeisterschaft in Bern! Ursprünglich für die, die die Originalübertragung wegen der Schicht nicht sehen konnten! Trotzdem waren alle Mann am Gerät! Da war kein Platz zu viel! Dass unmittelbar am, um nicht zu sagen auf dem Radio, die schon Älteren saßen, verstand sich von selbst. Wer von den „kleineren“ bekam schon gerne was auf die Nase? Dann war da noch hinter dem Haus ein Sportplatz! Am Rand von dem Sportplatz stand eine etwas verkrüppelte Buche von der man aber abends in die Wohnung von dem Heimleiter im ersten Stock sehen konnte, wenn dieser mit seiner rothaarigen Frau am Machen war! Die Vorhänge waren nicht immer zu und der Baum war zu diesen Zeitpunkten jedes Mal gut besucht! Tabakwaren, bei Geldknappheit, meist chronisch, gibt es einzelne Kekse und Brötchen für den Hunger zwischendurch usw. Auch Zigaretten gibt es einzeln draußen am Kiosk! Josef wollte sich da eine Brezel kaufen, aber Pustekuchen!
In Norddeutschland kannte man so etwas zu dieser Zeit noch nicht und die ältere Schrulle hinter dem Tresen hat den Josef ausgelacht und gemeint wo kommst du denn her mein Kleiner?
Kurz aber informativ! Die Neuen kommen in Saal Nummer 4.
Tiefschlag Nr.1, 12 Eisenbetten, 12 Blechspinde zwischen den beiden Fenstern, waren die Schlafsaaleinrichtung!
Ein Waschraum mit 6Waschbecken plus Blechablagen! Der Betonboden war nicht gefliest, nur mit grauer Farbe gestrichen! Badewannennutzung gab es nur einmal die Woche.
Anmeldung hatte 3Tage vorher zu erfolgen! Die Neuen bekamen natürlich die Betten an der hintersten Ecke zugeteilt, wo freiwillig keiner hinging. Die 5Jungs waren müde und hatten die erste Nacht verhältnismäßig gut geschlafen. Von Montag bis Samstag war morgens generelles Wecken durch den hauseigenen Nachtwächter um 5Uhr! Im Waschraum immer nur 6 Mann von der Frühschicht (von 5 bis 8Uhr) und ab 8Uhr Waschraumreinigung und ab 10Uhr konnten immer 6Mann von den Spätschichten, von 10 bis 22 Uhr an die Waschbecken!
Beim Frühstück dann der
Tiefschlag Nr.2, von wegen Butter, Honig und so! Margarine, Ahornsirup und Schwarzbrot war da auf dem Tisch und das musste man sich auch noch selber holen! Der Kaffeeersatz war von der Firma Muggefugg & Co oder Lindes Blaupunkt. Stand in großen Kannen auf den Tischen, mehr lau wie warm. Davon wird sich bis zum Auszug aus dem Heim nichts ändern!
Um 10 Uhr war dann Abfahrt mit einem Bus zur Zeche.
Die Jungs wurden vom Assessor, dem Betriebsleiter begrüßt, dann kam der Rundgang durch die Zechenanlage. Der Assessor voraus, die Jungs traubenförmig hinterher. Es wurden die einzelnen Abteilungen und Funktionen von der Zeche erklärt. Darunter auch die Kaue! Das war der Waschraum! Da mussten die sauberen Klamotten an eine Kette gehängt werden und die Arbeitsklamotten wurden abgenommen. Die Kette wurde anschließend wieder hochgezogen und mit einem Vorhängeschloss abgeschlossen. Nach der Schicht erst einmal ausziehen, die Ketten runterlassen und die Seife nehmen, dann unter die Dusche! Nach dem Duschen die sauberen Klamotten abnehmen und die Arbeitsklamotten an die Kette hängen und nach oben ziehen! Das war nicht für jeden von den Jungs selbstverständlich, dass er pudelnackt zwischen ca. 50 Gleichaltrigen stand. Die Jungs mussten sich auch meistens nach einer freien Dusche umsehen und diese dann auch schon mal durch Gerangel behaupten!
Ob die Jungs die Erklärungen von dem Assessor auch alle verstanden haben, blieb dahingestellt. Josef hatte rein gar nichts verstanden! Anschließend ging es zur Kleiderkammer, da bekam jeder seinen Arbeitsanzug in doppelter Ausführung, passgenau nach Daumen und Schätzung. Die Sicherheitsschuhe waren aber schon mit Stahlkappen. Ein Junge war dabei der kam aus Ostfriesland, der hatte mit seinen 14Jahren die Schuhgröße 47! Dann bekam noch jeder einen Lederhelm der dann richtig passen musste und nicht bei jedem Bücken von Kopf viel! Kunststoffhelme kamen erst später!
Die Arbeitshandschuhe bekam jeder erst am Arbeitsplatz, Ersatz nur gegen die alten oder kaputten! Anschließend wurde im Gänsemarsch zur Nummernbude am Eingang der Zeche marschiert wo jeder eine Nummer zugeteilt bekam.
Josef bekam die Nummer 4363 zugeteilt, die war für ihn leicht zu merken. Die Nummer, so wurde weiter erklärt, musste bei jeder Schicht an dieser Bude geholt werden und nach der Schicht wieder an dieser Bude abgegeben werden
Bei Nichtabholung wird die Schicht nicht bezahlt, so die Ausführung vom Assessor, bei Nichtabgabe gibt es Anschiss vom ihm höchst persönlich! Der Weg zur Zeche erfolgte zu Fuß oder mit einem gut absperrbaren selbst gekauften Fahrrad. Viele der Jungs wollten sich die Kosten für ein neues Fahrrad sparen! Städtische oder werkseigene Zubringerbusse gab es nicht. Dasselbe galt für die Berufsschule an einen Tag in der Woche in das 8km entfernte Westerholt! Da wurde meistens zu zweit auf einem Fahrrad gefahren oder gelaufen!
Dann die erste Schicht!
Um 5Uhr wurde wieder vom hauseigenen Nachtwächter geweckt, verschlafen war nicht möglich, der Mann war wie eine Zecke! Josef wollte aus dem Bett, konnte aber nicht!
Sie hatten ihm die große Zehe am Bettpfosten festgebunden! Den Knoten zu lösen war nicht so einfach. Über ihm war noch ein Bett, er konnte sich nicht bücken, er hatte keine Kopffreiheit. Als er den Knoten dann endlich gelöst hatte, rannte er zum Waschraum. Als Josef in den Spiegel sah war da ein Neger! Nein das war er selbst, das Gesicht voller schwarzer Schuhkreme. Bis er die abgewaschen hatte, das dauerte seine Zeit! Das waren anscheinend so die Heimspiele nicht nur in diesem Heim! Der Vater hatte ihn schon vorgewarnt. Dann war es höchste Eisenbahn, er war schon ziemlich spät dran! Zum Glück war die Zeche leicht zu finden!
Josef sprintete los und ist im Dauerlauf zur Zeche gerannt.
Er musste trotzdem bei der Arbeitseinteilung in der Meisterbude hintenanstehen. Den Letzten beißen die Hunde, hat sein Vater auch immer gesagt. Er bekam den Job mit Besen und Schaufel! 4Wochen lang Dreck wegfegen! Er fragte sich ob das denn zum Berufsbild eines Bergmanns gehört? Nächster Spruch von seinem Vater war, Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Ok dachte sich Josef, ist nicht zu ändern! Nach 4Wochen gab es eine neue Arbeitseinteilung. Josef war pünktlich und stand an vorderster Reihe. Aber was nun? Laut dem Heini von der Meisterbude, der die Arbeiten einteilte, sollte er auch die nächsten 4Wochen Dreck wegfegen.
Nur weil der offensichtlich mit Leuten aus Nichtwestfahlen und speziell aus Bayern nicht zurechtkam? Josef marschierte geradewegs zum Assessor und beschwerte sich. Bin ich hier um Bergmann zu lernen oder zum Dreckfegen fragte er?
Der Assessor hat ihn angehöhrt und dann einmal telefoniert. Josef wurde abgeholt und in die kleine Schreinerei gebracht, da wurden alle kaputten Möbel von der Zeche repariert.
Das war sein Ding! Der Josef hatte da richtig Spaß dabeigehabt und der Meister von der Schreinerei wollte ihn auch noch 4Wochen länger dabehalten. Aber da war nichts zu machen! Lehrvertrag ist Lehrvertrag! War das das Resultat von der Beschwerde? Egal, jedenfalls nicht wieder Dreckwegfegen!
Josef kam für die nächsten 4Wochen auf den Holzplatz.
Da wurden die Grubenhölzer die zum Ausbauen der Strebe und Stollen benötigt wurden nach Bestellung durch den jeweiligen Reviersteiger Stück für Stück per Hand auf die Säge gehievt und auf Länge zugeschnitten, Zugleich wurden die Hölzer auf einer Seite maschinell mit einer Hohlkehle versehen. Dann wurde alles nach Stückzahl auf spezielle Loren verladen. Das war dann Knochenarbeit und Josef war nach jeder Schicht regelrecht ko!
Der Mann vom Holzplatz hat dann überall die Blechmarken mit den Reviernummern an den Hölzern befestigt. Die Hölzer wurden dann im Schacht 2 dem Materialschacht, nach unten zu den jeweiligen Sohlentransportiert! Von dort wurden die Hölzer in die einzelnen Reviere gefahren.
Nach diesen 4Wochen kam er auf den Schrottplatz. Hier wurden mit dem Schneidbrenner noch brauchbare Teile aus dem Schrott und der Rest zum Abtransportieren klein geschnitten.
Josef lernte hier den Umgang mit Gas und Sauerstoff. Das war aber auch eine Arbeit bei der sich viele der Jungs verletzt haben! Schnittwunden und Verbrennungen waren an der Tagesordnung! Josef hatte auch so seine Probleme, wenn er mit dem brennenden Schneidbrenner zwischen dem Schrott rumgeturnt ist. Er hat sich aber außer kleinen Kratzern nicht weiterverletzt.
Nach weiteren 4Wochen ging es in die große Schreinerei.
In dieser wurden überwiegend Fahrten gebaut. Der Ausdruck Fahrten ist ein Fachausdruck für Leitern, die seitlich in den Förderschächten als Notausstieg stehen. Josef wollte immer schon wissen wie die Sprossen in die Leitern gemacht werden, jetzt wusste er auch das! In dieser Schreinerei wurden auch alle groben und großen Holzteile angefertigt die auf der Zeche benötigt wurden. Bretterböden als Staubbühnen in den Stollen, die dann locker an der Decke abgehängt wurden. Auf denen wurde feiner Quarzsand lose gelagert. Bei einer Schlagwetterexplosion kippten diese dann um und der Quarzsand verhinderte einen Brand im Stollen! Wettertüren wurden ebenfalls aus Holz gefertigt. Diese Wettertüren wurden in bestimmten Abständen im Stollen montiert. Die untere Seite der Wettertür wurde hochgeklappt und an der Decke lose befestigt, bei einem Schlagwetter vielen diese nach unten und verschlossen den Stollen! Dadurch wurde unter anderem das Ausbreiten von Feuer und Druckwellen verhindert!
Nächste Station nach weiteren 4Wochen war die Hammerbude!
Da wurden die Abbauhämmer, Kurzhämmer und die großen Pressluftbohrer repariert. An den meisten Hämmern war der Luftschieber festgefressen und musste gereinigt werden.
Das war nicht so einfach, die Köpfe der Hämmer waren aufgeschraubt, saßen wegen dem Staub aber ziemlich fest und die Jungs mussten sich ordentlich anstrengen um die Köpfe abzukriegen!
Die festsitzenden Schieber wieder beweglich zu kriegen war ein anderes Problem!
Der Meister in dieser Bude war in Ordnung und ein Kölner Fußballfan! Kein Schalker wie 90% der Rest von der Belegschaft! Das war ein totaler Außenseiter! Da wurden auch schon mal mit dem Meister Wetten abgeschlossen!
Natürlich durfte das von den 04 rern keiner wissen!
Dann in der kleinen Schmiede! Dort wurden an die abgenutzten und stumpfen Meißel für die Hämmer wieder neue Spitzen geschmiedet und wieder gehärtet. Nichts Anderes und das 4 lange Wochen! Das war dem Josef etwas zu eintönig!
Die tägliche Schmierung der großen Laufräder auf den beiden Fördertürmen, davon gab es pro Förderturm 4, wurde auch von der kleinen Schmiede ausgeführt und gehörte mit zu den Aufgaben der Lehrlinge. Warum das so ein begehrter Job bei den Lehrlingen war, konnte Josef nicht nachvollziehen. Einmal rauf um zu sehen wie es da ringsum aussieht, das war schon ok. Aber jeden Tag mit dem Schmierkübel und der Ölkanne auf den Turm klettern, einen Monat lang? Ein Kumpel von der Schmiede musste auch immer mit rauf, das war meistens der gleiche, auf den musste immer gewartet werden. Alleine durften die Lehrlinge nicht auf den Turm! Nein! Das war nichts für den Josef! Er hat einen gefunden mit dem er tauschen konnte.
Die große Schmiede war anscheinend nichts für Lehrlinge! Waren die angehenden Bergmänner für diese Abteilung noch zu schwach auf der Brust? Am Leseband wurde die Schüttung, der Inhalt der Loren die aus der Grube und den einzelnen Revieren kamen, von den Lehrlingen per Hand verlesen. Auf beiden Seiten von diesem Leseband standen jeweils mindestens 4Lehrlinge. Da wurden die vollen Loren, die aus dem Förderturm kamen, mechanisch in eine Kipprolle geschoben, die dann einmal um die ganze Achse gedreht wurde. Die Schüttung der Loren viel über eine Rutsche auf ein breites Förderband. Das Leseband! Dort wurde die Schüttung „verlesen“! Das war kein Förderband im herkömmlichen Sinne, sondern bestand aus einzelnen Stahlstangen die alle im Abstand von 10cm aneinandergereiht und ca.2 Meter breit waren. Die größeren Brocken die nicht durch die Stangen vielen wurden dann von den Lehrlingen per Hand nach Kohle, Stein/Kohle oder Stein getrennt und in vorgesehene rückseitige Trichter geworfen. Die reine Kohle lief durch in einen Waggon. Aus den Trichtern wurden die Brocken mit Förderbänder zu den einzelnen Brechern transportiert!
Von diesen wurden die Brocken dann gebrochen und getrennt.
Der gebrochene Stein wurde in Loren verladen und wieder nach unten in die Reviere transportiert und mit Hochdruck zum Verfüllen der schon abgebauten Stollen geblasen. Die gebrochene Kohle kam ebenfalls per Förderband direkt in die Wäscherei! Da wurde keine Wäsche gewaschen, sondern die Kohle! Sämtliche Kohle aus den Brechern und die durch das Leseband viel, wurden hier gewaschen! Das Staubwasser vom Waschen der Kohle sammelte sich erst einmal unter einer Walze. Der inzwischen abgesetzte Kohlenstaub wurde auf eine für Josefs Begriffe riesige große Walze gepresst. Auf einer Seite auf die Walze gepresst, auf der anderen Seite dann von der Walze abgeschabt und die abgeschabte Masse wieder mit einem Förderband abtransportiert. Anschließend wurde die Masse zu Brikett oder Nusskohle gepresst.
Den Josef hatte der ganze Ablauf vom Ankommen der Kohle aus dem Förderschacht bis zu den fertigen Briketts total fasziniert! Er wurde auch nicht müde zu fragen wie der Zusammenhang der Fördertürme zu den Körben in denen die Loren noch oben oder nach unten gebracht werden war. Bis es ihm ein Sicherheitssteiger einmal auf der Verladestation erklärt hat! Pass auf mein Junge fing er an, siehst du dort unten das Haus wo die Seile rauskommen? Natürlich sagte Josef! An jedem Ende von so einem Seil hängt ein Förderkorb, erzählte der Steiger weiter, ein Ende von dem Seil mit dem Förderkorb ist im Schacht ganz oben, das Seil läuft über eine große Rolle auf dem Förderturm runter in das Haus! In dem Haus sind mehrere Maschinen mit auch so großen Rollen! Diese Maschinen bewegen die Förderkörbe rauf und runter. Das Seil läuft über eine von diesen Rollen und kommt wieder über die große Rolle auf dem Förderturm und runter im Schacht bis in die 4te Sohle, da hängt der andere Förderkorb! Zwei Körbe und ein Seil sind eine Einheit! In jedem Förderkorb sind 5 Etagen und in jede Etage kommen 2 Loren! Zwei Einheiten sind in jedem Förderturm! Eine volle Lore wiegt eine Tonne! 2x2=4 x10 Loren die im Förderturm ständig nach oben und unten gebracht werden! Ein Förderturm ist nur für die Kohleförderung, der Andere zur Beschickung von Material und zur Personenförderung!
Der Steiger zeigte mit seiner Hand auf ein Haus in der Nähe vom Holzplatz an dem außen ein riesengroßer Blechkasten war! Was du da unten an dem Haus siehst ist ein riesengroßes Gebläse das immer frische Luft in die Stollen bläst, sonst würden alle Kumpels da unten ersticken! Josef hat sich bei dem Steiger bedankt und ging mit einem schwirrenden Kopf nach Hause.
Da war auch noch Marlis eine junge Dame, der hat anscheinend der Josef gefallen! Wenn er auch aus Bayern war und eine komische Aussprache am Leib hatte, wie sie sich ausdrückte! Nur hatte die Sache einen Haken, die angebliche Zuneigung war nur einseitig! Josef konnte mit der Art wie sich die junge Dame gab nichts anfangen. Sie hatte dem Josef auch hin und wieder, wenn er sich gar nicht blicken ließ, Briefchen geschickt mit Wortlauten wie “ Hab dich geliebt und im Herzen getragen, nun bist du verrutscht und liegst mir im Magen!
Hab dich gesucht an allen vier Ecken nun kannst du mich kreuz und quer in allen Taschen lecken!“ Sie hatte auch noch einen älteren Bruder, der schon für seine eigenen Begriffe lange vor Kohle arbeitete! Mindestens schon ein halbes Jahr und er bildete sich jede Menge darauf ein!
Der hatte nichts Besseres zu tun als über die Bayern generell, und Nichtwestfahlen insbesondere, aus nicht gerade überschäumender Intelligenz schlecht zu reden. Er konnte Josef nicht leiden und der ihn auch nicht. Er trank auch schon mit den älteren Kumpels nach der Schicht diverse Bierchen und torkelte an manchen Tagen am Heim vorbei nach Hause! Mit solchen Leuten konnte der Josef nichts anfangen, außerdem hatten er und seine Schwester das Gesicht voller Pickel! Dafür konnten sie nichts, aber trotzdem! Nein Danke!
Herbst 1957, der 16. Geburtstag!!
Ab sofort ging es ab in die Grube!
Erst einmal in das Lehrrevier in der 1ten Sohle in 400 m Tiefe. Die 2te Sohle war in 600 m Tiefe, die 3te Sohle 800-900 m Tiefe und die 4te in 1200 m Tiefe. In der untersten Sohle wurde am Ende von Josefs Lehrzeit der Durchbruch zur Zeche Westerholt gemacht! Josef konnte lange nicht verstehen wie man in 1200 Meter Tiefe so genau messen konnte! Die seitliche Differenz betrug nur einen halben Meter und die Höhe des Stollenbodens auch! Diese geringe Differenz! Das war mit Sicherheit nicht nur für Josef eine tolle Leistung! Von den Sohlen, waagrechte Hauptstollen, waren jeweils Blindschächte von Sohle zu Sohle. Mit denen wurde neues Material nach den einzelnen Revieren transportiert Alles was außer der Kohle nach oben gebracht werden musste, wurde auf diesem Weg nach oben gebracht
Ab sofort bekam Josef eine andere Nummer 2648! Die war auch leicht zu merken! Davon gab es 3! Eine Nummer für die Schicht, eine für die Lampe und eine für den Selbstretter, im Volksmund auch Gasmaske genannt. Die beiden letzten Nummern mussten in der Lampenbude abgegeben werden wo sie die Lampe und den Selbstretter bekamen.
Diese beiden Nummern kamen automatisch wieder in die Nummernbude am Zechentor.
Im Lehrrevier mussten die Schienen abgebaut werden, der Boden abgetragen und die Schienen wurden wieder neu verlegt. An den verschiedenen Ausbauarten der Stollenwände wurden die kaputten Teile ausgebaut und neue wieder eingebaut. Da gab es mehrere Ausbauarten, Türstockausbau, eine relativ einfache Konstruktion. Dann gab es den Torbogenausbau bei dem die seitlichen senkrechten Abstützungen nicht aus Hölzer, sondern aus gebogenen Eisenbahnschienen bestanden. Der Polygonausbau war der Schwierigste und vom Material her der Aufwendigste! Dieser Ausbau hatte auf jeder Seite 3 Längshölzer und insgesamt 6 Ecken. Dieser Ausbau war selten. Der Druck auf die Stollen untertage kam von allen Seiten, von oben, unten und von den Seiten!
Musste mal einer unten während der Schicht aufs Klo, gab es in jedem Stollen in Abständen Scheisskübel, Fachsprache! Musste da mal einer von den Lehrlingen drauf, war das kein Problem! Nur wenn einer dann auf dem Kübel saß, war es rings rum außerhalb dem Schein von seiner Mannschaftslampe stockfinster! Klopfte dann ein Schelm mit seiner Lampe auf die Luftleitung, die in jedem Schacht meistens in Bodennähe verlief, wurde das Geräusch kilometerweit übertragen! Saß dann mal einer auf dem Kübel der nicht so mutig war, konnte man schon mal die Lampe wackeln sehen und einer kam sogar mal ohne Hose angerannt!
In jedem Lehrrevier gibt es einen Meisterhauer, das sind die Hauer die vor Kohle wegen Staublunge nicht mehr arbeiten können. Josef kam zu einem Meisterhauer für den die Bayern Menschen dritter Wahl waren! Dementsprechend musste Josef als Bayer mit Pickel und Schaufel arbeiten! Der Meisterhauer hatte so Marotten wie dauernde Sprüche, geh weg mit Fuß, kuck hin mit Auge, pack an mit Hand usw. Außerdem saß er immer in der Gegend rum und auch gerade meistens genau da wo Josef gerade arbeiten sollte! Er war immer nur über die Bayern am Lästern und am Drangsalieren.
Es dauerte auch nicht lange und der Meisterhauer hatte den Pickel auf dem Fuß! Weiter nicht schlimm, der hatte ja Sicherheitsschuhe an den Füssen! Trotzdem großes Geschrei und Wehklagen von dem Meisterhauer! Josef dachte nur große Klappe, nichts dahinter! Nächsten Morgen hing ein Zettel in der Nummernbude! Josef musste wegen dem Meisterhauer zum Assessor!
Der hörte sich erst einmal die Version vom Josef an.
Wenn du mit diesem Meisterhauer nicht zurechtkommst, gehst du ab heute zu einem anderen in der 2ten Sohle. Der Assessor hatte Verständnis! Bayern war dem Assessor sein Urlaubsland!
Dieser Meisterhauer in der 2ten Sohle war ein normaler Mensch und hat auch den Lehrlingen, egal woher sie kamen, alle Fragen in Ruhe erklärt. Bei diesem Meisterhauer hat der Josef so ziemlich alle Ausbauarten kennengelernt.
Sportfest in der Berufsschule! Speerwerfen, Hammer werfen, Weitspringen und Hochspringen, Langlauf und Hundertmeterlauf! Kein Problem für Josef und einigen Kumpels. Die hundert Meter schaffte er mit einem seiner Kumpel in sage und schreibe 15,4 Sekunden, man war ja schließlich nicht der Armin Hary! Der Sportlehrer war da allerdings nicht recht damit einverstanden!
Für die Lehrlinge die im Urlaub nicht nach Hause fahren konnten, durften, oder wollten, wurde von der Zechenleitung eine Fahrt an die Nordsee organisiert.
Freitag ab Mittag sammeln und Abfahrt mit einem Omnibus, der sah hinten genauso aus wie vorne. Hatte aber gepolsterte Sitze! Das Ziel war Karolinensiel direkt am Nordseestrand! Bis dahin hatte so mancher der Jungs noch nie so viel Wasser auf einmal gesehen! Josef inbegriffen! Er war schon mal am Waginger See, der war aber im Vergleich zu dem hier eine Pfütze! Am Freitagabend war dann noch ein wunderschöner Sonnenuntergang den man so nur am Meer bewundern kann.
Es sah aus als wenn ein riesiger Feuerball im Meer versinken und der Himmel lichterloh brennen würde! Am Samstagmorgen wurden dann barfuß am Strand Seesterne, Muscheln und Krabben gesammelt die die Jungs auch nur vom Hörensagen und von Bildern kannten. Zu Hause gab es so etwas nicht! Jetzt hielten sie die Dinger auch noch lebend in den Händen! Dazu mussten sie immer auf Ebbe und Flut aufpassen, aber sie wurden immer von der Reiseleitung aus dem Wasser und vom Strand gescheucht, wenn es so weit war! Es war trotzdem spannend, wenn einem die Natur vorschrieb, wann du rausgehen musst und wann nicht! Es gab nur ein größeres Haus im Ort, das war das Gasthaus! Abends um halb acht mussten alle das Gasthaus verlassen haben, den Jungs wurde nicht gesagt warum, die dachten es ist generell Sperrstunde oder die gehen immer mit den Hühnern ins Bett! Aber plötzlich um 20Uhr war die Bude wieder offen. Das Gasthaus war plötzlich ein Kino und ein Westernfilm 12 Uhr mittags mit Errol Flynn wurde gespielt! Das waren dann allerdings eine Überraschung! Doch das schönste daran war, dass die Jungs nichts bezahlen mussten! Sonntag früh noch eine Kahnfahrt zur Insel Wangerooge! Auf der abgekehrten Seite dieser Insel sollte ein Mädchenheim sein und ein paar von den Jungs, Josef natürlich mit dabei, sind da nachsehen gegangen!
Aber da war nichts! Da sind sie einem Märchenerzähler aufgesessen! Auf der Rückfahrt mit dem Fischerkahn nach Karolinensiel sind die Jungs dann immer geschlossen von einer Seite auf dem Kahn auf die andere Seite bis der Käpt´n zu schimpfen anfing! Der hatte wohl Angst um seinen Kahn! Die Rückfahrt war dann Sonntag am späten Nachmittag. Das waren für die Lehrlinge ein paar schöne Tage. War doch bis dahin noch keiner von ihnen an einem Meer. Nun hatten die meisten auch für zu Hause Urlaubserfahrungen zum Erzählen!
Eines Tages löste sich ein größerer Stein von der Decke und Josef konnte den Brocken gerade soweit halten, dass er ihm nicht auf den Kopf viel! Er konnte aber nicht verhindern, dass der Brocken ihm dann, als er ihn nicht mehr halten konnte auf die Füße viel. Er hatte dann ziemliche Schmerzen und der Meisterhauer schickte ihn zum Sani! Krankfeiern gab es wegen so einer Verletzung generell nicht, dafür gab es andere Arbeiten die mit so einer Verletzung zu schaffen waren. Josef war inzwischen schon ein paar Monate unter Tage und er wurde wegen seiner Füße zum Kohletransport nach Revier 6 in der 3ten Sohle eingeteilt. Prima! Er wollte schon immer Lokomotivführer werden. Fahren selbst war ja ganz einfach. Das Kontaktrad im Uhrzeigersinn nach rechts drehen für vorwärtsfahren, Kontaktrad links rum drehen rückwärts, Kontaktrad loslassen stand die Lok still. Gebremst wurde entweder per Fußkontakt oder mit Handkontakt. Die Akku Loks waren je nach Größe verschieden. Doch der Rest war leichter gesagt als getan! An so einer Akku Lok hingen im Durchschnitt bis zu 60 volle Loren dran, pro Lore 1Tonne! Diese mussten erst einmal an der Ladestation im Revier einzeln angekuppelt werden. Das hat sich der Josef aber anders vorgestellt! Immer schön mit der Lok hin und her…Vom Schacht zum Revier und zurück…einfache Strecke 6km! Dachte Josef! Von wegen!
Am Schichtanfang Personenförderung vom Hauptschacht bis zur Ladestation im Revier und mit den leeren Wagen wieder zurück. Die Wagen wurden für andere Schichten und Reviere gebraucht. Diese Wagen zur Beförderung von Personen waren oben geschlossen und hatten nur seitliche Einstiege mit einer Kette zum Absichern. Dann die gleiche Strecke Materialzug, vom Hauptschacht mit leeren Loren zum Revier, 60 volle Loren zusammenkuppeln und voll wieder zurück. Nächste Schicht Personenförderung zum Revier, leer zurück. Personenzug…Materialzug... die restliche Zeit der Schicht war aus- und ankuppeln! Es war ja auch nicht nur das Fahren, die Loren hatten keine Bremsen und man musste schon die Geschwindigkeit einschätzen und früh genug mit dem Akku abbremsen!
Ein paar von den Kumpels veranstalteten Rennen! Dazu hatten sie eines oder zwei Mäusegespanne zu je zwei Mäusen. Die Mäuse, die früher mit dem Heu und dem Stroh für die Pferde nach unten kamen, haben sich da unten ordentlich vermehrt. Die waren auch nicht so schlank wie die Feldmäuse die man so kannte, sondern mehr rund wie lang! Die mitgebrachten Brote wurden in der Regel in der Mitte vom Stollen, an der höchsten Stelle mit dünnem Schiessdraht aufgehängt. Es kam aber schon hin und wieder vor, dass sich so ein nettes Tierchen genau in der Mitte von den Stullen durchgefressen hatte! Wie die das anstellten, Josef hat es nie gesehen. Dieser Schiessdraht war dünn und relativ steif und wurde unter Tage hauptsächlich zum Sprengen verwendet. Die Kumpels hatten aus so einem Schiessdraht Zuggeschirr gebastelt. Vorne die Mäuse und hinten dann einen etwas größeren Stein. Das Gespann das denselben Stein am weitesten gezogen hat, hat gewonnen! Zeit spielte dabei keine Rolle, die Mäuse blieben einfach stehen, wenn sie nicht mehr wollten, da half auch kein kitzeln mit einem Stückchen Schießdraht! Der Verlierer musste dem Sieger dann oben in der Kneipe diverse Bierchen bezahlen!
Der Steiger von Revier 6 ging in Urlaub und man schickte einen Vertreter. Der hatte dann so eine Idee. Er ließ an den Förderbändern unter Tage seitlich dünne Stahlseile anbringen und an den Übergängen blaue und rote Lichter installieren.
Die blauen Lichter waren für Personenförderung und die roten Lichter für Materialförderung. Nach dieser Installierung konnten die Kumpels bei blauem Licht auf den Förderbändern fahren und mussten die Strecke nicht mehr zu Fuß laufen.
Sollte während der Fahrt ein Kumpel seitlich vom Band fallen, viel er auf das Seil und das Band wurde sofort gestoppt. Diese Idee wurde von den Kumpels sehr begrüßt, sparte man doch viel Zeit in der man an der Kohle Geld verdienen konnte.
