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Diese Erzählung beschreibt offen und schonungslos den Werdegang des kleinen Manni - an Körper und Seele vom Vater misshandelt und später noch von einem Pädophilen missbraucht -, der mit seiner Mutter aus dem Osten Deutschlands in den Westen floh, während seine Geschwister in die Fänge der Stasi gerieten. Im Laufe seiner Kindheit, die ihn durch verschiedene Flüchtlingslager führte, lebte er mit ständigen Verlustängsten und war bis in die Pubertät auf der Suche nach seiner Identität. Während des Erwachsenwerdens erlebte er die Höhen und Tiefen des Lebens sowie menschliche Abgründe und entrann mehrmals dem Tode. Er durchlebte eine Welt voller Widersprüche und Grausamkeiten, ohne daran zu zerbrechen. Die bildhafte Schonungslosigkeit seiner Beschreibungen ist freizügig, aber stets authentisch.
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Seitenzahl: 577
Veröffentlichungsjahr: 2019
Fritz Krieg
(K)EINE DEUTSCH-DEUTSCHE ERFOLGSGESCHICHTE
Eine offenherzige Autobiografie über ein deutsch-deutsches Leben
Copyright: © 2019 Fritz Krieg
Lektorat: Erik Kinting – www.buchlektorat.net
Satz & Umschlag: Erik Kinting
Verlag und Druck:
tredition GmbH
Halenreie 40-44
22359 Hamburg
978-3-7497-8301-4 (Paperback)
978-3-7497-8302-1 (Hardcover)
978-3-7497-8303-8 (e-Book)
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Vorwort
Diese Erzählung beschreibt offen und schonungslos den Werdegang des kleinen Manni – an Körper und Seele vom Vater misshandelt und später noch von einem Pädophilen missbraucht –, der mit seiner Mutter aus dem Osten Deutschlands in den Westen floh, während seine Geschwister in die Fänge der Stasi gerieten. Im Laufe seiner Kindheit, die ihn durch verschiedene Flüchtlingslager führte, lebte er mit ständigen Verlustängsten und war bis in die Pubertät auf der Suche nach seiner Identität. Während des Erwachsenwerdens erlebte er die Höhen und Tiefen des Lebens sowie menschliche Abgründe und entrann mehrmals dem Tode. Er durchlebte eine Welt voller Widersprüche und Grausamkeiten, ohne daran zu zerbrechen. Die bildhafte Schonungslosigkeit seiner Beschreibungen ist freizügig, aber stets authentisch.
Einleitung
Schon von Weitem hörte man das tiefe und monotone Brummen, das sich unaufhaltsam der Stadt näherte. Und dann war er da! Das Dröhnen der Propellermotoren des Bombers, der nur wenige Meter über den teils zerstörten Häuserschluchten Berlins hinwegflog und diese in ihren Grundfesten erzittern ließen, sodass man meinte, sie könnten jeden Moment einstürzen, ebbte langsam ab und verlor sich in den Straßen der geschundenen Stadt. Die nackten Gerippe der Ruinen streckten anklagend ihre Finger in den Himmel.
Hier und da sah man vereinzelt Menschen zwischen den Schuttbergen umherirren, um ihren Tagesgeschäften nachzugehen. Manch einer richtete noch ängstlich seinen Blick nach oben, eingedenk des Infernos, als die Bomber zu Hunderten hoch am Himmel im Minutentakt ihre tödliche Fracht über der Stadt entluden … damals, fast immer nachts, als die Lichtfinger der Scheinwerfer ihre Ziele zu erfassen versuchten und die Flakbatterien ihre Granaten in den Himmel schickten, während in der Stadt selbst ein Flammeninferno wütete und das grauenhafte Geheul der Sirenen die angsterfüllten Menschen in die Luftschutzbunker trieb …
Dieser Bomber flog so tief, dass man den Piloten in seinem Cockpit sehen konnte. Doch diesmal blieben die Bombenschächte geschlossen und entließen keinen alles vernichtenden Bombenhagel. Schon lange standen keine Menschen mehr vor ihren noch teils zerstörten Häuser im Herzen der Stadt und winkten voller Freude, Enthusiasmus und Dankbarkeit dem Bomberpiloten zu, wohl wissend, dass dieser mit jedem Flug sein Leben aufs Spiel setzte. Auch wurden jetzt keine Fallschirmchen mit Schokolade oder anderen Süßigkeiten von dem Piloten aus dem Cockpitfenster geworfen, worauf sich insbesondere die Kinder gestürzt hatten. Nur vereinzelt schauten noch erwartungsvolle Kinderaugen hoch, in der Hoffnung eines dieser Schirmchen zu erhaschen. Aber es gab sie nicht mehr. Es waren die sogenannten Rosinenbomber, auf die sie sehnsüchtig warteten. – Einer der Bomber hatte kurz vor Weihnachten für die Bäckereien in der eingeschlossenen Stadt Rosinen geladen und seither hießen diese Versorgungsflieger Rosinenbomber.
Es war alles ein wenig ruhiger geworden. Die Angst der Menschen, zu verhungern oder im kommenden Winter zu erfrieren, weil es nichts zu Essen oder keinen Brennstoff mehr gab, wich der Hoffnung, weiterleben zu dürfen. Trotzdem flogen nach wie vor die Flugzeuge in die Stadt, um die so dringend benötigten Güter für die notleidende Bevölkerung Berlins aus ihren Bäuchen zu entladen. Jetzt jedoch nicht mehr im Minutentakt, wie Anfangs, denn die westlichen Alliierten hatten die Berliner Luftbrücke im Mai 1949 offiziell für beendet erklärt, sodass jetzt nur noch Vorräte für die nächsten zwei Monate eingeflogen wurden. Es gab nur drei Flugkorridore nach Westberlin, die die Versorgungsmaschinen nehmen konnten, zu den Flughäfen Tempelhof, Tegel und Gatow.
Am 30. September 1949 stellten die Alliierten die Flüge ein. Die Land- und Wasserwege in die Stadt wurden von den Sowjets wieder geöffnet. Die Berlin-Blockade war beendet und die Menschen im Westteil dieser geteilten Stadt konnten wieder mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Nicht so die Menschen in der anderen Stadthälfte und schon gar nicht in der gesamten restlichen Ostzone Deutschlands.
Wenige Monate später kam ich auf die Welt. Nein, nicht in Berlin, sondern in einem klitzekleinen Dorf am Rande der thüringischen Kleinstadt Weimar im Osten Deutschlands. Während der Doktor verzweifelt versuchte, meine Herztöne zu vernehmen, beteuerte meine Mutter unter Tränen, dass ich leben würde. Sie spürte es doch. Kaum war er weg, wanderten meine Füßlein von innen ihren Bauch entlang. Dieses Spiel trieb ich so oft, dass der Doktor meinte, die Schwangerschaft abbrechen zu müssen. »Entweder sie oder ich«, war der eindeutige Tenor des Doktors. Meine Mutter blieb stur und so kam der Tag, da ich mithilfe der Hebamme das Licht der Welt erblickte.
Viel weiß ich nicht von meinem Heimatdorf, denn als ich zweieinhalb Jahre alt war, zogen meine Eltern nach Weimar in ein kleines Häuschen am Rande der Stadt.
In Berlin selbst wohnten meine Großeltern, im Stadtteil Alt-Moabit, im Westsektor – also im Westen! Und von ihnen sollte auch einiges in meinen Erinnerungen haften bleiben. Von den Problemen der Menschen in der sowjetisch besetzten Zone, die sich jetzt Deutsche Demokratische Republik (DDR) nannte, ahnte ich noch nichts. Trotzdem beginne ich an diesem Punkt mit meinen Erinnerungen.
Das erste Abenteuer
Es war einmal ein kleiner Junge. Der verstand die Welt so, wie sie sich ihm darstellte, nämlich ganz normal … So fangen alle Märchen an, nur mit dem Unterschied, dass dies hier kein Märchen ist. Der Knirps wurde kleener Manni gerufen und das nicht ohne Grund. Klein war er und gerade mal drei Jahre alt. Er besaß eine außergewöhnliche Leidenschaft – Busfahren, oder besser gesagt: Fahren überhaupt.
Und so passierte, was passieren musste: Eines Tages war er plötzlich verschwunden, einfach so! Es begann eine stundenlange Suche seiner Mutter und Geschwister; erst im Haus, dann ums Haus herum … Die Suche wurde immer weiter ausgedehnt, Nachbarn wurden befragt, doch niemand wusste, wo der Knirps abgeblieben war. Abends entschloss man sich, die Polizei um Hilfe zu bitten.
Währenddessen vergnügte der Bub sich beim Busfahren. Damals gab es noch diese großen O-Busse, die mit Stangen an der elektrischen Oberleitung verbunden waren. In strengen Wintern knitschte und knisterte es zwischen den Verbindungen von Stangen und Oberleitungen, wenn der elektrische Kontakt kurz unterbrochen wurde. Die O-Busse hatten vorne und hinten jeweils einen Ein- und Ausstieg und durch einen davon ist er hineingeschlüpft. Wie es der Junge schaffte, allein zur Haltestelle zu kommen, die mindestens einen oder anderthalb Kilometer von zu Hause entfernt war, bleibt bis heute ein Rätsel. Der Busfahrer fand den Jungen am Ende des Tages, gegen Mitternacht, zusammengerollt wie ein Embryo schlafend auf einem der hinteren Sitzplätze. Er hatte ihn von vorne nicht sehen können, weshalb der Kleine so lange unentdeckt blieb und Runde um Runde durch die Stadt fuhr, immer hin und her. Tja, nun hatte der Spaß sein Ende gefunden. Erstaunt über seinen Fund und etwas hilflos, was er damit anfangen sollte, nahm der Busfahrer vorsichtig das kleine Bündelchen und trug es ins Zentralgebäude.
Zu Hause ging dann der erlösende Anruf ein, der kleene Manni könne auf dem Polizeirevier abgeholt werden. Bei Ankunft der Mutter lag Manni auf einer Bank, zugedeckt mit einer Uniformjacke, und schlief tief und fest. Der Schlaf des Gerechten hatte ihn übermannt. Vermutlich war die große Stulle schuld, die er zuvor von einem der Polizisten erhalten hatte. Die paar Schlucke Tee aus der Thermoskanne des Mannes gaben ihm dann dem Rest, schließlich gab es im Bus ja nichts zu futtern. Der hilfsbereite und mitfühlende Polizist würde nun sicher bis Dienstende hungern müssen.
Für den kleinen Manni war das alles normal, wollte er doch nur seiner heimlichen Leidenschaft frönen. Sie sollte ihn sein ganzes Leben lang nicht mehr verlassen.
Dieser Ausflug geschah im Ossi-Land, Anfang der 50er-Jahre, und ich kenne sie nur aus der Erzählung meiner größeren Geschwister. Nun kommen meine eigenen Erinnerungen.
