Beschreibung

Dr. Vogel ist mit Herz und Seele Kinderarzt. Als solcher leitet er eine Kinderklinik. Dem Schicksal seiner kleinen Patienten gelten seine große ärztliche Kunst und seine innere Teilnahme. Er weiß aber auch, dass in seinem Beruf selbst bei größter Aufmerksamkeit Fehler unterlaufen können. Eines Tages stirbt ein neugeborenes Kind während einer Operation. Ein Kunstfehler wird angenommen und seine engste Mitarbeiterin, Schwester Marina, beschuldigt. Dr. Vogel stellt sich vor sie, fest davon überzeugt, das Richtige zu tun. Da verlangt seine Ehefrau von ihm aus purer Eifersucht, sich von Schwester Marina zu trennen … Marie Louise Fischer wurde 1922 in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Lektorin bei der Prag-Film. Da sie die Goldene Stadt nicht rechtzeitig verlassen konnte, wurde sie 1945 interniert und musste über eineinhalb Jahre Zwangsarbeit leisten. Mit dem Kriminalroman "Zerfetzte Segel" hatte sie 1951 ihren ersten großen Erfolg. Von da an entwickelte sich Marie Louise Fischer zu einer überaus erfolgreichen Unterhaltungs- und Jugendschriftstellerin. Ihre über 100 Romane und Krimis und ihre mehr als 50 Kinder- und Jugendbücher wurden in 23 Sprachen übersetzt und erreichten allein in Deutschland eine Gesamtauflage von über 70 Millionen Exemplaren. 82-jährig verstarb die beliebte Schriftstellerin am 2. April 2005 in Prien am Chiemsee.

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Marie Louise Fischer

Kinderstation

Roman

Saga Egmont

Kinderstation

Genehmigte eBook Ausgabe für Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

Copyright © 2017 by Erbengemeinschaft Fischer-Kernmayr, (www.marielouisefischer.de)

represented by AVA international GmbH, Germany (www.ava-international.de)

Originally published 1962 by Hestia Verlag, Germany

All rights reserved

ISBN: 9788711718988

1. Ebook-Auflage, 2017

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt og Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com

1

Sie waren alle in heiterster Stimmung. Auf der Terrasse schaukelten die bunten Lampions wie leuchtende Bälle im Nachtwind. Lachen und Musikfetzen klangen zu dem Mann am Brunnen herüber.

Die Fröhlichste von allen war Regine. Unermüdlich flatterte sie zwischen ihren Gästen hin und her. Ihr korallenrotes Kleid hob sich von den pastellfarbenen Roben der anderen Frauen ab. Ihr dunkles Lachen klang wie ein melodisches Glockenspiel.

Präg es dir ein, sprach Dr. Arno Vogel zu sich selbst. Vergiß es nie, alter Junge! Dies ist eine glückliche Stunde, eine deiner vielen glücklichen Stunden, seit du mit Regine verheiratet bist. Sei dankbar, genieße es!

Er hockte, in einiger Entfernung von den anderen, auf dem Brunnenrand und rauchte seine Pfeife. Er war nicht allein.

Neben ihm, in einem Korbsessel, saß sein Schwiegervater Professor Paul Böhninger. Hier war es so dunkel, daß sie sich kaum sehen konnten.

Es war schön, Regine und ihre Gäste von weitem zu betrachten, und es war angenehm, nicht mitmachen zu müssen.

Plötzlich wurde Arno Vogel sich dieser Distanzierung mit einem kleinen Schuldgefühl bewußt. Hatte Regine nicht ein Recht darauf, ihn, den Hausherrn an ihrer Seite zu haben? Gerade an diesem Abend, bei ihrer lang vorbereiteten, heiß ersehnten »Garden Party«?

»Ich glaube, ich sollte doch lieber …«, sagte er zögernd.

Professor Böhninger begriff sofort. »Mach dir nichts draus«, sagte er munter, »Regine hat ja gewußt, daß sie keinen Salonlöwen heiratet.«

»Stimmt auch wieder.« Arno Vogel warf seinem Schwiegervater einen dankbaren Blick zu. Es schien ihm, als wenn der alte Herr in der Dunkelheit lächelte.

Sie tranken sich zu und spürten, wie gut sie sich verstanden.

Der laue Wind, der die Haut wie mit zärtlichem Streicheln berührte, die bunten Lichter, die fröhlichen Stimmen, Gläserklirren, Gelächter und Musik … bedeutungslose Kleinigkeiten. Aber sie machten den Chefarzt Dr. Arno Vogel fast trunken vor Glück.

Er besaß alles, was ein Mann sich nur wünschen kann, und er war sich seines Erfolges bewußt.

Als Regine über den Rasen auf ihn zugewirbelt kam, war er erfüllt von der Heftigkeit und Zärtlichkeit seiner Liebe.

Regine hatte die Pumps abgestreift. Ihr duftiger Rock gab im Laufen die schmalen braunen Knie frei, ihre Füße schienen den Rasen kaum zu berühren.

»Nicht zu glauben!« sagte Professor Böhninger.

Dr. Arno Vogel verstand auch ohne weitere Erklärung, was sein Schwiegervater meinte. Regine wirkte rührend jung. Niemand hätte ihr, wie sie da langbeinig und anmutig über den Rasen rannte, auch nur einen Tag mehr gegeben als achtzehn Jahre. Tatsächlich war sie heute fünfundzwanzig Jahre geworden, sie, die Mutter einer vierjährigen Tochter.

Er stand auf, bevor sie bei ihm war. Er hätte sie gern in die Arme genommen, tat es aber nicht, weil er wußte, daß sie Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit nicht liebte.

»Na, was gibt’s?« fragte er. Seine Stimme klang rauh von der Anstrengung, seine Gefühle unterdrücken zu müssen.

»Ein Anruf für dich, Arno. Aus der Klinik!«

»Danke, Regine … entschuldige mich einen Augenblick, Papa!« Dr. Arno Vogel klopfte seine Pfeife aus, ging mit großen Schritten, doch ohne Hast, zum Haus hinüber.

Ein Anruf aus der Klinik hatte für ihn nichts Alarmierendes. Er liebte es, ständig in enger Verbindung zum Krankenhaus und zu seinen kleinen Patienten zu stehen. Ärzte und Pflegepersonal scheuten sich nicht, ihn bei jeder auftretenden Schwierigkeit zu Rate zu ziehen.

Dennoch ging er jetzt die bedrohlichen Fälle seiner kleinen Patienten durch und versuchte herauszubekommen, bei wem es wohl zu einer Störung oder gar einer Krisis gekommen sein konnte.

Bei dem kleinen Peter mit dem Brechdurchfall?

Der zwölfjährigen Lisa, die vor zwei Tagen mit einer schweren Diphtherie eingeliefert worden war?

Oder sollte etwa Herbert wieder, eine Möglichkeit gefunden haben, sich seine Verbände abzureißen?

Dr. Arno Vogel nickte seinen Gästen, meist Kollegen und deren Frauen, beim Überqueren der Terrasse zu, trat durch das große Wohnzimmer in die Diele, nahm den Hörer auf, der neben dem Apparat auf dem Tischchen lag.

»Hallo?« sagte er. »Eichner? Entschuldigen Sie, wenn ich Sie habe warten lassen, aber Sie werden sich vorstellen können …« Er führte den Satz nicht zu Ende, fragte statt dessen: »Was gibt es?«

»Eine Erythroblastose, Herr Chefarzt. Ist heute aus der Frauenklinik zu uns gekommen.«

»Wie alt?«

»Zwanzig Stunden.«

Während er zuhörte, klopfte Dr. Vogel sich nachdenklich mit dem Pfeifenstiel gegen die Zähne. »Bilirubin?«

»Zwanzig Milligrammprozent«

»Dann müssen wir sofort etwas unternehmen. Ich komme gleich hinüber.«

»Jawohl, Herr Chefarzt …«

»Augenblick … sind Sie noch da? Ja? Haben Sie schon die Blutgruppe?«

»Null Rhesus-positiv.«

»Das Blut der Mutter?«

»Null rh-negativ.«

»Aha. Dann veranlassen Sie bitte sofort, daß uns die Blutspenderzentrale zwei Leute schickt, ja? Je schneller, desto besser!«

Arno Vogel hing auf. Er wandte sich zur Haustür.

»Mußt du fort?«

Erst jetzt sah er, daß Regine ihm nachgekommen war.

»Leider«, sagte er und sah sie zärtlich an, »ihr müßt ohne mich weiterfeiern.«

»Schade.«

»An mir verlierst du nicht viel, fürchte ich. Du weißt, ich bin ein miserabler Tänzer.«

»Trotzdem.« Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen.

»Leb wohl!« sagte er.

»Tschau!« Strahlend schön, in einem Wirbel von leuchtend rotem Chiffon, stand sie eine Sekunde an der Schwelle. Dann war sie verschwunden.

Dr. Vogel öffnete die Haustür und trat auf die nächtliche Straße.

Die Kinderklinik lag jenseits des Parks, kaum drei Minuten von Dr. Vogels Haus entfernt, ein graues Sandsteingebäude. Es sah genauso aus wie die anderen Universitätskrankenhäuser, in deren Mitte es stand. Wie die andern roch es nach Linoleum, Bohnerwachs und Desinfektionsmittel. Die Gänge lagen jetzt, um Mitternacht, wie ausgestorben da, grau vom Nachtlicht beleuchtet.

Nur im Operationssaal brannten alle Lampen und erfüllten den Raum bis in den letzten Winkel mit ihrem kalten, grellen Licht. Schwester Marina sah auf, als Dr. Eichner eintrat. Er strich sich nervös über den Schnurrbart, sah sie fragend an, flackernde Unruhe in den dunklen, schräg geschnittenen Augen.

»Alles in Ordnung, Herr Doktor«, sagte Schwester Marina.

Vor ihr auf dem Tisch lag in einem Körbchen, links und rechts von Wärmflaschen umgeben, das Neugeborene und schlief mit seltsam verzogenem Gesicht. Die Gelbfärbung der Haut wurde im scharfen Licht besonders deutlich.

»Eine sehr unangenehme Sache!« Dr. Eichner räusperte sich. »Wirklich, sehr unangenehm.«

Schwester Marina schwieg, den Blick auf das schlafende Kind gerichtet.

Dr. Eichner sah auf seine goldene Armbanduhr. »Ich denke, ich werde …«, begann er. Aber dann brach er ab und sagte: »Sie wissen, was Sie zu tun haben, Schwester … lassen Sie das Kind keine Sekunde aus den Augen!«

Sie erwiderte nichts, blickte ihn nur an. Ihre gelassene Sicherheit steigerte seine Nervosität. Er wollte etwas sagen, schluckte, blieb stumm, wandte sich zur Tür.

»Herr Doktor …«

Dr. Eichner fuhr herum. »Ja?«

»Bitte sagen Sie dem Herrn Chefarzt, daß Schwester Hilde einen Kaffee für ihn gekocht hat. Er steht im Schwesternzimmer.«

Seine Augen verengten sich. »Ist das so wichtig?«

»Der Chefarzt übernimmt eine große Verantwortung.«

Seine Stimme überschlug sich. »Bilden Sie sich etwa ein, ich wäre nicht imstande, diese Blutaustausch-Transfusion allein dürchzuführen?«

Ihr Gesicht blieb bewegungslos. Sie schwieg.

Er holte tief Atem, sagte in verändertem Ton, lächelnd: »Bitte, seien Sie mir nicht böse, Schwester … ich weiß selbst nicht, was mit mir los ist. Entschuldigen Sie!«

Und dann ging er rasch hinaus, zündete sich draußen auf dem Gang eine Zigarette an, rauchte gierig. Als er die Tür des Aufzuges hörte, lief er mit kleinen elastischen Schritten den Gang entlang. An der Ecke prallte er auf Dr. Vogel.

»Endlich!«

»Guten Abend, Kollege«, sagte der Chefarzt gelassen. »Sie sehen, ich bin sofort gekommen … ich habe mir nicht einmal Zeit genommen, mich umzuziehen. Gibt es Komplikationen?«

»Nein, bisher nicht. Der Zustand des Kindes ist unverändert.«

»Na also. Wir werden es schon schaffen«, sagte Dr. Vogel zuversichtlich. »Sind die Spender gekommen?«

»Auf dem Weg.«

»Übernehmen Sie das, bitte. Wir werden etwa achthundert Kubikzentimeter Blut brauchen, Sie wissen ja, wir müssen das gesamte Blut des Kindes austauschen. Geben Sie so bald wie möglich von jedem Spender ein Röhrchen Blut zur Kreuzprobe ins Labor. Das ist wichtig. Wo ist das Würmchen?«

»Herr Chefarzt«, platzte Dr. Eichner heraus, »es handelt sich nicht um ein gewöhnliches Kind!«

»Nicht?« Dr. Vogel hob fragend die dichten Augenbrauen.

»Sein Vater ist der Präsident des Landtages … Dr. Paul Hagemann.«

»Ich verstehe nicht …«

»Aber ich bitte Sie. Hagemann ist es doch, der sich Jahr für Jahr bemüht, unsere Subventionen durchzudrücken. Er ist unerhört wichtig für uns.«

Eichner warf seine Zigarette zu Boden, trat sie ungeduldig aus. »Ich kenne Hagemann persönlich. Aber was hat das mit der Krankheit des Kindes zu tun?«

Dr. Eichner starrte den Chefarzt verständnislos an.

»Machen Sie sich doch nicht verrückt, Kollege«, sagte Dr. Vogel. »Wer die Eltern unserer Patienten sind, kann uns doch ganz egal sein. Wir sind da, um die Kinder gesund zu machen, alle Kinder, verstehen Sie, alle … Was geht es uns denn an, ob der Vater für Subventionen zuständig ist oder für … Kartoffeln. Ich bitte Sie, Kollege, das spielt für uns doch gar keine Rolle. Aber wenn Sie schon so gut orientiert sind, dann erzählen Sie mir mal lieber etwas über die Krankengeschichte.«

»Ja, natürlich, gern«, sagte Dr. Eichner beflissen. »Im übrigen habe ich vergessen, Ihnen auszurichten, daß im Schwesternzimmer ein Kaffee auf Sie wartet.«

»Großartig. Kommen Sie mit.« Mit wenigen Schritten war Dr. Vogel an der Tür. »Guten Abend, Schwester Hilde«, sagte er, »ich hoffe, Sie haben auch noch eine Tasse für den Kollegen Eichner übrig.«

Schwester Hilde, blond und hellhäutig, errötete grundlos. »Natürlich, Herr Chefarzt, ich bin gerade fertig.« Sie nahm den Filter von der Kanne. »Es sind drei Tassen drin.« Sie begann mit geschickten Händen Tassen, Untertassen, Löffel und Zucker auf der Kunststoffplatte des Tisches zu verteilen.

Die beiden Ärzte zogen sich Stühle heran.

»Danke, Schwester«, sagte Dr. Vogel freundlich. Er wandte sich an Eichner, der sich eine Zigarette aus seinem Päckchen geklopft hatte. »Geben Sie mir bitte auch eine, Kollege. Sie wissen, ich bin zwar passionierter Pfeifenraucher, aber gerade jetzt …« Er zog sich eine Zigarette heraus. »Danke vielmals.«

Dr. Vogel nahm einen kräftigen Schluck Kaffee. »Also … schießen Sie los!«

Schwester Hilde ging lautlos hinaus.

»Der Patient wurde neun Uhr fünfundvierzig aus der Frauenklinik bei uns eingeliefert. Es war aufgefallen, daß die Neugebörenen-Gelbsucht bereits nach zwölf Stunden, also wesentlich zu früh, eingetreten war. Außerdem wußte man, daß die Mutter rh-negativ ist …«

»Erstgeburt?«

»Nein. Hagemanns haben eine Tochter, sie ist jetzt zwei Jahre alt. Damals ging, soviel ich weiß, alles glatt.« Der Arzt legte eine kleine Kunstpause ein. »Diesmal mußte durch Kaiserschnitt entbunden werden. Dabei trat eine schwere Blutung auf. Evelyn Hagemann wird niemals mehr Kinder bekommen können, das Neugeborene ist ein Junge. Wenn es uns nicht gelingt, ihn durchzubringen …« Dr. Eichners Hand, welche die Zigarette hielt, zitterte leicht.

»Wie lautet der Befund?« fragte Dr. Vogel.

»Das Kind wog bei der Aufnahme dreitausendfünfhundert Gramm und hatte siebenunddreißig-zwei gemessen. Ich habe sofort untersucht. Leber und Milz sind erheblich vergrößert. Lunge und Herz ohne Befund. Der Icterus gravis war auffallend, inzwischen ist die Färbung übrigens noch gelber geworden.«

»Der Test?«

»Ist positiv ausgefallen. Bilirubin …«

»Das sagten Sie mir schon. Der Gallenfarbstoff ist auf zwanzig Milligrammprozent erhöht, wenn ich mich nicht irre.«

»Ganz richtig. Im gefärbten Blutausstrich fand sich eine große Anzahl von unreifen Blutkörperchen. Die Hämoglobin- und Erythrozytenwerte sind erheblich zu niedrig. Alle diese Faktoren zusammengenommen, schienen mir unbedingt auf eine Erythroblastose hinzuweisen.«

»Sie haben sehr umsichtig gehandelt. Ich bin auch überzeugt, daß Ihre Diagnose richtig ist. Trotzdem möchte ich mir den kleinen Patienten noch selber ansehen …«

»Es tut mir leid, daß ich Sie gerade heute belästigen mußte«, sagte Eichner.

»Sie haben keinen Grund, sich zu entschuldigen.« Dr. Vogel drückte die Zigarette aus und stand auf. »Also, dann wollen wir mal.« Das Wandtelefon klingelte. Er nahm den Hörer ab, meldete sich, lauschte. »In Ordnung«, sagte er dann, »führen Sie die beiden Herren gleich herauf.«

Er hängte ein und wandte sich an Dr. Eichner. »Die Blutspender sind gekommen. Das hat also geklappt.«

»Soll ich gleich … ?«

»Wäre schon gut. Machen Sie’s im Nebenraum. Ich werde Ihnen Schwester Hilde mit zwei Gefäßen zur Aufnahme des Blutes hinüberschicken.«

Während sie nebeneinander den Gang hinunterschritten, dachte Dr. Vogel an Regine. Ob sie ihn schon vermißte? Oder ob sie ihn schon vergessen hatte und sich der Fröhlichkeit der Stunde hingab?

Er ahnte es nicht. Er wußte überhaupt nur sehr wenig über ihr eigentliches Wesen. Darüber täuschte er sich nicht.

Unwillkürlich warf er einen Seitenblick auf Kurt Eichner, sah das sensible, hochmütige Profil, das lackschwarze Haar. Auch er hatte Regine geliebt oder sich doch jedenfalls um sie beworben. Aber er hatte nie eine Chance gehabt. Dachte er zuweilen noch an sie? Arno Vogel hatte plötzlich das Gefühl, dem anderen etwas Gutes sagen zu müssen. »Regine hat es übrigens sehr bedauert, daß Sie heute abend nicht dabei waren«, log er, »ich glaube, sie war richtig enttäuscht, als Ihre Absage kam.«

»Wirklich?« sagte der andere nur, und Dr. Vogel wußte nicht, ob Eichner die Lüge durchschaute oder ob er verbergen wollte, daß er sich geschmeichelt fühlte.

In dem Augenblick, als sie sich trennten und Dr. Vogel die Tür zum Operationssaal öffnete, war alles vergessen. Von einer Sekunde zur anderen gab es nur noch das kranke Kind für ihn, das seiner Hilfe bedurfte.

Schwester Marina saß bei dem Neugeborenen, Schwester Hilde hatte am Instrumentenschrank zu tun.

Dr. Vogel schickte die Hilfsschwester mit den Gefäßen zur Blutabnahme zu Eichner hinüber und sagte dann zu Schwester Marina: »Bitte, legen Sie das Kind hier auf den Tisch. Ich möchte es untersuchen.«

Er wusch sich gründlich die Hände, während die Schwester den kleinen Patienten auswickelte. Dann beugte sich Dr. Vogel über das Neugeborene, prüfte mit dem Stethoskop die Töne von Herz und Lunge. Die Auskultation ergab keinen Befund.

Er tastete den Bauch des Kindes ab. Sofort spürte er die starke Vergrößerung von Milz und Leber.

Die Untersuchung bestätigte ihm, was Eichner gesagt hatte. Nur ein vollkommener Blutaustausch konnte das Leben des Neugeborenen retten.

Chefarzt Dr. Vogel richtete sich auf. »Danke, Schwester. Treffen Sie bitte alle Vorbereitungen zum Blutaustausch.«

»Jawohl, Herr Chefarzt!«

Das Neugeborene lag auf dem Operationstisch, winzig, nackt und hilflos im kalten, weißen Licht, das keine Schatten duldete. Es hatte die blinden Augen geschlossen, saugte, wie sein Instinkt ihm eingab, an dem Schnuller, den Schwester Marina ihm in den Mund gesteckt hatte. Es war ein hübsches Kind mit einem auffallend wohlgeformten Kopf. Wenn nicht die erschreckend dunkelgelbe Färbung gewesen wäre, hätte man es für gesund halten können.

Schwester Marina mußte es immer wieder ansehen, während sie die Instrumente sterilisierte und auf einem mit sterilen Tüchern abgedeckten Tischchen bereitlegte. Es wirkte so verloren und ausgeliefert, noch nicht einen Tag alt und schon der Mutter entrissen. Statt Körpernähe mußten Wärmflaschen dazu dienen, es vor Auskühlung zu schützen.

»Es ist süß, nicht?« fragte Schwester Hilde, die am Kopfende des Tischchens stand und das Kind beobachtete. »Die arme Mutter … Ob sie es schon weiß?«

»Ich denke nicht.«

»Ehrlich, Marina … glauben Sie, daß es zu retten ist?«

»Ja«, sagte Schwester Marina ruhig.

»Es ist doch so klein, so … zerbrechlich, noch kaum ein Mensch.«

»Hilde … es ist ein Mensch, genau wie Sie und ich. Doktor Vogel wird es retten, ich bin ganz sicher. Wir haben schon Fälle gehabt, die noch schlimmer aussahen und doch gut ausgingen. Manchmal glaube ich …« Sie brach im Satz ab.

»Sie arbeiten schon lange mit ihm zusammen, nicht?« fragte Schwester Hilde. »Wie lange eigentlich?«

»Ein paar Jahre«, sagte Schwester Marina ausweichend.

»Dann müssen Sie doch auch wissen, ob es stimmt …«

»Was denn?«

»Daß ihm nie ein Kind stirbt.«

»Es gibt Fälle, wo keine Rettung möglich ist.« Schwester Marina sah ihre Kollegin ernst an. »Irgendwo setzt Gott auch dem besten Arzt eine Grenze.«

»Also stimmt es doch nicht. Warum haben aber alle Mütter so besonders viel Vertrauen zu ihm?«

»Sie müssen den Chefarzt bei der Arbeit sehen, dann wissen Sie es. Es kommt mir manchmal so vor, als wenn er seine ganze Kraft und seinen Willen auf das kranke Kind übertragen kann. Verstehen Sie?« Als wenn sie schon zuviel gesagt hätte, fügte sie hinzu. »Das klingt vielleicht übertrieben, aber …« Sie brach ab, denn die Tür wurde geöffnet.

Dr. Vogel trat ein, gefolgt von Dr. Eichner.

»Die Kreuzprobe ist in Ordnung«, sagte der Chefarzt, »wir können anfangen. Sind Sie soweit, Schwester?«

»Ja, Herr Chefarzt.«

Die beiden Ärzte traten in Hemdsärmeln zu dem großen Waschbecken, wuschen und desinfizierten sich. Danach schlüpfte Dr. Vogel in den Operationsmantel, den Schwester Marina ihm bereitgelegt hatte. Schwester Hilde kam, um ihn zuzubinden. Der Chefarzt trat zum Operationstisch. Behutsam deckte er das Kind mit sterilen Tüchern ab, so daß nur die Nabelgegend frei blieb.

Er zog die Gummihandschuhe an.

»Ich beginne jetzt mit dem Einführen des Katheters.«

»Ja, Herr Chefarzt.« Schwester Marinas Stimme verriet gespannte Konzentration. »Die Spritze mit Vetren und die Dreiwegehahnspritze sind vorbereitet.«

»Ich beginne.« Ohne hinzusehen nahm Dr. Vogel das schmale, schimmernde Skalpell, das Schwester Marina ihm reichte, schnitt mit einer einzigen raschen Bewegung ein Stückchen des Nabelschnurrestes ab.

Die Nabelblutgefäße wurden sichtbar.

Dr. Vogel nahm den Kunststoff-Katheter aus Schwester Marinas Hand, begann die Spritze behutsam in die Nabelvene einzuführen, schob sie tiefer und tiefer hinein. Er hielt erst inne, als ein dünner Blutstrahl aus dem Katheter schoß. Die Spritze war bis in die große Körpervene vorgedrungen.

»Vetren, bitte.«

Dr. Eichner reichte ihm die vorbereitete Spritze. »Hier, Herr Chefarzt.«

Dr. Vogel injizierte vier Kubikzentimeter der gerinnungshemmenden Flüssigkeit durch den Katheter in die Körpervene des Kindes, gab die leere Spritze Eichner zurück.

Schwester Marina reichte ihm das Anschlußstück der Dreiwegehahnspritze, Dr. Vogel schraubte es auf den Katheter. »Fangen Sie an, Schwester.«

Marina übernahm die Spritze, begann langsam Spenderblut in die Körpervene des kranken Kinder zu injizieren.

Dr. Vogel befestigte den Katheter mit Fäden. »Geben Sie her.« Er nahm Schwester Marina die Dreiwegehahnspritze ab. »Bereiten Sie Calcium vor.«

»Ich habe schon zwanzig Kubikzentimeter Spenderblut eingespritzt«, sagte Schwester Marina.

»Danke.« Dr. Vogel veränderte die Einstellung der Spritze, begann damit, aus der Körpervene des Kindes eine entsprechende Menge des kranken Blutes herauszuziehen, das in einem bereitgestellten Gefäß aufgefangen wurde.

Schwester Marina hatte die Calciumspritze aufgezogen, gab sie Dr. Eichner.

»Soll ich spritzen?« fragte der Arzt.

»Calcium? Ja, ich bitte.« Dr. Vogel wandte nicht für eine Sekunde den Blick ab.

Schwester Marina desinfizierte eine Stelle am Oberschenkel des Kindes. Eichner spritzte intramuskulär. Die Schwester desinfizierte wieder.

Dr. Vogel hatte die Dreiwegehahnspritze abermals umgestellt, ließ jetzt wieder Spenderblut in die große Körpervene des Neugeborenen laufen.

»Befinden des Patienten?« fragte er.

»Gut«, sagte Schwester Marina. »Atmung und Puls normal.«

Sie arbeiteten weiter, still, konzentriert, verbissen, der Chefarzt, Dr. Eichner und Schwester Marina. Hilde hatte den Operationssaal verlassen.

In kleinsten Mengen wurde das kranke Blut des Kindes mit dem der gesunden Spender ausgetauscht. Zweimal spritzte Dr. Eichner Calcium. Alle drei verloren sie das Gefühl für Zeit. Nur die steigende Menge des abgesaugten Blutes zeigte ihnen, daß sie sich ihrem Ziel näherten.

Schwester Marina hielt ihren Finger an das zarte Hämmerchen des Kinderpulses. 300 ccm Blut waren bereits ausgetauscht.

Da spürte sie plötzlich, wie der Puls zu flattern begann, zu ersterben drohte. Die Atmung war kaum noch zu spüren.

»Der Puls«, sagte sie, »die Atmung setzt aus.« Sie sprach mit ruhiger, kaum erhobener Stimme.

Dennoch wirkte es auf die Männer wie ein Alarmruf.

Mit einer raschen Bewegung entfernte Dr. Vogel das Abdecktuch vom Gesicht des Kleinen. Er sah, daß es sich bläulich zu verfärben begann.

»Lobelin«, sagte er, »schnell! Einen Kubikzentimeter und Sauerstoff!«

Mit zusammengepreßten Lippen sah er, wie die zyanotische Verfärbung des Kindes zunahm und der Atem aussetzte.

»Die Spritze!« Schwester Marina hielt sie in der Hand.

Dr. Vogel spritzte selber. Als das atemanregende Medikament in den Körper des Kindes rann, wartete er gespannt auf die Wirkung. Sie trat ein, sehr rasch. Aber ganz anders, als er erwartet hatte. Das Neugeborene wurde unruhig, der Körper zuckte, verkrampfte sich, wurde steif. Die Blaufärbung vertiefte sich.

Das kleine Herz blieb stehen.

Sie sahen sich an, voll Entsetzen, fassungslos.

Marinas Gesicht war kalkweiß geworden.

»Wir könnten es noch mit einer intracardialen Injektion versuchen.«

Dr. Vogels Stimme klang müde und ohne Überzeugungskraft.

Während er die Spritze in das Herz des Kindes stieß, wußte er, daß es nichts mehr nutzen würde. Das Kind war gestorben, ohne je seine Mutter, ohne je das Licht des Tages gesehen zu haben. Es war tot, unter seinen Händen dahingegangen. Er hatte eine Schlacht verloren.

»Unser Direktor, Professor Ramsauer, kommt ja erst Ende der Woche zurück«, hörte er Dr. Eichner wie aus weiter Ferne sagen. »Sie werden es selber Dr. Hagemann erklären müssen.«

»Das ist nun wirklich das wenigste.«

»Was sagen Sie? Ich für meinen Teil möchte nicht in Ihrer Haut stecken.«

Dr. Vogel antwortete nicht. Er stand bewegungslos da. Was ist hier geschehen … hat jemand von uns versagt? dachte er.

»Gute Nacht«, sagte Dr. Eichner. »Ich nehme an, daß ich nicht mehr gebraucht werde?«

»Gute Nacht, Herr Doktor«, sagte Schwester Marina gepreßt.

Die Schwester räumte die Instrumente fort. Sie stand mit dem Rücken zum Chefarzt. Ihre Schultern zuckten.

Dr. Vogel war sich kaum ihrer Anwesenheit bewußt. Er trat an das Tischchen, auf dem die Präparate gelegen hatten, sah die leere Ampulle. Sie war nicht gekennzeichnet, anscheinend einer Klinikpackung entnommen. Er hielt sie gegen das Licht, sie enthielt noch einen Rest durchsichtiger Flüssigkeit. Er drückte den Daumen auf die Öffnung der Ampulle.

Dann verließ er grußlos den Raum.

2

Professor Böhninger saß weit zurückgelehnt in seinem lederbezogenen Sessel hinter dem mächtigen Schreibtisch und sah seinen Schwiegersohn freundlich-spöttisch an. Es war am Morgen nach der Party.

»Na, wo brennt’s denn?« fragte er lächelnd.

Dr. Vogel beugte sich vor, die Hände um die Knäufe der Sessellehne geballt, und sagte mühsam: »Wir hatten gestern nacht eine Blutaustauschtransfusion an einem Neugeborenen —«

»Ja?« fragte der Professor.

»Exitus.«

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen.

Dann sagte der Professor: »Das tut mir leid, Arno.« Er öffnete ein silbernes Döschen, steckte sich eine Pfefferminzpastille in den Mund. »War es das Kind von Evelyn Hagemann?«

»Du weißt … ?«

»Ich bin in großen Zügen unterrichtet. Gestern abend sprach ich mit dem Kollegen Bayer, der die Entbindung durchgeführt hat. Eine schwere Operation mit weitgehenden Konsequenzen. Aber anscheinend hatte Bayer keine Wahl. Immerhin … die Frau lebt.«

»Sie wird keine Kinder mehr haben können?«

»Ist es das, was dir zu schaffen macht? Oder daß es ausgerechnet mit dem Kind von Hagemann passiert ist? Der Tod nimmt keine Rücksicht auf Geburt und Stellung eines Menschen.«

»Dieses Kind«, sagte Dr. Vogel gedehnt, »hätte nicht sterben müssen.«

Professor Böhninger hob die dünnen weißen Augenbrauen. »Ich fürchte, ich verstehe dich nicht.«

»Bitte, glaube nicht, daß ich mir etwas einrede. Einen unbestimmten Verdacht würde ich niemals aussprechen … nicht einmal dir gegenüber. Ich weiß, was ich sage, ich habe den Beweis.« Er holte seine Brieftasche aus dem Rock, nahm ein kleines Schriftstück heraus, reichte es dem Professor über den Schreibtisch.

»Du hast eine Analyse im Labor machen lassen?« sagte der Professor unbehaglich berührt.

»In der Ampulle war noch ein kleiner Rest, ich fürchtete schon, daß er nicht ausreichen würde. Aber, bitte, lies selber.«

Der Professor überflog das Schriftstück mit zusammengezogenen Augenbrauen, sagte: »Gradiren ja, aber … das kann man doch nicht einem Neugeborenen geben.«

»Ich hatte natürlich Lobelin verlangt.«

Professor Böhninger strich sich nachdenklich mit dem Zeigefinger über den Nasenflügel. »Wer hat dir die Spritze gegeben?«

Dr. Vogel holte tief Atem. »Ich kann mich nicht daran erinnern, Vielleicht habe ich es auch gar nicht gesehen! Ich hatte nur Augen für das Kind. Die Atmung hatte ausgesetzt, es wurde deutlich zyanotisch. Ich verlangte Lobelin, jemand gab mir die Spritze in die Hand. Natürlich erwartete ich, daß die Atmung wieder einsetzen würde … statt dessen Krampf, Versteifung, Exitus.«

Er beugte sich vor. »Sag mir jetzt nur nicht, daß es vielleicht auch sonst gestorben wäre. Es war ein tadelloses Kind. Ich habe es gründlich untersucht. Herz, Lunge, alles in Ordnung. Der Blutaustausch hätte gelingen müssen. Statt dessen …« Seine Stimme brach ab.

Der Professor erhob sich. »Was willst du tun?«

»Ich weiß es noch nicht.«

»Arno!« Professor Böhninger ging um den Schreibtisch herum und auf Dr. Vogel zu. »Du willst Anzeige erstatten …«

»Anzeige … nein, das nicht. Das einzige, was ich will, ist eine interne Untersuchung.«

»Bildest du dir wirklich ein, daß so etwas intern bleiben kann?«

»Warum nicht? Jeder, der in den Fall verwickelt ist, kann nur das größte Interesse daran haben, nach außen zu schweigen.«

»Das glaubst du? Darf ich fragen … wer war überhaupt mit dir im OP?«

»Schwester Marina und Eichner.«

»Zuverlässige Leute.«

»Ja, ich weiß. Trotzdem muß sich einer von beiden geirrt haben. Oder glaubst du etwa, ich hätte … ?«

»Ich nehme nichts dergleichen an. Aber wenn du schon davon sprichst … siehst du denn nicht, daß du im Begriff stehst, dich ganz unnötig zu exponieren?«

»Ich muß wissen, wie es zu diesem verhängnisvollen Mißgriff gekommen ist. Ganz egal, wer schuld hat«, sagte Dr. Vogel hartnäckig. »Irgendwo muß eine Fehlerquelle liegen. Ich muß sie finden. Glaubst du denn, ich kann riskieren, daß etwas Ähnliches noch einmal geschieht?«

»Stell den Totenschein aus und laß die Dinge ruhn. Du bist im Begriff, einen Skandal heraufzubeschwören. Damit ist niemandem geholfen, nicht den Eltern und nicht dem toten Kind.«

»Aber den lebendigen Kindern … denen, die noch nicht einem Irrtum zum Opfer gefallen sind!«

Professor Böhninger seufzte. »Ich hätte es wissen müssen. Du kannst nicht aus deiner Haut heraus.« Er legte ihm die Hände auf die Schultern. »Natürlich hast du recht. Ich wollte dir nur sagen … das Richtige zu tun, ist nicht immer klug. Untersuch den Fall, wenn du es nicht lassen kannst.« Er seufzte tief. »Ich sehe schon, es hat keinen Zweck, dich zu warnen. Ich hoffe nur, daß ich die Dinge zu schwarz sehe. Ich bin ein alter Mann, Arno, und ich kenne das Leben.«

»Der Grund, warum ich Sie zu mir gebeten habe, ist leider außerordentlich unangenehm.« Dr. Vogel blickte von Schwester Marina zu Dr. Eichner. »Ich will ganz offen sein … der Exitus gestern nacht hat mir zu denken gegeben. Ich möchte in diesem Zusammenhang einige Fragen an Sie richten.«

»Soll das ein Verhör sein?« fragte Dr. Eichner scharf.

»Eben nicht!« Dr. Vogel hatte seinen Gästen Cognac eingeschenkt, Zigaretten angeboten, alles, um das Peinliche der Situation zu verwischen. »Ich möchte versuchen, den Fall freundschaftlich und sachlich zu klären.«

»Haben Sie schon mit Dr. Hagemann gesprochen?« fragte Eichner.

»Noch nicht. Wie ich höre, ist er noch in London.« Er machte eine kleine Pause. »Das steht mir also noch bevor.«

Dr. Vogel gab sich einen Ruck. »Ich will Sie nicht auf die Folter spannen. Heute nacht ist einem von uns ein Irrtum unterlaufen. Die Spritze, die ich dem Kleinen injizierte, als sein Atem zu versagen begann, enthielt Gradiren. Das bedeutet für ein Neugeborenes eine fünf- bis zehnfache Überdosis. Dadurch kam es zur Verkrampfung der Atemorgane und zum Exitus.«

Er ließ, während er sprach, die Schwester und den Arzt nicht aus den Augen. Eichners Gesicht wurde fleckig vor Erregung.

Marina blieb ruhig, unnatürlich ruhig.

»Sie werden sich beide erinnern«, fuhr Dr. Vogel fort, »daß ich Lobelin verlangt hatte. Einer von Ihnen beiden hat sich geirrt.« Ehe sie noch etwas äußern konnten, setzte er rasch hinzu: »Ich habe keineswegs vor, den Schuldigen bestrafen zu lassen. Wenn Sie wollen, bleibt die ganze Sache unter uns. Es kommt mir nur darauf an festzustellen, wie das geschehen konnte … damit in Zukunft ähnliche Mißgriffe mit Sicherheit ausgeschaltet werden können.«

»Ich gab Ihnen die Spritze, Herr Chefarzt«, sagte Schwester Marina, »Herr Dr. Eichner hat sie aufgezogen.«

»Unerhört, unglaublich!« Eichner protestierte laut.

Marina ließ sich nicht unterbrechen. »Ich gab dem Herrn Doktor die Spritze, sah zu, wie er sie aufzog, nahm sie ihm dann aus der Hand und lief zum Operationstisch.«

»Also das ist doch …«

»Einen Augenblick bitte, verehrter Kollege.« Dr. Vogel wandte sich wieder an Schwester Marina. »Aber Sie hätten doch sehen müssen, aus welcher Packung Dr. Eichner die Ampulle genommen hatte.«

Schwester Marina antwortete erst nach einer kleinen Pause.

»Nein«, sagte sie dann, »ich habe nicht darauf geachtet.«

»Auch später nicht? Beim Aufräumen?«

Marina schüttelte den Kopf. »Mir ist an den Packungen nichts aufgefallen.«

»Na schön, das ist also Ihre Version. Und Sie, Kollege Eichner?«

»Ich habe weder die Spritze noch die Ampulle auch nur eine Sekunde in der Hand gehabt. Wie käme ich auch dazu! Es ist Aufgabe der Schwester …«

Dr. Vogel unterbrach ihn. »Sicher. Das sagten Sie schon mal. Aber Sie gingen also zum Medikamentenschrank?«

»Ich folgte der Schwester … aber erst, als mir schien, daß sie unverhältnismäßig lange brauchte. Ich folgte ihr, um zu helfen. Sie war schon dabei, die Spritze aufzuziehen, als ich zu ihr trat. Dann ging sie rasch an mir vorbei zum Operationstisch und gab sie Ihnen.«

»Das ist nicht wahr!« Jetzt wurde auch Marina laut.

Dr. Vogel hob beschwörend die Hände. »So kommen wir nicht weiter«, sagte er, »schade, sehr schade. Ich sehe keine Möglichkeit, mir nach Ihren einander widersprechenden Aussagen ein Bild zu machen. Am besten gehen wir in den OP heute nachmittag, wenn er frei ist. Dann machen wir in aller Ruhe einen Lokaltermin unter uns.«

Dr. Eichners Stimme klang schrill. »Das lasse ich nicht mit mir machen. Sie sind zu weit gegangen, Herr Chefarzt. Ich verlange, daß Anzeige erstattet wird.«

»Nimm es nicht so schwer, Arno!« sagte Regine zu ihrem Mann. »Du kannst doch nichts dafür.«

Das Wetter war umgeschlagen, ein eintöniger Regen klopfte gegen die Scheiben.

Chefarzt Dr. Arno Vogel und seine Frau Regine saßen im Wohnzimmer und tranken, wie immer nach dem Mittagessen, ihren Kaffee. Die kleine Isa lag auf dem Fußboden und kritzelte in ein altes, zerfleddertes Notizbuch.

»Ich fürchte, du begreifst nicht ganz«, sagte Arno Vogel müde. »Natürlich kann ich nichts dafür, wie du es ausdrückst. Aber ich trage die Verantwortung für alles, was in der Klinik geschieht. Was nützt es mir denn, wenn ich mir sage: Ich kann nichts dafür?«

Regine sah ihn bekümmert an. »Du nimmst deinen Beruf zu schwer. Nein, das ist nicht das richtige Wort, du nimmst ihn zu persönlich. Du leidest immer mit den andern mit, mit den Kindern und mit den Eltern. Bitte, verzeih mir, wenn ich es sage: Das ist doch eine falsche Einstellung. Ein Arzt muß mehr über den Dingen stehen …«

Arno Vogel lächelte bitter. »Ach, Regine«, sagte er. »Du weißt noch nicht alles. Der Tod des Kindes wird ein gerichtliches Nachspiel haben.«

»Um Gottes willen«, rief sie erschrocken.

»Ja, ich kann es nicht ändern. Der Eichner besteht darauf.«

»Warum? Du hast doch keinen Fehler gemacht …«

»Nein, das habe ich nicht.« Arno Vogel zündete ein Streichholz an, um seine Pfeife wieder in Brand zu setzen.

»Aber was will Kurt Eichner denn? Was hat das Ganze denn für einen Sinn?«

Arno Vogel seufzte: »Tatsächlich ist eine Verwechslung passiert. Ich habe sie als erster entdeckt. Natürlich habe ich versucht, die Sache aufzuklären. Ich habe gehofft, wir könnten das intern regeln. Aber jetzt fängt die Sache an, Kreise zu ziehen.«

»Was sagt Papa dazu?«

»Ich habe noch nicht mit ihm darüber gesprochen.«

Regine sprang auf: »Das mußt du sofort tun. Papa wird dir helfen. Soll ich ihn anrufen? Er kann sich doch den Eichner mal vornehmen. Unter keinen Umständen darf die Sache nach draußen dringen. Stell dir doch vor …« Regine beendete den Satz nicht, weil es an der Haustür klingelte.

»Moment mal«, sagte sie. »Ich sehe nach, wer da ist.« Schmal und geschmeidig, in ihrem anliegenden Kleid aus orangefarbener Wolle, ging sie zur Tür.

Arno Vogel trank noch einen Schluck Kaffee.

Die kleine Isa zog die Beine an und setzte sich auf. »Papi, du wolltest doch heute Kasperletheater mit mir spielen. Du hast es versprochen …«

»So? Davon weiß ich ja gar nichts.«

»Doch, ganz bestimmt, Papi. Weil ich gestern abend nicht aufbleiben durfte, als die vielen Leute kamen.«

»Jaja, richtig«, sagte er zerstreut. »Ich spiele auch mit dir, Isa. Aber nicht heute.«

Isa ließ sich nicht so leicht abwimmeln. »Du hast es mir aber doch versprochen«, sagte sie energisch.

Regine kam ins Zimmer. Noch ehe sie ein Wort sagte, sah er ihr an, daß etwas Unangenehmes geschehen war. Er schob die Tasse zur Seite und stand auf.

»Was ist?« fragte er gespannt.

Sie schloß leise die Tür und flüsterte ihm zu: »Dr. Hagemann ist da …« Ihre Augen waren dunkel vor Angst. »Er will dich sprechen.«

Arno Vogel legte die Pfeife aus der Hand und ging zur Tür. Draußen in der Diele stand Dr. Paul Hagemann, der Vater des Babys, das in der Klinik unter den Händen des Chefarztes gestorben war.

Schlank und sehr aufrecht stand Hagemann da. Er wirkte ruhig und beherrscht. Aber mit unheimlicher Regelmäßigkeit schlug er den Hut, den er abgenommen hatte, gegen sein rechtes Knie.

Dr. Arno Vogel grüßte mit einer knappen Verbeugung. »Herr Präsident, wollen Sie mir bitte in mein Arbeitszimmer folgen?«

»Nein«, erwiderte Hagemann unfreundlich, »das will ich nicht. Was ich Ihnen zu sagen habe, kann hier geschehen. Ich verlange eine Erklärung von Ihnen, Herr Doktor.«

»Das ist Ihr gutes Recht. Wenn ich gewußt hätte, daß Sie schon zurück sind, dann wäre ich selbst …«

Hagemann schnitt ihm mit einer heftigen Handbewegung das Wort ab: »Was ist mit meinem Kind geschehen?«

»Das Neugeborene wurde abends in die Klinik gebracht. Der diensthabende Arzt, Dr. Eichner, untersuchte es sofort. Die Blutprobe ergab …«

»Weiß ich, weiß ich alles. Aber Sie, Herr Chefarzt, haben meinem Kind eine tödliche Spritze gegeben.«

Dr. Vogel blieb ruhig. »Sie haben Herrn Dr. Eichner selbst gesprochen?« fragte er.

»Ja. Und ich bin ihm dankbar. Denn von ihm habe ich wenigstens die Wahrheit erfahren.«

In Arno Vogels Gesicht zuckte es jetzt. »Sie haben keinen Grund zu der Annahme, daß die Leitung der Kinderklinik etwa die Absicht gehabt hätte, Ihnen die Wahrheit zu verschweigen.«

»Da bin ich nicht ganz sicher«, erwiderte Hagemann heftig.

Das Gesicht des Chefarztes wurde dunkelrot. »Herr Präsident, bei allem Verständnis für Ihren Schmerz … Ich bitte Sie sehr, sich zu mäßigen. Sie werden von Dr. Eichner erfahren haben, daß ich es war, der Verdacht schöpfte, daß ich es war, der eine Untersuchung eingeleitet hat.«

»Sie haben die schuldige Krankenschwester sofort entlassen, nehme ich an?«

»Nein, Herr Präsident. Dazu hatte ich keine Veranlassung.«

Die Stimme des Präsidenten wurde schneidend: »Was? Der Tod eines Kindes hat Ihnen nicht genügt …«

»Die Schuld der Schwester ist nicht erwiesen.«

»Aber das ist ja ungeheuerlich.« Hagemann begann wieder mit dem Hut auf sein Knie zu schlagen. »Dr. Eichner sagt doch ganz klar und deutlich, daß die Schwester das falsche Medikament aus dem Schrank genommen hat.«

»Dr. Eichner ist kein unbefangener Zeuge. Die Schwester ihrerseits behauptet, Eichner habe das Medikament herausgeholt.«

Hagemann begann mit langen Schritten in der Diele hin und her zu gehen. Dann blieb er vor Dr. Vogel stehen und sagte leise: »Sie wollen also Ihren Kollegen, Ihren Oberarzt, belasten. Sie wollen behaupten, daß dieser Arzt die Schuld hat. Damit Ihre vortreffliche Krankenschwester entlastet wird. Herr Dr. Vogel, was in Ihrer Klinik geschah, ist ungeheuerlich. Aber was jetzt versucht wird … dafür fehlen mir einfach die Worte. Die Schuldige soll geschont werden.«

»Es ist nicht bewiesen, daß die Krankenschwester schuldig ist.«

»Wer ist es denn also? Sie vielleicht, Herr Dr. Vogel? Sie tragen die volle Verantwortung.«

»Das habe ich nie geleugnet. Daher habe ich sofort eine Untersuchung durchgeführt. Ich bin selbst erschüttert, daß sich die Aussagen meines Kollegen und der Krankenschwester so kraß widersprechen.«

»Und mit dieser Ihrer Erschütterung soll ich mich begnügen, Herr Dr. Vogel?«

»Nein, Herr Präsident, mein Bericht für die Staatsanwaltschaft ist fertiggestellt.«

»Davon wird mein Kind nicht wieder lebendig. Aber meine arme Frau und ich werden also wenigstens die Genugtuung haben, daß der Mörder unseres Kindes bestraft wird.«

Hagemann wandte sich zur Tür.

Dr. Vogel ging ihm einen Schritt nach. »Herr Präsident«, sagte er zögernd. »Bitte … Sie dürfen sich nicht in Rachegefühle verstricken. Ich weiß, wie entsetzlich der Verlust ist, den Sie erlitten haben. Aber Sie müssen versuchen, sich mit dem Geschehenen abzufinden. In Ihrem eigenen Interesse.«

Hagemann drehte sich halb herum. Sein Gesicht war zu einer Grimasse verzerrt. »Mein Interesse? Daran hätten Sie früher denken sollen. Daran hätten Sie denken sollen, als mein Kind auf dem Operationstisch lag.«

»Herr Präsident …« Vogel sprach sehr laut.

»Ja, daran hätten Sie denken sollen. Aber Sie denken nur an den Ruf Ihrer Klinik und an Ihren eigenen. Und natürlich an den Ihrer Krankenschwester. Sparen Sie sich Ihre Entschuldigungen auf, bis Sie vor Gericht Rede und Antwort stehen müssen. Ich werde gegen die Schwester Strafanzeige erstatten.«

Die Tür knallte zu.

Schwester Marina warf einen kurzen, prüfenden Blick in den Garderobenspiegel. Es hatte an der Wohnungstür ihres kleinen Apartments geklingelt.

Und sie wußte, wer da kam.

Ihre grauen Augen, deren Wimpern sie sorgsam schwarz getuscht hatte, wirkten unnatürlich groß in dem schmalen, weißen Gesicht. Sie massierte sich hastig die Wangen mit den Fingerspitzen.

Es klingelte noch einmal. Marina öffnete schnell die Tür. »Herbert«, sagte sie. »Ich bin so froh, daß du da bist.«

»’n Abend, Marina.« Der Besucher trat ein und küßte sie flüchtig. Marina schloß die Tür hinter ihm. Sie sah, wie er sich vor dem Spiegel über sein blondes Haar strich. Als sich ihre Blicke im Spiegel begegneten, lächelte er. Aber es war ein gefrorenes Lächeln.

Und Marina hatte plötzlich ein unbehagliches Gefühl.

Er ging schnell in das Zimmer, während Marina in die Küche lief, aus dem Eisschrank Bier holte, die Flasche öffnete und sie dann auf einem Tablett hereinbrachte.

Ihr Verlobter stand im Zimmer, die Hände in den Hosentaschen. »Setz dich doch, Herbert«, sagte Marina. »Ich habe uns ein bißchen zu essen gemacht.« Er sah auf die Schüssel mit den appetitlichen Brotschnitten und schüttelte den Kopf. »Danke, ich hab’ keinen Hunger.«

Eine gute Stunde hatte Marina gebraucht zum Herrichten des Essens. Sie blickte traurig auf den hübsch gedeckten Tisch. Aber sie ließ sich ihre Enttäuschung nicht anmerken. »Na, vielleicht später«, sagte sie nur. »Aber ein Bier wirst du doch trinken?«

»Na, denn gib mal her«, sagte er gnädig.

Sie schenkte ihm ein, so wie er es liebte, mit einer hohen weißen Schaumkrone. »Schade, daß du vorigen Donnerstag nicht kommen konntest. Ich hatte Kartoffelklöße und Schweinebraten. Das ißt du doch so gern.«

Der Mann nahm einen kräftigen Schluck Bier und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab.

»Der Dienst geht vor«, sagte er kurz.

»Ja, natürlich, ich weiß.« Marina suchte nach einem unverfänglichen Thema. Sie spürte, daß irgend etwas nicht stimmte. Aber sie ahnte nicht, was es war.

Sie warf ihm einen kurzen, prüfenden Blick zu, doch sein Gesicht blieb verschlossen. »Wir hatten auch viel Arbeit in der letzten Zeit«, sagte sie unsicher. »Sogar ein paar Fälle mit Kinderlähmung. Aber zum Glück ist hier alles gutgegangen.«

»Soso, wieder alles in Ordnung?«

»So schnell geht das nicht. Die Kinder mit Polio sind ja erst eingeliefert worden. Doch wir haben Hoffnung …«

»Die Kinder interessieren mich nicht. Ich will wissen, ob in der Klinik wieder alles okay ist.«

»Wie meinst du das?«

»Stell dich nicht so an, du weißt schon, was ich meine.«

Sie biß sich auf die Lippen. »Wie sprichst du denn mit mir? Was hast du denn?«

Er sah sie nicht an.

Nach einer Pause fuhr sie fort: »Die Beziehungen zwischen dem Chefarzt und dem Oberarzt sind natürlich gespannt. Sie reden nur das Nötigste miteinander. Professor Ramsauer, der Direktor, ist ganz neutral. Aber es heißt, daß er den Eichner ordentlich zusammengestaucht hat. Er hat ihm vorgeworfen, interne Vorgänge einem Außenstehenden erzählt zu haben. Das ist ja nun auch das letzte.«

»Immerhin hat er erreicht, was er wollte: Er hat dich in die Sache hineingerissen.«

Marina zwang sich zu einem kleinen Lachen. Sie merkte selbst, wie unnatürlich es klang. »Was heißt hineingerissen? Ich habe nichts verkehrt gemacht, und das wird sich heraussteilen.«

»Hast du Beweise?«

»Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Eichner die Spritze mit dem falschen Medikament aufgezogen hat.«

Der Mann trank das Glas aus. »Hör auf damit«, sagte er grob. »Mir wird ganz übel davon.«

Sie schrak zusammen. »Aber, Herbert …«

»Alles, was du sagst, ist Quatsch. Du hast ja keine Ahnung. Wenn du bloß wüßtest, wie polizeiliche Ermittlungen geführt werden. Mit eigenen Augen gesehen … daß ich nicht lache. Hast du wenigstens einen Rechtsanwalt?«

»Noch nicht.« Als sie den Ausdruck seines Gesichts sah, fügte sie rasch hinzu: »Ich bin schon angemeldet, bei Doktor Schneiderbohm. An einem meiner nächsten freien Tage gehe ich hin.«

»Weiß er, um was es sich handelt?«

»Ja, natürlich.« Sie legte ihre schmale Hand auf seinen Arm. »Reg dich doch nicht auf, Herbert. Der Termin ist ja erst in drei Wochen.«

Unwillig schüttelte er ihre Hand ab. »Hast du die Vorladung?«

»Ja«, sagte sie. »Für den zwölften August, elf Uhr dreißig.«

»Gib sie her.«

»Ich habe Sie Doktor Schneiderbohm geschickt, zusammen mit meiner Darstellung des Falles. Das wollte er haben.«

»Du wirst doch wissen, was draufstand?« rief er wütend.