Liebe meines Lebens - Marie Louise Fischer - E-Book
Beschreibung

Die Lokomotive stößt fünf kurze, schrille Pfiffe aus. Für jeden ist gegen Ende des Krieges klar, was das bedeutet – Fliegeralarm. Fluchtartig verlassen alle Reisenden den überfüllten Zug und suchen Schutz im Graben. Tiefflieger greifen an. Was Barbara nicht weiß, ist, dass hier der Graben nicht schützen wird. Da zerrt ein Soldat Barbara in sichere Entfernung und rettet ihr so das Leben. Achim wird ihre erste große Liebe, aber bereits nach einer Nacht muss Achim wieder an die Front. Für Barbara beginnt der harte Kampf um ihr Leben – und das ihres ungeborenen Kindes. Marie Louise Fischer wurde 1922 in Düsseldorf geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Lektorin bei der Prag-Film. Da sie die Goldene Stadt nicht rechtzeitig verlassen konnte, wurde sie 1945 interniert und musste über eineinhalb Jahre Zwangsarbeit leisten. Mit dem Kriminalroman "Zerfetzte Segel" hatte sie 1951 ihren ersten großen Erfolg. Von da an entwickelte sich Marie Louise Fischer zu einer überaus erfolgreichen Unterhaltungs- und Jugendschriftstellerin. Ihre über 100 Romane und Krimis und ihre mehr als 50 Kinder- und Jugendbücher wurden in 23 Sprachen übersetzt und erreichten allein in Deutschland eine Gesamtauflage von über 70 Millionen Exemplaren. 82-jährig verstarb die beliebte Schriftstellerin am 2. April 2005 in Prien am Chiemsee.

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Seitenzahl:372

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Marie Louise Fischer

Liebe meines Lebens

Roman

SAGA Egmont

Liebe meines Lebens

Genehmigte eBook Ausgabe für Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

Copyright © 2017 by Erbengemeinschaft Fischer-Kernmayr, (www.marielouisefischer.de)

represented by AVA international GmbH, Germany (www.ava-international.de)

Originally published 1967 by F. Schneider, Germany

All rights reserved

ISBN: 9788711719022

1. Ebook-Auflage, 2017

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt og Ringhof und Autors nicht gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com

Die Lokomotive wurde langsamer und pfiff. Wir fuhren durch eine Station. Der Lokomotivführer dachte nicht daran, zu halten, denn der Zug war so besetzt, dass nicht einmal ein Kind sich noch hätte hineinquetschen können.

Fünf Stunden war es her, dass der Zug zuletzt auf freiem Feld gehalten hatte, lange genug, dass wir uns die Füße vertreten, unsere Notdurft verrichten und einige sich sogar an kleinen Feuern Tee oder Suppe wärmen konnten. Ich gehörte zu denjenigen, die nichts zu kochen gehabt hatten. Mehr als der Gestank im Abteil, jener unvergesslich penetrante Geruch nach Urin, Schweiß, Angst, Erbrochenem und schlechter Seife, quälte mich der Hunger. Wieder verlangsamte der Zug merklich sein Tempo. Die Lokomotive stieß fünf schrille, kurze Pfiffe aus. Wir alle wussten, was das bedeutete: Fliegeralarm!

Der Zug hielt mit einem Ruck, der mich mit der Stirn gegen die Knie der vor mir sitzenden Frau warf. Schreie gellten und Flüche. Alles drängte zum Ausgang.

In diesem Augenblick sah ich ihn zum ersten Mal, einen mageren jungen Mann in feldgrauer Uniform, das Schiffchen schräg auf den braunen Locken, das Koppel eng geschnallt.

Er nahm Gepäckstücke entgegen und half Frauen und Kindern aus der Abteiltür ins Freie.

Flüchtig trafen sich unsere Blicke, dann hastete ich weiter und warf mich, schutzsuchend, neben die anderen in den Graben. Es war nicht der erste Fliegerangriff, den ich mitmachte. Wie ich es gelernt hatte, presste ich das Gesicht auf den Boden und schlug die Arme über den Kopf.

Sekunden später packte mich jemand beim Arm und zerrte mich hoch. Ich sah in das Gesicht des jungen Soldaten, der eben noch an der Abteiltür gestanden hatte.

»Los«, befahl er, »komm mit!«

»Aber…«, konnte ich nur stottern.

Er hielt es nicht für nötig, eine Erklärung abzugeben, hob sich meinen Koffer auf die Schulter, fasste mich mit der freien Hand und zog mich im Laufschritt mit sich.

Etwa hundert Meter weiter warf er sich hinter ein Gebüsch und riss mich mit sich, gerade noch rechtzeitig, denn schon stürzten die Jagdflugzeuge wie zornige Raubvögel vom Himmel, und die Salven der Maschinengewehre strichen über den Bahndamm.

Der hässliche Lärm wurde leiser, verstummte, ich wollte den Kopf heben, aber der Soldat neben mir drückte ihn herunter. Er legte seinen Arm um meine Schulter und sagte dicht an meinem Ohr: »Hab keine Angst, es wird schon gut gehen; nur keine Angst!«

Dann waren sie schon wieder über uns. Ihr Heulen, als sie im Tiefflug niederstürzten, zerriss mir fast das Trommelfell, das rasende Knattern der MG-Salven ließ mich erzittern, und doch hatte ich keine Angst. Es war mir, als wenn mir nichts geschehen könnte, während ich den Arm des Soldaten schützend um meine Schulter fühlte.

Noch eine Weile, als alles vorbei war, blieben wir so liegen, regungslos und eng beieinander. Als er den Arm zurückzog und sich aufrichtete, überfiel mich das Bewusstsein meiner Verlassenheit und meines Ausgesetztseins wie ein jäher Kälteschauer.

Er merkte es nicht, spähte mit zusammengekniffenen Augen über den weiten Himmel, der jetzt wieder ganz unschuldig und glatt und unberührt wirkte. »Warte hier, bis ich zurück bin«, sagte er, »beweg dich nicht von der Stelle!«

»Aber wieso denn?!«, rief ich erschrocken. »Wo wollen Sie hin?!« – Obwohl er nicht sehr viel älter als ich sein konnte, wagte ich nicht, ihn zu duzen; er kam mir schrecklich männlich und überlegen vor.

Das schien ihn zu belustigen. »Reg dich nicht auf, Mädchen«, sagte er und grinste. Dann klopfte er sich die feuchte Erde von den Knien und stakte davon.

Der Bahndamm war schwarz von Menschen. Unvorstellbar, dass sie alle im Innern des Zuges Platz gefunden hatten und sich wieder dort hineinquetschen würden. Sie schleppten sich mit Koffern und riesigen Bündeln von Bettzeug und Kleidern ab. Schon hatte der Einstieg in die Abteile wieder begonnen.

Obwohl sich einige über den Graben beugten und andere abseits vom Zug Feuerstellen zu errichten begannen, überfiel mich plötzlich eine übermächtige Angst, den Anschluss zu verpassen und allein zurückzubleiben.

Ich nahm meinen Rucksack auf, zog meinen Brotbeutel zurecht, packte den schwarzen Koffer und stapfte los. Ich beeilte mich sosehr ich konnte, aber ich brauchte für den Weg mehr als doppelt so lange wie vorhin, als ich mit Hilfe des jungen Soldaten geflüchtet war. Das Gewicht des Koffers kugelte mir fast den Arm aus, und der schmale Griff schnitt mir in meine Handfläche. Ich musste mehrmals absetzen und die Hand wechseln.

Erst als ich den Graben erreichte, wurde mir das Ausmaß dessen bewusst, was geschehen war. Blätter und Halme waren von dunklem Blut verfärbt. Die Frau, an deren Seite ich mich niedergeworfen hatte, war tot. Durch die Finger, die sie über dem Leib verkrampft hielt, war ein Strom von Blut gequollen, das jetzt schon zu stocken begann. Ihr Gesicht war zu einer Grimasse verzerrt, ihr Mund immer noch wie im Todesschrei aufgerissen, und ihre blicklosen Augen starrten ins Nichts.

Wenige Schritte von ihr entfernt lag, mit verdrehten Gliedmaßen, die Leiche eines alten Mannes. Das Entsetzlichste aber war der Anblick eines Kindes, eines Mädchens von kaum zwei Jahren, das auf dem Bauch lag wie eine zerstörte und achtlos weggeworfene Puppe. Irgendjemand - war es die eigene Mutter oder eine andere, die die Kleidungsstücke für eines ihrer lebenden Kinder gebraucht hatte? – hatte das Mädchen bis auf das Unterzeug ausgezogen. Die kleine Leiche wirkte erbarmungswürdig mit ihren dünnen, blutlosen Ärmchen, den nackten, krummen Beinen und den geöffneten Händchen, denen alles entglitten war, was sie in ihrem kurzen, armen Leben umfasst hatten.

Es waren nicht die ersten Toten, die ich sah, aber diesmal berührte es mich stärker denn je zuvor, weil ich sie gekannt hatte. Die Frau und das Kind waren beide im selben Abteil gefahren wie ich – und wenn nicht ein Schutzengel in Gestalt eines jungen Soldaten sich meiner angenommen hätte, würde ich selbst jetzt vielleicht auch so daliegen, tot, ausgelöscht, vernichtet.

Erst die Stimme meines Schutzengels riss mich aus der Erstarrung.

»Verdammt noch mal, Mädchen, was machst du denn hier?«, brüllte er mit einer Stimme, aus der unverkennbar Erleichterung klang. »Habe ich dir nicht ausdrücklich gesagt, du sollst auf mich warten?«

Durch einen Schleier von Tränen sah ich ihn vor mir stehen, lebendig, gesund und voller Energie. Ich konnte nicht anders, ich warf mich an seine Brust und weinte mich aus, während er mir mit seinen harten Händen über das Haar strich.

»Na, na, na«, sagte er immer wieder, »ist ja schon gut, ist ja schon vorbei. Reg dich ab, Mädchen, die haben es jetzt überstanden.«

Dann, als ich mich endlich von ihm löste, fragte er: »Geht’s wieder?«

Ich nickte ihm unter Tränen zu.

Er bückte sich und wuchtete sich meinen Koffer auf die Schulter. »Na, dann komm!«

»Aber… wohin?«, protestierte ich schwach. »Wir müssen doch einsteigen… der Zug…«

»… fährt nicht vor morgen früh. Es hat die Lokomotive erwischt, ich habe mich erkundigt. Sie brauchen mindestens zwölf Stunden, um den Schaden zu beheben.«

Ohne eine weitere Frage zu stellen, stolperte ich hinter ihm her und war gar nicht überrascht, als wir nach einiger Zeit auf einen Weg stießen.

»Na, wer sagt’s denn?«, rief er triumphierend. »Ich wusste es doch, dass hier in der Nähe irgendwo ein Dorf sein muss. Da können wir uns mal richtig auspannen, und wenn wir Glück haben, kriegen wir sogar was Anständiges zu essen.« Er stellte den Koffer ab. »Verdammt, ist das Ding schwer! Was hast du da eigentlich eingepackt? Ziegelsteine?«

»Nein«, sagte ich, »meine Bücher.«

Er starrte mich an, und sein schmales Jungengesicht wirkte auf einmal geradezu töricht vor Verblüffung. »Deine… was?«

»Meine Schulbücher. Ich will ja das Abi machen. Also muss ich doch noch ein paar Jahre weiterlernen.«

Er zog ein Päckchen Zigaretten aus der Tasche seines Uniformrocks, zündete sich eine an, tat ein paar Züge und reichte sie mir dann weiter. »Sag mal, wie alt bist du eigentlich?«

»Ich werde sechzehn.« Ich war nicht gewohnt, zu rauchen, aber ich nahm einen Zug und es gelang mir, den Rauch auszustoßen, ohne dass ich ins Husten geriet. Ich war froh, als er sie mir wieder abnahm.

Er musterte mich von den verstaubten Stiefeln, den verrutschten, ehemals weißen Söckchen, den bloßen, zerschrammten Beinen bis zu meinem blonden Haar, das ich rings um den Kopf in eine feste Außenrolle, eine sogenannte Olympiarolle, gedreht hatte. »Und so was lässt man auf die Menschheit los«, sagte er.

Ich errötete unter seinem Blick. »Ich war in der Kinderlandverschickung«, erklärte ich und ärgerte mich, weil es so klang, als wenn ich mich verteidigen wollte. »Als die Russen kamen, wurde unser Heim aufgelöst. Einige Lehrerinnen waren schon früher abgehauen. Fräulein Kogge, so hieß unsere Leiterin, riet uns Großen, uns auf eigene Faust nach Hause durchzuschlagen. Nur die Kleinen und diejenigen, die keinen Mut hatten, behielt sie bei sich.«

»Du willst also heim zu Muttern?«

»Ja«, sagte ich, »sie lebt jetzt in Wismar. Eigentlich sind wir aus Magdeburg, aber da sind wir im Januar ausgebombt worden. Vater…« Wieder erstickten aufsteigende Tränen meine Stimme.

»Gefallen?«, fragte er.

Ich konnte nur nicken.

Er warf den glühenden Zigarettenstummel zu Boden und trat ihn mit dem Absatz aus, dann schulterte er meinen Koffer. »Meiner ist schon vor dem Krieg gestorben«, sagte er, »da kann man nichts machen.«

Trotz seiner Last - außer dem Koffer trug er noch einen Rucksack, auf den hinten eine graue Decke geschnallt war, einen Brotbeutel und eine Feldflasche - schritt er so kräftig aus, dass ich Mühe hatte, an seiner Seite zu bleiben.

»Ich heiße Barbara«, sagte ich, und als er nichts darauf entgegnete, wagte ich eine Frage: »Und Sie?«

»Achim«, sagte er zerstreut, »Achim Heimroth.« Nach einer kleinen Pause fügte er hinzu: »Aus Düsseldorf.«

»Und dahin wollen Sie jetzt zurück?«

»Schön wäre es ja. Aber daraus wird nichts. Ich muss mich in Neu-Brandenburg bei der Wehrmachtskommandantur melden.«

»Ach so«, sagte ich, jämmerlich enttäuscht, weil ich begriff, wie bald wir uns wieder trennen müssen.

»Da kann man nichts machen. Ich hatte selbst fest mit Heimaturlaub gerechnet. Sechs Wochen habe ich im Lazarett gelegen. Ich war ganz schön zerschmettert, als ich erfuhr, dass ich so schnell wie möglich zu meinem alten Haufen zurück muss.«

»Sind Sie… verwundet gewesen, Herr Heimroth?«, fragte ich.

»Stimmt genau. Durchschuss im rechten Oberschenkel. Aber du kannst ruhig du zu mir sagen, Mädchen… du und Achim.«

Aber ich wagte es nicht. Ich musste mich erst in Gedanken an diese beiden Worte gewöhnen, die für mich von einem seltsamen Zauber waren.

Eine gute Stunde später erreichten wir das Dorf. Ich war heilfroh darüber, denn da ich seit Tagen nicht mehr ausreichend gegessen und kaum geschlafen hatte, fühlte ich mich am Rande meiner Kräfte. Auch Achim war nicht so stark, wie er vorzugeben versuchte. Er zog das rechte Bein nach, hatte merklich zu hinken begonnen.

Aber als die ersten Gehöfte vor uns auftauchten, gab das uns beiden neuen Auftrieb. Wir lachten und schrien und fingen sogar an zu laufen, so gut es gehen wollte. Doch noch ehe wir das Dorf wirklich betreten hatten, fiel uns die sonderbare Stille auf, die über den Anwesen lastete. Kein Laut kam aus den Ställen, die Felder ringsum waren bestellt, jetzt aber völlig verlassen, aus keinem der Schornsteine stieg Rauch.

»Was hat das zu bedeuten?«, fragte ich betroffen.

»Wir werden schon sehen«, erwiderte er mit fester Stimme, »nur keine Bange, Mädchen.«

Ich versuchte tapfer zu sein, um Achim nicht zu belasten, aber ich fürchtete mich trotzdem, und meine Angst stieg, als wir das Dorf durchstreift hatten und feststellen mussten, dass es tatsächlich von seinen Bewohnern, Mensch und Vieh, verlassen worden war. Außer einigen mageren Hühnern und Schwärmen von Fliegen war kein lebendes Wesen zu sehen.

»Macht nichts«, sagte Achim, »wetten, dass wir trotzdem ein Bett für die Nacht kriegen?« Er setzte meinen Koffer neben dem Brunnen ab. Allmählich verlor sich meine Angst, denn das Stöbern in den verlassenen Häusern bereitete mir ein ungekanntes Vergnügen. Wir fanden die unwahrscheinlichsten Dinge: Geschirr, Gerätschaften, Wäsche, einen ganzen Sack voll Mehl, alles, was die Bewohner auf ihrer Flucht nicht hatten mitnehmen können.

Wir machten im schönsten Haus des Dorfes Quartier. Gemeinsam schleppten wir Matratzen aus den Kammern in die Küche hinunter, stapelten sie auf dem Boden auf, und ich überzog sie mit frischer Bettwäsche, die wir in einem anderen Haus gefunden hatten, während Achim sich auf die Suche nach Brennholz machte.

Stolz kam er zurück, die ganze Mütze voll Eier. Außerdem hatte er auch noch Holz und Torf aufgetrieben, und bald brannte in dem riesigen Herd ein prächtiges Feuer, an dem wir uns wärmen konnten, denn jetzt, gegen Abend, war es in den unbewohnten Räumen merklich kühl geworden.

Ich schlug die Eier einzeln in eine Tasse und ließ sie dann erst in den Topf gleiten, um mir nicht durch ein einziges schlechtes Ei das ganze Mahl zu verderben; bereitete aus Mehl, Salz, Wasser und Eiern einen lockeren Teig. Auf der Fensterbank stand ein Blumentopf mit Schnittlauch, den ich klein hackte und darunter mischte.

Achim opferte eine Fettration, und so entstand ein Omelett, wie ich es köstlicher weder früher noch später je gegessen hatte.

Nachher zog er die Stiefel aus und rauchte eine Zigarette. Ich stellte, bevor ich zu spülen begann, gleich wieder einen Kessel mit Wasser auf den Herd, denn ich hatte das Bedürfnis, mich endlich wieder einmal gründlich zu waschen. Ich druckste herum und wusste nicht, wie ich es ihm beibringen sollte.

Endlich merkte er, was mit mir los war, und erhob sich schwerfällig. »Na schön«, sagte er, »dann werde ich mich noch mal umschauen. Mach dir’s bequem. Du kannst dir ruhig Zeit lassen. Vor einer halben Stunde bin ich nicht zurück.«

Mich an dem warmen Herd zu waschen war für mich eine reine Wohltat. Ich zog frische Unterwäsche an, ein Nachthemd darüber und meinen Mantel, rubbelte meine Söckchen und mein Höschen, so gut es gehen wollte, mit Bürste und Einheitsseife aus, hängte sie über dem Herd zum Trocknen auf. Ich bürstete mein Haar, nachdem ich die Rolle gelöst hatte.

Danach hatte ich nur noch den einen Wunsch, dass Achim so bald wie möglich wieder zurückkommen möge. Ich blickte hundertmal auf meine Armbanduhr, und siedend heiß überfiel mich die Angst, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte und ich allein in dem leeren Haus und dem verlassenen Dorf Zurückbleiben müsste.

Als er kam, nicht ohne vorher anzuklopfen, was ich ihm hoch anrechnete, wäre ich ihm am liebsten vor Freude und Erleichterung um den Hals gefallen. Ich konnte mich gerade noch zurückhalten.

Er musterte mich mit einem halben Blick. »Hübsch siehst du aus.« »Wieso?« Unwillkürlich fuhr ich mir mit der Hand zum Hals, weil ich plötzlich fürchtete, ich hätte mich nicht richtig zugeknöpft.

»Ich meine dein Haar«, sagte er, »so steht es dir besser. Ich weiß nicht, warum ihr Frauen alles immer so zusammenwursteln müsst.«

»Damit es ordentlicher aussieht.« Jetzt erst entdeckte ich, dass er einen Volksempfänger organisiert hatte.

Er stellte ihn in ein Zwischenfach des Küchenschrankes und schloss ihn an. »Da staunst du, was?«, fragte er stolz. »Er geht sogar, pass mal auf …« Er drehte an den Knöpfen, die Rückkoppelung quietschte, dann ertönte Marschmusik.

»So jetzt werde ich es mir gemütlich machen«, erklärte er.

»Soll ich solang rausgehen?«

»Quatsch. Ein alter Soldat wie ich geniert sich nicht. Guck einfach nicht hin!«

Aber das war gar nicht so einfach. Ich wusste nicht, wo ich meine Augen lassen sollte, während er sich auszog und wusch. Dennoch war ich dankbar, dass er mich nicht fortgeschickt hatte. Bei dem bloßen Gedanken, aus der warmen, behaglichen Küche hinaus zu müssen, wurde mir ganz elend.

Er war gerade unter die wollene Decke zwischen die Laken geschlüpft, als die Musik unterbrochen wurde und ein Sprecher eine wichtige Nachricht aus dem Führerhauptquartier ankündigte.

»Na also«, sagte Achim, »Berlin haben wir schon, jetzt wollen wir mal versuchen, ob wir auch London kriegen!« Er richtete sich auf, sein magerer Hals ragte aus dem runden Ausschnitt seines Unterhemdes, er wirkte jünger und verletzlicher als in Uniform.

»Kann ich dir…«, begann ich.

Er schnitt mir mit einer Handbewegung das Wort ab. »Moment mal! Hör zu!«

Aus dem Lautsprecher ertönte die tragisch umflorte Stimme des Sprechers: »Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist…«

»Nein!«, rief ich. »Nein! Das ist…«

»Sei doch still!«, fuhr er mich an. »Es geht ja noch weiter!«

Aber ich drehte das Radio aus; ich konnte nicht länger zuhören. »Achim bitte, erkläre mir…, wie konnte das passieren? Und was hat es zu bedeuten? Wie wird es jetzt weitergehen?«

Er hatte sich auf dem Rücken ausgestreckt, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und starrte gegen die niedrige Decke, die von dem Rauch und dem Dampf des Herdes geschwärzt war. »Tja«, sagte er, »sieht ganz so aus, als wenn wir den Krieg verloren hätten…«

»Das heißt also, dass du nicht mehr an die Front musst?«, fragte ich in jäher Hoffnung.

Er wandte mir seine Augen zu, braune, leicht umschattete Augen mit einem Ring grüner Iris rings um die Pupille. »Liegt dir denn so viel daran?«

»Ja«, sagte ich atemlos, »ja.«

»Komm mal her zu mir!« Langsam zog er die rechte Hand unter dem Kopf vor und streckte sie nach mir aus. »Näher, Mädchen… noch näher! Barbara! Wie nennen dich deine Leute?«

»Mein Vater hat immer… Barbchen zu mir gesagt!«

»Aber ich bin nicht dein Vater. Ich werde dich Bärbel nennen. Nun komm schon. Zieh deinen dämlichen Mantel aus. Du hast doch nicht etwa Angst, du wirst im Bett erfrieren?«

»Nein«, hauchte ich.

Das Feuer im Herd glühte immer noch, und die Luft war warm und stickig. Ich wusste selbst nicht, warum ich so zitterte, als ich zu ihm unter die Decke kroch. Ich klapperte geradezu mit den Zähnen, aber es lag bestimmt nicht daran, dass es kalt gewesen wäre.

Er zog mich eng an sich, sein Körper war glühend heiß. Ich lag sehr unbequem, das Gesicht an seinem Hals, aber ich wagte nicht, mich zu rühren, denn von seinen harten, trockenen Händen ging eine wunderbar beruhigende Kraft aus. Meine Verkrampfung löste sich, ich stieß einen Seufzer aus und schlang den Arm um seine Brust.

»Na siehst du, Bärbel, ich wusste es doch!«, flüsterte er dicht an meinem Ohr. »Ich habe es schon gewusst, als ich dich zum ersten Mal gesehen hatte … vorhin beim Zug… du mit deinen erschrockenen Augen und dem schönen blonden Haar… jetzt wäre es prima, wenn wir beide in Düsseldorf wären!«

»Du lässt mich nie mehr allein, Achim?« flehte ich. »Schwörst du mir, dass du mich nie mehr verlassen wirst?«

»Ich schwör’s dir, Bärbel… ich hab dich doch lieb!«

Ich wehrte mich nicht, ich hatte nur den einen Wunsch, es richtig zu machen und ihn nicht zu enttäuschen. Ich war sicher, ihn jetzt für immer an mich gebunden zu haben.

Nachher lag ich mit offenen Augen, als er schon längst eingeschlafen war. Es war das Glück, das mich wach hielt, das ungeheure, unverhoffte Glück.

Ein bedrohliches Geräusch weckte mich aus dem Schlaf. Ich fuhr hoch. Der große niedrige Raum war erfüllt von dem ersten Grau des herandämmernden Tages. Ich spürte Achims warmen, atmenden Körper an meiner Seite. Alles schien friedlich, und für Sekunden glaubte ich, mich getäuscht zu haben.

Aber dann war das Geräusch wieder da, schwere Schritte, die sich über die Fliesen des Hausgangs näherten.

»Achim!«, flüsterte ich entsetzt und schüttelte ihn bei den Schultern. »Achim, wach auf«

Er öffnete verschlafen die Augen, sah mich mit einem Blick an, der aus weiter Ferne zu kommen schien, so als wenn er Zeit brauchte, um mich zu erkennen und sich zu erinnern.

Die Tür wurde aufgerissen, und herein polterten zwei deutsche Soldaten, schwere, graugesichtige Männer, Stahlhelm auf dem Kopf und den schimmernden Halbmond auf der Brust, der sie als Feldgendarmen auswies. Unwillkürlich kreuzte ich die Arme vor mein hochgeknöpftes, verwaschenes Flanellnachthemd. Sie musterten mich, unser Notlager mit den verrutschten Matratzen, die kleine Wäsche, die über dem Herd hing, Achim neben mir und seine Uniform über dem Stuhl mit ausdruckslosen Blicken.

»Na, da habt ihr es euch ja richtig gemütlich gemacht«, sagte der ältere der beiden, »tut einem ja direkt leid, euch zu stören.«

Achim hatte sich aufrecht hingesetzt und nahm, so gut es eben ging, Haltung an. »Fahnenjunker Achim Heimroth«, meldete er, »auftragsgemäß auf dem Weg zum Wehrkreiskommando Neu-Brandenburg!«

»Ihre Papiere?«

»In der Tasche der Bluse.«

Der jüngere der beiden Feldgendarmen holte Achims Brieftasche heraus und prüfte den Inhalt. »Geht in Ordnung«, sagte er, »dann ziehen Sie sich mal an, Kamerad, und kommen Sie mit.«

Achim schnallte sich das Koppel um. »Darf ich mich von meiner Braut verabschieden?«

»Nur zu«, sagte er ältere, »wir sind ja keine Unmenschen.«

»Aber machen Sie es kurz«, mahnte sein Kamerad.

Achim beugte sich zu mir herab. »Bärbel«, sagte er, meine Mutter wohnt in Düsseldorf… Alice Heimroth, Rheinallee hundertneunundzwanzig… wirst du dir das merken?«

Ich nickte und kämpfte gegen meine Tränen.

»Setz dich mit ihr in Verbindung. Sobald ich kann, werde ich dorthin schreiben. Du musst jetzt tapfer sein. Wir sehen uns wieder, ganz bestimmt.« Er machte eine Bewegung, als wenn er mich küssen wollte; aber dann unterließ er es doch. Wahrscheinlich genierte er sich vor den beiden Männern, die die kleine Szene mit kalten Augen beobachteten. Mir ging es ebenso. Nicht um alles in der Welt hätte ich ihm in diesem Augenblick sagen können, wie sehr ich ihn liebte und wie fest entschlossen ich war, auf ihn zu warten, und wenn es Jahre dauern sollte.

»Mach’s gut, Bärbel«, sagte er und richtete sich auf.

»Du auch, Achim«, war alles, was ich hervorstoßen konnte.

Dann verließen die drei Männer den Raum, im Gleichschritt und ohne sich noch einmal umzusehen. Ich hörte ihre harten Tritte draußen auf dem Pflaster des Hausgangs.

Erst jetzt, als ich allein war, übermannte mich die Verzweiflung. Ich legte den Kopf auf die Knie und weinte.

Eine Stunde später war ich fertig angezogen und machte mich bereit, das leere Haus, in dem ich so viel erlebt und erlitten hatte, zu verlassen. Ich weinte immer noch, und ich hatte das Gefühl, dass meine brennenden Augen nie mehr trocknen würden. Die Tränen strömten unaufhaltsam über die Wangen, und ich hatte es längst aufgegeben, sie abzuwischen. Mir war, als wenn ich von gestern auf heute eine erwachsene Frau geworden wäre.

Ich hob den schweren Koffer auf. Achim hatte darüber gelächelt, dass ich meine Schulbücher mit mir herumschleppte, und mir selbst kam es jetzt mehr als albern vor.

Ich kniete mich auf den Boden und öffnete den Koffer, nahm den Rock, den Pullover und das bisschen Unterwäsche, das ich noch darin hatte, heraus und stopfte alles in meinen Rucksack. Ich wollte auch meine Puppe Erika zurücklassen, aber dann brachte ich es doch nicht über mich. Sie schaute mich so unglücklich aus ihren zerschrammten blauen Augen an. Ich steckte sie in meinen Brotbeutel und schulterte meinen Rucksack. Jedenfalls würde ich ohne Koffer leichter vorwärts kommen.

In der Ecke neben dem Küchenschrank lehnte immer noch der Sack mit Mehl, von dem wir gestern unsere Omeletts gebacken hatten.

Ich versuchte den Mehlsack anzuheben, doch er war für mich zu schwer. Ich riss die Puppe Erika aus dem Brotbeutel und wollte ihn mit Mehl füllen. Aber im Brotbeutel waren mein Schülerausweis und mein Geld, Socken, Taschentücher und eine Unterhose; in den Rucksack ging nichts mehr hinein.

Da kam mir eine Idee. Ich riss eines der Kopfkissen vom Bett, knöpfte den Bezug ab und gewann so einen festen, sauberen Sack. Ich riss sämtliche Schubladen heraus, fand endlich eine Suppenkelle und begann das Mehl in den Bezug umzufüllen. Es ging mir zu langsam, ich griff mit beiden Händen hinein, arbeitete wie eine Besessene, ohne darauf zu achten, dass das Mehl mein Haar, mein Gesicht und den Küchenboden ringsum bestäubte.

Erst als ich das dröhnende Geräusch der heranrollenden Panzer hörte, hielt ich mitten in der Bewegung inne. Minutenlang war ich völlig kopflos und unfähig, irgendetwas zu begreifen.

Waren das schon die heranrollenden Russen, vor denen die Feldgendarmen mich gewarnt hatten? Oder waren es die abziehenden oder zum Gegenangriff vorrollenden Deutschen? Sollte ich nach vorne in die gute Stube laufen und auf die Straße hinausspähen? Oder alles stehen- und liegenlassen und zum hinteren Fenster hinausspringen?

Unfähig mich zu entscheiden, hockte ich auf meinen Fersen und blickte wie hypnotisiert zur Tür, als ich die polternden Schritte hörte, die sich in nichts von denen der Feldgendarmen unterschieden. Die Klinke wurde langsam niedergedrückt, dann die Tür mit einem Ruck aufgerissen - ich sah mich den ersten Russen meines Lebens gegenüber.

Die Gewehre im Anschlag starrten sie auf mich, die ich wie ein Häufchen Elend vor ihnen hockte. Der eine war ein großer Mann mit einem runden, glatt rasierten Schädel; der andere reichte ihm kaum bis zur Schulter; er hatte ein gelbliches Gesicht mit schräg stehenden, schwarzen Schlitzaugen. Seltsamerweise schienen sie unschlüssig, was sie jetzt tun sollten, und wagten keinen weiteren Schritt in die Küche hinein. Blitzartig wurde mir der Eindruck bewusst, den sie haben mussten: das verlassene Dorf, über dem der Fluch einer Seuche zu lasten schien, ich selbst, der einzige Mensch, den sie hier vorfanden, ein kauerndes Mädchen mit entzündeten Augen, über und über mit weißem Mehl bestäubt.

»Krank«, sagte ich heiser, »malade… kaputt!«

Die beiden Russen wechselten einige Worte, die ich nicht verstand. Der Große wendete sich um und winkte in den Hausgang zurück. Drei weitere Russen drängten sich von hinten nach.

Mein Entsetzen wurde zur Panik.

Der Tatar machte einen Schritt in den Raum hinein, nicht zu mir hin, sondern auf das Spülbecken zu.

»Wasser nix gut!«, krächzte ich. »Malade… alles tot… alles kaputt!«

Der Tatar griff trotzdem nach einem Becher und drehte den Wasserhahn auf. Da hörte ich einen Schrei, einen entsetzlichen, gellenden, wahnsinnigen Schrei. Der Tatar ließ den Becher fallen, der klirrend im Becken zersprang. Ich presste mir meine Hände vor die Ohren. Die russischen Soldaten stürzten fluchtartig hinaus.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich begriff, dass ich es selbst war, die so irrsinnig schrie.

Ich packte meine Puppe Erika und den mit Mehl gefüllten Bezug, rannte zum Hinterfenster, öffnete und sprang, immer noch schreiend, ins Freie. Ich lief und schrie und schrie und lief. Ich rannte durch den Obstgarten, über die Wiese und in die Felder. Erst als mir buchstäblich der Atem versagte, brach ich zusammen und fiel zu Boden.

Von fern her hörte ich immer noch das Rollen der Panzer und dazwischen das Donnern der Geschütze. Ich begriff, dass sie das Dorf zusammenschossen. Wie durch ein Wunder war ich verschont geblieben.

Die Sonne stand schon hoch am Frühlingshimmel, als ich mich endlich so weit erholt hatte, dass ich weitermarschieren konnte. Ich vermied die ausgebauten Straßen, blieb auf Nebenwegen und schlug einen großen Bogen, sobald ich in der Ferne ein Dorf auftauchen sah. Die Nacht verbrachte ich in einem Bootsschuppen.

Sehr früh brach ich auf. Die Sehnsucht nach meiner Mutter trieb mich vorwärts. Ich glaubte, den Schock schon überwunden zu haben, und begann mich nach menschlicher Gesellschaft zu sehnen.

Ich begann laut vor mich hin zu singen, um mir Mut zu machen. »Vom Barette schwankt die Feder…« und »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn…«, alles, was ich an Melodien aus der Schule, vom BDM her und aus dem Radio kannte. So kam es, dass ich das laute Knattern des herannahenden Motors erst ziemlich spät bemerkte.

Es war ein Auto mit Holzvergaser, das sich knatternd und ratternd näherte. Am Steuer saß ein Zivilist, ein breitschultriger Mann mit blühendem Gesicht und blondem Haar.

Ein Deutscher! Meine Erleichterung war überwältigend.

Ich sprang auf, lief winkend und rufend auf die Straße zu. Das Gefährt kam erst zum Stehen, als es schon ein gutes Stuck an mir vorbei war. Der Fahrer drehte sich mir zu. Sein blaues Hemd stand am Hals offen, und sein Adamsapfel bewegte sich herauf und herunter, als wenn er heftig schlucken müsste.

»Mein Gott, bin ich froh, dass Sie daherkommen!«, rief ich. »Ich fürchtete schon, hier gibt es nur noch Russen. Sie sind doch Deutscher, nicht wahr?«

»Ja, und?«

»Die Russen sind schon ganz in der Nähe. Sie fahren doch in Richtung Westen? Würden Sie mich ein Stück mitnehmen, bitte?!«

»Wo willst du denn hin?«

»Nach Wismar!«

»Ja, das liegt in meiner Richtung. Steig nur auf.«

Ich wuchtete meinen Rucksack und meinen Mehlbeutel nach hinten und schwang mich neben ihn. Er brachte das Auto wieder in Fahrt, mit einem Höllenlärm knatterte es los.

»Hast du Hunger?«

Ich nickte.

»Dann greif mal hinter dich, ja, genau unter deinem Rucksack liegt was Essbares!«

Zu meinem Erstaunen fand ich, dass er tatsächlich mehrere Laibe Kommissbrot, große Stücke Butter und ganze Würste hinten in seinem Auto gestapelt hatte. Gutmütig sah er mir zu, wie ich mich satt aß.

»Woher haben Sie das bloß alles?«, fragte ich mit vollem Mund.

Er zuckte lächelnd die breiten Schultern. »Man tut, was man kann!«

Wir fuhren durch ein Wäldchen, als die Sonne sich glühend verfärbte.

Er zog die Bremse. »Ich muss mal austreten. Und was ist mit dir?«

Ich schüttelte den Kopf. »Nicht nötig.«

Er war schon heruntergestiegen und reichte mir jetzt seine dicke Hand herauf. »Hab dich nicht«, sagte er, »na los!«

Ich glaubte, dass er mich nicht mit seinen Schätzen allein lassen wollte, und folgte wohl oder übel seiner Aufforderung. Aber als er mich in den Wald ziehen wollte, sträubte ich mich.

»Gehen Sie nur! Ich werde hier warten!«

Er blickte nach links und rechts. »Von mir aus auch hier!«

Auf alles andere war ich gefasst gewesen, nur nicht darauf, dass er mich tatsächlich angreifen würde. Ehe ich noch daran denken konnte, mich zu wehren, hatte er mich schon auf den Rücken geworfen und war über mir. Ich schrie, kratzte, schlug und trat.

Aber er war viel stärker als ich. Sein schwerer schwitzender Körper drückte mich zu Boden. Brutal zerriss er meinen Rock und meine Wäsche, presste mir seine riesige Hand auf Mund und Nase, sodass ich zu ersticken drohte.

Aber ich wurde nicht ohnmächtig. Ich bäumte mich verzweifelt auf und spürte den brennenden, furchtbaren Schmerz, der meinen Leib zerriss. Wild schlug ich die Zähne in die Hand meines Peinigers, schmeckte Schweiß und Blut, während er mit brutalen Stößen in mich drang. Seine Faust zuckte zurück. Ich kam zu Atem, schrie verzweifelt auf.

Dann war es vorbei. Sein mächtiger Körper erschlaffte. Er erhob sich schwerfällig, fingerte, ohne sich von mir abzuwenden, an seiner Hose. Blut tropfte von seiner Hand. Er versuchte die Wunde mit einem Taschentuch, das er zwischen die Zähne steckte, zu verbinden.

»Verdammtes Luder«, knurrte er, »was glaubst du, wer du bist?!«

Mein Leib wurde von konvulsivischem Schluchzen geschüttelt, aber meine brennenden Augen blieben trocken und tränenlos.

Er zog sich mit einer ruckartigen Bewegung seine Hose hoch, ging breitbeinig zu seinem Auto, das am Straßenrand stand, kletterte hinein und ließ den Motor an.

Sekunden später flog mein Rucksack über mich in das Gebüsch. Der Kopfkissenbezug mit dem Mehlvorrat landete an meiner Seite, zerplatzte und stäubte eine weiße Decke auf den dunklen Waldboden.

Unfähig, mich zu rühren, blieb ich liegen, wohin der Mann mich geworfen hatte. Das Rattern und Knattern des Motors wurde leiser und verklang endlich in der Ferne. Mir kam nicht einmal der Gedanke, meine Scham zu bedecken…

Ich weiß nicht, wie lange ich so dagelegen bin, aber ganz sicher muss ich eingeschlafen oder auch ohnmächtig geworden sein, denn als ich wieder zu mir kam, war es tiefe Nacht, und ich fror.

Das stille Licht eines freundlichen Mondes schien durch die hohen Stämme der Bäume. Ich knöpfte den zerrissenen Bezug zusammen, so gut es gehen wollte, um wenigstens einen Rest meines kostbaren Mehls zu retten, kroch zu meinem Rucksack hin, rappelte mich mühsam auf und schwang ihn mir auf den Rücken…

Gegen Morgengrauen erreichte ich eine kleine Bahnstation. Schon von weitem sah ich den langen Zug, dessen Ende bis weit ins Feld hinausragte. Ringsum lagerten Menschen, einige hockten um kleine Feuer.

Ich war selbst lange genug mit einem Flüchtlingszug gereist, um zu wissen, was das bedeutete. Ich beschleunigte meinen Schritt, so gut es gehen wollte, schwang mich in das letzte Abteil eines Güterwagons mit offenem Dach.

Ein einbeiniger, magerer junger Mann betrachtete mich misstrauisch. »Sag mal, du warst doch vorhin nicht hier drin?«

»Nein«, sagte ich kurz zurück und schob das Stroh, das den Boden bedeckte, in einer Ecke zusammen, um mir daraus ein Lager zu machen. »Wo kommst du denn her?«

Jetzt zeigte es sich, dass ich mich verändert hatte; ich war nicht mehr das hilflose, schutzbedürftige, vertrauensselige kleine Mädchen, sondern ich war eine harte Person geworden, entschlossen, mir nichts gefallen zu lassen. »Das geht dich einen Dreck an«, erwiderte ich kalt.

Eine junge Frau mit superoxidblondem Haar, dessen Wurzeln schon sichtlich nachgedunkelt waren, lachte laut auf. »Hör dir einmal das an! Die Kleine ist reichlich kess, wie?«

»Du hast wenigstens um Erlaubnis zu bitten, wenn du dich hier eindrängen willst«, sagte der junge Mann.

»Gehört euch etwa der Zug? Ihr habt ja ’nen Vogel.«

»Wenn du uns schon nicht verraten willst, wie du heißt und woher du kommst«, sagte die Superblonde zuckersüß, »dann müsste es dich doch immerhin interessieren, wohin dieser Zug fährt. Falls er überhaupt weiterfährt, das ist nämlich noch gar nicht sicher. Der Heizer und der Lokführer sind in den Ort gegangen und bemühen sich um neues Heizmaterial.«

»So ähnlich habe ich mir das gedachte, sagte ich gleichmütig und schnallte den Rucksack ab. »Und da dort drüben…«, ich zeigte mit der Hand gegen Osten, »wo gerade die Sonne aufgeht und die Lokomotive in die entgegengesetzte Richtung zeigt, wird der Zug wohl, falls er sich noch einmal in Bewegung setzt, gegen Westen fahren.«

»Du bist eine verdammt schlaue Göre«, sagte der Einbeinige.

»Will ich gar nicht mal behaupten. Ich habe nur gelernt, meine Augen zu gebrauchen.«

Die Superblonde verzog den Mund. »Dann wirst du wohl auch sicher schon bemerkt haben, dass wir auf russischem Gebiet sind. Die lieben Sowjetsoldaten kommen jede Nacht und holen die Frauen heraus.« Damit hatte ich nicht gerechnet, aber ich riss mich zusammen, um mir meine Bestürzung nicht anmerken zu lassen. Ich wusste, mir würde doch niemand helfen, auch wenn ich mich schwach zeigte. »Na wenn schon«, sagte ich heiser.

»Da sieh mal einer an!« Die Blonde - sie hieß Hilde - schlug sich auf die Schenkel. »Du bist eine ganz Hartgesottene, wie? Wie oft hast du denn schon herhalten müssen. Nun erzähl mal, wie es dir passiert ist! Oder soll ich anfangen? Also der Erste war…«

Ich rollte mich auf die Seite, versuchte mir die Ohren zuzuhalten und schlief, während die blonde Hilde schwätzte, unruhig und von bösen Träumen geplagt.

Als ich erwachte, war es im Wagon wesentlich enger geworden. Ich setzte mich auf, zog die Knie an und machte mich so klein wie möglich. Aber bald merkte ich, dass ich immer noch zu viel Platz einnahm. Grobe Füße stießen mich. Ich musste wohl oder übel aufstehen.

Endlich ruckte der Zug an.

Von einer Sekunde zur anderen änderte sich die Stimmung, wurde leichter, hoffnungsfroher. Aus den anderen Wagons klangen Geschrei und Gelächter zu uns herüber. Der Zug rollte einige Hundert Meter vorwärts und blieb dann ebenso unvermittelt stehen, wie er angefahren war.

Die dunklen Silhouetten uniformierter Männer tauchten am Rand unseres Wagons auf und hoben sich scharf gegen den helleren Abendhimmel ab.

Die Russen!

Sofort begannen die Frauen zu kreischen, während die wenigen Männer, die mit auf dem Transport waren, sich duckten und sich so unsichtbar wie möglich zu machen versuchten; nicht einer wagte es; sich den Russen in den Weg zu stellen.

Ich selbst schrie nicht, ich war auf dieses Ereignis gefasst gewesen. Blitzschnell fuhr ich mit beiden Händen ins Haar, zerzauste es und riss den fest geschlungenen Knoten auf. Dann stäubte ich mir Mehl über Wangen und Stirn. Da es mir schon einmal gelungen war, die Russen auf diese Weise abzuschrecken, hoffte ich, dass es mir auch ein zweites Mal gelingen würde.

Eine kräftige Männerhand packte mich beim Arm. »Du, Frau, komm mit!«, befahl eine gutturale Stimme.

Ich sah den Russen an. Er war jung, ein oder zwei Jahre älter als ich selbst, hatte ein gutmütiges rundes Gesicht unter seinem blank rasierten Schädel, aber in seinen Augen glitzerte eine böse Lust.

»Ich… krank!«, sagte ich und klopfte mit den Fingern auf mein weißes Gesicht. »Sehr krank. Malade.« Ich schüttelte den Kopf, und weißer Staub rieselte aus meinem Haar. »Du auch krank… sehr krank.«

Der junge Russe zog seine Hand zurück, geradezu angewidert, und wandte sich meiner Nachbarin zu, einer älteren Frau mit schlaffen Wangen und schlaffem Bauch. »Komm mit!«

»Nein!«

Er packte die Frau mitleidlos beim Nacken. Zwei weitere Russen erschienen über dem Rand des Wagons und halfen ihm, die wimmernde und wild um sich schlagende Frau hinauszuzerren.

»Otto, Otto, hilf mir doch!«, schrie die Alte. »So lasst mich doch los, ihr… Schufte! Seht ihr denn nicht, dass ich eure Mutter sein könnte!«

Mir war es schrecklich, denn ich fühlte mich schuldig; hätte ich nicht den Trick mit dem Mehl angewandt, so wäre jetzt ich es, die von den Russen mitgeschleppt worden wäre.

»Lasst mich los! Warum nehmt ihr nicht die da… die!«, schrie die Alte und versuchte auf mich zu zeigen. »Die ist gesund … jung und gesund… nehmt doch die da!«

Die Russen lachten, als ob es ein großer Spaß wäre.

Von weitem hörten wir Entsetzensschreie, dazwischen lautes Brüllen und Johlen der Soldateska.

Eine quälend lange Zeit verging. Dann hämmerten Fäuste von draußen gegen die Schiebetüren des Wagons.

»Aufmachen! Lasst uns rein! Wir sind es!«, riefen Frauenstimmen.

Von meinem Platz aus konnte ich den Einzug der geschändeten Frauen nicht beobachten, aber ich hörte deutlich Hildes schrille Stimme.

»Was starrt ihr uns so an? Wäre es euch lieber, wenn wir auf allen vieren kriechen würden? Aber für euch lassen wir uns nicht kaputt machen, warum auch? Es ist ja noch die Frage, wer sich mehr schämen muss, wir, weil wir uns nicht wehren konnten, oder ihr, weil ihr uns nicht geholfen habt!«

»Nun sei mal friedlich, Hildchen«, sagte ein Mann, von dem ich annahm, dass es der Einbeinige war, »wie hätten wir euch denn helfen können? Die hätten uns höchstens eins auf den Kopf gegeben, und das hätte euch doch auch nichts genutzt.«

»Na eben. Dann macht uns aber gefälligst keine Vorwürfe. Seid lieber dankbar, dass wir euch keine machen.«

Der Mann, den die alte Frau vorhin Otto genannt hatte, drängte sich vor. »Ännchen«, rief er, »wo ist mein Ännchen? Mein Gott, sie haben mein Ännchen behalten!«

Die Lokomotive stieß einen schrillen Pfiff aus, und der Zug setzte sich in Bewegung. »Aber wir können doch nicht einfach abfahren, solange mein Ännchen nicht da ist! Halt, halt! Stopp!«

»Schrei nicht so, der Lokomotivführer hört dich doch nicht, Alter«, sagte Hilde ungerührt, »ganz davon abgesehen, dass keiner von uns Lust hat, zu warten, ob dein Ännchen wieder auftaucht. Spring raus, wenn du es so wichtig hast… los, komm schon, wir machen dir die Tür auf! Noch kannst du abspringen, ohne die Beine zu brechen!«

Aber der alte Mann namens Otto traute sich nicht. Er zog sich wieder zurück, während er die Hände vor das Gesicht schlug und unentwegt nach seinem Ännchen jammerte.

»Ach halt doch die Klappe«, sagte Hilde wütend, »wir haben alle unseren Kummer, nicht nur du allein!«

Prustend und fauchend schoss der Zug durch die Dunkelheit. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die harten Planken. Meine Gedanken suchten Achim. Wo war er jetzt? Was mochte er inzwischen erlebt haben? Ob er dieselben Sterne sah wie ich?

Wir wurden in dieser Nacht noch zweimal überfallen. Das erste Mal gelang es mir, davonzukommen, indem ich mich auf den Boden kauerte, den Kopf zwischen die Knie, sodass die Lichtkegel der Taschenlampen über mir hinwegglitten. Aber ich machte qualvolle Minuten durch und konnte meinem Glück kaum trauen, als die Russen wieder abzogen.

Als der Zug das nächste Mal hielt, graute schon der Morgen. Es war zu hell, als dass ich mich hätte verstecken können, zu dunkel, um mit einem weiß bestäubten Gesicht Eindruck zu machen. Ich sah mich schon verloren.

Aber diesmal wollten die Soldaten keine Frauen, sondern hatten es auf etwas anderes abgesehen. »Uhri! Uhri!«, brüllten sie und fuchtelten mit ihren Gewehren und Pistolen über unseren Köpfen herum.

Als diese Aufforderung nicht wirkte, sprangen sie in den Wagon herein, drängten uns, so gut es in dem vollgestopften Raum gehen wollte, an die Wand und begannen uns abzutasten. Aber sie fanden nur selten, was sie suchten, denn die Flüchtlinge waren schon zu lange unterwegs und zu oft ausgeplündert worden.

Ich selbst hatte meine Armbanduhr noch, ein bescheidenes rechteckiges Ding an einem grauen Lederband - ich hatte sie zu meinem vierzehnten Geburtstag bekommen, und sie bedeutete mir viel, weil sie das letzte Geschenk meines 1943 gefallenen Vaters war. Unwillkürlich wollte ich das Ührchen verschwinden lassen, aber dann siegte mein Verstand über meine Sentimentalität. Ich löste sie vom Handgelenk und hielt es dem nächsten Russen, der mich noch nicht erreicht hatte, vor die Nase.

Als er zugreifen wollte, zog ich es zurück. »Pane«, sagte ich, mühsam die wenigen russischen Brocken zusammensuchend, die ich von Kriegsgefangenen, die in Pillau in der Fabrik arbeiten mussten, aufgefangen hatte. »Pane… Chlad!«

Der Soldat riss mir die Uhr aus der Hand. Er gab mit keinem Zeichen zu verstehen, ob er mich verstanden hatte.

Aber dann, als alle schon abgesprungen waren und der Zug sich wieder in Bewegung setzte, erschien sein schmaler Kopf mit den breiten Wangenknochen noch einmal über dem Rand des Wagons, und seine schwielige Hand reichte mir, was ich nicht einmal mehr zu träumen gewagt hatte: einen ganzen Laib schweren, schwarzen Kommissbrotes.

»Danke«, stammelte ich, »danke!«

Aber ich glaube nicht, dass er es noch gehört hat, denn schon begann der Zug schneller zu fahren, und er musste sich beeilen, abzuspringen. Ich umklammerte mit beiden Händen das Brot, bei dessen bloßem Anblick mir schon das Wasser im Munde zusammenlief.

»Sie sind ja eine ganz Raffinierte«, sagte neidvoll der Mann namens Otto neben mir.

Ohne ein Wort zu erwidern, nahm ich mein Messer aus dem Beutel, schnitt eine Scheibe von dem harten Brot ab und reichte sie ihm. Er sah aus, als wenn er meine Gabe nur zu gerne zurückgewiesen hätte. Aber dann brachte er es doch nicht über sich.

Er griff gierig zu und begann zu mampfen. Auch für mich selbst schnitt ich ein Stück Brot, biss kleine Stücke ab und kaute langsam und bedächtig.

Das Tempo unseres Zuges wurde immer langsamer, und kurz vor Mittag blieb er stehen. Zuerst dachte ich, es wären wieder die Russen, die ihn aufgehalten hätten. Aber Hilde sagte: »Bei Tag kommen sie nicht!«

Die anderen Frauen, die es wissen mussten, stimmten ihr zu.

Die Türen wurden aufgeschoben, und während die meisten hinauskletterten, froh, sich endlich wieder die Beine vertreten zu können, schoben Hilde und ich los, um vorne bei der Lokomotive heißes Wasser zu holen, wie uns der ehemalige Sanitätsgefreite aufgetragen hatte. Wir hatten kaum die Mitte des Zuges erreicht, als uns schon andere Flüchtlinge mit einer neuen schlimmen Nachricht entgegenkamen: der Lokführer weigere sich weiterzufahren.

So schulterte ich - zum wievielten Male wohl? - meinen Rucksack, hängte mir meinen Brotbeutel um, befestigte den zusammengeknoteten Bezug mit dem Rest Mehl an einem Riemen und marschierte aufs Neue los, während die Menge der anderen Flüchtlinge immer noch in den Wagons oder auf dem freien Feld neben dem Zug ausharrte, weil sie sich gegen die Einsicht sträubten, dass dieser Teil ihrer Reise hier ein Ende haben sollte.

Drei Tage musste ich noch laufen, bis ich Wismar erreichte. Jetzt war ich froh, dass ich mein Brot nicht fortgegeben hatte, denn auf dem ganzen Weg hatte ich keine Gelegenheit mehr, an etwas Essbares zu kommen. Die Bauern, auf deren Höfen ich vorsprach, hatten entweder schon ihr Letztes mit den Flittchen geteilt, waren ausgeplündert worden oder verbarrikadierten sich und ihre Habe hinter verschlossenen Fensterläden.

Immer mehr Flüchtlinge begegneten mir von Westen her. Sie flohen vor den Engländern und Amerikanern wie die Trecks aus dem Osten vor den Russen. Sie erzählten die schrecklichsten Geschichten: dass in den großen Städten kein Stein mehr auf dem anderen stünde, dass Deutschland dem Erdboden gleichgemacht werden sollte und dass alle Nazis gehängt würden.

Natürlich glaubte ich ihnen nur die Hälfte, denn ich hatte schon die Erfahrung gemacht, dass in einer Zeit wie dieser, wo niemand wusste, wie es wirklich weitergehen sollte und allen die Angst in den Knochen saß, die Fantasie sehr viel lebhafter arbeitete als der Verstand.