Lady Cinderella - Christine Stutz - E-Book

Lady Cinderella E-Book

Christine Stutz

5,0
4,49 €

Beschreibung

Lady Manuela de Kent hat es schwer. Nach dem Tod ihrer Eltern kommt sie zu ihrem Onkel und deren Tochter Bellartrix. Mit nur zehn Jahren wird sie dort nur geduldet und später wie eine Hausangestellte behandelt. Sie muss ihre verantwortungslose Cousine auf alle Bälle und Feste begleiten, um sie davon abzuhalten, Unsinn zu machen. Sich mit anderen Männer zu vergnügen. Immerhin ist Bellatrix verlobt. Doch dann verschwindet Bellatrix mit dem Kronprinzen in einem Schlafzimmer. Manuela sucht nach ihrer Cousine und trifft dort auf Comte Marco de Sallo, dem Leibwächter des Kronprinzen. Um die Ehre des Prinzen zu retten, täuschen Marco und Manuela ihre Verlobung vor. Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Denn statt die Verlobung zu lösen, besteht der Comte auf die Verbindung. Er will Manuela heiraten! Auch wenn Bellatrix voller Neid alles versucht, um das zu verhindern. Und Manuela sich weigert, einem Mann zu heiraten, den sie nicht liebt. Doch sie hat die Rechnung ohne Marco gemacht. Was Marco will, bekommt er auch.

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Seitenzahl: 101




Lady Cinderella

TitelseiteProlog1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4 Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9 Kapitel10 KapitelEpilogImpressum

Lady

Cinderella

Prolog

Prolog

Der große Saal war gefüllt mit allem, was Rang und Namen hatte. Jeder, der eine Titel trug, war heute erschienen. Immerhin handelte es sich hier um den bedeutendsten Ball der Saison. Selbst der Kronprinz Friedrich hatte sein Kommen angekündigt. Ein großes Ereignis.

Das hatte jede Edeldame der Gesellschaft veranlasst, ihre unverheirateten Töchter herzuschleppen. Enggeschnürte bunte Kleider in allen möglichen Farben schwebten durch den Saal. Manche der Mädchen waren einer Ohnmacht nahe, so eng waren sie eingeschnürt. Es hieß hinter der vorgehaltenen Hand, der Kronprinz bevorzugte schmale Frauen. Doch das hatte mich nicht zu interessieren. Ich war keine dieser Damen. Ich war überhaupt keine Dame. Mich beachtete keiner der vornehmen Herren.

Ich war nur aus einem einzigen Grund hier. Der Grund, für den ich auf jedem Fest sein musste. Ob ich wollte oder nicht. Ich war einzig dafür verantwortlich, mich um meine temperamentvolle und zügellose Cousine Bellatrix zu kümmern. Ich war deren Anstandsdame. Wollte Bellatrix feiern, musste ich sie begleiten. Jedes Wochenende aufs Neue.

Diese Tatsache wurde mir jeden Tag aufs Neue von meinem Onkel eingebläut. Also zog ich mir pflichtschuldig jedes Wochenende eins von Bellatrix alten, unmodernen Kleidern über und folgte meiner Cousine. Mir war es langsam egal, wohin die Fahrt ging. Ein Fest war wie das andere. Überall dieselben Gesichter, dasselbe Gelächter. Und Bellatrix mittendrin, lästernd und spottend. Am Liebsten machte sie sich mit ihren Freundinnen über mich lustig. Ich war fast täglich Anlass für ihren Spott. Deshalb ging ich ihr so gut es ging aus dem Weg.

Doch nun war Bellatrix verlobt. Das hieß, ich musste noch mehr auf meine Cousine achten. Denn auch wenn sie verlobt war, so hinderte es die Frau nicht daran, zu flirten. Und auch mehr als nur flirten, vielmehr als das, dachte ich finster. Bellatrix Verlobter war ein älterer Fürst. Der Mann war so um die Vierzig, schätzte ich. Also doppelt so alt, wie Bellatrix. Eigentlich müsste Bellatrix froh über die Verbindung sein, dachte ich. Denn ihrem Vater ging es finanziell nicht gut. Wir hatten kaum noch Angestellte. Das bedeutete für mich noch mehr Arbeit. Trotzdem, ich sollte mich nicht beschweren. Ich war die arme, verwaiste Nichte des Grafen von Hendwick. Ich konnte froh sein, dass mich mein Onkel aufgenommen hatte. Dass ich ein Dach über dem Kopf hatte. Ich hätte auch in einem Waisenhaus landen können.

Und so schlecht war Onkel Roger auch nicht. Er behandelte mich gut. Jedenfalls besser als seine verwöhnte Tochter, meine Cousine. Bellatrix war eingebildet und launisch. Man konnte nie einschätzen, wie sie gerade gelaunt war. In einem Moment überschäumend fröhlich und im nächsten Moment wütend und unberechenbar.

Egal, jetzt war ich auf der Suche nach der Frau. Sie war wie vom Erdboden verschwunden. Hoffentlich machte sie keinen Unsinn. Das würde mir wieder Schelte vom Onkel einbringen. Bellatrix war dafür berüchtigt, sich im Garten mit jungen Männern zu treffen. Dort hatte ich sie schon ein paar Mal erwischt. Und jetzt war sie mit einem sehr reichen Mann verlobt. Ein Mann, der glaubte, eine Jungfrau zu heiraten. Nicht auszudenken, wenn es wieder zu einem Skandal kommen würde.

Ich eilte also durch die vielen, vollen Säle und suchte nach einem weißen Kleid. Wo steckte denn Bellatrix nur, dachte ich besorgt. Ich war doch nur einmal kurz zum Tisch gegangen, um mir ein Glas Punsch zu holen. Schon war Bellatrix verschwunden. Unten in den Räumen war Bellatrix nicht zu finden. Und im oberen Stockwerk befanden sich nur die Schlafzimmer. Ich ahnte schlimmes und eilte die Treppe hoch. Mir fiel ihr Gespräch mit ihren Freundinnen neulich wieder ein. Bellatrix hatte mit den Damen gewettet, dass sie sich mit dem Kronprinzen vergnügen würde. „Oh bitte nicht“ flüsterte ich.

Mir lief es eiskalt über den Rücken. Sollte Bellatrix es wirklich wahr machen und sich mit dem Edelmann in eines der Zimmer zurückgezogen haben? Zuzutrauen war es ihr. Ich rannte jetzt fast die Treppe hoch und horchte angestrengt an einer Tür nach der anderen. In welchen der Räume fand ich nur Bellatrix. Ihr Verlobter wollte heute auch hier auf dem Fest erscheinen. Nicht auszudenken, wenn er sie flagrante erwischte. Ein nicht gutzumachender Skandal, der meine gesamte Familie in den Ruin stürzen würde. Immerhin hatte sich Onkel Roger bereits Geld von dem Fürsten geliehen. „Verdammt, wo steckst du, Bellatrix!“ fluchte ich un-damenhaft. Ich klopfte an die nächste Tür.

Plötzlich wurde eine der Türen aufgerissen und ich wurde schnell in einem der Räume gezogen. Eine große Hand legte sich auf meinem Mund, bevor ich schreien konnte. „Bleiben sie ja ruhig, Lady. Oder sie gefährden das Königreich“ hörte ich eine dunkle Männerstimme verärgert zischen. Der Mann zog mich weiter in den dunklen Raum. Ich war unfähig, mich zu wehren.

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1 Kapitel

1 Kapitel

Der große Mann presste mich dicht an sich. Ich bekam kaum Luft und nickte heftig. Endlich nahm der Mann seine Hand von meinem Gesicht. „Entschuldigen sie, My Lady. Aber sie sind, so wie ich auf der Suche nach jemanden. Ich suche den Kronprinzen und sie?“ fragte der mich der Mann streng. Ich nahm etwas Abstand von ihm und versuchte in der Dunkelheit ein Gesicht zu erkennen. Ich sah ein gefährliches Glitzern in dunklen Augen. Nervös schob ich mir das unmoderne Kleid zurecht und schluckte. Das Kleid war mir etwas zu groß, denn Bellatrix war runder als ich. Ich hob meinen Kopf und konnte ein endlich markantes Kinn und zwei dunkle Augen erkennen. Ich schluckte tief, denn ich kannte den Mann. Ich kannte ihn sogar sehr gut. Es war der Cousin des Kronprinzen und der Mann, den ich oft heimlich beobachtet hatte. Heimlich auf den Festen, wenn er mit den wunderschönen Damen getanzt und geflirtet hatte. Einmal, einmal hatte er mit mir getanzt, dachte ich nervös. Doch daran würde er sich bestimmt nicht erinnern.

„Ich bin auf der Suche nach meiner Cousine Bellatrix. Ich fürchte, die Dame macht Unsinn. Und sie ist verlobt“ gestand ich nun etwas ängstlich. Der Mann mir gegenüber nickte ernst. Ob er sich an unseren Tanz erinnerte? Das fragte ich mich jetzt mit Herzklopfen. Wenn ja, ließ er sich nichts anmerken. „Der Kronprinz ist ebenso verlobt. Eine nette, freundliche Prinzessin aus Europa. Doch auch der Prinz nimmt es leider nicht ernst“ sagte der Mann grollend. Er ahnte, was ich mit meinen Worten andeuten wollte. Ich wurde wider Willen rot. Hoffentlich hörte der Mann nicht mein lautes Herzklopfen, dachte ich.

„Ich muss Bellatrix aufhalten. Ihr Verlobter erscheint heute Abend hier auf dem Fest. Ein riesiger Skandal, wenn er sie mit dem Kronprinzen erwischt. Der Fürst ist fähig, den Kronprinzen zu fordern!“ sagte ich voller Sorge. Der Mann mir gegenüber nickte nun verstehend. „Sie haben Recht. Das gibt einen nicht wiedergutmachenden Skandal. Der Kronprinz kann sich das nicht leisten. Wir müssen das verhindern.“ Sagte er leise. „Der Kronprinz? Meine Cousine auch nicht“ sagte ich nur. Verärgert, dass der Mann nur an seinen Cousin dachte.

Der Comte grunzte dunkel und ich erzitterte ängstlich. Gerade wollte er etwas sagen als wir aus dem Raum hinter uns eindeutige Geräusche hörten. Kichern und Lachen, dann leises Flüstern und Seufzen. Eindeutiges Stöhnen wurde laut.

„Verdammt. Wir haben sie gefunden.“ fluchte der Mann vor mir und wandte sich herum. Mit Wucht riss er die Tür zum hinteren Raum auf.

Bellatrix lag halb entblößt auf dem Bett und stöhnte leise. Ein etwas molliger Mann lag halb auf ihr und hatte sein Gesicht in ihrem Busen vergraben. Bellatrix weißes Kleid war hochgeschoben und die Hose des Mannes hing auf dem Boden. Seine Männlichkeit stand kampfbereit in die Höhe. Ich schluckte einen Schrei herunter und drehte mich beschämt weg. Ich wusste, was die beiden dort trieben. Es war eindeutig. Der fremde Mann neben mir fluchte. Laut und unanständig. Zum Glück auf Italienisch. Beschämt hielt ich mir die Ohren zu.

„Friedrich! Du widerliches Schwein! Kannst du dich nicht wenigstens hier zurückhalten? Auf diesem Ball? Ich sagte dir doch, dass du dich nicht gehen lassen kannst!“ schnauzte der fremde Mann angewidert. „Die junge Frau in deinem Bett ist verlobt! Der Mann wird dich zu einem Duell fordern! Ich werde mich diesmal nicht für dich duellieren! Mir reicht das letzte Mal!“ schnauzte der Mann weiter. „Diesmal wirst du dich selbst stellen!“

Ich wandte mich ab und versuchte meine Tränen zurückzuhalten. Jetzt schämte ich mich noch mehr. Für meine Cousine und für das altmodische Kleid, das ich gezwungen war, zu tragen. Immerhin war es der Vetter des Kronprinzen., Marco de Sallo, der neben mir stand . Ein Verwandter aus Italien. Der Mann war das Kindermädchen des sorglosen Kronprinzen. Das wusste jeder hier. Jeder kannte Marco de Sallo. Jeder fürchtete den Mann.

„Verdammt, nie darf ich mich amüsieren“ hörte ich die etwas helle Stimme des Kronprinzen sagen. Ich hörte, wie sich der Mann schwerfällig erhob. Bellatrix quiekte wie ein Ferkel und lachte dann albern. „Schade, Hoheit, ich habe ihre imposante Größe genossen.“ Sagte sie dann laut. Nur, um mir damit zu sagen, dass sie es geschafft hatte, mit dem Kronprinzen intim zu werden. Ich schluckte tief und wandte mich zur Tür. Mich zutiefst für meine vulgäre Cousine schämend. Ich wurde nicht mehr benötigt. Das hier schaffte der Comte allein. Ich würde besser gehen. Schnell gehen, bevor sich jemand über mein Kleid lustig machte.

Der Mann hier würde alles andere regeln. „Warten sie, Lady“ sagte Marco de Sallo streng. Ich blieb also stehen und drückte mein Kreuz durch. Wieder rutschte der Stoff des Kleides. „Sie müssen die unverantwortliche Dame mitnehmen. Ich muss mich um den Prinzen kümmern.“ Sagte er verärgert. Ich drehte mich kurz um und sah den Mann finster an. Mir reichte es hier und heute. Das war das letzte Mal gewesen, das ich mich um Bellatrix kümmerte. Egal, was Onkel Roger sagen würde. „Meine Cousine benimmt sich wie eine Hure. Behandeln sie Bellatrix auch so. Sie hat es nicht anders verdient. Ich bin es leid, mich um ihre Ehre zu bemühen.“ Sagte ich nur. Ich hörte Bellatrix empört aufschreien. Ich wusste, sie würde mir das hier wieder büßen lassen. Für sie hatte ich Schuld an allem.

Der Mann hinter mir knurrte nur. „Oh ja. Ich weiß gut, was sie sagen wollen, Lady.“ Sagte er nur. Bellatrix schnaubte laut und vernehmlich. Fast abwertend. „Das ist keine Lady! Das ist nur meine dämliche Zofe, meine arme Cousine Manuela de Kent. Sie lebt von meinem Gnadenbrot! Sie kann froh sein, dass ich sie nicht rauswerfe.“ fauchte Bellatrix nun wütend. Wütend, weil ich sie nicht verteidigte vor dem harten Mann. Marco de Sallo sah, wie ich unter den Worten zusammenzuckte. Dann ignorierte ich Bellatrix Worte. „Wenn sie mich jetzt entschuldigen würden, Hoheit? Ich muss den Fürsten suchen und ihn ablenken, bis seine Verlobte wieder einen jungfräulichen Eindruck abgibt“ sagte ich sarkastisch. Ich wandte mich wieder zur Tür und hatte diese bereits halb geöffnet. „De Kent? War euer Vater der Professor de Kent?“ fragte mich Marco de Sallo nun dunkel. So, er würde er meinen Vater kennen.

Ich reagierte nicht auf seine Frage. Denn ich sah in den Flur und schreckte zusammen. Dann warf ich die Tür wieder zu und sah Marco panisch an. „Die gesamte Festgemeinde ist auf dem Weg hierher, Hoheit! Sie alle kommen den Flur und die Treppe hoch! An der Spitze geht der Fürst! Das hier ist eine Falle!“ sagte ich hektisch. Ich raffte mein schlecht sitzendes Kleid und kam zurück in den Raum.

Marco de Sallo sah es und knurrte erneut dunkel auf. „Euer Onkel hätte euch ruhig etwas eleganteres kaufen können.“ Sagte er dann finster. „Wozu, meine alten Kleider reichen für Manuela doch allemal. Alles andere wäre Verschwendung.“ sagte Bellatrix schnippisch. Noch immer saß sie halbentblößt auf dem Bett. Stolz präsentierte sie ihren übrigen Busen. Wenigstens der Kronprinz hatte seine Hose wieder geschlossen, auch wenn die Ausbeulung darin verriet, was er gerade getrieben hatte. Der Mann neben mir fluchte nun leise. Er raufte sich die Haare und sah mich beschwörend an. „Wie alt seid ihr, Madam?“ fragte er mich nun gefährlich. „Ich werde nächsten Monat einundzwanzig“ flüsterte ich unverständig. Warum fragte mich das der Mann, überlegte ich.

„Das passt“ sagte Marco grollend. „Wehe, ihr beiden gebt einen Ton von euch. Das würde euren Ruin bedeuten!“ schnauzte er meine Cousine und den Prinzen an. Er warf die Schlafzimmertür zu und riss mich in seine Arme. Er hob meinen Kopf und küsste mich leidenschaftlich. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Vollkommen überrascht ließ ich es geschehen. Es war mein erster Kuss und ich erstarrte in den Armen des fremden Mannes. „Spiel um Gottes Willen mit“ flüsterte Marco heiser. Er legte sich meine Arme um den Hals und wieder suchten seine Lippen meinen Mund. Er lehnte sich gegen die Schlafzimmertür und zog mich an sich.

Die Zimmertür wurde aufgerissen und der Fürst stürmte überaus wütend in den Raum. Jemand machte Licht und lautes Gelächter war zu hören. „Meine Verlobte brüskiert mich hier! Ich verlange Genugtuung!“ schrie der Fürst so laut, das ich erzitterte. Der Comte spürte meine Angst. Ganz langsam ließ Marco de Sallo mich los und schob mich von sich. Dann reckte sich der Mann und sah den Fürsten freundlich an.