3,99 €
Es gab keine Grenzen mehr in dem Land, das Mac Inver aufsuchte, um seine Weide, seine Ranch und sein Land zu besetzen. Er musste erfahren, dass man ihn beim Ankauf schon betrogen hatte und dass es im Ödlandvalley nichts anderes zu holen gab als ausgetrocknete, rissige Erde, verstepptes Gebiet, das nicht einmal gut genug war, Schafe zu ernähren.
Aber er war nicht allein, der ins Ödlandvalley trailte. Dan Okley war ebenso hereingefallen wie er. So schien es wenigstens.
In Wirklichkeit gab es Geheimnisse dort, so groß und mächtig, dass Mac in ein atemberaubendes Geschehen hineingezerrt und mit in einen Kampf auf Biegen und Brechen hineingerissen wurde.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2026
Larry Lash
Land ohne Grenzen
Western-Edition
Neuausgabe
Copyright © by Authors
© Copyright dieser Lizenzausgabe by XEBAN-Verlag.
Verlag: Xeban-Verlag: Kerstin Peschel, Am Wald 67, 14656 Brieselang; [email protected]
Lizenzgeber: Edition Bärenklau / Jörg Martin Munsonius
www.editionbaerenklau.de
Cover: © Copyright by Steve Mayer, nach Motiven, 2026
Korrektorat: Ingemar Goldberger
Alle Rechte vorbehalten!
Das Copyright auf den Text oder andere Medien und Illustrationen und Bilder erlaubt es KIs/AIs und allen damit in Verbindung stehenden Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren oder damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung erstellen, zeitlich und räumlich unbegrenzt nicht, diesen Text oder auch nur Teile davon als Vorlage zu nutzen, und damit auch nicht allen Firmen und menschlichen Personen, welche KIs/AIs nutzen, diesen Text oder Teile daraus für ihre Texte zu verwenden, um daraus neue, eigene Texte im Stil des ursprünglichen Autors oder ähnlich zu generieren. Es haften alle Firmen und menschlichen Personen, die mit dieser menschlichen Roman-Vorlage einen neuen Text über eine KI/AI in der Art des ursprünglichen Autors erzeugen, sowie alle Firmen, menschlichen Personen , welche KIs/AIs bereitstellen, trainieren um damit weitere Texte oder Textteile in der Art, dem Ausdruck oder als Nachahmung zu erstellen; das Copyright für diesen Impressumstext sowie artverwandte Abwandlungen davon liegt zeitlich und räumlich unbegrenzt beim XEBAN-Verlag. Hiermit untersagen wir ausdrücklich die Nutzung unserer Texte nach §44b Urheberrechtsgesetz Absatz 2 Satz 1 und behalten uns dieses Recht selbst vor. 13.07.2023
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Land ohne Grenzen
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
Der Autor Larry Lash
Eine kleine Auswahl der Western-Romane des Autors Larry Lash
Es gab keine Grenzen mehr in dem Land, das Mac Inver aufsuchte, um seine Weide, seine Ranch und sein Land zu besetzen. Er musste erfahren, dass man ihn beim Ankauf schon betrogen hatte und dass es im Ödlandvalley nichts anderes zu holen gab als ausgetrocknete, rissige Erde, verstepptes Gebiet, das nicht einmal gut genug war, Schafe zu ernähren.
Aber er war nicht allein, der ins Ödlandvalley trailte. Dan Okley war ebenso hereingefallen wie er. So schien es wenigstens.
In Wirklichkeit gab es Geheimnisse dort, so groß und mächtig, dass Mac in ein atemberaubendes Geschehen hineingezerrt und mit in einen Kampf auf Biegen und Brechenhineingerissen wurde.
***
Western von Larry Lash
»Es tut mir leid, Freund, aber man hat Sie offensichtlich betrogen.«
»Betrogen?«, wiederholte der blonde, verstaubt aussehende Mann mit leiser Stimme, so, als zweifle er an der Endgültigkeit dieser Feststellung. »Sie sagten doch, dass die Papiere in Ordnung seien, Sheriff«, sagte der Fremde und schaute den stoppeibärtigen, schwarzhaarigen Mann, der hinter einem wuchtigen Schreibtisch saß, mit seinen hellen blauen Augen fest an.
By Jove, es waren Augen, die den klaren, lichten Morgen eingefangen hatten, die warm und doch auch ungeheuer hart blicken konnten. Sie standen in einem schmalen, kantig geschnittenen Gesicht, das von Wind und Wetter, Sonne und Regen braungetönt war, sodass das blonde Haar einen scharfen Kontrast bildete.
Charly Albermale lehnte sich weit in seinem Sessel zurück, betrachtete den Besucher eindringlicher. Ohne Zweifel hatte er einen Mann von besonderem Format vor sich, einen Mann, der sich nicht so leicht aus der Fassung bringen oder gar unterkriegen lassen würde. Sicherlich lag ein weiter Weg hinter ihm, denn Kleidung und Haut waren gleichermaßen mit dem roten Staub der Berge überzogen.
Albermale nickte und meinte: »Sicherlich, die Papiere sind in Ordnung, aber die Ranch, die man Ihnen verkaufte, liegt nicht hier im Tal, sondern jenseits der Drack-Mountains, und diesen kleinen Unterschied würde Ihnen jeder hier sehr bald klarmachen. Yeah, Sie haben eine Ranch gekauft und alles gehört Ihnen auch, alles ist scheinbar in Ordnung. Die Wirklichkeit aber sieht ganz anders aus, denn jenseits der Drack-Mountains liegt das Land ohne Grenzen!«
»Land ohne Grenzen?«
»Yeah, Sie haben recht gehört, Mister Inver«, bestätigte Albermale und ergänzte:
»Es ist Ödland, zeigt nur spärlichen Graswuchs zur Regenzeit, sonst aber ist es dürr und tot dort.«
Er erhob sich, legte die flache Hand auf die Schreibtischplatte und beugte sich über eine Karte, die ihm der Besucher vorgelegt hatte, sagte: »Hier verlaufen die Grenzen Ihrer Ranch, begrenzt durch den Kupfer-Creek und den Twill-Creek. Beides Bäche, die von Norden her aus dem Quellgebiet der Drack-Mountains kommen und in sachten Kurven zuerst nach Süden, dann nach Südosten fließen und somit ein gewaltiges Land umfassen, auf dem unzählige Rinder weiden könnten. By Gosh, so sieht es auf dem Papier aus, und es ist wirklich verlockend und bestechend zugleich, aber für eine solche Weide müssten Sie das Zehnfache des Kaufpreises anwenden.«
Albermale zog die Augen schmal, blinzelte gegen das Sonnenlicht, das weich und warm durch die offene Tür fiel. Sonnenstrahlen spielten auch in den Straßen der Stadt Molan, und ringsum grünte und blühte es, konnte sich das Auge nicht satt sehen an den grünen, weithin ziehenden Flächen, die sich bis in die dunstige Feme zogen, die im Norden begrenzt wurde von den Black-Hills und im Süden von den Drack-Mountains, einem besonders schroffen Gebirgszug, der von Ost nach West lief.
»By Gosh, wie die Dinge aber in Wirklichkeit für Sie liegen, ist geradezu niederschmetternd«, fuhr Albermale fort. »Ich kann Ihnen nur sagen, dass man Sie ganz gemein betrogen hat. Das ganze Gebiet, das Sie erstanden haben, ist nicht einmal zehn Dollar wert! Sie haben Ihr Geld zum Fenster hinausgeworfen, denn die auf dieser Karte eingezeichneten Creeks gibt es überhaupt nicht. Es sind ausgetrocknete Rinnen, die sich durchs Land ziehen, von Gestrüpp überwuchert sind und zur Regenzeit nicht einmal so viel Wasser aufnehmen, um eine Herde von hundert Rindern zu tränken. Aber trösten Sie sich, Sie sind nicht der einzige, der darauf hereingefallen ist. Vorgestern kam ein Mann mit seiner ganzen Familie und all seinem Hab und Gut hierher, und ihm musste ich die gleiche bedauerliche Mitteilung machen. Ich hoffe nur, dass diese Landhaie nicht noch mehr Opfer gefunden haben. Yeah, es tut mir aufrichtig leid, aber mit Ihren Papieren können Sie nichts anfangen. Wenn Sie jedoch Arbeit suchen sollten, Duc Walkens stellt jederzeit gute Reiter ein und zahlt ihnen einen guten Lohn.«
»Ich habe eine Ranch gekauft, Sheriff«, erwiderte Mac Inver. »Und ich werde sie mir ansehen.«
»Niemand wird Ihnen das verbieten, es ist Ihr gutes Recht«, entgegnete Albermale ein wenig nervös von der langen Unterhaltung, die ihn schon zwei Stunden an den Schreibtisch fesselte. Er sehnte sich danach, einen kleinen Ritt zu machen, den Sonnenschein und die frühe Morgenstunde zu genießen.
Wieder überflog er mit einem raschen Blick den Besucher, der von den Hiobsbotschaften keineswegs beeindruckt zu sein schien, sondern ruhig sagte: »Als ich die Ranch und die Weide kaufte, war mir gleich klar, dass ich ein Haar in der Suppe finden würde, Sheriff, und trotzdem habe ich es getan, mit dem Ziel, das Haar herauszufischen.«
»Nun, vielleicht hilft Ihnen Ray Thimme dabei. Aber seien Sie vorsichtig, Ray ist allein im Ödland zurückgeblieben und unterhält eine Ein-Kuh-Ranch am ehemaligen Samos-Creek, er ist ein Einsiedler, verbittert wie ein einsamer Wolf, schrullig wie eine alte Jungfer und dazu äußerst bissig und gefährlich. Von der ganzen Herrlichkeit ist ihm nichts geblieben. Yeah, ein Tramp lebt komfortabler als er!«
»Tausende von Rindern …«
Albermale unterbrach ihn, sagte: »Das war vor mehr als zwanzig Jahren, damals führten die Creeks alle noch große Wassermassen und das Land war ein Paradies. Jedenfalls sagt man so. Sie aber werden nichts mehr von einem Paradies vorfinden, Inver, nur Steppe, verbrannten Boden, ausgelaugte Wüste, ein Land, in dem sich nicht einmal die Coyoten zum Gutenachtsagen treffen. Sie können sich den Ritt dorthin wirklich ersparen und lieber gleich bei Walkens vorsprechen.«
Hastig fuhr er sich über den Sheriffstern, ließ sich in den Sessel zurückfallen und schaute auf die beiden tiefgeschnallten Colts seines Besuchers.
By Jove, yeah, Walkens suchte hartbeinige Cowboys, und ohne Zweifel würde er dort eine Anstellung bekommen.
»Was tat die Familie, die ebenfalls betrogen wurde? Haben Sie sie auch zu Walkens geschickt?«
»Nein, wie mir mitgeteilt wurde, ist sie noch drunten in der Stach. Aber es ist sicher, dass sie alle hier Arbeit finden werden. Nur ist der Traum von der eigenen Ranch auch für sie ausgeträumt. Seltsamem weise jedoch hat es dieser Dan Okley genauso aufgenommen wie Sie, Inver.«
Er brach ab, denn unvermittelt stand sein Besucher auf, reckte sich in den breiten Schultern. Albermale musste zu ihm aufsehen, musste erkennen, dass Inver sehr hochgewachsen und pantherhaft geschmeidig wirkte. Er hatte schmale Hüften und lange Beine, keine Unze Fett zu viel am Körper und mochte an die hundertachtzig Pfund wiegen. Selten hatte Albermale einen so durchtrainierten Körper gesehen, und so blickte er mit heimlicher Bewunderung zu dem Besucher auf.
»Sie werden sicherlich Ihren Weg hier machen, Mann aus Texas, und wenn Sie fertig sind mit Ihren Plänen, lassen Sie es mich wissen.«
»Sicher, Sheriff, ich werde vorbeikommen.«
»All right, ich werde immer ein offenes Ohr für Sie haben und Sie gut unterbringen können.«
Er stand nun ebenfalls auf, kam um den Schreibtisch herum, meinte noch: »Es tut mir aufrichtig leid, Ihnen diese wenig erfreulichen Mitteilungen machen zu müssen.«
»Danke, Sheriff, man muss es eben nehmen, wie es ist. Aber ich überzeuge mich immer gern selbst von den Gegebenheiten.«
»Ein guter Zug, Fellow«, lächelte Albermale.
By Gosh, der Sheriff wusste wohl, wann er besonders liebenswürdig sein musste. Hier vor ihm stand ein Mann, den man besonders höflich zu behandeln hatte. Yeah, wenn es darum ging, Männer auf den ersten Blick richtig einzuschätzen, hatte Albermale immer das Richtige getan. Männer von der Art seines Besuchers waren mit Vorsicht zu genießen, gefährlich und unberechenbar, und es war erstaunlich, dass sein Gegenüber alle Hiobsbotschaften mit unheimlicher Gefasstheit und Ruhe, ja, ohne jegliche Regung hingenommen hatte. Himmel und Hölle, Inver grinste sogar spöttisch vor sich hin. Und dieses spöttische Lächeln schien sich auch jetzt tief in seine Mundwinkel eingefressen zu haben.
Irgendwie spürte man eine Eiswelle auf sich zukommen, wenn man zu lange in die blauen Augen des Besuchers hineinsah. Yeah, man konnte aufatmen, wenn er endlich die Unterhaltung abbrach und sich zum Gehen bereit machte, den Stetson zurechtrückte und den Sessel zurückschob.
Noch einen prüfenden Blick warf Mac Inver in die Runde, dann schritt er, gefolgt von dem Sheriff, aus dem Raum, duckte sich unter dem Stirnbalken hindurch und blieb auf der offenen Veranda stehen.
Von hier aus hatte man einen herrlichen Ausblick in das Land, denn das Haus des Sheriffs stand auf einer Anhöhe. Inver schaute zu den rotgelben Wänden der Drack-Mountains hin, die sich gleich einer hohen, steinernen Mauer dahinzogen, deren Schroffen und Grate im Sonnenglast hell glitzerten und deren Zinnen in das samtfarbene Blau des Himmels hineinstießen wie Lanzenspitzen.
Adler und Habichte kurvten in Spiralflügen, Geier horsteten in den Klippen, und weit über den Baumwipfeln erhob sich das nackte Gestein zur gigantischen Höhe.
Yeah, diese Drack-Mountains, in deren Schroffen ᾽die Wasserscheide lag, aus der alle Bäche entsprangen, aus deren Quellgebiet sozusagen das Leben für die Weide, für Mensch und Tier ins Tal hinabbrauste, schienen gewaltiger noch als eine Mauer aus Granit zu sein. Einige Meilen maß diese Mauer aus der Luftperspektive gesehen, was sie jedoch in Wirklichkeit war, konnte sich nur der ausmalen, der das Gebirge, die unwegsamen Wege, Schluchten und Canyons, die Unwegsamkeit der Geröllhalden, Schotterhänge, die mühsam zu besteigenden Pfade und Pässe kannte.
Hinter dem Gebirge aber lag das Ödland, ein verdorrtes, riesig großes Gebiet, eine Weide, auf die man alle Hoffnungen gesetzt hatte und um derentwillen man den großen Trail angetreten war. Einen Trail über viele Wochen, durch Prärie und über reißende Flüsse, als Gastcowboy bei Treibherden, im Orkan und Sturm, im Kampf gegen Banditen und räuberische Redmen. Yeah, er hatte einen Trail quer durch die Hölle hinter sich gebracht, aber nicht einen Kratzer davongetragen. Das Schicksal wollte wohl, dass er heil hier anlangte.
Die Wolken schienen gegen die Berge anzufliegen, weiterzuziehen in jene Richtung, in der das Ödlandvalley lag.
»Es ist noch größer als dieses Tal hier«, hörte Mac den Sheriff, der scheinbar Gedanken lesen konnte, sagen. »Wenn es kein totes Land wäre, würde es die Sehnsucht eines jeden Mannes beflügeln. Vor drei Jahren habe ich mir einmal den Spaß erlaubt und dort die Spur eines Desperados
verfolgt. Nun, ich kam nur bis zu Ray Thimmes Ranch und wäre bald von diesem grimmigen Einsiedler aus dem Sattel geschossen worden. Darum nochmals, lassen Sie lieber die Finger von Ray, reiten Sie ihm am besten aus dem Wege!«
»Wohl eine Art Wild Bill oder besser noch Pecos Bill, wie?«, spöttelte Mac.
»Wenn Sie die Sagengestalt aller wilden Cowboys meinen, den Mann, der auf einem Zyklon ritt und mit Klapperschlangen warf, sich Pumas zu Satteltieren nahm, dann treffen Sie den Kern der Sache, Mister Inver«, grinste Albermale. »Selten hat einer diesen Thimme gesehen, und niemand kann sich erinnern, dass er jemals in dieser Stach einkaufte. Der Himmel nur mag wissen, wie er gewisse Dinge, die nun einmal unerlässlich sind zum Leben, heranschafft. Viele haben sich darüber schon den Kopf zerbrochen und glauben, dass er ab und zu irgendeinem Farmer oder Rancher einen nächtlichen Besuch abstattet. Andere hingegen sind der Meinung, dass er in Fellen gekleidet geht, sich weder rasiert noch die Haare schneidet. Yeah, sie halten ihn für eine Art Tiermenschen und glauben an ein verwildertes, haariges Ungetüm. Nun, ich kann weder dem einen noch dem anderen beipflichten, denn ich habe nicht das Vergnügen gehabt, seiner ansichtig zu werden. Als er mir sein hartes und jähes Halt entgegenschleuderte, musste ich froh sein, heil davonzukommen.«
»Und glauben auch Sie an das haarige Ungetüm, Sheriff?«
»Teils, teils, Mister Inver«, murmelte der Sheriff nachdenklich, zuckte die Schultern und blickte zur Stach hin, die sich verträumt zwischen einigen Hügeln eingeschmiegt hatte. »Ein altes Sprichwort sagt: ›Wo viel Licht, ist auch viel Schatten!‹ Nun, in diesem Tal ist viel Licht, viel Sonne. Oder haben Sie jemals eine schönere Stach gesehen, Inver? Sie müssen zugeben, dass sie sich grundsätzlich von den Kuhstächen unterscheidet, in denen ein Haus sich an das andere lehnt, in der es eine Hauptstreet gibt, wo ein Saloon nach dem anderen aus dem Boden schießt und die Stach zu einer Amüsierhölle macht. Nein, hier ist jedes Haus von einem kleinen Garten umgeben, hier hat sich jeder Bürger ein eigenes Reich geschaffen, und hier lässt es sich, by Gosh, leben! Hier ist alles sauber und adrett, hier ist Wohlstand und Ruhe, weil Mister Walkens es so will. Im Ödland aber …«
Er schwieg verkniffen, beugte sich näher und flüsterte beinahe: »Unter uns gesagt, Inver, niemand hält diesen Thimme für ganz normal. Sicherlich ist er in seiner Einsamkeit im Ödland ein wenig verschroben geworden und findet nun nicht mehr aus dem Dschungel heraus.«
»Und Walkens hat niemals versucht, ihn aufzusuchen, sich seiner anzunehmen?«
»Ausgerechnet Walkens sollte das tun?«, schnaubte Albermale aufgebracht. »Nein, Walkens hat allen Grund, nicht einen Finger für ihn zu krümmen! Aber das ist eine alte Geschichte, und besser, man spricht nicht mehr darüber, sondern lässt sie in der Versenkung ruhen. Es ist nicht gut, an diese Dinge zu rühren.«
Eigenartig war das, seltsam und unheimlich zugleich. Der mächtigste Mann hier im Tal, der nur seine Reiter zu befehlen brauchte, weigerte sich, für den armen, vom Schicksal geschlagenen Thimme etwas zu tun, überließ ihn einfach seinem selbstgewählten Schicksal.
Yeah, schwerwiegende Dinge mochten weit in die Vergangenheit hineingreifen, Dinge, über die die Menschen einfach nicht hinwegkamen. Vielleicht persönliche Dinge, Hass, Rache und Zorn! Wer konnte es wissen?
Auf jeden Fall wurde dieser Thimme immer interessanter für Mac, denn immerhin lebte dieser Mann über zwanzig Jahre allein in dem Land ohne Grenzen. In zwanzig Jahren aber brauchte selbst der bescheidenste Mann viele Dinge zum Leben, Kleidung, Schuhwerk, Munition, Lebensmittel und viele andere Kleinigkeiten. Was aber hielt Thimme wie mit schweren Eisenketten im Land ohne Grenzen? Was zwang ihn dazu, zu bleiben?
Zwei Fragen, die für Mac vorerst ohne Antwort bleiben würden.
Sicherlich war dieser Thimme wirklich ein Verrückter, ein Mann, der mit allem gebrochen hatte und das Leben eines primitiven Wilden führte. Nun, es war möglich, dass er bei seinem Ritt auf diesen seltsamen Kauz stoßen würde. Andererseits aber wiederum war das Ödland so groß, dass ein Mann darin versinken konnte wie in einem Meer, ohne eine Spur zu hinterlassen. Sicherlich wurde es hin und wieder von Desperados und lichtscheuen Gestalten durchstreift, und sicherlich galt es manchem Geächteten als Unterschlupf von besonderem Wert. Und das alles hatte Thimme weder erschüttern noch vertreiben können. Alle Achtung vor diesem seltsamen Mann! Wer auch immer er sein mochte, ein Feigling war er auf jeden Fall nicht!
»Sollte ich ihm wirklich begegnen, werde ich ihm einen Gruß vom Sheriff aus Molan ausrichten«, sagte Mac aus seinen Gedanken heraus.
»Vielleicht wird es Ihnen bei seinem Anblick die Stimme verschlagen. Vergessen Sie auf keinen Fall, Ihre Eisen locker zu tragen. Walkens würde es Ihnen besonders hoch anschreiben und somit hätten Sie einen guten Start hier, falls Sie lebend zurückkommen sollten. Cheerio, Inver!«
Er musste diese Worte dem blonden Riesen nachrufen, denn dieser hatte bereits eine Flanke über das Geländer gemacht und ging mit trippelnden Schritten auf seinen hochhackigen Cowboystiefeln zu seinem Rotschimmel, gab lässig über die Schulter zurück: »Ich komme bestimmt lebend zurück, Sheriff, und vielleicht weiß ich dann, welche Farbe das Haar in dieser Suppe hat.«
»In zwanzig Jahren gab es zehn gute und schnelle Männer, die bereits Ähnliches wollten. Nun, sie alle kamen nicht mehr zurück«, sagte Albermale und sah, wie Inver plötzlich fast ruckhaft stehenblieb, herumfuhr und seltsam sein Gesicht verzog.
»Keiner kehrte zurück?«
»Nein, niemand!«
»Und alle waren gewarnt worden?«
»Das ist anzunehmen«, erwiderte Albermale recht gleichmütig.
»Und man schiebt alles auf Thimme, nicht wahr?«
»Ah, wer sonst käme wohl in Frage?«
»Ich weiß es nicht, Sheriff, denn ich kam erst in dieser Nacht hier an, habe vor Ihrer Haustür auf der Veranda geschlafen und Sie morgens früh aus dem Bett geholt. Aber ich begreife immer weniger, dass Walkens dieses angebliche Untier im Land ohne Grenzen nicht wie einen Coyoten jagt und stellt!«
»Inver, Sie sagten selbst, dass Sie nichts wissen über die Dinge, die hier vorgehen, aber lassen Sie sich eins sagen, so einfach ist dieser Thimme nicht zu packen. Er ist wie der Wind einmal in dieser, dann in jener Ecke des Ödlandes. Yeah, er wittert Gefahren wie ein wildes Tier, und nur so ist es zu erklären, dass er Walkens Hetzjagden entrinnen konnte.«
»Ah, Walkens hat es also doch versucht?«
»Yeah, es war seine Pflicht, aber unverrichteter Dinge kamen seine Reiter zurück, und Walkens übertrug mir die Aufgabe, jedermann zu warnen, der die Absicht haben sollte, das Ödland zu betreten.«
»Haben Sie diese Geschichte auch Dan Okley und seiner Familie erzählt«, erkundigte sich Mac gespannt, löste dabei die Zügel seines Rotschimmels von den Holmen, rückte Sattel und Gurt zurecht und klopfte den geschwungenen Hals des Tieres, dessen Fell sich wie Seide anfühlte und hell in der Sonne glänzte. Er sah aufmerksam zu dem Sheriff hin, der unruhig auf der Veranda stand und keinen Blick von ihm ließ, die Hände ausstreckte und sie fest um die Stützleiste legte.
»Sicherlich habe ich das getan, Inver!«
»Auf Walkens Anweisung hin?«
»Seine Anordnung gilt für alle, die unerfahren und fremd hier sind. Ich finde das ganz in Ordnung, denn es ist eine faire Angelegenheit.«
»Hm, und diese Warnung reicht, um viele Neugierige vom Land ohne Grenzen fernzuhalten, stimmts?«
»Inver, ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen, und es dünkt mir, als wollten Sie Walkens irgendwie versteckte Vorwürfe machen, aber damit tun Sie ihm Unrecht, Mister Inver. Niemand ist neugierig auf das Ödland, und wer hier durch muss, reitet so schnell ihn die Hufe tragen und atmet auf, wenn er es passiert hat. Yeah, auch Sie werden noch anders urteilen, Inver!«
»Mag sein, Sheriff, und vielen Dank für das Frühstück. Falls ich meine Ranch doch finden und aufbauen sollte, werde ich mich eines Tages revanchieren.«
»Eine Ranch auf dem Mond zu errichten, wäre wesentlich einfacher, Inver! So long!«
Er schaute zu, wie sich Inver leicht und geschmeidig in den Sattel hob, die Zügel aufnahm und in Richtung der Stadt davonritt.
»Tom Reddys Sohn hat ihm die Ranch verkauft«, murmelte er, als Mac außer Hörweite war. »Der Bursche hat ohne Zweifel Geschäftssinn bewiesen, als er die Weide in Alamo an Mac Inver für eine Spielschuld in Zahlung gab.«
Yeah, ganz klar war alles aus den Papieren hervorgegangen, die ihm Inver vorgelegt hatte. Sicherlich hatte sich der Bursche ins Fäustchen gelacht, als er mit der wertlosen Ranch seine Spielschuld einlösen konnte.
Audi Albermale lächelte grimmig vor sich hin. Vieles vom Ödlandvalley hatte er vom Hörensagen erfahren, und er wusste, dass Tom Reddy, Jacob Pander und Tim Jeggle bei der Austrocknung der Creeks keinen Augenblick zögerten, mitsamt ihren Herden und Hab und Gut auszuwandern. Was aus ihnen geworden war? Ah, wer sollte das sagen! Sicherlich hatten sie alles verloren, waren untergegangen oder verkommen, denn zwanzig Jahre waren eine lange Zeit, und damals war die Gegend so unsicher, dass man keinen Cent für ihren Trail geben konnte.
Gewiss waren die Eltern gestorben, und die Söhne hatten Geld aus den wertlosen Papieren geschlagen. Die Betrogenen aber waren Dan Okley und seine Familie sowie auch Mac Inver, der gerade um eine Wegbiegung zwischen den Häusern verschwand.
Charly Albermale redete sich in den Schultern, fuhr beinahe zärtlich über seinen Orden, blinzelte gegen die Sonne und schritt dann zum Stall hin, in dem seine beiden Reitpferde eingestellt waren. Ah, yeah, es würde ihm gut tun, ein wenig auszureiten und seine rheumatischen Glieder der Luft und Sonne auszusetzen.
Als er gesattelt und gezäumt hatte, sein Pferd aus der Box ins Freie führte, hörte er den schnellen Hufschlag eines Pferdes. Gleich darauf sah er den Reiter hoch im Sattel eines Rappen sitzen.
»He, Duc, wohin?«, fragte er höflich.
Der Mann im Sattel zog schroff die Zügel an und blickte zu ihm hinunter. In seinen gelbgrauen, mandelförmigen Augen jedoch war wenig Freundlichkeit.
»Ich wollte zu dir, Charly«, entgegnete Duc Walkens, und über sein ein wenig breitflächiges Gesicht zuckten Schatten. Lässig beugte er sich vornüber, klammerte die Linke um das Sattelhorn.
Man sah ihm an, dass er der Herrscher hier im Tal und auf der Weide war. Ein prächtiger, starkknochiger Mann mit breitausladenden Schultern, ein wenig zu massig für seine Größe. Aber anscheinend schien er sehr viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres zu legen.
Yeah, Duc Walkens war ein Mann, der mehr als hundert Reiter ohne Schwierigkeiten in den Sattel bringen konnte, dessen Vorwerke so groß waren wie manche Zehntausend-Rinder-Ranch.
Seine schwarze Tuchjacke war unter den Achseln ein wenig ausgebeult, und nur Kenner konnten erraten, dass sich darunter zwei schwere 45er-Schulterhalfter verbargen.
»Steig auf, Charly«, forderte er ruhig. »Reiten wir ein Stück des Wegs zusammen. Ich habe dir einiges zu sagen!«
»All right, Duc.«
»Der Wind trug mir einige Neuigkeiten zu, und ich will sie von dir bestätigt haben.«
Albermale nickte. Es war ihm bekannt, dass auf irgendeine geheimnisvolle Weise Walkens von allem, was auch immer sich ereignen mochte, Kenntnis erhielt, sodass man wirklich glauben konnte, der Wind flüstere es ihm zu. In Wirklichkeit jedoch überschlugen sich die Leute förmlich, ihm alles brühwarm zuzutragen. Walkens war eben der große Boss, und jeder versuchte, sich bei ihm lieb Kind zu machen.
Jedoch die Schnelligkeit, mit der er selbst sich auf den Weg machte, um dieses Gerede bestätigt zu wissen, ließ Charly ahnen, dass Walkens nicht so gelassen und ruhig wie sonst war, und das erfüllte Charly mit einer gewissen Schadenfreude.
»Zwei Narren haben sich im Ödland angekauft, Duc«, platzte er sogleich heraus. »Sie haben dabei ein kleines Vermögen verloren und sind nun arme Teufel. Vor allem trifft es diesen Dan Okley, der mit einem halbwüchsigen Sohn und einer erwachsenen Tochter, zwei Prärieschonern und einer fünfzigköpfigen Herde ausgewählter Hereford-Rinder eintraf. Ich habe Okley und auch diesem Inver vom Ödland und von Thimme erzählt und sie gewarnt.«
»Und welchen Eindruck machte die Geschichte auf sie?«, erkundigte sich Walkens.
»Ich weiß nicht recht, Duc, beide schienen mir reichlich undurchsichtig.«
Er schwang sich bei diesen Worten in den Sattel, setzte sein Reittier neben den Rappen, und beide Männer ließen die Tiere im Schritt auf den staubigen Weg einbiegen.
»Nun, sie werden zurückkommen«, hörte er Duc Walkens sagen. »Immer wieder gibt es Narren, die
sich erst überzeugen müssen. Das war schon so, als mein Vater noch lebte, und es wird auch weiterhin so bleiben.«
Mac Inver jedoch ritt zum Trailsaloon, einem festgefügten Bau, hielt dort an und stieg ab.
Nur wenige Menschen belebten die Straße. Ein junges Mädchen sah im Vorbeieilen schnell zu ihm hin, lächelte ihm zu und ging rasch weiter.
Hm, es tat ordentlich wohl, so ein Mädchenlächeln am frühen Morgen, und es schien ihm irgendwie ein verheißungsvolles Omen zu sein. Er ahnte nicht, dass sie ihm nur zulächelte, weil in dieser Stach nur Walkens Raureiter zwei Eisen trugen und jedermann um ihre bevorzugte Stellung wusste. Sicherlich hatte das Mädchen ihn für einen dieser Raureiter gehalten und ihr Lächeln hatte somit nichts mit seiner Person zu tun.
Nun, das ahnte Mac nicht, und er deutete es so, wie es ihm am besten in den Kram passte.
Mit verhängten Zügeln ließ er seinen Rotschimmel vor den leeren Futtertrögen an den Holmen stehen, duckte sich unter einer Querstange hindurch, wollte sich in Richtung der Schwingtür bewegen, als ein Schatten sichtbar wurde und ihn plötzlich herumwirbeln ließ.
Seine schnelle Art entlockte dem Wesen neben ihm einen kleinen, spitzen Schrei. Zwei dunkle, wundervolle Glutaugen funkelten ihn an, und rote, geschwungene Lippen öffneten sich. Man wusste jedoch nicht, ob aus Angst, Schreck oder Abwehr. Sie ließen zwei Reihen schimmernder Zähne sehen. Eine schwarze Locke ringelte sich in die Stirn der Lady, die nur etwa drei Yards von ihm entfernt stand.
Mac starrte sie an, ohne sich zu rühren oder auch ein Wort zu sagen. Irgendwie war er fasziniert von diesem Gesicht, das nicht ausgesprochen hübsch zu nennen war, denn dazu war es zu unregelmäßig, das Kinn vielleicht ein wenig zu spitz und die Backenknochen zu sehr betont. Aber dies alles wurde vergessen, wenn man einen Blick in diese großen, von dunklen Wimpern umrahmten Augen tat, die im Moment jedoch zornig flammten.
»Es tut mir leid, Madam, dass ich Sie erschreckt habe«, murmelte er noch ein wenig verwirrt, wollte stumm beiseitetreten, um ihr Platz zu machen, doch in diesem Moment wandelte sich ihr Gesicht. Ein Lächeln trat in ihre Augen und um ihre Mundwinkel. Es gab ihr wiederum ein anderes Aussehen, und sie sagte: »Sie sind doch der Reiter, der heute Morgen in aller Frühe den Sheriff aus dem Schlaf trommelte?«
Ah, das hatte sich also auch schon herumgesprochen! Yeah, in dieser Stadt schien wirklich nichts
unbeachtet zu bleiben. Sein Gesicht verhärtete sich ein wenig, aber das schien sie nicht einmal zu bemerken, denn sie nahm nun die Hände von der Brust und betrachtete ihn ungeniert und aufmerksam. Yeah, scheu oder von falschem Schamgefühl befallen, schien sie absolut nicht zu sein. Offen schaute sie ihn an, nicht aufdringlich, aber so, als wolle sie sich seine Erscheinung besonders fest einprägen, und wie aus tiefen Gedanken heraus sagte sie plötzlich: »Dad hat Recht, Sie werden nicht aufgeben!«
