LEBENSABEND? - Hans Schweizer - E-Book

LEBENSABEND? E-Book

Hans Schweizer

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Beschreibung

»Wortlust« habe meinen Freund H. S. gepackt. Ja? Und wie? Eine wundersame Geschichte hat er erlebt, drei Jahre vor dem grassierenden Virus, das alles gesellschaftliche Leben, so in erster Linie aber das wirtschaftliche, für einige Wochen in den Ruhestand tauchen ließ. Schöpferisch, wie H. S. ist und in leidenschaftlichem Drang, sich Gehör zu verschaffen, hat er seine kreative Kraft in eine »augenzwinkernde« Erzählung investiert. Jetzt, da alle üblichen Investitionen, wenigsten diejenigen der kleinen Coiffeusen, Detailhändler und Schuhmacher bedroht sind durch einen viralen Hagelschlag aus der dunklen Wortgewitterwolke »Konkurs«. Jetzt, in der Zeit verordneten Stillstandes, schreibt sich H. S. heraus aus der Risikogruppen-Quarantäne und hinein in seine Wortlust. Er, der zu wenig Gehörte, der nur im Familienclan und im Freundeskreis Wahrgenommene, sucht im allgemeinen »Lockdown« Resonanz und Öffentlichkeit. Seine Geschichte der Begegnung mit einer hübschen, gerissenen Frau aus dem Balkan zeigt ihn als offenen, neugierigen, undogmatischen, weitherzigen Mann. Am längsten Tag vor drei Jahren hat ihn diese bemerkenswerte Person in ihren Cowboystiefeln offen, aber nicht unkonkett (H. S. meinte »nicht unattraktiv«) berührt, hypnotisiert, und in ihr bedrängendes Geheimnis eingeweiht. So hat die Zauberin ihn um den Betrag ihrer geschuldeten Monatsmiete gebracht. Sein Verlust ist verschmerzbar. Er ist wettgemacht durch diese pralle Geschichte. Sie ist das Gegengeschenk. Jetzt wird die Erzählung selbständig. Mit Hilfe des Autors drängt und dringt sie hinaus in den erweiterten Freundeskreis, gewinnt Eigenleben. Zeugt Leben. Wortlust eben.

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EPUB
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Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Hans Schweizer

LEBENSABEND?

POTZ HEITERE FAHNE

Copyright: © 2020 Hans Schweizer

Lektorat: Erik Kinting – www.buchlektorat.net

Umschlag & Satz: Erik Kinting

Spielerei zur Gestaltung des Buchdeckels: Hans Schweizer

Buchrückseitentext: Ruedi Waldvogel

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

978-3-347-19615-5 (Paperback)

978-3-347-19616-2 (Hardcover)

978-3-347-19617-9 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugäng-lichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Zu meinem 80. gemalt von Werner Denzler, Schwager

Inhalt

Präambel

80

Covid-19-Krise

Längster Tag

Intermezzo

Das Hohelied

Gewitterstimmung am »Hohentwiel«

Und SIE wo?

Ende Lockdown bei uns im Garten

Poesie im »Mail«

Den Letzten beißen die Hunde

Schildern und Erzählen

Geschichten und »Versli«

Annelies

»Wahre« Geschichte

Der Narr

Epilog

Die Fremde/ Vier Begegnungen

Erste Begegnung

Zweite Begegnung

Dritte Begegnung

Vierte Begegnung

PRÄAMBEL

– 0 –

Bei Tarot Karten ist Null die Karte des Narren. Er steht groß und farbig am Abgrund. Ohne Wenn und Aber springt er, stürzt sich hinein in den Prozess des Lebens: die anderen Karten.

80

Meine 80 Lebensjahre werden gefeiert und die goldene Hochzeit steht Annelies und mir auch noch bevor. Da haben mich neue Gedanken bewegt und ich habe wieder angefangen zu schreiben. Das vorliegende Büchlein ist das Ergebnis. Ich habe mir plötzlich ein solches gewünscht und natürlich hat auch dieses seine Geschichte:

Mir wurde klar, dass ich unter Prozess eine Art Dialog verstehe, mit allem, was mich umgibt. Diese Vorstellung lässt mich Größeres ahnen, lässt es mich anpacken oder mich immer wieder öffnen für Neues und ebenso für gemeinsames Tun. Ich bin begeistert, wenn die Dinge so in Resonanz kommen. Über mein Sein hege ich Vorstellungen, die solange meine existenzielle Wirklichkeit bedeuten, bis sich das Wissen einschleicht, dass alles auch anders sein könnte, als eben noch gedacht.

Die Idee zu schreiben ist mir vor vielleicht fünf Jahren erstmals gekommen, mit der seltsamen Frage, ob mein Leben so, wie es sich gestaltet hat, optimal verlaufen sei, ob ich meine Talente sinnvoll genutzt habe und ob ich es endlich als gelungen betrachten kann. Meine These dazu war etwa so: Schreib halt eine Biografie, ehrlich

und ungeschminkt, bleib in der Ich-Form und bilde so deine Lebensgeschichte ab. Als ob man das könnte! Verschaff dir alsdann Klarheit über deine genannten Anliegen mit einer neuen Frage: Mag ich denn das große Geschenk meines Lebens einer schonungslosen Öffentlichkeit überlassen, nur um dadurch etwas Objektivität zu gewinnen, oder will ich, als Subjekt, gerade das auf gar keinen Fall? Mag ich zum Objekt stehen, so meine Annahme, dann doch sicher auch zu meinem Leben.

So weit, so gut. Es hat mir einiges gebracht, funktioniert also? Nun … nur teilweise. Letztlich bleibe ich doch allein die zuständige Instanz. Mein sonderbares Vorgehen ist kaum zu erklären und bleibt auch für mich mit Zweifeln behaftet. Das Buch hat mir einige Zufriedenheit gebracht. Aber mein Leben auf den Punkt gebracht, wie ich mir das vorgestellt hatte…?

Was für eine Schnapsidee! Ich habe die Prozesshaftigkeit des Lebens ja wieder und wieder erfahren. Das Altern belastet mich etwa mit der Schwierigkeit, spontan die richtigen Wörter und Bezeichnungen zu finden. Beim Schreiben gelingt das besser. In diesem Dilemma finde ich die folgende Weisheit sehr hilfreich: Die Dinge sind nicht so, wie sie scheinen, aber auch nicht anders. Laut Google soll der deutsche Satiriker Albert Buntenbroich das 1958 so ausgedrückt haben.

Wenn das Alter beginnt, mit immer schwererwiegenden Beeinträchtigungen auf sich aufmerksam zu machen und die Zahl 80 aus der gewohnten Abstraktion heraustritt, sich beispielsweise als wunderschöne Bali-Fahne manifestiert, die Annelies mit Söhnen und Schwiegertöchtern und allen Enkelkindern anlässlich eines Gartenfestes zu meinem 80. Geburtstag gemalt haben, wenn die 80 so fast acht Meter hoch über unserem französischen Mini-Kosmos flattert, und wenn sich das gut anfühlt, dann macht diese 80 mir doch unmissverständlich eine neue Realität klar. – Und der ist mit einer schon zu Ende geschriebenen Biografie nicht beizukommen.

Ich stecke im Gegensatz zu all den jungen Fahnenmalerinnen und Malern heute in einem zuweilen beklemmenden und meistens spannenden Prozess, der sicher noch ein wesentliches Ziel kennt, das mich über die letzte Lebensspanne hinausführen wird in einem Schritt, den ich, hoffentlich erst ganz zuletzt, allein tun werde. Aber nochmals mit der Einsicht, der Neugier und der schräg erscheinenden Weisheit des Narren: Ihn werde ich mir wohl mit ins Boot holen.

Gestählt und geläutert durch alle Aspekte des Menschseins, für welche die Tarot-Karten ihm dienen, ist der Narr auch mit der Erdverbundenheit seiner weiblichen Seite in Einklang gekommen. Mit Yin und mit Yang. Sein Zeichen ist jetzt wohl die liegende Acht, das starke Symbol für Unendlichkeit. Er kennt andere Dimensionen und intuitiv alle Durchgänge und alle Übergänge.

Der Narr hat viele Namen.

Zu meiner Frage, ob ich denn wieder schreiben soll, meint der Narr: »Ja, und zwar mit Lust.«

Am Rhein

Covid-19-Krise

Während diese alle und alles in ihren Bann zog, konnte mich die Wortlust endlich erneut packen: Für mich selber würde ich die distanzierende Er-Form wählen und mich erneut auf meine Spur begeben.

Lebensbewältigung und Erweiterungen als Teil eines sich dialogartig entwickelnden Geschehens zu verstehen, lässt mich erleben, dass fast alles mit ganz viel anderem ständig in Verbindung steht. Diese Annahme zieht mich seit jeher an und beschäftigt mich. Als ich mich daher auf die Konsequenzen dieser Sicht eingelassen habe, sind Möglichkeiten entstanden und Wünsche in Erfüllung gegangen, die ich mir nie hätte träumen lassen – es grenzte an ein oder gleich an mehrere Wunder.

Als das Coronavirus allgegenwärtig in den Medien und in jedermanns Mund war, erschien mir in der Nacht ein solches Wunder in voller Kriegsbemalung im Traum. Ich schreckte auf, war verwirrt und soll gelacht haben. Annelies holte mich ganz aus dem Schlaf. Es gelang uns, dank ihrer hartnäckigen Nachfrage, den Traum in einen Zusammenhang zu bringen. Dabei wurde augenfällig, dass er eine besondere Sache mit sich führte, die ich drei Jahre zuvor erlebt und unerledigt zur Seite gelegt hatte: Im Kontext von Corona hat sich eine Begebenheit, die eher peinlich an mir haftete, unerwartet umgewandelt und ist seither dabei mir Befriedigung, Anerkennung und Freude zu bringen. – Ich habe nämlich zusammen mit Annelies in jener Nacht bei einem Gläschen Schnaps beschlossen, die Episode aufzuschreiben, vom Anfang bis zum Ende, genauso wie ich sie drei Jahre zuvor, am längsten Tag, erlebt hatte.

Traum und Wortlust trafen aufeinander. Jetzt konnte mein Text entstehen.

Er gelang mir recht gut. Da ich meine damaligen Erlebnisse nie richtig abgeschlossen hatte, haben sie eine gewisse Aktualität und Frische bewahrt. – Allerdings nur auf meiner Seite, über meiner Hemisphäre der Tête-à-Tête-Begegnung mit einer Unbekannten. Vielleicht wäre sonst sogar ein Wechsel zum Du denkbar gewesen. Sie hatte Beweggründe, sich bedeckt zu halten, hatte sich vielleicht sogar eingesponnen in einem Kokon und träumte von einer glamourösen besseren Zukunft.

Was weiß ich denn?

Mit dem Begleitblatt auf der nächsten Seite habe ich meine fertige Erzählung etlichen Bekannten, Freundinnen und Freunden geschickt, und ganz viel aufmunternde Feedbacks erhalten.

Längster Tag

Kriminaltango oder verkanntes Geschenk

80 Jahre vor dem Virus Covid 19 ist er zur Welt gekommen. Diese war noch ganz anders. Darüber, wie es damals war, hat er, schon recht betagt, ein Buch geschrieben, sein erstes. Niemand hätte sich so etwas vorstellen mögen, nicht einmal er selber. »Halt für die Enkel«, hatte er gemeint »Die haben ja keine Ahnung mehr, keinen blassen Dunst.«

Das Buch sollte sein erstes und letztes werden. Dabei hatte er sich vorgenommen, ganz nahe an den Fakten bleibend, seiner ureigenen Wahrheit zu begegnen. Beschönigen wollte er nichts. Es hatte ihn die Frage getrieben, ob ein derart simples Leben denn ein gutes sein könne.

Jetzt finden wir ihn eines Morgens schon früh in Zürich, der großen Stadt. Noch hat er sich nicht an Hitzetage gewöhnt, ist schon beizeiten im Hauptbahnhof ausgestiegen, hat das Tram genommen und schon wenig später, im wirren Durcheinander von verschachtelt wirkenden Bretterverschlägen und vorbei an Warnsignalen und Absperrungen, nach einem Eingang gesucht.

Drinnen dann unterkühlter Spitalgeruch, Lifte, Glastüren und lange Gänge. Schließlich die Zimmernummer. Da musste sein Kollege liegen, mit schmerzendem Rücken, ein langjähriger Freund. Was hatten sie nicht alles gemeinsam erlebt und unternommen. Nun haderte dieser mit einem bösen Schicksalsschlag. Er beklagte sich über peinigende Beschwerden, war missgestimmt, weil die Banken ihn ausnahmen, stritt mit den Versicherungen, die seine Begehren abwiesen, aber auch mit den Ärzten war er unzufrieden. – »Warum ich, warum denn nur?« Nach Aussagen anderer, die es schon versucht hatten, war es belastend, den Patienten zu besuchen. Was wollte er nun hier tun, wie sich auf die Begegnung vorbereiten, wie den Kumpel aus seiner selbst gewählten Lethargie locken? Ein Blumentöpfchen hatte er im Untergeschoss erstehen können, das ihm jetzt lächerlich vorkam. Politische Themen ansprechen? Vielleicht … Diskussionen um den Fluglärm waren gerade aktuell. Aber nichts schien ihm letztlich angemessen.