London Winterglitzer - Cara Lindon - E-Book
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Cara Lindon

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Beschreibung

Ein Lächeln, ein gemeinsamer Moment, und plötzlich schien der Winter viel wärmer Seitdem Thomas den Pub neben ihrem Tarot & Trödel-Laden übernommen hat, bekommen Lily und er sich ständig in die Haare. Thomas behauptet, dass Lilys Kater Hairy Grant seine Steaks stiehlt, was sie bestreitet. Doch als das alljährliche Camden Vintage Weihnachtsfilmfestival in Gefahr ist, müssen die Streithähne sich zusammenraufen. Gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Viertels kämpfen sie um ihre liebgewordene Tradition, und Lily und Thomas kommen sich näher. Doch ihre Vergangenheit macht es ihnen schwer, an die Liebe zu glauben. Wird es ein Weihnachtswunder für sie geben? Eine romantische Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft, Liebe und das, was wirklich zählt

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Die Autorin

Kristalle und Katzentheater

Pub-Gespräche und Pfotenabdrücke

Katzendieb und Konfrontation

Vintage und Vanille

Comics und Chai-Tee

Glühwein und Gerüchte

Zusammenkunft und Zweifel

Frühstück und Fahrplan

Mince Pies und Missgeschick

Cocktail und Camden Market

Backwettbewerb und Besuch

Politik und Pasteten

Zeder und Zeitungsmeldung

Krisenstimmung und Kakao

Lichterketten und Lachen

Raubzug und Reue

Schatten und Shopping

Vergangenheit und Verlust

Frost und Familie

Verschweigen und Vertrauen

Winterwind und Wahrheit

Amtsärger und Adrenalin

Festvorbereitungen und Freundschaft

Kontrollen und Kampfgeist

Socken und Sternenschimmer

Musik und Mistelzweige

Projektor und Popcorn

Winterglitzer und Weihnachtswunder

Rezepte

Nachwort: Warum Camden?

Danke

Zum Schluss eine Bitte und ein Angebot

Cornwall - Träume im kleinen Katzencafé

Cornwall - Küsse im kleinen Cottage

Cornwall - Glück in der kleinen Reitschule

Cornwall - Liebe in der kleinen Buchhandlung

 

 

Impressum

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2024

AIKA Consulting GmbH, Berliner Straße 52, 34292 Ahnatal

All rights reserved

 

Cover/eBook: Grit Bomhauer, unter Verwendung von Bildern von © Depositphotos – halfpoint | ZeninaAsya | Derbisheva | MyStocks | ronedale | Elalalala.yandex.ru

Lektorat: Nicole Bergmann

Korrektorat: Regina Merkel

 

ISBN: 9783759259097

Seitdem Thomas den Pub neben ihrem Tarot & Trödel-Laden übernommen hat, bekommen Lily und er sich ständig in die Haare. Thomas behauptet, dass Lilys Kater Hairy Grant seine Steaks stiehlt, was sie bestreitet.

Doch als das alljährliche Camden Vintage Weihnachtsfilmfestival in Gefahr ist, müssen die Streithähne sich zusammenraufen. Gemeinsam mit den anderen Bewohnern des Viertels kämpfen sie um ihre liebgewordene Tradition und Lily und Thomas kommen sich näher. Doch beide tragen Geheimnisse ihrer Vergangenheit, die es ihnen schwer machen, an die Liebe zu glauben. Wird es ein Weihnachtswunder für sie geben?

Eine weihnachtliche Geschichte über Zusammenhalt, Freundschaft, Liebe und das, was wirklich zählt.

Cara Lindon ist das Pseudonym der Autorin Christiane Lind, die bei den Verlagen Knaur, Rowohlt und Aufbau sowie im Selbstverlag veröffentlicht hat.

In Camden verliebte sie sich Hals über Kopf, als sie an einem verregneten Tag im Dezember dort ankam und die bunte High Street das Grau vertrieb.

Cara hat ihren Seelenverwandten bereits gefunden und lebt mit ihm, vier Samtpfoten und Regalen voller Bücher in einer kleinen Stadt.

www.cara-lindon.de

www.facebook.com/CaraLindonAutorin

https://www.instagram.com/cara.lindon/

 

 

»Drachen, schnuckelige Drachen, wo bringe ich euch nur unter?« Lily schaute in das Päckchen, das sie gerade eben geöffnet hatte und betrachtete die Lieferung niedlicher Figuren, die - passend zur Jahreszeit – rote Weihnachtsmützen mit weißem Rand trugen. Sie trank einen Schluck Tee und kratzte sich am Kopf, fuhr sich mit der Hand durch das pink gefärbte Haar. Letzte Woche war es noch orange gewesen, aber im Winter fand sie pink passender.

Zweifelnd blickte sie sich um, suchte den perfekten Ort, um die niedlichen Drachen aufzustellen. Obwohl es noch einige Wochen bis Weihnachten waren, hatte Lily ihre Liebe zur Dekoration ausgelebt, auf Kosten des Platzes. Magic Sparkles, Geschäft für Esoterisches aller Art, sah im Winter aus wie die Weihnachtsabteilung von Harrods oder Selfridges, obwohl sich Lily jedes Jahr vornahm, es mit den Weihnachtskugeln, den Rentieren, dem Kunstschnee, den Lichterketten und vor allem dem Lametta nicht zu übertreiben. Doch auch in diesem Jahr hatte sie nicht widerstehen können und so funkelten die Ketten mit Pentagrammen mit roten und blauen Weihnachtskugeln um die Wette.

In den Bücherregalen hatten Rentiere, Weihnachtsmänner und natürlich Engelchen ihren Platz gefunden und lenkten den Blick auf die Tarotkarten und mystische Bücher. Nur noch wenige Feenfiguren und Katzenstatuen hatte sie neben den Weihnachtsfiguren stehen lassen. Für diejenigen, die auch um diese Jahreszeit etwas Klassisches suchten.

Anstatt der Duftlampe mit vier schwarzen Katzen hatte Lily eine mit vier Rentieren aufgestellt und ein Duftöl mit dem schönen Namen Weihnachtsbäckerei benutzt, das verführerisch nach Zimt und Zucker roch. Der Duft mischte sich mit dem würzigen Patschuli von Lilys Parfüm. Ab und zu rümpfte jemand die Nase, weil ihm der Geruch nach feuchter Erde und rauchigem Holz zu intensiv war, aber Lily liebte den erdigen Duft mehr als den von Rosen oder Bergamotte.

Lily lächelte vor Glück, sie liebte Magic Sparkles, genau so, wie er war. Von draußen fiel mattes Sonnenlicht durch die Fenster, brach sich in den Prismen, die Lily aufgehängt hatte, und funkelte in den Kristallen, die im Verkaufsraum verteilt waren.

»Hoffentlich schneit es bald«, sagte sie zu sich selbst, da sich noch kein Kunde in ihr Geschäft verirrt hatte. Für Touristen lag Magic Sparkles zu weit ab von den Sehenswürdigkeiten der Camden High Street und dem Camden Market. Aber ab und zu verirrten sich Touristen, die dort Souvenirs, Kleidung, Schmuck oder Bücher kaufen wollten, in die Porthlynn Road, in der Lilys Laden lag. So profitierte auch sie davon, dass Camden in den letzten Jahren in jedem Reiseführer als der Ort, den man in London sehen musste, angepriesen wurde. Aber gleichzeitig fürchtete sie, dass Camden dadurch seinen Charakter, seine Ursprünglichkeit verlor. Ach, wem wollte sie das erzählen? Camden hatte sich schon längst verändert. Inzwischen galt der Stadtteil als Beispiel einer gelungenen Stadterneuerung und es wurde immer schwerer, hier bezahlbare Wohnungen oder Ladenräume zu finden.

Außerdem ging damit einher, dass immer mehr große Ketten sich hier ansiedelten und die individuellen, originellen Geschäfte an den Rand verdrängten. Zum Glück gab es in ihrer Straße einen guten Zusammenhalt und sie konnten sich aufeinander verlassen. Im Sommer veranstalteten sie ein Straßenfest, das über eine Woche ging und auch Touristen von den großen Straßen zu ihnen zog. Im Winter gab es das Vintage Filmfestival, auf dem sich alle versammelten und miteinander in Weihnachtsstimmung feierten. Außerdem brachte das Festival Umsatz, den alle hier ansässigen Geschäfte gut gebrauchen konnten.

»Ohne Schnee ist alles viel weniger romantisch«, murmelte Lily, während sie eine Herde Einhörner, dekoriert mit pinkfarbenem Lametta, etwas zur Seite rückte, damit fünf der kleinen Drachen sich dort ansiedeln konnten. Aber noch immer brauchten weitere fünfzehn einen schönen Platz, damit sie sich gut verkauften.

»Miarg«, erhielt sie als Antwort und spürte, wie jemand Pelziges um ihre Unterschenkel strich und sie beinahe zu Fall brachte.

»Hairy Grant, wo warst du schon wieder?« Lily beugte sich hinab, um den weißen Kater mit grauen Flecken zu streicheln. »Du sollst doch nicht rausgehen. Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht.«

Eigentlich sollte Hairy Grant ein Wohnungskater sein, jedenfalls hatten ihr die Menschen im Tierheim Battersea das gesagt. Doch irgendwie gelang es der Samtpfote immer wieder, aus Lilys kleiner Wohnung, die über dem Magic Sparkles lag, zu entwischen, was sie jedes Mal in Angst und Schrecken versetzte. Vor allem, wenn der Kater sich nachts herumtrieb und erst am späten Morgen nach Hause kam, so wie heute. Vielleicht würde eine zweite Katze ihn glücklicher machen, dachte sie, aber im Tierheim hatten sie gesagt, er käme schlecht mit anderen Samtpfoten klar.

»Du bist ein böser Kater«, schimpfte Lily. »Futter bekommst du erst, wenn ich alles verstaut habe. Wer sich herumtreibt, muss sich gedulden.«

Mit der unnachahmlichen Fähigkeit von Katzen, alles zu ignorieren, was ihnen nicht passte, sprang Hairy Grant auf den Tisch, auf dem Lily ein weihnachtliches Tarot Deck ausgebreitet hatte. Dort legte er sich in majestätischer Pose ab, die Augen halb geschlossen, nur sein linkes Ohr zuckte, als Lily sich ihm näherte.

Hmmm, überlegte sie, wenn sie die Karten zusammenschob, könnte sie die Drachen dort aufstellen, was perfekt wäre, weil man sie sofort sah, wenn man Magic Sparkles betrat.

»Danke, Mr. Grant. Du hast mir wieder einmal geholfen. Oder haben Drachen in deinem Königreich keinen Platz?« fragte Lily ihren samtpfotigen Lebenspartner, während sie sich dem Tisch näherte. Der Kater würdigte sie mit einem Blick, der mehr als deutlich eines sagte – nämlich »Wage es ja nicht, mich von meinem Lieblingsplatz zu vertreiben!«

Während Lily noch überlegte, ob es ihr gelingen würde, ihn mit Leckerlis vom Tisch zu locken, bimmelte die Ladenglocke und Lily wandte sich um. Es war Greta Simmons, ihre Nachbarin und Inhaberin von Just Good Books, einer Buchhandlung mit Antiquariat. Wie immer sah Greta so aus, als entspränge sie einem Modemagazin. Mit ihrem schlanken Körper, den wilden dunkelbraunen Locken und der markanten großen Brille sah die vierzigjährige Greta für Lily eher wie die Lady eines Herrenhauses in Cornwall aus als eine Frau, die Bücher verkaufte.

Immer wenn sie Greta sah, fühlte Lily sich noch etwas rundlicher als ohnehin und nahm sich ernsthaft vor, endlich einmal elegante Kleidung zu kaufen, nicht die bunten, regenbogenfarbenen Pullover und Jacken, die sie so liebte. Elegant konnte man sie beim besten Willen nicht nennen im Vergleich zur Grazie von Greta.

»Guten Tag, liebe Lily! Und natürlich auch Ihnen einen wunderschönen Tag, Mr Grant«, begrüßte Greta sie mit ihrer warmen Stimme und wollte ihr einen Stapel Flyer überreichen, bis sie bemerkte, dass Lilys Hände voll waren. »Das sind ja niedliche Drachen. Soll ich ein paar von ihnen mit zu mir nehmen und dort verkaufen?«

Die Händler der kleinen Straße hielten zusammen und unterstützten sich, wo sie nur konnten. Alle Bücher in Lilys Regalen waren von Greta, die im Gegenzug etliches von Lilys Waren bei sich ausstellte.

»Wenn du magst, ich habe keinen Platz mehr.« Vorsichtig stellte Lily die Drachen auf den Fußboden, bevor sie Greta die Hände entgegenstreckte, um die Flyer entgegenzunehmen. »Wie schön, ich habe bereits darauf gewartet. Welche Filme stehen denn in diesem Jahr auf dem Programm?«

So sehr Lily das Vintage Filmfestival auch liebte, bei der Organisation hielt sie sich raus, Komitees waren einfach nichts für sie. Sie hatte es einmal versucht und bald aufgegeben, weil ihr die endlosen Diskussionen das Gefühl gaben, ihre Haare und Fingernägel wachsen zu spüren. Daher überließ sie diese Arbeit lieber Menschen, die das konnten und gern übernahmen, und half dafür während der Kinovorführungen mit.

»Selbstverständlich zeigen wir Ist das Leben nicht schön? am vierten Advent«, neckte Greta sie. »Sonst wäre es für dich doch kein Fest, nicht wahr?«

»Es ist einfach der ultimative Weihnachtsfilm für mich.« Lily lächelte, glücklich darüber, dass sich nichts an der liebgewordenen Tradition änderte.

»Lily, gibt es in diesem Jahr jemanden, mit dem du das Festival besuchst? «

Obwohl die Buchhändlerin es sicher nur gut meinte, spürte Lily einen kleinen Stich, weil sie die Frage verneinen musste. Aber über ihre Gründe wollte sie nicht sprechen, daher antwortete sie leichthin: »Ach, Greta, mehr Männlichkeit als Hairy Grant brauche ich nicht in meinem Leben.«

»Denkst du nicht manchmal, es wäre schön, die Feiertage mit jemand Besonderem zu verbringen?«, fragte Greta leise. So, als würde sie sich auch selbst die Frage stellen. »Vielleicht sollten wir Singles uns treffen und gemeinsam feiern. Du, ich, Eddie, Joel und Thomas.«

»Thomas hat genug mit dem White Horse Inn zu tun, der feiert bestimmt nicht«, rutschte Lily heraus, bevor ihr einfiel, dass ihre Worte Greta nur neugierig machen würden. Ja, gestand sich Lily ein, sie mochte Thomas, den Besitzer des Pubs, sehr, jedenfalls den alten Thomas, bevor er das White Horse Inn gekauft hatte. Da war Thomas noch humorvoll gewesen, freundlich, immer für ein kurzes Gespräch unter Nachbarn zu haben. Jetzt war er nur noch angestrengt, ständig unter Stress und kaum ansprechbar.

»Wir können es versuchen und ihn einladen.« Greta musterte sie aufmerksam. »Am besten lädst du ihn ein.«

Bevor Lily etwas sagen konnte, erklang eine dunkle, angenehme Stimme hinter ihnen. Lily zuckte zusammen, bis sie bemerkte, dass das Radio sich auf die Nachrichten umgeschaltet hatte.

»Es ist Zeit, dass wir aus alten Mustern ausbrechen und Camden zu einem Vorreiter für urbane Entwicklung machen. Weg mit dem Alten, her mit frischen, aufregenden Konzepten!« Die Stimme kam Lily bekannt vor, aber ihr fiel nicht ein, woher.

»Das war Stadtrat Ethan Blake, der heute in einer umjubelten Rede eine Erneuerung für Camden versprach«, verkündete der Nachrichtensprecher.

»Wir brauchen etwas Besonderes zu Weihnachten, um den Menschen zu zeigen, wofür unser Stadtteil steht«, sprach Blake weiter. Seine Stimme schallte durch Magic Sparkles, vollmundig, selbstsicher und so fern von dem, was Lily als die Seele Camdens empfand.

»Wieder so einer, der nicht kapiert, was für uns wirklich wichtig ist«, murmelte sie und drehte das Radio leiser, als könnte sie Blake so zum Schweigen bringen.

»Wir haben hier etwas ganz Wunderbares«, flüsterte Greta, auf ihrem attraktiven Gesicht zeichnete sich Sorge ab. »Das wird er uns doch nicht nehmen, oder?«

»Bestimmt nicht«, sagte Lily mit mehr Überzeugung, als sie empfand. »Wir von der Porthlynn Road halten zusammen. Das ist nur eine Wahlrede, nichts, was uns angeht.«

In dem Moment läutete die Türglocke erneut und ein junger Mann kam herein und sah sich suchend um. So eine Chance ließ sich Hairy Grant nicht entgehen. Er hüpfte vom Tisch und schlüpfte durch die sich schließende Tür hinaus.

»Ach Kater, nicht schon wieder …«, seufzte Lily und überlegte kurz, ob sie der Samtpfote nachlaufen sollte, aber ihre Chance, Hairy Grant zu erwischen, war gering. Der Stubentiger war einfach zu geschickt und ließ sich nur schwer einfangen.

»Ich halte nach ihm Ausschau.« Greta nickte ihr zu. »Denk über unsere Weihnachtsfeier nach.«

»Mach ich«, antwortete Lily, bevor sie sich dem Kunden zuwandte. »Hallo, kann ich Ihnen helfen?«

 

Thomas wischte mit geübten Bewegungen über die dunkle Holztheke seines Pubs White Horse Inn, den Blick auf die große Uhr gerichtet. Noch zwei Stunden blieben ihm für die Vorbereitungen, bis der Pub öffnete. Draußen legte sich das sanfte Zwielicht des späten Nachmittags über Camden wie ein Samtvorhang, während der Alltagslärm gedämpft durch die Fenster drang. Innen sorgten das tiefe Brummen der Kühltheke und das Klirren von Glas für eine Atmosphäre von Betriebsamkeit.

»Wollen wir heute mit der Weihnachtsdeko anfangen?« fragte Dave, sein Barkeeper und rechte Hand, während er auf einen Tisch kletterte, um die letzten Halloween-Dekorationen von den Wänden zu pflücken. Als Thomas ihn ansah, nahm Dave einen Plastikkürbis und hielt ihn hoch. »Können wir den nicht mit einem weißen Bart dekorieren und behalten?«

Ein breites Grinsen zog über sein markantes Gesicht. Mit seinen blitzenden blauen Augen und den blonden Haaren war Dave ein echter Frauenmagnet. Dass er außerdem Gitarre spielte und Songs schrieb, machte ihn noch unwiderstehlicher. Thomas war sehr froh, ihn als Barkeeper gewonnen zu haben, ursprünglich war Dave nach London gekommen, um seinen Traum von einer Musikkarriere zu verwirklichen. Leider hatte er bisher den Durchbruch nicht geschafft, aber fand stattdessen seine Berufung hinter der Bar.

»Tut mir leid, Mr Pumpkinhead muss weichen.« Thomas legte das Tuch zur Seite, um die Vorräte zu prüfen. Dabei fiel sein Blick auf einen Stapel roter und goldener Girlanden, die er hinter dem Tresen gelagert hatte. »Dieses Wochenende wird es ernst, dann holen wir den Weihnachtsbaum heraus. Die Besucher wollen Glühwein statt Grusel.«

»Dein erstes Weihnachten im eigenen Pub.« Dave sprang vom Tisch und verstaute den Kürbis in einer großen Kiste. »Da sollten wir richtig in die Vollen gehen. «

»Jake wird es hassen.« Thomas konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, obwohl er sich Sorgen machte, ob das Weihnachtsgeschäft wirklich genug einbringen würde. Als er vor drei Jahren das erste Mal ins White Horse Inn gekommen war, hatte er sich sofort in den Pub verliebt. Der White Horse Inn war genau so, wie der perfekte Pub sein sollte. Rustikal, gemütlich, mit rauem Charme. Die Wände bestanden aus schlichtem rotem Backstein, keine Tapete, keine Farbe, kein Weiß, sondern rauer Stein. Die Tische und Stühle waren aus schlichtem Holz, sein ganzer Stolz war die lange dunkelrote Theke aus Holz, mit der Bierzapfanlage, deren Messing blinkte und die er jeden Abend polierte. Pub-typisch hingen die Gläser in Gittern über der Theke, sodass man sie schnell erreichen konnte. An der Rückwand hinter der Theke hatte Thomas Whiskys, Gin und Liköre aufgebaut; ein großer Spiegel ließ den Raum größer wirken.

Durch schmale Fenster mit Gittern fiel gerade so viel Licht hinein, dass man noch etwas sehen konnte, es aber gemütlich blieb. Thomas hatte als Barkeeper gearbeitet, bis Liam, der frühere Inhaber, im Frühjahr beschlossen hatte, nach Portugal zu ziehen. Liam hatte Thomas angeboten, den White Horse Inn zu kaufen und Thomas hatte sofort Ja gesagt. Erst nachdem er einen Kredit aufgenommen und den Vertrag unterschrieben hatte, hatte er sich in die Zahlen vertieft und erschrocken festgestellt, dass es um den Pub schlechter stand als gedacht. Aber er hätte es nicht über sich gebracht, den White Horse Inn jemand anderem zu überlassen.

»Erde an Thomas.« Dave tippte ihm auf die Schulter. »Ist die Einkaufsliste fertig?«

»Sofort.« Thomas schob seine Sorgen beiseite und widmete sich der aktuellen Aufgabe, die Vorräte zu prüfen und eine Einkaufsliste für Dave zu erstellen. »Hier, bitte. Auf jeden Fall brauchen wir Orangen, viele Orangen.«

Er drückte dem Barkeeper das Tablet mit der Liste in die Hand. Dave zog sich seine Jacke über, nickte Thomas zum Abschied zu und verschwand in die Küche, von wo aus er nach draußen gehen würde.

Thomas verschloss die Kiste mit der Halloween-Dekoration und wollte sie gerade in den Keller tragen, als sich die Tür des White Horse Inn öffnete. Herein kam Jake, sein Koch, begleitet von einem Schwall winterlich kühler Luft und den Klängen von Last Christmas.

»Können sie nicht wenigstens bis zum 1. Advent warten, bis sie diesen Kitsch spielen?« Jake verdrehte die Augen. »Selbst hier in Camden fangen sie jedes Jahr früher mit dem Weihnachtsgedöns an.«

Der rundliche Riese, der mit einem weißen Bart ausgesehen hätte wie der Weihnachtsmann höchstpersönlich, war ein echter Grinch, den Thomas nicht zu weihnachtlichem Frohsinn bekehren konnte. Nur gut, dass Jake so gut wie nie etwas mit den Gästen zu tun hatte, sondern im Hintergrund werkelte – und zwar sehr gut. Niemand konnte seinem Shepherd's Pie das Wasser reichen.

»Weihnachten ist nahe«, antwortete Thomas und bemühte sich, sein Grinsen nicht zu zeigen. »Du wirst dich wohl oder übel an die Weihnachtslieder gewöhnen müssen.«

»Aber doch nicht jetzt!« Jake schnaubte, als er seinen Schal löste und die Jacke öffnete. »Ich sage nur: Es ist November. November, Thomas. Das Herz sollte im friedvollen Rhythmus des Herbstes schlagen, nicht im kitschigen Rumpeln von Weihnachtssongs."

»Wie wäre es«, bot Thomas an, »wenn ich den White Horse Inn zur Last Christmas-freien Zone erkläre? Außerdem spielen wir bis zum ersten Advent nur Musik, die du auswählst.«

»Abgemacht, ich will Al Green hören, während ich die Kartoffeln schäle.« Jakes Miene hellte sich auf, so wie Camden Town im Licht eines Wintertages erstrahlte, wenn die Sonne sich entschied, einen seltenen Gruß zu schicken. »Aber du wirst mir zustimmen, dass es ein Unding ist, dass Weihnachtsdekorationen und Songs jedes Jahr früher auftauchen.«

»Möchtest du einen Cappuccino?«, versuchte Thomas, die Aufmerksamkeit seines Kochs auf ein anderes Thema zu lenken, denn sonst würde Jake ewig weiterschimpfen. »Heute kamen neue Sirups. Wie wäre es mit Ginger Cookie oder Christmas Pudding?«

Kaum hatte er ausgesprochen, fiel ihm auf, dass er nur Wasser auf Jakes Weihnachtsmuffel-Mühlen goss. Doch zu seiner Überraschung wiegte der Koch den Kopf kurz nach rechts und links, bevor er nickte.

»Mit Ingwer bekommst du mich immer. Lass deine Wundermaschine arbeiten.«

»Dein Wunsch ist mir Befehl.« Thomas drückte sanft auf den glänzenden Knopf der Kaffeemaschine, die er liebevoll als seine treue Begleiterin bezeichnete. Ein lautes Zischen erfüllte den Pub, als der Milchschaum in die Tasse floss, gefolgt von dem verlockenden Duft frisch aufgebrühten Espressos. Thomas gab einen ordentlichen Schuss des süßen Sirups in die Tasse, bevor er sie Jake reichte. Dann machte er sich selbst einen Espresso.

»Zum Wohl.« Jake hob seine Tasse, atmete genießerisch ein und nahm dann einen großen Schluck Cappuccino. »Etwas zu süß, aber nicht schlecht. Die Ladies werden es lieben.«

Wenn der Koch so versöhnlich gestimmt war, konnte Thomas ihn ja gleich auf die anstehenden Veränderungen vorbereiten.

»Allerdings«, er hob die Hände, »werden Dave und ich ab morgen das White Horse Inn in ein Weihnachtsparadies verwandeln.«

»Morgen schon?« Jake verengte die Augen und verschränkte die Arme vor seinem runden Bauch. »Du auch, Brutus?«

»Deine Küche bleibt unberührt, versprochen." Thomas musste an sich halten, keinen Stoßseufzer von sich zu geben. Das war einfacher gewesen, als er befürchtet hatte, denn es war auch das erste Weihnachten für Jake und das White Horse Inn.

Thomas kam nicht dazu zu antworten, weil in diesem Augenblick ein lautes Scheppern aus der Küche ertönte. Jake und er wechselten einen Blick.

»Das ist unsere Chance!«, röhrte Jake und stürmte los, schneller, als sein Umfang vermuten ließ. »Heute erwische ich den Dieb.«

Nach einem kurzen Moment des Zögerns rannte Thomas los, Jake direkt hinter ihm. Auf diese Gelegenheit warteten sie schon länger. Seit einigen Wochen stahl jemand Fleisch aus ihrer Küche, immer nur das Beste: zarte Rinderfilets, saftige Lammkoteletts, ab und zu auch frische Garnelen.

Weder Jake noch Thomas war es bisher gelungen, den Schuldigen auf frischer Tat zu ertappen. Thomas hatte schon überlegt, eine Kamera in der Küche zu installieren, damit er Beweise sammelte, doch hatte er die Kosten gescheut. Bisher war der Dieb nach Feierabend gekommen, sodass sie keine Gelegenheit gehabt hatten, ihn zu stellen.

Was Thomas am meisten irritierte, waren die fehlenden Einbruchsspuren an Türen und Fenstern. Sie mussten es mit einem wahren Meisterdieb zu tun haben. Warum der sich allerdings auf Fleisch beschränkte und Spirituosen und Geld links liegen ließ, konnten sich weder Jake noch er erklären. Dave meinte, es müsste ein sehr hungriger Mensch sein, und sie würden ein gutes Werk tun, wenn sie die ganze Sache nicht weiter verfolgten. Daher war Thomas noch nicht bei der Polizei gewesen, aber das bedeutete nicht, dass er den Dieb nicht trotzdem fassen wollte.

So eine Gelegenheit wie jetzt bot sich bestimmt so schnell nicht wieder. Thomas stieß die Tür zur Küche auf und blieb wie vom Donner gerührt stehen. Jake prallte in ihn hinein und Thomas ruderte mit den Armen, um nicht hinzufallen.

»Das kann doch wohl nicht wahr sein!«, entfuhr es ihm, und er wusste nicht, ob er lachen oder fluchen sollte.

»Was ist, Boss?« Inzwischen hatte auch Jake das Gleichgewicht wieder gewonnen und starrte ebenso fassungslos wie Thomas auf das Schauspiel vor ihnen. »Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt.«

»Du meinst wohl die Katze«, korrigierte Thomas trocken, während das Lächeln nun endgültig die Oberhand gewann. Gemeinsam mit Jake beobachtete er ungläubig, wie eine weiße Katze mit grauen Flecken aus dem geöffneten Fenster schlüpfte, ein Filetsteak triumphierend im Maul tragend.

»Das ist doch die Katze dieser Kleinen mit den lila Haaren aus dem Eso-Laden, Feenzauber oder so«, sagte Jake, während er sich dem Fenster näherte und es schloss. »Wir sollten die Fenster geschlossen halten.«

»Magic Sparkles«, antwortete Thomas, »das Geschäft heißt Magic Sparkles und sie heißt Lily.«

Was für ein Pech, dass der Dieb zu jemandem aus der Nachbarschaft gehörte. Thomas kannte die Besitzerin des Katers nicht gut, eben so wie man sich in Camden kannte. Ab und zu hatten sie sich unterhalten, aber sie war einfach nicht sein Typ. Sie war ihm zu bunt und flippig und überhaupt, was sie für seltsame Sachen in ihrem vollgestopften kleinen Laden verkaufte: Wahrsagekarten, Kristalle, Feen und so etwas. Damit konnte Thomas nun wirklich nichts anfangen.

»Und nun, Boss?« Jake sammelte den Topf und die Pfannen auf, die der Kater heruntergestoßen hatte. »Willst du die ganze Sache auf sich beruhen lassen?«

»Nein«, antwortete Thomas nach kurzem Überlegen. »Die verdammte Katze muss irgendwelche Hintertüren kennen. Nachts lasse ich die Fenster nicht offen. Das muss aufhören, ich werde sofort rüber gehen und sie zur Rede stellen.« Er schlug mit seiner Hand entschlossen auf die Theke.

»Okay, ich fange mal an, das Abendessen vorzubereiten.« Der Koch schüttelte den Kopf. »Eines muss man dem Katzenvieh lassen. Es hat einen besseren Geschmack als die meisten unserer Gäste.«

»Aber seine Bezahlmoral lässt zu wünschen übrig.« Hoffentlich würde Lily einsehen, dass sie ihren Kater einsperren musste, damit der Stubentiger nicht weiter die Vorräte des White Horse Inn plünderte. »Bis gleich.«

Thomas marschierte durch den Pub, stieß die Tür auf und trat hinaus in den kühlen Nachmittag von Camden Town. Winter lag in der Luft, aber noch reichte die Kälte nicht für Schnee aus. Stattdessen nieselte es, sodass er den Kragen seiner Lederjacke hochschlug und sich beeilte, zu Magic Sparkles zu kommen. Als er die Tür zu dem vollkommen überfüllten Geschäft öffnete, umfing ihn etwas, das er im Stillen Duft der Esoterik nannte, ein intensiver Mix aus Sandelholz, Patschuli und Jasmin.

 

»Wo ist er?« Als Thomas in Magic Sparkles stürmte, balancierte Lily gerade auf einer angerosteten Stehleiter, die auf die maximale Höhe ausgefahren war. Sie hatte die Leiter ans Bücherregal angelehnt, um goldene Weihnachtssterne unter der Decke aufzuhängen. »Wo hast du ihn versteckt?«

»Wie bitte?« Lily hielt inne, überrascht von seinem plötzlichen Auftauchen. Ihre Blicke trafen sich, so intensiv, dass sie einen Stern fallen ließ und beinahe hinterher gestürzt wäre. »Himmel, Thomas, musst du mich so erschrecken!«

»Lily, bist du wahnsinnig? Komm da sofort herunter!« Mit zwei großen Schritten war er bei ihr und griff nach der Leiter, um sie zu stabilisieren. Ein Hauch von Zitrusfrüchten, Leder und aromatischem Tabak erfüllte ihre Sinne und ließ sie tief einatmen. Nur mühsam konnte sie die Balance halten. Das fehlte noch, dass sie die Sprossen herunterpurzelte und vor ihm auf dem Boden landete.

»Alles gut. Die Leiter ist stabiler, als sie aussieht«, antwortete sie, aber kletterte trotzdem vorsichtig herunter, neugierig, was Thomas ins Magic Sparkles führte. Als sie auf der vorletzten Stufe stand, sah sie direkt in seine graugrünen Augen. Er erwiderte ihren Blick, zwei scharfe Falten auf der Stirn.

Früher war Thomas ein entspannter und cooler Typ gewesen, dem Lily immer gern begegnet war. Manchmal hatte sie sich sogar vorgestellt, dass sich zwischen ihnen mehr entwickeln könnte. Aber seit er die Verantwortung für den Pub übernommen hatte, war er beinahe unausstehlich geworden. Immer gestresst, immer unter Strom, außer wenn er hinter dem Tresen stand und Bier oder Cocktails ausschenkte. Dann kam seine Selbstsicherheit und Leichtigkeit wieder zum Vorschein.

Schade also, dass Lily nur selten in den Pub ging. Magic Sparkles brachte gerade genug ein, um die Miete zu zahlen, Essen und ihre geliebten Bücher zu kaufen und sich das Futter für den anspruchsvollen Hairy Grant leisten zu können. Einen Cocktailabend gönnte sich Lily maximal zu den hohen Feiertagen.

Mit leisem Bedauern stieg sie die letzte Stufe herab, um sich aus seiner verwirrenden Nähe zu lösen.

»Wen suchst du?«, fragte sie. »Bevor du mich so angefahren hast, hast du nach jemand anderem gefragt.«

»Deinen verdammten Kater!« Thomas trat zwei Schritte zurück und musterte sie von oben herab, einen deutlichen Ausdruck von Ärger im Gesicht. Wieder einmal bedauerte Lily ihre geringe Körpergröße, die es notwendig machte, zu ihm aufzublicken.

»Er hat ein Steak aus meiner Küche geklaut.« Thomas klang ziemlich sauer.

Überrascht und zugleich empört blieb Lily die Sprache weg. Dann ballte sie entschlossen die Hände zu Fäusten, stemmte sie in die Hüften und erwiderte scharf: »Das würde Hairy Grant niemals tun.«

»Hairy Grant?« Thomas stieß ein Schnauben aus, was Lilys Ärger anwachsen ließ. »Bitte sag mir, dass er schon so hieß, als du ihn bekommen hast.«

Erneut blieb ihr die Spucke weg. Was bildete er sich ein? Sie fand den Namen witzig und sehr passend für den Stubentiger.

»Ich bin ein Fan vom alten Hollywood«, entgegnete sie schließlich. »Und der Kater ist ein echter Gentleman wie sein Namensvorbild. Er würde niemals etwas stehlen.«

Leider war es ein klassischer Fall von schlechtem Timing, als der Kater genau in diesem Moment in den Verkaufsraum spazierte, sich elegant hinsetzte und die Lippen leckte, als hätte er gerade etwas ausnehmend Köstliches verspeist.

»Da ist der lebende Beweis.« Anklagend deutete Thomas auf Hairy Grant, der die Aufmerksamkeit mit einer gewissen Arroganz ignorierte. »Sieh nur, wie er sich das Maul putzt.«

Mist! Selbst Lily, die fest an das Gute in ihrem Kater glaubte, musste jetzt zugeben, dass sein Verhalten mehr als verdächtig wirkte. Dennoch würde sie es Thomas gegenüber niemals eingestehen. Obwohl es ihr schwer fiel zu lügen, behauptete sie: »Er hat nur sein Katzenfutter gefressen«, auch wenn sie es besser wusste. Hairy Grant hatte sein Futter heute früh in seiner üblichen rasanten Geschwindigkeit vertilgt. Aber war er wirklich ein Dieb?

»Quatsch.« Thomas ging auf den Kater zu und verengte prüfend die Augen. »Er hat noch Fleischsaft in den Schnurrhaaren. Ich wette, zwischen seinen Zähnen kleben noch Reste vom Steak.«

Lily konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. »Wenn du möchtest, kannst du gerne nachsehen.« Sie wusste genau, dass niemand - sie eingeschlossen - es wagen würde, den riesigen Kater festzuhalten, um ihm ins Maul zu schauen.

»Genau das werde ich jetzt tun.« Mit zornblitzenden Augen beugte sich Thomas entschlossen nach vorne, bereit, Hairy Grant zu packen. Doch der Kater wich mit einer erstaunlichen Eleganz aus, schneller als man es von so einem gewaltigen Stubentiger erwarten würde. »Bleib hier!«

Ebenso gut hätte er »Spring auf das nächste Regal« sagen können, denn genau das tat der Kater. Dort ließ er sich nieder und starrte Thomas von oben herab an.

Lily senkte schnell ihren Blick zum Boden, um ihr Lächeln vor dem ohnehin schlecht gelaunten Thomas zu verbergen, denn sie kannte diesen kritischen Blick ihres Katers nur zu gut. Ihr Herz hüpfte vor Amüsement. Es war schwer zu leugnen, dass diese chaotische Situation auf seltsame Weise ihr Interesse an Thomas geweckt hatte.

»Findest du das etwa witzig?« Anscheinend war sie nicht gut genug darin, ihre Gefühle zu verbergen. »Hast du eine Ahnung, wie teuer so ein verdammtes Steak ist?«

»Es tut mir leid«, flüsterte Lily und meinte es ehrlich. Alle Ladeninhaber und Pubbesitzer hatten mit den Folgen der Krisen der vergangenen Jahre zu kämpfen. »Ich werde dir das Steak selbstverständlich bezahlen.«

»Die Steaks. Pro Stück beinahe zehn Pfund.« Thomas stieß einen Seufzer aus. »Dein Kater klaut schon länger im White Horse Inn. Jake und ich haben ihn heute nur durch Glück erwischt.«

Oh nein, das durfte nicht wahr sein. Lily zog die Unterlippe zwischen die Zähne und drehte sich eine pinkfarbene Haarsträhne um den Finger, während ihre Gedanken rasten. Wie viel Geld schuldete sie Thomas wohl? Würde er es akzeptieren, wenn sie es in Raten abstotterte? Doch bevor sie ihn fragen konnte, wurde die Ladentür so heftig aufgerissen, dass die Glocke lautstark bimmelte. Erschrocken drehte Lily sich dem Eingang zu. Auch Thomas wandte seine Aufmerksamkeit von dem kätzischen Dieb ab und dem Neuankömmling zu.

»Mrs Flannery? Was ist los?«, fragte Lily erschrocken, denn so aufgelöst hatte sie die alte Dame noch nie gesehen.

---ENDE DER LESEPROBE---