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Die Gefährten sind in Ogden gestrandet: Jemand hat den Trilithiumkristall aus der RIVERSIDE entwendet! Aber die Zeit drängt, und so brechen Matt, Aruula und Rulfan mit einem Fahrzeug der Community auf, während Worrex die Fahndung nach dem Kristall unterstützt.
Die Kräfte der Krieger des Lichts wachsen derweil immer weiter an, und nach einem telepathischen Kontakt mit Aruula ahnt Olivia Canning um die Verfolger! Da kommen ihnen ihre neuen Kreationen gerade recht: Gejagudoos, gefährliche Erdschlangen, die durch gezielte Mutation zu wahren Bestien werden ...
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Seitenzahl: 147
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover
Impressum
Was bisher geschah …
Die Bestienmacher
Leserseite
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Lektorat: Michael Schönenbröcher
Titelbild: Camilkuo/shutterstocik
Autor: Sascha Vennemann
Datenkonvertierung eBook: César Satz & Grafik GmbH, Köln
ISBN 978-3-7517-0042-9
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, „Maddrax“ genannt, dessen Staffel durch einen Zeitstrahl vom Mars ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese ihm fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch in ein Ringplanetensystem versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht. Matt findet Hilfe und Verbündete und die Rettung gelingt in letzter Sekunde – aber etwas geht schief: Areale aus verschiedenen Parallelwelten manifestieren sich plötzlich auf der Erde…
Um diese 50 Kilometer durchmessenden Parallelwelt-Areale, die von hohen Dornenhecken umgeben sind, aufzuspüren, nutzen Matt und Aruula ein im Erdorbit installiertes Satelliten-Netzwerk. Mit einem Gleiter überwinden sie die Pflanzenwälle. In einem parallelen Rom treffen sie auf einen zeitreisenden Archivar namens Patrem, der mit Hilfe gefährlicher Artefakte herrschen will. Matt setzt dem ein Ende. Seine Waffen deponiert er im Hort des Wissens, einer Enklave befreundeter Retrologen und Wissenschaftler.
Da erscheint ein weiteres Areal: die Stadt Coellen – und mit ihr der Neo-Barbar Rulfan, ein in ihrer Welt längst verstorbener Freund, der sich ihnen anschließt.
Matts Erzfeind Colonel Aran Kormak wird derweil auf der Suche nach Verbündeten Chefexekutor der Reenschas in Glasgow. Er greift den Hort des Wissens an, scheitert aber und wird in den Kerker geworfen. Matt und Aruula erleben Kormaks Flucht mit, und wie er in einem Ballon von einem Artefakt verkleinert wird! Später dringt er in den Hort des Wissens ein, erfährt vom Zeitstrahl und versucht ihn zu durchqueren.
Da empfängt Aruula einen Hilferuf der Pflanzenentität GRÜN. In Neuseeland treffen die Freunde auf eine botanische Seuche, die aus einer Parallelwelt herübergekommen ist. GRÜN, der für die Dornenhecken rund um die Anomalien verantwortlich zeichnet, ist dagegen machtlos. Gemeinsam mit den Hydriten – Fischmenschen, die seit Äonen auf der Erde leben – entwickelt man eine Waffe gegen die Rote Pest, die sie dank des wieder gesundeten GRÜN zünden können.
Inzwischen wissen die Archivare, dass ihre Reisen in die Vergangenheit für die Weltenwechsel verantwortlich sind: Wo immer sie ein Portal schufen, wurde die Raumzeit geschwächt und bricht nun durch den Wurmloch-Unfall auf! Spätere Generationen entwickeln ein Gegenmittel, das aus ferner Zukunft in einer Stasiskugel zurückversetzt wird. Doch als die Freunde die Kapsel finden, ist sie leer! Das Wesen darin hat vier Menschen okkupiert, die „Krieger des Lichts“, die einen Feldzug gegen den Weltrat in Washington führten! Nun mutieren sie zu mächtigen Wesen, die auf der Suche nach Energie eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Die Gefährten folgen ihrer Spur, werden jedoch in Odgen, Illinois aufgehalten, als jemand den Trilitiumkristall aus ihrem Gleiter stiehlt…
Die Bestienmacher
von Sascha Vennemann
Byll schraubte das Mündungsteil vom Lauf seiner Laserpistole, klopfte mit dem Fingernagel ein paar Mal kräftig gegen die Metallröhre und hörte, wie sich der Ring mit dem Bündelungsdiamant löste. Mit geübten Griffen nahm er das Bauteil mit einer Pinzette aus seiner Handfläche, klemmte es in die Reinigungsvorrichtung und senkte sie in das Ultraschallbad ab.
Das war der Moment, in dem der Alarm losschrillte und Byll zusammenzuckte. Verdammt! Warum ausgerechnet jetzt? Verärgert warf der Retrologe einen Blick auf den Bildschirm vor sich und sah dann aus dem Rundumfenster des Wachturms in Richtung Elektrozaun. Er sah die Gefahr nicht, aber er spürte die Vibrationen im Boden, die sich durch das Mauerwerk bis zu ihm hinauf fortsetzten.
Sie sind wieder da, dachte er schaudernd.
Es knackte im stationären Funkgerät der Wachkanzel, in der sich wie gewohnt niemand außer ihm aufhielt, dann hörte Byll die Stimme des Kollegen aus dem Kraftwerk.
„Hey, Byllie“, drang ein dunkler Bass aus dem Lautsprecher. „Schätze, da kommt ein bisschen Arbeit auf dich zu. Wir registrieren einen Anstieg der seismischen Aktivitäten vor Sektion 31. Gib mal mehr Saft auf die Drähte.“
Byll seufzte, drückte den Schalter zur Deaktivierung des Ultraschallbads und schob die kleine, etwa faustgroße Wanne, die auf seinem Arbeitspult stand, zur Seite. Während er mit der rechten Hand die Tastatur zu sich heranzog, angelte er mit der linken nach dem Sprechteil des Funkgeräts und hielt es sich vor den Mund.
„Verstanden, Clearance“, murmelte er missmutig. „Weiß Jeek in Turm 20 schon Bescheid?“ Byll wartete die Antwort des Wachhabenden im Kraftwerk nicht ab, sondern erhob sich kurz aus seinem Schreibtischsessel.
Im Gegenlicht der untergehenden Sonne konnte er die schwarzen Konturen seines Wachturmnachbarn zur rechten Seite deutlich erkennen. Da es nur sechzig Yards bis dorthin waren, sah Byll den winkenden Arm seines Kollegen ohne Probleme.
Das heißt dann wohl ja.
„Ja“, sagte dann auch Clearance. „Er hat die Regler schon hochgerissen, also mach mal ein bisschen hin!“
„Jeek hat ja auch sonst keine Hobbys und starrt die ganze Schicht über das Funkgerät an wie ein zahmer Lupa, der darauf wartet, dass man den Ball wirft“, knurrte Byll. Da er den Sprechknopf losgelassen hatte, hörte nur er selbst, dass er das laut gesagt und nicht nur gedacht hatte.
Mit ein paar schnellen Tastenbefehlen führte er die gewünschte Operation aus und lehnte sich demonstrativ in seinem Stuhl zurück.
Der Zaun verlief nur wenige Armlängen vor seinem Fenster, daher konnte der Wachmann die Auswirkungen der erhöhten Stromzufuhr mit allen Sinnen miterleben.
Zuerst tänzelten kleine blaue Funken an den engmaschigen Metallgittern der Sektion 31 entlang, und zwar genau zwischen Pylon 19, der zu seinem Turm gehörte, und Pylon 20, für den Jeek zuständig war. Zumindest in dieser Schicht.
Dann, als die erhöhte Spannung sich gleichmäßig in dem Abschnitt verteilt hatte, zitterte kurz das Monitorbild, auf dem eine schematische Abbildung der ganzen ovalen Zaunanlage um den „Park“ zu sehen war.
Und als Letztes kam der Geruch. Das metallische Aroma von Ozon, das mit Hochspannungsphänomenen wie Blitzen unweigerlich einherging, wurde von der Klimaanlage in das Innere des Turms getragen und sorgte dafür, dass sich die Härchen an Bylls Arm aufstellten.
Ich weiß nicht, warum ihr euch das immer wieder antut, dachte der Retrologe und meinte damit die Bestien, die sich gerade durch das Erdinnere vor dem Zaun bewegten. Warum könnt ihr den Park nicht einfach in Ruhe lassen?
Byll beugte sich vor, nahm einen Schluck kalten Mate-Tee aus seiner Tasse und krallte sich das Sprechteil des Funks. „Spannungsniveau bei zweihundert Prozent“, meldete er ordnungsgemäß auf Clearance’ Frequenz. „Hundertfünfzig hätten wohl auch gereicht, aber wenn wir so viel Power in der Hinterhand haben, warum sollten wir damit geizen?“
Clearance’ heiseres Lachen schepperte aus dem Lautsprecher. „Ein Hoch auf die Kernenergie! Möge sie dem Park und unseren Freunden in Odgen noch lange gute Dienste leisten!“
„Darauf trinke ich!“, rief Byll grinsend und erhob seine Tasse wie zu einem Toast.
„Ich hoffe, nur Zielwasser“, gab Clearance zurück. „Dann gelingt es dir vielleicht heute endlich mal, mich im Laserdome zu schlagen!“
Apropos… Byll zog das Ultraschallbad wieder zu sich hin und hob den Metallring mit dem monokristallinen Kunstdiamantplättchen heraus. Mit der ultrafeinen Düse seines Minikompressors fegte er die letzten Tröpfchen und Staubkörnchen von der Linse, bevor er sie vorsichtig wieder in den Lauf gleiten ließ und die danach zusammengefügte Waffe in die konturierte Vertiefung des Transportköfferchens legte.
„Harissette und ich haben in der letzten Woche jeden Abend trainiert“, behauptete Byll selbstsicher. „Selbst an den randomisierten Dreifachspiegeln haben wir inzwischen eine Trefferquote von siebzig Prozent erreicht.“
Clearance zögerte nach Bylls Empfinden eine Sekunde zu lang mit seiner Antwort. Offenbar hatte ihn diese Äußerung überrascht, denn seine Quote lag bei etwas über sechzig Prozent. Byll hatte sich die Statistiken der letzten Schießabende im Laserdome angesehen.
„Deine Frau war immer schon ein besserer Schütze als du“, sagte Clearance mit deutlichem Spott in der Stimme. „Aber bevor ich die Brandlöcher auf der Zielscheibe nicht selbst gesehen habe, kannst du viel behaupten.“
Byll antwortete nicht. Bei einem Blick auf den Boden vor dem Zaun waren ihm die Erdbewegungen aufgefallen, die sich dort deutlich abzeichneten. Das Gras, das dort auf der Freifläche wuchs, wölbte sich leicht nach oben. An einigen Stellen wurde es so sehr emporgedrückt, dass das dunkle Erdreich aufbrach und nur wenige Augenblicke später wieder zusammensackte – immer dann, wenn der Körper, der sich dort unten durch die Krume wühlte, weitergezogen war.
Der Wachmann stutzte, als sich an zwei Stellen gleichzeitig die Erde bewegte, und zwar in einem Abstand, der eher ungewöhnlich war.
„Clearance, komm bitte mal mit rüber auf Jeeks Frequenz“, bat er. „Ich habe hier gerade was entdeckt, das vielleicht wichtig ist.“
„Roger“, bestätigte Clearance, und Byll drehte den Regler des Funkgeräts ein paar Nachkommastellen auf der Skala weiter.
„Jeek, hier ist Byll. Clearance ist auch da!“, rief er in das Sprechgerät. „Siehst du das da unten auch?“
Byll warf wieder einen Blick hinüber zu Turm 20 und sah, wie Jeek sich aufrichtete, um über sein Pult und durch das Fenster durch den Zaun zu schauen. Seine Schattenhand bewegte sich zum Mund.
„Da sind mindestens zwei von ihnen“, bestätigte er Bylls Annahme. „Vielleicht sogar mehr. Aber keine großen Biester. Vielleicht Jungtiere?“
„Dann wären sie in diesem Jahr aber verdammt früh dran“, brummte Clearance dunkle Stimme zur Antwort. „Aber auszuschließen ist es nicht. Angesichts der Schwingungsintensität würde ich eher von drei Jungtieren ausgehen.“
Byll spähte in die einsetzende Dämmerung. Dort hinten, bei der kleinen Baumgruppe in Richtung Süden… wölbte sich da nicht auch etwas?
„Bestätige“, kam ihm Jeek zuvor. „Es sind drei von den kleinen Scheißern.“
Das stellte für den Zaun kein Problem dar. Der reichte fünfzehn Yards in die Tiefe und lag dort auf einer Gesteinsschicht auf, sodass die Tiere – selbst wenn sie alle drei gleichzeitig versuchen würden, in den Park hinein zu gelangen – ihn nicht durchdringen konnten. Das Problem war eher, dass die angelegte Spannungshöhe für Jungtiere viel zu hoch war.
„Ich empfehle dringend, dass wir auf hundertzwanzig Prozent runtergehen“, lautete daher Bylls Appell an die Kollegen. „Lasst uns nicht riskieren, dass wieder eins von den kleinen Biestern gegrillt wird, wie letztes Mal in Sektion zweiundvierzig.“
„Sehe ich auch so“, pflichtete ihm Jeek sofort bei. Auch er konnte sich daran erinnern, was für ein Mordsaufwand es für den Bautrupp gewesen war, den Boden aufzubaggern und den verschmorten Kadaver zu bergen. Der Geruch verbrannter Hornplatten hatte noch tagelang über dem Park gelegen und für miese Stimmung gesorgt.
„Dann macht es, um Himmels willen!“, rief Clearance. „Meinen Segen habt ihr.“
„Mehr brauchen wir nicht“, murmelte Byll und fügte dann lauter hinzu, während er den Sprechknopf drückte: „Verstanden, Kraftwerk. Sektion einunddreißig verringert auf hundertzwanzig Prozent.“
Die Spannungsanzeige auf dem Monitor fiel in dem Moment, als auch Jeek die Eingaben für seinen Pylonen eingegeben und bestätigt hatte. Das stetige Brummen, das vom Zaun ausging, nahm langsam ab und pegelte sich auf eine niedrigere Frequenz ein.
Es knackte im Funkgerät. „Eins der Viecher hat was gemerkt“, sagte Jeek. „Es bewegt sich auf den Zaun zu.“
Byll sah es. Eine Spur aufgeworfener Erde bewegte sich beinahe mittig auf den Zaun zwischen den beiden Pylonen zu. Die Biester reagierten auf Vibrationen, und der Stromabfall hatte offenbar dazu geführt, dass sich die Schwingungen im Erdreich verändert hatten. Vermutlich dachte es, dass sich dort eine mögliche Beute befand.
Das würde ich an deiner Stelle lassen, kleiner Freund, dachte Byll, aber das Wesen hatte offenbar andere Pläne. Es grub sich weiter durch das Erdreich, bis es mit der Spitze an den unterirdischen Elektrozaun stieß.
Das Zischen der Entladung setzte sich bis in den oberirdischen Bereich des Zauns fort. Blaue Blitze zuckten zwischen den engmaschigen Drähten auf und erhellten die einsetzende Nacht. Auf Bylls Monitor leuchtete Sektion 31 rot blinkend auf und meldete den Kontakt.
Nur Augenblicke später zeigte der Abwehrmechanismus Wirkung. In einem irrsinnigen Tempo grub sich der potenzielle Eindringling vom Zaun weg. Auch seine Artgenossen suchten das Weite und schlossen sich ihm in zwei beinahe parallel verlaufenden Grabungen an. Schließlich waren die Erdbewegungen nicht mehr zu erkennen, weil sich die Tiere offenbar in tiefere Erdschichten verzogen hatten.
„Und weg sind sie“, kommentierte Clearance trocken. „Keine Signale mehr auf dem seismologischen Radar. Geht zurück auf hundert Prozent und schont die Drähte.“
Byll und Jeek taten wie geheißen.
„Ob ihnen das eine Lehre sein wird?“, seufzte der Wachmann vom Turm nebenan in den Kanal. „Vermutlich nicht“, gab Jeek sich selbst die Antwort. „Zu kleine Gehirne.“
„Das erinnert mich an jemanden“, stichelte Clearance süffisant. „Oder was meinst du, Byll?“
„Du sprichst von dir selbst, oder?“, spielte der Retrologe den Ball zurück. „Ich schalte jetzt zurück auf meine Stand-by-Frequenz. Da habe ich hoffentlich noch etwas Ruhe bis Feierabend und kann von der enttäuschten Miene eines gewissen Kraftwerktechnikers träumen, die er nach dem verlorenen Match im Dome heute Abend zur Schau stellen wird.“
Clearance schnaubte verächtlich. „In deinen Träumen, Byll. Nur in deinen Träumen.“
„Das sagte ich doch gerade“, antwortete Byll lachend. „Bis später am Schießstand!“ Er hängte das Sprechteil in die dafür vorgesehene Vorrichtung am Funkgerät ein und regelte die Frequenz zurück auf die Ausgangsstellung.
„Verdammte Erdschlangen“, murmelte er, während er mit den Händen über den Transportkoffer seiner Laserpistole strich. Gejagudoo nannten sie die Bewohner der wenigen umliegenden Dörfer. Wenn diese Plage nicht wäre, würden sie alle ein wesentlich entspannteres und ruhigeres Leben führen können. Aber der Zaun schützte den Gloomy Park, und daran würde sich auch so schnell nichts ändern.
Byll grinste. Hatte er nicht gestern Abend noch beim Buchmacher im Dome darauf gewettet, dass in einer der an seinen Pylon 19 angrenzenden Sektionen der nächste Kontakt stattfinden würde? Wenn die Quoten gut standen, würden sich seine Frau und er beim Match heute Abend keine Sorgen um die Finanzierung der Drinks machen müssen.
Das und die in Aussicht stehende Möglichkeit, zusammen mit Harissette ihren gemeinsamen Freund Clearance im Zufalls-Spiegeltriple zu schlagen, versetzten ihn in eine durchaus zufriedene Stimmung.
Byll lehnte sich zurück, schloss für einen Moment die Augen und sehnte sich den baldigen Feierabend herbei.
Odgen, ehem. US-Bundesstaat Utah
Matthew Drax konnte die leere Halterung im Trilithiumreaktor der RIVERSIDE noch so lange anstarren – der Energie spendende Kristall, der sich dort eigentlich befinden sollte, war und blieb verschwunden. Dass es ihnen mit der im System verbliebenen Restenergie überhaupt gelungen war, den Zugang zum Gleiter zu öffnen, grenzte schon an ein Wunder.
„Tja“, sagte er und wandte sich von der Wartungsluke ab. „Im Moment fliegen wir wohl nirgendwo hin.“
Er sah in drei betreten dreinblickende Gesichter. Seine Gefährtin Aruula presste die Lippen aufeinander und rümpfte missmutig die Nase. „Warum sollte jemand unseren Start verhindern wollen? Niemand hat doch was davon, wenn wir länger bleiben.“
„So ganz stimmt das ja nicht“, murmelte Rulfan. Der Albino rieb sich die bandagierten Hände. Bei seinem zurückliegenden Abenteuer in New Peoria, bei dem sich die Siedlung aufgrund unglücklicher Umstände in ein Lavafeld verwandelt hatte, hatte er sich üble Verbrennungen zugezogen, bevor es Matt, Aruula und dem Archivar Worrex gelungen war, ihn und eine Frau namens Nadiin Rymer, die hier aus Odgen stammte, aus höchster Not zu retten.1)
„Die Gruppe, die wir verfolgen“, stimmte der Archivar Rulfan zu. „Vielleicht haben sie uns bemerkt und wollen so verhindern, dass wir ihnen nachfliegen.“
Matthew seufzte und schloss die Abdeckung wieder. Mit dem Rücken lehnte er sich gegen die Wandung des Gleiters. „Wer es auch war, er muss sich auskennen“, stellte er fest. „Hier wurde fachmännisch vorgegangen. Kein Anzeichen von roher Gewalt.“
„Was wiederum gegen die Krieger spricht, hinter denen wir her sind“, meinte Aruula. „Durch Feingefühl sind sie bislang nicht gerade aufgefallen.“
Rulfan hatte berichtet, mit welcher Brutalität die vier in New Peoria vorgegangen waren. Auf der Suche nach hohen Energiekonzentrationen hatten sie Menschen das Rückenmark und die Schilddrüse ausgesaugt, wie Spinnen, die das Innere ihrer Beute auflösten und sich einverleibten. Die Rücksichtslosigkeit, die später dazu geführt hatte, dass sich der geothermische Druck unter der Siedlung entlud, zeugte einmal mehr von Charakteren, die sich um nichts anderes kümmerten als um sich selbst.
Außerdem schienen sie über ungewöhnliche Fähigkeiten zu verfügen. Nicht nur, dass sie so ziemlich jede Form von Energie absorbierten; sie konnten außerdem Lebewesen miteinander verschmelzen und groteske Chimären erschaffen.
„Also, Vorschläge?“, fragte Matt. „Ich glaube kaum, dass jemand den Diebstahl beobachtet hat. Diese Freifläche ist zwar gut einsehbar, aber viel los ist hier nicht.“
„Eigentlich können wir uns keine Verzögerung leisten“, meinte Rulfan. Er hatte im Odgen Regional Medical Center vor Erschöpfung fast zwei Tage durchgeschlafen und war jetzt wieder voller Tatendrang. „Wir müssen hinter diesen vier Soldaten her, solange ihre Spur noch warm ist.“
„Wenn wir sie nicht finden, bekommen wir auch das Problem mit den Parallelwelt-Portalen nicht in den Griff“, insistierte Worrex. Die Kopftentakel des zwei Meter großen Wesens mit bronzefarbener Haut wanden sich wie Schlangen um seinen Schädel. „Was noch schwerer wiegt als die bisherigen Verluste.“
Matt wollte angesichts dieser Relativierung der Opfer schon zu einer Erwiderung ansetzen, aber im Grunde hatte Worrex recht. Die vier Menschen, hinter denen sie her waren, trugen nämlich den Schlüssel in sich, dem Auftauchen der Parallelwelt-Areale Einhalt zu gebieten.
Die Archivare hatten in einer fernen Zukunft ein aus Tachyonen, Prionen und Einzellern bestehendes Wesen kreiert, das dem Raum-Zeit-Lochfraß, den die Portale der Archivare verursachten, Einhalt gebieten konnte.
Das Wesen war in einer Stasiskapsel zu ihnen in die Vergangenheit geschickt worden – wo es die Vierergruppe gefunden und geöffnet hatte. Offenbar war das Wesen dabei auf sie übergesprungen. Mit den furchtbaren Konsequenzen, denen sie sich jetzt ausgesetzt sahen.
