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Alan Rickman ist einer der beliebtesten Schauspieler aller Zeiten und eines der bekanntesten Gesichter des Films – von seinem Auftritt als Bösewicht in »Stirb langsam« bis hin zu seiner vielschichtigen Darstellung des Professors Snape in »Harry Potter«. Seine Ausstrahlung sowie die geistreiche Art, die er in jede Darbietung einbrachte, ziehen das Publikum nach wie vor in Bann. Doch Rickmans Kunstfertigkeit beschränkte sich nicht auf die Schauspielerei. In den Tagebüchern, die er von 1993 bis kurz vor seinem Tod im Januar 2016 führte, fing er pointiert Außergewöhnliches und Alltägliches ein: authentisch, anregend, witzig und im richtigen Maße indiskret. Fans und Filmenthusiasten werden begeistert sein von diesen Aufzeichnungen, die uns hinter die Kulissen mitnehmen und uns überdies intime Begegnungen mit vielen seiner berühmten Kollegen ermöglichen.
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Seitenzahl: 734
Veröffentlichungsjahr: 2023
Alan Rickman
Alan Rickman
Meine Tagebücher. 1993 bis 2015
Herausgegeben von Alan Taylor
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Für Fragen und Anregungen
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Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.
3. Auflage 2024
© 2023 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Die englische Originalausgabe erschien 2022 bei Canongate Books unter dem Titel Madly, Deeply. The Alan Rickman Diaries. Copyright © The Estate of Alan Rickman, 2022. Introduction and selection copyright © Alan Taylor, 2022. All rights reserved.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.
Übersetzung: Dr. Maria Zettner, Oliver Lingner
Redaktion: Ulrich Korn
Umschlaggestaltung: Rafaela Romaya
Umschlagabbildung: Greg Gorman / Getty Images
Satz: Daniel Förster
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-7423-2447-4
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2217-0
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2218-7
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Einleitung
Die Tagebücher 1993–2015
Anhang: die frühen Tagebücher
Über die Autoren
Kinobesucher sahen Alan Rickman zum ersten Mal 1988 auf der Leinwand, und zwar in dem Action-Thriller Stirb langsam. Im Alter von 42 Jahren, nach Hollywood-Maßstäben also geradezu im Greisenalter, wurde er für die Rolle des Hans Gruber besetzt, eines deutschen Terroristen, der einen Wolkenkratzer in Los Angeles in seine Gewalt gebracht und Geiseln genommen hat. So weit wenig bemerkenswert. Die Erwartungen an den Film waren bescheiden, und die ersten Kritiken fielen gemischt aus. Dem Erfolg an der Kinokasse tat das allerdings keinen Abbruch, denn der verstärkte sich durch Mundpropaganda. Stirb langsam, mit Bruce Willis als New Yorker Polizeibeamter in der Hauptrolle, machte Zuschauer auf der ganzen Welt auf die Talente des Mr. Rickman aufmerksam, dessen verwegene Interpretation eines Psychopathen allen die Show stahl und gewaltige Lobeshymnen einheimste. Wie ein Kritiker später im New Yorker bilanzierte: »[Gruber] mag feine Anzüge, liest Illustrierte, zitiert Plutarch falsch. Niemand hat je so brillant desinteressiert dreingeschaut, während er ein Maschinengewehr abfeuerte oder einen Zivilisten exekutierte. In Rickmans Darstellung scheint Gruber einen eigenartigen Fatalismus zu besitzen, als ob er von Anfang an nichts anderes erwartet, als zu verlieren und zu sterben.«
Lord Byron scherzte, nach der Veröffentlichung seines Gedichtes Childe Harold sei er eines Morgens aufgewacht und habe festgestellt, dass er berühmt war. Das Gleiche könnte man von Alan Rickman und Stirb langsam sagen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich seine Karriere überwiegend in Großbritannien abgespielt, insbesondere bei der Royal Shakespeare Company, wo er im Jahr 1985 in Stücken wie Les Liaisons Dangereuses glänzte. Noch davor, nämlich 1982, stand er für die BBC in einem Mehrteiler nach Anthony Trollopes ersten beiden Barchester-Romanen vor der Kamera. Perfekt besetzt als Reverend Obadiah Slope, ein schmieriger Heuchler mit einem Lächeln, bei dem es einem kalt den Rücken hinunterläuft, bewies Alan, dass er auf der Leinwand ebenso zu Hause war wie auf der Bühne. Weltweite Berühmtheit mag eine Weile auf sich haben warten lassen, aber es konnte niemals ein Zweifel bestehen, dass sie ihn am Ende einholen würde.
Angesichts einer Stimme, die sogar noch dem Schwanken der Börsenkurse einen verführerischen Klang zu verleihen vermochte, und einer Vortragsweise, die hypnotische Gelassenheit verströmte, war nicht zu übersehen, dass Alan eine natürliche Begabung für die Schauspielerei besaß. Für ihn war sie mehr eine Berufung als ein Beruf, und er ärgerte sich über all jene, die sie achtlos abtaten, und war voller Hochachtung für jeden, der sein Leben in ihren Dienst stellte. Wie seine Tagebücher zeigen, ist die Schauspielerei kein bloßes Fluchtmittel – an sich schon bemerkenswert –, sondern ein Tor zu einem besseren Verständnis, was es heißt, ein Mensch zu sein.
Dennoch war es nicht von Anfang an sein Berufsziel gewesen. Geboren im Jahr 1946 im Londoner Arbeitervorort Acton, war Alan Sidney Patrick Rickman das zweite von vier Kindern – drei Jungen und ein Mädchen. Sein Vater Bernard war Fabrikarbeiter und starb, als Alan acht war. So musste seine Mutter Margaret, die als Telefonistin arbeitete, die Familie allein durchbringen. Alan besuchte die örtliche Grundschule und die Latymer Upper School, die auch die Schauspieler Hugh Grant und Mel Smith zu ihren Absolventen zählt.
Als er Rima Horton begegnete, war sie 15 und er ein Jahr älter. Beide waren begeisterte Amateurschauspieler. Nachdem sie mehrere Jahre befreundet gewesen waren, wurden sie um 1970 herum ein Paar und blieben für den Rest seines Lebens zusammen, ab 2012 als Ehepaar.
Nach der Schule schrieb sich Alan am Chelsea College of Art and Design ein, an dem er 1968 seinen Abschluss machte. Er arbeitete ein paar Jahre lang als Grafikdesigner, bevor er ein Stipendium für die Royal Academy of Dramatic Art (RADA) erhielt. Auf der RADA, wo man in ihm einen der besten Studenten seines Jahrgangs erkannte, stellten sich schließlich die Weichen für sein zukünftiges Leben. Wie er es im Jahr 1974 formulierte: »Gute Schauspielkunst trifft ein Publikum immer mit der Wucht und Einzigartigkeit einer gut gezielten Bombe – man spürt in dem Augenblick nur die Explosion oder die Abfolge von Explosionen –, hinterher kann man dann immer noch die Zerstörung betrachten oder sich Gedanken machen, wie eine Bombe hergestellt wird.«
Alan absolvierte seine Lehrzeit im Repertoiretheater, in Städten wie Sheffield, Birmingham, Nottingham und Glasgow, wo er seine Kunst vervollkommnen und Erfahrungen sammeln konnte. Es war sein Gegenstück zu einem Schweizer Pensionat und gab ihm eine solide Grundlage, auf der er aufbauen konnte. Es bedeutete überdies, dass er auch nach dem Aufstieg zum Star nie den Kontakt zu seinen Wurzeln oder die Bodenhaftung verlor. Nach dem Erfolg mit Stirb langsam war er heiß begehrt. Zuerst kam Robin Hood – König der Diebe, in dem er unvergesslich bleiben wird als Sheriff von Nottingham: »Das war’s. Streicht die Küchenabfälle für die Aussätzigen und Waisen, keine barmherzigen Enthauptungen mehr, und sagt Weihnachten ab.«
Stets darauf bedacht, nicht auf ein bestimmtes Rollenfach festgelegt zu werden, vor allem nicht auf das des Bösewichts, spielte er seine nächste Rolle in der romantischen Komödie Wie verrückt und aus tiefstem Herzen neben Juliet Stevenson. Sie war eine von mehreren Schauspielerinnen, die er zu seinen engen Freunden zählte. 1995 trat er in Eine sachliche Romanze auf, einer Adaption von Beryl Bainbridges Roman mit demselben Titel, sowie in Sinn und Sinnlichkeit, das Emma Thompson von Jane Austens Klassiker adaptiert hatte. Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall, eine Parodie auf Star Trek, die inzwischen Kultstatus erworben hat, verlangte von ihm, einen Alien zu spielen, während er in Dogma ein Engel war, aus dem Gott spricht. Seine Vielseitigkeit war sein größtes Kapital. Andere Rollen waren Rasputin, Anton Mesmer, Éamon de Valera und Hilly Kristal, Besitzer des legendären New Yorker Punkrock-Klubs CBGB. Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts war zu einem großen Teil der Harry-Potter-Reihe von acht Filmen gewidmet. Alan spielte darin Severus Snape, den für seine Griesgrämigkeit berühmten Professor mit dem schlagfertigen Witz, eine Rolle, mit der er bald identifiziert wurde und die das Durchschnittsalter seiner wachsenden Fangemeinde erheblich herabsetzte. Als meine achtjährige Enkeltochter erfuhr, dass ich Alans Tagebücher herausgeben würde, war sie – eher untypisch für sie – entsprechend beeindruckt.
Wie die Tagebücher zeigen, war Alan stets bestrebt, sich auszutesten, und nur selten schlug er dafür den leichten Weg ein. Er legte die Latte hoch, und wenn er einmal fünf gerade sein ließ, dann nur mit zusammengebissenen Zähnen. Er verlangte sich selbst nicht weniger ab als allen anderen. Ein anschauliches Beispiel ist die Inszenierung von Antonius und Cleopatra im Jahr 1998 am National Theatre mit Helen Mirren als die verführerische Femme fatale vom Nil und Alan als ihr berauschter, vernarrter Liebhaber. In einem anderen Leben hätte er sich durchaus der Regie verschreiben können. Seine Inszenierung von Sharman Macdonalds Drama The Winter Guest zählte er, als Theaterstück wie auch als Film, zu seinen größten Leistungen. My Name Is Rachel Corrie war ein weiteres dieser Highlights. Das Stück, das Alan zusammen mit der Journalistin Katharine Viner schrieb, beruhte auf den Tagebüchern und Briefen der Titelheldin, die bei einem Protest gegen die Zerstörung palästinensischer Häuser von einem israelischen Bulldozer überrollt wurde. Am Vorabend der Verlegung der Inszenierung nach New York wurde es wegen angeblicher antiisraelischer Untertöne, die Alan vehement bestritt, »bis auf Weiteres verschoben«. Weniger kontrovers war der Film Die Gärtnerin von Versailles über eine Gärtnerin (Kate Winslet), die König Ludwig XIV. von Frankreich (Alan) in seine Dienste nimmt. Nach einem langen Reifungsprozess kam er 2014 endlich in die Kinos.
Angesichts einer solchen Erfolgsbilanz möchte man fast meinen, dass Alans Hingabe an seine Arbeit alles andere in den Schatten stellte. Weit gefehlt. Seine Familie und seine Freunde waren ihm ungeheuer wichtig, und er war bekannt für seine Geselligkeit, seine Gefälligkeit, Aufrichtigkeit und Großzügigkeit. Sollte jemand den Versuch unternehmen, für ein Essen zu bezahlen, wurde er beharrlich mit zwei Worten zurückgewiesen: »Harry« und »Potter«. Es kam selten vor, dass er nicht zum Essen ausging. Wenn er sich nicht in London aufhielt, war er häufig in New York, dort besaßen Rima und er ein Apartment, oder in der toskanischen Stadt Campagnatico, wo sie ein Haus restaurierten. Beliebte Urlaubsziele waren die Karibik und Südafrika. Stand er nicht gerade selbst auf der Bühne, war er eifrig darauf bedacht, sich die Vorstellungen anzusehen, in denen seine Zeitgenossen auftraten. Er hatte die Angewohnheit, sich dabei Notizen zu machen und Ratschläge zu erteilen, die überwiegend so aufgenommen wurden, wie sie auch gemeint waren. Brian Cox erinnerte sich, dass Alan ihm während der Aufzeichnung der Fernsehadaption von Zolas Thérèse Raquin erklärte: »Du bist etwas langsam in der Aufnahme deiner Stichworte.« »Alan«, erwiderte darauf Cox, »ist dir bewusst, wie lange du gebraucht hast, um das zu sagen? Du nennst mich langsam? Du – du bist darin der Meister.«
Solche Zeugnisse sind zahllos, und das Gleiche gilt für die Zuneigung, die Alan weckte. Man darf nicht außer Acht lassen, dass die kritischen Anmerkungen, die er gelegentlich in seinen Tagebüchern über seine Freunde macht, liebevoll gemeint sind. Im Übrigen können wir getrost davon ausgehen, dass er das, was er aufschrieb, der betreffenden Person auch ohne Weiteres ins Gesicht gesagt hätte.
Warum er Tagebuch führte, ist unklar. Tagebuchschreiber gibt es in allen Variationen, und ihre Gründe, ihr Leben aufzuzeichnen, sind nicht minder vielfältig. Manche Menschen wollen weltbewegende Ereignisse schriftlich festhalten, während es anderen genügt, ausführlich von vermeintlichen Banalitäten zu erzählen, die aber mit der Zeit bleibende Bedeutung erlangen. Wir wissen nicht, ob Alan gern seine Tagebücher veröffentlicht gesehen hätte. Auf jeden Fall hat er Einladungen bekommen, Bücher zu verfassen, die sich auf das darin enthaltene Material hätten stützen können. Wir können jedoch mit Gewissheit sagen, dass es, nachdem er erst einmal mit dem Führen eines Tagebuchs angefangen hatte, für ihn zu einer Sucht wurde. Von 1972 an führte er einen Taschenkalender, in dem er Verabredungen, Jahrestage, Premieren und Adressen notierte; 27 davon existieren noch. 1992 fing er mit einer sehr viel umfangreicheren Aufzeichnung seiner Erlebnisse und seiner Arbeit an und kaufte im örtlichen Schreibwarenladen Notizbücher, die ihm eine Seite pro Tag zur Verfügung stellten. Sie zählen insgesamt 26 Bände, von denen mehrere farbenfroh und kunstvoll illustriert sind. Darüber hinaus existiert ein Büchlein, geführt von Mitte der 1970er- bis Mitte der 1980er-Jahre, in das er schrieb, wann immer er den Drang dazu verspürte. Seinen letzten Eintrag machte er am 12. Dezember 2015, als er bereits wusste, dass er nicht mehr lange zu leben hatte.
Madly, Deeply ist ein Auszug von mehr als einer Million Wörtern. Es erzählt davon, was es bedeutete, einer der am meisten gefeierten und bewunderten Schauspieler in den Jahrzehnten unmittelbar vor und nach dem Anbruch des dritten Jahrtausends zu sein. Es gibt Höhen und Tiefen, begeisterte Kritiken und schlechte, Aufführungen, die eine wahre Freude waren, und andere, bei denen es schien, als wäre alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen konnte. Nach dem Applaus und den Zugaben zog sich Alan für gewöhnlich in ein bevorzugtes Stammlokal zurück, wo er sich, umgeben von Freunden und Schauspielerkollegen, spätabends entspannte und über das soeben absolvierte Stück und die noch folgenden nachdachte. Durch die Lektüre dieses Buches sind wir so nah dabei, wie es nur möglich ist, und lernen ein bisschen etwas vom wahren Alan Rickman kennen. Was für ein Privileg, Zeit in seiner Gesellschaft verbringen zu dürfen.
Alan Taylor
Patrick Caulfield – Richard Wilson – Lake District – Radio Sussex – Berlin – Riverside Studios – Mesmer – Peter Sellars’ Die Perser, Salzburg – Neil Kinnock – Wien – Steve Reich – Schlaflos in Seattle – Wien – Mesmer – Berlin – Ungarn – Paris – Künstlerdemo – Felix-Filmpreise – Karibik
13. Juni
Für Freunde gekocht – ein behagliches Vergnügen.
13 Uhr. Michael G., Christopher und Laura Hampton, Danny und Leila Webb, Jane und Mark und Rima und Lily.
Die Sonne ließ sich blicken, also raus in den Garten.
20. Juni
Patrick Caulfield [englischer Maler] sagt, er hasst das Malen, aber damit verdient er seinen Lebensunterhalt. »Der Horror, in dieses kleine Zimmer zu gehen. Muss was machen. Egal was. Irgendwas.«
21. Juni
Wieder zu Hause, schalte BBC2 ein – Pina Bausch1. Das Original. (Nach dem zigsten Artikel in The Face über angesagte Nachwuchsstars.) Sie besitzt eine so anmutige, entschlossene Wahrhaftigkeit. Und Robert Lepage2 huldigt ihr. War zu erwarten.
23. Juni
Gg. 12 Uhr Midland Bank wegen möglichem Hauskauf.
Gg. 13 Uhr David Coppard [A. R.s Steuerberater]: Filme, Steuer, Absprachen, Auslagen. Wie bewahrt er sich nur seinen Charme?
Gg. 16 Uhr Belinda Lang & [ihr Ehemann] Hugh Fraser – Lilys Geburtstag. Aber sie ist krank. Anscheinend habe ich am Wahltag Elaine Page verärgert. Meine gedankenlose Grobheit mal wieder.
24. Juni
Fertig mit Christopher Hamptons Nostromo-Drehbuch. Wie kriegt man so ein Buch in einen Film gepackt? Vielleicht hat er es ja geschafft … Keine Ahnung.
Ein Vormittag am Telefon – wie selten sind doch echte Gespräche. Fast immer nur der Wunsch, ein bewegliches Ziel zu präsentieren.
12 Uhr. Fitnessstudio. Weiß nicht so recht.
16 Uhr. Mit Mum zu den Goldsborough Apartments. Sie ist ein tapferes Mädchen. Komme mir vor, als würde ich sie drängen. Ist vielleicht doch nicht die optimale Lösung.
25. Juni
→ Das Fitnessstudio.
Echt harte Arbeit.
Nachmittag. Spreche mit Christopher über Nostromo, Sunset Boulevard – Andrew Lloyd Webber vor ein paar Tagen völlig aufgelöst. »Ich verschiebe um sechs Monate und hole mir Hal Prince.« Trevor Nunn sagt, ich brauche 30 Sek. Dialog in dieser Szene. »Worüber?« »Egal.«
26. Juni
18 Uhr. Coliseum. Macbeth … Eigenartige Mischung aus argentinischem Faschismus & Dr. Finlay’s Casebook3.
Peter Jonas4, David Pountney [Opernregisseur] & Mark Elder [Dirigent] sagen alle Au revoir [zur English National Opera]. Sitze zwischen frenetisch applaudierenden Torys, obwohl mir diese Welt fremd ist. Jonas hielt eine Rede über die Kunstszene & den NHS. Ich hätte gern geklatscht. Das Publikum wurde ein bisschen verhalten. Das Schweigen des Dissenses.
28. Juni
Wettlauf gegen die Zeit. Lese Drehbücher vor dem Lunch mit Belinda und Hugh – unter Schock, weil ihre Nanny gekündigt hat, aber wie immer stellt Belinda ein köstliches Essen auf den Tisch, tadellos und auf die Minute, obwohl man ihr um 11.30 Uhr gesagt hat, Lunch ist um 12.30 Uhr, nicht um 13 Uhr. Sie war krank und im Studio und sieht umwerfend aus.
22.30 Uhr. Schlaflos in Seattle – Nach der Hälfte denke ich: »Ich hab da mitgespielt«.5
1. Juli
Dinner mit Richard Wilson – wundervolles Essen im »L’Accento« – Something unter Dach und Fach.
Anruf von Carol Todd … Heikle Phase in Riverside.
Anruf von Roger6. Er ist, sagen wir mal, nicht sehr zuversichtlich.
2. Juli
3.40 Uhr. Bin wach und versuche, wenigstens eine nennenswerte Gemütsbewegung auszumachen, die diese Schlaflosigkeit rechtfertigt. Der Traum handelte davon, dass ich nachts den eigenen Flur entlangging und versuchte, im Dunkeln nur mit den Händen den Grundriss auszumachen – dabei waren Türen, die hätten verschlossen sein müssen, es nicht.
(Notabene: Dem nächstbesten Amateurpsychiater übergeben.)
4. Juli
Vormittag. Fahrt durch den Lake District zum Ruskin-Haus.
Gg. 17 Uhr Fähre zurück über den See.
18.58 Uhr. Nach Euston.
Wirklich schön, Roger und Charlotte Glossop7 wiederzusehen und jetzt auch ihre wunderbaren, liebenswerten Kinder.
Sie hatten eine unverfälschte, schlichte, wohlwollende, offene Einstellung zur Arbeit und zum Leben. Kein bisschen Blendwerk oder Eigensucht. Sie haben sich ihren Traum ermöglicht und leben ihn. Und geben ihn an andere weiter. Was für eine Wohltat nach dem ganzen Mumpitz in dieser Woche.
5. Juli
12 Uhr. Juliet Stevenson trifft ein – großes Trara um verlorene Schlüssel, Unmöglichkeit, Männer ans Telefon zu bekommen etc. – mit anderen Worten: wie immer zu spät.
Aber es macht Spaß, mit Lichtgestalten wie diesen beiden die Show durchzugehen.
Juliet wurde natürlich zwangsrekrutiert.
6. Juli
15.30 Uhr. Interview für Radio Sussex – der Grund, warum ich sie nicht mehr machen will. Ein Mann, der von »Paddys« spricht und meint, Einmannshows wären die Rettung des britischen Theaters.
8. Juli
15.30 Uhr. Flug nach Berlin.
Lance [W. Reynolds, Produzent] mit im Flugzeug, Wieland [Schulz-Keil, Produzent] fährt mich zum Hotel und dann zum Restaurant. Ich kann mich bei ihnen nicht entspannen; ich trete die ganze Zeit über energisch auf, bis sie unterschreiben.
9. Juli
Anprobe bei Birgit [Hutter, Kostümbildnerin] – entpuppte sich gleich als Engel voller richtiger Vorschläge. Perücken und Make-up müssen gut rauskommen.
17.05 Uhr. Flug nach London.
Gg. 19 Uhr mit Drehbuch zu Mary Elizabeth Mastrantonio, und Pat O’Connor8 will feiern; aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund fahren sie für eine Woche nach Irland (sind doch gerade erst hier angekommen).
14. Juli
Manchmal scheint es vom Schicksal so vorgesehen, dass bestimmte Tage ruhig und friedlich sind und andere der helle Wahnsinn.
9 Uhr. David liefert ein Bücherregal ab und repariert einen Schrank, Steve kommt, um die Stereoanlage anzuschließen, Janet kommt sauber machen, Ruby [Wax] mit ein paar Outtakes, und das Telefon läutet und läutet und läutet.
Wenn es nicht der Riverside-Lunch ist; es ist kein Riverside-Lunch, es ist ein Abendessen. Ob ich das Rudkin9-Drehbuch gelesen habe. Können wir nach Stroud fahren? Wer ist dabei und wer nicht?
20 Uhr. Abendessen mit Louise Krakower [Filmproduzentin].
21.50 Uhr. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Beinahe, wenn auch nicht ganz, Capra. Aber wohltuend.
15. Juli
Ein Tag, der faulen Zauber um Riverside auslöste. 19 Uhr im Eiltempo los mit dem Angebot. Jane [Hackworth-Young] hat entweder Mist gebaut oder uns in großem Stil in die Pfanne gehauen. Was verbirgt sich dahinter? Falls es Jules Wright ist, werde ich sie an den nächsten Marterpfahl nageln, den ich finden kann.10
16. Juli
Was Riverside angeht, abwarten. Dito Mesmer.
Ich glaube, Deborah Warner11 sieht das ganz richtig. Mach nur das, was du machen willst, werde zur Instanz – dann wirst du nach Salzburg eingeladen & kriegst Bruno Ganz, 200 Statisten und fünf Pferde für Coriolanus.
18. Juli
Zu Hause wartet die Telefonnachricht, dass Jules Wright Riverside gekriegt hat, und dann ein Anruf von Roger Spottiswoode mit den neusten Horrorstorys über Mesmer. Ist das irgendein Test? Welchen Sinn kann man der Situation um Riverside abgewinnen? Ich schreibe das nicht im Zorn (noch nicht – das kommt noch im großen Stil, wenn wir erst irgendwelche Unregelmäßigkeiten festgestellt haben), bin nur wie betäubt von dem endlosen Streben nach Mittelmaß und wie es in diesem Land gefördert wird.
19. Juli
Heute fast nur am Telefon.
Mesmer scheint wieder zu atmen. Ein Scheck wurde abgeschickt – war er unterschrieben? Falsche Schreibweise? Irgendwas muss ihn doch verzögern.
Jules Wright hat Riverside, nein, hat sie nicht, hat sie doch, wurden wir gelesen? Vielleicht ja nicht. Ist [Jane] H.-Y. eine Verräterin oder einfach nur machtbesessen? Jedenfalls kriegen wir es nicht, auch wenn wir nicht wissen, ob überhaupt Geld da ist, um das Ding zu führen.
20. Juli
Heute haben wir möglicherweise einen Etappensieg erzielt, und dafür sollte ich mitten in dieser ganzen Scheiße wohl dankbar sein.
Malcolm und Sweet Pea [Assistenten von Thelma Holt] waren so fokussiert und pragmatisch – es war rührend –, sie würden lachen, wenn ich ihnen das so ins Gesicht sagen würde.
Irgendwie haben wir das – bis jetzt – alles geschafft, all die Briefe, ohne Jules Wright mit Namen zu nennen. Dann kam Thelma zurück, und sofort ist das Zimmer mit Menschlichkeit und guter Laune erfüllt.
Wieder zu Hause, erfahre ich, dass J. W.s Angebot ganze vier Seiten umfasst. »Abgekartete Sache«, kommentiert Rima prompt. Ihre Gewissheit ist mitunter wirklich köstlich.
Gg. 22.30 Uhr – »Billboard Cafe«. Juliet [Stevenson], Mary McGowan, Lindsay Duncan & [ihr Ehemann] Hilton McRae. Sie mit dem aktuellen Stand vertraut zu machen, gibt Fokus, Halt & Entschlossenheit. Geduld, Geduld, Geduld.
Irgendwann mittendrin setzt Mesmer seinen irren Kurs fort. Faxe, Anrufe, Beschwörungen, Versprechen, Forderungen. Fragen. Irgendwie keine Antworten. Plus: Man bietet mir 50 000 £ die Woche für eine Rolle in Slice of Sat. Night12 im West End. WAHNSINN WAHNSINN WAHNSINN.
21. Juli
Noch mehr Anrufe.
Beantwortung von Briefen.
Thelma wurde energisch.
Time Out stöbert weiter herum.
Michael Owen13 zieht sich zurück.
Andreas [A. R.s Personal Trainer] zeigt mir ein entmutigendes neues Fitnessprogramm.
22. Juli
Ins Fitnessstudio und dann mit Arwen zum Lunch – »Café Tempo«, King’s Road. Komme noch nicht so ganz damit klar, wie leicht mir das Treppensteigen fällt und wie schwer es für sie ist. Das Bild, wie sie da auf dem Taxiboden auf der Nase lag, werden wohl weder sie noch ich je vergessen. Gott sei Dank konnten sie, ich und der Taxifahrer noch darüber lachen.
23. Juli
26. Juli
Und Riverside brodelt weiter …
Ein Leserbrief von einem Freund von J. W. im Standard. Schreibe die Erwiderung im Flugzeug. Zeigt mal wieder, wie schnell es gehen kann. Die Aussicht auf Peter Sellars’14 Inszenierung von Die Perser, ein überraschendes »Ja«, ein paar Telefonate, und schon bin ich samt Reisetasche aus der Tür und auf dem Weg. Nach Salzburg.
Die Fahrt nach Heathrow ist wirklich das Beste.
Dann nach München, cooler Hightech-Airport. 160 Kilometer Flughafenkorridor später, und da steht ein Fahrer. 100 £ später und ich bin in Salzburg zur letzten ½ Stunde von Die Perser. Jetzt präge ich mir fotografisch jede Sekunde im Gedächtnis ein, damit es sich doch noch gelohnt hat. Am Ende taucht Fifi [Fiona Shaw] auf. Es ist immer schön, sie zu sehen. Sie ist ein großes Ja zum Leben.
27. Juli
Zum Festspielhaus für Coriolanus. Atemberaubender Spielort. Hildegards15 Modell jetzt in voller Größe, unglaubliches Format. Plötzlich der seltsame Wunsch, Teil davon zu sein. Und das sind wir in der dritten Reihe auch beinahe. 200 Statisten, Pferde, Flammen; episch, aber auch vieldeutig. Bruno Ganz ist ganz nach meinem Geschmack. Wirkt gar nicht wie ein Schauspieler. Auf der Party lerne ich ihn kennen. Schüchtern, höflich, still, schmächtig. Natürlich. Peter Stein16 – eine ganz eigene Liga. Wie Deborah feststellte. Mutige Inszenierung. Kleinmütiges Publikum.
28. Juli
Deborah und Fiona Shaw haben definitiv zu ihrer vollen Stärke gefunden. Aber irgendwo ist auch eine gewisse Panik zu spüren – was machen sie daraus? Gerüchte über Steins Aggressivität, wenn er mit Deborahs Unabhängigkeit konfrontiert wird.
Scheiß auf die Diät – Bratwurst, Kartoffelbrei und Sauerkraut zu Mittag. Mozart-Museum – das Mädchen, das die Instrumente spielt, tut so, als spräche sie nur schlecht Französisch, um uns damit zu überraschen, wie gut sie es kann. Und Englisch auch.
Treffe im Theater auf Fifi und Deborah. Trinken zusammen Tee. F. macht sich Gedanken über ihre Hamlet-Inszenierung, ihre Filmkarriere, unseren Agenten, das Stück, in dem sie im National Theatre auftreten wird. Ich kann die Bedenken teilweise verstehen, aber was für eine Vergeudung ihrer außerordentlichen Energie. Spreche darüber und über noch anderes auf dem Rückflug mit Catherine Bailey. Eine bemerkenswerte Frau. Nimmt kein Blatt vor den Mund, hat aber auch ein großes Herz. Wieder zu Hause. Ist das alles wirklich passiert?
29. Juli
Zu Hause warten Artikel in Time Out und im Evening Standard. Alle sehr motivierend und fokussiert. Wenn all die Motivation und der Fokus auf die andere Seite des Flusses gelangen können, wunderbar. Weiter so.
Jurassic Park – worum, zur Hölle, geht es da eigentlich? Große Dinosaurier.
→ 20 Uhr. Lust mit Denis Lawson. Erinnerte mich stark an Lock Up Your Daughters von 1974. Hier sogar noch weniger Regie.
30. Juli
Mit Stephen Tate gesprochen – Observer. Nach Gesprächen mit Journalisten fühle ich mich immer mulmig und ein bisschen wie diese Eingeborenenstämme, die sich nicht fotografieren lassen möchten, weil sie damit ihre Seele verkaufen. Aber heute habe ich ein starkes Gefühl von Schicksalhaftigkeit.
31. Juli
Aus einem Traum aufgewacht, in dem Rima und ich eine Woche in einem entlegenen Cottage Urlaub machen. Um dorthin zu kommen, müssen wir zuerst mal über ein schlammiges Feld zu einem Bauernhaus stapfen – auf der rechten Seite eine Art Hühnerstall. Wir sind angewiesen, die Hühner von der Matratze zu scheuchen, auf der sie herumlaufen, diese dann auszuklopfen und mit zum Cottage zu nehmen. Als wir näher kommen, hören wir Après-Sex-Gekicher. Wir spähen hinein. Dort im Stroh liegt ein Paar von 75 Jahren, vollständig bekleidet, aber grinsend, zwischen den Hühnern und Eiern.
Übe mit Tara Hugo [amerikanische Sängerin und Schauspielerin] für ihre New Yorker Premiere. Ich liebe solche Verwandlungsprozesse – oder vielleicht geht es ja auch nur darum, ein großes Talent gezielter ins Rampenlicht zu rücken. Auf jeden Fall ist der Prozess mir ein Rätsel. Woher kommt die Einsicht? Zum Teil ist es sicher kumulativ, aber das meiste ist ein nach wie vor in Nebel gehülltes Geschenk.
1. August
Riverside-Bericht im Observer – schludriger Journalismus, sodass die Standpunkte unverblümter rüberkommen, als es hätte sein sollen.
3. August
10.30 Uhr. Zu ICM [Talentagentur], um Deal-Memo zu unterschreiben. Ich wünschte, bei diesen Dingen würde mehr der gesunde Menschenverstand zum Tragen kommen – ist doch peinlich, dass man Diskussionen darüber führen muss, wie bekannt der eigene Name ist, ob sie für die Wäscherei bezahlen, wie viele Flaschen Evian-Wasser und solcher Blödsinn. Falls sie mich natürlich übers Ohr hauen wollen …
Dann gehen Rima und ich für ihre Jamaikareise einkaufen. Beköstige sie fortwährend und besorge uns regelmäßig einen Kaffee, und es macht Spaß in Knightsbridge.
5. August
Kristin Milward [alte Freundin von der RADA] kommt zum Lunch. Ich finde, es wird Zeit für etwas Drastisches. Wenn es keine Zauberpille gibt, sollte sie vielleicht mal in einem anderen Land arbeiten. England weiß ihre Qualitäten nicht zu würdigen.
8. August
Sehe mir zu Hause den letzten Teil von Kinnock an. Neil muss sich nicht als Versager fühlen. Der gleiche Instinkt, der mir sagte, dass er die Wahl am 9. April verlieren würde, lässt mich auch erkennen, dass dieses Land eine so niedrige Gesinnung ausgebildet hatte – eine Weigerung, wie unausgesprochen auch immer, an die Probleme anderer zu denken –, dass der Wind sich drehte und er nichts mehr hätte tun können. Er hat mit dem größtmöglichen persönlichen Opfer anderen den Sieg ermöglicht.
Livingstone17, Skinner18 u. a. haben unrecht, denn sie sind so von der Politik aufgefressen, dass sie nicht mehr wirklich den Finger am Puls der Zeit haben. Ihre Professionalität hat ihnen ihre Ursprünglichkeit genommen.
9. August
Um 16 Uhr zu Thelma ins Büro für ein Vorabgespräch über Riverside, bevor N. N. eintrifft. Anwesend – Thelma, ich, Claire, Margaret Heffernan19 und später noch Catherine Bailey. Wir besprechen mögliche Herangehensweisen, und Margaret ist klar und präzise wie eh und je. Es klingelt an Türen, Leute kommen und gehen, ohne aufeinander zu achten, was eindeutig der Zweck der Übung ist, wenn nicht gar der Plan. N. N. sagt de facto: Nehmt uns Riverside ab, und es gehört euch – wenn ihr ohne Subventionen und mit einer nur symbolischen Miete zurechtkommt. Er ist Buchhalter. Theatergeschichten (Thelma!) zünden bei ihm nicht. An einem Punkt sitzen wir Pläne schmiedend um einen unsichtbaren Hexenkessel, als Ian McKellen den Kopf zur Tür reinsteckt. Thelma rekrutiert ihn prompt und verrät um ein Haar zu schnell zu viel.
10. August
Nach Wien zur Kostümanprobe, und ich habe nicht mal Einwände erhoben. Hätte ich machen sollen.
Kaffee und Zitronenkuchen in einem berühmten österreichischen beziehungsweise Wiener Kaffeehaus.
Zurück nach London.
12. August
Vernichtender und ziemlich beispielloser Bericht im Standard bzgl. Riverside. So viel zum Thema Gelingen.
15 Uhr. Gespräch mit Roger & Gillian20 über das Drehbuch. [Dennis] Potter möchte nur ungern umschreiben.
15. August
Den ganzen Nachmittag – das simple, aber mühselige Vergnügen, ein Blumenbeet anzulegen.
16. August
19.45 Uhr. Gormenghast – Lyric Theatre.
Wundervolle Sachen, aber kein Wunder, dass ich das Buch nie gelesen habe. Für Fans.
17. August
15 Uhr. Arzttermin zum Check-up für Filmversicherung. Paradox bei dieser starken Erkältung. Er bringt mich aus dem Konzept mit seiner Frage, welche Figur ich am allerliebsten spielen würde. Darauf gibt es keine Antwort, denn wie immer hängt alles vom Drehbuch ab.
19. August
Ein Anruf von Peter James [Theaterregisseur], der ein paar Ansagen für die morgige Riverside-Vorstandssitzung hören möchte. Seltsam, einem alten Freund nicht alles sagen zu können.
20. August
20.30 Uhr. Royal Festival Hall mit Belinda Lang und Mary Elizabeth Mastrantonio zum Steve-Reich-Konzert. Fürchtete schon fast irgendeine esoterische Kapriole – entpuppt sich aber als Denkanstoß in vielerlei Hinsicht. Von wie vielen Musikstücken kann man schon behaupten: »Es hat mir den Nahostkonflikt wirklich veranschaulicht«?
Belinda hatte sich bereits im Geiste eine Liste mit Dingen angelegt, über die sie nachdenken wollte, wenn es zu schrecklich gewesen wäre.
21. August
20 Uhr → Lindsay Duncan & Hilton McRae mit R. & Robin Ellis21 & Caroline Holdaway [Möbeldesignerin] & Fatima[h Namdar, Fotografin]. Muss wohl ein wunderbarer Abend gewesen sein – denn als wir wieder gingen, nachdem wir toll gegessen, geredet und geredet und dann um das Klavier versammelt Dylan etc. gesungen hatten, war es 3 Uhr morgens.
22. August
Verlasse das »Caprice«, um ein Taxi zu finden, und spiele Katz und Maus mit einem Fotografen, der eindeutig auf ein besoffenes Bild aus ist. Er hat auf jeden Fall einen angenervten Hinterkopf von mir.
23. August
Vormittag – und jetzt ist es William Burdett-Coutts wegen Riverside. Er will reden. Okay, aber an diesem Punkt – worüber? Solange dieser Vorstand noch im Amt ist …
Pat O’Connor kommt vorbei – ich habe noch mal mit Christopher Hampton über Carrington gesprochen und weiß wirklich nicht, ob ich es machen soll oder nicht.
Um 20 Uhr nach Hampstead für Marvin’s Room mit Allan Corduner22 und Dalia23. Wieder so eins von diesen amerikanischen Stücken, die geradezu darauf pochen, dass man etwas fühlt. Ich glaube nicht, dass sie dabei Ärger und Frust im Sinn hatten. Mein Kopf ist von dem Erlebnis total dicht. Alison [Steadman] & andere großartige Schauspieler durch grauenhafte Regie geschädigt.
24. August
13 Uhr. »Patio«, Lunch mit Diana Hawkins & Sue D’Arcy bzgl. Presse für Mesmer. Dieser Aspekt ist, so sagt man mir, notwendig. Und am Ende ist es auch demütigend. Nicht ihre Schuld – Schauspieler als Ware.
30. August
Gg. 10 Uhr wegen des [Notting-Hill-]Karnevals Absperrungen und keine Taxis → Kensington Hilton und erste Probe für Mesmer … Hürden im Drehbuch zu bewältigen, aber vielversprechend, wie oft Potter ins Schwarze trifft.
1. September
9.30 Uhr Probe.
Wenigstens Roger ist vollständig durchschaubar – wenn es ein Problem gibt, zeigt sich das an seinem ganzen Körper – und mit Mayfair24 etc. gibt es Probleme …
2. September
20.15 Uhr. Laura Hamptons Wohnung. Champagner & Geschichten über Gemeinheiten innerhalb der Familie und dann weiter zu –
21 Uhr. Norma Heyman [Filmproduzentin] – Schlaflos-in-Seattle-Party. Namen, Namen – Meg Ryan, Nora Ephron, Neil Jordan, Andrew Birkin25, Michael Caine, Alan Bates, Edna O’Brien, Stephen Frears, Lindsay & Hilton, Jon Robin Baitz26.
5. September
14.30 Uhr zu Mum.
Sie ist müde und urlaubsreif. Aber immer den Ball flachhalten. Ich bin auf dem Sprung nach Österreich – sie braucht einen neuen Adapter für die Nähmaschine.
6. September
13 Uhr. Vorsprechen für Figur mit dem heiklen Namen »Bosom« [dt.: Busen] – zwei von drei Schauspielerinnen erscheinen mit besonderer Betonung des Körperteils. Peinlich für alle Beteiligten.
14.30. Treffe auf Simon McBurney27 & Gillian Barge und Richard O’Brien. Simons Freund Johannes zeigt mir im Schnelldurchgang Wien & seine Kaffeehäuser. Und erzählt mir eine Begebenheit, als sieben Freunde Selbstmord begingen (drei von ihnen nacheinander bei einer Beerdigung).
8. September
Erster Drehtag Mesmer.28
Wir haben hier Slowaken aus Bratislava sowie Ungarn. Die Crew ist deutsch-ungarisch. Ich vermisse, dass ich keine Grobheiten austauschen kann. Bin auf die Rolle des Beobachters beschränkt. Abgesehen von anhaltenden Drehbuchverhandlungen.
11. September
Probe mit Schauspielern die »Geplagten«-Szene. Österreicher, Deutsche und Ungarn. Die Szene wird glücklicherweise an einen hilfreicheren Drehort verlegt.
Lunch mit Johannes und Simon, dann weiter zur Annie-Leibovitz-Ausstellung – sie ist eine sehr gute Grafikdesignerin mit einem noch besseren Adressbuch; ihre frühen Bilder von Eltern, Großmutter sind wesentlich interessanter. Hundertwasser29 allerdings ist ein hinreißender Künstler. Das Museum & die Wohnanlage sind ganz erstaunlich … Er schafft unebene Fußböden, um eine »Melodie für die Füße« zu erzeugen.
12. September
Haupttag der »Geplagten«-Szene. Zoff mit den Produzenten, die natürlich alles umsonst haben wollen – in diesem Fall die österreichischen Schauspieler (obwohl die Ungarn einen Hungerlohn bekommen, weil ihr Lebensstandard so viel niedriger liegt). Interessanterweise unterstellt man mir Erpressung – ich habe darauf hingewiesen, dass eine Tonnenlast moralischer Erpressung auf mich ausgeübt werde, zu spielen (ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich bislang ohne Gage arbeite).
Das klingt, als wäre die Atmosphäre düsterer, als sie ist – nein, so läuft das nun mal.
Die Arbeit ist anstrengend, aber ziemlich gut. Ich habe das Gefühl, einer von den Ungarn ist besser als die meisten von uns, wenn nicht sogar wir alle. Auf jeden Fall hat er den Anfang der Szene gerettet.
Besprechung in der Mittagspause mit Roger erzeugt unbehagliches Déjà-vu-Erlebnis – »Alan lässt sich nicht führen« – Howard Davies.30
Dinner im MAK – Roger Spottiswoode und Amanda Ooms31 haben eindeutig was laufen – ich hoffe nur, es bleibt alles im Rahmen.
13. September
Kussszene.
Zu sehr wie ein Werbespot – keine Gefahr.
Weitere Geplagte. Da sind einige fantastische Schauspieler in diesem Kreis – vor allem unter den Ungarn. Englische Schauspieler sehen einfach nicht so aus. Am liebsten würde ich mein Kostüm abgeben und sagen: »Ich möchte euch zuschauen.«
Eine interessante Diskussion mit R. S. & W. S.-K. Sie sagen: »Wunderbar! Wir haben dies, das & jenes geschafft«; ich sage: »Ja, aber komplett auf dem Niveau von Schauspielern« – nicht mit unserer »Konzentration und Körperbeherrschung« (es steht im Text, verdammt noch mal, lesen sie den denn gar nicht?).
14. September
Keine Fortschritte am Nachmittag, daher ist der Katzenjammer unvermeidlich. Ich möchte angeleitet werden, nicht angemeckert. (Aber ich muss wohl auch ein ziemlicher Albtraum sein mit meinen »Überzeugungen«.)
Rima ruft an mit der Nachricht, dass Harold Innocent32 am Wochenende gestorben ist. Ein Teil meines Lebens – und irgendwie ist es egoistisch, wenigstens sicher sein zu können, dass wir uns kürzlich noch getroffen und miteinander geredet haben.
15. September
Am freien Tag herbeizitiert worden … Auseinandersetzung mit R. S., die ich immer noch nicht ganz begreife. Die Szene ist so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte (mehr oder weniger jedenfalls). Bedeutet das, er hat nicht das gekriegt, was er wollte, oder hatte ich doch recht und mich nur nicht richtig ausgedrückt?
16. September
Lange Szene – äußerste Konzentration erforderlich. Jemand ist uns meteorologisch wohlgesinnt, wenn schon nicht finanziell. Die Sonne scheint, der Wind weht – wie bestellt. Eigentlich ein bisschen gruselig. Mesmer – hat er da seine Hand im Spiel? Der Kampf geht weiter, dass ich das nicht mache.
17. September
Vorerst letzter Tag in Wien.
Anfrage, für Vogue über Jules [Wright] zu schreiben. Ich weiß nicht recht. Was steckt dahinter? Dass man noch ehrlicher sein muss, wenn es gedruckt erscheint? Wieso?
Birgits Party – sie ist in jeglicher Hinsicht ein wahrhaft feiner Mensch. Aussehen, Geist, das ganze Paket. Fantastisches Essen. Einige gute Gespräche. Ein bisschen das Gefühl, von herabstürzenden Wespen, Mücken, Federn, Backsteinmauern etc. umgeben zu sein. Aber es war 2.45 Uhr, als ich zurückkam, also muss es gut gewesen sein.
Chris [Setdesigner] dachte, ich wäre 36. Ich habe ihn in dem Glauben gelassen.
19. September
Fliege nach Berlin, 19 Uhr. Laufe in der Stadt herum … Verlaufe mich … An Tagen wie diesen scharrt die Zeit ungeduldig mit den Füßen. Darauf wartend, woandershin zu kommen, und wenn man dort ankommt, weißt man nicht, wo man ist.
21. September
Zum … Frühstück mit Amanda, Gillian und Wallace Shawn33, den wir in der Lobby aufgabelten. Er gibt heute Abend eine Vorstellung im Berliner Ensemble. Er spricht auf seine stockende, vorsichtig formulierende Art von Osteuropa, von Menschen, die in Manhattan auf der Straße auf ihn zukommen und ihm Filmrollen in Amsterdam anbieten oder ihn bitten, ein Drehbuch zu lesen. Er erzählt von seinem Büro, das ihm jedes Mal, wenn er es betritt, ein schlechtes Gewissen bereitet – manche Drehbücher liegen da seit 86 –, und dass er rausgeht, um sich ein Blatt Papier zu kaufen, wenn er einen Brief schreiben muss – und er sagt, dass er niemals einen ungeplanten Schritt macht.
22. September
Wieder so ein Tag – ein bisschen zu anstrengend, etwas stressig –, ich bin immer wieder erstaunt, wie leicht ich mich darauf einlasse, statt dagegen anzugehen; es ist das Hund-Pantoffel-Syndrom. Schwierige Szenen am Vormittag, weil ein Schauspieler keinen wirklichen Ansatz hat und R. S. nicht einfällt, es ihm beizubringen.
Roger sagt mir, dass Wieland ihn von seinem Meeting in London aus angerufen hat – es waren 23 Anwälte anwesend, alle auf unserer Gehaltsliste. Wingate34 hat das Filmmaterial gefallen – soll uns das jetzt freuen oder ist es okay, wenn ich beleidigt bin, dass er es sehen wollte und auch durfte?
Dinner mit Gillian Barge – eine der größten Freuden bei diesem Film ist die Zusammenarbeit mit ihr (endlich) und dass ich sie näher kennenlernen kann.
23. September
Der Teufel ist heute herumgeschlichen und hat mich kribbelig gemacht. Müdigkeit ist ein Faktor, ebenso wie das Fehlen echter Diskussion, deshalb war es gut, dass Simon das heute Nachmittag vorangetrieben hat.
Der Wahnsinn muss auf den Punkt gebracht werden.
Heute Abend habe ich vor Wut geschäumt. Die Kollegin35 ist ermüdet von diesem oder jenem, also werden die Proben vorzeitig beendet. Keine Diskussion.
24. September
Es ist nicht richtig, wenn eine Schauspielerin wie Meissener Porzellan behandelt wird und nicht wie ein Profi.
Aber wir bringen eine Szene zu Ende und proben eine neue. Mit Ach und Krach. Aber wir schaffen es. Vorwärts.
27. September
Ein Tag am oberen Ende einer Treppe – um Simon [McBurney] runterzuwerfen beziehungsweise das Geländer hinunterzugleiten (und dabei meine Hose zu zerreißen).
Gg. 10 Uhr. Gillian war so spät erst fertig und muss früh wieder ran – ich muss mal mit jemandem reden. Das ist Sklaverei (Ausbeutung). Abendessen mit ihr und Jan Rubeš36, Tscheche, charmant und mag schmutzige Witze.
28. September
Ein Tag fast ganz für mich allein. Den Kurfürstendamm hinunter, um Schuhe zu kaufen (die falschen) und dann zum Savignyplatz, um weitere zu kaufen (die richtigen). Suche nach einem Ersatzteil für den Rasierapparat und dabei Deutsch gesprochen. Ein Foto von der Obdachlosen geschossen, die neben Unmengen von Müll (nicht ihrem) in Plastiktüten saß …
Gillian rief an, als sie vom Set zurück war – wir hatten Zimmerservice bei mir & sprachen von Stratford und Stratfordianern (und von ihrer Unfähigkeit, bei einer Probe mit P. Brook Ödipus zu buchstabieren).
29. September
Ich denke, am Set nennt man es einen relativ vergnügten Tag.
Ein Brief von Amanda – herzliche Worte. Eine hastige, aber ehrliche Antwort.
Nach der Arbeit in die »Paris Bar«. Gillian, Tom, Roger, Amanda, Simon.
(1) Es stehen schwierige Tage an nach diesem Drehbuch. (2) Zwischen diesen Leuten herrschen gegenläufige Tendenzen vor, die jede Miniserie sprengen würden. Oder eine Farce von Feydeau37.
1. Oktober
Am Ende ist einiges an sehr gutem Material im Kasten, aber es gab viele Streitereien. Ich habe gekämpft, getreten und gekreischt – beziehungsweise irgendeine mesmerische Kraft hat das Treten und Kreischen übernommen –, wie ich hoffe, als Protest gegen die Art, wie wir aufgefordert wurden, uns »anzustrengen«. Ich weiß nicht, wer recht hat und wer unrecht. Ich bin schwierig, launisch, wenig mitteilsam; andere sind gefühlsduselig, effekthascherisch, undiszipliniert. Aber am Ende ist es okay.
2. Oktober
Langer, schwieriger Tag. Die ganze Szene ist auf einen bestimmten Beleuchtungseffekt abgestimmt. Womit alles gesagt wäre.
Bei meiner Ankunft verkündete ich, heute wäre ich eine Marionette – ich würde mich vorbildlich benehmen. Spöttisches Gelächter.
3. Oktober
Ein freier Tag.
Ins Xenon-Kino, Das Piano mit Gillian & Tom.
Bis zur Hälfte hielt ich es lediglich für eine leicht unterkühlte, präzise Wiedergabe des Drehbuchs. Doch irgendwie zeigte es Wirkung. Holly Hunter war wunderbar. Das waren sie alle. Eine Inspiration und (momentan) eine Ehrenrettung. Ich beneide Tom um die kindliche Unschuld, mit der er hinterher auf der Straße weinte.
4. Oktober
19 Uhr. Hole die Tickets für die 19.30-Uhr-Vorstellung von A Clockwork Orange in der Volksbühne ab. Ich kann sehen, wo es Kritikpunkte geben könnte, aber sie [die Darsteller] sind so eindrucksvoll. Die Atmosphäre im Theater ist ziemlich aufgeheizt – die Schauspieler sind sehr häufig körperlich gefährdet; in regelmäßigen Abständen senken sich Eimer mit Wasser, Blut, Mehl und was weiß ich noch herab – und der Zorn über den ostdeutschen Ausverkauf ist nicht zu übersehen. Was zum Henker machen sie erst aus Lear und Othello?
5. Oktober
Fauler Zauber ist der alternative Titel für diesen Film. Wer zum Teufel sagt die Wahrheit???
Die gute Arbeit setzt sich fort. Allerdings auch die Gemeinheiten. Und die habe ich so satt.
Ein Interview mit Cinema stellt die Geduld etwas arg auf die Probe …
6. Oktober
Sitze den ganzen Tag vor dem Spiegel. Wie angestrengt ich unter solchen Bedingungen auch immer auf mein Gesicht schaue, ich sehe nie den ganzen Horror, den Fotografen einzufangen vermögen. Wie kriegen wir das herausgeschnitten? Ich durchforste meine Züge nach all den Unebenheiten, Kerben und Falten, die die Kontaktabzüge übersäen …
Ausraster am Ende des Tages – wurde dazu gedrängt, eine Szene zu spielen, ohne sie vorher proben zu können, und dann würgte man auch noch meinen Instinkt ab, statt ihm nachzugehen.
7. Oktober
Auf der Tonbühne neben uns wird Die unendliche Geschichte aufgenommen – was für eine Ironie.
18 Uhr. Party zum Ende des Berlin-Drehs.
– Schön, mal wieder zu tanzen.
Heute scheint mein Tag der kurzen Sätze zu sein.
9. Oktober
Spreche mit Rima, die Gute bringt mich immer zum Lachen.
10. Oktober
20.15 Uhr. Last Action Hero.
Ich bin ohne alle Vorurteile hingegangen, aber es ist ein sehr schlechter Film …
11. Oktober
Manchmal bleibt die emotionale Bindung an ein Werk unsichtbar, nicht selten für lange Zeit, bis es bedroht ist – und dann setzt eine völlige Bewegungslosigkeit ein – eine Art nervöser Erschöpfung senkt sich herab.
Ich war kurz etwas einkaufen, ging einen Kaffee trinken und in die Sauna, habe ein paar Leuten am Telefon zugehört – alle so defensiv, alle halten mit ihren eigenen Unwahrheiten hinter dem Berg.
13. Oktober
8.15 Uhr. Abfahrt zum 9.50-Uhr-Flug nach Wien und Weiterfahrt nach Sopron – Ungarn.
Die Freude an den neuen Weidegründen wird sehr gedämpft durch die mit diesem Job verbundenen Spannungen und Unsicherheiten – jeden Tag gibt es ein neues finanzielles Drama – werde ich jemals die Wahrheit hinter alldem erfahren? Doch die Stadt besitzt eine große, distanzierte Schönheit – sie weiß, dass sie schon ewig besteht, sie toleriert das 20. Jahrhundert mit seinen Teenagern samt Rucksäcken und Jeans. Sie kannte ja schließlich auch Glanz und Gloria.
Das Billard hat Spaß gemacht. Miss O. badet in Selbstverliebtheit, wo immer es geht. Was sind Freiheit und Persönlichkeit schon wert, wenn kaum Neugier da ist?
Auf der Straße kein Laut. Von Zeit zu Zeit Klempnerarbeiten im Hotel. Ein Hund bellt. Der Wind pfeift. Um 2 Uhr morgens hellwach. Warum muss ich idiotische Kämpfe um Hotelzimmer ausfechten?
14. Oktober
Sitze in einer Kutsche in der falschen Reihenfolge in der falschen Umgebung, und eine Szene, die an einem Stück gespielt werden sollte, wird in zwei Etappen gemacht.
Immer noch keine Antworten, immer noch keine Gewissheit. Und heute kein Essen. Die Stadt ist und bleibt wunderschön, das Hotel – vor allem das Bad – erinnert mich an Besuche bei meiner Großmutter. Damals gab es auch keine zusammenpassenden Handtücher. Andere Crewmitglieder haben weniger Glück – sie haben sich noch schnell Badelatschen für ihre Duschen gekauft.
Worum zum Teufel ging es eigentlich in diesem Jahr? Den Drang, Regie zu führen? Die Strafe scheint mir allmählich in keinem rechten Verhältnis mehr zum Verbrechen zu stehen.
15. Oktober
Eine Kutschfahrt mit einem Kutscher, der heute das Fahren gelernt hat …
Einige urkomische Momente. Lunch in einer Pizzabar in vollständigem Kostüm des 18. Jhs.
16. Oktober
Platsch! Die meiste Zeit des Tages mit dem Gesicht nach unten im Matsch. Auf eine seltsame Weise erfrischend.
17. Oktober
Heute war ein richtiger Sonntag in Sopron. Stille Straßen, Kirchenglocken. Keinen Ausflug mit dem Auto gemacht – ich war ganz artig und habe gearbeitet. Und bin spazieren gegangen – zum Friedhof. Ein sehr anrührender Ort – hier gilt die Familie alles. Die Armengräber mit ihren schlichten, selbst gezimmerten Holzkreuzen genauso eindrucksvoll wie die Granitplatten. An jeder Ecke Frauen. Sauber machend, pflanzend, die Erinnerung pflegend.
18. Oktober
Nass. Nass. Nass.
Kalt. Kalt. Kalt.
Kutschen, frierende Hände, Kranaufnahmen.
Kalte Bananensuppe zum Lunch.
Kürzere Tage, frühere Dunkelheit. Um 18.30 Uhr schon zu Hause.
19. Oktober
Caroline Holdaway und ich spielen die Ballszene. Nachdem ich um 3 Uhr aufgewacht und bis zur Abfahrt um 5.30 Uhr nicht mehr eingeschlafen bin, standen Gehirn und Mund auf Kriegsfuß miteinander. Und es regnete. Und Autos haben gehupt und Leute geredet. Aber wir haben es geschafft – Caroline durchgehend mit tadellosem Betragen und guter Laune. Ich nicht.
Catherine [Bailey] & die BBC-Crew [Late Show] treffen ein. Eigenartig, diese Vermischung von Freundschaft und Arbeit. Es bedeutet zusätzliche Kontrolle, aber auch zusätzliche Anforderungen.
Mit einer ganzen Clique zum Forum und dann zum Billardklub. Gespräch mit Roger – meine Selbstsucht bei der Arbeit macht mich sprachlos – Elemér38 hat diese Woche seine eigene Geschichte. Auch andere haben ihre wunden Punkte. Woher nehme ich nur diese schockierende Bestimmtheit?
20. Oktober
Überlege, was ich bei Omnibus oder anderswo sagen könnte – Das britische Theater (-Establishment) sitzt hinter dem Proszenium fest. Zum Großteil in der Hand von unausgebildeten, besserwisserischen jungen Regisseuren, die zwar Ehrgeiz, aber kein Herz und keine politische Überzeugung besitzen und, ob sie es nun merken oder nicht, von ihren Schauspielern und Designern zum Erfolg gesteuert werden. Sie besetzen nur nach vorgefassten Mustern, sodass für den Schauspieler keine echte Herausforderung besteht, dessen Darstellung von Anfang an vorhersehbar ist. Das trifft auf alle zu – ich würde liebend gern den Fehdehandschuh aufnehmen, wenn ihn nur jemand werfen würde. Nur wenige Menschen sind bereit, uns (Schauspielern) wirklich große Fragen zu stellen, ohne sich sicher zu sein, die Antwort bereits zu kennen.
21. Oktober
Der Tag ist der reinste Medienzirkus –
David Nicholson von The Times – stellt Fragen auf verführerische Weise – seine Schüler haben andere Kaliber – er wollte im Grunde nur Skandalgeschichten über religiösen Wahn.
Murray H. – machte Fotos. (Langweilige.) Nota bene Snowdon.
Jemand von Sight and Sound schnüffelt herum.
Die Crew bei der Jagd.
Wir spielen die Szene.
Außerdem streiten wir uns lauthals darüber, dass die Komparsen Brötchen zu Mittag bekommen. Am Abend wurde das Essen ordnungsgemäß serviert.
22. Oktober
Ein Bringen-wir-es-hinter-uns-Tag, durchzogen von Amandas Trübsinn und Erschöpfung – Blanche DuBois in verschwommener Ferne.
Die BBC-Crew filmt und filmt. Bis 2 Uhr, als wir wieder zur Billardhalle gingen.
23. Oktober
Ins »Hilton« zum Filmball.
Grausig. Das sind solche Sachen immer, abgesehen vom Leutebeobachten. Stieß auf David Thewlis, lernte Julie Brown39 (Raining Stones) kennen. Oasen in einer sehr lärmigen Wüste.
24. Oktober
Mein Rücken bringt mich um. Sieben Wochen wachsende Anspannung machen sich schließlich bemerkbar.
25. Oktober
Wieso habe ich geträumt, ich hätte einen Samstagsjob bei Woolworth angenommen??
26. Oktober
Der Diva-Quotient hat sich erhöht. Allerdings nicht die Zahl der ungarischen Schauspielerinnen. Dem Westen sei Dank, mal wieder. Die Ungarn bringen sich als Erste ein. Wie unorganisch und zeitraubend der Prozess auch sein mag.
Später im Forum werden wir alle lockerer – wundervolles Gulasch-Abendessen, und dann kommt in einem seltsamen Nachtklub (sechs Kunden und ein Mädchen in einem UV-Bikini) alles raus. Niemand hat je mit ihnen geredet (sie haben allerdings auch große Hürden errichtet und stampften ein bisschen herum – nicht die ungarische Art). Doch im Grunde geht es nur darum, den Schauspielern zu vertrauen und um die Möglichkeit, sich offen zu äußern – das alte Lied. Roger trägt es mit Fassung. Und sagt dann: »Ich habe heute Abend etwas gelernt.« Nervig, aber erstaunlich offen.
27. Oktober
Und dann stellst du fest, dass er sich an gestern Abend überhaupt nicht mehr erinnert.
In einem Meer von Blumen, die ich hinten in ihren Minivan werfe, gehen wir auseinander. Allseits Umarmungen und Luftküsse – sie waren großartig, diese Frauen, und unmöglich. In einer Minute beseelt – in der nächsten schrien sie nach Make-up. »Das ist unmöglich!!«
5. November
Das Drehen der letzten Szene wurde ein bisschen zum Albtraum. Auch jetzt wieder – kein Fortschritt.
Tasten nach einigen Kraft- und Konzentrationsreserven.
Diese Crew ist fantastisch. Solche Gelassenheit und Unterstützung. Um 6.30 Uhr waren wir ein kleines Häufchen, und das Zimmer war voller unbeschreiblicher Gefühle. »CUT«, und Mesmer spricht nicht mehr.
8. November
Der letzte Drehtag. Froh, traurig.
Ich saß da und nahm noch einmal alles in mich auf. Ich sagte ein paar Worte, vergaß aufzustehen, vergaß, es übersetzen zu lassen – vermutlich war es auch zu kurz.
Besonders bewegend war, wie jedes Mitglied der Crew Amanda und mir eine Blume schenkte, als wir am oberen Ende einer Treppe aus weißem Marmor standen, während sie sich unten verteilten. Manchmal fühle ich mich diesem Mädchen so verbunden. Abschied, Küsschen, Umarmungen. Leute wickeln Kabel auf. Schrauben Lampen ab. Einladen. Küsschen. Türen werden zugeknallt.
9. November
18.40 Uhr. Flug nach London. Habe diesmal das Gefühl, als wäre ich ewig weg gewesen.
10. November
… ins Chelsea & Westminster Hospital, um Rubys jüngstes und drittes Kind zu besuchen. Es ist wirklich schwer zu glauben, aber sie hat es getan. Und dieses Mal (das Kind, das sie eventuell versteigern wollte)40 sitzt sie da und stillt. Das Zimmer ist voller Blumen – etwas äußerst Groteskes, das aus der Orchideenwelt von Joan Collins stammen könnte, zeichnet sich bedrohlich in einer Ecke ab. Ich habe ihr ein vorgekochtes Hühnchen mitgebracht. Sie hat sich darauf gestürzt.
11. November
PARIS.
Ein wunderschöner Tag. Blauer, klarer Himmel und strahlender Sonnenschein. Raus nach Versailles – für eine Szene, um die ich gekämpft habe. Eigenartig, Beatie41 in vollem Ornat als Marie Antoinette auf uns zukommen zu sehen. Roger ist stinksauer/schmollt. Er wollte von Anfang an keinen französischen Schauspieler als Louis – Serge [Ridoux] hat tatsächlich einen starken Akzent. Roger macht den Objektivdeckel an der Kamera der BBC kaputt … Die Szene wird für eine Ansammlung von Touristen und vor der Geräuschkulisse von Kanonendonner gedreht … Die Sonne bricht spät noch einmal durch und beschert uns eine letzte Pracht, und wir ziehen weiter zum »Hôtel L’Abbaye« in Paris … Holen noch Roni42 & Isabelle H[uppert] zum Abendessen mit dem Rest von uns ab … Ein angenehmer Abend. Roger und ich beenden den Tag angemessen mit einem Streit über meine Figur, meine Arbeitsmethoden, ob sie Sex hatten etc., etc.
12. November
Ein weiterer herrlicher Tag. Etwas chaotisch, herumspaziert ohne rechtes Ziel. Kaufe ein paar Kleider für Rima … ein Sandwich auf die Schnelle. Zurück ins Hotel für eine lange, haarsträubende Fahrt zum Flughafen – hätte fast das Flugzeug verpasst.
17. November
Gg. 15 Uhr. Produktionstreffen im Royal Court Theatre. Sehr aufschlussreich, Leute so reden zu hören. Schauspieler als Fleisch auf einer Tafel im West End. Hauptthema Respekt – die Investoren (überwiegend die Leute im Raum), das Projekt, das Risiko. Hm. Das Royal Court.
18. November
18.45 Uhr. »Planet Hollywood« für Juliets David-Bailey-Film [Who Dealt?]. Bailey ist wirklich reizend, auch dann noch, wenn der Film schlappmacht. Ich würde gern mal mit ihm arbeiten. Er ist durchgeknallt.
19. November
Gg. 11 Uhr im »Waldorf«-Tearoom mit William Burdett-Coutts, Thelma und Catherine [Bailey]. Ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, da ich mich mit einer völlig inakzeptablen Situation konfrontiert fühlte. Alles negativ – nichts zu bieten, nur Warten auf unseren Input. Warum sollten wir?
21. November
Gg. 15 Uhr ein Versuch, Was vom Tage übrig blieb anzuschauen. Ausverkauft. Stattdessen eine angenehme Stunde lang bei Waterstone herumgestöbert.
23. November
Wir gehen zur Kunstdemo am Victoria Palace und danach zum Parlament, um Abgeordnete für uns zu gewinnen. Stehe in der Kälte mit Ken Cranham43, Sylvestra Le Touzel44, Stephen Daldry, Harriet Walter. Kameras schnüffeln herum – die Sun tut so, als wäre sie der Guardian. Gordon Brown kommt raus und sagt Hallo. Gehen rein – wieso war ich noch nie dort? Jemand mit weißer Fliege gibt einem eine grüne Karte zum Ausfüllen. Aber jetzt steuern wir einen Sitzungssaal für das Komitee an. Dennis Skinner spricht zu uns – brillant. Mein Abgeordneter steht nicht zur Verfügung.
19 Uhr. Machinal im National [Theatre] … Bemerkenswerte Inszenierung eines phasenweise interessanten und langweiligen Stücks mit Fifi als Zirkusdirektorin. Einige Momente ihres größten Könnens – unter anderem an Stellen, an denen ein Gabelstapler sie nicht von der Seite hätte schieben können.
23 Uhr → Sandra & Michael Kamen.45 Promi-Spotting – Annie Lennox, George Harrison, Eric Clapton. Livemusik. Überließ es Ruby, sich die Info von Pattie Boyd zu besorgen …
28. November
Zum Royal Court für Max Stafford-Clarks Abschiedsvorstellung um 19.30 Uhr. Sehr gut organisiert, brillant moderiert von Richard Wilson und Pam Ferris, voller guter Sachen, vor allem Lesley Sharps46 Beitrag aus Road. Schön, Gary Oldman auf der Bühne zu sehen.
Hinterher die unvermeidliche Begegnung mit Jules Wright, die, verständlicherweise vielleicht, leicht durchgeknallt wirkte.
29. November
Ins »Savoy« – Kameras, Bucks Fizz, Tim Spall (Gott sei Dank). Esse ein bisschen was vom Menü, trinke waghalsig etwas Weißwein, sehe zu, wie das Dessert dahinschmilzt. Der Generator bläst. Warten, warten. Miriam Margolyes erzählt jüdische Witze. Halte Rede – allerdings so leise, dass die Kritik in jeder Sekunde fühlbar ist. Mache mich davon.
3. Dezember
12.45 Uhr → Nach Berlin für Felix-Filmpreis.
21 Uhr. Hinterlassene Nachrichten – unverständlich. Dinner im »Florian« mit Wieland – er hat eine lockere Zunge und ein gutes Herz. Wir ziehen weiter zur »Bar jeder Vernunft« – sehr witziges Trio tritt dort auf. Laufe beim Rausgehen Denis Staunton samt Freunden wie Michael Radcliffe in die Arme. Wir stolpern in eine Männerbar gegenüber auf einen Tequila. Reden über Burgess, Vidal, die Volksbühne, Stein, Faust, Schiller, Baal und, irgendwann, Doris Day.
4. Dezember
Die Feierlichkeit war wie immer endlos. Je öfter man [zu solchen Veranstaltungen] hingeht, desto lächerlicher wird es. Außer für die Gewinner, nehme ich an – ein niederer Instinkt, der sich stets zeigt, wenn er angeregt wird.
So ist es natürlich auch mit anderen, allem gesunden Menschenverstand zum Trotz. Ein wohlüberlegtes »Nein« sollte einen zügeln, aber dieses teuflisch drängende »Ja« treibt einen vorwärts – Essen, Alkohol, Sex.
4 Uhr. Im »Florian«, wo alles um mich herumschwimmt wie vorher schon Antonioni, Wim Wenders, Louis Malle, J.-J. Armand, [Volker] Schlöndorff, Frears etc., etc. … Otto Sander ist ein neuer Freund.
6. Dezember
6.45 Uhr. Per Taxi mit Mum, Pat und Michael zum Prince Edward Theatre für Crazy for You. Geburtstagsausflug, alberne Handlung, wundervolle Choreografie, unendlich einfallsreich und überhaupt nicht schmalzig. Natürlich ist das Ganze ein bisschen wie ein chinesisches Essen.
9. Dezember
Wer könnte das Drehbuch für den heutigen Tag schreiben?
11.30 Uhr. Graham Wood kommt, um Fotos für die Times zu machen – ich weiß nicht recht, was ich von diesen Bildern halten soll. Mal vertraut man der Sache und mal nicht.
Ruby ist da – schlecht drauf. Ich kann nur immer weiterreden und hoffen, dass ich damit ein paar Kegel aufstelle, die sie nicht umhauen kann.
Emma Thompson am Telefon – ob ich wohl bei einer Benefizveranstaltung mitmachen könnte? R[obert] Lindsay ist krank. Prince of Wales. Okay.
20 Uhr. Mit Krawatte zum St James’s Palace. Probe im Taxi. Ein Durchlauf – irgendwie. Und los. Mit Schwung. Ich finde, der Prince of Wales ist ein guter Kerl. Viel »zeremonielles Getue«, und ich wurde auf HRH zumanövriert. Schrecklich.
Im »Savoy Grill« mit Emma. Ein sehr entspanntes, unterhaltsames Essen mit einer lockeren, unterhaltsamen Person. Sie sagt oft »Scheiße«. Viel gelacht.
11. Dezember
13.30 Uhr. Party für [Rubys Tochter] Madeleine. In den Teppich getretene Smarties. Papierhüte, die von kleinen Köpfen gerissen werden. Gerangel ums Kerzenausblasen. Die Erwachsenen stehen um einen sehr niedrigen Tisch herum, sehen den Kindern auf ihrer ersten Party zu und erinnern sich an die eigene. Ebenso viele Tränen und Trotzanfälle wie Lächeln.
13. Dezember
Und jetzt sind die Faschisten in Russland.
Während Rom brennt, mache ich Weihnachtseinkäufe mit Ruby – sie spricht am Handy, schaut sich im V&A um, nimmt Ohrringe in die Hand und legt sie wieder zurück, kauft eine Noddy-Puppe für John Simpson, wundert sich über den Bedienungszuschlag; Schaufensterbummel während der Autofahrt & beim Lunch läuft die sinnliche Wahrnehmung auf Hochtouren. Außerdem unterhalten wir uns über die trübe Lage, in der sich die Welt befindet.
Nachmittags – schreibe Weihnachtskarten – eine eigenartige Tätigkeit, wenn es etwa 150 sind und keine Zeit ist für eine echte Botschaft.
17. Dezember
8 Uhr. Sonderzustellung aus dem Buckingham Palace. Okay. Aber wieso um 8 Uhr? (Der Prince of Wales sagt Danke.)
25. Dezember
Der Weihnachtsmorgen ist immer etwas Besonderes. Die Ruhe, Kaffee, Orangensaft, Geschenke, stille Straßen.
Gegen 12 Uhr kommen Mum, Michael, Sheila, John, Sarah & Amy47 vorbei, und die Truthahnpanik ist schon in vollem Gange. Die Temperatur geht rauf und runter, und am Ende ist der Vogel nach 3 ½ Stunden gar statt der 5 Stunden, mit denen wir gerechnet hatten. Truthahnpanik wird abgelöst von der Kartoffelpanik. Die Gemüsepanik steht schon in den Startlöchern.
Irgendwie gelangt alles (mit Ausnahme der völlig vergessenen Füllung) auf den Tisch und wird gierig verschlungen. Und jetzt zur Geschenkepanik. Passt es überhaupt? Gefällt es ihnen? Es passt. Und sie mögen es.
Pictionary [ein Gesellschaftsspiel]. Viel Lärm. Morecombe & Wise lassen einen zur Ruhe kommen.
27. Dezember
Die Zentralheizung ist komplett im Eimer. Die Gelben Seiten bringen Rettung.
30. Dezember
Drei Stunden Schlaf. Ein träges Taxi nach Gatwick. Ein überaus willkommenes Upgrade in die erste Klasse nach Antigua. Ich hätte wissen müssen, dass wir bestraft werden.
Ich schreibe das hier im Flughafenrestaurant von Antigua. Unser Flug war überbucht mit einer Seniorengruppe von den Westindischen Inseln, die alle ganz angespannt in ihren Sitzen hockten. Jetzt ist der Flieger mit unserem Gepäck auf und davon, begleitet von jeder Menge »Das ist völlig inakzeptabel« und »Nein, ich will nicht in Antigua übernachten«. Am Ende fliegen wir mit der 19-Uhr-Maschine nach St. Kitts … und dann klettern wir in einen 6-Sitzer für den 10-Minuten-Flug nach Nevis. Dinner am Pool im Hotel48. Jede Menge Amerikaner umgeben von Bambus.
Im Flugzeug In the Line of Fire geschaut – unglaublich. Stirb-langsam–Abklatsch. Widersacher fallen aus einem Wolkenkratzer, während sie miteinander telefonieren etc., etc.
31. Dezember
