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"Er brauchte nur in die Fußstapfen der Eltern zu treten, um den richtigen Weg einzuschlagen, der ihn zu einem der volkstümlichsten Komponisten Bayerns machte." Dies schrieb die Schwäbische Landeszeitung 1948 über Max Welcker, Lehrer, Chorregent und Komponist aus Schwaben, geboren 1878 als Sohn einer bekannten Musikerfamilie in Augsburg. Im Musikleben seiner Zeit war er "der Star unter seinen berühmten Kollegen, was die Aufführungen und somit die Verkaufszahlen anbelangt", wie es der Musikverlag Anton Böhm & Sohn in seiner Festschrift von 2003 formulierte. Heute ist er nahezu vergessen. Sein Werk zählt über 600 Kompositionen aller Bereiche der geistlichen und weltlichen Chormusik. volkstümliche Lieder, Humoresken und Heimatliches in schwäbischer und bayerischer Mundart stehen gleichberechtigt neben Messen und Gesängen für die Liturgie des Kirchenjahres. Er schuf einzigartige Verarbeitungen vom bekannten Weihnachtslied "Stille Nacht" und sein "Zwetschgendatschi" wurde durch den berühmten Münchner Volkssänger Weiß Ferdl populär. Entlang seiner Biographie entstand ein ungewöhnliches Buch, das auf vielfältige Weise Einblicke in Schwabens Gesellschaft, Kultur- und Musikgeschichte vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gewährt. Dabei steht die Geschichte seines Lebens im Kontext zu seinen musikalischen Vorfahren aus Sachsen. Max Welckers Leben wird durch zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotografien, Dokumente und Handschriften erfahrbar und lebendig.
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Seitenzahl: 432
Veröffentlichungsjahr: 2020
WIRKUNGSSTÄTTEN VON MAX WELCKER IN AUGSBURG
1 Vogeltor, Am Vogeltor
2 Wohnhaus, heute Holbeinplatz
3 Bei St. Ursula 2, Mädchenrealschule, bei St. Ursula 5 Klosterkirche
4 Barfüßerkirche, Mittlerer Lech 1
5 Kirche St. Anna, Am Annahof 2
6 Wohnhaus Lange Gasse 24+26
7 Schule St. Georg, Auf dem Kreuz 25, Augsburg (Oberes Kreuz)
8 Kirche St. Georg, Georgenstr. 18
9 Augsburger Dom, Frauentorstr. 1
10 Wohnhaus Weite Gasse 11
11 Basilika St. Ulrich und Afra, Ulrichsplatz 19
12 Wohnhaus Bäckergasse 11
13 Schauspielhaus am Lauterlech, Lauterlech, Nähe St. Jakob
14 Stadttheater, Kennedyplatz (und Wohnhaus Theaterstr. 14)
15 Alte Musikschule, Jesuitengasse
16 Wallstraße (Barthshof, hinterm Königsplatz)
17 Leopold Mozart Konservatorium, Maximilianstr. 59
18 Rathaus, Rathausplatz 2 (gegenüber stand die Augsburger Börse)
19 Probstei, Frauentorstraße 8 (heute Domhotel)
20 Kirche und Schule St. Max, Franziskanergasse 4
21 Karmeliterplatz (heute Karmelitergasse (?))
22 Wohnhaus Vogelmauer 25
23 Schule von St. Ulrich, Hallstraße
24 Wohnhäuser Herwarthstr. 5 und 9
25 Kirche St. Moritz, Moritzplatz
26 Wohnhaus Müllerstr. 18
27 Musikschule und Kirche Hl. Kreuz, Heilig Kreuz Str. 26
28 Konzerte am Schießgraben, Oberer Schießgraben (heute Schießgrabenstr. (?))
29 protestantischer Friedhof, Haunstetterstr. 36
30 Wittelsbacher Park
30 Pestalozzischule (heute Martinschule, Pestalozzistr. 12 (?))
32 Wohnhaus Strasser, Mathildenstr. 6
33 Wohnhaus Brückenstr. 16
34 Augsburger Westfriedhof, Stadtberger Str. 84 b, Augsburg Pfersee
35 Dreifaltigkeitskirche, Klausenberg 1, Augsburg-Göggingen
36 Kirche St.Anton, Imhofstr. 49
37 Käßpalais, Tattenbachstr. 15, Augsburg-Haunstetten
38 Kirche St. Georg, Dudenstr. 4, Augsburg-Haunstetten
39 Ballsaal Jägerhaus, Bürgermeister Widmeierstr. 46, Augsburg-Haunstetten
40 Cafe Kernstock, Steingasse 8 (heute Bäckerei Konditorei Wolf)
ROLF SCHINZEL
BIOGRAFIE
MAX WELCKER
1878 - 1954
RSD MUSIKPRODUKTION DRESDEN
Für meinen Vater
DER AUTOR
Der Pianist Rolf Schinzel, geboren 1963 in Villingen-Schwenningen studierte an der staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim in den Fächern Klavier, Gesang, Liedbegleitung und Kammermusik. Schon früh sang er in verschiedenen Chören, wirkte als Organist und unterrichtete als Musiklehrer an Musikschulen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. 1992 siedelte er nach Dresden um und lehrte hier als Korrepetitor, Klavier- und Gesangspädagoge an der Hochschule für Musik Carl-Maria-von-Weber, der Hochschule für Kirchenmusik und der TU Dresden. Von 2008 bis 2013 war er als Pianist/ musikalischer Leiter am Theater Wechselbad der Gefühle und von 2009 bis 2015 Korrepetitor des Schauspielstudios am Staatsschauspiel Dresden. Er unterrichtet an verschiedenen Musikschulen im Dresden und Umgebung, konzipiert Kleinkunstprogramme, spielte einige CD’s ein und konzertiert seit vier Jahrzehnten im In- und Ausland. 2018 gründete er das Label RSD Musikproduktion Dresden und produzierte mit dem Dresdner Gesangsensemble dimuthea e.V. zum 200. Geburtstag des Liedes „Stille Nacht“ die Doppel-CD „Lichterglanz vom Himmelszelt“, mit unbekannten deutschen Weihnachtsliedern des bisher unerforschten Augsburger Komponisten Max Welcker. Im gleichen Jahr begann die Recherche zum Werkverzeichnis und zur Biographie von Max Welcker.
www.rolf-schinzel.de
© 2020 RSD Musikproduktion Dresden GbR
Made in Germany - 1. Auflage
Herausgeber: RSD Musikproduktion Dresden GbR
Autor: Rolf Schinzel
Umschlaggestaltung, Illustration: Rolf Schinzel, Uwe Hanicke
Lektorat: Dr. Hubert Kolland, Dr. Dorothea Kolland, Dr. Stephan Reher, Uwe Hanicke
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN: 978-3-347-17546-4 (Paperback)
ISBN: 978-3-347-17547-1 (Hardcover)
ISBN: 978-3-347-17548-8 (e-Book)
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INHALTSVERZEICHNIS
Grußwort von Hubert Kolland
Grußwort zur Präsentation der CD „Lichterglanz vom Himmelszelt“ mit „Stille Nacht“ in den Kompositionen von Max Welcker
Vorgeschichte
Max Welcker geboren und aufgewachsen in Augsburg
Mutter Amalie und das Stadttheater Augsburg
Vater Robert Welcker und seine Lehrjahre bei Karl Heinrich Welcker in Altenburg
Vater Robert Welcker und das Augsburger Orchester
Max Welcker in Präparandenschule Mindelheim und Lehrerseminar in Lauingen
Wanderjahre als Schullehrer
Start in Augsburg als Lehrer und komponierender Chorleiter
Die ersten Jahre als Mitglied der Augsburger Liedertafel
Besuch beim Großcousin Felix Welcker in Brüssel
Schule, Familie und musikalische Netzwerke bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
Urlaubsfreuden und musikalische Netzwerke
Der Komponist und seine Dichter
Stille Nacht
Zeit der großen Schaffenskraft
Die 1920er Jahre
Neue Textdichter
Weiß Ferdl
Trauerfälle, Ehrungen und weitere Entwicklung
Ehrungen und Krankheit
Welcker-Quartett im Rundfunk
Zunehmende Verbreitung der
Mess-Kompositionen und Würdigungen
Die Augsburger Liedertafel und Max Welcker in der NS-Zeit
Liebe und Schmerz
Trauer und neues Glück
Kriegseinwirkungen
Neuanfang in Krumbach/Schwaben
US-amerikanische Besatzungsmacht und Entnazifizierung
Gesangverein Liederkranz Krumbach
Ehrungen und Feiern
Glück mit der Familie der Tochter Maria
Neue Kompositionen und neue Textdichter
Der Liederkranz Krumbach auf neuen und bewährten Wegen
Finale und Abschied
75. Geburtstag
Der Rose Pilgerfahrt und Abschied
Nachklang und Rezeption
Zeittafel
Abbildungs-Verzeichnisverzeichnis
Personenregister
Literaturverzeichnis
Danksagung
GRUBWORT
Was im schönen Sommer 2018 begann - siehe mein nachfolgendes Grußwort zum Erscheinen der Doppel-CD Lichterglanz vom Himmelszelt, hat sich für mich im Laufe des Jahres 2020 regelrecht zu einer Forschungsarbeit ausgeweitet. Zwar wusste ich natürlich um den Welcker-Familien-Nachlass, der zu großen Teilen mit der Auflösung des elterlichen Wohnhauses 2001 in Starnberg ans Mittelschwäbische Heimatmuseum in Krumbach gegeben wurde, denn die verbleibenden Archivkisten und -Schachteln waren bei meinen Umzügen 2004 und 2019 mit ihrer physischen Materialität voll präsent, doch mehr als einen groben Überblick hatte ich über die Bestände bis dahin nicht.
Das änderte sich, als mir Rolf Schinzel Ende 2019 die erste Fassung des Max-Welcker-Werk-Verzeichnisses schickte und erklärte, er wolle dazu einen biografischen Abriss verfassen. Der Umfang und die Details des Werkverzeichnisses waren so beeindruckend, dass ich mich an das Schulheft erinnerte, in dem mein Großvater unter der Überschrift „Aus meinem Leben“ 1946 sein Leben für mich als frisch geborener Enkel aufgezeichnet hatte. Zwar hatte ich in dieses gelegentlich hinein gesehen, doch der Text war mit Sütterlin-Handschrift notiert, die ich kaum entziffern konnte, so dass ich mir vornahm: „Wenn Du einmal Zeit hast …“
Dieser Zeitpunkt war jetzt gekommen. Ich machte mich an die Übertragung aller 32 Seiten und damit erhielt ich eine detaillierte Schilderung aus dem Leben meines Goßvaters, das ich bislang nur ungefähr aus den Familienerzählungen kannte. Jetzt galt es die Bilder und Zeitungsartikel etc. nicht nur anzusehen und zu lesen, sondern auszuwerten sowie Briefe und andere handschriftliche Texte ebenfalls zu übertragen. Und es fanden sich Kompositionen, die auch Rolf Schinzel noch nicht kannte - alles in allem Material, dessen Durchforstung sich bis in den Sommer 2020 erstreckte.
Herausgekommen ist nun das ungewöhnliche Buch von Rolf Schinzel, das – weitgehend entlang der Biografie von Max Welcker – vielfältige gesellschaftliche, kultur- und musikgeschichtliche Einblicke in Schwabens Welt der Schulen, Chorvereinigungen und kirchenmusikalischen Praxisfelder vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gewährt, einschließlich der damit zusammenhängenden theatralen Brauchtumsformen und Geselligkeitkulturen. Ausgehend von solchen Praxiserfahrungen gelang es Max Welcker auf der Basis soliden musikalisch künstlerischem Handwerks diese so vielfältigen Bedürfnisse zu berücksichtigen, die Sanges- und Musizierlust seiner Chöre und Ensembles zu erreichen und weiter zu entwickeln.
Die Resultate weckten offensichtlich das Interesse vergleichbarer Sanges- und Musiziergemeinschaften, so dass allmählich Netzwerke entstanden: Die Drucklegung der Werke ab 1900 machten Max Welcker zu einem bekannten Namen und immer mehr aufgeführten Komponisten. Oder wie es - 49 Jahre nach Max Welckers Tod – in der Festschrift zum 200jährigen Bestehen ‚seines‘ Verlages Böhm & Sohn im Jahre 2003, auf Seite 11 heißt:
Den absoluten Gipfel in der Publikumsgunst erklomm der Lehrer und Chorregent Max Welcker. Unermüdlich schrieb er Couplets, Humoresken, einfache Sätze für kirchliche Gegebenheiten wie Prozessionen, Wallfahrten, Bittgänge, heitere Volksliedsätze, dann wieder Proprien, Trauerlieder, Heimatliches in schwäbischer wie bayerischer Mundart, alles gleich in mehreren Fassungen für Männer-, Frauen-, gemischte Chöre. Ein Tausendsassa, man mag das beurteilen wie man will: Er war der Star unter seinen berühmten Kollegen, was die Aufführungen und somit die Verkaufszahlen anlangt.
Durch die von Rolf Schinzel angestoßene Erkundungsarbeit und seine umfangreiche sich über zwei Jahre erstreckende Forschung in Dutzenden von Archiven, Behörden und Chroniken etc. habe ich sehr viel Neues und vor allem Genaues über meinen Großvater und die damit zusammenhängende Musikkultur und -geschichte erfahren: Aus den einstigen Familienerzählungen wurden nun fakten- und quellengestützte Kenntnisse und ein Wissen, das nach meinem Arbeitsleben in anderen Bereichen von Musik und Gesellschaft eine Art Rückerinnerung an meine Anfänge beinhaltet und zu einer neuartigen Wertschätzung meines Großvaters führt, einschließlich der Vorfahren bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts.
Dafür möchte ich Rolf Schinzel sehr herzlich danken. Möge in diesem Sinne das Buch viele Leser aus der heutigen Welt der populären Chor- und Kirchenmusik erreichen, doch auch Beachtung bei den entsprechenden Fachleuten finden, die hier Einblicke in schwer zugängliche Bereiche der Musik- und Kulturgeschichte nehmen können.
Berlin 5.10.2020 – am Tag der Geburt der dritten Ur-Urenkelin von Max Welcker
Hubert Kolland, Ehrenpräsident des Landesmusikrats Berlin
GRUBWORTZUR PRÄSENTATION DER CD „LICHTERGLANZ VOM HIMMELSZELT“ MIT „STILLE NACHT“ IN DEN KOMPOSITIONEN VON MAX WELCKER
Als ich im so warmen und schönen vergangenen Sommer den Anruf eines Musikers aus Dresden erhielt, er beabsichtige noch vor Weihnachten eine Doppel-CD mit Stille-Nacht-Vertonungen meines Großvaters herauszubringen, traute ich meinen Ohren nicht: Es war der Anruf wie aus einer anderen Welt, die mir in Berlin längst vergangen schien.
Natürlich wusste ich, dass mein Großvater Max Welcker vor allem viel Chormusik weltlicher, geistlicher oder humoristischer Art komponiert hatte und darunter auch verschiedene Stille-Nacht-Fassungen. Doch dass es so viele sind, wusste ich nicht.
Als mein Großvater 1954 starb, war ich 9 Jahre alt. Über meine Mutter – seine Tochter – erfuhr ich, wie im Laufe der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit das Interesse an seinen über 500 Werken allmählich nachließ und sich die Musikkultur in vielerlei Hinsicht gewaltig veränderte. Und ich gestehe: Als ich 1969 meine bayerische Heimat nach dem Schulmusikexamen in München verließ, um in West-Berlin Musikwissenschaft, Musikethnologie und Geschichte weiter zu studieren, verlagerte sich mein Blick und Interesse in die große weite Welt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, und auch die Musik meines Großvaters geriet mir aus dem Blick- und Klangfeld – obwohl ich im einstmals heimatlichen Kirchenchor von St. Ulrich in Starnberg seine Messe „Gloria tibi Domine“ auf der Orgel begleitet und dirigiert hatte.
Dass nun mit Rolf Schinzel ein Musiker aus dem Schwarzwald, der in der traditionsreichen Doppelstadt Villingen-Schwenningen aufgewachsen und seit Jahrzehnten Wahl-Dresdener geworden ist, bei der Erforschung seiner musikalischen Kindheitserinnerungen auf Musik meines Großvaters gestoßen ist, erscheint mir kein Zufall zu sein, denn die kulturell regionalen Heimaten von Rolf Schinzel im Nordschwarzwald und Max Welcker in Bayrisch Schwaben zwischen Augsburg, Dillingen und Krumbach ähneln sich bei allen Unterschieden bis in Dialekt-Elemente.
So möge denn zum Jubiläum von 200 Jahre Stille Nacht von Dresden aus ein neugieriges Ohr auf die Musik von Max Welcker gerichtet werden, sozusagen als musikalische Ergänzung zum berühmten Stollen aus der Elbestadt: Ich wünsche Rolf Schinzel und seinem Team viel Erfolg und Belohnung durch zahlreiche und bewegte Zuhörerschaft.
Hubert Kolland
Enkel von Max Welcker / Ehrenpräsident des Landesmusikrats Berlin
VORGESCHICHTE
Max Welcker: Wer war dieser heute weitgehend aus dem Blickfeld und Bewusstsein des Musiklebens und seiner Aufführungspraxis vergessene Komponist von 610 Werken der Chormusik? Was veranlasst ausgerechnet einen Pianisten dazu, seine Biographie zu schreiben und ein umfassendes Werkverzeichnis herauszugeben?
Als Musikpädagoge und Pianist, der in den vergangenen Jahrzehnten als Korrepetitor und Liedbegleiter bevorzugt mit Sängern gearbeitet und konzertiert hat, stelle ich mir - genau so, wie ich meine Schüler dazu anleite - bei der Erarbeitung musikalischer Werke immer wieder gern viele Fragen nach den Komponisten, Textautoren, der zeitgeschichtlichen Epoche, der musikwissenschaftlichen Einordnung und noch vieles andere mehr.
Ich empfinde es als unerlässlich die Auseinandersetzung mit diesen Themen zu führen und zu den erarbeiteten Werken Fakten zusammenzutragen. Durch dieses Wissen ändert sich mein Blickwinkel und die erweiterte Perspektive führt zu schlüssigeren Ergebnissen bei der Interpretation musikalischen Werke als das bloße Spielen oder Singen des Notentextes.
Dabei begebe ich mich nicht grundlos auf die Suche nach Antworten, denn sie ist zeitaufwendig aber auch interessant, lehrreich und spannend. Sehr oft erschließt sich ein Kosmos unendlich vieler Möglichkeiten.
Dies gilt auch für die im Zeitraum der letzten drei Jahre entstandene Biographie über den schwäbischen spätromantisch-volkstümlichen Komponisten, Chorleiter Organisten und Volksschullehrer Max Welcker, die ich zusammen mit dem zeitgleich erscheinenden Max-Welcker-Werkverzeichnis MWWV vorlegen kann.
Der Auslöser für meine intensive Beschäftigung mit dem Leben und Werk des Komponisten war eine zufällige Begegnung mit einer Konzertbesucherin nach einer Adventsmusik im Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden am 2. Dezember 2017. Wie seit vielen Jahren waren meine beiden Sängerkolleginnen Anna Piontkovsky, Sopran, Elisabeth Letocha, Alt und ich an diesem Samstagvormittag mit unserem Programm „Ein Licht blüht auf im Kerzenschein“ im „Jägerhof“ zu Gast und trugen kleine Advents- und Weihnachtsgeschichten, Gedichte und weihnachtliche Musik verschiedener Zeitepochen und Genres vor.
In der zweiten Programmhälfte sang ich das Lied „Lichterglanz vom Himmelszelt“, mich selbst am Klavier begleitend und die beiden Sängerinnen sangen „Stille Nacht“ dazu. Dieses Liedarrangement kenne ich seit meiner Kindheit und die Melodie ist für mich untrennbar verbunden mit der Erinnerung an meinen Vater, der im Jahr 2007 verstarb. Mein Vater lernte dieses Lied nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung aus dem Sudetenland in den 1950er Jahren in Norddeutschland kennen. Es hatte ihn sofort begeistert und so haben wir es in der Familie jedes Jahr am Heiligen Abend und in der Weihnachtszeit zu Hause im Schwarzwald gesungen. Er stimmte „Lichterglanz“ an und die Familie sang „Stille Nacht“ als zweite Melodie dazu. Erst mit diesem Lied begann für ihn Weihnachten und ohne dieses Lied war für ihn Weihnachten nicht vorstellbar.
Woher es stammte wusste er nicht und auch für mich stellte sich die Frage nach dem Komponisten und Urheber dieses Liedes zunächst nicht. Ich verstand und behandelte diese Melodie genauso wie mein Vater als Volkslied und skizzierte im Jahr 2015 Melodie und Text nach meiner Erinnerung.
Bei unzähligen Aufführungen des Liedes gab es immer wieder Nachfragen von Konzertbesuchern nach der Herkunft dieser Komposition auf die ich keine Antwort geben konnte. Natürlich versuchte ich immer wieder den Komponisten von „Lichterglanz vom Himmelszelt“ in Erfahrung zu bringen, doch erst vor einigen Jahren konnte ich herausfinden, dass es sich um die Komposition „Weihnacht“ op. 113.3 von Max Welcker handelt. Dabei umspielt die Solovioline mit einer kunstvollen Variation der Melodie von „Stille Nacht“ die von einem vierstimmigen gemischten Chor a capella gesungene Melodie von „Lichterglanz vom Himmelszelt.“ Das Ergebnis meiner damaligen Recherche überraschte und enttäuschte mich zugleich denn ich fand die zweistimmig gesungene Version des Liedes, so wie ich sie von meinem Vater gelernt hatte, viel interessanter und betrieb keine weiteren Nachforschungen.
Nach unserer Matinee im Volkskundemuseum Dresden kam eine sehr begeisterte und charmante ältere Dame, die aus Celle stammt und als Organisatorin von Seniorenreisen in Dresden weilte, auf mich zu und befragte mich zu „Lichterglanz vom Himmelszelt“. Daraufhin erzählte ich ihr die wenigen Dinge die ich über Max Welcker wusste. Wir kamen ins Gespräch und sie teilte mir beiläufig mit, dass sie vor einigen Tagen Teilnehmerin des internationalen „Stille-Nacht-Kongress“ in Wien gewesen war. Auf dem Kongress, im Vorfeld des 200. Geburtstages von „Stille Nacht“, hatte sie die neuesten Informationen zum Forschungsstand über „Stille Nacht“ erfahren, aber der Komponist Max Welcker und das zauberhafte Lied, welches sie gerade von uns gehört hatte, wären dabei nicht erwähnt worden.
Was ich im Gespräch erfahren hatte ging mir nicht aus dem Sinn und ließ mir keine Ruhe. Einige Tage später informierte ich mich über „Stille Nacht“ und Max Welcker und suchte vergeblich nach möglichen Verbindungen. Über Max Welcker fand ich online nur wenige Informationen aber seine Werke lagen in der Bayerische Staatsbibliothek in München. Im Bibliotheksverzeichnis waren über 600 Einträge zu Max Welcker gelistet und beim Durchsuchen fand ich viele weihnachtliche Kompositionen. Ich traf eine willkürliche Auswahl und bestellte mir 29 Werke zur Ansicht. In den Schulferien im Februar 2018 fuhr ich nach München, sah mir die ausgeliehenen Noten an und staunte: Unter den zufällig ausgewählten Kompositionen von Max Welcker befanden sich noch weitere Lieder in denen er „Stille Nacht“ auf einzigartige Weise verarbeitet hat.
Auf der Rückfahrt von München nach Dresden reifte der Plan, diese „Stille Nacht“ Verarbeitungen und weitere Weihnachtslieder von Max Welcker auf einer CD zu veröffentlichen. Mit dem Dresdner Vokalensemble Dimuthea e.V. unter seinem künstlerischen Leiter Prof. Reinhart Gröschel, das ich seit 2016 kenne, war der notwendige Chor schnell gefunden und nach kurzem Plädoyer für eine gemeinsame CD-Produktion begann die Probenarbeit im März 2018. Von Ende Mai bis Anfang September wurden an mehreren Aufnahmetagen bei hochsommerlichen Temperaturen insgesamt 22 Weihnachtslieder von Max Welcker und 5 kleine Weihnachtsgeschichten von Stephan Reher und Karolina Borowski für diese CD geschrieben, als deutsche Erstaufnahmen eingespielt. Es entstand die Doppel-CD „Lichterglanz vom Himmelszelt“, veröffentlicht am 17.11.2018 zum 200. Geburtstag von „Stille Nacht“, zum 140. Geburtstag von Max Welcker und zum 10jährigen Bestehen des Dresdner Vokalensembles dimuthea e. V. Die erstmalige öffentliche Präsentation fand am Sonntag, den 02.12.2018 um 16.00 Uhr im Kulturrathaus in Dresden im Rahmen eines Weihnachtskonzertes statt und wurde vom zahlreich erschienenen Publikum mit Interesse gehört und begeistert aufgenommen.
Während der Produktionszeit der CD fuhr ich mehrfach nach Augsburg und Krumbach/Schwaben, den beiden Wirkungsstätten von Max Welcker und konnte bei diesen Recherchereisen erste wichtige Unterlagen zu Leben und Werk des Komponisten zusammentragen. Ich sichtete den Nachlass des Komponisten im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach und sprach mit dem Zeitzeugen Georg Hofmeister, der Max Welcker als Lehrer in der Volksschule Krumbach erlebte. Danach besuchte ich den Musikverlag Anton Böhm & Sohn, das Stadtarchiv, das Universitätsarchiv und die Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg.
Durch immer weiter wachsendes Detailwissen entstand dabei die Idee die Lebensgeschichte und die Kompositionen von Max Welcker in einer Biographie mit Werkverzeichnis zu dokumentieren. Im Sommer 2018 nahm ich erstmals Kontakt zu Max Welckers Enkel Dr. Hubert Kolland in Berlin auf, informierte ihn über die laufende CD-Produktion und er zeigte sich überrascht und erfreut.
Nach Fertigstellung und Veröffentlichung der CD-Aufnahmen intensivierte sich meine Recherche. Bei weiteren Besuchen von Stadtverwaltungen, Archiven und Bibliotheken auf meinen Reisen nach Schwaben, Bayern und Thüringen in den Jahren 2019 und 2020 gelang es mir durch eine Fülle von weiteren Unterlagen die Lebensgeschichte des Komponisten Max Welcker, seines familiären und beruflichen Umfeldes und die zeitgeschichtlichen Dimensionen immer detaillierter zu erfassen und zu begreifen.
Die Beschaffung notwendiger Quellen gestaltete sich manchmal schwierig oder war unmöglich. Viele Unterlagen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden beispielsweise in Augsburg durch Kriegsgeschehnisse vernichtet oder gingen verloren. So weist die Lebensgeschichte des Komponisten Max Welcker immer wieder Lücken auf Grund fehlender Quellenlagen auf. Auch Max Welcker hinterließ zu manchen Themen, wie beispielsweise seiner politischen Einstellung, seinem Lehrerberuf oder Weihnachten, keine verwertbaren oder nur bruchstückhafte Informationen. So blieb manche Frage offen und einige Themen konnten nicht so vertieft werden wie ich es mir gewünscht hätte.
Andererseits erlebte ich auch immer wieder positive Überraschungen durch die tatkräftige Unterstützung von Max Welckers Enkel Dr. Hubert Kolland sowie engagierter Archivare und Bibliotheksmitarbeiter*innen, Chorvorstände, Ordensleute oder Heimatvereine, die mich immer wieder mit ergänzenden Quellen, Unterlagen und ihrem Detailwissen unterstützten.
MAX WELCKER GEBOREN UND AUFGEWACHSEN IN AUGSBURG
In der kreisfreien Fuggerstadt Augsburg wurde am 4. Dezember 1878 Max Welcker geboren. Seine Geburtsstadt ist Bischofssitz der römisch-katholischen Diözese Augsburg, Teil des 1821 neu errichtetem Erzbistum München-Freising und war im ausgehenden 19. Jahrhundert zu über 60% katholisch geprägt. Max Welckers Elternhaus stand in der Straße Am Vorderen Lech 15 (Litera A 475, heute Holbeinplatz).1
Das Lechviertel war ein von einfachen Leuten - Angestellten, Handwerkern und Fabrikarbeitern - bewohnter Teil der Oberen Stadt mit Zugehörigkeit zur katholischen Pfarrei St. Moritz. Es befand sich nicht weit vom Vogeltor, dem südlichen Einlass in die Jakobervorstadt. Das Vogeltor stand an der Straße Am Oberen Graben zwischen der katholischen Klosterkirche Sankt Ursula im Westen und der protestantischen Barfüßerkirche im Osten und lag an einem der drei Lechkanäle. Diese dienten einst der Energiegewinnung für die vielen mittelalterlichen Handwerksbetriebe, die mit Hilfe von Wasserrädern ihre Maschinen antrieben.2
Jahrhunderte lang wurde der Stadtteil durch das blühende Handwerk geprägt. Hier waren neben Webern, Gerbern und Feilenhauern auch die Gold- und Silberschmiede ansässig, die bis ins 18. Jahrhundert unter anderem das berühmte Augsburger Tafelsilber herstellten. Nach dem Verlust der Reichsfreiheit und der Eingliederung nach Bayern entwickelte sich das Lechviertel als Teil der Jakobervorstadt zum Wohnviertel für die sozial schwächere Bevölkerung. Laut Volkszählung 1880 hatte die Stadt Augsburg insgesamt 61.416 Einwohner (1875 waren es 57.213 gewesen). Im Lechviertel wohnten 9.351 und in der Jakobervorstadt 10.400 Menschen.
Abb.2: Das Vogeltor in Augsburg um 1850. Früher diente der überwiegend schmucklose Torturm als Einlass in die Jakobervorstadt und ist Teil der ehemaligen südöstlichen Stadtmauer. Es steht auf der Straße Oberer Graben nahe der abzweigenden Straße Vogelmauer. Westlich befindet sich das im Lechviertel liegende Dominikanerkloster St. Ursula, östlich des Torturms beginnt die Jakobervorstadt. Der hochmittelalterliche, gotische Backsteinbau wurde 1445 im Auftrag des Bürgermeisters Konrad Vögelin erbaut und ersetzte den Vorgängerbau angleicher Stelle. Dieser stammte von 1374/75 und war zusammen mit einer Zugbrücke errichtet worden, die über den vor der Stadtmauer fließenden Stadtgraben führte. 1880 wurde die Zugbrücke entfernt und der Stadtgraben wurde eingeebnet.
Das Geburtshaus Max Welckers ist nicht erhalten, es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. In diesem geschichtsträchtigen Gebäude hatte von 1841 bis 1844 der deutsche Nationalökonom Friedrich List gewohnt, der hier den ersten Teil seines berühmten Werkes „Das nationale System der politischen Ökonomie“ verfasste. Gegenüber befindet sich das „Holbein-Haus“ (Vorderer Lech 20, heute nach Zerstörung wieder aufgebaut), der ehemalige Wohnsitz der Künstlerfamilie Holbein. Vor allem durch den Maler und Zeichner Hans Holbein d.Ä. wurde Augsburg zum europäischen Kunstzentrum im Übergang von der Spätgotik zur Renaissance. Deshalb pilgerten Holbein-Freunde bis vor dem Zweiten Weltkrieg zu diesem kulturell bedeutsamen Ort.
Max Welcker wurde als einziges Kind in eine musikalisch sehr aktive Familie hineingeboren. Sein Vater Robert Welcker, geboren am 22. Februar 1850 in Meuselwitz, Sachsen-Altenburg, spielte im Städtischen Orchester als 1. Geiger und unterrichtete Violine am protestantischen Collegium bei St. Anna (St. Annastraße, Litera D 221). Seine Mutter Amalie Welcker, geborene Mayer wurde am 4. August 1856 im von Augsburg ca. 40 km entfernten Thannhausen an der Mindel geboren und sang als Altistin im Stadttheaterchor, im Kirchenchor der katholischen Pfarrei St. Moritz und im Synagogenchor.
Die Voraussetzungen waren also nicht die schlechtesten, denn Max Welcker „brauchte nur in die Fußstapfen der Eltern zu treten, um den richtigen Weg einzuschlagen, der ihn zu einem der volkstümlichsten Komponisten Bayerns machte“. (Schwäbische Landeszeitung vom 26.11.1948)
Abb.3: Haus Vorderer Lech 15 (heute Holbeinplatz, ca. 400 m vom Vogeltor entfernt), hier wurde Max Welcker am 4. Dezember 1878 geboren. Im Erdgeschoss befand sich ein Kolonialwarengeschäft.
Abb.4 und 5: An der Fassade des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes erinnerte damals über dem Schaufenster eine Gedenktafel an Daniel Friedrich List (1789 in Reutlingen - 1846 in Kufstein), einen der bedeutendsten deutschen Nationalökonomen und Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts. Er wohnte hier zwischen 1841 und 1844. Friedrich List entwickelte sich schon früh zum Vordenker im Verwaltungs-, Verkehrs- und Transportwesen und trat bereits 1819 für die Aufhebung der Zollgrenzen ein, forderte politische Reformen und mahnte die bessere Nutzung natürlicher Ressourcen an. Dies führte in Augsburg u.a. dazu, dass wenige Jahre später das Kraftpotenzial des natürlichen Wassergefälles der Flüsse besser genutzt wurde, was der Textilindustrie der Stadt zum Aufschwung verhalf. Die Tafelinschrift am Holbeinplatz erinnertdaran, dass Friedrich List hier den ersten Teil seines berühmten Werkes „Das nationale System der politischen Oekonomie“ verfasste.
Bedingt durch die umfangreiche Berufstätigkeit seiner Eltern verlebte der kleine Max seine ersten Lebensjahre liebevoll umsorgt und behütet bei seinen Großeltern mütterlicherseits. Sein Großvater Joseph Mayer (1824-1894) war ursprünglich Gerber und später Malermeister. Großmutter Augusta3 - eine kleine, liebe, stille Frau - verwöhnte ihren einzigen Enkel und schenkte ihm in seinen späteren Kinderjahren, wenn er zu Besuch kam, jedes Mal 3 oder 5 Pfennige, von denen er dann eine Semmel, ein Butterhörnchen, oder ein Stück „Gau Obert“ kaufte, aber nie Schleckereien (1)4.
Abb.6: Der junge Max Welcker.
1882/83 zog die Familie ungefähr einen Kilometer nach Norden in die Untere Stadt, Lange Gasse 24 (Litera F.246) um. Laut Adressbuch von 1896 gehörte das Gebäude in der Frauenvorstadt dem Kaufmann Johann Wassermann. Er betrieb in diesem Haus eine „Material-, Colonial- und Farbwarenhandlung“ und wohnte im 1. Stock. Die anderen Mieter waren der Kaufmann Heinrich Unsinn sowie der Buchhalter Ludwig Wassermann. Das 2. Stockwerk, es war sicherlich das Dachgeschoß, bewohnte Robert Welcker mit seiner Familie.
Der 4 bis 5 jährige Max kam nun in die Obhut seiner Großmutter väterlicherseits, die mit der Familie in der Wohnung lebte. Karoline Welcker, geb. Winkler (1810-1892) stammte aus Netzschkau in Sachsen. Sie war seit 1849 mit dem Zeugmacher Johann Friedrich Welcker (1802 Schnauderhainichen bei Altenburg in Thüringen - 1878 Meuselwitz) verheiratet gewesen und nun seit 4 Jahren verwitwet. Karoline war streng evangelisch erzogen worden und las jeden Sonntag in ihrem Kämmerlein in „ihrer Bibel“. Sie hatte ein Fußleiden, welches sie jahrelang ans Zimmer fesselte. Trotz dieser körperlichen Einschränkung war sie jedoch für den kleinen Max eine liebe Spielgenossin, die viel Geduld hatte. Sie besaß aber auch ein strenges Gerechtigkeitsgefühl und beschwerte sich zum Beispiel beim Essen über seine Unfolgsamkeit oder sonstiges ungehöriges Verhalten. Abends führte Max ihr dann sein „Kasperletheater“ vor, oder sie spielte mit ihm geduldig und unverdrossen Domino.(2)
Ein weiterer Spielkamerad für ihn wohnte im Haus nebenan. Er hieß Bernhard Lieblich, war jüdischen Glaubens und 2 Jahre jünger als Max. Die Familie Lieblich wohnte im 1. Stock der Langen Gasse 26 (Litera F.245) über dem Geschäft des Vaters. Wolf Lieblich betrieb einen Laden für „Meerschaumwaren und Zigarren“.
Abb.7: Die Lange Gasse um 1900. Die abgebildeten Häuser beginnen mit Litera F.259 (Lange Gasse 4). Litera F.246 (Lange Gasse 24) steht in der Häuserreihe weit unten. In diesem kleinbürgerlichen Wohnumfeld wuchs Max Welcker in der Langen Gasse auf. Die Wege zur alten Schule von St. Georg und zur Städtischen Musikschule waren nicht weit. Die Eislaufbahn und die Rodelbahn im Schleifgraben lagen als Freizeitmöglichkeiten für Kinder in der Nähe. Heute hat der Musikverlag Anton Böhm & Sohn Augsburg seine Verlagsräume im Nachbarhaus in der Langen Gasse 26.
Auch dieses Haus gehörte dem Kaufmann Johann Wassermann. Es war ein Stockwerk höher als das Haus F.246 und hier wohnten sechs Mietparteien.
Bald darauf kam der kleine Max auf die katholische Schule von St. Georg. Er hatte es nicht weit, denn die Schule lag 300m entfernt um die Ecke in der Straße Oberes Kreuz F 217 (der späteren Hilfsschule). Und so marschierte er stolz, paarweise mit allen anderen Schülern, zum Unterricht beim späteren Schulrat Joseph Müller, die Lange Gasse herauf, während ihm die Großmutter vom Fenster aus immer zuwinkte. Obwohl die Großmutter streng evangelisch war, bestand sie darauf, dass er auch wochentags in die Schulmesse (2) der katholischen Kirche von St. Georg ging.
Abb.8: Max Welcker als Schüler.
Als Max in der Schule in die 3. Klasse kam, versuchte der Vater seinem achtjährigen Sohn das Violine spielen zu vermitteln. Allerdings gestaltete sich der Unterricht problematisch, denn Vater Robert war streng. Er hatte wenig Geduld und sein Sohn zeigte wenig Lerneifer. Die Stunden fanden für gewöhnlich mittwochs und am Sonntagnachmittag statt. Danach hatte der Vater in der Regel Orchesterproben am Theater. Fast jedes Mal gab es Tränen und vom Vater gab es manchmal Ohrfeigen für den Sohn. Max war deshalb besonders froh, wenn sein Vater die Stunden abkürzen musste oder wenn sie ganz ausfielen. Einmal befriedigte meine Leistung wie oftmals wieder nicht, da schlug der Vater im Ärger über mich seinen grauen Sonnenschirm an mir ab, den ich „freudigen Herzens“ sofort zu Hattler am Katzenstedel zum Machen tragen musste. Wenn erst mein seliger Vater je erfahren hätte, dass ich öfters eine Violinsaite auf der Geige „abschnitt“, um nicht üben zu müssen. Denn „aufziehen“ durfte ich nie eine Saite! Unverzeihliche „dumme Jungen-Streiche!“ (3)
Trotz der anfänglichen Probleme im Violinunterricht schätzte Max seinen Vater und dessen Fähigkeiten sehr. Die Strenge des Vaters führte auch nicht dazu, daß Max das Geige spielen aufgab. Das Instrument begleitete ihn in seiner späteren Ausbildung weiter und er spielte später sogar einmal in einem kleinen Orchester.
Im Alter von 10 Jahren wechselte Max auf die Domschule (heute Gymnasium bei St. Stephan). Er begann nun auch mit dem Unterricht auf dem Klavier und hatte sehr viel mehr Spaß und Freude beim Erlernen dieses Instrumentes. Der Unterricht wurde von Lehrer Johann Baptist Gebele (geb. 1860) erteilt, der eine Etage tiefer im Haus der Eltern wohnte. Da stand Max oft minutenlang vor Beginn der Stunde an dessen Wohnungstür und wartete auf den Glockenschlag zum Eintritt (3). Gebele unterrichtete an der katholischen Schule von St. Georg, hatte das Schullehrerseminar 1878 beendet, fing als Hilfslehrer 1881 an und hatte die Anstellungsprüfung 1882 gemacht. Danach war er ab 1883 Schulverweser und wurde am 1.1.1886 als Lehrer in Augsburg angestellt.5
Der eifrige Klavierschüler machte in den nächsten zwei Jahren gute Fortschritte und Kapellmeister Paul Radig6 übernahm den Klavierunterricht später für einige Monate.
Als sein Klavierspiel immer besser wurde, musste Max seinen strengen Vater schon mit 11 und 12 Jahren bei diversen Violinstücken, Potpourris etc. auf dem Klavier begleiten. Später spielte er mit ihm auch Sonaten u.s.w., da hieß es auch immer „sehr aufpassen!“ (8)
Abb.9: Der junge Max Welcker und sein Vater Robert mit ihren Violinen.
Im Sommer 1888 durfte Max seine erste große Reise mit seiner Mutter in die Schweiz machen. Sie fuhren nach Ragaz in den Kanton St. Gallen. In dem berühmten Schweizer Badeort war Papa Mitglied der Kurkapelle und Leiter des Sextetts im nahen Bad Pfäfers.7 Der erstmalige Anblick des Bodensees bei Lindau, die Fahrt über die 555 m lange Brücke auf die Inselstadt machte auf mich, den Schüler der 5. Klasse, einen gewaltigen Eindruck: In Sargans erwartete uns Papa freudestrahlend mit den Worten: „Da seid Ihr ja!“ 5 bis 6 Wochen hielten wir uns bei ihm im „Veltiner Hof“ auf, täglich wohnten wir einem der Kurkonzerte bei und ich war nicht wenig stolz, meinen Papa mitspielen zu sehen. Die herrliche Gebirgswelt ringsumher, der mit Alpenveilchen übersäte Steigerwald, der rauschende Rhein und die wildromantische Taminaschlucht etc. sind mir von damals her in bester Erinnerung. (32a)
Ein besonderes Erlebnis war für Max der Besuch der Schwimmhalle im Alten Dorfbad von Ragaz (entstanden um 1868). Er wollte das Schwimmen im 28 Grad warmen Heilwasser erlernen und geriet dabei in „Lebensgefahr“: Des Schwimmens damals noch unkundig kletterte ich an den seitlichen Stangen der Leiter entlang. Plötzlich glitt ich mit der Hand aus und versank in die Tiefe, ohne auf den Grund zu kommen. Nur durch energisches Strampeln mit Beinen und Armen kam ich wieder über Wasser und konnte mich wieder an den seitlichen Stangen des Schwimmbeckens anklammern. Mein Vater hatte von dem Vorgang nichts bemerkt. (32b)
Abb. 10: Bleistift-Zeichnung des Alten Dorfbades in Ragaz aus der Entstehungszeit um 1869 von Johann Jakob Rietmann, Kulturstiftung Altes Rathaus.
Ein Jahr später verbrachte Max den Sommer mit den Eltern noch einmal in Ragaz. Weitere Reisen, die jeweils 8 bis 14 Tage in den großen Ferien stattfanden, sollten während seiner Schulzeit noch folgen. Ein erster mehrtägiger Urlaubsaufenthalt mit den Eltern führte beispielsweise im Sommer 1893 in die süddeutschen Gebirge vom Bodensee bis nach Salzburg und weiter bis zum Salzkammergut im Osten und Tirol im Süden. Seine Eltern wanderten mit ihm durch die Natur und Bergwelt. Die dabei gemachten Reiseerlebnisse und Eindrücke prägten und faszinierten den jungen Max und inspirierten ihn später auch zum Komponieren. Im Laufe seines Lebens sollten deshalb noch viele weitere Reisen durch Deutschland und Europa folgen.
1 Das Literasystem wurde 1781 in Augsburg eingeführt. Es teilte das Stadtgebiet in 8 Bezirke von A-H. Die Bezeichnungen entsprachen etwa folgenden Stadtvierteln: A=Lechviertel, B=Oberstadt, C+D=Mittlere Stadt (mit ehemaliger Bischofsstadt), E+F=Frauenvorstadt, G+H=Jakobervorstadt. Litera J bezeichnete zunächst das Gebiet außerhalb des Befestigungsgürtels und wurde 1879 aufgehoben. Mit Wirkung vom 1.4.1938 wurden die Literabezeichnungen A-H im Gebiet der Altstadt von Augsburg aufgehoben und die neue Hausnummerierung fortlaufend nach Straßen eingeführt.
2 Das mittelalterliche Wasserkraftsystem Augsburgs wurde soeben zum Weltkulturerbe erklärt.
3 Offenbar die zweite Frau von Joseph Mayer, denn die erste Anna Maria war bereits 1861 verstorben.
4 Kursive Wörter bzw. Textteile sind Zitate aus „Max Welcker: Aus meinem Leben. Erinnerungen für Hubert vom Opa, Weihnachten 1946“, aufgeschrieben für seinen Enkel Hubert Kolland. Das Typoskript befindet sich im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach. Die nach den Zitaten in Klammer angefügte Ziffer gibt die jeweilige Seitenzahl an.
5 Amtliches Verzeichnis der Volksschulen und städt. Schulen Augsburg 1914 bis 1961. Verzeichnis der städtischen Schulen in Augsburg im Schuljahre 1907 bis 1913.
6 Paul Radig wirkte ab 1894 in Heidelberg als Städtischer Musikdirektor des Heidelberger Stadtorchesters (heute Philharmonisches Orchester der Stadt Heidelberg). Er schrieb einen Festmarsch für Orchester, der 1890 erschien und widmete ihn dem Großherzog Friedrich I. von Baden).
MUTTER AMALIE UND DAS STADTTHEATER AUGSBURG
Abb.11: Amalie Welcker, geb. Mayer, ca. 1910 (4.8.1856 Thannhausen an der Mindel - 7.11.1933).
Die Mutter Amalie Welcker, geb. Mayer war eine erfolgreiche, vielbeschäftigte und gefragte Sängerin. Sie stammte aus dem zwischen Augsburg und Memmingen gelegenen Thannhausen an der Mindel im Mindeltal.
Der Ort wurde ab ca. 400 n. Chr. besiedelt, war von Handwerkern geprägt und gehörte seit 1818 zum Königreich Bayern. Von hier stammte der katholische Pfarrer und Kirchenliederkomponist Albert Höfer (1802-1857). Er erhielt seinen ersten Musikunterricht von seinem Vater, lernte Klavier und Orgelspielen und erwies sich schon früh als hochbegabt. Zusammen mit seinem Vater schuf er Melodien für das Thannhauser Laudate nach Texten von Christoph von Schmid, der ab 1776 als Schuldirektor in Thannhausen tätig war. Höfer erhielt 1839 den Titel Bischhöflicher Geistlicher Rat und wurde 1849 zum Dekan berufen. Zwei Jahre nach seinem Tod erschien 1859 das Augsburger Diözesangebet- und Gesangbuch „Laudate“, für das er entscheidende Vorarbeit geleistet hatte. Es enthielt neun Melodien die von ihm stammten und war 100 Jahre lang bis 1959 in Gebrauch.
Amalies Vorfahren waren katholisch und seit dem Jahr 1800 in Thannhausen ansässig. Ihre Eltern Joseph (Josef) Mayer (1824-1894) und Maria Anna Mayer, geb. Stadler (1828-1861) heirateten 1851. Viereinhalb Jahre später wurde Amalie am 4.8.1856 geboren. Sie erlebte harte Jugendjahre und wuchs zusammen mit ihren beiden Brüdern in ärmlichsten Verhältnissen auf (17). Im Alter von 5 Jahren verlor Amalie früh ihre Mutter, denn sie verstarb, erst 33 Jahre alt, am 2.12.1861.
Ihr Vater Joseph hatte zunächst, genauso wie ihr Großvater Peter Mayer (1800-1896), den Beruf des Webers ergriffen, wurde aber später Malermeister. Nach dem Tod seiner Frau 1861 zog der nun alleinerziehende Vater mit seinen drei Kindern von Thannhausen ins etwa 40 km entfernte Augsburg und wohnte 1866 nachweislich in der Weiten Gasse 11 (Litera B.61) in Augsburgs Oberstadt. Später zog er ins Lechviertel in die Bäckergasse 11 (Litera A.338). Beide Adressen gehörten zur katholischen Pfarrei St. Ulrich.
Abb.12: Weite Gasse 11: Bürgerhaus, im Kern aus dem 16./17. Jahrhundert stammend. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Satteldachbau mit geschweiftem Giebel und barocker Sterntür und war die erste Wohnadresse von Joseph Mayer und seinen drei Kindern in Augsburg.
Amalies Kindheit war bedingt durch den frühen Tod der Mutter nicht leicht. Aber im Hause Mayer wurde oft gesungen, denn Amalies Vater war neben seinem Hauptberuf als Maler auch ausübender Sänger. Nach dem Ende der damals üblichen siebenjährigen Pflichtschulzeit an der Volksschule stellte er sich mit seiner 14jährigen Tochter am Schauspielhaus am Lauterlech vor. Beide wurden zu Beginn der Spielzeit 1870/71 in das Ensemble aufgenommen. Joseph Mayer wurde Mitglied des Chores und sang von 1870 bis 1875 als Bass. Amalie erhielt ihr erstes Engagement für die Spielzeit 1870/71 zunächst für Kinderrollen. In der darauffolgenden Spielzeit begann sie auch im Chor als Sopran zu singen.
Das Schauspielhaus am Lauterlech befand sich in der Jakobervorstadt in der Nähe der Kirche St. Jakob. Der Volksmund bezeichnete dieses alte Augsburger Stadttheater oft als „Komödienstadel“. Es war 1776 an der Stelle des 1665 erbauten hölzernen Meistersingerstadels, dem ersten Theaterbau Augsburgs, errichtet worden. Der massive Steinbau war in seinem Äußeren ein eher schlichtes Haus mit vier Eingangstüren. Der Zuschauerraum war jedoch nicht beheizbar. Er fasste im Parterre maximal 393 Personen. Es gab 146 Sperrsitze und 49 Plätze in den Parterrelogen. Über dem Parkett gab es zwei Rangreihen mit Logen und eine Galerie. Der 1. Rang fasste 84, der 2. Rang 92, die Galerie 369 Personen. Die Maximalauslastung des Hauses lag bei 1.131 Zuschauern. Zur besonderen Ausstattung gehörten ein schönes Deckengemälde und der gemalte Vorhang.
Abb.13: Die sehr junge Amalie Mayer.
Friedrich A. Witz schreibt in seinem „Versuch einer Geschichte der theatralischen Vorstellungen in Augsburg: von den frühesten Zeiten bis 1876“:
Dieses Schauspielhaus hat 3 Stockwerke, deren zwei zu Logen 30 an der Zahl dienen, das höchste aber zur Galerie bestimmt ist. Das Parterre, worin zu beiden Seiten zunächst der Bühne auch zwei Logen angebracht sind, ist in der Mitte abgetheilt und bildet das sogenannte Parquet und den zweiten Platz.
Abb.14: Das alte Theater am Lauterlech vor 1876 (Bildmitte links) gegenüber der Kirche St. Jakob. Im Volksmund in Augsburg oft als „Komödienstadel“ bezeichnet.
Abb.15: Rückseite des Gebäudes (links im Bild).
Das Theater erlebte eine wechselvolle Geschichte und wurde anfangs von renommierten Theatergesellschaften bespielt. Dazu wurde das für die damalige Zeit repräsentative Haus von der Stadt Augsburg an die entsprechenden Theaterdirektoren auf deren eigenes Risiko verpachtet. Dies führte dazu, dass nahezu jedes Jahr die Ensembles und deren Leitung wechselten. Zwischen 1762 und 1858 gab es insgesamt 48 verschiedene Direktoren, die mit ihren Schauspieltruppen natürlich nicht für Kontinuität im Theaterspielplan sorgen konnten.
Beispielsweise hatte der Schauspieler, Sänger, Musiker, Komponist und Librettist der „Zauberflöte“ Johann Joseph Emanuel Schikaneder (1751-1812) von 1778 bis 1779 und 1786 bis 1787 die Leitung des Augsburger Theaters inne. Schikaneder verdiente seinen Lebensunterhalt als umherziehender Musiker und ab 1773 auch als Schauspieler in Wandertruppen. 1775 bis 1777 war er Mitglied in der Theatertruppe des österreichischen Theaterprinzipals Andreas Joseph Schöpf (1743-1813), der möglicherweise der erste Bearbeiter des Textes der Zauberflöte war. Schöpfs Truppe spielte vom 16.10.1776 bis 11.2.1777 in Augsburg 64 Vorstellungen. Zum Ensemble gehörte auch die Schauspielerin und Sängerin Maria Magdalena Arth, die genauso wie er ab 1775 Mitglied der Theatertruppe war. Er verliebte sich in sie und heiratete sie unter dem Namen Eleonore. Die Hochzeit wurde 1777 im Augsburger Dom gefeiert. Das Ehepaar Schikaneder trat bald darauf zu Ostern in die Theatertruppe von Franz Josef Moser (ca. 1717-1792) ein. Schickaneder, der das deutsche Singspiel forcierte, übernahm ab 1778 die Leitung des Ensembles und wurde sein Direktor. Vom 17.9.1778 bis 16.2.1779 spielte er mit seinem 34köpfigen Ensemble, zu dem auch zwei Kinder gehörten, 75 Stücke im Augsburger Theater. Seine Frau und er galten als Universalgenies. Sie war 1. Sängerin und spielte tragische und komische Rollen, gab aber auch die Königin oder das naive Bauernmädchen und konnte tanzen. Er war 1. Sänger, 1. Liebhaber, spielte Helden- und hochkomische Rollen und tanzte auch. Bei einem Gastspiel seines Ensembles 1780 in Salzburg lernte er Leopold Mozart (geboren am 1719 in Augsburg) und seinen Sohn Wolfgang kennen. Wolfgang Amadeus Mozart besuchte das Augsburger Theater bereits im Oktober 1777. Seine Oper Don Giovanni wurde hier 10 Jahre später bereits im Uraufführungsjahr 1787 gespielt. Die Augsburger Erstaufführung der Zauberflöte fand am 21. Januar 1793 knapp 11/2 Jahre nach der Uraufführung in Wien statt.
Im 19. Jahrhundert gab es am Theater am Lauterlech trotz aller Schwierigkeiten künstlerische Ereignisse von hoher Bedeutung. Die Mitwirkenden wurden oft stürmisch und mit enthusiastischem Beifall gefeiert. Im Jahr 1854 erlebte Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ seine Premiere, genauso wie Giuseppe Verdis „Ernani“.
Von 1858 bis 1864 wurde das Theater dann von Anton Bömly (1808-1874) geführt. Er war ein erfolgreicher deutscher Tenor (Debüt 1834) und Theaterdirektor mit einer eigenen Schauspieltruppe. Sein Augsburger Ensemble war 67 bis 96 Mitglieder stark. In den von ihm geleiteten sechs Spielzeiten wurden 141 Stücke erstmals aufgeführt. Darunter waren Werke von Meyerbeer, Offenbach, Spohr, Verdi und Shakespeare. Die Spielzeiten begannen Anfang September und endeten Mitte April bis Mitte Mai. Bevor er nach Augsburg kam leitete er das Herzogliche Hoftheater Bamberg, sowie die Theater in Bayreuth, Meiningen, Dessau, Passau und das Kurtheater in Bad Kissingen.
Von 1864 bis 1868 wurde das Haus von Karl Böckel geführt, dann übernahm Louis Ubrich (geb.1806) von 1868 bis 1875 die Leitung des Theaters. Er propagierte und förderte das Musiktheater. Bereits in seiner zweiten Spielzeit 1869/70 sah er sich dem Vorwurf der Begünstigung von Opern auf Kosten des Schauspiels ausgesetzt. Die Auslastung des Theaters zeigte jedoch, dass die Opernaufführungen trotz höherer Preise stets gut besucht waren, während das Schauspiel an Wochentagen häufig leer blieb. Und so stand neben vielen Possen und Komödien mit Gesang in jeder Spielzeit mindestens eine Oper/Operette auf seinem Spielplan:
- 1870/71 Werke von Albert Lortzing und Richard Wagner (Lohengrin)
- 1871/72 Werke von Friedrich v. Flotow (Martha), W.A.Mozart (Zauberflöte) und Franz v. Suppé (Flotte Bursche)
- 1872/73 Werke von Giacomo Meyerbeer und Louis Spohr (Jessonda)
- 1873/74 Werke von Carl Maria v. Weber (Freischütz), Richard Wagner und Jacques Offenbach (Die schöne Helena)
- 1874/75 Aida von Giuseppe Verdi
Louis Ubrich debütierte am 1823 als 17jähriger Schauspielstudent am Augsburger Theater, feierte 1848 sein 25. und 1873 sein 50. Bühnenjubiläum als Schauspieler an der Bühne und wurde im gleichen Jahr zu seinem 67. Geburtstag mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft, verliehen von König Ludwig II. von Bayern, ausgezeichnet.
Die Tabelle auf Seite 30 zeigt eine Übersicht über seine sieben Spielzeiten am Augsburger Theater von 1868 bis 1875. Amtsjahr, Spielzeitdauer, Anzahl des Theaterpersonals, Anzahl der neu in den Spielplan aufgenommenen Stücke, die Stückautoren und die Anzahl der Gäste sind vermerkt.
In diese über fast 100 Jahre bestehende vielfältige Theaterkultur wuchs Amalie Mayer hinein, als sie 14jährig im Herbst des Jahres 1870 am Augsburger Theater zu spielen und zu singen begann. Theaterleiter Louis Ubrich vermerkte dazu in seinen Aufzeichnungen:
„Frl. Mayer, Amalie: Kinderrollen bis 1871, dann Ch[or], Sopran, Kl[eine] Rollen und P[artien] bis 1875.“8
Aus Amalie Mayers Anfangszeit am Augsburger Stadttheater sind einige Plakate erhalten geblieben. Die meisten Archivbestände gingen im 2. Weltkrieg verloren. In welchen Produktionen/Stücken sie mitwirkte konnte jedoch aus folgenden Gründen nicht zweifelsfrei ermittelt werden:
1.) In der damaligen Zeit war es durchaus üblich den Nachnamen einer Person in unterschiedlicher Weise zu schreiben (Mayer=Meier, Mayr, Meyer, Maier).
2.) Der Vorname wurde oftmals weggelassen.
3.) Es gab mehrere Mitglieder im festen Ensemble mit dem gleichen Nachnamen Mayer: M. Mayer (Kinderrolle 1872/73), Mayer (Zweite Rolle, Vertraute, Kammermädchen 1874/75), Mayer (Sopran 1 von 1872-1874), R. Mayer und P. Mayer (Sopran 1 von 1874-1876).
4.) Unter den am Theater in den Spielzeiten 1870/71-1874/75 engagierten Gästen gab es mindestens drei Vertreterinnen gleichen Namens: Frl. Johanna Meyer (1870-1872), Frl. Marie Meyer (1871/72), Frl. M. Mayer (1874/75).
Hinzu kommt, dass Amalie Mayer zunächst Kinderrollen spielte, dann im Chor sang und am Anfang eine Sopranstimme hatte, die später zur Altstimme mutierte. Nur ein einziges Mal taucht ihr vollständiger Name auf einem der Vorstellungsplakate auf. Sie spielte nachweislich am 8. Februar 1872 um 15.30 Uhr in der Vorstellung von E. A. Görners Komödie für Kinder „Die drei Haulemännerchen“ in der Rolle des Nachbar Geiz mit.
Abb.16: Die junge Amalie Mayer im Theaterkostüm.
In folgender Tabelle sind die Produktionen aufgelistet, in denen Fräulein Amalie Mayer mitgespielt haben könnte.
Nach seiner 7jährigen Amtszeit von 1868 bis 1875 zog Ubrich Bilanz: Er hatte wohlausgestattete Offenbachiaden und erfolgreiche Kindermärchen (u.a. Aschenbrödel) zur Aufführung gebracht. Je eine große Oper von Flotow, Lortzing, Meyerbeer, Verdi und Richard Wagner waren fester Bestandteil in seinem Spielplan. In seiner persönlichen Leistungsbilanz als Darsteller hatte er in seiner Augsburger Zeit zwischen 1823 und 1875 an insgesamt 5.491 Abenden auf der Bühne gestanden, 1.704 Rollen neu gelernt und 5.826 Rollen gespielt. In seiner letzten Spielzeit forderte er von der Stadt Augsburg die Ausweitung auf sechs Spieltage pro Woche. Dies wurde jedoch vom Magistrat der Stadt abgelehnt und so bewarb sich der 68jährige im November 1874 um die Direktion des Stadttheaters Aachen, die er auch erhielt.
Abb.17: Plakat Augsburger Stadttheater vom 8. Februar 1872: „Die drei Haulemännerchen oder Das gute Liesel und’s böse Gretel“ von Karl August Görner (1806-1884, beachte Schreibweise E. A. Görner [sic!] auf Plakat und in Tabellen). Bearbeitet nach dem Märchen: „Die drei Männlein im Walde“ aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Handlung: Die wieder verheiratete Frau eines Witwers behandelt ihre Stieftochter schlecht und befiehlt ihr im Winter in einem Kleid aus Papier Erdbeeren zu suchen. Im Wald begegnet sie drei Haulemännerchen die ihr helfen, weil sie freundlich zu ihnen ist. Sie findet Erdbeeren und wird mit wachsender Schönheit, Gold und mit der Prophezeiung belohnt, dass sie eines Tages den König heiraten wird. Nach ihrer Rückkehr will die neidische Stiefschwester Gleiches tun. Da sie aber böse ist, wird sie mit wachsender Hässlichkeit und der Vorhersage eines unglücklichen Todes beschenkt.
Die letzte Spielzeit 1875/76 (213 Tage/209 Vorstellungen) im „Komödienstadel“ am Lauterlech wurde geleitet von Moritz Krüger (1833-1886).
Am 16.10.1876 feierte das alte Theater am Lauterlech seinen 100. Geburtstag. In den Jahren von 1823 bis 1876 spielten in den verschiedenen Theatertruppen insgesamt 2.370 Darsteller (1.099 Männer, 738 Frauen) als „feste“ Ensemblemitglieder am Augsburger Stadttheater. Darüber hinaus wurden 274 Männer und 259 Frauen als Gäste engagiert. Auf den Spielplänen standen insgesamt 8.325 Stücke.
Seit September 1870 gehörte nun auch die junge Amalie Mayer zu dieser großen Theaterfamilie an diesem geschichtsträchtigen Haus und sie dürfte in ihren ersten Theaterjahren viel zu tun gehabt haben. Es wurde ein umfangreiches Programm gepflegt. Komödien, Märchen für Kinder, Ballett, Opern und Operetten gehörten zum Spielplan des Hauses. Das Schauspiel, die deutschen Klassiker und Shakespeare wurden auf der alten Bühne in der Jakobervorstadt gespielt und es war absehbar, dass das veraltete Haus den Aufgaben nicht mehr lange gewachsen sein würde.
Abb.18: Das Gemälde (Maße 48,5 x 38,5 cm) zeigt Amalie Mayer. Gemäß Familienüberlieferung Welcker-Kolland wurde das Gemälde von einem Fugger in Auftrag gegeben und von einem Fugger-Maler ausgeführt.
Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Vorhaben für die Notwendigkeit eines modernen Theaterneubaus in Augsburg diskutiert. Es gab viele Befürworter für einen anderen, repräsentativeren Standort in der Stadt, aber auch ablehnende Stimmen, die auf die zu erwartenden hohen Kosten verwiesen. Schließlich beschleunigte ein Zufall Anfang des Jahres 1876 die Entscheidung für einen Neubau.
Das alte Stadttheater wurde mit Gaslampen beleuchtet und der Theaterdiener entzündete die Gasflammen vor jeder Vorstellung. Über den offenen Gasflammen waren gläserne Schutzglocken angebracht. Ausgerechnet in der Loge des liberalen 1. Bürgermeisters Ludwig von Fischer (1866-1890) war diese zerbrochen. Nach der Vorstellung wurde Brandgeruch bemerkt, denn die Hitze der offenen Gasflamme hatte bereits die Decke erreicht und angegriffen. Glücklicherweise konnte die alarmierte Feuerwehr den entstandenen Schwelbrand schnell eindämmen.
Dieser „kleine Logenbrand“ gab den Anstoß, dass sich Bürgerschaft und Stadtverwaltung schnell einig wurden. Entscheidend war neben der Frage der Sicherheit aber auch die Tatsache, dass sich die Qualität der Aufführungen verbessert und dadurch das Publikumsinteresse im Laufe der Jahre gesteigert hatte. Das alte Haus konnte häufiger die Anzahl der Schaulustigen nicht mehr fassen. Noch im gleichen Jahr wurde der Entschluss gefasst, auf dem Platz des ehemaligen alten Salzstadels für 1.350.000 Mark einen repräsentativen Theaterneubau zu errichten. Die Abbrucharbeiten am alten Gebäude begannen im Juni 1876.
Bereits am 26. November 1877 wurde das „Neue Stadttheater“ unter seinem ersten Theaterleiter Moritz Krüger (1833-1886, er leitete das Haus von 1877 bis 1881) eröffnet. Nach der Jubelouvertüre von Carl Maria v. Weber wurde der selbstverfasste Prolog vom damals weitbekannten königlich bayerischen Hoftheater-Oberregisseur Ernst Possart gesprochen. Danach hob sich im neuen Großen Haus der Vorhang für Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“.
Abb.19 und 20: Das neue Stadttheater Augsburg 1876/77, Vorderansicht 1880, Zuschauerraum 1890. Es wurde errichtet nach Entwürfen der Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner und Edmund Helmer. Die Bauleitung, unter der Oberleitung des Städtischen Baurats Leybold, lag in den Händen von Architekt Anton Eysen. Das Hauptgebäude (Länge 68m, Breite 41m, Höhe 20m) erhielt einen Portalvorbau mit drei sich an der Vorderseite der Loggia wiederholenden Rundbogen-Eingängen. Im Zuschauerraum mit drei Rängen fanden 1.400 Besucher Platz.
Das neue Stadttheater war in jeder Hinsicht ein Fortschritt, denn es bereicherte das Stadtbild ganz erheblich. Für das Publikum ergaben sich enorme Verbesserungen. In einem damaligen Zeitungsartikel war zu lesen:
„ Selbst erbitterte Gegner des Neubaues, welche der Schluß- und der Eröffnungsvorstellung beiwohnten, konnten sich der Überzeugung nicht verschließen, daß abgesehen von allem anderen, schon vom Standpunkte der Sanität aus, die Beibehaltung des alten Theaters mit seiner dumpfen, brustbeengenden und lungenvergiftendenLuft eine Unmöglichkeit geworden war, während im neuen Theater die Ventilation eine so vortreffliche ist, daß, obschon erst am Eröffnungstage die Anstrich- und Firnisarbeiten vollendet wurden, die Besucher sich von den in allen Neubauten herrschenden Gerüchen und Ausdünstungen wenig belästigt fühlten.“
Die Spielzeit 1881/82 übernahm der deutsche Theaterleiter und Intendant August Grosse (1825-1902). Er trat die Nachfolge von Moritz Krüger an, mit dem er befreundet war. Er hatte u.a. die Theater in Basel und Posen eröffnet und brachte seine Erfahrungen von den Theatern Görlitz (7 Jahre), Chemnitz (4 Jahre), Neustrelitz, Sondershausen und Rudolstadt mit.
Ihm folgte für die Spielzeit 1882/83 der deutsche Opernsänger Louis Ucko (1838 -1897). Der erfolgreiche Heldentenor erfreute sich als Künstler großer Beliebtheit. Er hatte an hervorragenden Bühnen gastiert (u.a. Mainz, Stettin, Breslau, Hamburg (1870-1873), Stuttgart (1871-1881).
Von 1883 bis 1886 übernahm noch einmal August Grosse die Leitung. Auf ihn folgte für die nächste Spielzeit von 1886 bis 1887 der österreichische Theaterschauspieler und Intendant Franz Deutschmann (1834-1908). Er hatte in Riga debütiert und war an den Theatern Würzburg, Bremen, Leipzig (1864-1871), Homburg (1871-1872), Rostock (1872-1876) und Mainz (1876-1880) als Charakterspieler gewesen.
Zwischen 1880 und 1882 nahm die Operette am neuen Stadttheater immer größeren Raum ein. Im Januar 1883 wurden Meyerbeers „Hugenotten“, im April 1883 Bizets Oper „Carmen“ aufgeführt und am 8. Dezember 1883 erlebte „Der Bettelstudent“ von Millöcker seine Augsburger Erstaufführung. In der Spielzeit 1886/87 gab es an Opern-Neuheiten Webers „Silvana“ (Das Waldmädchen), die Erstaufführung von Flotows „Indra“ und Johann Strauß’ Operette „Der Zigeunerbaron.“
Das neue Stadttheater war nun 10 Jahre alt und nach den wechselnden Intendanzen übernahm noch einmal der inzwischen 80jährige Louis Ubrich das Theater. Er führte es erfolgreich von 1887 bis 1896 und war der erste Direktor des neuen Hauses, der länger als fünf Jahre regierte. Für die nächsten neun Spielzeiten entwickelte er einen kontinuierlichen Spielplan. Von 1888 bis 1893 brachte er u.a. Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ heraus. Weitere Opern-Neuheiten, die auch heute noch auf dem Spielplan der Augsburger Bühne stehen, waren Mascagnis „Cavalleria rusticana“, Leoncavallos „Bajazzo“ und Humperdincks „Hänsel und Gretel“. 1896 endete die Amtszeit des nun 89jährigen Louis Ubrich und er nahm endgültig Abschied vom Theaterleben. Sein Nachfolger wurde Karl Schröder, der das Haus bis 1903 führte.
In all diesen Jahren sang Amalie Welcker, geb. Mayer als bewährte Solistin und als Mitglied des Chores in unzähligen Produktionen mit. Mit zunehmendem Alter veränderte sich ihre Stimme und ihr Sopran reifte zum Alt. In den Jahren 1895 und 1900 war sie definitiv als Solistin für Altpartien engagiert. Darüber hinaus wurde sie zur geschätzten Chorführerin der Altistinnen des Theaterchores. Im Jahr 1899 bestand der Chor aus 28 Personen: 5 erste Tenöre, 3 zweite Tenöre, 5 erste Bässe, 3 zweite Bässe, 5 erste Soprane, 5 zweite Soprane und 2 Altistinnen. Zusammen mit ihrer Kollegin Marie Hoermann sang Amalie im Alt.
Nach 30 Bühnenjahren sagte sie dem Theater Lebewohl und beendete im Jahr 1900 ihre Laufbahn als Sängerin am Stadttheater Augsburg. Unter dem für sie wohl wichtigsten Theaterleiter Ubrich hatte sie als Darstellerin und Sängerin in jungen Jahren zusammen mit ihrem Vater am alten „Komödienstadel“ begonnen. Unter fünf weiteren Theaterleitern des neuen Hauses sang und spielte sie als erfolgreiche Solistin und Mitglied des Ensembles in unzähligen Produktionen. Sie war nun 44 Jahre alt und erzählte später allzu gern von ihren Streichen am Theater (von denen dann ihre Enkelin Maria Kolland, geb. Welcker noch ihrem Urenkel Hubert Kolland berichtete). Sie besaß als sangestüchtige und sangesfreudige Choristin einen guten Humor, der nie zu versiegen schien. Auch in späteren Jahren übertrug man ihr kleinere Solopartien. So gestaltete sie u.a. die Ines (Sopran, kleine Partie) in Verdis „Troubadour“, die Zigeunerin Mercédès (lyrischer Mezzo, mittlere Partie) in Bizets „Carmen“ und die Mutter Luzie (dramatischer Alt, Spielalt, kleine Partie) in Mascagnis „Cavalleria rusticana“. Aus dieser kleinen Aufzählung erschließt sich, dass sie stimmlich und spielerisch sehr wandelbar war.
Abb.21: Amalie Mayer (links im Bild) als Altistin.
