Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Dieses Buch präsentiert einen Traum, den ich in der Praxis eines Arztes geträumt habe. Ein Freund, den ich über fünfzig Jahre nicht mehr gesehen habe, gab mir in diesem Traum den Auftrag, die Geschichte aufzuschreiben.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 87
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Vorwort
Und hier beginnt die Geschichte
Multikulturelle Veranstaltung
Die Abstammung unserer Familie
Genehmigung von meiner Mutter
Mein Freund „Zufall“
PAN AMERICAN
Katholische Einstellung, Namensänderung, Künstlername
Stehplatzmöglichkeiten in der Staatsoper
Ein ganz besonderer Tag
Ankunft in Deutschland
Lina und Costa
Sommersemester in Nizza
Je t‘ai perdue (Ich habe Dich verloren)
Schauspielstudium
1969 - Mondlandung der Apollo 11
Die ungeplante Reise mit meinen Freunden nach Griechenland
Die Schiffsreise nach Kreta
Am Hauptbahnhof in Thessaloniki war ein reges Treiben
Im Siemenswohnheim
Auszug aus dem Siemenswohnheim
In München tobte die Stadt vor Aufregung
Einladung nach Paris
Hamburg
Bau des Musikforums in Bochum
Eine unendlich lange zurückliegende Geschichte, die sich im Traum entwickelt hat, muss ich endlich aufschreiben. Es war der 14. Juli 2017, ausgerechnet der französischen Staatsfeiertag.
Fürchterliche Schmerzen zwingen mich, einen Arzt aufzusuchen, um mich behandeln zu lassen. Der Arzt sah das Ergebnis meiner geschwollenen Beine. So tat er seine Arbeit und ich plagte mich durch meine Angst, es wäre jetzt an der Zeit, den „Löffel“ abzugeben.
Mehrere schlaflose Nächte hatte ich bereits hinter mir. Deshalb legte ich mich im Behandlungszimmer des Arztes auf eine Liege und ließ mit mir geschehen, was sein musste. Ich rief meinen Steuerberater an und bat ihn, wenn mir etwas Schlimmes passiere, meinen Bruder Josef zu verständigen, damit man mich entsprechend versorgt. Es verging etwas Zeit, bis der Arzt wieder ins Behandlungszimmer kam. Die ruhige Situation ermöglichte es mir, meinen verlorenen Schlaf nachzuholen.
Kaum war ich eingenickt, hat mich die Traum-Fee auch schon sanft in ihrem Traum aufgenommen. Unendlich weite Felder waren mit Mohn- und Kornblumen übersät. Sie zeigten sich in den schönsten Farben, wie wir uns das niemals vorstellen können. In unseren Träumen gibt es Möglichkeiten, wo uns das Leben unsagbar schön und bunt erscheint. Meine Beobachtung konnte von den Farben nicht genug bekommen und erfreute sich der traumhaft schönen Geschichte, die mir geboten wurde.
Als mein Arzt mit viel Gepolter wieder ins Zimmer kam, wurde ich aus den schönen Träumen aufgeweckt und den Tatsachen des täglichen Lebens gegenüber gestellt.
Die schönen Träume gaben mir aber auch die Intuition, dieses Buch zu schreiben. Es ist eine Geschichte aus einer Zeit, als wir jung waren.
Von Paris nach Hamburg: Die Autorin im Alter von 28 Jahren.
Ein sehr lieber Freund, den ich mehr als 50 Jahre weder gesehen, noch gesprochen, noch ihm geschrieben habe, kam ganz plötzlich in meinen Kopf und es machte mir den Eindruck, als wolle er mir etwas Wichtiges mitteilen.
Mein erster Gedanke war, dass es ihm hoffentlich gutgehe, denn wie sonst soll ich 50 Jahre schweigende Vergangenheit verstehen? Viele Fragen, die ich mir nicht erklären konnte, tauchten auf. Warum kommen tausende Kilometer so nah an mich heran? Wie kann es sein, meine Erinnerung dermaßen zu beeinflussen, was verunsichert mich? Ich war davon überzeugt, der Sache auf den Grund gehen zu müssen.
Derzeit bin im Besitz der dritten Nationalität, aber ich fühle mich zu keinem Land besonders hingezogen. Mich interessieren Menschen, die dort leben. Ich bin überzeugte Pazifistin, die zurzeit in Deutschland lebt. Insofern fühle ich mich verpflichtet, den europäischen Gedanken zu fördern.
Am Wochenende war ich zu einer multikulturellen Veranstaltung eingeladen worden, wo viele Menschen verschiedenster Hautfarbe und Herkunft feierten. Sie tanzten, lachten, und aßen ihre sehr guten Speisen, die sie selbst mitgebracht haben. Sie redeten miteinander, und es ist kein Stress bezüglich ihrer Konfession oder Kultur aufgekommen. Weder Neid noch Missgunst haben die Anwesenden davon abgehalten, miteinander zu feiern. Niemand fragte nach Nationalität und schon gar nicht nach irgendwelchen Glaubensrichtungen. Sie haben sich allesamt so akzeptiert, wie sie sind.
Was ich daraus erkannt habe, ist die Tatsache, ich muss mich viel mehr einsetzen und den europäischen Gedanken so sehr unterstützen, damit politische Machenschaften wie Nationalitäten etc. keine so große Wichtigkeit mehr in unserer Gesellschaft einnehmen und wir ruhig miteinander leben können. Zufällig kam ein Gespräch auf eine Situation, die die Zyprioten täglich in ihrem Land erleben.
Besitzansprüche wie Grundbücher und Katasteramt etc. haben dort keine Gültigkeit. Sobald zwischen Griechen und Türken Unstimmigkeiten produziert werden, müssen die zwei Völker ihre Häuser und ihr Hab und Gut verlassen und in die andere Hälfte des Landes ziehen. Die Konfessionen haben dort eine so große Macht, die den Menschen keine Sicherheit auf ein normales Leben bietet.
Sie leben in einer großen Anspannung und in einer sehr großen Angst, ihrer Habe beraubt zu werden und ihre Nester zu verlieren. Das sind Lebensmöglichkeiten, über die wir uns nicht die geringsten Gedanken machen.
Wir streben ein vereinigtes Europa an. Wie sollen wir ein europäisches Bewusstsein entwickeln, wenn die vielen Nationen, die Europa ausmachen, keine gleichen Rechte haben, und keine gleichen Pflichten übernehmen wollen.
Wir sollten Ideologien der verschiedenen Völkerstämme in Europa aufnehmen und sie als Ganzes betrachten. Das bringt nicht nur wirtschaftlichen Reichtum, sondern auch viel mehr menschliche Zusammengehörigkeit und Wertvorstellung.
Dort wird die Religion streng eingehalten. Die katholische Sippschaft achtet und überwacht akribisch unsere Wurzeln. Durch verschiedene Kriegswirren konnte die Herkunft unserer Familien nie ganz klar gekennzeichnet werden. Das brachte natürlich einige Unsicherheiten mit sich.
Alleine der Name unserer Mutter, Katharina Lafleur, bestätigt in etwa unsere Abstammung. Immer wieder müssen wir unsere Herkunft erklären, was bei diversen „Geistesblitzen“ sehr oft zu Missverständnissen führte.
Nun möchte ich einiges zur Lebensauffassung unserer Mutter erläutern. Vorher will ich aber klar stellen, dass ich meine Mutter sehr geliebt habe. Oft war es für mich nicht zu begreifen, wie naiv sie manchmal an eine Sache heran ging. Menschen unterhalb der Gürtellinie zu erfassen war total verpönt. Und der Gedanke, eine Frau studieren zu lassen, fiel in jedem Falle flach. Es wäre ja möglich, dass sie Kontakt zum anderen Geschlecht bekäme, und das musste in jedem Fall verhindert werden.
Was hätte da nicht alles passieren können!! Wenn ich grelle Farben in meiner Kleidung aussuchte, sagte meine Mutter: „Kind, so kannst du doch nicht herum laufen! Was werden denn die Leute sagen?“ Diese Information konnte ich nur noch schreiend ertragen.
Deshalb hieß es nur, eine Frau gehöre hinter den Herd, denn sie werde irgendwann geheiratet und Studieren komme somit nicht in Frage. Wer soll denn sonst die Kinder bekommen?
Als hätte die Frau keine Rechte, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Oder soll sie nur eine Gebärmaschine sein? Heiraten oder nicht, das lassen wir jetzt einfach dahingestellt. Als ich meinen Eltern klar machte, dass ich studieren will, fielen sie aus allen Wolken und schrien, als sie sich von ihrem Schock erholten: „bisch varuckt gsie??“ (Jetzt bist du ganz verrückt).
Es dauerte sehr lange, bis ich meinen Willen durchsetzen konnte. Und als ich endlich die Genehmigung von meiner Mutter bekam, nach Wien reisen zu dürfen um dort die Matura zu machen, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Allerdings gab sie mir den Hinweis, dass ich von zuhause kein Geld zu erwarten habe. Für meine Kosten müsse ich selbst aufkommen. Etwas Wichtiges gab sie mir noch mit auf den Weg, dass sich bei mir wie ein großes Mauerwerk festgesetzt hat: „Wehe du kommst mit einem ledigen Kind nach Hause!“. Was das auch immer bedeutet, ist mir bis heute nicht klar. In meinem Leben ist mir ein verheiratetest Kind noch nie untergekommen.
Der erste Schritt war getan und den Zweiten werde ich auch noch schaffen. Meine Mutter suchte mir in Wien eine Unterkunft in Verbindung mit einer Arbeit und so war der Weg in die „Geisteswissenschaften“ geebnet. Damals arbeitete ich bei einem Obstgroßhändler, wo ich morgens um vier Uhr Bananen zum Naschmarkt bringen musste.
Damit die Kunden ihre Ware bis spätestens acht Uhr vor Ort haben sollten, musste ich mit meiner Lieferung schnell und pünktlich sein. Die Naschmarkverkäufer erwarteten von mir ihre Ware immer zur gleichen Zeit. Sie wiederum wollten ihre Endverbraucher ebenso schnell beliefern.
Immer, wenn frische Bananen in mehreren Wagons am Zoll ankamen, war es unsere Aufgabe, diese abzuladen und in die Reifekammern des Unternehmers zu bringen. Es war eine sehr schwere Arbeit, die eigentlich nur für Männerhände gedacht war.
Eines Tages, als mir der Besitzer des Unternehmens, ein ekeliger, nach Schweiß stinkender Gnom, an die Wäsche wollte, habe ich ihm erstmals eine verpasst, einen kräftigen Schlag, den er so schnell nicht vergessen würde. Diese nach Schweiß stinkende Kaulquappe hatte mit meiner Reaktion wohl nicht gerechnet. Notgedrungen musste ich nun eine andere Stelle finden, denn dieses Ekelpaket hatte sich so aus der Affäre gezogen, als hätte ich mich ihm genähert. Mit Schaudern erinnere ich mich an diesen Augenblick.
Mein Freund „Zufall“ spielt in meinem Leben immer eine sehr große Rolle, so auch diesmal. Beim Spazierengehen im Volksgarten traf ich eine sehr nette Bedienung der Gaststätte „Wienerwald“. Heulend erzählte ich ihr von dem Vorfall bei dem Großhändler. Sie war darüber so erbost, dass sie mir gleich eine Stelle als Schankkellnerin anbot, wo ich weit mehr Geld verdienen und so mein geplantes Studium besser bewältigt konnte als bei dem Vorgänger.
Zu meinem Glück bot sie mir auch noch die Möglichkeit, so lange bei ihr übernachten zu können, bis ich wieder eine geeignete Unterkunft gefunden habe. Manchmal dauerte ein Tag gefühlte 48 Stunden. So musste ich meine Zeit besser einteilen und deshalb habe ich meine Arbeit auf das Wochenende verlegt, wo ich konzentriert mehr Einnahmen erzielen konnte. Ich war freundlicher, ausgeschlafener und netter zu den Gästen und das brachte mehr Geld in mein Portemonnaie.
Wie schon erwähnt, spielt mein Freund „Zufall“ in meinem Leben stets eine große Rolle. Ein Gast der Staatsoper kam auf mich zu und fragte mich, ob ich es denn nicht mal mit Singen versuchen wolle? Schließlich hätte ich doch eine ganz schöne Stimme, wie man hört. Meine Arbeit habe ich sehr gerne trällernd erledigt, was ihm wohl aufgefallen ist. Er ermutigte mich, in der Staatsoper vorzusprechen. Wenn ich schon eine so seltene Stimme habe, könne diese den anderen Menschen nicht vorenthalten werden, meinte er. Der liebe Gott hat sich bestimmt etwas dabei gedacht, als er mir das Leben gab und meine Stimme dazu. So bin ich dem Gast der Staatsoper gefolgt und nahm sein Angebot an. Sogleich stellte ich mich beim Chorleiter der Staatsoper vor, der mir dann auch eine Stelle als Sängerin anbot.
