Beschreibung

Steve McQueen war der "King of Cool". Ein Draufgänger, der nicht viele Worte benötigte, um an sein Ziel zu kommen. Bis heute gilt er als Stilikone, als der männlichste aller Männer, als genau der Typ, den er in seinen Filmen spielte: geradlinig, ehrlich, unverwüstlich. Doch welcher Mensch steckt hinter dem Mythos? Barbara McQueen, die letzte Frau an seiner Seite, schildert zum ersten Mal ausführlich, wie der größte Filmstar seiner Zeit wirklich war. Ein Roadmovie voller Liebe, Leidenschaft und Leid. Sie beschreibt seinen Kampf gegen eine heimtückische Krankheit, spricht von Scharlatanen in Arztkitteln und einer Luftbrücke mit Schokoladenkuchen. Und sie zeigt private Fotos, die sie jahrzehntelang unter Verschluss hielt. Mein McQueen ist eine Art intimes Tagebuch ihrer letzten gemeinsamen Jahre, keine Biografie, sondern eine atemberaubende Liebesgeschichte. Spannend und kenntnisreich aufgeschrieben von dem Journalisten Christian Krug und dem Biografen Marshall Terrill, die Barbara McQueen immer wieder in ihrem Haus in den Rocky Mountains besuchten. Der "King of Cool" privat. Barbara McQueen über die Liebe ihres Lebens und den Mann hinter dem Mythos.

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Seitenzahl: 136

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Von CHRISTIAN KRUG (HRSG.)

mit MARSHALL TERRILL

MEIN McQUEEN

BARBARA McQUEEN

ÜBER DEN

MANN HINTER DEM

MYTHOS

Just TwoBarbara McQueen

If I had to think of two, I’d always come back to me and you, The old blue truck The things we’d do Me and you Just two.

„Ein Jahrhundert zu spät geboren“: Steve McQueen als Kopfgeldjäger in seiner letzten Rolle.

PROLOG

Ketchum, Idaho

Der Winter war lang und streng, und auf den Bergen hinter ihrem Haus liegt noch der Schnee. Das Haus steht in einem Dorf namens Ketchum, neben einer Straße, die weiter in die Wälder führt und tief hinein in die Rocky Mountains. Mehr als sechs Stunden dauerte die Fahrt vom Flughafen hierher, immer Richtung Norden auf der Interstate 75, erst durch weite Kartoffelfelder, dann durch die Prärie von Idaho. Es ist ein Holzhaus, zwei Stockwerke hoch, davor parkt ein schwarzer Hummer H2; im Rasen des Vorgartens stecken die Stars and Stripes, die Farben Amerikas. Dieses Haus ist auch ein Versteck.

„Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?“ – Eine schlanke Frau mit dunklen, langen Haaren erscheint in der Eingangstür. Neben ihr bellt ein Labrador und wirft sich gegen das Fliegengitter. Willkommen in der Welt von Barbara McQueen.

Sie öffnet die Tür. Der Hund schießt aus dem Eingang und springt mich an. Sie sagt: „Der tut nichts.“ Ich bin nicht sicher, ob der Hund das auch weiß. Sie ruft ein Kommando und lacht dabei. Offensichtlich wollte sie meine Reaktion testen. Der letzte Eignungstest für unser Gespräch?

Seit fast dreißig Jahren hat Barbara McQueen es abgelehnt, mit Journalisten über ihren Mann zu reden. Sie hat sich selten öffentlich geäußert, egal, was in den Zeitungen stand. Steve sollte ihr Steve bleiben, ihr McQueen. „Ich wollte ihn für mich haben, wollte meine Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit nicht teilen“, sagt sie. Für die Öffentlichkeit mag er ein Mythos sein, eine Legende, ein amerikanischer Rebell, der King of Cool, der noch heute Mode und Popkultur beeinflusst. Für sie aber, seine letzte Frau, bedeutet er viel mehr: Er ist die Liebe ihres Lebens.

Barbara McQueen ist eine scheue Frau, sie ist vorsichtig, und sie hat das Gefühl, dass sie sich schützen muss. In einer Vitrine stehen drei Gewehre, ein Bärentöter, eine Schrotflinte. Unter ihrem Kopfkissen, das wird sie später erzählen, liegt stets ein schussbereiter Colt, Kaliber 38. In der Küche findet man Pfefferspray-Dosen, überall im Haus sind Signalsirenen verteilt. Sie wohnt nicht in Malibu oder irgendwo sonst in Kalifornien oder Florida, sondern in Ketchum, Idaho, einem Dorf in den Bergen, in dem Fußgänger angehalten sind, rote Signalfähnchen zu nehmen, bevor sie die Straße queren, und Fremde hinter zugezogenen Gardinen beobachtet werden.

Barbara McQueen war einmal eine der schönsten Frauen, die von den Titelblättern der größten Magazine lächelte. Ihre Geschichte, ihre Beziehung zu Steve McQueen war ein modernes Märchen, wie geschrieben für die Klatschspalten. Sie: das Supermodel. Er: der bestbezahlte Schauspieler seiner Zeit. Sie lernte ihn kennen, als er bereits der größte Filmstar der Welt war, berühmt aus Filmen wie Die glorreichen Sieben, Gesprengte Ketten, Bullitt, The Getaway, Thomas Crown ist nicht zu fassen oder Papillon. 28 Filme hat McQueen in 22 Jahren gedreht. In den gemeinsamen vier Jahren sollten es zwei sein: Ich, Tom Horn und Jeder Kopf hat seinen Preis.

Wer McQueen ein Drehbuch schickte, musste einen Scheck über 50.000 Dollar beilegen. Wenn es ihm nicht gefiel, durfte er den Scheck trotzdem einlösen. Für die Mühe. Lesen strengte ihn an. Wenn er den Film machen wollte, garantierte ihm der Filmproduzent mindestens drei Millionen Dollar Gage, das war der Steve-McQueen-Deal, den jeder in Hollywood kannte. Und trotzdem kam jeden Monat mindestens ein Drehbuch, das er las, ablehnte und kassierte. Niemand sonst hatte diese Macht. Er wusste: Filme mit ihm als Star waren wie eine Währung, zuverlässig und hart wie seinerzeit der US-Dollar.

Doch jener Steve McQueen, den Barbara Minty, 24 Jahre alt, Tochter eines Farmbesitzers aus Oregon, am 4. Juli 1977 kennen lernte, hatte kein großes Interesse mehr an Hollywood. Er wollte noch mal seinen eigenen Traum leben, ein ganz neues Leben beginnen, wollte unerkannt durch die Weite Amerikas fahren, mit seinen Kleinlastern und Motorrädern. Er wollte Fliegen lernen und mit Freunden Bier trinken, sagt sie. „Er wollte einfach nur ein Mann sein.“

Warum hat sie so lange geschwiegen? Über das Leben an seiner Seite und seinen rätselhaften Tod? 1980 starb McQueen an einer Krebserkrankung, in einer obskuren Klinik in Mexiko. Sein behandelnder Arzt war ein selbsternannter Wunderdoktor, der die Krankheit und ihre Metastasen mit einer homöopathischen Kaffee-Therapie besiegen wollte. McQueen glaubte an ihn. Doch was geschah wirklich in den Stunden nach der Tumoroperation, die die Wende bringen sollte? War er noch einmal wach? Ging es ihm plötzlich wieder blendend, wie viele Biografen bisher berichten? Hat er sogar Scherze mit den Schwestern gemacht? Von großen Plänen soll er gesprochen haben, von neuen Filmen.

Hartnäckig halten sich deshalb Mordgerüchte, die sich auf angeblich verlässliche Augenzeugen berufen. Er sei getötet worden, weil die alternative Krebstherapie in Mexiko erfolgreich gewesen sei, und das hätten die Schulmediziner Amerikas nicht zulassen können. Gab es Menschen in der Klinik, die verhindern sollten, dass er sie gesund verließ?

Barbara McQueen kennt die Antwort. Sie war bei ihrem Mann, als er aus der Narkose aufwachte. Sie war die letzte Person, mit der er sprach. Doch bisher hat sie dazu geschwiegen: „Ich habe dazu noch nie etwas gesagt und ich werde dazu nichts sagen.“ Neben dem Hund, den Waffen, dem Pfefferspray und den Signalsirenen ist nun dieser Satz zwischen uns. Hier ist eine Linie, eine Grenze, die niemand überschreiten darf. „Verstehen Sie das? Dieser Moment gehört Steve und mir“, sagt sie, „uns ganz alleine.“

Am Ende unserer gemeinsamen Zeit in Ketchum, nach Tagen, an denen wir morgens anfingen, über Steve McQueen zu sprechen, und erst nach Mitternacht damit aufhörten, reden wir doch über seinen Tod. „Vielleicht ist es Zeit, die Dämonen der Vergangenheit herauszulassen“, sagt sie. Und zeigt mir etwas, das sie vorher noch niemandem gezeigt hat: Die Hochzeitsbibel, die Steve und sie von seinem Fluglehrer Sammy Mason geschenkt bekommen hatten. „Ich habe sie manchmal an mein Herz gedrückt und bin mit ihr durch das Haus gegangen. Da war er immer ganz nah bei mir. Dieses Buch ist vielleicht das persönlichste Stück, das uns beide verbindet.“ Dann blättert sie die Bibel auf und streicht über die Seite, auf die ihre Eheurkunde geklebt ist.

Auch nach vielen Jahren fällt es Barbara McQueen schwer, über ihren Mann zu reden. Sie erzählt zwar gerne Anekdoten, sie lacht dabei viel und manchmal auch zu laut, sie amüsiert sich über seinen Humor und seine knochige, trockene Art. Aber die ernsten Themen ihrer Ehe lässt sie am liebsten weg. Steve McQueen konnte ein ruppiger Typ sein, mit dem man schnell in Streit geriet. Die Witwe Barbara verpackt ihre Erinnerung daran lieber in eine niedliche Geschichte: „Steve wusste, ich liebe Kätzchen. Und immer, wenn wir uns sehr gezankt haben, kam er mit einer auf dem Arm zu mir. ‚Hier ist ein Kätzchen für dich‘, sagte er dann nur.“ Sie macht eine lange Pause, dann sagt sie: „Als er starb, hatte ich dreizehn Stück.“

Barbara McQueen war seine dritte Ehefrau. Mit der ersten, Neile, die er 1958 heiratete, zeugte er eine Tochter und einen Sohn, Terry und Chad. 1970 zerbrach die Ehe unter tragischen Umständen. Er betrog sie, sie betrog ihn – am Ende schlugen sie sich und Neile wollte die Scheidung. Steve drehte den Film The Getaway mit Ali MacGraw und verliebte sich dabei in seine Filmpartnerin. Sieben Jahre später hielt er es auch mit Ali nicht mehr aus. Und er betrog sie mit Barbara.

1977 war das, als Barbara auf dem Höhepunkt ihrer Modelkarriere angelangt war. Er wollte sie kennen lernen, sie kam. So ging es ständig in seinem Leben. Er wollte etwas, seine Leute organisierten – und er bekam seinen Willen. Doch Barbara, damals halb so alt wie er und eigentlich als Sex-Trophäe vorgesehen, blieb an seiner Seite, bis er starb. Völlig überfordert von der Situation, fast noch ein Kind, durchlebte und durchlitt sie Monate, in denen aus dem starken, charismatischen Mann, den sie kennen gelernt hatte, ein sterbenskranker Patient wurde.

Dieses Buch handelt von dieser gemeinsamen Zeit. Von The Last Mile, der letzten Meile seines Lebens, wie sie es nennt. Der amerikanische Biograf Marshall Terrill, der als der versierteste Experte für Steve McQueen gilt, half ihr dabei, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Diese Passagen sind im Folgenden kursiv und farbig abgesetzt – und von Barbara McQueen autorisiert worden. Für den allgemeinen Teil der Erzählung unterhielten wir uns viele Tage lang in ihrem Haus in Ketchum, in dem sie zurückgezogen lebt. „Mein McQueen“ ist keine Biografie, sondern eine Liebesgeschichte. Sie ist subjektiv und lückenhaft. Barbara McQueen verschweigt uns manches, was sie als zu privat, zu intim empfindet – und öffnet sich doch mehr als jemals zuvor. Sie lässt sich Zeit mit ihren Erinnerungen, entdeckt noch heute immer neue Seiten an ihm. Sie schaut keinen seiner Filme an, höchstens ein paar Minuten, weil sie es nicht aushält. „Ich kann damit noch immer nicht umgehen“, sagt sie. „Es tut weh.“ Jahrzehntelang hielt sie die über 400 Fotos unter Verschluss, die sie von Steve geschossen hat. Nun findet sie, dass es an der Zeit ist, sich zu öffnen und ihre Geschichte zu erzählen. „Er ist der Mann meines Lebens“, sagt sie. „Sie werden nichts von mir hören, was ihm schadet. Ich weiß Dinge von ihm, da rollt es Ihnen die Fußnägel hoch. Aber die werde ich nie erzählen. Nicht solange ich lebe.“

Sie springt auf, läuft ins Zimmer nebenan, in dem sich ein Safe befindet, und kommt mit einer Plastiktüte zurück. Man erkennt Polaroidfotos, Papiere, Briefe, Verträge, Schmuck. „Meine Lebensversicherung“, sagt sie, „diese Tüte würde meine Hypothek auf einen Schlag bezahlen.“ Diese Tüte ist ihr Schatz. Sie nestelt ein Polaroid aus der Schutzhülle. „Nicht abfotografieren, versprochen?“ Das Bild zeigt, natürlich, Steve McQueen. Und zwar in einer Situation, in der man nicht häufig gezeigt wird, weil man gewöhnlich die Tür hinter sich abschließt.

Barbara McQueen ist eine lebenslustige Frau. Der Alkohol hat ihrem Leben nicht gutgetan. Sie redet offen darüber. Und trinkt keinen Schluck mehr. Seit dreißig Jahren schwebt ein Schatten über ihr, mit dem sie lebt, Tag für Tag. Sie zeigt das Bett, in dem sie sich geliebt haben, und in dem er schließlich dahinsiechte. Sie bietet einen Platz in seinem Schaukelstuhl an, auf dem er morgens immer saß und an seinem ersten Kaffee nippte. Sie zeigt seinen letzten Bademantel im Kleiderschrank und seine Lieblingstasse. Es scheint, als sei Steve McQueen nur kurz zum Bierholen gegangen. Er ist gar nicht wirklich weg. Er blickt von Bildern an der Wand und von Zeitschriften im Regal. Sogar auf der Toilette ist er präsent. Am Kleiderhaken baumelt sein Hut und eine Jacke mit einem aufgenähten Namenszug: Steve McQueen. Neben der Eingangstür steht ein Holzbock mit seinem Sattel. „Er war ein Cowboy“, sagt seine Witwe, „er war ein echter Mann.“

Hinter der Garage steht ein alter Pick-up-Truck, ein Ford, mintgrün, „Ragtime Farm“ steht auf der Fahrertür. Der Wagen parkt dort, als habe Steve McQueen gerade den Motor abgestellt. Etwas verwittert, aber mit Stil.

„Mein Gott, ich wünschte, er wäre jetzt hier“, sagt Barbara McQueen, „wir hatten einfach verdammt viel Spaß zusammen.“

Bilder aus dem Familienalbum: McQueen und Barbara fotografieren sich gegenseitig während eines Ausflugs in die Rocky Mountains.

Ausfahrt mit Freundin und Dauerwelle: McQueen liebte historische Motorräder. Im Hintergrund Chad McQueen, damals 16.

Vom Bauernhof zum Laufsteg: Barbara Minty war ein begehrtes Model. Auch wenn sie hier aussieht, als hätte sie „Elton Johns Kleiderschrank geplündert“.

„Das kann unmöglich Paul Newman sein! Wer zur Hölle ist das?“

Kapitel 1

Beverly Wilshire Hotel, LOS ANGELES

Die Liebesgeschichte von Barbara Minty und Steve McQueen beginnt mit einem Schwindel. McQueen hatte das Model auf einer Anzeigenseite für den Club Med im Bordmagazin eines Flugzeugs entdeckt und seine Assistentin damit beauftragt, ihre Telefonnummer herauszufinden. Als die Recherche keinen Erfolg hat, ruft er Barbaras Agentin Nina Blanchard an. Er erzählt ihr, dass er Barbara als Häuptlingstochter in seinem neuen Western Tom Horn besetzen will. Blanchard, die auch einige Schauspieler vertritt, kennt das Drehbuch und wundert sich. Sie fragt: „Im Skript gibt es doch gar keine Indianerin?“ McQueen antwortet, er habe das Drehbuch extra umschreiben lassen – und nun gäbe es eine Squaw. Natürlich stimmt das nicht.

Steve McQueen ist ein berüchtigter Frauenheld. Während seiner zwei Ehen mit Neile Adams und Ali MacGraw schläft er mit dutzenden Mädchen. Die wenigsten dürfen nach der Nacht neben ihm aufwachen. McQueen bemüht sich nicht besonders, die Affären geheim zu halten. Seine Frauen können es akzeptieren oder ihn verlassen, das ist ihre Wahl. Ali MacGraw ist nach den Filmen Love Story und Getaway eine der begehrtesten Frauen Hollywoods. Doch anstatt ihre Karriere zu fördern, wacht er argwöhnisch über jede Anfrage. Er hat Angst vor Konkurrenz, er ist eifersüchtig auf jeden Mann, der mit ihr Kontakt aufnehmen will. Besonders Produzenten und Regisseure verdächtigt er, ihm die Frau ausspannen zu wollen. Wenn Rollenangebote für Ali eingehen, lässt er durch einen Mitarbeiter seiner Filmfirma absagen – in der Regel, ohne mit ihr darüber zu sprechen.

Am liebsten hat er es, wenn sie das Heimchen am Herd gibt, ihm Hamburger brät oder kaltes Bier serviert. Nach dem Essen steigt er immer öfter auf eines seiner Motorräder und fährt ohne bestimmtes Ziel in der Gegend umher, während sie wieder auf ihn wartet. Das Haus am Strand von Trancas Beach wird mehr und mehr zu einem Gefängnis für sie. Als er eines Tages fragt, was sie sich denn wünsche, sagt sie: „Ich will endlich auch mal wieder essen gehen.“ Danach, so erinnert sie sich, beginnt der übliche Streit über ihre Undankbarkeit. Sie wirft mit Geschirr nach ihm, und er schlägt ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Sie blutet aus einer Wunde unter ihrer Augenbraue. Danach ist nichts mehr wie vorher. Vom Schlag benommen liegt sie im Haus. Er fährt mit einem Motorrad weg und schläft in dieser Nacht in einem Motel. Die Entscheidung ist gefallen: Beide wollen ein neues Leben beginnen. Für die Öffentlichkeit sind sie noch das Traumpaar Hollywoods. Doch ihre Ehe ist am Ende.

Seit dem Kassenschlager Flammendes Inferno hatte Steve McQueen nur noch einen Film gedreht, aber der war noch nicht in den Kinos. Drei Jahre lang lebt er in den Tag hinein, fährt ins Büro, aber meist nur, um sich mit Produzenten und Drehbuchautoren zu streiten. Immer öfter verflucht er seine Branche, schimpft über schlechte Bücher und lausige Rollenangebote. Dabei steht er noch immer auf dem Zenit seiner Karriere. Flammendes Inferno setzte filmische Maßstäbe für das Action-Kino. Es ist McQueens erster gemeinsamer Film mit Paul Newman. Die Weltstars sind erbitterte Konkurrenten: Newman ist der einzige Schauspieler, dem McQueen zutraut, ihm den Status als Nummer eins streitig zumachen. Warren Beatty? Robert Redford oder Dustin Hoffman? Hält er für Emporkömmlinge, die er nicht zu fürchten braucht. Aber Newman ist wie ein schauspielerischer Zwilling: Minimalist, Frauenschwarm, Western- und Actionheld. Zeitungen vergleichen die beiden und fragen erstmals: „Wer ist der King of Cool?“ Schon die Frage empfindet McQueen als eine Beleidigung. Newman ist reif für eine Lektion.

Der Vertrag, den Steve McQueen mit den Produzenten von Flammendes Inferno aufsetzen lässt, sagt viel über das Verhältnis zwischen ihm und seinem Widersacher aus. McQueen besteht darauf, dass er auf allen Filmplakaten als erster genannt wird. Sogar die Schriftgröße lässt er im Vertrag festschreiben. Jeder Satz im Manuskript muss von McQueen abgesegnet werden, alle Wörter, die Newman sprechen soll, lässt er zählen. Als McQueen feststellt, dass Newman 20 Zeilen Text mehr hat, wird das Drehbuch umgeschrieben. McQueen spielt in dem Film einen Captain der Feuerwehr, Newman den Architekten eines Wolkenkratzers, der wegen Bauschlampereien in Flammen aufgeht. Die Rolle des Helden ist also geklärt: Der mutige Feuerwehrmann McQueen rettet die Opfer des Architekten Newman. McQueen gelingt es, mit seinem ärgsten Konkurrenten in einem Film aufzutreten und ihn dabei doch zu kontrollieren. Dafür kassiert er mit über zwölf Millionen Dollar die höchste Gage, die je ein Schauspieler verlangt hatte.

So ist die Lage, als Barbara Minty einen Anruf ihrer Agentin erhält, die sagt: „Der Star von Flammendes Inferno will dich kennen lernen und dir eine Filmrolle anbieten.“ Barbara denkt, es handele sich um Paul Newman, der nach ihr fragt – und sagt sofort begeistert zu. Als die beiden Frauen in das Restaurant im Hotel Beverly Wilshire