Meine Lieben! - Willi Layer - E-Book

Meine Lieben! E-Book

Willi Layer

4,8

Beschreibung

Das Buch "Meine Lieben" beinhaltet alle Briefe, die mein Großonkel Willi Layer an seinen älteren Bruder und dessen Frau, meine Großeltern, und z. T. auch an seine Eltern, während seiner Dienstzeit in der Wehrmacht von September 1939 bis Dezember 1942 geschrieben hat. Die Langeweile an der Westfront in den ersten Kriegsjahren, die Hoffnung auf eine Teilnahme an den Eroberungsfeldzügen und die Schilderungen von Verwundungen sowie der feste Glaube an den Sieg über die Sowjetunion werden ohne Pathos dargestellt. Die über 80 Briefe und Postkarten in den 3 Jahren und 3 Monaten lassen Einblicke in die wehrdienstliche und persönliche Lage meines Großonkels Willi Layer zu. Das damalige Niederschreiben der persönlichen Eindrücke und der weltpolitischen Situation durch einen Zeitzeugen, der nicht über das heutige historische Wissen über den II. Weltkrieg verfügt, kann auch dazu führen, dass eine in heutiger Zeit gebildete Meinung über den deutschen Soldaten der Wehrmacht zu hinterfragen ist. Eigene Fotoaufnahmen aus dem Fotoalbum meines Großonkels ergänzen seine Schilderungen. Die in der deutschen Schreibschrift geschriebenen Briefe wurden in die lateinische Schrift übersetzt und mit Anmerkungen versehen. Um die Originaltexte nicht zu verändern, wurden nur grobe Grammatik- oder Rechtschreibfehler korrigiert, bzw. vergessene Buchstaben ergänzt und mit einem hochgestellten k versehen. Fehlende Buchstaben aufgrund von Materialverlusten wurden mit eckigen Klammern ergänzt. Ein Vor- und Nachwort sowie einzelne Anmerkungen zum Inhalt wurden vom Herausgeber erstellt.

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Seitenzahl: 149

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Das Buch

Das Buch "Meine Lieben" beinhaltet alle Briefe, die mein Großonkel Willi Layer an seinen älteren Bruder und dessen Frau, meine Großeltern, und mitunter auch an seine Eltern während seiner Dienstzeit in der Wehrmacht von September 1939 bis Dezember 1942 geschrieben hat.

Die Langeweile an der Westfront in den ersten Kriegsjahren, die Hoffnung auf eine Teilnahme an den Eroberungsfeldzügen und die Schilderungen von Verwundungen sowie der feste Glaube an den Sieg über die Sowjetunion werden ohne Pathos dargestellt. Die über 80 Briefe und Postkarten in den 3 Jahren und 3 Monaten lassen Einblicke in die wehrdienstliche und persönliche Lage meines Großonkels Willi Layer zu. Das damalige unmittelbare Niederschreiben der persönlichen Eindrücke und der weltpolitischen Situation durch einen Zeitzeugen, der nicht über das heutige historische Wissen über den II. Weltkrieg verfügt, kann auch dazu führen, dass eine in heutiger Zeit gebildete Meinung über den deutschen Soldaten der Wehrmacht korrigiert oder ergänzt werden kann. Eigene Fotos aus dem Fotoalbum meines Großonkels ergänzen seine Schilderungen. Ullrich Hascher im Mai 2016

Die Briefe meines Großonkels an meinen Opa und seine Familie während seiner Dienstzeit vom September 1939 bis Dezember 1942 in der Wehrmacht.

Inhalt

Vorwort

Die Briefe von Willi Layer

Nachwort

Dokumente

Chronik

Danksagung

Anmerkungen

Briefe vom Bruder Oskar Layer an die Eltern

Rückseite: Unser lieber Willi

Vorwort

Das Bild von Onkel Willi hing immer an der Wand über dem Ölofen im Wohnzimmer meiner Oma und meines Opas. Gleich rechts neben der Tür, wenn man das Zimmer betrat. Es war ein Porträt in Uniform, in Schwarz-Weiß. „Das ist der Bruder vom Opa und der ist im Krieg gefallen.“ Mehr wusste ich nicht von ihm.

Als die Wohnung meiner Großeltern 1991 aufgelöst und ausgeräumt wurde, nachdem mein Opa gestorben war, meine Oma starb einige Jahre zuvor, war ich auch mit dabei. Da mich mit meinen 20 Jahren weder Küchenutensilien noch Bettwäsche interessierten, sondern nur die Bücher, hielt ich mich vornehmlich im Büro meines Opas auf und guckte den Buchbestand durch. Im Büro fiel mir dann eine lederne Dokumentenmappe in die Hände, in der sich unter anderem handgeschriebene Briefe befanden. Die Mappe nahm ich mit. Sie deponierte ich jahrelang in einer Bettschublade unter meinem Bett, zog sie manches Mal hervor und schaute sie durch. Die Schrift war deutsch, ich konnte so gut wie nichts lesen. Während der nächsten 20 Jahre zog die Mappe mit mir um, bis ich mir 2008/2009 die Mappe nahm und die Briefe sortierte. Nach Datum. Das war ja einfach. Dabei wurde mir erst richtig bewusst, dass es sich um Feldpostbriefe von Willi Layer, dem Bruder meines Opas aus dem II. Weltkrieg handelte. Ich entschloss mich rasch, die Schrift zu lernen, belegte einen der wenigen, überhaupt noch stattfindenden Kurse an einer Volkshochschule, und begann dann ab ca. dem Jahr 2011 mit der Übersetzung der Briefe. Das Lesen der Briefe, die Entzifferung einzelner Wörter, war für mich eine so ungewöhnlich aufregende, aber auch befriedigende Erfahrung, wie ich es nur selten erlebt habe. Ich erfuhr Details aus dem Leben meiner Verwandten von vor 70 Jahren und kam mir dabei wie ein Archäologe vor. Daher übersetzte ich maximal einen Brief an einem Tag, um diesen Genuss möglichst lange hinaus zu zögern. Vor allem beruflich bedingte Unterbrechungen, andere Verpflichtungen und Beschäftigungen sorgten dafür, dass ich für alle Briefe insgesamt 5 Jahre brauchte.

Neben der Übersetzung recherchierte ich und konnte so einige Aussagen zum besseren Verständnis mit Fußnoten und damit weiteren Informationen versehen. 2013 reifte der Entschluss, die Briefe als Buch herauszugeben. Aus verschiedenen Gründen halte ich das für gerechtfertigt. Neben der Vollständigkeit der Briefe halte ich es für bedeutend, dass er die Briefe vor allem an die Familie seines älteren Bruders, also meines Opas, geschrieben hat. Sie sind daher sehr sachlich und beschreibend und wenig emotional - d.h., auch für Außenstehende interessant. Zudem hat er während seiner Zeit als Soldat bei der Wehrmacht ein Fotoalbum "Meine Dienstzeit" angefangen. Zu verschiedenen Abschnitten seiner Dienstzeit sind Bilder vorhanden, von denen ich einige ausgewählt habe habe. Seine Bemerkungen auf der Rückseite der Bilder habe ich bei jedem Bild erwähnt sofern diese beschriftet waren. Die Namen wurden gekürzt.

Die in der deutschen Schreibschrift geschriebenen Briefe habe ich in die lateinische Schrift übersetzt und mit Anmerkungen versehen. Um die Originaltexte nicht zu verändern, wurden nur grobe Grammatik- oder Rechtschreibfehler korrigiert bzw. vergessene Buchstaben ergänzt und mit einem hochgestellten „k“ versehen. Fehlende Buchstaben aufgrund von Materialverlusten wurden mit eckigen Klammern ergänzt.

Um einen Schlusspunkt setzen zu können, wollte ich ein Foto des Grabes von Willi Layer im Buch haben. Sein Grab ist in Jelabuga, einer Industriestadt in Tatarstan, ca. 1.000 km östlich von Kasan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan. Über das Internet nahm ich zu einer Russin Kontakt auf, die in Jelabuga studiert hatte. Sie übermittelte mir die Kontaktdaten einer Tatarin aus Jelabuga. Sie bat ich, mir Fotos vom Grab oder dem Grabstein meines Großonkels zu machen und mir zuzusenden. Ihr Vorschlag, den Boden, in dem Willi Layer lag, selbst zu betreten, wurde nach längeren Überlegungen in die Tat umgesetzt.

Am 20.08.2014 stand ich am Grab von Willi Layer auf dem Friedhof in Jelabuga, legte dort Blumen nieder und nahm drei Kiefernzapfen mit.

Willi Layer in Uniform

Die Briefe von Willi Layer

den 28. Sept. 1939.

Meine Lieben!

Ihr werdet wohl von Villingen erfahren haben, daß ich seit 26. Aug. eingezogen bin. Nachdem ich nun gerade einen Brief nach Hause geschrieben habe, möchte ich Euch auch einmal ein Lebenszeichen von mir geben. Ich teile Euch mit, daß es mir noch gut geht, außer einer starken Erkältung, die ich mir in den Bunkern zugezogen habe. Es ist aber jetzt wieder bedeutend besser und meinen Dienst habe ich trotzdem immer geleistet. Ich war vom 10. - 26. Sept. bei einer aktiven Truppe zur Ausbildung in den Bunkern direkt am Rhein. Gegenüber waren französische Bunker. Es herrschte zwischen uns und den Franzosen das freundschaftlichste Verhältnis. An den Krieg dachte man gar nicht1. Einmal sandten die Franzosen allerdings 3 Artilleriegrüße über unseren Bunker, aber dann herrschte wieder Ruhe. Mir gefiel es ganz gut in vorderster Linie und bin nur ungern wieder zurückgegangen, abgesehen natürlich von den Daunenbetten und der unregelmäßigen Verpflegung.

Einen Orden habe ich natürlich auch nicht erhalten, denn diese sind schon im Osten ausgegangen, aber 2 Westwallfingerringe trage ich, um die mich meine ganze Batterie beneidet. Ich wäre froh, wenn nur einmal eine Änderung käme, denn diesen komischen Krieg habe ich anfangs satt. Man hat Krieg und doch nicht. Im Westen wird bis jetzt ja nur Theater gespielt. So wie ich den Westwall beurteile, ist es vollkommen ausgeschlossen, daß der Franzose etwas ausrichten kann. Darum auch seine große „Aktivität“.

Aber wenn sie nicht anders werden und der Engländer auch nicht seine Haltung ändert, dann werden diese beiden doch auch einen auf die Birne bekommen. Nun genug von diesem Thema. Wie geht es denn Euch und den lieben Kindern. Ist Gretel bei Euch wieder gut angekommen? Hoffentlich seid Ihr noch alle gesund und munter und die Bezugscheine werden wieder einmal abgeschafft.

Ich will nun schließen, da ich heute Abend als UvD die Wirtschaftskontrolle von unserem Quartierort Flehingen und einem Nachbarort durchführen muß.

Es grüßt Euch herzlich

Euer Bruder, Schwager u. Onkel

Willi.

Westwall, den 14. Okt. 39.

Meine Lieben!

Ich danke Euch recht herzlich für Euer Paket. Die Sachen haben sehr gut geschmeckt und die Zeitungen konnten wir auch zur Unterhaltung gut verwenden, denn ich bin jetzt nicht mehr in Flehingen, sondern wieder in den Bunkern zwischen Rastatt und Karlsruhe. Wir sind nun wieder so ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten und erhalten lediglich das Armee-Nachrichtenblatt. Da wartet man jetzt wieder auf Post und wenn es nur kleine Briefchen sind. Man freut sich, wenn man von den Angehörigen, Verwandten und Bekannten hört. In letzter Zeit hatten wir sehr naßkaltes Wetter und gerade bei unseren Nachtmärschen an die Front, da überkommt es einem oft ganz schwermütig, aber die Hoffnung an eine glückliche Zeit und das Vertrauen auf den Führer stärkt einen immer wieder. Es ist für unsere Leute eine gewaltige Nervenprobe, wenn man 7 Wochenk umhergeschmissen wird und immer auf der Pfanne sitzt und nicht weiß, wann es los geht. Jedenfalls dauert dies nicht mehr allzu lange, nachdem sich Daladier2 und Chamberlain3 ausgesprochen haben. Die Stimmung bei uns ist sonst ganz gut und die Verpflegung für unsere Verhältnisse ausgezeichnet. Jeder hat natürlich den Wunsch, recht bald wieder in die Heimat zurückkehren zu dürfen. Das Paket habe ich gerade noch am Montag Vormittag vor unserer Abreise erhalten. Ich habe es auf den Packwagen gelegt und als wir hier ankamen herausgenommen. In Flehingen hatte ich keine Zeit mehr. Von meinem Chef habe ich auch einen Brief und eine Schachtel Zigaretten erhalten. In Villingen scheint soweit alles in Ordnung zu sein, wie er mir geschrieben hat und die Hauptarbeit auf dem Rathaus bereitet scheinbar die Bezugscheinsache. Die anderen Arbeiten sind so ziemlich eingerostet, den Brief habe ich in aller Eile geschrieben, daher die schlechte Schrift. Bei uns eilt z. Zt. noch alles. Nun will ich schließen. Ich hoffe, daß Ihr alle gesund und munter seid und grüße Euch herzlichst

Euer

Willi.

Im Bunker

Willi Layer rechts oben

den 16. November 1939.

Meine Lieben!

Herzl. Dank für euer lb. Päckchen und den Brief mit den Glückwünschen und den Grüßen von Heinz. Über die Zeilen von dem lb. Heinz habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich war letzte Woche in Villingen von Dienstag bis Samstag. Als ich vom Urlaub zurückkam war die Batterie nicht mehr da und ich mußte 2 Tage unterwegs sein bis ich wieder zu meiner Truppe kam. Wir sind nicht mehr in den Bunkern und wir sollen alsbald weit weg kommen, wohin weiß ich nicht. Zeitungen braucht Ihr mir daher vorläufig keine mehr zu schicken. Wenn ich solche wieder wünsche, werde ich Euch wieder schreiben. Für die bisherigen Sendungen ebenfalls meinen herzl. Dank. Sonst geht es mir gut und bin gesund und munter. Es freut mich, daß eskichk Euch allen ebenfalls auch gut geht. Nun muß ich schließen, denn ich muß zum Appell.

Mit den besten Wünschen und herzl. Grüßen verbleibe ich

Euer

Willi.

den 27. Nov. 1939.

Meine Lieben!

Ich danke Euch herzlichst für den großen Brief von Ludwig. Es freut mich besonders, daß Ihr Alle gesund und munter seid. Auch mir geht es gesundheitlich gut, nur eine Sorge habe ich z. Zt. und zwar in der Liebe. Wie Ihr wißt, ist die Irmgard katholisch und die Eltern verlangen katholische Trauung, was für mich keinesfalls in Frage kommt. Ich möchte nun das Verhältnis mit der Irmgard lösen, ihr aber hierbei so wenig wie möglich weh tun, denn ich habe in der Zwischenzeit ein Mädel in Flehingen kennengelernt aus einer evangelischen Familie. Es ist die Tochter eines Inspektors der Erziehungsanstalt in Flehingen. Ich bin schon öfters von den Eltern eingeladen gewesen. Das Mädel arbeitet z. Zt. auf dem Postamt in Flehingen, ist aber gelernte Damenschneiderin und auch eine tüchtige Köchin. Vielleicht habt Ihr Gelegenheit Sie am nächsten Samstag und Sonntag kennen zu lernen. Wenn ich Sonntagsurlaub erhalte, werde ich Euch nämlich am kommenden Samstag und Sonntag besuchen. Der Zug trifft etwa um 16 00 Uhr dort ein. Das Mädel - Erna - hat auch eine Tante in Stuttgart, welche sie besuchen möchte. Mir ist es aber lieber, wenn wir beide bei Euch Gast sein können. Ein Bett für die 1 Nacht werden wir schon irgendwo finden. Am Samstag Abend habe ich mir vorgenommen, daß wir zusammen ausgehen und zwar irgendwo hin, wo etwas geboten ist, denn ich will wieder einmal Kultur genießen. Ihr habt ja nun Zeit bis zum Samstag zur Besinnung, wo wir am besten hingehen. An den Bahnhof braucht niemand zu kommen, denn es ist ja auch unbestimmt mit dem Urlaub; wenn wir bis abends 18 Uhr nicht bei Euch sind, dann könnt Ihr annehmen, daß wir nicht kommen. Ich danke Euch herzlichst dafür, daß Ihr mir wollene Sachen schicken wollt, aber ich muß Euch leider einen „Korb“ geben, denn wir sind in dieser Beziehung gut versorgt. Ich habe einen warmen Pullover, Kopfschützer, 2 Paar wollene Handschuhe und auch meinen eigenen ärmellosen Pullover. Auch die Verpflegung ist gut. Z. Zt. sind wir ja in Privatquartieren, sodaß der „Krieg“ sowieso zum Aushalten ist.

Die Wäsche hatte ich hier in der Waschanstalt, bis jetzt habe ich auch keine Wäsche heimgeschickt, nur im Urlaub hatte ich einige Sachen mitgenommen. Wenn wir wieder evtl. in die Bunker kommen, werde ich gerne von Euerem lieben Anerbieten Gebrauch machen, sofern es nicht auf dienstlichem Wege geregelt wird, da wir ja im Winter nicht selbst waschen können. Wie lange wir noch hier sind, ist bis jetzt auch unbekannt. Jedenfalls werden wir das Glück haben, daß wir über die Weihnachtszeit wieder an die Front kommen.

Ich will nun schließen und grüße Euch alle herzlichst.

Heil Hitler!

Euer

Willi.

Auf ein frohes Weihnachten!

den 28. Dezember 1939.

Meine Lieben!

Ich will endlich auch wieder einmal von mir hören lassen. Wie Euch ja die Villinger geschrieben haben, war ich über Weihnachten zu Hause, nachdem ich ursprünglich für den Neujahrsurlaub vorgesehen war.

Ich wollte anfangs garnicht nach Villingen fahren und wäre um ein Haar zu Euch gekommen; denn, da ich das Verhältnis mit der Irmgard gelöst habe, scheute ich mich etwas vor Villingen. Es war nun aber doch gut, daß ich nach Villingen bin; wir haben uns nochmals ausgesprochen und sind in Freundschaft auseinander gegangen. Das Verhältnis mit der Erna macht gute Fortschritte und sie wollte sich schon mit mir verloben, ich aber will doch noch etwas warten.

Dies hat ja noch Zeit, denn solange Krieg ist, will ich nicht heiraten und nachher will ich voraussichtlich erst auch meine Prüfungen ablegen, woran ich bis jetzt vor lauter Militär gehindert war. Nun wird man immer älter und kommt nicht vorwärts durch diesen verdammten Krieg. Wir sind immer noch hier auf der Ruhestellung, aber voraussichtlich nicht mehr allzu lange. Neujahr werde ich bei meiner Erna feiern, ich freue mich schon darauf; hierauf werden wir aber bald abziehen nach bis jetzt noch unbekannten Orten. Nun kann ich Euch auch mitteilen, daß ich als einziger unserer Batterie zum Offiziersanwärter vorgeschlagen wurde. Ich muß im Februar und März einen 2 monatigen Lehrgang im Jüterbog besuchen und wenn ich die Prüfung hierauf bestehe, werde ich bald Offizier, d. h. Leutnant, werden. Ob mir der große Wurf gelingen wird, ist zwar noch fraglich und ich werde mir alle Mühe geben, daß ich gut abschneide und ich freue mich sehr darauf, sodaß es hoffentlich gelingen wird, denn was unsere Offiziere können, kann ich auch schon lange. Als mir dies Weihnachtsgeschenk gestern eröffnet war, wie ich mich vom Urlaub zurück meldete, konnte ich mich vor Freude kaum fassen und konnte fast die ganze Nacht nicht schlafen, obwohl ich ein fabelhaftes Bett habe.

Also haltet für mich die Daumen.

Nun möchte ich mich noch recht herzlich bedanken für Euer lb. Weihnachtspaket, das Ihr mir bei meinem letzten Brief mitgegeben habt und nicht zuletzt für Eure große und liebevolle Gastfreundlichkeit anläßlich unseres Besuches und für Eure Aufwendungen, Theater, pp.), wonach ich ganz vergessen hatte, zu fragen, was dies alles kostete. Hoffentlich kommt aber bald der Tag, wo ich dies alles wieder gut machen kann und mich erkenntlich zeigen kann.

Bei Euch ist ja scheinbar das Christkindchen auch recht gut ausgefallen, was mich sehr gefreut hat. Die Kinder werden jedenfalls wieder arg getobt haben.

Im übrigen geht es mir noch gut und bin gefräßig und gesund und auch jetzt in der Liebe wieder glücklicher.

Ich hoffe, daß Ihr ebenfalls alle wohlauf seid und grüße Euch herzlichst und wünsche Euch ein recht gutes

Neues Jahr.

Euer

Willi.

Erna

Im Schnee mit Erna und einem anderen Pärchen

den 29. Januar 1940.

Meine Lieben!

Ich will auch wieder einmal etwas von mir hören lassen, nachdem seit meinem letzten Brief nun doch schon einige Wochen verstrichen sind. Nicht allzulange waren wir im Vorfeld zwischen Saarbrücken und Zweibrücken, dann seit 26. d. Mts. befinden wir uns wieder auf dem Rückmarsch in ein Quartier. Z. Zt. sind wir in der Gegend von Landstuhl in der Pfalz. Voraussichtlich kommen wir am 4. Febr. in unser endgültiges Quartier nach Hedesheim bei Mannheim. Wir haben auch einen 3 tägigen Landmarsch vor uns, wobei wir durch Kaiserslautern - Neustadt - Türkheim - Ludwigshafen - Mannheim kommen. Von unserem Quartier aus kann ich dann ja einmal unsere Verwandten in M’heim besuchen und auch Erna wird mich einmal besuchen können oder ich gehe nach Heidelberg, falls sie bis dahin noch dort ist. Gerne wäre ich noch in der Stellung geblieben, denn es hat mir dort gut gefallen. Es wurde wenigstens etwas Krieg gespielt und ich erhielt dort meine Feuertaufe. Ich war als vorgeschobener Beobachter in vorderster Linie bei der Infanterie. Vor mir war nur noch der Drahtverhau und ein Stück „Niemandsland“ und dann kam der Feind. Ich saß dort in einem Erdloch, überdeckt von einigen Lagen Baumstämmen. Nach 24 Stunden wurde ich jeweils abgelöst. Kalte Füße gab es ja freilich immer, aber sonst war es doch interessant. Wie lange wir nun wieder in Ruhestellung bleiben werden, weiß man heute noch nicht. Vielleicht werde ich auch bald zu dem Lehrgang einberufen.

Sonst geht es mir gut und bin gesund und munter, was ich auch von Euch hoffe und wünsche, daß Euch dieser Brief in gesundem Zustand erreicht.

Es grüßt Euch Alle recht herzlich

Euer

Willi.

Zerstörtes Gebäude

Zerstörtes Gebäude

Rast beim Dürkheimer Riesenfass

den 9. Februar 1940.

Meine Lieben!