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Manche wirklich wahren Lügen sind makellos. In Neo-City folgt die Reporterin Morvena Morgana Miller der Spur des Orchideen-Mörders in einem elitären Zirkel aus Macht und dunkler Ekstase. Doch der geheimnisvolle Architekt fordert mehr als Neugier: Er verlangt totale Hingabe. Morvenas Suche nach der Wahrheit wird zum gefährlichen Abstieg in die eigene Finsternis. Wer die Maske lüften will, muss bereit sein, völlig daran zu zerbrechen, um die wirklich wahre Wahrheit zu erkennen. WARNUNG der Autoren: Unsere Bücher sind frei erfundene Geschichten und sind nur für Personen ab 18 Jahren geeignet. Sie enthalten explizite sexuelle Darstellungen, körperliche und seelische Gewalt und Themen wie Machtmissbrauch/Nicht-einvernehmliche Sexualität, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Vulgärsprache. Sensible Leserinnen und Leser müssen unsere Bücher meiden!
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2025
Sabine und Thomas Benda
Morvena Morgana Miller
Ein extremes Psycho-Drama um Lügen, Leid, Lust und die gefährliche Suche nach der wirklich wahren Wahrheit.
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Morvena Morgana Miller
1. Von der wirklich wahren Wahrheit
2. Rote Orchidee
3. Blattgold
4. Die Visitenkarte des Zirkels
5. Die Welt der Schwarzen Orchidee
6. Zenith Tower
7. Das Spiel ist nicht aus
8. Die Ekstase der Hingabe
9. Ohne den geringsten Zweifel
10. Das Arboretum
11. Der Tod der alten Morvena Morgana Miller
Über die Autoren:
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Sammelbände von Sabine & Thomas Benda:
Impressum neobooks
Psycho-Drama
Sabine & Thomas Benda
IMPRESSUM
© 2025 Sabine Benda, Thomas Benda
Korrektorat und Lektorat: Sabine Benda
Coverdesign: Sabine Benda
Sabine und Thomas Benda
Josef-Schemmerl-Gasse 16
A-2353 Guntramsdorf
E-Mail: [email protected]
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
WARNUNG der Autoren: Unsere Bücher sind frei erfundene Geschichten und sind nur für Personen ab 18 Jahren geeignet. Sie enthalten explizite sexuelle Darstellungen, körperliche und seelische Gewalt und Themen wie Machtmissbrauch/Nicht-einvernehmliche Sexualität, Alkohol- und Drogenkonsum sowie Vulgärsprache. Sensible Leserinnen und Leser müssen unsere Bücher meiden!
22.12.2025
Manche sagen, die Wahrheit hat einen Klang. Ein reines, klares Läuten wie eine Kristallglocke, das jeden Missklang entlarvt. Für mich war die Wahrheit lange Zeit das genaue Gegenteil: Stille. Ein plötzliches Vakuum in einem Gespräch, ein Luftholen, wo eine Antwort hätte sein sollen. Dieses Schweigen ist der Grund, warum ich hier sitze, in diesem spärlich beleuchteten Büro, während die Stadt draußen schläft und der Geruch von kaltem Kaffee und altem Papier in der Luft hängt.
Ich sehe die goldenen Staubpartikel im Sonnenlicht tanzen, das durch die makellos geputzten Fenster unseres Hauses fällt. Ich rieche den Apfelkuchen meiner Mutter und spüre die wohlige Wärme einer Kindheit, die wie ein Schutzschild um mich gelegt wurde. Geborgenheit war das Material, aus dem meine frühen Jahre gewebt waren – ein dicker, weicher Stoff, der jede Kälte von außen abhielt. Und doch, selbst als Kind, spürte ich die losen Fäden in diesem Gewebe. Ich spürte die kühle Zugluft, die durch unsichtbare Risse pfiff.
Es waren keine einfachen Lügen, die mich umgaben. Es waren keine plumpen Unwahrheiten, die man mit einer einfachen Frage hätte entlarven können. Nein, es war etwas viel Komplexeres, etwas viel Perfekteres. Ich nenne sie die wirklich wahren Lügen. Lügen, die so oft und mit so viel Überzeugung gelebt werden, dass sie zu einer eigenen Art von Wahrheit erstarren. Sie bilden die kotzig-makellose Oberfläche, unter der der gähnende Abgrund der Scheiße wartet. Diese beschissene Geborgenheit war nur ein warmer, süßer Schleim, der uns alle erstickte, um die brutale, geile Lust, die wahre Natur jeder Existenz, zu verdecken. Es ist die Art von Lüge, die eine ganze Familie zusammenhält, die das Lächeln auf den Gesichtern bewahrt, während die Fundamente des Hauses längst zerbrochen sind. Ich wuchs in einem solchen Haus auf, und die wichtigste Regel lautete: Stelle keine Fragen, die die Stille brechen könnten!
Diese Suche nach dem, was hinter der Stille liegt, hat mich nie losgelassen. Sie ist von einem kindlichen Unbehagen zu einer brennenden Obsession herangewachsen. Wo andere in meinem Alter nach Liebe oder nach sich selbst suchten, suchte ich nach Rissen in der Fassade. Und ich fand den einzigen Ort, an dem diese Suche nicht nur erlaubt, sondern gefordert wird: die Presse.
Hier wurde meine Besessenheit zur Leidenschaft, mein Misstrauen zum Handwerk. Meine Tastatur ist kein Werkzeug, sie ist eine Waffe gegen das Schweigen. Mein Diktiergerät ist kein Apparat, es ist ein Seismograf für die feinsten Erschütterungen im Fundament einer Geschichte. Jeder Artikel, den ich schreibe, ist ein Versuch, eine dieser wirklich wahren Lügen Schicht für Schicht abzutragen, bis nur noch der Kern übrig bleibt – die wirklich wahre Wahrheit, so schmerzhaft und hässlich sie auch sein mag.
Ich habe gelernt, dass die meisten Menschen diese Wahrheit gar nicht wollen. Sie ziehen die wohlige Wärme des Schutzschildes vor, den dicken, weichen Stoff der Gewohnheit. Sie fürchten die Kälte, die danach kommt. Ich nicht. Ich sehne mich nach ihr. Denn nur in dieser klaren, kalten Luft kann man endlich wieder atmen.
Und jetzt habe ich einen Faden gefunden. Einen einzigen, losen Faden an diesem perfekt gewebten Tuch aus Schweigen und Halbwahrheiten, das nicht nur meine eigene Vergangenheit, sondern etwas viel Größeres umgibt. Er ist unscheinbar, fast unsichtbar, und doch spüre ich, wie das ganze Konstrukt vibriert, wenn ich nur daran denke, daran zu ziehen.
Sie sagen, ich soll es lassen. Sie sagen, ich riskiere alles. Aber sie verstehen es nicht. Alles, was ich je war und bin, hat mich auf diesen einen magischen Moment vorbereitet. Ich stehe kurz davor, an diesem Faden zu ziehen. Koste es, was es wolle.
Denn die wirklich wahre Wahrheit hat nicht nur einen Klang. Sie hat ein Recht, gehört zu werden. Und ich bin hier, um ihr eine Stimme zu geben.
Mein Name ist Morvena Morgana Miller. Ich danke Ihnen, dass Sie sich Zeit für mich nehmen.
Der Regen in Neo-City war kein gewöhnlicher Regen. Er fiel nicht, er griff an. Harte, kalte Tropfen, die wie Nadelstiche auf die Chromverzierungen der Dächer und die breiten Schultern der steinernen Gargoyles prasselten, die von den Simsen der Wolkenkratzer auf die Stadt herabblickten. Er wusch den Dreck des Tages nicht fort, er verteilte ihn nur neu und zog glänzende, ölige Schlieren über den Asphalt der Boulevards.
Morvena Morgana Miller liebte dieses Geräusch. Es war der Herzschlag der Stadt, ein unbarmherziger Rhythmus, der die Schwachen zermürbte und die Starken antrieb. Von ihrem Platz in der Redaktion des Neo-City Chronicle im 27. Stock hatte sie einen perfekten Blick auf das Chaos. Unter ihr pulsierten die Leuchtreklamen wie offene Wunden in der Dämmerung und tauchten die nassen Straßen in ein unheiliges Licht aus Saphirblau, Smaragdgrün und dem tiefen Rot von Blut, das aus den Fugen der Stadt suppte.
»Noch eine, Miller?«, knurrte die Stimme ihres Chefredakteurs, Arthur Crowley, ein Mann, dessen Statur an einen alten Geldschrank erinnerte und dessen Seele wahrscheinlich aus rostigem Stahl bestand. Der Geruch von billigem Zigarrenrauch und entkoffeiniertem Kaffee umwaberte ihn wie eine Aura der Resignation.
Morvena blickte nicht von ihrem Bildschirm auf. Ihre Finger tanzten über die Tasten ihrer mechanischen Schreibmaschine – ein Anachronismus, den sie pflegte wie eine wertvolle Waffe. Das laute Klackern war eine Kriegserklärung an die sterile Stille der modernen Terminals ihrer Kollegen.
»Ich bin kurz davor, Crowley. Geben Sie mir noch fünf Minuten, dann haben Sie Ihre Schlagzeile über den Korruptionssumpf im Senat.«
»Den Senat interessiert morgen niemanden mehr«, brummte er und warf einen Stapel frisch gedruckter Polizeiberichte auf ihren Schreibtisch. Das oberste Blatt war mit einem grellen Foto einer auf einer Bahre liegenden Gestalt versehen. »Das hier ist es, was die Leute lesen wollen. Was sie fürchten. Was sie erregt.«
Morvena hörte auf zu tippen. Langsam nahm sie das Blatt in die Hand. Das Foto war grobkörnig, aber die Details waren klar. Eine junge Frau, kaum älter als 20. Langes, blondes Haar, das im fahlen Licht der Tatortfotografie fast weiß leuchtete. Ihre Haut war blass wie Marmor, und über diese Blässe hatte der Mörder eine einzige, perfekte rote Orchidee drapiert, direkt über ihrem Herzen. Der eigentliche Horror lag nicht in der Gewalt ihres Todes, sondern in der grausamen, perversen Ästhetik der Inszenierung.
