Musik und die Jugend - Helmut Lauschke - E-Book

Musik und die Jugend E-Book

Helmut Lauschke

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Beschreibung

Die Zwillingsschwestern trugen ihr Spiel so rein und schön vor, dass Boris begeistert war. Dabei brauchten sie das Notenbuch nicht mehr, das aufgeschlagen bei den ersten zwei Seiten stand. Am Ende dieses glücklichen Zwillingsspiels stand Boris, als er Jasmin und Nadia zum tosenden Applaus des Publikums seinen Beifall klatschte. Als sie mit dem angeborenen Charme die Treppe herunterkamen, nahm sie Boris ihn seine Arme und gratulierte ihnen zu dem vortrefflichen Spiel. Nach den Eltern kam Oberstudiendirektor Sternberg auf Boris zu und beglückwünschte ihn zu den Leistungen seiner Schüler, die schon beachtlich seien, wenn er das Alter der Spieler dabei bedenkt. "Der jüngste Schüler kommt erst noch", sagte Boris, worauf Herr Sternberg ein erstauntes Gesicht machte, zumal der Jüngste nicht den Anfang im Spielen gemacht hatte. Leonard Bernstein: Wir wollen den großen Vermächtnissen eines Schillers, van Beethovens und Furtwänglers folgen und uns mit unserer Musik für die Versöhnung unter den Menschen und Völkern einsetzen. Denn die Sprache, die wir sprechen, sprengt die Eingeengtheit des Verstandes und ist auf die Herzen der Menschen gerichtet, die ohne die Sprache der Musik, ich meine, ohne von der Musik angesprochen zu werden, hart werden und verkümmern, weil es die Worte nicht bringen, wie es Beethoven in der Neunten erklingen lässt. Der Musiker muss sich als Vorkämpfer für die Würde und Größe des Menschen empfinden, die wieder hergestellt werden müssen, wenn es mit der Menschheit weitergehen soll, wo sich die Kinder kommender Generationen noch zu Hause und geborgen fühlen können. Musik soll helfen, dass die Wunden heilen, sie soll Hoffnung auf das Gute im Menschen, soll Licht in die verdunkelten Herzen der Verzagten und Verzweifelten bringen. Wenn wir uns das Leid und die Not der Diskrimination und Armut der Menschen vor Augen halten und ihnen die Musik der Heilung und Versöhnung bringen, dann erfüllen wir unsere Pflicht am Menschen, dann sind wir gute Musiker."

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Helmut Lauschke

Musik und die Jugend

Probleme im Verständnis der Musik

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorbereitungen für den Klavierabend mit den Schülern

Generalprobe und das Klavierspiel zu vier Händen mit den Schülern

Der weitere Weg in der Musik

Die Kieler Musikwochen

Horizontstreifen

Impressum neobooks

Vorbereitungen für den Klavierabend mit den Schülern

Probleme im Verständnis der Musik

Gegen sechs Uhr morgens kam Boris in Berlin an. Er nahm ein Taxi und war gegen sieben in der Knesebeck Straße 17. Boris nahm die Post aus dem Briefkasten und ging in seine Wohnung im zweiten Stock, stellte den Koffer im Schlafzimmer ab und machte sich in der Küche eine Tasse Kaffee. Am Klubtisch im Arbeitszimmer, den Stapel von Partituren hatte er vom Tisch genommen und auf den Boden gelegt, trennte er die Briefe von den drei Sendungen der ‘Berliner Morgenpost’ und wandte sich den Briefen zu. Ein Brief kam aus Oslo, in dem das Komitee für die Ausrichtung der Feierlichkeiten im Rahmen der diesjährigen Friedensnobelpreis-Verleihung anfragt, ob er bereit sei, mit dem Osloer Kammerorchester Mozart’s Klavierkonzert D-Dur, Köchelverzeichnis 537, das Krönungskonzert zu spielen. [Von den 22 Klavierkonzerten war das D-Dur Konzert, KV 537, das vorletzte, das Mozart 1788 in Wien komponiert hatte.] Die anderen Briefe enthielten Rechnungen für Bücher und Noten. Da in Moskau die Uhren zwei Stunden weiter waren als in Berlin, rief Boris gegen neun Marina an, um sich nach ihrem seelischen Zustand zu erkundigen. Ihre Stimme war heiser und schwach. Sie sagte, dass sie eine schlaflose Nacht hatte, weil sie sich im Traum nicht von Ilja Igorowitsch trennen wollte. “Es braucht Zeit, bis ich mich damit abfinde, dass es ihn nicht mehr gibt”, sagte Marina, und Boris hörte, wie sie dabei zu weinen begann. Sie bedankte sich für den Anruf und die guten Wünsche, die ihr Boris in dem Morgengespräch übermittelte, in dem er Marina die Kraft und den Mut zusprach, die Zukunft nun ohne Ilja Igorowitsch anzupacken.

Es war Samstag, und der Klavierabend zu vier Händen mit den Schülern war nur noch wenige Tage entfernt. Das Probespielen musste unverzüglich wieder aufgenommen werden. Da Claude Zerbal am späten Dienstagnachmittag so schlecht, ja katastrophal die Beethoven-Sonata, Opus 6 gespielt hatte, dass die Frage aufkam, ihn vom Programm zu streichen, weil sein Spiel eben nicht klappte, rief ihn Boris zuerst an und bestellte ihn für elf Uhr. Dann rief er die anderen Schüler an, die alle jünger als Claude waren, und bestellte sie für den Nachmittag und Sonntagvormittag zum Probespielen ein. Bis elf war eine halbe Stunde Zeit, die Boris nutzte, um sich frisch zu machen und einen frischen Kaffee aufzubrühen. Er saß mit der Tasse am Klubtisch und betrachtete das vergilbte, an den Ecken geknickte Schwarzweißfoto seiner Großmutter Katharina Zwetlana Baródin mit dem schönen Gesicht, aus dem Intelligenz und Willensstärke herauszulesen waren, die nun im “großen Moskau” ihren Sohn Ilja Igorowitsch wieder hatte, als es an der Tür klingelte. Boris legte das Foto auf den Tisch zurück und ging zur Tür. Es war Claude Zerbal, der mit den Noten unter dem Arm sich fünf Minuten verspätet hatte. Er drückte Boris sein Beileid aus, als sie schon nebeneinander auf der Bank vor dem Flügel saßen. “Fangen wir mit dem Beethoven an”, sagte Boris, dem die Müdigkeit nach der Moskauer Reise trotz Brausen und drei Tassen Kaffee noch in den Knochen steckte. Es war abgemacht, dass Claude den oberen Part spielen sollte und deshalb rechts von Boris saß. “Du hast geübt”, sagte Boris erleichtert, als sie fast in der Mitte des Allegro molto waren. Am Ende des Satzes gab er Claude einige Verbesserungshinweise. Sie spielten den ersten Satz noch einmal, der nun in etwa dem entsprach, was Boris vom vierhändigen Spiel des Stückes erwartete. Auch beim Rondo musste sich Claude einige Ratschläge zu Herzen nehmen. Aber er hatte geübt und spielte weit besser als bei der vorherigen Probe am Dienstag. Das war die Hauptsache, wenn er bei dem Schülerkonzert mit dabei sein wollte. Nach dem Beethoven ging es zu Mendelssohn Bartholdy. Hier wechselten sie die Plätze, Boris rechts und Claude links, weil der Oberpart im ‘Andante mit Variationen’, Opus 83a, technisch deutlich schwieriger war als der Oberpart in der Beethoven-Sonate. Boris war erleichtert, dass Claude seine Warnung verstanden und sich während seiner Moskauer Kurzreise ans Klavier gesetzt und intensiv geübt hatte. Auch hier wiederholten sie das Andante, und Boris gab einige Erklärungen zum Thema mit den thematischen Veränderungen in den folgenden Variationen. “Nun sind wir aus der Talsohle heraus”, sagte er, “aber Du hast an beiden Stücken noch viel zu arbeiten, denn an beiden sind noch Verbesserungen nötig, wenn Du auf den Stand kommen willst, den ich von dir erwarte und das Publikum von mir erwartet.” Es wurde ein neuer Probentermin für Montag festgelegt und kein Wort in Sachen Olga Zerkow gewechselt, als Boris gegen halbeins Claude zur Haustür brachte und ihm die Mahnung des intensiven Übenmüssens mit auf den Weg gab. Dann schloss er die Tür, grüßte vor der Treppe Frau Herta Steinfeld in der halb geöffneten Tür ihrer Parterre-Wohnung mit den Worten: “Guten Tag Frau Steinfeld, ich bin wieder zurück!” und nahm die Stufen zur Wohnung im ersten Obergeschoss.

Am Nachmittag, genau halbdrei, kamen Angelika Hoff und Wolfgang Schön. Angelika spielte aus Debussy’s “Petite Suite” das ‘Cortège’ und ‘Mennet’ in kindlich schönster Weise mit dem Charme der Heiterkeit und der natürlichen Gabe zur Innigkeit. Sie hatte das absolute Gehör, das noch feiner abgestimmt war als es die wohltemperierten Tasten im Anschlag auf dem Flügel spielen konnten. Boris war von ihrem Spiel hoch angetan. “Wunderbar, wie Du das bringst”, sagte er und strich Angelika seine Anerkennung über ihr blondes Haar. Als sie die beiden Stücke bei der Wiederholung auswendig spielte, war Boris von ihr begeistert. “Großartig, wunderbar!, wie Du es spielst”, rief er aus. Sie war stolz und strahlte, als sie sich von der Bank vor dem Flügel erhob und sich in einen der Sessel neben dem Klubtisch setzte, um Wolfgang bei seinem Spiel zuzuhören. Er war wie schon bei den vorherigen Proben aufgeregt. Als sich Wolfgang neben Boris auf die Bank gesetzt hatte, beruhigte ihn Boris auch diesmal mit den Worten: “Wolfgang, sei nicht aufgeregt, Du kannst es und hast es bewiesen.” Doch legte sich sein Aufgeregtsein auch diesmal erst im Spiel von Bizet’s “Jeux d’Enfants”, und er spielte die Oberstimme der vier Stücke ‘La Toupie’, ‘La Poupée’, ‘Les Chevaux de bois’ und ‘Le Volant’ fehlerfrei, dass ihm Boris sein Lob auf die Schulter klopfte. Wolfgang hatte fleißig geübt und spielte die Stücke auswendig, nachdem ihn Boris gefragt hatte, ob er sich das Auswendigspielen zutraue. Er machte es großartig, und Boris sagte es ihm, dass er die Zuhörer mit seinem Spiel begeistern werde. Da strahlte Wolfgang, bei dem die anfängliche Nervosität spurlos verschwunden war. Die beiden Kinder wurden für die nächste Probe am Montag nach der Schule nachmittags um drei einbestellt. Boris brachte sie runter zur Haustür. Als er die Tür öffnete, strahlten sie ihren Müttern entgegen, die sie für den Heimweg in Empfang nahmen.

Boris wartete nun auf Jürgen Stolz, den achtzehnjährigen, bei dem es in der Familie nicht mehr klappte, weil sich der cholerische Vater von der Mutter scheiden lassen wollte. Jürgen war für vier Uhr bestellt. Da waren noch zwanzig Minuten, in denen sich Boris einen Kaffee machte und sich mit der Tasse an den Klubtisch setzte und nach dem letzten Brief von Ilja Igorowitsch griff, den er auf seiner alten Reiseschreibmaschine geschrieben hatte, weil er nach dem ersten Schlaganfall mit der rechten Hand nichts mehr anfangen konnte und mit der linken Hand das Briefschreiben nicht geschafft hatte. Nachträglich bewunderte Boris die Willensstärke des Vaters, sich einer solchen Anstrengung zu unterziehen. Er stellte sich vor, dass der Brief eine Woche gedauert haben musste, um fertig geschrieben worden zu sein. Beim Lesen des letzten Briefes mit der Danksagung für alles, was der Sohn dem Vater an Freude durch sein Spiel gegeben hatte, machte Boris doch traurig, und er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Er legte den Brief auf den Tisch zurück, der für ihn das letzte Vermächtnis des Ilja Igorowitsch war, um sich wieder unter Kontrolle zu bringen, bevor es klingelte und Jürgen Stolz vor der Tür stand, der ja mit seinen eigenen Problemen kam, die hier nicht zu lösen waren. Er hatte sich verspätet, als er schließlich viertel nach vier vor der Türe stand. Jürgen sah blass und ernst aus, als er mit den Brahms- und Reger-Noten unter dem Arm die Wohnung betrat. Er hätte die Erholung eher nötig, als sich noch zusätzlich anzustrengen. Boris machte sich Vorwürfe, Jürgen mit dem Konzert zu überfordern. Doch war Musik für viele Probleme, die der Verstand nicht lösen konnte, von jeher eine gute Seelenmedizin. Sie spielten die drei Lieberlieder von Brahms, spielten die zwei Walzer von Reger, und es war ein gutes Spiel. Boris erkannte aufs Neue Jürgens hohe Musikalität und seine Begabung, die Musikalität technisch umzusetzen. Auch Jürgen war in der Lage, die Stücke zu spielen, ohne in die Noten zu sehen, und er spielte sie auswendig noch besser. Boris lobte ihn für sein Spiel und meinte, dass er einen großen Eindruck bei den Hörern hinterlassen werde. Er bot Jürgen eine Tasse an. Nach jedem Schluck, den er aus der Tasse nahm, erzählte er Stück um Stück von dem Desaster, in dem sich die Familie befinde, weil sich die Mutter gegen die verbalen Grobheiten des cholerischen Vaters nicht wehren könne, und er selbst Ohrfeigen einsteckte, weil er der Mutter zu Hilfe kam. Boris drückte sein Bedauern aus, worauf Jürgen sagte, dass die Familie den Höllengang gehen müsse, weil der Teufel den Vater reite, der ihn uneinsichtig, blind und gefühllos gemacht habe. “Mir tut die Mutter leid, die sich vor die Kinder stellt, vor denen sie mit unanständigen Worten angefahren wird”, sagte er mit traurigen Augen. Boris brachte ihn, nachdem sie den nächsten Probentermin festgelegt hatten, zur Haustür und wünschte ihm die Kraft, den Höllengang durchzustehen.

Die anderen Schüler, Jasmin und Nadia Hoffmann, die beiden Zwillingsschwestern, sowie den kleinen Joschua Klingenfeld hatte er für den Sonntagmorgen bestellt. Boris legte eine Pause ein, die er nach der Moskaureise und dem Begräbnis seines Vaters brauchte. Er legte sich aufs Bett und ergab sich den späten Tagträumen, bis ihn der Schlaf einholte, von dem er gegen Mitternacht erst aufwachte. Es kostete ihm einige Mühe, das Bewusstsein wieder auf Berlin einzustellen, weil er in den anderen Träumen in Moskau bei Ilja Igorowitsch, Marina und Waldimir war und bei der Zwischenstation in Warschau mit Vera einen Bummel durch die Altstadt machte, wo sie hinter dem alten Rathausplatz das Straßencafé aufgesucht und bei Kaffee und Kuchen ihre Geschichten ausgetauscht hatten, danach in eine Tanzbar gegangen waren, wo es die schmale Treppe runter in den Keller ging, sie auf engstem Raum getanzt und danach eine wunderbare Liebesnacht auf Zimmer 7 im ersten Stock des Polnischen Hofes verbracht hatten. Nachdem sich Boris die Orientierung in Berlin verschafft hatte, ging er in die Küche und machte sich das Abendbrot, das er am Klubtisch zwischen ein und zwei Uhr morgens verzehrte. Er sah es ein, dass es so einfach nicht war, nach den vielen Erlebnissen in so kurzer Zeit sich gleich wieder in Berlin zurechtzufinden. Er legte die oft gespielte Kempff’sche Platte mit dem ‘Wohltemperierten Klavier’ auf, um der Rückfindung des Bewusstseins nachzuhelfen, dass er wieder in der Knesebeck Straße 17 in Berlin-Charlottenburg war. Gegen drei ging er ins Bett zurück und hatte an diesem Sonntagmorgen die Kirchenglocken und den Wecker verschlafen.

Geweckt wurde Boris von den Zwillingsschwestern Jasmin und Nadia, die um elf Uhr vor der Tür standen und in Abständen klingelten. Als er ihnen die Tür im Bademantel öffnete, machten sie große Augen; sie sagten, dass sie schon gedacht hätten, er sei nicht da. “Setzt euch an den Flügel und fangt schon an, ich komme gleich”, sagte Boris, ging ins Bad und brauste sich unter den Klängen des Mozart’schen Andante und den folgenden Variationen, die durch die Wände des Badezimmers drangen. Unter der Brause summte er die eine oder andere Stimme mit und hatte seine Freude über das schöne Zusammenspiel der Zwillingsschwestern, denen er beim Abtrocknen die musikalische Begabung aufs Neue testierte. Als er nach bald einer halben Stunde erfrischt und korrekt gekleidet das Musikzimmer betrat, spielten Jasmin und Nadia die Variationen auswendig. Darüber freute sich Boris und sagte, dass sie den Mozart auch beim Konzert auswendig spielen sollten. Damit würden sie den größten Eindruck auf das Publikum machen. Er gab noch einige Instruktionen zum Vortrag, die schnell verstanden und im Zwillingsspiel ohne Noten sofort und erfolgreich umgesetzt wurden. Sie vereinbarten die nächste Probe für Montagnachmittag. Boris brachte die Zwillinge zur Haustür. Bei der Verabschiedung sagte er: “Ihr beiden werdet die Perlen des Abends sein.”

Boris hatte im nächsten Restaurant, das den Namen ‘Der freundliche Wirt’ trug, zu Mittag gegessen und war gegen drei wieder in der Wohnung, weil er Joschua Klingenfeld mit Vater erwartete. Die Wartezeit füllte er damit aus, dass er das Programm für den vierhändigen Klavierabend mit den Schülern festlegte, sich die Voraus-Gedanken für den Meisterkurs in Kiel machte und Überlegungen anstellte, welche Wege zu gehen waren, um Vera nach Berlin zu holen und sie mit der westberlinischen Aufenthaltsgenehmigung auszustatten. Denn Olga’s Schicksal mit dem fehlenden Bleibedokument, das wollte er Vera ersparen. Boris wusste nur nicht, wie er es anstellen sollte, um den richtigen Weg zu diesem Ziel einzuschlagen. Er kannte die Politiker nicht, die im West-Ost-Dialog das Sagen hatten. Boris überlegte, ob er zur sowjetischen Botschaft unter den Linden fahren und dort um Hilfe fragen sollte. Er ließ den Gedanken fallen, weil damit das Problem des genehmigten Aufenthalts in Westberlin auch nicht gelöst wäre.