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Das Buch geht bis zu den Anfängen zurück und gibt dadurch dem Leser die Möglichkeit, seine eigene Meinung zum Ablauf der menschlichen Entwicklung und Geschichte zu entwickeln und darüber nachzudenken, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Im Laufe der Erdgeschichte hatte nichts Bestand - daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Der Autor widmet sich auch ganz aktuellen Themen wie dem Zusammenhang zwischen Geburtenrückgang, Familien, Renten, Flüchtlingspolitik und den möglichen Folgen. Er zieht Parallelen zu früheren Zuströmen von Menschen nach Deutschland und berichtet aus seiner Zeit im Bergbau, in der es keine großen Probleme mit der Integration von Ausländern in den Betrieben und Kolonien gegeben hat. Hier war man miteinander und untereinander Kumpel und grüßte mit Glück auf. In Verbindung mit der Abwägung des menschlichen Verhaltens zwischen "GUT" und "BÖSE" berichtet er auch von seinem Leben und der Rolle der Kirche in der NS-Zeit.
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Seitenzahl: 522
Veröffentlichungsjahr: 2016
www.tredition.de
Für Edeltraud
- Danke für die viele Geduld -
Leo Abel
Paradies Erde und seine seltsamen Bewohner
Zweite Auflage
www.tredition.de
© 2016 Leo Abel
2. Auflage
Umschlaggestaltung: Corinna Podlech, Leo Abel
Bildrechte: Umschlag © Romolo Tavani – Fotolia, Innnenteil: © Leo Abel (Privatarchiv) Satz, Korrektorat: Corinna Podlech, Hamburg
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
978-3-7345-0475-4
Hardcover
978-3-7345-0476-1
e-Book
978-3-7345-0477-8
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
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Inhaltsverzeichnis
Am Anfang war das Wort
Gewogen und zu leicht befunden
Was wissen wir überhaupt?
Unser Planet
Die ersten Menschen auf dem Planeten
Der Sinn des Lebens
Die Erdzeiten
Altertum
Antike
Mittelalter
Genealogie
Kalendarium, Zeiterfassung
Zeugen der Vergangenheit aus eigener Forschung
Hilft der Onkel in Amerika in der Not (1922)
Brief von Cousine Katie aus Amerika
Neue Bedrohung im Industriezeitalter
Gott und falsche Götter
Das Böse im Menschen
Worauf basiert das Böse?
Familie und Kinder in der Modernen
Gott
Die Familie
Die konventionelle Familie
Familien in der Moderne
Mann und Frau im Erwerbsleben
Die zu geringe Geburtenziffer
Kinder sind teuer und unbequem?
Familienpolitik in Deutschland
Lobby der Kinder im Bundestag
Kinder in den verbündeten Nachbarstaaten
Geburtendefizit aus der nationalen Sicht
Bevölkerungspolitik und Amtseid
Auswirkung der geringen Geburtenzahlen
Bevölkerungsentwicklung aus der Sicht des Nationalstaates
Die menschliche Sicht
Wir agieren, die Welt reagiert
Komplexe Welt
Unser Wohlstand
Unsere Industrie benötigt Arbeitskräfte
Familien- und Ausländerpolitik
Chancen für ein vereinigtes Europa
Ausländer
Ohne Ausländer kein Wohlstand in Deutschland!
Deutschland ist ausländerfreundlich
Aufnahmebereitschaft für Bedrohte
Gotteslästerung, eine Schande!
Dresden und Proteste
Gastarbeiter und Renten
Die gesetzliche Altersversorgung erhalten
Sollen wir versklavt werden?
Nationaler Geist der Großeltern- und Elterngeneration
ALS DER WÜRFEL FIEL
Nationalsozialismus und die christlichen Kirchen
Das Böse tarnt sich gerne
Die katholische Kirche
Die evangelische Kirche
Vatter Sandhage
Der Zweite Weltkrieg
Hitlerjugend
Kinderlandverschickung – Eitting bei Erding
Westfeldzug
Die Achse Berlin/Rom
Krieg gegen die Sowjetunion
Stalingrad
Zweite Kinderlandverschickung nach Schlesien
Eisschollentanzen und Mutterkreuz
Dritte Kinderlandverschickung nach Bad Reichenhall
Wehret den Anfängen!
Evakuierung in Maria Gern bei Berchtesgaden
Evakuierung in Milte, bei Warendorf
Zerstörung Dresdens
Einmarsch der Amerikaner
Der Krieg ist aus
Deutsche Verbrechen
Hiroshima und Nagasaki
Nachkriegszeit in Milte
Von der ersten Schicht bis zum Ruhestand
Im Ruhrgebiet
Der große Bergarbeiterstreik
Hierarchische Führung im Bergbau
Meine erste Schicht
Mutterklötzchen, eine wahre Geschichte
Bei den Schwiegereltern
Bergvorschule
Die Bergschule
Oberklasse
Ein Lob der Frau und Mutter
Der moderne Bergbau
Gastarbeiter
Dornumersiel
Zentrallehrwerkstatt Zollverein 4/11
Literaturverzeichnis:
Am Anfang war das Wort
Gewogen und zu leicht befunden
Stellen Sie sich vor, es gäbe ein geistig vereinigtes galaktisches Oberkommando in unserem Universum, das einen Boten zur Erde sendet, um etwas über den Zustand des blauen Planeten und seiner Bewohner zu erfahren und sie können das verfolgen.
Wem diese Formulierung zu abstrakt ist, der kann sich den Gesandten auch als Gottesbote vorstellen.
Sie sehen wie der Bote mit Hilfe eines galaktischen Mikroskops den blauen Planeten in sein Geisteszentrum holt und den Zeitraffer anstellt. Die Daten von Millionen von Erdjahren ziehen in Sekundenschnelle in den Superspeicher seines Gehirns. Der Bote ist über das, was er sieht, erstaunt und entsetzt gleichzeitig und leitet die Daten sofort per Gedankenübertragung direkt an das galaktische Oberkommando. Dort richten sich die Augen zuerst auf den blauen Planeten. Über das, was man sieht, ist man begeistert und staunt darüber, was aus dem ehemaligen Feuerball geworden ist und man ist sich einig, dieser Planet ist wirklich ein Paradies und er ist würdig, erhalten und unter Schutz gestellt zu werden. Bei der Beurteilung der Bewohner des Planeten runzelt man die Stirn, es gibt Verwirrung und man ringt nach Worten. Sind sie gut oder schlecht, die Erdbewohner, ungewöhnlich, seltsam oder gar misslungen? Das Oberkommando erkennt, dass die Bewohner einerseits zwar im Stande sind die größten Geistesleistungen zu verbringen, so können sie bis zur eigenen Aufopferung ihren Mitmenschen helfen, sie können heilen, pflegen, monumentale Bauwerke errichten und die kompliziertesten Maschinen bauen. Ja, und sie greifen jetzt auch schon zu den Sternen.
Sie können andererseits aber auch kaum vorstellbare und grausame Verbrechen begehen sowie lügen, betrügen, manipulieren, intrigieren, indoktrinieren und sogar morden und brandschatzen. Nun sind sie sogar imstande, das Leben von 150.000 ihrer eigenen Mitmenschen auf einen Knopfdruck hin auszulöschen und die ganze Erde, ja, sogar das Sonnensystem gefährden. Das Oberkommando fragt ungläubig nach, ob möglicherweise bei der Erfassung ein Fehler passiert sein könne und gibt dem Boten die Weisung, sich auch mal den Verstand der Bewohner genauer anzusehen. Die Rückmeldung erfolgt prompt. Nein, kein Fehler bei der Erfassung, aber mit dem Verstand der Bewohner muss etwas schiefgelaufen sein. Sie bringen sich nicht nur gegenseitig um, nein, sie morden auch ihre Mitbewohner, die sie Tiere nennen, und fressen sie auf. Als wenn das noch nicht genug wäre, jetzt beginnen sie sogar ihre eigene Existenzgrundlage, das „Paradies blauer Planet“, zu vernichten. Sie vergiften ihre Böden, verpesten ihre Atemluft, sie holen den Kohlenstoff wieder ans Tageslicht, der zuvor, um die Erde überhaupt erst bewohnbar zu machen, von der Vorsehungsbehörde aus der Atmosphäre rausgezogen und tief in der Erde vergraben wurde. Ihr Gott ist das Eigentum und sie wollen viel davon besitzen, das gilt für jeden Einzelnen, aber auch für Gruppen, Länder und Staaten! Es gibt viele Menschen, die ein Leben in Armut führen und ganz ganz wenige, die den größten Teil des Vermögens unter sich aufteilen. Dazwischen gibt es eine Schicht, die auf „Pump“ lebt, satt gehalten wird und zu allem schweigt.
Das galaktische Oberkommando erkennt „seltsame Lebewesen, diese Menschen“, der Versuch ist misslungen und entscheidet: Ehe es den Menschen gelingt die Erde zu vernichten und die kosmische Ordnung zu stören, senden wir als letzte Warnung Naturkräfte wie mächtige Orkane und Überschwemmungen, und zwar so lange und mit steigender Wirkung, bis die Menschen ihre Fehler einsehen, die Würde aller Kreaturen auf der Erde anerkennen, global denken und handeln. Sie müssen lernen, sich so zu sehen wie sie wirklich sind und sich vor der Macht und der Größe der Natur verneigen.
Was wissen wir überhaupt?
Die Antwort darauf ist „wenig“.
Wir wissen, dass wir leben, wir wissen, was wir erleben. Alles, was darüber hinausgeht, beruht auf dem Glauben. Alle Ereignisse, von denen uns berichtet wird, können stimmen, sie können aber auch bewusst oder unbewusst falsch dargestellt sein.
Das Buch geht bis zu den Anfängen zurück und gibt dadurch dem Leser die Möglichkeit, seine eigene Meinung zum Ablauf der menschlichen Entwicklung und Geschichte zu entwickeln und darüber nachzudenken, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Er wird auch feststellen, dass es uns heute im Vergleich zu anderen Zeiten nicht gerade schlecht geht und dass von vorneherein nicht alles selbstverständlich und gottgegeben ist, was wir heute genießen, Achtstundentag, kurze Wochenarbeitszeit, viele bezahlte Feiertage, Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, Rente usw. Er erfährt auch in kurzen, schnörkellosen Sätzen, wie sich Leben und die Menschen auf dieser Erde entwickelt und ausgebreitet haben, von den ersten wirbellosen Mikroben bis zum Homo sapiens, wie Menschen andere Menschen dogmatisieren und manipulieren, und er erkennt, dass im Laufe der Erdzeiten nichts Bestand hatte, selbst der Zustand unserer Erdkruste nicht, und dass das nicht nur in der Vergangenheit so war, sondern auch heute noch so ist. Das wird von uns nur nicht so bemerkt, weil die Zeitabstände, in denen große Umwälzungen in der Erdkruste geschehen, sehr lang sind und über viele Menschengenerationen hinweg vor sich gehen. Auch wird er erkennen, dass es über alle Erdzeiten hinweg eine Anpassung des Lebens an die Natur gegeben hat. Jede Änderung in der Natur ändert insbesondere auch die Lebensbedingungen der Lebewesen. Bisher hatten die großen Umwälzungen ausschließlich einen geologischen Ursprung, darauf hatten die Menschen keinen Einfluss. Das sollte aber berücksichtigt werden bei der Entsorgung von giftigen und strahlenden Substanzen. Durch seine Eingriffe in die Natur schafft der Mensch sich seit einiger Zeit zusätzliche, ja, existenzgefährdende Dinge.
Unsere Erde ist ein winziger Bestandteil unserer Galaxie, der Milchstraße. Diese und Milliarden anderer Galaxien bilden unser Universum. Der Raum, den das Universum vor Zeiten einnahm, dehnt sich ständig aus. Er war angefüllt mit einem Nebel aus kleinsten atomaren Bestandteilen, Plasma oder auch Ursuppe genannt, die, aus welchen Gründen auch immer, Verdichtungen (Cluster) enthielten. Durch Hitzeentwicklung gab es Innerhalb dieser Ursuppe eine atomare Explosion ungeahnten Ausmaßes (Urknall), bei der erste Atome entstanden. Das war im Bereich der Cluster der Ausgangsstoff für die Bildung der Galaxien, in denen durch die Anziehungskräfte und unter Mitwirkung unbekannter Materie und unbekannter Energie Sterne entstanden, aber auch wieder vergingen, explodierten. Aus den Explosionstrümmern dieser Sterne entstanden letztlich unsere Erde und die Atome, aus denen wir zusammengesetzt sind. Wer oder was veranlasste die Zündung? Wer oder was ist die unbekannte Materie, die unbekannte Energie, und wer oder was hauchte den Menschen das Leben ein? Dunkle Materie und dunkle Energie sollen zusammen 95 % des Universums ausmachen, 25 % die dunkle Materie und ca. 70 % die dunkle Energie. Die Bezeichnung „DUNKEL“ ist von der Wissenschaft erfunden, sie hat mit Dunkelheit überhaupt nichts zu tun und hätte jeden anderen Namen erhalten können. Was sich genau hinter dieser Bezeichnung aber verbirgt, davon haben wir noch keine blasse Ahnung. Es ist einfach die wirkende Kraft im Hintergrund. Das vorausgesetzt, bedeutet, dass die gesamte bekannte Materie aus Sternen, Planeten und Gasen, die Menschen eingeschlossen, nur 5 % unseres Universums ausmacht. Nur 5 % sind bisher nach unserer Physik erklärbar, der Rest ist uns trotz des enormen Fortschrittes der Wissenschaft noch fremd. Die 95 %, die als dunkel bezeichnet werden, bestimmen aber für den gesamten Rest, den wir kennen, das Geschehen und Funktionieren; ist also für alles andere eine Art von Schöpfung. Ob die 5 %, also das, was wir vom Universum wissen, die absolute Wirklichkeit sind oder ob sie nur auf Konsens der Wissenschaftler beruhen, ist die Frage. Sicher ist nur, dass sie das repräsentieren, was durch unsere Physik und Mathematik erklärbar ist.
Soweit in aller Kürze unsere Kenntnisse. Viele Wissenschaftler arbeiten daran, die noch bestehenden Rätsel zu lösen. Es übersteigt aber den menschlichen Verstand, soll er glauben, dass aus nichts etwas entstehen kann, ob Materie, Energie oder Leben.
Wer oder was ist die Kraft im Hintergrund, auf die alles zurückgeführt werden kann? Das ist eine Frage, die so alt ist wie die Menschheit, die Frage nach dem Schöpfer, nach Gott, oft mit dem Ausdruck „intelligenter Designer“ beschrieben. Viele kluge Menschen haben im Laufe der Zeit nach rationalen Beweisen für die Existenz Gottes gesucht, ein Versuch, mit Hilfe der Vernunft die Existenz Gottes zu beweisen, unter anderen Thomas von Aquin, Anselm von Canterbury und der niederländische Philosoph Baruch de Spinoza (1632-1677). In seinem Buch „Die Ethik1“, widmet dieser dem Thema 34 Seiten mit 36 Lehrsätzen und ebenso vielen Beweisketten und Anmerkungen. In seinem Lehrsatz Nr. 15 schreibt er: „Alles, was ist, ist in Gott, und nichts kann ohne Gott sein noch begriffen werden“. Im Anhang ist zu lesen: „Hiermit habe ich die Natur Gottes und seine Eigenschaften entwickelt, nämlich dass er notwendig existiert, dass er einzig ist und handelt, dass er die freie Ursache aller Dinge ist …“. Alles, was er weiter schreibt, ist genauso interessant, es aber hier wiederzugeben würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Immanuel Kant war der Meinung, dass die genannten Gottesbeweise nicht zwingend die Wirklichkeit wiedergeben müssen und lässt als einzigen Gottesbeweis den moralischen Beweis gelten.
Ohne Beweger keine Bewegung und ohne vorhergegangene Aktion keine Reaktion, ohne Ursache keine Wirkung! Das sagt uns das Rüstzeug, das wir fürs Leben mitbekommen haben und das Wissen, das die Menschheit sich erworben hat. Jeder, der sich einmal mit dem Thema beschäftigt hat, kommt immer nur bis zu diesem Punkt und erreicht eine für uns Menschen unüberwindbare Grenze; das war schon in der Antike so und ist bis heute so geblieben. Einige Philosophen nennen dieses Ende „letzte Bewegung“ oder auch „letzte Ursache“ und sehen diese als „intelligenten Designer“ an, der über allem steht und durch dessen Willen der gesamte Kosmos und alle Dinge, einschließlich der Mensch, existiert. Aber in der Forschung tut sich etwas. Die Quantenmechaniker haben bei der Erforschung des Mikrokosmos eine ganz verrückt scheinende und bis heute unerklärbare Feststellung gemacht. Nämlich, dass sich kleinste Elementarteilchen, wie Elektronen und Photonen zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten aufhalten können. Diese Beobachtung hat man bisher nur an den wirklich kleinsten Teilchen gemacht; sie konnte bisher noch nicht auf größere Teilchen übertragen werden. Sollte dieser Beweis gelingen entspräche dieser einer nie da gewesenen Revolution unseres Wissens, unseres ganzen Lebens und würde auch die Frage klären, was mit uns bei unserem Ableben passiert, denn die kleinsten Teilchen sind unsterblich. Wir würden wahrscheinlich so verwirrt und geblendet sein, wie die angeketteten Menschen in der platonschen Höhle, auf die ich später nach zu sprechen komme, als sie aus ihrer Scheinwelt erlöst wurden.
So oder so, das Leben geht, wie gehabt, auch ohne Gottesbeweise, weiter. Die Suche nach Gott hört aber nie auf, denn sie gibt dem Menschen Veranlassung, über sich, über sein Verhalten und über den Umgang mit Mitmenschen, über Gott und die Welt nachzudenken.
Egal, was der Ausgangsstoff für unser Universum war, Ursuppe, Gase, Elementarteilchen, Plasma, Wasserstoffatome oder bisher noch unbekannte Energie oder Materie, es muss irgendwo hergekommen, muss erschaffen worden sein. Einen endgültigen Beweis dafür wird es wohl bis zum „Ende unserer Tage“ nicht geben; an den Schöpfergeist glaubt man, weil anderes für uns überhaupt einfach nicht denkbar ist! Deshalb glaubt auch, bis auf einen ganz geringen Teil, die ganze Menschheit an einen Schöpfer und an das Jenseits, wie immer es auch aussieht.
Bleiben wir bei dem, was wir gut kennen, bei unserer Erde. Ihre Existenz kennen wir vom Anfang bis zum bitteren Ende. Ihr bisheriger Werdegang soll hier noch mal vor Augen geführt werden.
1 Baruch Spinoza, Die Ethik, Hans Heinrich Tillgner Verlag Berlin und Wien 1924
Unser Planet
Explosionssplitter und Brocken vom Urknall und explodierten Sternen fliegen durch das All, prallen aufeinander, ziehen sich gegenseitig an, verklumpen und vereinigen sich zu einem riesigen rotierenden Flammenball, zur glühenden Hölle. Nur langsam, in vielen Millionen von Jahren, kühlt sich die Oberfläche ab, erstarrt und bildet eine Gesteinsschicht, den Sockel des Urkontinents, der auf einem glühenden Kern schwimmt, zu unserer Erde. Das soll etwa vor 4,6 Milliarden Jahren gewesen sein. Das Zeitalter nennt man Hadaikum. Die Erde war zu jener Zeit ein wirklich höllischer Ort, wurde von Meteoriten bombardiert, von Vulkanen immer wieder umgewälzt und zerrissen. Viele Millionen Jahre lang kreist der Gesteinsbrocken so durchs Weltall. Der Urkontinent, der auf dem flüssigen siedenden Kern schwimmt, verändert im Laufe von Millionen Jahren ständig seine Lage, spaltet sich auf, verschiebt sich und wird überschoben. Das Zeitalter, in dem das geschieht, nennen wir die Urzeit und den betreffenden Formationsabschnitt das „Archaikum“, und das begann vor etwa vier Milliarden Jahren. Die Zug- und Schubkräfte in der Kruste sind erheblich, ständig türmen sich hohe Gebirge auf, die durch die Erosion wieder abgetragen werden. Aus diesem Abtrag werden später in Verbindung mit Wasser unsere Sedimentgesteine. In den Vertiefungen dieser Erdkruste sammelt sich das Wasser, Mulden werden zum Meer. Durch die Bewegung in der Erdkruste verändern auch die Meere ihre Position, sie kommen und sie gehen. Wie das Wasser überhaupt auf die Erde gekommen ist, ist nicht sicher geklärt. Ist es abgeregnet aus einer riesigen Wasserdampfatmosphäre, aus chemischen Veränderungen von Substanzen, oder wurde es von Kometen abgeladen?
In den Meeren auf diesem unwirtlichen Gesteinsbrocken entsteht durch bisher nicht genau bekannte Vorgänge irgendwann einfaches Leben, das später auch das Land erreicht und sich dort ausbreitet. Zweieinhalb Milliarden Jahre waren einzellige Bakterien und Archaeen ohne Zellkern die Alleinherrscher auf dem vorherigen Wüstenplanet und veränderten den unwirtlichen Steinbrocken. Sie sind sehr anpassungsfähig und haben sogar den Übergang von der Kohlenstoff- auf die Sauerstoffatmosphäre überstanden und wahrscheinlich sogar an ihrer Entstehung mitgewirkt. So sind uns die Bakterien und Viren bis heute erhalten geblieben. Sie sind fester Bestandteil der Menschen, Pflanzen, Tiere, des Meeres und der Troposphäre. Ihr Einfluss auf unser Klima und unsere Ökosysteme ist ganz erheblich.
Vor 1.000 Millionen Jahren entsteht dann eine Lebenswelt in Form von einfachen wirbellosen Meerestieren. Vor 600-800 Millionen Jahren traten die ersten Vielzeller auf. In den ältesten Schichten finden wir nur Spuren von Algen und wirbellosen marinen Tieren. Später entsteht eine reichhaltige Meeresfauna, die sich bis zum Land vorarbeitet. Entstand Leben auf unserem Planeten durch einen chemischen Vorgang unter Mitwirkung von Blitz und Donner oder ist es doch eine Schöpfung Gottes, wurde es gar von Außerirdischen gebracht, kommt es von Kometen und Meteoriten? Darüber rätselt die Fachwelt noch.
In der Altzeit, und zwar in der Formation Karbon, deren Beginn 275 Millionen Jahre zurückliegen soll, gibt es für die Dauer von 75 Millionen Jahren eine ausgeprägte Vegetation. Riesige Wälder mit Bäumen, die eine Höhe von 30 Metern und einen Durchmesser von zwei Metern erreichten, sowie Schachtelhalme, Bärlappgewächse und Farne gediehen prächtig in der damals vorhandenen stark kohlendioxidhaltigen Atmosphäre. Eine Baumgeneration nach der anderen entsteht und bindet so den Kohlenstoff, bildet Kohlenflöze und begünstigt den Aufbau einer Sauerstoffatmosphäre. In den Gesteinsschichten dieser Zeit, vorwiegend Tonschiefer, Sandstein, Schieferton und Konglomerat, entdecken wir die ersten Kriechtiere und Insekten. Insgesamt sind 1.300 Insektenarten bekannt, die auch in dieser Zeit das Fliegen erfunden haben. Neben der Eroberung des Wassers und des Landes beherrschen sie jetzt auch die Luft.
Die Erdkruste ist auch noch in der Karbonzeit in ständiger Bewegung. In Mitteleuropa faltet sich ein über 8.000 Meter hoher Gebirgszug auf, das Variskische Gebirge, das heute durch Erosion von Luft und Wasser vollständig abgetragen ist. Auch die Flöze werden gefaltet, es bilden sich Sättel und Mulden, die wiederum auf- und abgeschoben werden und sich uns heute als geologische Störungen zeigen. Entsprechend den Veränderungen in der Erdoberfläche kommen Meere und verschwinden wieder. Es kommt zu riesigen Überflutungen, ähnlich der Sündflut, es gibt einen ständigen Wechsel zwischen Wachsen und Gedeihen einerseits und Überflutungen andererseits. Das abgelagerte Altholz wird überflutet und von mitgeführten Sedimenten überdeckt. Luftabschluss, Hitze und Druck sind ideale Bedingungen für die sogenannte Inkohlung. Aus den organischen Pflanzenresten entsteht zuerst Torf, dann Braunkohle und nach längerer Einwirkungsdauer der Faktoren letztlich unsere Steinkohle. Die älteste Steinkohle nennen wir Anthrazit. Anthrazit (deutsch: Glanzkohle) gilt als die hochwertigste Kohlensorte.
Der Kohlenstoffgehalt von Anthrazit kann bei über 90 % liegen. Der Kohlenstoff kommt in der Natur in vielen Verbindungen vor und auch in amorpher oder kristalliner Form. Amorph beim Anthrazit und Grafit, kristallin beim Diamanten. Anthrazit, Grafit und Diamant sind also in der Grundsubstanz verwandt. Vor und nach der Karbonzeit lag der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre bei 4.000-6.000 ppm, was „Parts per million“ bedeutet, also millionstel Teile. Heute liegt der Anteil bei 385 ppm mit stark steigender Tendenz. Es darf uns nicht wundern, wenn wir den kompakt gebundenen und vergrabenen Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre entlassen und dadurch die Erde aufheizen. In der Formation Trias, vor 160 Millionen Jahren, gibt es die ersten primitiven Säugetiere sowie Dinosaurier.
Abb 199. Landschaft zur Steinkohlenzeit mit Schuppenbäumen (links), Siegelbäumen (Mitte), Schachtelhalmen und Cordaitenbäumen (rechts) sowie Baumfarnen und anderen Farnen. Nach dem Urbild von W. KUKUK (Düsseldorf) und P. KUKUK (Bochum) im Geologischen Museum des -Ruhrbergbaus zu Bochum.
Erst in der Kreideformation, vor etwa 100 Millionen Jahren finden sich Abdrücke von höheren Säugetieren. In dieser Formation sterben aber schon die riesigen Reptilien wieder aus, wie zum Beispiel die Dinosaurier. Der Bergmann findet heute in den Schichten über den Flözen in 1.000 Meter Tiefe Rippelmarken, wie sie an Meeresstränden zu sehen sind, sowie versteinerte Muscheln und Abdrücke von Baum- und Farnrinden. Der Grund: Durch das Erkalten der Erdkruste und das Auseinandertreiben der Kontinente wurde die Erdkruste durchgeknetet, ver- und überschoben und mit durch Erosion entstandenen Sedimenten überlagert. Bei meinen Arbeiten im Gedärm der Erde konnte ich die Versteinerungen sehen und bewundern. Es sind nicht nur Einzelstücke, nein, es gibt davon in dieser Tiefe eine derartige Vielzahl, wie wir heute Muscheln an unseren Stränden finden. Heute liegen einige der von mir gesammelten Exemplare zur Ansicht in meinem Wohnzimmer, sie faszinieren mich noch immer und erinnern mich an Werden und Vergehen. Irgendwann in der Neuzeit, dem Neozoikum, tritt der Mensch in Erscheinung. Er musste bis zum Homo sapiens viele Entwicklungsstufen durchlaufen. So wurde in Millionen von Jahren aus vielen Explosionsbrocken unter Mitwirkung der Mikroben die Erde, wie wir sie kennen. Während ihrer Entstehung war sie eine Hölle, dann ein unwirtlicher Gesteinsbrocken und erst viel später wurde daraus ein Paradies, maßgeschneidert für eine Spezies, aus der nach mehreren Vorstufen (Versuchen?) der Homo sapiens entstand, ein verstehendes, verständiges, weises, gescheites, kluges, vernünftiges Wesen, der Mensch, WIR! So sehen wir uns wenigstens.
Eigene Funde
Die ersten Menschen auf dem Planeten
Vorstufen des Menschen gab es schon vor rund einer Million Jahre. Das waren Zwischenstufen zwischen Menschenaffen und Affenmenschen. Der Homo sapiens, der Kulturmensch, tritt erst vor circa 80-100.000 Jahren vor Christus in Erscheinung und beginnt, aus Nordafrika kommend, sich die Erde untertan zu machen. Die Wissenschaft kann heute seine genetischen Spuren verfolgen, die in mehreren Schüben von Afrika aus zunächst gen Osten und dann nach Norden und Westen führen. Wir wissen heute, dass wir alle von einer Urmutter abstammen, auch die später mutierten Regionalurmütter. Wir wissen auch, wann, wie und wo sich die ersten Kulturmenschen aufgehalten haben und in welche Richtungen sie sich ausbreiteten, aber wir wissen nicht, woher er, der erste Mensch, kommt und wie er überhaupt auf diese Erde gekommen ist. War es die Evolution, die aus den Affen und Vormenschen den Kulturmenschen, also uns, werden ließ? War es eine Schöpfung Gottes, brachten Kometen oder Meteoriten die Bausteine des Menschen zur Erde oder ist die Erde gar, wie einige Außenseiter meinen, eine Genbank für Außerirdische?
Wir wissen es nicht und können nur glauben und weiter forschen. Wir wissen heute aber, dass der Mensch in seinem Körper nicht allein ist. Der Philosoph David Precht hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Wer bin ich – und wenn ja – wie viele?“ Wenn man das liest, möchte man sagen: „Jetzt ist es aber so weit …, ich bin einmalig und einzigartig, von mir gibt es keine Doubles.“
Tatsächlich haben die Biologen aber herausgefunden, dass auf der Erde keine biologischen Individuen existieren. Alles Biologische ist von Mikroorganismen durchsetzt, so bezeichnet man die Gesamtheit aller nicht mit bloßem Auge erkennbaren Organismen, eine spannende Entdeckung. Mikroben werden von der Wissenschaft in Gruppen eingeteilt, wie zum Beispiel Bakterien, Viren, Pilze und andere, die krankheitserregend oder auch nicht krankheitserregend sein können. Sie sind nicht bösartig, sondern erfüllen sogar wichtige Funktionen für alles Biologische auf dieser Erde. Diese Tierchen waren erheblich früher auf der Welt und hatten 2,5 Milliarden Jahre hier die Weltherrschaft.
Der Biologe und Wissenschaftspublizist Bernard Kegel hat ein ganzes Buch darüber geschrieben unter dem Titel „Die Herrscher der Welt“. Er schreibt auch: „Der Planet Erde, darüber kann kein Zweifel entstehen, ist eine Mikrobenwelt“, und an einer anderen Stelle: „Jeder von uns ist nicht einer, sondern sehr, sehr viele … Superorganismen (Gemeinschaft verschiedener Lebewesen) bestehen nach einer Schätzung des Human Mikrobiome Consortium aus einem Menschen und mindestens 10.000 verschiedenen Mikrobenarten.“ Diese kleinen Tierchen, die alle eine eigene DNA haben, sind so unendlich klein, dass man es einfach nicht glauben möchte. Eine Gruppe Wissenschaftler hat geschätzt, dass der Mensch mit circa 100 Billionen Mikroben besiedelt ist. Das sind tausendfach mehr, als es Sonnen in unserer Milchstraße gibt und mindestens genauso viele wie die Anzahl unserer Körperzellen. Einige Forscher glauben sogar, dass unser Körper zehnmal mehr Mikroorganismen enthält als Körperzellen. Hunderttausende verschiedene Typen von Mikroben gibt es auf dieser Welt, aber nur einige Hundert dieser verschiedenen Arten leben im Menschen. Sie sind überall, auch in den Bestandteilen unseres Blutes und gelangen damit an jede Körperstelle, sogar bis zu den Schaltstellen in unserem Gehirn. Sollte sich herausstellen, dass sie auch Einfluss auf die Betätigung der Schalthebel haben, werden wir in vielen Dingen unsere Vorstellungen vom Leben und Tod ändern müssen. Das sind einerseits wichtige Forschungsansätze, andererseits bieten sie aber auch Anlässe zu mancherlei Spekulationen.
Ist der Mensch also aus der Sicht der Mikroben für sie ein Planet oder gar ein ganzes Universum?
Unser Universum soll 13,7 und unsere Erde 4,6 Milliarden Jahre bestehen. Unsere Existenz basiert, so meint die Wissenschaft, auf dem sogenannten Urknall, einer Explosion, die von einer Stelle ausging und sowohl Masse als auch Energie in den Bereich schleuderte, den wir unser Universum nennen. Nicht endgültig geklärt ist auch, woher die Masse und die Energie kamen, die Milliarden von Galaxien, in denen es wiederum Milliarden von Sternen gibt, entstehen ließen. Ebenfalls ist ungeklärt, was vorher dort war, wo aus dem Urknall das Universum entstand.
Bild aus dem Naturwissenschaftlichen Museum in Wien
Es ist für uns Menschen unverständlich, dass etwas aus dem NICHTS entsteht. Das wird auch nicht durch unsere Physik erklärt. Nach unserem Verständnis muss jeder Reaktion eine Aktion vorausgegangen sein. Deshalb suchen unsere Wissenschaftler nach einer Weltenformel, die den Makro- und den Mikrokosmos erklärt.
Bis jetzt muss man wohl davon ausgehen, dass nichts kommt und nichts vergeht, sondern dass alles immer schon da war und nur eine ständige Umwandlung von Masse in Energie und umgekehrt ist und dass die Zeit dabei eine größere Rolle spielt als wir annehmen. Da unser Verstand und das angelernte Wissen uns sagen, dass aus toter Materie nichts entstehen kann, muss es einen Schöpfer gegeben haben. Natürlich ist hier die Frage erlaubt: „Und – wo kommt der her?“
Nichts spricht dafür, dass sich die Schöpfung des menschlichen Lebens mehrfach wiederholt hat. Stand der Wissenschaft ist, dass der Schöpfungsakt in Afrika lag und die Erde von dort aus in mehreren Wellen bevölkert wurde. Es bedarf schon einer großen Fantasie, um sich vorzustellen, dass auch unsere Vorfahren diesen Weg gegangen sind, aber so muss es doch gewesen sein. Solange die Wissenschaft nicht eindeutig das Gegenteil beweist, glaube ich an einen Schöpfer. Ist diesem der Mensch aber so geraten wie beabsichtigt? Aus unserer heutigen Sicht hätten wir uns eher eine friedlichere Welt gewünscht. Sollte das auch die Absicht des Schöpfers gewesen sein, so ist ihm das nur bei wenigen Menschen gelungen. Bezogen auf die gesamte Menschheit wäre das Ziel verpasst. Ob der Schöpfer aber, wie man früher annahm, ein strafender Gott ist, der Sünder ins Fegefeuer und in die Hölle schickt, oder eher ein liebender, nachsichtiger Gott, wie wir heute glauben, der verzeiht und Sünden vergibt, das ist die Frage. Es sieht eher so aus, dass die Menschen sich ihren Gott nach ihrem Gusto zurechtreden, sich ein Bild von ihm machen, wie sie ihn gerade gerne sähen. Seine Sicht und das Maß seiner Bewertung aller Handlungen unterscheidet sich aber sicher ganz erheblich von dem, was wir für gut und was wir für schlecht halten.
Den Menschen ist der Verstand gegeben. Sie haben damit die Technik und die Fähigkeiten vermittelt bekommen, das ihnen übertragene Paradies Erde zu hegen, zu pflegen, zu erhalten oder auch ganz zu vernichten.
Zur Vernichtung dieser schönen Erde, ja, sogar für den Overkill, gibt es inzwischen ausreichend atomare Waffen. Der Mensch muss aber gar nicht erst seine Waffen einsetzen, sondern kann das auch auf anderen Wegen erreichen, zum Beispiel durch weitere ungenügende Beachtung des Kohlendioxidproblems. Wird die vom Menschen verursachte Erhöhung des Kohlendioxidgehaltes weiter nicht ernst genommen und sogar weiter gesteigert, kann die Natur auch ohne weiteres Einwirken der Menschen einen Automatismus in Gang setzen, der unumkehrbar die Erde wieder unbewohnbar macht. Vielleicht eine zweite Karbonzeit, in der der Kohlenstoff wieder gebunden und in der Erde eingelagert werden muss, um mit nachfolgender erneuter Schöpfung, einem neuen Versuch, die Erde noch einmal mit intelligenten Lebewesen zu füllen?
Was werden sie tun? Reicht der Verstand, den die Menschen mitbekommen haben, aus, um das Problem zu lösen? Wie auch immer, zunächst bleibt es wohl bei der Gefahr der gewollten oder ungewollten Vernichtung der Menschheit oder gar der ganzen Erde, sowie bei Krieg und bei Not irgendwo auf dieser schönen Erde.
Wir Menschen schaffen uns, das Menschliche betreffend, unsere eigene Wirklichkeit. Zum Handeln steht uns die gesamte Bandbreite zwischen sehr gut und ganz schlecht zur Verfügung. Bei all unseren Verhaltensmöglichkeiten wägen wir zwischen Gut und Böse ab, wobei das Gute immer das ist, was mehr Lust erwarten lässt und das eigene- sowie das Überleben anderer sichert. Böses beginnt dort, wo von Menschen oder von Gott gesetzte Schranken, wie Gebote und Gesetzte überschritten werden. Von Natur aus Böses gibt es also a priori überhaupt nicht. Aristoteles wird der Satz zugeschrieben: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“. Oder auch: „Böses ist Gutes, was man unterlässt“. Für den Menschen sind, so gesehen, alle Möglichkeiten offen. Ob ein Mensch gut oder böse handelt, entscheidet er allein. Individuen Religionen und Staaten setzen nach eigenem Empfinden und Bedürfnissen dafür Eckpunkte wie Gebote und Gesetze. Sie nehmen sich auch das Recht, sie nach Bedarf auf der Messlatte zu verschieben, zum Bösen wie zum Guten! Davon wird auch reichlich Gebrauch gemacht, und das ungeachtet der Gebote Gottes, die leider oft selbst von vielen christlichen Würdenträgern in aller Offenheit ignoriert werden. Als Beispiel für das Hin- und Herschieben der Wertung einer Handlung möchte ich die Homosexualität anführen, es gibt sie wohl von Anfang an und sie wird auch nachweislich seit Menschengedenken praktiziert. Zeitweise wurden Homosexuelle von der Gemeinschaft toleriert, Männer in gehobener Stellung hielten sich sogar ungeniert gegen Bezahlung Lustknaben. Aber nicht nur das, sexuelles Vergnügen mit Knaben galt sogar ein Erziehungsmittel. In anderen Zeiten dagegen wurden Homosexuelle verachtet, bestraft und das sogar mit dem Tode. Heute rangiert diese Minderheit für die Politik finanziell noch vor der staatstragenden Institution Familie mit Mutter, Vater, Kind. Das weiter zu erläutern, würde ein ganzes Buch füllen.
Aber zurück zur Erde. Dass es Gefahren für die Erde gibt, steht außer Frage. Auf die außerirdischen und die geologischen Gefahren, haben wir bisher noch keine Antwort. Wie aber schon erwähnt, gibt es auch „hausgemachte“ Gefahren für die Existenz unserer Erde. Das kann man nicht mehr als ambivalent bezeichnen, diese Gefahr besteht real und die Folgen unseres Handelns sind abseh- und auch schon spürbar. Nach langjähriger Ignoranz besteht jetzt endlich Einigkeit darüber, dass die Hauptverursacher fossile Energien sind, sie setzen das Kohlendioxid und Methan frei, das uns den Treibhauseffekt mit all seinen Wirkungen auf unser Klima beschert. Viele Länder sind aber inzwischen mit ihrer Industrie absolut abhängig von fossilen Energien. Ein plötzlicher Ausstieg aus dieser Energieart würde ihnen große wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme bereiten. Deshalb wurde das Problem der Klimaänderung durch Treibhausgase zunächst ignoriert, bezweifelt und wird nun, nach Ermittlung einer Toleranzgrenze, je nach Sicht des Beobachters hin- und hergeschoben. Es ist zu hoffen, dass die jetzt festgelegten Zeitgrenzen für einen Ausstieg ausreichen einen weiteren dramatischen Anstieg zu verhindern.
Das Problem erfordert einen schnellen Ausstieg, der aber mit den jetzt festgelegten Grenzen nicht erreicht wird. Mit jeder Verzögerung steigt aber das Restrisiko, dass die eingesetzte Entwicklung unumkehrbar wird und unaufhaltbar weiter geht und so die menschliche Existenz auf Erden gefährdet. Hiermit soll keine Apokalypse beschworen, sondern der Ernst der Situation aufgezeigt werden.
Auch sollte deutlich geworden sein, dass das Erkennen von existenziellen Problemen nicht leicht ist. Selbst wenn sie endlich erkannt werden, können verschiedene Interessen sowie unterschiedene Auffassungen von Gut und Böse erforderliches und entschlossenes Handeln verzögern oder sogar verhindern. Das mit den Treibhausgasen ist ein aktuelles Beispiel. Warten noch andere Überraschungen diesbezüglich auf uns?
Wie sieht es denn eigentlich in unserer materiellen Welt aus? Entspricht das, was wir sehen, hören riechen oder vermuten der Wirklichkeit? Was ist die Wahrheit, die ganze Wahrheit? Wir haben großartige Naturwissenschaftler, sie haben viele wichtige Erkenntnisse gewonnen in der Mathematik, der Physik und in der Astronomie, und das sowohl über Sterne, Galaxien und sogar über unser und andere Universen, denn es scheint tatsächlich mehrere davon zu geben. Selbst bei den kleinsten Teilchen, bei der Teilchenphysik, gibt es enorme Fortschritte. Täglich erweitert sich unser Wissen. Aber ist das, was wir inzwischen annehmen, auch die Wahrheit, ist es die echte Wirklichkeit?
Die Wissenschaftler unterscheiden heute zwischen der äußeren Wirklichkeit, das ist die Welt, wie sie von Natur aus beschaffen ist, der Konsenswirklichkeit, das ist die Wirklichkeit, auf die sich die Fachwissenschaftler verständigt haben
und letztlich auch noch über die innere Wirklichkeit, die unserer subjektiven Wahrnehmung entspricht und durch mancherlei Einflüsse gefälscht sein kann, gefälscht ist.
Der Sinn des Lebens
In Kenntnis dieser Vorgeschichte stellen sich viele Menschen die Frage nach dem „Sinn des Lebens“. Das ist eine Frage, die einige Menschen sehr beschäftigt und anderen aber nur ein Lächeln abringt. Hierzu gibt es vielfältige und verschiedene Meinungen, fast jeder bekannte Mensch hat sich dazu geäußert. Ich habe an der Universität eine ganze Vorlesungsreihe gehört mit der Bezeichnung: „Des Lebens Sinn nach Thomas von Aquin“.
Thomas meint, „Das letze Ziel des Menschen ist das Glück“ Viele Menschen bezweifeln das und glauben, dass Glück nicht das Ziel, sondern das Ergebnis sein muss und dass das Streben nach Glück unisono ins Unglück führt.
Etwas seltsam klingt die Version von Peter Ustinov:
„Sinn des Lebens ist etwas, das keiner genau weiß.
Jedenfalls hat es wenig Sinn,
der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein“.
Interessant fand ich auch die Aussage des deutschen Philosophen Immanuel Kant zu diesem Thema, der im ehemaligen deutschen Königsberg gewirkt hat und auch dort begraben ist:
„Die größte Angelegenheit des Menschen ist, zu wissen,
wie er seine Stelle in der Schöpfung gehörig erfülle
und recht verstehe,
wie man sein muss, um ein Mensch zu sein“.
Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Der Sinn des Lebens ist zu leben.“ Was genau er damit meint, ist nicht zu erkennen.
Es kann wohl unterstellt werden, dass er, Goethe, damit nicht meint „… wie auch immer und ohne gegenseitige Rücksicht zu leben“! Einen wirklichen Sinn ergibt seine Aussage nur im Zusammenhang mit seinen andern Werken.
Der Physiker und Mathematiker Max Tegmark meint,
„zwar gibt unser Universum dem Leben keinen Sinn, aber das Leben gibt dem Universum Sinn“. Er findet es bemerkenswert, dass ein Haufen Teilchen in der Lage ist, sich seiner selbst bewusst zu sein. Er glaubt, dass ein Haufen Teilchen aber nicht im Laufe der Zeit zwangsläufig intelligent werden kann und verweist darauf, dass die Dinosaurier schließlich die Erde 100 Millionen Jahre beherrschten, also 1000 mal länger als es uns Menschen gibt und die Evolution sie nicht zwangsläufig in Richtung höhere Intelligenz geschubst hat. Wir Menschen und nicht sie haben die künstliche Intelligenz auf den Weg gebracht. Eine Intelligenz, die uns möglicherweise mal übertreffen und sogar über uns herrschen wird; die Anfänge hierfür sind ja schon erkennbar. Wichtiger als die Frage nach dem Sinn des Lebens war von Anbeginn immer die Frage: „Wie kann ich, wie kann meine Familie, wie kann mein Land, wie kann die Menschheit überleben und das in der vor stehenden Reihenfolge. Die Frage ist eng verknüpft mit den in jedem Menschen schlummernden Eigenschaften GUT und BÖSE, die letztlich unser Handeln bestimmen in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.
Die Erdzeiten
Während es vorstehend in erster Linie um unsere Erde selber ging, soll im Folgenden das menschliche Leben über alle Erdzeiten betrachtet werden. Wie haben sie gelebt, gearbeitet, gelitten unsere Vorfahren. Ja, auch deine waren dabei, denn, dass wir alle von einer Urmutter abstammen ist in der Wissenschaft Konsens. Der folgende kurze Überblick über alle Erdzeiten zeigt, dass es früher wie heute stets ums Überleben ging. Um Schutz vor Naturgewalten, wilden Tiere und „Nachbarn im weitesten Sinne“ und, wenn Schutz allein nicht ausreichte, war Kampf angesagt, zunächst nur um sich zu wehren, dann auch, um des Nachbarn Gut, Weib und Land zu gewinnen und dieses sich untertänig zu machen. Entscheidend war die physische oder geistige Überlegenheit. Der Stärkere gewinnt immer, was bis heute ja so geblieben ist!
Altertum
Von Beginn an sind die Menschen begierig zu wissen, was vorher war und woher das alles kommt. Der Mensch ist damit neben Raum und Zeit der dritte Träger der Geschichte, durch ihn wird Geschichte überhaupt erst möglich. Deshalb kommt ihm innerhalb der Geschichtswissenschaft eine besondere Bedeutung zu. Die grobe Unterscheidung in Geschichtsepochen fängt mit dem Altertum an und umfasst die gesamte Zeit von der Entstehung der Erde bis etwa zur Zeit 800 v. Chr. Obwohl zeitlich weit von uns entfernt, gewährt uns die Forschung einen guten Überblick sogar über diese Zeit, vom Chaos der Entstehung der Erde bis zur Entwicklung von Pflanzen, Tieren und Menschen. Die Menschen waren zunächst nicht sesshaft, sondern zogen als Nomaden durch das Land. Sie waren Jäger und Sammler und wohnten aus Schutz vor Tieren auf Bäumen oder in Höhlen. Ihr Weg war durch die klimatischen Bedingungen und Tierwanderungen bestimmt. Familienclans bestanden ursprünglich ausschließlich aus Blutsverwandten. Später verbanden sich mehrere Familienclans zu Stämmen, die matriarchalisch und zeitweilig sogar in getrennten Gruppen von Männern und Frauen organisiert waren. Das Entstehen von Privateigentum bei den Männern wird als Grund für die Auflösung der Matriarchate angesehen, was letztlich zur monogamen Ehe geführt haben soll und zum Übergang zum Patriarchat.
Zum Überleben benötigten die ersten Menschengenerationen neben ihrem Verstand fast von Anbeginn an Hilfsmittel, Waffen! Sie gruben Fallen und fertigten Speere, Pfeile, Bögen sowie Steinäxte an und verbesserten diese von Generation zu Generation. Eine dieser Verbesserungen geschah durch die Steingewinnung und Steinbearbeitung. Die Hilfsmittel dienten ursprünglich ausschließlich der Nahrungsbeschaffung, später auch als Hilfsmittel im Kampf gegen Konkurrenten.
Schon die Urmenschen betrieben deshalb Bergbau. Sie und kein anderer übten das älteste Gewerbe der Welt aus. Abgebaut wurde Feuerstein, er war der Stahl der Altzeit, der zu Werkzeugen und Waffen bearbeitet wurde. Das geschah wahrscheinlich auch schon kurze Zeit vor dem Auftauchen des Homo sapiens auf dieser Erde. Belegt durch die Universität Heidelberg ist das für die Zeit vor 40- 50.000 Jahren. Zu dieser Zeit wurden schon Steine gesägt und gebohrt und zu Äxten, Beilen, Speerspitzen und Keulenköpfen verarbeitet. Um 2000 v. Chr. begann die Bronzezeit. Jetzt wurde mit Kupferund Bronzeprodukten auch Handel betrieben. Im Siedlungs- und Kriegswesen waren die Gerätschaften aus Metall sehr begehrt. Parallel dazu wurde eine Verhüttungstechnik entwickelt. Dass die Waffen schon in dieser Zeitphase häufig verwendet wurden, wissen wir aus der Geschichte.
Antike
Nach dem Altertum folgt die Antike. Der Zeitraum wird in der Literatur unterschiedlich angegeben, die Angaben reichen von 2000 v. Chr. bis circa 500 n. Chr. Die Antike ist die Zeit der Griechen, Römer, Perser, die Zeit Ägyptens, Mesopotamiens und Assyriens sowie Chinas, das zu den ältesten Zivilisationen und Hochkulturen der Menschheit zählt. Auch diese Zeit war schon von Auseinandersetzungen, Kriegen und Eroberungen geprägt. Fast unglaublich aber wahr ist es, dass man mithilfe von DNA-Analysen heute schon die Abstammung eines Menschen bis ins Altertum nachweisen kann – aber davon später!
Auch der Zeitraum der Antike geht über tausend Jahre und im Laufe der Zeit war nichts beständig und das Leben war regional sehr unterschiedlich. Dies gilt auch für die Familie. Oft werden mit dem Begriff Familie nicht nur die Blutsverwandten, sondern ein Personenverband aus Blutsverwandten, Dienern und Sklaven bezeichnet, denen ein Patriarch vorstand. Dieser Personenverband war Keimzelle des Staates. Liebesehen waren die Ausnahmen, Zwangsehen die Regel. Das Wort „Liebe“ drückte nicht unbedingt Gefühl aus, sondern meinte eine auf Dankbarkeit und Zuneigung aufgebaute Beziehung. Frau, Kinder, Diener und Sklaven unterstanden der umfassenden Gewalt des Vaters, der Herr eigenen Rechtes war, und das beinhaltete sowohl das Straf- und Züchtigungsrecht als auch alle Maßnahmen zur Wahrung des Hausfriedens. Das galt, solange der Vater lebte, egal welche Position die Kinder später erreichten. Die Menschen waren der Familie, im Sinne des genannten Personenverbandes, und dem Vaterland verpflichtet. Die Familie, wie wir sie kennen, wurde einfach als Vater-Mutter-Kind-Verbindung bezeichnet, die jedoch nicht sehr stabil war. Die Kleinstfamilie war nicht gerade das Idealgefüge jener Zeit. Eine hohe Anzahl von Scheidungen und eine hohe Sterberate führten dazu, dass viele Kinder in Patchworkfamilien aufwuchsen. Begüterte Familien ließen ihre Kinder durch Sklaven und Ammen betreuen. Das Heiratsalter lag bei zwölf Jahren. Haupterwerbszweig war die Landwirtschaft.
Zu Beginn der Antike löste die Eisenzeit die Bronzezeit ab. Das revolutionierte damals die Arbeitswelt, das Kriegswesen und die Gesellschaft. Bis 600 v. Chr. war die Eisenverhüttung in ganz Europa verbreitet, jetzt konnte in jedem Dorf gehämmert und geschmiedet werden.
Alle Nachrichten aus dieser Zeit weisen auch darauf hin, dass sich die Menschen schon von Anfang an Gedanken über das „SEIN“ machten. Für das, was für sie unverständlich war, erfanden sie Mythen und Gleichnisse. Diese sollten helfen, den Platz im Universum zu verstehen und ihnen Halt geben. Sie machten sich auch Gedanken darüber, ob das, was sie sehen auch der Wirklichkeit entspricht. Ein Beispiel dafür ist das nachstehende Höhlengleichnis von Platon, der 427 vor Christus geboren wurde und ein Abkömmling eines Athener Adelsgeschlechtes war.
Eine Gruppe von Leuten lebt von Geburt an in einer Höhle. Sie sind gefesselt und sitzen mit dem Rücken zum Höhleneingang, durch den die Sonne hereinscheint, sie können nur auf die Wand der Höhle sehen. Zwischen dem Höhleneingang und ihrem Rücken bewegen sich Menschen, deren Stimme sie hören und deren bewegte Schatten sie deutlich auf der Höhlenwand sehen können. Die Angeketteten halten das, was sie sehen, für ihre Welt, für ihre Wirklichkeit. Nun wird einer von ihnen von den Ketten befreit und sieht plötzlich die Menschen. Dann wird er auch noch gezwungen, aus der Höhle herauszutreten in das Sonnenlicht. Zunächst ist er verwirrt und geblendet und es dauert sehr lange, bis er erkennt, dass die Schatten, die er bisher ausschließlich wahrgenommen hat, nur Abbilder und nicht die wahren Dinge sind und dass er in einer Scheinwelt gelebt hat. Das Höhlengleichnis ist unzählige Male und unterschiedlich interpretiert worden. Darauf einzugehen würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Ich überlasse es dem Leser, eine eigene Antwort auf die sich aus dem Gleichnis ergebenden Fragen zu geben:
Was werden die Angeketteten sagen und tun, wenn er zu ihnen zurück in die Höhle kommt und vom dem, was er gesehen und wahrgenommen hat, berichtet? Was, wenn er gar auch noch versuchen wollte, auch sie an die Sonne zu bringen? Auch die Antike war keine friedliche Welt, Unterdrückung, Mord und Totschlag waren die Regel.
Auf die Antike folgt das Mittelalter, das bis zum Jahre 1500 n. Chr. datiert wird. Obwohl immer noch vom dunklen Mittelalter gesprochen wird, haben wir heute einen detaillierten Überblick über diese Zeit.
Für die Antike und weit bis ins Mittelalter galt der Grundsatz, dass nur der als tüchtig galt, der nicht arbeitet, sondern arbeiten lässt. Das stellt sich, wie wir wissen, heute ganz anders dar. Neben den tüchtigen freien Bürgern, die sich mit sich selber, mit der Familie und dem Gemeinwesen beschäftigten, machte die profane Arbeit ausschließlich Sklaven, Frauen und Hörige.
Mittelalter
Mittelalter nennen wir die Zeit von 500 n. Chr. bis 1500 n. Chr. Anfang und Ende dieser Zeitspanne sind von der Wissenschaft so festgelegt. Sie basieren wohl einerseits auf dem Ende des weströmischen Reiches im Jahre 476 und andererseits auf dem Ende des oströmischen Reiches im Jahre 1453. Aber auch während dieser Epoche gab es ständig Änderungen. So auch im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“, einem Dachverband von selbstständigen, aber nicht souveränen Fürsten- und Herzogtümern, dem sogenannten „Ersten Reich“. Das Reich, das bis 1806 existierte, bestand aus bis zu 300 selbstständigen Staaten. Bei der Anzahl der Staaten gab es über die Zeiten gesehen ebenfalls ständig Verschiebungen. Auch hier von Friedlichkeit keine Spur. Länder im Reich bekämpften sich gegenseitig und marodierende Horden zogen brandschatzend und mordend durch die Länder. Viele Jahre waren durch die Inquisition und Kreuzzüge geprägt mit den menschenunwürdigsten Handlungen. In dieser Zeit entstand auch das Christentum, das dann mit dem Schwert verbreitet wurde. Das blieb so bis weit in die Frühe Neuzeit, die von 1500-1800 datiert ist. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, der für die Menschen in ganz Europa Angst und Schrecken sowie Mord und Totschlag bedeutete und die Bevölkerung ca. um 30 % dezimierte, brachte im Jahre 1648 der Westfälische Frieden von Münster und Osnabrück eine Neuordnung der Gebiete, verschiedene Friedensverträge sowie den Reichsfürsten neue Macht und auch die Gleichstellung der drei Religionen. Weiterhin gab es jedoch immer noch 300 souveräne Staaten im Reich. Ab 1800 lassen die Historiker die Neuzeit beginnen. Am 6. August 1806 dankte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ab. Die geistlichen Fürstentümer, die Reichsstädte, die Reichsritterschaft und viele kleine Fürstentümer verloren ihre Selbstständigkeit. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte sein Ende gefunden. Die Zahl der Staaten war damit auf 36 reduziert.
Das Mittelalter fasziniert mich so, dass ich mich seit Jahren intensiv damit beschäftige. Das Thema ließ mich einfach nicht mehr los. Es ist einfach spannend! Aber da bin ich ja nicht alleine. Seit einigen Jahren wird in ganz Europa das Leben im Mittelalter auf Jahrmärkten mit viel Romantik nachgestellt und zwar aus allen Bereichen. Das Leben der einfachen Bauern, als auch des Adels und der Ritter. Die zeitgerecht gekleideten Darsteller versetzen sich für 1-2 Wochen zurück in diese Zeit. Sie wohnen in einfachen Hütten und Zelten, kochen und essen nach alter Art und alten Rezepten – natürlich „frei von Umweltgiften“ – sie reiten, hämmern, weben, schmieden, kämpfen mit Speeren und feiern. Händler Spielleute und Gaukler beherrschen die Szene. Auch der Adel ist zu bewundern, Damen und Herren in den tollsten Kleidern und Hüten gehen, nein, schreiten durch die „mittelalterlichen Gassen“. In einigen Städten werden sogar kriegerische Auseinandersetzungen nachgestellt, wie z. B. in Soest die alle zwei Jahre stattfindende größte Inszenierung bundesweit dieser Art, die Soester Fehde aus dem Jahren 1444 bis 1449, in der sich die Bürger der Stadt Soest gegen den Erzbischof von Köln erheben. Über 500 mittelalterliche Fans aus ganz Europa kommen zusammen, treten hier auf und kämpfen mit Kanonen, Büchsen, Schwert und Pfeil und Bogen. Ganz Soest lebt eine Woche lang im mittelalterlichem Rausch. Eine sehr empfehlenswerte, informative Veranstaltung. Interessierte können gegen eine geringe Eintrittsgebühr diese wunderbare Darstellung des Mittelalters ansehen.
Auch unsere Vorfahren haben zur Zeit der Fehde in dieser Gegend mitgemischt. Der älteste Nachweis über die Familie stammt schließlich aus dem Jahre 1477. Wo waren sie aber in der Urzeit, wo in der Antike, waren sie mit auf den Kreuzzügen, über welche Route und wann kamen sie nach Mitteleuropa? Welchen Weg haben sie genommen, was haben sie gesehen, was erlebt, was erlitten? Waren sie Bauern, Ritter, Adelsleut? Die Nachverfolgung bis 1477 ist schon eine große Leistung und ich habe bisher geglaubt, das sei das Ende der „Fahnenstange“. Neueste Genforschungen geben aber Hoffnung, dass in naher Zukunft weitere Geheimnisse gelüftet werden können. Jeder unserer Ahnen lebte in seiner Zeit, sein Werden, Leben und Vergehen sind Bestandteil der jeweiligen Geschichtsepoche, das darf man bei der Forschung nie vergessen, wenn man das Verhalten von Personen oder Familien der damaligen Zeit verstehen will. Das Sammeln von Namen und Daten allein ist eintönig und kann schnell zu Fehlern führen. Erst die Verbindung von Dokumenten und geschichtlichen Ereignissen jener Zeit macht alles spannend und interessant.
Bevölkerungsentwicklung
Es war eine sehr ereignisreiche Zeit. Der Übergang von der Antike zum Mittelalter brachte zunächst in Mitteleuropa einen langsamen, aber stetig steigenden Bevölkerungszuwachs. Um 1500 haben im Gebiet von Deutschland neun Millionen Menschen bei einer durchschnittlichen Bevölkerungsdichte von 16 Einwohnern pro Quadratkilometer gelebt2 (im Vergleich dazu: 2012 lebten im Bereich des früheren Bundesgebietes 229 Einwohner auf einem Quadratkilometer). In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bevölkerung infolge der günstigen klimatischen Bedingungen kräftig an und erreichte 1618 die Zahl von 17,1 Millionen. Der Aderlass des Dreißigjährigen Krieges warf die Bevölkerung Deutschlands um eineinhalb Jahrhunderte bis auf zehn Millionen Einwohner zurück.
Erst bis zum Jahre 1800 sollen wieder 22 Millionen Einwohner erreicht worden sein. Viele Ländereien lagen brach und viele Höfe wurden als „wüst liegend“ bezeichnet.
Der größte Teil Europas zeichnete sich in demografischer Hinsicht durch zwei spezifische Merkmale aus: ein hohes Alter bei der Eheschließung und einen hohen Anteil von Menschen, die nie heiraten, ja, nie heiraten durften.
Die Zeit des Mittelalters dauerte tausend Jahre, das ist eine sehr lange Zeit. Selbstverständlich brachten Kriege, Krankheitsepidemien und Naturkatastrophen in den verschiedenen Zeitabschnitten auch Veränderungen in der Lebenshaltung mit sich. Aus alten Aufzeichnungen wissen wir, dass das Leben im Wesentlichen wie auf den folgenden Seiten beschrieben ausgesehen hat. (Was ich hier schreibe, kann und soll nur ein ganz kurzer Überblick sein. Wer intensiver informiert werden möchte, kann über dieses Thema in zahlreichen Büchern nachlesen.)
Herrschaft des Adels
Das ganze Leben jener Zeit wurde vom Adel und dem Klerus bestimmt, der in der Regel auch aus dem Adel stammte. Der Adel bekämpfte sich auch gerne untereinander. Unzählbare kriegerische Auseinandersetzungen sind bekannt und in vielen Quellen wird darüber berichtet. Der Anteil des Adels an der Gesamtbevölkerung war zwar bedeutungslos, er hielt aber alle führenden Positionen in Staat, Kirche und Gesellschaft besetzt.
Der Beruf des Adels war einfach nur die Herrschaft.
Es gibt viele Geschichten und Legenden, die besagen, dass die adligen Herren sich bemüht haben, persönlich den Anteil der Bevölkerung durch das „Jus primae noctis“ (Recht der ersten Nacht) zu erhöhen. Ob es das Recht der ersten Nacht überhaupt je gegeben hat und ob es auch praktiziert wurde, ist nicht eindeutig belegt. Einige Quellen weisen aber darauf hin, dass es das schon seit ewigen Zeiten gab. Im Internet habe ich u. a. folgenden Text gefunden:
„Ferner sprechen die Hofleute, wer hier heiratet, der soll den Meyer und seine Frau einladen. Der Meyer soll dem Bräutigam einen Hafen leihen, sodass er darin ein Schaf sieden kann. Auch soll der Meyer an die Hochzeit ein Fuder Holz mitbringen. Er soll sodann gemeinsam mit seiner Frau ein Viertel eines Schweineschinken bringen. Und wenn die Hochzeit zu Ende ist, soll der Bräutigam den Meyer in der Hochzeitsnacht bei seiner Frau liegen lassen oder fünf Schillinge und vier Pfennige bezahlen.“3
Ich selbst habe bei meinen Recherchen für die Ahnenforschung keine Hinweise auf das „Jus primae noctis“ gefunden. Es ist aber auffallend, dass oft das erstgeborene Kind eines Eigenbehörigen – eigenbehörig waren immerhin 98 % der Landbevölkerung – den Vornamen des Grundherrn trägt. Das Recht der ersten Nacht sollte aber nicht nur dem Grundherrn, sondern, falls sie nicht identisch sind, dem Gerichtsherrn, einem hohen Ministerialen oder sogar einem Meyer zugestanden haben beziehungsweise von ihnen eingefordert worden sein. Auf dieses ungeschriebene Recht wurde oft verzichtet, wenn dafür ein Geldbetrag bezahlt wurde, der sogenannte Stechpfennig.
Historischer Rückblick
Die persönliche und dingliche Abhängigkeit der bäuerlichen Bevölkerung Westfalens hat eine lange Tradition; sie kann bis in die Spätantike zurückverfolgt werden. Die in der Spätantike im Mittelmeerraum übliche Organisation der Landwirtschaft ist in leicht abgewandelter Form im Mittelalter auch in den germanischen und fränkischen Gebieten praktiziert worden.
Schon im 2. vorchristlichen Jahrhundert wurde ein Teil des Grund und Bodens parzelliert und anschließend von den Herrschern zunächst an treue Vasallen und Kriegsveteranen, später aber auch an Sklaven verpachtet.
Die so abgegrenzten Grundstücke nannte man Colonate (Kolonate) und den jeweiligen Pächter – je nachdem, ob es ein Mann oder eine Frau war – Colonus (Kolon) oder Colona (Kolonin). Etwa im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung änderten sich die Verhältnisse für die Kolone gründlich. Sie wurden jetzt zu lebenslangen Pächtern mit eingeschränkten Freiheiten, die zunächst gewohnheitsmäßig und später durch das Gesetz des Kaisers Konstantin I. vom 30. Oktober 332 an den Boden gefesselt wurden; damit gerieten sie in eine gesetzlich fixierte Abhängigkeit (Schollenpflichtigkeit). Sie waren dem Stande nach noch Freie, aber tatsächlich Sklaven des Bodens, auf dem sie geboren wurden. Man nannte sie „servi terrae“, Sklaven des Bodens. Sie waren zu Leibeigenen oder besser gesagt zu „Hörigen“ geworden. Später wurden sie als Eigenhörige oder auch Eigenbehörige bezeichnet.
Das Prinzip der Eigenhörigkeit kam über Rom und das Frankenreich in das Gebiet des jetzigen Deutschlands. Zu der Zeit, als die Franken ihr Reich bis nach Norddeutschland ausgedehnt hatten, also um das Jahr 800, war das Land hier nur sehr dünn besiedelt. Vier bis fünf Menschen kamen damals auf den Quadratkilometer (heute leben in der Bundesrepublik etwa 250 Menschen/km2). Die späteren Übergänge von einer Gesellschaftsform in die andere änderten am System der Kolonate nichts Entscheidendes.
Auf dem Lande wohnte man in einer Gemeinschaft, die die Wissenschaft als „ganzes Haus“ bezeichnet und die eine Verbindung von Haushalt, Betrieb und Sozialversicherung war. Alle Personen dieser Gemeinschaft standen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis oder in einem Beschäftigungsverhältnis zum Hausherrn, der die Gemeinschaft patriarchalisch führte. Alle lebten im erweiterten Sinne unter einem Dach. Es war eine sich selbst versorgende Gemeinschaft, von der Nahrungsversorgung – nur Salz, Zucker und Gewürze mussten gekauft werden – bis zur Altersversorgung. Bis weit ins 18. Jahrhundert gab es für die Arbeit noch keine gesetzliche Altersgrenze, sodass ältere Personen für die Gemeinschaft so lange tätig blieben, bis sie nicht mehr konnten und Altenteiler4 wurden.
Religiosität
Über das gesamte Mittelalter gesehen stand das Reich unter dem Einfluss des Christentums. Im Vordergrund stand der strafende Gott. Eine Vielzahl von Bildern und Gemälden, auf denen die drastischsten Strafen grauenvoll und furchterregend dargestellt wurden, sorgten zudem für eine Verbreitung und Vertiefung der Furcht. Die bildlichen Darstellungen waren eindeutig und wurden im Laufe der Zeit immer zugespitzter. Oben in der Mitte war der Schöpfer zu sehen, meistens auf einer Weltkugel stehend. Zu seiner Rechten und Linken die Gerechten. Am unteren Rand die Unterwelt mit den geöffneten Gräbern, die symbolische Auferstehung und die Einteilung der Verstorbenen in Selige und Verfluchte. Die Verfluchten werden von den fürchterlichsten Gestalten mit noch fürchterlicheren Strafen bedacht, während die Seligen von den Engeln in den Himmel geleitet werden. Am Ende des Mittelalters wurde Abweichlern nicht nur gedroht. Etwa ab dem 13. Jahrhundert entstand nach päpstlichem Auftrag innerhalb der römisch-katholischen Kirche die Inquisition, ein Instrument zur Aufsuchung, Bekehrung und Verurteilung von Häretikern und Ketzern. Unter Strafe stand auch Magie, Blasphemie und Hexerei. Die Einführung der Folter machte das Erreichen von Geständnissen leicht. Oft wurde aber auch zur Überführung ein Gottesurteil verlangt. Die Überführten erhielten grausame Strafen.
Auf den Bildern und bei den Predigten auf den Kanzeln fehlt es nie an Hinweisen, dass es Mittel und Wege gibt, um von den Qualen ganz oder zeitweise verschont zu bleiben, nämlich durch gute Werke wie Ablässe, Almosen und das Spenden ganzer Vermögen oder Vermögensteile. Die Verkündung des Ablasses zugunsten des Neubaus der Peterskirche in Rom durch den Dominikanerpater Tetzel war es dann auch, die bei Martin Luther Verbitterung und Widerspruch hervorrief. Am 31. Oktober 1517 ließ Luther seine Bedenken, die er in 95 Thesen formuliert hatte, in Wittenberg anschlagen. Er wollte der Menschheit verdeutlichen, dass die Vergebung der Sünden weder durch menschliche Leistungen noch durch Geld- oder Sachwerte zu erlangen sei, sondern allein durch die Gnade Gottes. Luthers Thesen fanden schnell eine starke Verbreitung in großen Teilen des deutschen Volkes. Seine Schrift gegen die Mönchsgelübde bewog zahlreiche Mönche und Nonnen, die Klöster zu verlassen.
Am 3. Januar 1521 wurde Luther von Papst Leo X. exkommuniziert. Auf dem im gleichen Jahr von Karl V. einberufenen Reichstag zu Worms bekam Luther unter der Zusage eines freien Geleits Gelegenheit, seine Position vorzutragen. Auf die Frage, ob er widerrufen wolle, bekräftigte er sein Bekenntnis. Drei Wochen später erließ Karl V. das Wormser Edikt, in dem er die Lehre Luthers verdammte und über ihn und seine Anhänger die Reichsacht verhängte. 1522 erschien Luthers Übersetzung des Neuen Testaments in Druck. Am 13. Juni 1525 heiratete Luther die Zisterziensernonne Katharina von Bora. Auf dem 1530 nach Augsburg einberufenen Reichstag überreichten die Protestanten dem Kaiser die Confessio Augustana (CA), eine Schrift, die die Glaubenssätze der Lutheraner zusammenfasste. Das konnte aber zu dieser Zeit an der harten Haltung des Kaisers nichts ändern. Luther blieb in Reichsacht. Im Sommer 1532 kam es in Nürnberg zu einem vorläufigen Frieden zwischen den Religionen. Im Gegenzug zu politischen Zugeständnissen der Reichsstände verlängerte Karl V. 1544 den Religionsfrieden von 1532. Kein Fürst sollte mehr seines Glaubens wegen verfolgt werden. Außerdem wurden alle beim Reichsgericht anhängigen Verfahren gegen Protestanten eingestellt.
Am 25. September 1555 gestand Kaiser Karl V. im Augsburger Religionsfrieden den Protestanten Religionsfreiheit zu. Die Religionsfreiheit bestand jedoch nur für die Papstkirche und die Lutheraner. Von nun an bestimmte der Landesherr die Religion seiner Untertanen. Für den Fall, dass diese nicht damit einverstanden waren, erhielten sie das Recht zur Auswanderung. Das war dann auch eine Art der Problemlösung. Um 1561, nur drei Jahre nach dem Tod Karls des V., war Deutschland zu vier Fünfteln protestantisch. Das Münsterland und das Herzogtum Westfalen blieben rein katholische Gebiete. Der hohe protestantische Anteil änderte sich später durch die Gegenreformation wieder zugunsten der Papstkirche. 1608 wurde die protestantische Union und 1609 die katholische Liga gegründet. Der Westfälische Frieden von 1648 garantierte dann endgültig den Bestand aller Konfessionen.
Leben auf dem Lande
98 % der Menschen lebten auf dem Lande, fast 90 % davon waren abhängig von einem Landes- oder Grundherrn, die meisten derer waren adlig. Zu einer Grundherrschaft gehörten oft mehrere Bauerndörfer und die dortigen Kolonate, die wir heute als Höfe bezeichnen würden. Die Grundstücke der Kolonate waren so parzelliert, dass eine vierköpfige Familie davon in normalen Zeiten gut leben konnte und darüber hinaus genau festgelegte Abgaben für den Grundherrn und die Kirche erwirtschaftet werden konnten. Hier eine Kopie über die Abgaben eines Hofes im Jahre 1602 an das Haus Kakesbeck.
Außerdem waren zu bestimmten Zeiten für den Grundherrn Zug- und Spanndienste zu leisten. Eine Gewinnerzielung von außerhalb dieses Systems war ursprünglich nicht vorgesehen. Mit der Zunahme der Anzahl der Städte und deren Bevölkerung wurde Überschüssiges auch an die Städte verkauft, später sogar direkt für die Städte produziert. Solche Parzellen nannte man „eine Hufe“, aus Hufe wurde später „Hof“. Ein Hof wurde von dem Kolon und seiner Frau, der Kolonin, geführt. Um das noch einmal deutlich zu machen, alle, auch die Kinder, waren absolut abhängig vom Grundherrn und ihm persönlich und sachlich verpflichtet. Sie erhielten von ihm den Hof, der als „Erbe“ bezeichnet wurde und der, solange wie die Blutlinie bestand, in der Familie von Generation zu Generation weitervererbt werden konnte. Aber auch eine Abberufung aus den verschiedensten Gründen war nicht unüblich.
„Der oder diejenige Mannspersonen sind für untüchtig oder ungeschickt zu halten, einem Erbe vorzustehen, welche lahm und gebrechlich, folglich die Arbeit, welche einem Eigenbehörigen zu tuen gebühret, als den Ackerbau bestellen, pflügen, mähen, dreschen, Holz hauen, und übrigen häusliche Arbeit zu verrichten, nicht im Stand, wie auch sonsten die nicht guten Gerüchts sind und dergleichen.
Auch sind die Weibspersonen, welche dergestalt gebrechlich, dass sie den Garten zu bestellen, darin zu graben, Flachs zu bracken, zu racken, zu schwingen und übrige Hausarbeit zu verrichten nicht vermögen oder auch sich dem Hurenleben ergeben haben und sonst berüchtigt sind, gleichfalls für untüchtig zu erachten, also ihnen keine Stätte anzuvertrauen, wanngleich solche Stätte so groß, dass sie Volk dazu halten können, weil solches derselben nur zur Beschwerde gereichet und die Erben sowohl in- als außerhalb des Hauses der Hausväter und Hausmütter vorgangs nicht entraten können.“
Unter Zustimmung der Eltern und nächsten Angehörigen konnte ein Anwärter auf das Erbe auch abgelehnt werden, wenn
„der Anerbe wegen seiner Jugend dem Erbe oder dem Gut der Gebühr vorzustehen nicht tüchtig befunden würde“.
Wenn es um die Jugend ging, setzte man meistens vorübergehend bis zur Volljährigkeit einen Pächter ein; wenn um die Fähigkeit, führte man eine Immission durch und setzte einen neuen Erben ein.
Woher hatten die Grundherren ihre Privilegien und „Kolonien“? Sie bekamen sie nicht, weil hochwohlgeboren oder weil sie besonders tüchtige Landwirte waren, nein, sie bekamen die Rechte üblicherweise aus Dank für ihre Hilfe und Erfolge in kriegerischen Auseinandersetzungen als sogenanntes Lehen und das in der Regel vom Landesherrn. Er musste ihm dafür mit Pferden und wehrfähigen Hörigen in Konflikten beistehen. Wehrfähige Kolone und die auf ihren Höfen beschäftigten wehrfähigen Männer wurden daher als „Wehrfester“ bezeichnet. Stehende Heere gab es nur zu ganz wenigen Zeiten. In den Burgen der Grundherrschaft hielt man zum Schutz des Besitzes eine Ritterschaft. In ruhigen Zeiten bildete sich unter ihnen eine Ritterkultur mit viel Romantik, mit gesellschaftlichen Ereignissen und auch Ritterturnieren aus. Im Konfliktfall mussten die Lehnsnehmer dem Landesfürsten für diesen Konflikt ein Heer mit seinen Rittern und den „Wehrfestern“ stellen. Oft wurde auch ein Obrist mit der Zusammenstellung eines Heeres beauftragt. Als sich immer mehr Landesfürsten stehende Heere hielten, waren die ehemals edlen Ritter überflüssig und wurden zu den sagenumwobenen Raubrittern.
Der Grundherr konnte einzelne Kolonate auch verkaufen oder beleihen, was nicht selten auch so geschah. Verkaufen konnte er ein Kolonat jedoch nur einschließlich der gesamten bäuerlichen Familie.
1398 Juni 6
Bernde de Droste, Sohn des Hermann des Drosten, verkaufte die Gedes, Tochter des Gedes und der Metten, die ehemals in Berchtarpe wohnte, an Bernde den Drosten, Alberts Sohn.
Lubbert von Rechede verkauft Elseken, Tochter Berndes und Teleken to Elvyntorpe, an Bernde den Drosten, des Albertes des Drosten Sohn und gelobt Währschaft.
