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Uwe Keller erlitt am 18.02.1998 einen leichten Schlaganfall. Wie man so schön sagt: Aus heiterem Himmel hat ihn der Schlag getroffen. Die Sprachstörungen sowie die Sensibilitätsstörung am linken Arm bildeten sich komplett zurück. Am 21.09.2001 erlitt Uwe Keller seinen zweiten Schlaganfall, wieder ohne jegliche Vorwarnung, doch dieses Mal hatte dies für ihn wesentlich schwer wiegendere Folgen. Was er alles erlebt, gesehen und wieder gelernt hat und wie er es geschafft hat, andere Menschen zu motivieren und auch selbst immer an sich zu "arbeiten", hat ihn bewogen, dieses Buch zu schreiben. Mit Ratschlägen des Autors und anderer Betroffener an Aphasiker für leichteren Umgang mit alltäglichen und schwierigen Situationen.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Vorwort von Frau Dr. Luise Lutz
Zum Autor
Der Blitz aus heiterem Himmel, mein zweiter Schlaganfall
Auf der Intensivstation
Auf der Normalstation
Göppingen, Frührehabilitation (04.10.2001)
Erlebnisse aus der Frührehabilitation
Der Aachener Aphasie Test
Erste Gehversuche
Anschlussrehabilitation in Gailingen: (27.11.2001)
Das Aufnahmegespräch
Meine ersten Schritte
Weihnachten 2001 bei meiner Schwester
Laufen lernen
Abschied von der Reha
Arbeitsjubiläum
Der erste Urlaub: Zum Campen nach Vetroz (2002)
Das Internet und seine Weiten
Mein Krampfanfall
Erster Urlaub mit dem Flieger
Die Karlsruher Selbsthilfegruppe und die Logopädenschule in Karlsruhe
Selbsthilfegruppe (SHG)Ludwigsburg
Gründung meiner eigenen Selbsthilfegruppe mithilfe meiner Logopädin
Treffen mit der Familienministerin am 16.11.2004
Eröffnungsrede der 8. Würzburger Aphasietage
Selbsthilfegruppe in Bad Friedrichshall
Die Jungen Aphasiker Würzburg
Fahrrad fahren mit Halbseitenlähmung, ist das möglich?
Fahrrad fahren - einige Jahre später
Dank
Ratschläge eines Betroffenen
Wer mit Aphasie zu tun hat, weiß, dass sie aus dem Hinterhalt über das gesamte Leben der Betroffenen herfällt und sie mit ihren Angehörigen hilflos zurücklässt. Auf Verzweiflung und Ratlosigkeit folgt oft Einsamkeit, weil weder die Aphasiker noch ihre Umgebung wissen, wie sie diesen Abgrund der Sprachlosigkeit überwinden können. Es dauert lange, bis sie die fast übermenschlichen Kräfte entwickeln können, die nötig sind, um dieser lähmenden Einsamkeit zu entkommen.
Es gibt einige bewegende Berichte von Aphasikern, die ihre jahrelangen Kämpfe auf dem Weg zurück ins Leben beschreiben. Uwe Kellers Text gehört dazu. Er hat darüber hinaus eine ganz besondere Qualität, die man sonst Bestsellern nachsagt: Man kann nicht zu lesen aufhören! Mit ungewöhnlicher Intensität nimmt er uns Leser mit in seine aphasische Welt. Er fängt uns ein: Ich durchlebe seine Ängste mit ihm; ich bin stolz mit ihm, wenn "Ball" verständlich aus seinem Mund kommt, und ich kann - zwischen den vielen erschreckenden Erlebnissen - immer wieder mit ihm lachen.
Uwe Keller hat nach dem Schlaganfall intuitiv die Mittel gefunden, die ihn zur Sprache, zu den Menschen, zur Welt zurückbringen konnten. Eins der wichtigsten: Er hat von Anfang an versucht, ständig - fast ohne Worte - Kontakt zu seiner Umgebung aufzunehmen, und er hat nie resigniert, wenn seine mühsamen Kommunikationsversuche scheiterten. "Menschen sind für mich der Schlüssel zur Sprache", sagt er und spricht damit aus, was für alle Aphasiker gilt. Sprache entsteht im Gespräch, ein Gesprächspartner regt sie im anderen an.
Allerdings genügen Gespräche nicht, die tiefe Krise zu überwinden, die mit Aphasie verbunden ist. Jeder Aphasiker muss die Tatsache seiner Aphasie mit allen Konsequenzen nicht nur erkennen, sondern auch akzeptieren. Uwe Keller weiß, wie schwer das ist. Aber er hat es geschafft. Hinter der Schilderung seiner traurigen wie seiner komischen Erlebnisse ist seine Botschaft zu spüren: "Das Leben ist trotz Behinderung lebenswert."
Ich freue mich, dass es dieses Buch gibt. Und ich freue mich, dass es Uwe Keller gibt. Beiden wünsche ich viel Erfolg.
Luise Lutz
Zum Autor
:
Uwe Keller
geboren 31.05.1953
in Zaberfeld
2 Töchter
Beruf:
Gärtner
Geschwister:
3
Uwe Keller erlitt am 18.02.1998 einen leichten Schlaganfall. Wie man so schön sagt: Aus heiterem Himmel hat ihn der Schlag getroffen. Die Sprachstörungen sowie die Sensibilitätsstörung am linken Arm bildeten sich komplett zurück.
Am 21.09.2001 erlitt Uwe Keller seinen zweiten Schlaganfall, wieder ohne jegliche Vorwarnung, doch dieses Mal hatte dies für ihn doch wesentlich schwerwiegendere Folgen. Was er alles erlebt, gesehen und wieder gelernt hat und wie er es geschafft hat, andere Menschen zu motivieren und auch selbst immer an sich zu „arbeiten", hat ihn bewogen, dieses Buch zu schreiben.
„Wer weiß ..., wer weiß, wozu es gut ist?“
Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten, und kamen gerade so über die Runden.
Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen "Oh, was für ein schreckliches Unglück!" Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: "Wer weiß ..., wer weiß schon, wozu es gut ist?"
Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: "Was für ein unglaubliches Glück!" Doch der alte Mann sagte wieder: "Wer weiß ..., wer weiß schon, wozu es gut ist?"
In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm: "Was für ein schlimmes Unglück!" Die Antwort des alten Mannes war wieder: "Wer weiß ..., wer weiß schon, wozu es gut ist?"
In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben.
Ich bin der festen Überzeugung, es gibt nur zwei Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung. Die eine ist die: Man nimmt die Krankheit an und versucht, das Beste daraus zu machen. Oder man hadert mit seinem Schicksal, wird griesgrämig, zieht sich zurück, leidet und ist für die gesunden Menschen und sich selbst keine Freude. Klar fällt mir das schwer, das zu einem jungen Menschen zu sagen, der sich durch einen Schicksalsschlag um sein Leben betrogen fühlt. Aber auch er muss lernen: Ganz weit unten ist der Anfang ins Leben zurück!
Ich weiß, dass viele diese These für falsch halten, aber glauben Sie mir, ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht - sie ist richtig. Ich kenne viele, die das vorleben. Sie sind offen, sie lachen gern, haben wieder Spaß am Leben und auch an den Menschen. Da sind auch Leute dabei, die auf den Rollstuhl angewiesen sind.
Auch Menschen mit einer schweren Aphasie, die nicht sprechen können, können Spaß am Leben haben. Auch ich bin dabei. Natürlich braucht es seine Zeit, bis man das erkannt hat. Oft meint man, es geht gar nichts mehr und es gibt keine Lösung. Hat man die aber dann erkannt, wundert man sich, wieso man nicht eher darauf gekommen ist.
Mir haben Menschen in der Selbsthilfegruppe sehr geholfen, als ich nicht mehr sprechen konnte. Da war ich willkommen und gleichzeitig war ich unter Menschen. In der Gruppe kann man die ersten Sprechversuche in der Öffentlichkeit machen und wird nicht ausgelacht. Gruppen sind so wichtig!
Natürlich weiß ich aus eigener Erfahrung, wie bitter es oft auch mir ergangen ist. Ich rede langsam und wenn ich mich in einer fremden Stadt nach einer Strasse erkundigen will und rede einen Passanten an: „Können Sie mir bitte sagen, wo die Hinterlanger Strasse ist?" - bis ich das gesagt habe, ist er schon fünf Meter weiter, ist an mir vorbeigelaufen, hat mich gar nicht beachtet und so getan, als würde er durch mich hindurch blicken. Aber da hat er plötzlich im letzten Moment gestoppt, kommt zurück und es ist alles plötzlich kein Problem mehr. Ich habe mir in der Zwischenzeit angewöhnt, wenn ich mich nicht so ärgern will, gehe ich einfach in ein Ladengeschäft und frage, die können nicht flüchten. Aber weh tut es manchmal schon. Doch ich muss sagen, die meisten fremden Menschen waren überaus hilfsbereit und sehr freundlich. Ich halte es immer so: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus, und ich muss der Ehrlichkeit halber sagen, in meinem früheren Leben hätte mir das durchaus auch passieren können, dass ich vor lauter Unsicherheit das Weite gesucht hätte.
Es ist Freitag, der 21. Sept. 2001. Morgens ging ich wie gewohnt aus dem Haus, um nach Heilbronn zu fahren, ich wollte ein paar Besorgungen machen. Ich war wie in Urlaubsstimmung. Am Mittwoch hatte ich eine kleine Operation am Fuß gehabt, sie war gut verlaufen und ich hatte keine Schmerzen.
Gegen 14.00 Uhr kam ich aus dem Brillengeschäft und lief Richtung Marktplatz. Plötzlich traf mich „der Blitz aus heiterem Himmel”. Eine Redewendung, die man sehr häufig benutzt, ohne über deren Bedeutung eigentlich im Klaren zu sein.
Schon im gleichen Moment konnte ich nicht mehr stehen und stürzte zu Boden. Im Nu hatte sich eine Menschenmenge um mich versammelt. Ich erinnere mich noch an einen Mann mit Hut.
„Was ist mit Ihnen?” „Kann ich Ihnen helfen?" Ich wollte ihm antworten, doch ich hatte meine Sprache verloren. Ich hatte meine Fähigkeit zu sprechen verloren - die Sprache - das Sprechen, für mich mein wertvollstes Gut.
Wortlos war ich gefangen in diesem Zustand und ich ahnte, was passiert war. Ich wollte es aber nicht wahr haben, dass ich soeben meinen zweiten Schlaganfall erlitten hatte.
Der Krankenwagen kam, jemand hatte ihn gerufen, sie luden mich ein, nur vage kann ich mich an die sofort eingeleiteten Untersuchungen im Krankenhaus erinnern.
Ich hatte das Zeitgefühl komplett verloren, ich lag auf der Intensivstation, angekabelt an Pulsmesser, Monitor, Blutdruckmesser und sonstige Elektrogeräte, ich hatte geschlafen, wenig und sehr unruhig.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich eine komplette Halbseitenlähmung rechts hatte. Nur die rechte Hand und der Arm fühlten sich anders an und ich konnte sie nicht bewegen. Ich dachte, das kommt vielleicht vom Sturz, das wird normal sein.
Ich war aufgeregt, hatte Angst und musste wegen jeder Kleinigkeit weinen, denn sie hatten mir gesagt, dass ich auf der gesamten rechten Seite komplett gelähmt war. So exakt, als wenn man mich in der Mitte auseinander getrennt hätte. Ich konnte die Ärzte und Pfleger verstehen, aber ich konnte nicht so schnell folgen, sie sprachen normal, was für mich jedoch viel zu schnell war.
Ich konnte an ihrem Gesichtsausdruck die Unsicherheit ablesen, sie wussten nicht, ob ich sie verstehen kann.
Es war Tag oder Nacht, früh oder spät, ich hatte keine Ahnung, wie lange ich schon hier lag. Ich bekam Besuch von meiner Schwester und ihrem Freund und ich musste sofort wieder weinen. Auch bei ihnen war ich mir nicht sicher, ob sie merkten, dass ich sie verstehen kann. Meine Schwester hatte dann die Idee mich Sachen zu fragen, an deren Antwort sie erkennen wollte, ob ich sie verstehen kann, z. B. fragte sie mich, ob mein Vater noch lebte. Mein Vater war schon 1989 verstorben. Ich wollte ihr den Vogel zeigen, aber ich wusste nicht mehr, wie das geht.
Meine Diagnose lautete: Mediateilinfarkt links temporoparietal am 21.9.2001, mit schwerer armbetonter spastischer Hemiparese rechts, globale Aphasie, Sprechapraxie mit nicht flüssigen aphasischen Störungen.
Das heißt: Ich hatte einen ziemlich schweren Schlaganfall erlitten, meine komplette rechte Seite war (ist teilweise heute noch) gelähmt, ich hatte meine Sprache komplett verloren und konnte keine gezielten Bewegungen ausführen, dies hatte ich der Apraxie zu verdanken.
Ich konnte weder nicken für ein Ja, noch den Kopf schütteln für ein Nein. Trotzdem konnte ich ziemlich sichtbar zu verstehen geben, wenn mir etwas nicht passte.
Ich lag hier auf Intensivstation und mir ging so viel durch den Kopf, ich konnte es aber niemanden mitteilen, ich war darauf angewiesen, dass mich jemand etwas fragte und ich konnte irgendwie zu verstehen geben, was mich im Moment belastete. Es war sehr mühsam.
Mein Auto stand noch auf einem kostenpflichtigen Parkplatz, es war Herbst und somit gärtnerische Hochsaison. Ich lag hier und konnte zum ersten Mal in meinem Leben etwas nicht selbst in die Hand nehmen, ich war wie eingesperrt. Ich hatte schreckliche Angst.
Erst jetzt versuchte ich zu verstehen, was mit mir passiert war, ich wusste nur, dass es ungeheuerlich schlimm sein musste und ein gravierender Einschnitt in meinem Leben war. Ich wusste es zwar nicht genau, aber ich ahnte es, und es dauerte sehr lange, bis ich es akzeptieren konnte.
Ich hatte täglich die Hoffnung aufzuwachen und alles wäre wieder so, wie es einmal gewesen war.
Die Stunden vergingen und somit auch die Tage, ich bekam hin und wieder Besuch, versuchte mich zu orientieren, aber es war fast unmöglich.
Viele Dinge, die hier in meinem Buch stehen werden, habe ich aus Erzählungen und Gesprächen mit Familienangehörigen, Ärzten, Pflegepersonal sowie Bekannten im Nachhinein aus meiner Erinnerung aufschreiben lassen. Denn mein Gedächtnis funktionierte und funktioniert immer noch wunderbar.
Es war Montagmorgen, als eine Sprachtherapeutin die Intensivstation betrat. Ich kann mich sehr gut an die Frau erinnern, aber relativ schwer an das, was sie mit mir gemacht hat. Ein Therapeut der Krankengymnastik kam auch zu mir. Ihn kannte ich gut. Doch auch bei ihm hatte ich die Schwierigkeit, dass ich nicht tun konnte, was er von mir verlangte, denn die Apraxie (gezieltes Umsetzen einer Bewegung) machte das Ganze noch schwerer. Er bewegte mein gelähmtes Bein und meinen gelähmten Arm sowie auch die gesunde Seite, damit ich beweglich blieb, denn im Moment konnte ich nur liegen.
Nicht ohne fremde Hilfe sitzen.
Eine gute Bekannte war bei mir, als ich meine erste feste Mahlzeit bekam. Die Tage zuvor wurde ich über den Tropf ernährt, bzw. bekam verdünnten Kaffe mit eingeweichtem Toastbrot. Da man nicht wusste, wie groß meine Beschwerden beim Schlucken von Essbarem sind.
Ich aß mit einem Löffel und dieser suchte sich instinktiv den Weg zum Mund, solange bis der Teller leer war. Ich rutschte immer auf die gelähmte Seite, weil ich mit diesem Zustand noch nicht zurechtkam. Ich war Rechtshänder und somit musste ich mich komplett umstellen und da standen mir noch einige Aufgaben bevor.
Ich sollte schon an diesem Tag die ersten Übungen für Gedächtnis und Sprache machen.
Die Logopädin hatte verschiedene Dinge empfohlen. Eine Bekannte brachte ein Spiel mit, bei dem Bilder zu den passenden Wörtern zugeordnet werden mussten. Sie suchte extra Gegenstände heraus, die mir geläufig waren, wie zum Beispiel: Eimer, Haus, Baum, Ast, Auto, Ball.
Es war schrecklich, ich konnte keines der Bilder dem passenden Wort zuordnen. Ich konnte das Wort lesen, aber ich konnte es nicht in ein Bild umsetzen. Wieder und immer wieder versuchten wir es, man konnte langsam aber sicher ganz kleine Fortschritte erkennen. Es war unwahrscheinlich anstrengend und ermüdend für mich, aber ich versuchte es immer und immer wieder.
Gut war, dass ich meinen jetzigen Zustand nicht voll einschätzen konnte. Durch Trost, Zuspruch und der Hoffnung blieb immer noch der Glaube, dass an einem Tag alles wieder so sein wird, wie es war.
Ich übte täglich das Zuordnen von Bildern zu Wörtern und umgekehrt. Meine Logopädin versuchte mit mir kontrollierte Laute zu üben. Das war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht möglich und für mich total frustrierend.
Aber ich wollte (und mein Wille ist stark) und doch musste ich immer wieder bei allem Wollen sehen: die Laute, die ich von mir gab, waren unkontrolliert, undefinierbar und hörten sich furchtbar an.
Ich sollte auf Normalstation verlegt werden und sie setzten mich kurzerhand in einen Rollstuhl. Das alleinige Sitzen war fast unmöglich, ich kippte immer auf die gelähmte Seite und es strengte mich wahnsinnig an. Der Tag war da, ich wurde verlegt.
Meine Mutter, meine große Schwester und mein Schwager waren gerade zu Besuch. Ich machte mir riesige Sorgen, dass mich der Rest meiner Familie bzw. wer mich sonst noch besuchen kam, nicht mehr finden würde. Ich war ungeheuer aufgewühlt und kaum zu beruhigen. Aber sie versicherten mir alle, das sei gar kein Problem.
Da war ich nun auf NORMALSTATION. Anstatt zu üben versuchte ich fernzusehen.
Meine Logopädin sowie mein Krankengymnastik-Therapeut kamen zum täglichen Üben. Das ganze Personal war sehr nett zu mir, nur mit einer Schwester kam ich überhaupt nicht klar.
Ich saß im Rollstuhl, die Haltung war ungewohnt und es schmerzte, wenn ich zu lange im Rollstuhl saß, da die Muskulatur diese Haltung nicht gewohnt war. Durch die Halbseitenlähmung musste ich immer gegenhalten, sonst kippte ich zur Seite weg.
Ich bat die besagte Schwester, sie war noch sehr jung, ob sie mich bitte ins Bett legen könnte, da ich vor Schmerzen nicht mehr im Rollstuhl sitzen konnte. Dieser Vorgang geschah ohne Worte.
