Professor Zamorra 1347 - Michael Mühlehner - E-Book

Professor Zamorra 1347 E-Book

Michael Mühlehner

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Beschreibung

Aus den Geheimarchiven des Château Montagne, aufgezeichnet von Faolan, dem Schlossbibliothekar: Dunkle Zeiten brechen für die Menschheit an. Düster und unvorhersehbar dräuen am Horizont neue Gefahren. Die Veränderungen, die den magischen Äther betreffen, sind so gravierend, das man von kosmischer Tragweite sprechen kann. Der Höllenkaiser Luzifer und sein Gegenpart, der Erzengel Michael, haben das Kontinuum der Sterblichen verlassen. Hinter der Flammenwand wurde Stygia als neue Höllenkaiserin inthronisiert, der Erzdämon Astaroth ist der neue Herr der Hölle, und eine Tochter des Silbermondes wurde zu einem Engel erhoben. Und niemand vermag vorherzusagen, welche Konsequenzen sich aus diesen Konstellationen ergeben ...

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Der Albtraum-Mahr

Leserseite

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Impressum

Cover

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Der Albtraum-Mahr

von Michael Mühlehner

Aus den Geheimarchiven des Château Montagne, aufgezeichnet von Faolan, dem Schlossbibliothekar:

Dunkle Zeiten brechen für die Menschheit an. Düster und unvorhersehbar dräuen am Horizont neue Gefahren. Die Veränderungen, die den magischen Äther betreffen, sind so gravierend, dass man von kosmischer Tragweite sprechen kann ...

Angesichts all dieser Ungewissheiten, die die Zeitenwende für Zamorra und Nicole bereithält, erinnern sie sich, welch mächtigem Gegner sie vor nicht allzu langer Zeit scheinbar aussichtslos ausgeliefert gewesen waren: dem Albtraum-‍Mahr!

   

Der Höllenkaiser Luzifer und sein Gegenpart, der Erzengel Michael, haben das Kontinuum der Sterblichen verlassen. Hinter der Flammenwand wurde Stygia als neue Höllenkaiserin inthronisiert, der Erzdämon Astaroth ist der neue Herr der Hölle, und eine Tochter des Silbermondes wurde zu einem Engel erhoben.

Niemand kann vorhersagen, welche Konsequenzen sich aus diesen Konstellationen ergeben. Wie wird Stygia mit den neuen Herausforderungen jenseits der Flammenwand umgehen? Ist sie stark genug, um den dort herrschenden Kräften Widerstand zu bieten? Und welche Auswirkungen wird es für die Menschheit geben?

Verlieren die einst von Luzifer festgelegten Gesetze und Gebote ihre Wirkung? Wird im Netzwerk der Magie ein bestandsloses Vakuum entstehen?

Wird sich die Struktur des Multiversums verändern? Kommen Umwälzungen auf uns zu, die den Äther stark beeinflussen?

Müssen die Gesetze der Magie neu geschrieben werden?

In den lichtlosen Tiefen regen sich Kräfte aus uraltem Bannschlaf und heben sich hassglühende Blicke der Oberfläche entgegen.

Sorgenvoll sind in diesen Tagen auch die Gedanken Professor Zamorras.

Château Montagne, Kaminzimmer, Gegenwart

»Niemand kann sagen, wie gravierend die Veränderungen sein werden, welchen Bezug sie auf die Sterblichen haben werden, noch wie der Astraläther darauf reagiert. Pascal und ich stehen mit unseren Kontakten in Verbindung. Wir jagen Suchprogramme durch das Internet, die nach ungewöhnlichen Ereignissen forschen sollen. Negativ.«

Den Worten Faolans, des ehemaligen Teufelsarchivars, folgte kurzes Schweigen, das von Nicole Duval unterbrochen wurde.

»Vielleicht machen wir uns wirklich zu viele Gedanken. Die Welt ist nicht untergegangen, alles geht seinen normalen Gang. Luzifer und Michael waren mächtige Entitäten, unbegreiflich für das menschliche Vorstellungsvermögen, aber ihr Verschwinden bedeutet nicht den Untergang von allem.«

Zamorra hätte gerne die Ansichten seiner Lebensgefährtin geteilt, allein, ihm fehlte die Zuversicht dazu. Und selbst Nicole war von ihren Worten nicht überzeugt, dass erkannte er an bestimmten Nuancen in ihrer Stimme.

Er schüttelte leicht den Kopf. »Ganz so einfach verhält es sich nicht. Bestimmte Bereiche des Äthers oszillieren. Das mag vorübergehend sein und womöglich belanglos. Trotzdem sollten wir auf das Schlimmste vorbereitet sein. Nicht auszudenken, wenn alte Bann- und Schutzzauber ihre Wirkung verlieren oder einst mit Zauberei verriegelte Portale durchlässig werden. Wenn Höllenmächte aus magieinduziertem Schlafe erwachen ...«

»Siehst du das nicht etwas zu schwarz, chéri?«, unterbrach ihn Nicole. »Wir kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Mächte der Finsternis. Wir haben Siege und Niederlagen erlebt, bittere Niederlagen, die uns das Leben vieler Freunde kosteten. Aber wir haben uns nie aufgegeben, und das sollten wir auch jetzt nicht. Behalten wir uns unseren Optimismus und unsere Zuversicht. Selbst in den schlimmsten Situationen haben wir die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht aufgegeben.«

Nicole machte eine Pause, blickte ihrem Partner fest in die Augen.

Holzscheite prasselten im offenen Kamin. Hoffentlich gelang es ihr, Zamorra aus seinem Fatalismus zu reißen.

»Wie oft war unsere Lage ausweglos? Weißt du noch, im vorletzten Sommner, als der dämonische Mahr über das Château kam und von uns allen Besitz ergriff? Und Stygia und Belial zeitgleich auftauchten, um uns den Garaus zu machen? Wie verzweifelt war unsere Position und wie minimal die Chance, mit dem Leben davonzukommen?!«

Zamorra erinnerte sich nur allzu gut daran. Ohne dass er es bewusst wollte, kamen die Bilder zurück. Die Vergangenheit wurde in seinem Kopf lebendig ...

Eine Erinnerung? Ein Traum?

Irgendwo ...

»Du verwöhnst es zu sehr«, schimpfte Tonto. »Eines Tages wird es dich umbringen. Dich wie einen Wasserschlauch aussaugen!«

Favina achtete gar nicht auf die Worte ihres Gefährten. Seine Mahnungen waren zwar aufrichtig gemeint, aber Favina wusste es besser. Zumindest redete sie sich das ein.

Das Ding, das eingerollt wie eine Katze an ihrer Brust hing und den einzigen Zahn in ihrer Warze versenkt hatte, blickte sie aus rauchfarbenen Augen an.

Ein hässliches schwarzes Gesicht, mit kaum ausgeprägten Zügen, haarlos und faltig wie die Haut eines Neugeborenen. Die Ohren jetzt schon größer als für sein Alter normal. Der Körper leicht und irgendwie substanzlos, mit angezogenen Füßen, die Arme weich wie Gummi, die Finger wenig ausgeprägt. Aus dem Blähbauch kamen grummelnde Geräusche, während das Wesen saugte und saugte.

Dabei war Favina weder Amme noch Ersatzmutter. Was immer das Geschöpf an ihrer Brust aus ihren Körper saugte, sie konnte es nicht einordnen. Und es spielte auch keine Rolle.

Ein Blick in die übergroßen Augen ließ alles andere vergessen.

»Was ist es eigentlich?« rief ihr Tonto zu, während er alles für das Nachtlager aufbaute. Im ausgehobenen Feuerkreis brannte eine kleine Flamme, über der auf einem eisernen Dreibein ein zerschrammter Metalltopf hing. Flüssigkeit kochte darin, graudunkler Dampf stieg davon auf. Der beißende Geruch verflüchtigte sich in der Nachtdämmerung.

»Es riecht weder nach Kobold noch nach Halbling. Irgendein Teufelsbalg. Kannst du es nicht bestimmen?«

Favina wollte schon nicht antworten, überlegte es sich dann aber anders.

»Womöglich ein Wechselbalg«, erwiderte sie. »Jedenfalls kein Hexenkind und kein Wolfsjunge.«

Tonto bewegte sich in der Dunkelheit und tauchte keine drei Schritte vor ihr auf. Sein pockennarbiges Gesicht lag im Schatten der Nacht. Er war ein zwei Meter großer, dürrer Kerl, dessen Arme fast bis zu den Knien reichten. Das schmutzig-blonde Haar wuchs nur in Büscheln auf dem knochigen Schädel. Die dunklen Augen lagen tief in den Höhlen. Er trug eine einfache Joppe und derbe Hosen, ein breiter Ledergürtel hielt sie am Bund zusammen. In einer Scheide steckte ein scharfes Jagdmesser. Der abgewetzte Holzgriff verriet eine häufige Benutzung.

Hinter dünnen Lippen versteckten sich blockartige, geschwärzte Zähne. Tonto fletschte sie zu einem humorlosen Grinsen.

»Hast du die Sterne befragt? Ich habe so eine Kreatur noch nie gesehen.«

»Sei vorsichtig, was du sagst«, zischte Favina gereizt. »Er mag es nicht, wenn so über ihn geredet wird!«

»Ihn?« grummelte Tonto. »Ich halte es für ein Es! Irgendein Dämonenbalg. Gib ihm bloß keinen Namen, sonst erhält es Macht über dich!«

Das hatte Favina längst getan. Es einfach nur Balg zu nennen, erschien ihr nicht richtig. Dieses kleine, schwarze Geschöpf brauchte einen Namen. Einer spontanen Eingebung folgend, hatte sie sich für Bogumil entschieden. Aber das brauchte Tonto nicht zu wissen.

»Du redest Unsinn«, hielt die Wahrsagerin dem Gefährten vor. »Seit er bei uns ist, müssen wir nicht mehr Hunger darben. Er bringt uns Glück!«

»Glück?«, brummelte Tonto und wandte sich halb ab. »Seit es bei uns ist, haben wir zwar genug zu essen, aber unter Glück verstehe ich etwas anderes.«

Er dachte an die Farm, die sie vor zwei Tagen überfallen hatten. Die Bauern hätten sie beinahe gelyncht. Oder das Dorf mit dem fanatischen Priester, der die Gläubigen aufforderte, sie aus dem Ort zu jagen, noch bevor sie ihr kleines Zelt aufbauen konnten, vor dem sie Tinkturen und Salben verkauften.

Jedes Mal entkamen sie nur mit knapper Not.

Andererseits – so viel wie in den letzten sechs Monaten hatten sie noch nie zu Essen gehabt.

Missmutig betrachtete er das Balg in den Armen seiner Gefährtin.

Favina kleidete sich wie eine Zigeunerin. Sie gaben vor, dem fahrenden Volk anzugehören. Nomaden, Zigeuner. Menschen, die unter freien Himmel schliefen und die Weite des Landes als ihre Heimat betrachteten.

In Weilern und Dörfern boten sie ihre Waren an. Favina las aus der Hand, legte Karten, deutete die Sterne. Tonto pries die Wundertätigkeit ihrer Salben und Tinkturen. Theriak-Elixiere, getrockneter Eisenhutextrakt, zerriebene und gedünstete Fliegenpilzpulver.

Heil- und Kräutermittel für Bauch- und Kopfschmerzen, für Beschwerden des Geistes und des Körpers. Gegen Zahnschmerz, entzündete Ekzeme und von Fäulnis befallene Verletzungen.

Das ganze Repertoire der Quacksalber und Wunderheiler.

Die perfekte Tarnung für Wesen, die sich in der Welt der Sterblichen bewegten.

Die ihren Hunger mit dem Verzehr von Menschenfleisch stillten.

»Du solltest trotzdem vorsichtig sein.«

Tonto sah zu, wie Favina das Balg von ihrer Brust löste. In Menschengestalt waren ihre Brüste flach wie leere Taschen. Die Haut hatte einen Stich ins Graue, ihr hageres Gesicht war überzogen von Falten.

Die Tarnung einer alten, harmlosen Zigeunerin. Aber wehe sie verwandelte sich in eine Ogerin ...

Tonto sah kurz hoch zu den Sternen, dann in die Wildnis, die sie umgab. Buschwerk schützte sie vor allzu neugierigen Blicken, der Fahrweg lag abseits. Neben dem Feuer stand ihr kleiner Planwagen, die Mähre, ein Geschöpf, das nur noch aus Fell und Knochen bestand, kaute an dem trockenen Gras.

»Ich traue dem Balg nicht!«

Jeden Abend die gleichen Ermahnungen. Für einen Augenblick glühten Favinas Augen in einem höllischen Rot. Sie konnte es schon nicht mehr hören. Natürlich steckte Bogumil voller Geheimnisse und Rätsel.

Als sie vor sechs Monaten, halb versteckt am Straßenrand, die Leichen eines Mannes und einer Hochschwangeren entdeckten, hätte sie nie damit gerechnet, was das Schicksal für sie bereithielt.

Beiden Menschen hatte man die Kehle durchgeschnitten und ausgeraubt. Das blutige Werk von Strauchdieben und Wegelagerern. Die beiden Oger hätten sich niemals darum gekümmert, wenn Favina nicht aufgefallen wäre, dass sich der geschwollene Bauch der Toten bewegte. Das Baby darunter schien noch zu leben. Ein willkommenes Abendessen. Favina zögerte nicht lange, schnitt das Neugeborene aus dem Leib der Toten und konnte gar nicht glauben, was sie da sah.

Kein Menschenkind, kein rosafarbenes, hilfloses Baby der Sterblichen.

Stattdessen ein schwarzer, nackter Balg, unfertig und mehr an ein Gespinst erinnernd denn an einen festen Körper. Ein Klumpen aus Schwärze, der nach Fäulnis und Verwesung stank, dessen rauchfarbene Augen voller Lebendigkeit die zwei Oger betrachteten.

Aus der faltigen Haut stieg ein ranziger Geruch, der Gestank der Hölle.

Wortlos hatte Favina den von Blut besudelten Balg an sich gepresst und ebenso stumm hatten sie sich zurückgezogen.

Sie wollten kein Aufsehen erregen. Erst später redeten sie über den Vorfall, nicht zu viel, nicht zu intensiv. Tonto gehörte zu den Wesen mit schlichtem Gemüt. Für ihn war klar, dass die Frau mit einem Inkubus verkehrte. Oder mit einem Teufel.

Favina stellte sich andere Fragen. Die Sterne verweigerten ihr Auskunft über den Balg, seine Ausstrahlung war zwar dämonisch, doch nicht einzuordnen. Wenn sie mit ihren übernatürlichen Sinnen nach ihm tastete, konnte sie nichts erspüren. Nicht einmal den Hauch eines Bewusstseins. Aber das Balg lebte, kommunizierte auf eine Art und Weise, wie es Favina noch nie erlebt hatte. Es sprach nicht, dachte nicht, und dennoch wusste die Ogerin, was die Kreatur von ihr wollte.

Tonto hatte schon recht, das Balg war gefährlich. Für andere, nicht für sie.

»Wir haben nichts zu befürchten«, sagte Favina ruhig. Sie hielt es in den ausgestreckten Armen und betrachtete es einschätzend.

In den sechs Monaten hatte es die Größe eines Hundewelpen angenommen. Aber noch immer erschien sein Leib rauchig und unstofflich. Die Festigkeit fehlte.

Welcher Art entstammst du? dachte Favina in der Hoffnung, dass sie Antwort erhielt.

Der Balg blieb stumm, doch seine Augen blickten wissend. Ein Verständnis um uraltes Wissen und Kenntnisse furchtbarer Rätsel.

»Ich bin froh, wenn wir bei deiner Cousine sind«, ließ sich Tonto vom Lagerfeuer vernehmen. Eine Reise, die sich noch mehrere Wochen hinziehen würde. Durch ein kriegsverheertes Europa.

Die zwei Oger sollten niemals ihr Ziel erreichen.

In Höllentiefen

Stygia genoss es jedes Mal, die Treppe der Schmerzen hinabzusteigen. Jede einzelne Stufe wurde von einem verurteilten Dämon gebildet, der schwere Schuld auf sich geladen hatte.

Verrat, Insubordination, Feigheit – und das schlimmste von allen Verbrechen; Versagen!

Verurteilt und für schuldig befunden, nahmen sie die Plätze auf der Treppe ein und mussten nun ihre Strafe erdulden.

Heulen und Zähneknirschen begleitete jeden Schritt Stygias die Stufen hinab. Mit dem Gewicht des Mondes trat sie auf sich krümmende Körper, zerbrach, zerquetschte und presste Knochen, Gebein und Chitin zusammen. Ihr Gewicht ließ Augen aus den Höhlen wie Billardkugeln quellen, Blutströme aus aufgerissenen Mäulern und Schlündern speien, Lymphe aus Nasen, Nüstern und Ohren spritzen.

Organe zerplatzten unter der Schwere des Erdtrabanten, Körper wurden deformiert und zermalmt, doch kein Dämon starb dabei. Düstere, unheilige Zauber verhinderten es.

Die Herrin der Hölle setzte bedachtsam ihre Stiefel mit den High-Heel-Absätzen auf die lebendigen Stufen, lauschte auf das Gestöhne und Keuchen. Wehe dem, der zu laut seine Schmerzen hinaus brüllte, ihm würde die Strafe verlängert. Genauso wie jenen, die um Gnade flehten und um Erlösung bettelten. Für Schwächlinge hatte Stygia nichts übrig.

Am Fuß der Treppe warf sie einen Blick zurück, betrachtete zufrieden die zuckenden, zerplatzten Leiber, das dunkle Gelee aus Blut, Lymphe und Gallerte. Eine Atempause für die gequälten Kreaturen gab es nicht. Die Heilung der gefangenen Teufel würde ebenso schmerzhaft und leidvoll sein.

Die Herrin der Hölle verzog zähnefletschend den Mund. Keine Gnade den Versagern! Als oberste Herrscherin der Dämonen musste sie Härte zeigen. Und davon besaß Stygia in Überfluss.

Die aus kalten Höllenflammen geformten Wände tauchten die Dämonin in karmesinrotes Licht. Sie hatte sich für das Aussehen einer Menschenfrau entschieden, mit breiten Becken, großen Brüsten und langen Beinen. Eine Erscheinung, die Fruchtbarkeit und ungebärdige Sexualität verströmte. Bis auf ein Netzwerk von schlanken Lederriemen präsentierte sich Stygia nackt, die schwarzen Schlangenhaare züngelten in Bündeln nach allen Seiten.

»Mird!« rief Stygia zu dem megalithischen Tor am Fuß der Treppe. In dem dunkel aufragenden Bollwerk flammten menschengroße magische Zeichen, die sich nun zu einem titanischen Gesicht formten.

»Meine Kaiserin«, sprach Mird mit säuselnder Stimme. »Welche Ehre in den Schwarzen Enklaven.«

Lautlos schwangen die steinernen Torflügel auf, und der Hüter und Wächter gab den Weg frei. Seit Urzeiten bewachte er die Schwarzen Enklaven der Hölle. Die Legende besagte, dass Mird aus der Hautschuppe eines Urdämons entsprungen sei. Stygia wusste es nicht, es war ihr auch einerlei.