Ruxor - Wilma Müller - E-Book

Ruxor E-Book

Wilma Müller

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Beschreibung

Ruxor, ein friedlicher und vielseitiger Ort, mit einer Akademie, die Generationen von fähigen Beschützern hervorgebracht hat. Deya ist auch auf dem besten Weg sich in dieser Tradition einzureihen, zumindest theoretisch. Praktisch sind ihre Beschwörerfähigkeiten nicht existent und mit ihrem Talent für Näharbeiten kann sie im Kampf schlecht punkten. Doch als Jaro an der Akademie auftaucht ändert sich ihr Leben schlagartig und sie muss sich einer neuen Aufgabe stellen, fern von allem was sie kennt, fern von Ruxor.

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Seitenzahl: 605

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Wilma Müller, geboren 2003, steckt mitten in ihrem dualen Studium im Bereich Physiotherapie. Mit 13 Jahren fing sie an ihre Ideen zu Papier zu bringen und das Schreiben ist aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. 2019 wurde ihr erster Fantasy-Roman „Aufgelöst – Hinterm Nebel liegt die Wahrheit“ veröffentlicht. „Ruxor-Die Geburt der Meister“ ist nun der Auftakt ihrer ersten großen Fantasy-Saga.

Für alle, die ihren Weg noch finden müssen.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Epilog

Nachwort

Kapitel 1

Ruxor, die Stadt der Beschwörer, das Zentrum der Magie und derer, die alles im Gleichgewicht hielten. Jap, ich war einer von zweiterem oder zumindest würde ich das noch werden.

Leicht gelangweilt kippelte ich auf dem Stuhl. Theorie war noch nie so mein Steckenpferd gewesen und in der praktischen Beschwörung könnte man mein Können mit einer glatten zehn beschreiben, wenn zehn hieß, dass gar nichts funktionierte. Allerdings war ich in der Theorie noch schlechter.

Das waren nicht so die sonnigsten Aussichten für mich, aber ich wollte es. Ich wollte es so sehr, wie nichts anders. Ich hatte mein ganzes Leben schon hierfür gespart, ein paar schicke Schuhe und ein bisschen Schmuck mal ausgenommen.

Es war schon immer mein Traum gewesen, selbst ein Beschützer zu werden, meine eigenen Geschöpfe zu beschwören und wahrhaft etwas zu bewirken.

Außerdem wollte ich diese elegante Rüstung tragen, die würde perfekt zu meinen Haaren passen. Allerdings würden schöne Haare wohl kaum ausreichen, um abtrünnige Beschwörer und außer Kontrolle geratene Kreaturen aufzuhalten.

Und jetzt saß ich hier und versuchte verzweifelt irgendetwas in meinen Kopf zu bekommen. Es war so zäh!

Gedankenverloren schaute ich aus dem Fenster. Der Himmel war wolkenlos und sein Blau spiegelte sich auf den glatten Ziegeln der umliegenden Gebäude. Weiter hinten konnte ich den Marktplatz als große Lücke in dem Meer aus Dächern ausmachen.

Ich freute mich schon auf das Mittsommernachtsfest, das bald dort stattfinden würde. Dieses Jahr hatte ich mich bei meinem Kostüm wirklich selbst übertroffen.

Und dahinten im Nordviertel konnte ich undeutlich als kleine bunte Flecken die eingefärbte Kleidung sehen, die an großen Leinen zum Trocknen über die Straßen gespannt wurde. In diesem Stadtteil lebten fast nur Schneider, was meine ganze Familie einschloss.

Theoretisch hätte ich in ihre Fußstapfen treten können. Mein Outfit, das ich am Mittsommernachtsfest tragen würde, bewies, dass ich das Können dafür hatte, doch ich wollte einfach mehr als ein ereignisloses Leben umgeben von Stoffen und Fäden. Nein, ich nahm die Fäden des Schicksals lieber selbst in die Hand!

„Deya. Könntest du mal damit aufhören? Das macht mich ganz hibbelig!“, beschwerte sich Fimora neben mir. „Entschuldigung“, sagte ich sofort und mit einem kleinen Klacken landeten die Stuhlbeine wieder brav auf dem Boden.

Fimora war hier meine einzige Freundin, wahrscheinlich weil ihre Aussichten genauso mies waren wie meine. Na ja, sie war klug und kannte alle Vorschriften schon auswendig und hatte damit ein Stipendium ergattern können. Gerade las sie auch… keine Ahnung, Geschichte von sonst noch was. Aber in Beschwörungen und Kampftechniken war sie eine absolute Niete, genau wie ich. Und wer mochte schon Klugscheißer oder schneidernde Beschützer-Loser?

Doch es war schon einmal ein großer Erfolg, überhaupt hier zu sein und das wollte ich auch weiter bleiben.

Raschelnd blätterte Fimora neben mir die Seiten um. Mit einem klitzekleinen Seufzen tat ich es ihr gleich. Ui. Noch mehr Wörter und Sätze und Vorschriften. Das war ja mal ein Spaß. Verstohlen schielte ich zu der Leseratte rüber. Sie trug ihre langen dunklen Haare wie immer zu einem langweiligen Pferdeschwanz zusammen. Wie gerne hätte ich sie geflochten oder hochgesteckt oder sonst eine hübsche Frisur ausprobiert. Bestimmt würde es wunderschön aussehen, wenn sich ein paar lockere Haarsträhnen an ihr scharfgestochenes Gesicht schmiegten und ihm einen Hauch Weichheit verliehen. Ja, vielleicht sollte ich mehr lernen und weniger über Frisuren und Kleidung nachdenken. Auf jeden Fall war das nicht das Verhalten einer knallharten Kriegerin. Manchmal fragte ich mich, ob ich überhaupt das Potenzial dazu hatte. Und dann in anderen Momenten stand es für mich völlig außer Frage, dass meine Chance kommen würde und ich es allen zeigen würde.

Deya, Beschützerin der Hilflosen, Schneiderin des Schicksals, bekannt für ihre Anmut, Stärke und Güte, eine strahlende Sonne am Himmel und die Liste der Eigenlob-Titel ging noch viel weiter.

„Du tust es schon wieder“, machte mich Fimora leicht genervt darauf aufmerksam, dass ich wieder gedankenabwesend mit dem Stuhl gekippelt hatte. „Entschuldigung“, artig stellte ich den Stuhl richtig ab und erneut kehrte Stille ein, nur unterbrochen von dem leisen Geräusch der umgeschlagenen Seiten, durch die Fimora förmlich flog, während ich mich mit jedem Wort quälte.

„Wollen wir nicht vielleicht rausgehen? Wir könnten auch draußen lernen“, schlug ich nach einer zugegeben recht kurzen Zeit des Schweigens vor. „Du willst dich doch nur vorm Lernen drücken“, durchschaute meine Freundin mich und hob nicht einmal den Blick vom Buch. Ich würde wohl nie verstehen, was sie so toll am Lesen fand.

Das Wetter draußen war so verlockend. Schon allein die Vorstellung mit einer Decke auf der Wiese zu liegen, die warme Sonne im Gesicht zu spüren und ja vielleicht auch den anderen Rekruten beim Training zuzusehen… Womöglich war das auch ein klitzekleiner Grund gewesen, warum ich unbedingt ein Beschützer werden wollte.

Wenn ich sie damals bei den Patrouillen durch die Straßen gesehen hatte… Die Entschlossenheit, die Rüstung, die Muskeln… Da konnte man schon schwach werden. Aber bis jetzt hatten mich die meisten entweder ausgelacht oder ignoriert, also keine atemberaubende Romantik mit einem stattlichen Krieger für mich, nur trockene Lerntexte.

Genervt las ich weiter.

Bestimmung 439: Kreaturen, die nicht eindeutig in eine der Elementarklassen oder Untergruppen der Lumineszenz und Tierwesen eingeteilt werden, zählen zu Mischgeschöpfen, welche durch verschiedene Merkmale in Aussehen und Fähigkeiten definiert werden müssen.

Es folgten Parameter über Parameter, mit Fachbegriffen und Details, die verschwammen, keine fünf Sekunden, nachdem ich sie gelesen hatte. Hängen blieb nur, dass es über die langweiligen Klassifizierungen von lauter tollen Wesen ging, die sich von mir nicht beschwören ließen.

„Ich glaube, ich mache ein bisschen Beschwörertraining“, mit diesen Worten klappte ich das staubtrockene Buch entschieden zu und stand auf: „Kommst du mit?“ „Du kannst dich nicht ewig vorm Lernen drücken“, erwiderte sie richtig lehrermäßig. „Beschwören ist auch wichtig“, rechtfertigte ich mich locker: „Wir sehen uns später.“

Ja, Fimora und ihre Bücher, eine Liebesgeschichte, die nie enden würde.

Locker schlenderte ich den Gang entlang. Hier hingen viele prunkvolle Wandteppiche von glorreichen Schlachten und mächtigen Beschwörern. Beschützer erster Güte. Besonders Samaris fand ich absolut beeindruckend. Kurz blieb ich vor ihrem feingewebten Abbild stehen.

Genau wie ich, kam sie nicht aus einer der noblen Beschwörerfamilien, die schon seit Generationen irgendwelche hochdekorierten Ämter bekleideten. Sie war nicht einmal in Ruxor geboren worden, sondern in einem der Dörfer im Randbereich. Ihre Familie waren einfache Bauern gewesen, doch ihre Erdwesen hatten alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt. Sie war eine wahre Kriegerin gewesen.

So wie sie wollte ich auch mal werden.

Nur dummerweise hatte ich keinerlei Talent in Beschwörungen oder im Lernen. Nein, auf diese Abwärtsspirale würde ich mich jetzt nicht einlassen. Entschieden nickte ich meiner Heldin zu und ging weiter.

Die Räume für Beschwörungen lagen tief unten im Kellergeschoss, größtenteils weil es im Notfall schnell abgeriegelt werden konnte, wenn jemand ein Geschöpf beschwor, das er nicht kontrollieren konnte. Mir konnte das eher weniger passieren. Aber wer weiß, vielleicht klappte es heute ja endlich.

Wie immer wurde der geräumige Hauptraum der Beschwörungen von dem Licht etlicher Fackeln erhellt und wie immer war ich nicht die Einzige hier. Ein ruhiges Örtchen zum Beschwören wäre ganz nett, doch das konnte ich mir abschminken.

In der anderen Ecke des Raums tauchte bereitwillig ein Loxell auf. Mit großen Augen blickte das rotgefiederte Äffchen seinen Beschwörer an und gab ein paar zuckersüße Glucksgeräusche von sich.

Fimora könnte bestimmt jetzt noch jede Menge Hintergrundinformationen über diese Spezies nennen, wofür sie genutzt wurden, wann und wer sie zum ersten Mal beschworen hatte und das Ganze drum herum. Ich fand die Kerlchen einfach nur knuffig. Für eine kämpferische Auseinandersetzung vielleicht nicht die beste Wahl, aber als Weggefährten oder kleine Langfinger machten sie sich sicher gut.

Allerdings konnte ich nicht aus Erfahrung sprechen, wie gesagt, null Beschwörungen. Bis jetzt. Entschlossen schritt ich zu dem Regal, das eine gesamte Seite des Raums ausfüllte. Zahllose Schriftrollen lagen darin, ebenso Kristalle und magische Reliquien, die das Beschwören erleichterten.

Nach der Gewohnheit zog ich mir zwei Armbänder mit magischen Kristallen an, die sogar auch noch gut aussahen. Dazu wählte ich die gleiche Schriftrolle wie immer: Ein Windwesen, niedrigste Stufe. Im Grunde waren das nur Geister, nicht greifbar, kaum sichtbar und geradeso als leises Säuseln zu hören. Damit waren sie nicht wirklich hilfreich, höchstens als kleine Ablenkung.

Dementsprechend einfach waren sie auch heraufzubeschwören, immerhin musste man ja keine große Substanz von einer Dimension in die andere bringen. Von daher ganz gut für den Anfang oder den tausendsten Versuch vom Anfang.

Unauffällig zog ich mich in den hintersten Winkel des Raumes zurück.

„Was für ein räudiges Exemplar. Matte Federn und ein zu kleiner Schwanz. Unbrauchbar“, beurteilte der Beschwörer abfällig seinen süßen Loxell. Traurig ließ das Tierchen seine spitzen Ohren hängen. Das war wirklich gemein!

„Hinfort mit dir! Missgestalt!“, donnerte er verächtlich und das kleine Wesen löste sich spurlos auf. Er hatte ja keine Ahnung, wie es war, gar nichts zustande zu bringen. Ich hätte mich tierisch über einen Loxell wie diesen gefreut, ich würde mich über alles freuen.

Ernst entrollte ich die Schriftrolle und überflog die vertrauten Zeilen. Tief atmete ich ein letztes Mal durch. Auf ein Neues. Es war wie ein Tanz. Konzentriert zog ich mit meinem Fuß einen Halbkreis über den Boden, meine Finger tänzelten durch die Luft wie zu einer nicht hörbaren Melodie. Alles war sanft und doch kontrolliert. Lautlos bewegten sich meine Lippen, während ich wieder und wieder die Formel durchging. Beständig zeichnete ich Symbole in die Luft, drehte mich und wiegte hin und her.

Und nichts passierte. Niemand antwortete von der anderen Seite, wenn ich denn überhaupt die Verbindung hergestellt hatte. Ich konnte nichts spüren, ich wusste nicht, wie es sich anfühlen sollte.

In der schwachen Hoffnung mich so besser konzentrieren zu können, schloss ich die Augen, doch da war nichts, bis vielleicht auf das Gefühl, eine ziemliche Versagerin zu sein. Komm schon, blödes Windwesen!

Was machte ich falsch? Die Formel war richtig und mein Tanz war viel schöner, als das was manch anderer abzog und bei denen kamen auch Geschöpfe der anderen Ebene! Warum funktionierte es nur bei mir nicht?! Das war nicht gerecht!

„Du musst deine Gedanken freimachen“, sagte auf einmal eine Stimme in meiner Nähe. Erschrocken zuckte ich zusammen. Da stand jemand! Natürlich stand da jemand, er hatte mich ja auch angesprochen, allerdings hatte ich ihn noch nie zuvor hier gesehen.

Er trug einen dunklen Umhang und hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, von daher war es etwas schwer zu beurteilen, ob ich ihn wirklich nicht kannte, aber irgendetwas an ihm war befremdlich. Ich konnte es nicht genau festmachen, aber… an ihm war etwas anders. Schon alleine wie er da stand, so ruhig und irgendwie aus dem Nichts, als würde er einfach nicht hierher gehören. Es war schwer zu beschreiben. Im Grunde war es halt einfach nur ein Gefühl, ein sehr deutliches Gefühl.

Dieser Kapuzentyp war merkwürdig. Und er hatte mich dabei beobachtet wie ich dumm herumgetanzt hatte, um eine totale Anfängerbeschwörung zu schaffen, die ich eben nicht geschafft hatte. Echt unangenehm.

Was hatte er nochmal gesagt? Ich sollte meinen Geist freimachen? Oder waren es meine Gedanken gewesen? Aber wie sollte ich mich freimachen? Kein besonders hilfreicher Rat.

„Ähm, danke“, versuchte ich ihn mit Nettigkeit abzuwimmeln. Jedoch hatte ich damit wenig Erfolg.

„Ich helfe gerne“, meinte er freundlich und machte es mir damit nicht gerade leichter. „Ähm, ja“, gab ich nur von mir und presste unruhig die Lippen aufeinander. Leicht wippte ich mit meinen Füßen. Ich wollte doch nur diese Beschwörung für mich alleine versuchen.

„Du willst mich hier nicht haben“, erkannte der Fremde richtig und klang dabei so traurig… Sofort spürte ich einen Stich von Schuldgefühlen. Das hatte ich nicht gewollt. „Nein, nein, nein, so war das nicht gemeint!“, beeilte ich mich zu sagen, auch wenn es ja eigentlich wirklich so gemeint gewesen war. Aber ich konnte einfach niemanden verletzen und so redete ich wider besserem Wissens weiter: „Ich könnte Hilfe echt gut gebrauchen. Also wie mache ich meinen Geist frei?“

Er lächelte leicht, ein liebes Lächeln, obwohl er immer noch diese merkwürdige Ausstrahlung hatte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass das nicht gut enden würde…

Kapitel 2

„Du klammerst dich viel zu sehr an die festgelegten, uralten Beschwörungsriten. Du musst es spüren, du musst es fließen lassen“, erklärte er mir ziemlich vage und fing an mit seinem Arm schwungvolle Bewegungen zu machen. Selbst ich konnte das Knistern der Magie in der Luft spüren, das mir die Härchen auf den Armen aufstellte.

Bestimmend durchschnitt er mit seiner Hand die Leere und sprach mit ruhiger Stimme weiter: „Die wahre Magie liegt nicht festgehalten mit stummen Zeichen auf Papier, sondern in deinem Inneren. Sie ist etwas Lebendiges. Du musst sie nur finden.“ Ja, dieser Zen-Spruch half mir jetzt sehr viel, aber zu seiner eindrucksvollen Vorführung passte er durchaus.

Plötzlich verdichtete sich der Wind um ihn herum und ein Elementargeist bildete sich, jedoch nicht einer von niedriger Klasse, wie ich es versucht hatte, sondern ein gewaltiges Geschöpf, dessen Macht den gesamten Raum erfüllte, was ein wenig paradox wirkte, weil es ja nicht wirklich greifbar war, doch man spürte es allgegenwärtig.

Ich hatte noch nie so eine mächtige Beschwörung gesehen und das ohne jede Formel, ohne jede festgelegte Struktur, nein, einfach locker flockig nebenbei, während er für mich den Magie-Guru spielte! Es war einfach unglaublich.

Mit großen Augen starrte ich auf die flimmernde Gestalt aus Wind und Energie, dessen Augen von grauen Wolkenwirbeln gebildet wurden und jede Bewegung verursachte einen Windstoß, der meine schöne Frisur komplett ruinierte.

Allerdings war ich momentan so baff, dass ich nicht einmal darauf achtete.

Einige Schriftrollen wurden hinten aus dem Regal gefegt. Alle schauten zu uns oder besser gesagt zu dem mysteriösen Super-Beschwörer.

„Danke für dein Kommen. Auf Wiedersehen mein Freund“, verabschiedete er sich mit einer respektvollen Verbeugung und der Zauber war vorbei. Trotzdem lag immer noch die gesamte Aufmerksamkeit auf ihm. Er hatte echt ordentlich für Wirbel gesorgt, sowohl im übertragenen Sinne, als auch wortwörtlich.

Bei einem der kräftigen Windstöße war ihm die Kapuze vom Kopf geblasen worden und jetzt konnte man auch sehen, warum er sie überhaupt getragen hatte: Der mysteriöse Beschwörer war nicht ganz menschlich.

Seitlich am Kopf hatte er je zwei lange, spitze Ohren, die mit vielen Ringen verziert waren, manche mit blitzenden Kristallen und fein gravierten Linien. Exotisch und eigentlich ganz schick. Hatte dieser aufregende Schmuck vielleicht sogar die Kraft Beschwörerfähigkeiten zu verstärken, wie die Armbänder? Diese Art das Zeug zu tragen, war echt praktisch und stylisch. Ob mir das auch stehen würde?

Passend dazu waren seine dunklen Haare zu vielen dicken Zöpfen geflochten, in die weitere Ringe und Perlen eingearbeitet waren und seine Haut war von einem sehr dunklen Farbton, wie die Erde im Garten nach einem kräftigen Regenschauer.

Alles an ihm war irgendwie wild und ungezähmt und vor allen Dingen… ungewohnt. Dass er anders war, war kaum zu übersehen.

Verlegen zog der Star der Show seine Kapuze wieder auf, doch dafür war es ein bisschen spät. Seine Erscheinung würde so schnell niemand vergessen.

„Wie hast du das gemacht?“, fragte ich ihn ehrfürchtig. „Wie ich dir gesagt habe“, antwortete er schlicht: „Ich habe die Energie fließen gelassen.“ Und noch so eine hilfreiche Auskunft. „Mein Name ist übrigens Deya“, keine Ahnung warum, aber irgendwie hatte ich gerade das enorme Bedürfnis, mich vorstellen zu müssen. „Jaro“, verriet er mir auch seinen Namen. „Freut mich dich kennenzulernen“, erwiderte ich mit einem ehrlichen Lächeln. Ich glaubte auch er lächelte, allerdings konnte ich das durch den dunklen Schatten seiner Kapuze nicht so gut erkennen.

„Kannst du mir auch zeigen, wie das geht? Oder sagen wir mal die Vor-Vorstufe davon?“, bat ich ihn einfach, weil die Leere nach so einer krassen Beschwörung mit irgendwas gefüllt werden musste. „Natürlich!“, versicherte er mir hilfsbereit: „Zuerst musst du an etwas anderes denken, etwas, das nichts hiermit zu tun hat. Es sollte eine starke Erinnerung sein, voller Leben. Denk an etwas, das dich fliegen lässt.“

Mhm, das war… interessant. Also ich sollte fliegen, durch meine Vorstellung. Alles klar.

Also… Woran könnte ich denn denken? Was war voller Leben in meinem Leben? Hmm… Angestrengt dachte ich nach, doch mir wollte partout nichts einfallen.

Anscheinend merkte Jaro, dass ich nicht genau wusste, wohin ich mit meinen Gedanken fliegen sollte, denn er gab mir als Denkimpuls mit auf den Weg: „Was hat dich dazu gebracht, ein Beschützer zu werden?“

Was war das denn für eine Frage? Wollte er mit mir ein Bewerbungsgespräch führen?

„Erzähl mir von diesem Moment“, forderte er mich immer noch mit dieser sanften Stimme auf, die weder zu seinem ungezähmten Aussehen noch seiner ungeheuren Kraft passte. „Es gab keinen Moment… Ich wollte es einfach schon immer“, gestand ich mit einem kleinen Schulterzucken.

„Dann denk daran, wie es ist zu Hause zu sein“, startete er den nächsten Versuch und es kam mir so vor, als hätte sich ein Hauch Traurigkeit in seine Stimme geschlichen. Ich verkniff es mir, ganz unsensibel nachzubohren und versuchte stattdessen vorbildlich seinen Rat zu befolgen.

Zu Hause…

Meine beiden großen Schwestern, wie sie sich wegen jeder Kleinigkeit stritten und mein jüngerer Bruder, der es irgendwie schaffte, sich ständig zu verletzen. Keine Ahnung wie oft er sich schon mit einer Nadel gestochen hatte oder das eine Mal, als wir fangen gespielt hatten und ich die Tür von unserem Zimmer geschlossen hatte und er mit so viel Schwung dagegen gekracht war, dass er sie glatt aus den Angeln gerissen hatte. Oder meine süße, kleine Schwester, die immer alle um den Finger wickelte und nicht zu vergessen all meine Cousinen und Cousins, die immer nur Unsinn im Kopf hatten. Bei dieser Erinnerung musste ich schmunzeln. Zuhause war wirklich immer etwas los gewesen. Meine Geschwister waren ein einziger Wirbelwind. Und dann meine Eltern, wie sie manchmal einfach nur wegen uns verzweifelten und ein anderes Mal so geduldig und unterstützend waren.

Ich erinnerte mich noch gut, wie sie mir das Nähen beigebracht hatten und wie stolz sie gewesen waren, als ich mir aus alten Stoffresten meine eigene Bettdecke zusammengeschneidert hatte. Sie hatte absolut grauenvoll ausgesehen! Peinlich! Und doch hatte ich sie als Erinnerungsstück mitgenommen und unten in meinem Schrank liegen…

„Du musst es wirklich wollen, nicht nur im Kopf, im Herzen. Du darfst es nicht erzwingen, du musst stark sein, standhaft und doch völlig frei. Erinnere dich daran, wie es ist, geborgen und behütet zu sein. Erinnere dich an die Stärke deiner Familie. Knüpfe dieses Band. Bewege dich, ohne nachzudenken. Du kannst es. Lebe völlig im Moment“, mischte sich Jaros Stimme weich mit meinen bunten Erinnerungen.

Zuerst etwas zurückhaltend folgte ich seinen Anordnungen und wiederholte den magischen Tanz, den ich tatsächlich schon ohne nachzudenken kannte. Es war schwer loszulassen. Ich wollte es einfach so sehr.

Damals beim Nähen war es genauso gewesen. Frustriert hatte ich so fest an der Nadel gezogen, dass ich sogar einmal den Faden abgerissen hatte. Und meine Mama hatte ihre Hände sanft auf meine gelegt und mich geführt…

Obwohl die Situation irgendwie komplett seltsam war, spürte ich, wie ich mich langsam in dieser Erinnerung verlor. Fast wie von selbst tanzten meine Finger durch die Luft, so als würde meine Mama mich auch dieses Mal leiten… Es war ein Gefühl, als könnte ich gar nichts falsch machen. Alle Sorgen verblassten. Meine Gedanken waren ganz klar.

Ich konnte spüren, wie ich immer weiter hinaus getrieben wurde. Wohin genau konnte ich gar nicht sagen, einfach weg, weit weit weg… in eine andere Dimension. Ich spürte es! Zum ersten Mal konnte ich es wirklich spüren! Da war etwas! Etwas Altes, etwas Neues, etwas das nicht da war und doch! Es war Energie, es war Leben! Ein anderes Leben! Und ich konnte es hierher holen.

Entschlossen sprach ich die Formel, dieses Mal hatten die fremdartigen Worte zum ersten Mal wirklich Gewicht, wahre Macht. Die Luft vor mir kräuselte sich und eine kaum sichtbare Aura kristallisierte sich heraus. Ein kleiner, durchscheinender Windgeist. Leise wisperte die ungreifbare Gestalt. Das war echt. Das hatte ich getan. Ich hatte dieses Wesen in unsere Welt geholt, ich hatte es beschworen, ich war eine echte Beschwörerin. Unglaublich…

Natürlich war es etwas ganz anderes, als das was Jaro geschaffen hatte. Trotzdem fühlte es sich wie ein Wunder an.

„Hallo“, begrüßte ich das kleine Geschöpf atemlos. Irgendwie wusste ich gar nicht richtig, was ich tun sollte. Ich meine, ich hatte einen Windgeist beschworen und jetzt? Wieder war ein undeutliches Säuseln zu hören. Vielleicht war das ja eine Antwort auf meine Begrüßung, vielleicht war es einfach nur Zufall.

Konnten die Dimensionswesen uns verstehen? Fimora kannte zu dem Thema bestimmt irgendwelche Abhandlungen, aber ich hatte absolut keine Ahnung und das war völlig in Ordnung in diesem Moment. Ich war einfach nur glücklich.

Breit strahlte ich den schwachen Geist an. „Sie mag dich“, ich konnte das Lächeln in Jaros Stimme hören, auch wenn ich mir nicht ganz sicher war, für wen seine Worte waren. Hatte er gerade dem Windgeist gesagt, dass ich ihn mochte oder mir, dass mich der Windgeist mochte? Beides wäre irgendwie verrückt. Dieser ganze Moment hatte etwas Verrücktes an sich. Absolut unwirklich, auf eine unbeschreiblich schöne Art.

„Danke!“, wandte ich mich an den meisterhaften Beschwörer und mein Gesicht war gar nicht groß genug, für das Grinsen, das sich dort ausbreiten wollte. Ich hatte mein erstes Wesen beschworen! Einfach alles wurde von dieser Tatsache in den Schatten gestellt.

„Die erste Beschwörung ist immer etwas Besonderes“, meinte er ebenfalls grinsend. „Was war deine erste Beschwörung?“, fragte ich ihn, immer noch völlig fasziniert von diesem kleinen Wesen aus Luft.

„Ein Wecia mit violettem Fell. Seit damals ist sie meine treue Gefährtin“, antwortete er mir gedankenverloren. Es kam häufig vor, dass sich Beschwörer irgendwann auf eine bestimmte Wesensgruppe festlegten, die sie mit Vorliebe beschworen, aber ein und dasselbe Wesen…

Dafür brauchte es mehr als bloße Macht, dafür brauchte es eine Verbindung, die stärker war, als die Grenzen der Dimensionen…

Langsam fuhr er mit der Hand durch die Luft, als würde er sie streicheln und nur einen Wimpernschlag später glitten seine Finger durch das schimmernde Fell eines eindrucksvollen Wecias. Ich kam aus dem Staunen echt nicht mehr raus. Zuerst gerade eben dieses überwältigende Windgeschöpf und jetzt eine Beschwörung von vielleicht zwei Sekunden.

Wer war er? Wie konnte er das? Und wieso hatte jemand wie er jemandem wie mir geholfen?

„Ihr Name ist Farki“, stellte er mir das magische Raubtier vor. Ein Beschwörer, der seinen Wesen Namen gab. So etwas war auch selten. Die meisten sahen sie nur als Mittel zum Zweck, nicht als Haustiere oder gar Freunde. Jaro wurde wirklich von Minute zu Minute einzigartiger, geheimnisvoller und warmherziger.

„Hallo Farki“, mir fiel einfach nichts Besseres ein. Das katzenartige Wesen musterte mich aus seinen großen Augen, in denen ein violetter Wirbel tobte. Moment mal! Ein violetter Wirbel? Wecias hatten keine wirbelnden Augen, oder? Und auch die Muster auf seinem Fell bewegten sich!

An unserem ersten Tag hatte einer der Beschützer einen Wecia beschworen, das würde ich nie vergessen. Dieser hier war anders.

„Das ist kein normaler Wecia“, stellte ich das Offensichtliche fest und erhoffte mir dadurch passiv-aggressiv eine Antwort aus ihm rauszukitzeln. „Ja, das stimmt. Kein anderer Wecia könnte jemals Farki ersetzen“, verstand er mich absichtlich falsch und wirkte dabei seltsam distanziert. Es war eindeutig, dass er etwas vor mir verbergen wollte, so viel zum Punkto geheimnisvoll.

Zärtlich kraulte er das tödliche Wesen zwischen den Ohren und es verschwand wieder in dem Nichts, aus dem es gekommen war. Schweigend standen wir für einen Moment einfach nur da.

Sollte ich ihn direkt fragen, was genau das gewesen war? Die Frage brannte mir regelrecht auf der Zunge. Wer konnte schon bei so einem Geheimnis widerstehen?

Die anderen konnten es sicher nicht. Auch wenn es sich zwischenzeitlich so angefühlt hatte, waren wir nicht alleine hier. Sie hatten dieses außergewöhnliche Geschöpf ebenfalls gesehen und sie würden fragen. Irgendwann würde ihm keine andere Wahl mehr bleiben, als zu antworten.

Er hätte seinen Freund nicht beschwören sollen, nicht hier, nicht wenn keiner es wissen sollte, was auch immer es war. Doch ich entschied mich, ihn nicht damit zu bedrängen, so neugierig ich auch war.

Leise wisperte der Windgeist den ICH beschworen hatte. Jaro hatte mir wirklich das schönste Geschenk von allen gemacht, ihm sein Geheimnis noch ein wenig länger zu lassen war da doch das mindeste.

Auf einmal spürte ich einen Luftzug im Nacken. Erschrocken fuhr ich herum. Oh. Natürlich. Es war nur mein Windwesen. Anscheinend hatte es sich aus Angst vor dem großen, bösen Wecia hinter mir versteckt. Schon putzig.

Mit einem kleinen Lächeln beruhigte ich den lebendig gewordenen Windhauch: „Du musst keine Angst haben Kleines, dir passiert nichts.“ Wieder gab es so ein Säuseln von sich, das irgendwie knuffig klang. Ganz vorsichtig streckte ich meine Hand nach ihm aus. Man konnte Wind nicht berühren, das war mir klar, aber ich wollte es trotzdem tun. Es war mein erstes Wesen. Das war einfach die Begründung für alles.

Jaro hatte recht, das war wirklich etwas ganz Besonderes.

Sanft spürte ich einen Luftzug an meinen Fingerspitzen. Es war kaum mehr als eine schwache Ahnung und doch war es da. Auf meinem Gesicht breitete sich wieder völlig selbstverständlich dieses glückliche Lächeln aus. „Ich nenne dich Wirbel“, verkündete ich kurzentschlossen und völlig irrational. Außerdem war der Name nicht besonders kreativ. Aber wen interessierte es? Es war ein süßer Name, für ein süßes kleines Ding und wenn Jaro als meisterhafter Beschwörer seinen Geschöpfen Namen geben konnte, konnte ich das auch. Ich fühlte mich auch meisterhaft…

Fast hätte ich vollkommen befreit einfach losgelacht. Alles war so übersprudelnd toll!

„An diesen Moment kannst du bei deiner nächsten Beschwörung zurückdenken“, gab Jaro einen seiner Motivations-Lehrsprüche von sich und man merkte ihm an, dass er sich richtig für mich mitfreute. Er war wahrlich ein Mysterium.

„Warum bist du hier?“, erkundigte ich mich geradeheraus und vergalt damit Gleiches mit Gleichem, immerhin hatte er mir diese Frage auch schon gestellt. „Das ist eine lange Geschichte“, wich er meiner Frage nicht besonders geschickt aus und ich entschied mich an anderer Stelle weiter nachzuhaken: „Kennst du dich hier schon aus?“

„Nicht wirklich“, gestand er leicht unruhig. Der Gute wippte sogar mit den Füßen, wie ich eben vor meiner Beschwörung. Irgendwie sympathisch. „Ich war auf der Suche nach dem Weg nach draußen und bin stattdessen hier gelandet“, ergänzte er mit einem kleinen, unbeholfenen Schulterzucken.

„Ja, das ist sehr verwirrend“, meinte ich verständnisvoll und bot ihm fröhlich an: „Ich kann dich gerne herumführen.“ „Das wäre wirklich nett“, seine Mundwinkel zogen sich wieder zu dem netten Lächeln hoch. Mit dieser Kapuze sah er wirklich viel düsterer und unheimlicher aus, als er in Wahrheit war.

Am liebsten wäre es mir ja, wenn er das dumme Ding auszog. Er fiel so oder so auf. Und ohne das Teil musste ich nicht mehr seinen Gesichtsausdruck raten. Aber er würde wohl kaum freudig reagieren, wenn ich ihn bat, die Kapuze wegzulassen. Ein Schritt nach dem anderen.

Apropos, ich hatte auch einen Schritt übersprungen. Mein Windgeist war noch da und ich sollte ihn vor der Führung wohl noch entlassen. Zwar war uns durchaus gestattet Wesen längerfristig zu beschwören, jedoch nur mit entsprechender Genehmigung und wenn ich die für einen kleinen Windgeist beantragte, würden mich alle auslachen.

Ach, mein kleiner Wirbel…

„Danke, dass du gekommen bist, mein kleiner Freund. Auf Wiedersehen“, verabschiedete ich mich von ihm, ähnlich wie es Jaro getan hatte und schwang meine Arme feierlich durch die Luft. Dazu sprach ich den Teil der Formel, der bisher noch nie nötig gewesen war und entließ meinen größten Erfolg oder zumindest entließ ich ihn theoretisch. Wirbel flimmerte immer noch in der Luft.

Das war ja mal peinlich und auch enttäuschend. Irgendwie hatte ich gedacht, dass nach der ersten Beschwörung alles besser werden würde. Man konnte doch annehmen, dass man etwas, das man beschworen hatte, auch wieder zurückbringen konnte! Doch scheinbar war mein Fortschritt nicht so deutlich, wie ich es mir gewünscht hatte.

„Lass die Magie einfach gehen. Du musst den Fluss spüren, genau wie eben“, schlüpfte Jaro wieder in meine Mentorenrolle. Alles klar, fließen, eins werden und blamieren, meine Kernkompetenzen.

Konzentriert versuchte ich, nicht mehr so konzentriert zu sein und rief die Erinnerung wach, wie ich gerade eben die Dimension überwunden hatte. Dabei wiederholte ich die tänzelnden Bewegungen meiner Arme und schloss meine Augen. Nichts erzwingen aber standhaft sein, das Ziel vor Augen behalten und doch frei bleiben. Ein Drahtseilakt und ich hatte das Gefühl, jeden Moment abzustürzen.

Logisch betrachtet konnte eigentlich nichts Schlimmes passieren, doch mein Herz sah die Sache ein wenig anders. Es sollte einfach funktionieren! Ich wollte nicht absolut dumm und unbegabt dastehen! Diese Zeit sollte vorbei sein!

Ich hatte die Macht! Ich hatte diesen Windgeist hergebracht! Ich konnte ihn auch wieder wegschicken! Daran musste ich mich festhalten. Daran musste ich glauben.

Entschieden durchschlug ich mit meiner Hand die Luft und hoffentlich auch die Grenze der Dimensionen. Für einen Moment verharrte ich und versuchte in mich reinzuspüren, die Magie zu spüren. Aber ich war mir nicht sicher.

Alles war so vage und abstrakt… Genau wie Luft. Einfach da und doch schwer festzustellen oder zu beweisen.

Zögerlich öffnete ich meine Augen wieder. Nichts. Aufmerksam musterte ich die Luft um uns herum, ich wollte mich nicht zu früh freuen, immerhin konnte sich ein Windgeist gut tarnen. Doch auch auf den zweiten und dritten Blick war nichts zu erkennen!

Triumphierend grinste ich. Scheinbar war ich doch keine vollkommene Versagerin! Yeah!

„Also. Fangen wir mit deiner Rundführung an“, vorfreudig wandte ich mich dem besonderen Neuankömmling zu: „Hast du irgendwelche Wünsche, was du zuerst sehen willst?“ Endlich konnte ich auch einmal in einem Gebiet glänzen und ein bisschen was zurückgeben, ein kleines bisschen.

Diese Beschwörung war wirklich unvergleichlich gewesen. Ich war davon immer noch ganz aufgedreht und alles sprudelte in mir total über. Mit dieser Energie musste ich ganz klar irgendwas machen!

„Die Entscheidung überlasse ich ganz dir“, meinte er defensiv, aber ich würde dabei bleiben, ihn nicht zu drängen. „Dann lass dich überraschen“, ging ich mit einem offenen Lächeln darauf ein. Dieser ganze Tag war eine einzige Überraschung…

Kapitel 3

Bevor unsere extra überraschende Führung starten konnte, musste ich jedoch noch die Schriftrolle für meine Windgeist-Beschwörung einrollen und zu dem Regal bringen, das von Jaros Windgeist-Beschwörung nach wie vor vollkommen durch den Wind war.

Danach verließen wir endlich den großen Beschwörerraum und ich hörte die anderen schon leise tuscheln. Natürlich würde dieser ganze Moment für ordentlich Gespräch sorgen. Auf einen Schlag würde ich bekannt werden, aber ob das so gut werden würde… Mal sehen.

Aber bis es so weit war, würde ich meinen Augenblick genießen und für ihn den Rundführer spielen.

Ich wählte den direkten Weg nach draußen. Ein paar Treppen rauf, einen relativ schlichten Flur entlang, der trotzdem mit zahlreichen Steinzierden geschmückt war und durch den Nebenausgang ins Freie.

Warm schien die Sonne auf uns herab. Verspielt wehte mir eine milde Brise durch die Haare und erinnerte mich an meinen kleinen Wirbel. Und wieder bekam ich das Strahlen nicht aus meinem Gesicht.

Auf den intensiv grünen Wiesen lagen einige Schüler, die meinen Plan umgesetzt hatten und versuchten in der Sonne zu lernen, einer war offensichtlich eingeschlafen, bei den anderen konnte ich nicht genau sagen, wie gut oder weniger gut es funktionierte.

Eine Ablenkung, die mir sicher diesen Plan vereitelt hätte, waren zwei angehende Beschützer, die sich mit Holzstäben einen eindrucksvollen Übungskampf lieferten. Es war warm

genug, dass sie dabei ihre Oberteile ausgezogen hatten und ihre Muskeln kamen schon krass zur Geltung…

Damit zogen sie nicht nur meinen Blick auf sich. Aber gerade hatte ich wirklich Wichtigeres zu tun!

„Hier ist meistens eher weniger los, aber trotzdem kommen einige zum Lernen und Trainieren her, wie man sehen kann. Hinten an der Mauer kann man auch den kleinen Obstgarten sehen, der angenehmen Schatten spendet, nur fliegen da viele nervige Insekten rum“, informierte ich Jaro ganz in meiner Rundführerrolle.

Aufmerksam blickte er sich um oder zumindest bewegte er seinen Kopf, als würde er das tun, seine Mimik unter der Kapuze konnte ich ja nur erraten.

„Oh, und einige benutzen die Obstbäume auch, um auf die Mauer zu klettern und nachts rauszuschleichen. Allerdings gibt es da auch einfachere Wege“, weihte ich ihn verschwörerisch in eins der offenen Geheimnisse der Akademie ein.

„Verstehe“, unergründlich nickte er. Hieß das, dass er selbst vorhatte, diesen Ausgang zu nutzen oder das genaue Gegenteil? Ich konnte ihn noch nicht genau einschätzen, doch das war auch schwer, bei jemandem, der so viele Widersprüche in sich trug.

Seine atemberaubenden Beschwörungen waren schon irgendwie angeberisch gewesen, aber dann diese süße Freude für mich und natürlich seine geheimnisvolle und verschlossene Art, die so gar nicht zu seinem leicht schüchternen und unsicheren Verhalten passte. Ganz wurde ich aus seinem Charakter nicht schlau.

Vielleicht würde er mir ja mit der Zeit die Chance geben, ihn zu verstehen.

„Komm mit, ich zeige dir den Hauptplatz“, machte ich einfach ganz locker weiter und schlenderte über die Wiese. Jaros ungewöhnliche Aufmachung zog einige Blicke auf sich, doch die meisten kümmerten sich um ihren Kram.

Seitlich führte ein lichtdurchfluteter Säulengang zum großen Innenhof. Auf dem teilweise begrünten Platz erwarteten uns schon deutlich mehr Lehrlinge. Viele hatten Bücher dabei, jedoch waren die bei den meisten wohl eher alibimäßig.

Es hatten sich viele größere Gruppen gebildet, in denen viel diskutiert und gelacht wurde. Außerdem wurde auch hier leidenschaftlich trainiert oder akrobatische Tricks vollführt. Besonders Lunaris zog alle Blicke auf sich.

Sie war gleichzeitig mit mir in die Akademie aufgenommen worden und ebenfalls blond, allerdings deutlich sportlicher, begabter und beliebter. Im Grunde war sie einfach eine bessere Version von mir. Schon allein ihr Anblick nervte mich, aber davon sollte ich mir nicht meinen unvergleichlichen Tag verderben lassen.

„Die Statue auf dem Springbrunnen da drüben zeigt Beldian, den Begründer der Akademie und einige seiner oft beschworenen Wesen. Wenn es besonders heiß wird, wird er gerne als Abkühlung benutzt. Was nicht alle Magister gerne sehen. Auf dem Feld in der Ecke wird häufig Feuerball gespielt. In den Umkreis würde ich keine Bücher mitnehmen. Da ist schon mehr als eins verbrannt“, gab ich ihm einen winzigen Tipp, den ich gerne selbst gehabt hätte, auch wenn es bei mir kein Buch sondern mein Lieblingsschal gewesen war, also noch viel viel schlimmer.

„Das Pavillon der vier Elemente ist wirklich ein malerischer Platz, allerdings ist es meistens schon von höheren Lehrlingen belegt und mit denen sollte man besser keinen Streit anfangen. Wenn du es lieber deutlich ruhiger willst…“, ich ließ den Satz unvollständig und ging am Rand um den großen Platz.

Natürlich wäre es kürzer gewesen, einfach mittendurch zu gehen, aber ich wollte Jaro nicht all den Blicken und dem Getuschel aussetzen. Schließlich erreichten wir den Eingang zurück ins Gebäude. Nach ein paar Gängen und einer Treppe abwärts landeten wir auf der nächsten Wiese.

Sie war deutlich tiefer gelegen als die anderen beiden und durch die hohen, umliegenden Mauern wurden lange Schatten auf den Platz geworfen. Hier kam nur selten jemand hin. Warum auch? Wenn man Gesellschaft wollte, ging man eher auf eine der gemütlicheren und sonnigeren Flächen und wenn man Ruhe wollte, gingen die meisten gar nicht erst raus. Zusätzlich gehörten einige der Fenster oben in der Mauer zu den Studierzimmern von besonders strengen Magistern, von denen man wirklich nicht beobachtet werden wollte. Unterm Strich hatte dieses trostlose Wiesenstück keine Argumente, die dafür sprachen, hier seine Freizeit zu verbringen.

Na ja, eins gab es da irgendwie doch…

„Da hinten gibt es eine besondere Stelle in der Mauer, eine Art Geheimgang, den viele anstatt den Obstbäumen nutzen, um nachts nach draußen zu kommen. Das ist zwar ein bisschen heikel wegen den Studierzimmern da oben, aber um die Zeit ist eigentlich niemand da. Und ich glaube, der Nervenkitzel gefällt den meisten sogar“, weihte ich ihn in das nächste offene Geheimnis ein.

Jaaa, ich musste gestehen, mir hatte die Aufregung auch gefallen. Es war zwar nur ein Mal gewesen, aber dieses kleine Abenteuer hatte sich einfach unglaublich angefühlt, einen Hauch gefährlich und völlig frei.

„Nachts ist hier also deutlich mehr los als tagsüber“, ergänzte ich noch etwas überflüssig: „Ich würde mich also fernhalten, wenn du keine Lust auf Ärger hast.“ Ein gewisses Maß an Ärger würde er wahrscheinlich trotzdem bekommen. Jemand mit seiner Stärke, war automatisch im Kreis derer, bei denen immer was los war, ob er wollte oder nicht. Er hatte nur die Wahl, ob sie ihn als Freund oder Feind behandeln würden.

Ob er sich dieser Tatsache wohl auch bewusst war? Wenn nicht, wollte ich ihm nicht seine Illusion zerstören, noch nicht jetzt.

Schweigend nahm er meine Insider Informationen zu diesem Ort einfach nur hin. Mit ein bisschen mehr Begeisterung hätte ich schon gerechnet. Aber vielleicht war er ja auch wie Fimora und hatte keinerlei Interesse an solch leicht brisanten Geheimnissen, sondern den altehrwürdigen Schätzen der Akademie.

Also machte ich einfach weiter: „Vor dem Vordereingang gibt es noch eine große, repräsentative Gartenanlage. Ich weiß nicht, ob du sie schon gesehen hast, aber die Blumen sind wirklich hübsch. Dort ist alles sehr ordentlich und farbenfroh, echt einladend. Allerdings ist das eher ein Ort zum Anschauen, als zum Zeitverbringen. Natürlich gehen auch da manchmal welche zum Lesen hin und setzen sich auf die Bänke zwischen den säuberlich angelegten Beeten und den lieblichen Blumenbögen. Ein paar Romantiker treiben sich da auch rum. Aber pass auf, man sollte nie eine Blume pflücken, das kann böse enden. Jemand wurde einmal dabei erwischt und musste als Strafe gärtnern, ein ganzes Jahr. Was für ihn jedoch nicht weiter schlimm war, weil seine Freundin die ganze Zeit total verliebt zu ihm gehalten hatte und er war schon immer so ein pflanzenbegeisterter Typ gewesen. Doch ich hätte darauf echt keine Lust“, und schon wieder war ich ein wenig in die Sparte Drama und Klatsch abgedriftet.

„Ja, den Garten habe ich schon gesehen. Ich muss sagen, mir gefallen Pflanzen in ihrer Urform mehr, wenn sie sich frei entfalten können“, ging Jaro dieses Mal wenigstens mehr oder weniger auf meinen ausgeschmückten Bericht ein.

„Wenn es dir zu viel ist, können wir auch gerne eine Pause machen“, bot ich ihm an und ließ ihm nicht wirklich Zeit für eine Antwort, denn schon fielen mir tausend Möglichkeiten ein und die sprudelten auch so aus mir heraus: „Wir könnten die Akademie verlassen und in Ruxor etwas trinken gehen. Es gibt da ein kleines Café, das die besten Blumensäfte überhaupt verkauft. Die sind so frisch und süß und absolut leicht. Da hat man das Gefühl, man wäre ein Schmetterling, der von Blume zu Blume schwebt. Und die Stühle dort sind mit einem Stoff bezogen, der so weich ist wie Blütenblätter und auch ebenso bunt. Wirklich eine Wahnsinns-Atmosphäre. Oder wir bleiben einfach hier. In der Bibliothek kann man sich auch gut entspannen. Theoretisch kann man da eigentlich auch lernen, aber die meisten genießen einfach nur die Ruhe und die super gemütlichen Sessel mit dem alten Samt. Oder die Fensterbänke ganz hinten, auf denen immer Kissen liegen. Von dort hat man den perfekten Überblick über die Akademie, auch wenn dieser Platz offiziell verboten ist. Aber solange man sich dabei nicht erwischen lässt… Natürlich könnte ich dir auch mein Zimmer zeigen, da könnten wir uns auch ungestört unterhalten und ich müsste auch noch eine Flasche Beerenschorle haben, wenn dir so etwas schmeckt. Es wird zwar nicht so gerne gesehen, wenn Jungs in Mädchenzimmer mitkommen, aber echten Ärger gibt es da auch nicht, wenn es denn überhaupt auffällt. Die Magister kommen selten in den Trakt.“

Wenn ich es mir recht überlegte, gab es hier schon wirklich viele schöne Orte, die ich ihm noch zeigen konnte.

„Und mach dir keine Sorge, wenn du dich nicht gleich zurecht findest. Ich habe hier auch eine ganze Weile gebraucht, das kann schon sehr verwirrend sein. Aber man gewöhnt sich dran“, meinte ich beruhigend.

„Dann habe ich ja noch Hoffnung“, erwiderte er mit einem kleinen Lächeln. Endlich! Eine richtige Reaktion!

„Also? Wo willst du als nächstes hin?“, überließ ich ihm die Entscheidung. „Ähm, ich weiß nicht… Dein Zimmer“, der Gute klang ziemlich überfordert. Wahrscheinlich hatte ich ihm einfach zu viele Informationen an den Kopf geklatscht. Ab jetzt sollte ich mich wirklich ein wenig zügeln.

Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu meinem Zimmer und ich verkniff mir, jeden Wandteppich und jedes Gemälde zu kommentieren, von dem ich etwas wusste. Manchmal war Schweigen einfach Gold. Oh nein. Ich klang ja schon wie Fimora! Sie hatte einen ganz schlechten Einfluss auf mich.

Schließlich ließen wir uns nebeneinander auf meinem Bett nieder und jetzt wurde die goldene Stille doch unangenehm. Unruhig knibbelte ich mit meinen Fingern an der bunten Decke, mit der ich das Bett deutlich aufgepeppt hatte, um Welten besser als dieses peinliche Erinnerungsstück im Schrank.

Generell war ich stolz auf die Dekoration, mit der ich Farbe in diesen viel zu schlichten Raum gebracht hatte: Vorhänge, Kissen, Decken und ein Teppich. Auf die Fensterbank hatte ich auch ein paar Blumen gestellt, jedoch hatte ich die nicht selbst angefertigt und es war ein Wunder, dass die noch lebten. Mein grüner Daumen war von all den Nadeln blutig gestochen.

Nur meine Zimmergenossin war nicht ganz glücklich darüber. Sie gehörte zu den Menschen, die solchen „Firlefanz“ nicht brauchten. In meinen Augen war ein bisschen Schönheit nie verkehrt.

Ich war froh, dass sie momentan nicht da war, dann wäre aus einer ungestörten Unterhaltung nichts geworden, mal abgesehen davon, dass wir uns auch jetzt nicht unterhielten.

„Hast du Durst?“, fragte ich als aufmerksame Gastgeberin und um diese Stille endlich zu beenden. „Ähm, ja“, nahm er mit einem kleinen Schulterzucken an. Energiegeladen sprang ich auf und kramte aus einem Korb unter meinem Schreibtisch die Flasche Beerenschorle hervor.

Dummerweise hatte ich hier keine Becher. Wir würden wohl aus der Flasche trinken müssen. Der mysteriöse, herzensgute Beschwörer und ich… Bei dem Gedanken machte sich ein aufgeregtes Kribbeln in meinem Inneren breit.

Er war der erste Kerl, den ich auf mein Zimmer mitgeholt hatte. Aber das hier war ja nur eine Rundführung, nichts übersteigern. „Hier“, mit einem wahrscheinlich sehr breiten Grinsen hielt ich ihm die Flasche entgegen. „Danke“, nahm er sie ebenfalls lächelnd an.

Einen Moment lang stand ich einfach nur dumm rum und wusste nicht, ob ich mich noch einmal neben ihn setzen sollte oder irgendetwas anderes, was auch immer das andere war. Doch eins war klar: Herumstehen sollte ich nicht.

Also schnappte ich mir kurzerhand den hölzernen Schreibtischstuhl, den ich mit einem selbstgenähten Kissen aufgehübscht hatte. Den grünen Stoff hatte ich sogar mit gelben Blümchen bestickt. Auf diese Arbeit war ich besonders stolz, die war mir echt gut gelungen. Und mit dem Stuhl konnte ich ihm ganz bequem gegenübersitzen, was auch nicht mehr komisch war. Die perfekte Lösung.

Ich war richtig stolz auf mich, vielleicht auch ein bisschen stolzer, als eigentlich normal wäre, aber was war daran schon normal?

„Ich mag die Farben hier“, meinte er und ließ den Blick durch den Raum schweifen. „Ich auch“, schloss ich mich ihm verträumt an: „Das erinnert mich an zu Hause. Meine Familie sind Schneider.“ Und obwohl ich nicht wusste, ob es ihn überhaupt interessierte, fing ich an aus dem Nähkästchen zu plaudern: „Bei uns war immer alles voller Stoffe und Farben, mit allen erdenklichen Mustern. Sie wohnen im Nordviertel. Jeder hat bunte Vorhänge und es gab auch viele Blumen, die genauso farbenfroh waren. Und natürlich die besonders kreativen Schneider, die ihre eigenen, ausgefallenen Kleidungsstücke angefertigt haben. Absolut verrückt…“

„Hast du das alles selbst gemacht?“, erkundigte er sich und das Staunen in seiner Stimme war ein wunderschönes Kompliment. „Ja“, bestätigte ich strahlend. „Das ist wirklich beeindruckend“, das war nicht nur Höflichkeit, das war ehrlich und es sorgte dafür, dass ich von Innen förmlich glühte.

Bis jetzt war kaum jemandem aufgefallen, dass ich überhaupt nähte und die einzigen Personen, die es unweigerlich mitbekamen, waren meine langweilige Zimmergenossin und Fimora, die ebenfalls nicht wirklich ein Auge für hübsche Dinge hatte. Diese Anerkennung war verdammt schön.

„Wenn du willst, kann ich dir auch etwas nähen“, bot ich ihm sofort an: „Zum Beispiel für das Maskenfest bei dem Mittsommernachtsfest. Da musst du unbedingt hin! Das ist DAS Fest schlechthin! Und ich könnte dir ein persönliches Outfit genau nach deinen Vorstellungen anfertigen oder auch einfach nur einen schöneren Bettbezug. Hier die Wäsche kratzt immer ziemlich und ein Farbtupfer im Zimmer sorgt doch gleich für gute Laune.“ Ich war voll in meinem Element.

Stundenlang könnte ich über Farben, Muster und Schnitte reden. Da konnte mir hier so schnell keiner was vormachen. In irgendwas die Beste zu sein, war eine tolle Gewissheit, auch wenn es niemand sah.

Vielleicht würde es ja auf dem Maskenfest bemerkt werden, das war zumindest meine Hoffnung gewesen. Allerdings kam es mir gerade im Moment gar nicht mehr so wichtig vor.

Keine Ahnung, wann ich mich das letzte Mal so glücklich gefühlt hatte.

„Das kann ich doch nicht annehmen. Du kannst dir nicht so viel Arbeit nur für mich machen“, lehnte er wieder so extrem gutherzig ab. „Ach was. Das mache ich doch gerne und du hast mir schon das unglaublichste Geschenk von allen gemacht, als du mir mit dem Windgeist geholfen hast. Das ist doch nichts im Vergleich dazu“, entgegnete ich bescheiden.

„Und was machst du in deiner Freizeit, wenn du nicht gerade überwältigende Wesen beschwörst?“, startete ich einen weiteren Versuch, etwas mehr über ihn zu erfahren.

„Ich bin früher gerne gewandert. Wälder, Schluchten, Wiesen… Auch nachts, im Licht der Sterne und des Mondes. Dann sieht die Welt ganz anders aus“, erzählte er mir mit seltsam belegter Stimme. Das klang nicht so, als hätte diese Geschichte ein glückliches Ende genommen. Was war nur passiert? Warum war er hergekommen?

Ich wollte so gerne fragen, aber ich traute mich nicht. Schon mit der vermeintlich ungefährlichen Frage nach seinen Interessen hatte ich die Stimmung mit einer gewissen Melancholie belegt. Eine direkte Frage würde es komplett zerstören und ich wollte nicht, dass er ging.

Geduld war eine Tugend. Verdammt! Noch so ein Fimora-Spruch! Ich wurde langsam aber sicher zum Streber! Nur ohne gute Noten. Hilfe!

„Ruxor zeigt nachts auch ein vollkommen anderes Gesicht, wenn alle Leute schlafen und es ganz still wird. Wie ein Schatten kann man dann durch die Straßen schleichen, als wäre man gar nicht richtig da. Und all die Gerüche und geheimnisvollen Geräusche, die so viel intensiver werden…“, versuchte ich seine Erinnerung aufzugreifen und wieder ins Fröhliche zu retten.

„Du kannst es mir ja mal zeigen“, meinte er mit einem tapferen Lächeln. „Das mache ich gerne“, auch auf meinem Gesicht lag ein Lächeln, allerdings war meins wohl eher verträumt und glücklich.

Damit war dieses heikle Thema überstanden. Dummerweise war damit jedoch auch das ganze Gespräch vorbei, schon wieder. War es ein schlechtes Zeichen, dass unsere Unterhaltungen ständig im Sand verliefen? Hatten wir vielleicht doch keine besondere Verbindung?

Man. Meine Selbstzweifel übertrieben es echt. Total die dummen Gedanken.

Auf einmal ging die Zimmertür auf und im Türrahmen stand meine allerliebste Mitbewohnerin. Dabei hatte ich mich eben doch noch so darüber gefreut, dass sie nicht da war. Nur mit Mühe konnte ich mir ein Stöhnen verkneifen.

Ihre Augen wurden ganz groß, als sie Jaro sah. Wie sollte ich da wieder elegant rauskommen?

„Hallo Otil. Wir wollen dich auch nicht weiter stören, wir waren nur kurz hier, um etwas zu holen. Wir sehen uns später“, eilig zog ich Jaro am Arm hoch und quetschte mich mit ihm an ihr vorbei durch den Türrahmen, bevor sie überhaupt die Chance hatte, den Mund aufzumachen. Ja, die eleganteste Lösung war das vielleicht nicht, aber es war die einzige, von der ich mir Erfolg versprechen konnte.

Mit schnellen Schritten brachte ich uns außer Reichweite. Fragend schaute Jaro mich an. Stimmt, das war ein etwas abrupter Abgang gewesen. Natürlich wunderte er sich da.

„Otil stellt immer viele Fragen und kann sehr anstrengend sein. Das wollte ich dir ersparen“, erklärte ich ihm ganz selbstlos, obwohl ich es in Wahrheit vor allen Dingen mir ersparen wollte.

„Aber wenn du hier gerne andere Leute kennenlernen willst, könnte ich dir Fimora vorstellen. Die kann zwar auch viele Fragen stellen, ist aber wesentlich netter und lustiger. Zumindest wenn sie nicht gerade in ein Buch versunken ist, was schon ziemlich oft der Fall ist“, schlug ich ihm locker vor, damit ich nicht ganz wie der absolute Außenseiter wirkte.

Trotzdem gefiel mir der Gedanke nicht wirklich. Ja, das klang jetzt vielleicht blöd, aber ich wollte ihn noch ein bisschen für mich behalten. Immerhin war er das Aufregendste und Eindrucksvollste, das mir je passiert war. Ein regelrechtes Wunder… War da dieser Wunsch so falsch?

„Das ist sehr lieb von dir, aber ich denke, ich gehe jetzt er erst einmal zurück auf mein Zimmer. Wir sehen uns ja sicher wieder“, lehnte er freundlich ab. Hatte ich etwas falsch gemacht oder war er wirklich einfach nur von diesem Tag erschöpft? Die Akademie konnte schon sehr erschlagend sein, das konnte ich durchaus nachvollziehen.

„Soll ich dich noch auf dem Rückweg begleiten oder… nicht?“, fragte ich vielleicht ein wenig anhänglich. „Weißt du, wo eine Säule mit Pflanzenranken und Vögeln steht? Am Sockel liegt ein schlafender Efil“, stellte er lächelnd eine Gegenfrage.

Das war gar nicht so leicht. Mit Pflanzen verzierte Säulen gab es einige und Wesen waren auch ein beliebtes Element.

„Haben in der Nähe auch Wandteppiche gehangen?“, versuchte ich noch ein paar hilfreiche Informationen zu bekommen. „Hm, jaaa…“, antwortete er gedehnt. „Waren sie grün?“, baute ich darauf auf: „Oder rot? Blau? Gold? Welche Hauptfarbe hatten sie?“

„Ähm… Die Wandteppiche waren… Orange“, lieferte er eine Farbe, die ich gar nicht aufgezählt hatte. Egal, es war trotzdem die entscheidende Information. „Viertes Obergeschoss Westflügel“, hatte ich sofort die genaue Antwort parat. Mit Stoffen kannte ich mich einfach besser aus, als mit irgendwelchem Steinzeug, auch wenn beides hier in ausgezeichneter Handarbeit zu finden war.

„Und wo sind wir hier?“, erkundigte sich Jaro und ließ kurz den Blick durch den Flur schweifen, als würde dort die Antwort stehen. „Ostflügel, zweites Obergeschoss“, antwortete ich ihm unbefangen: „Mein Zimmer ist die 2213. Und dein Zimmer finden wir auch noch.“

Obwohl er mich nicht direkt darum gebeten hatte, setzte ich mich in Bewegung. So orientierungslos wie er war, würde er sicher eine Ewigkeit brauchen, um in diesem Gebäudekomplex auf die gegenüberliegende Seite zu kommen.

Ich genoss es immer noch, dass ich ihm dabei helfen konnte, nur drängte ich mich dabei hoffentlich nicht auf. Zumindest ließ er sich in der Richtung nichts anmerken.

Seite an Seite schritten wir durch die stattlichen Gänge und durch die Blicke, die uns die anderen Lehrlinge im Vorbeigehen zuwarfen, hatte ich schon das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, auch wenn das wohl eher an Jaro lag.

Für einen dummen Moment spielte ich mit dem Gedanken absichtlich einen längeren Umweg zu gehen, einfach nur, um unsere gemeinsame Zeit ein wenig auszudehnen. Aber das wäre idiotisch und egoistisch, so wollte ich nicht sein.

Und so erreichten wir viel zu früh seinen Flur. Im Nu hatten wir auch die Säule mit den Pflanzenverzierungen und dem Efil gefunden. Das kleine Tierchen sah wirklich putzig aus, ein wenig wie ein geflügelter Hund mit feinen Schuppen, die beeindruckend exakt gearbeitet waren. Von seiner großen Nase angestupst zu werden, war bestimmt süß und jetzt da ich einen Windgeist beschworen hatte, sah ich auch Hoffnung, das irgendwann erfahren zu dürfen.

„Oh, fast hätte ich vergessen. Die gehört ja dir. Danke dafür“, mit einem kleinen, entschuldigenden Lachen gab er mir die Flasche zurück. Unsere Finger streiften sich leicht. Seine Haut war warm und ein wenig rau.

„Wir sehen uns“, verabschiedete er sich mit ähnlichen Worten wie eben schon. Ja, ihn konnte man ja auch schlecht übersehen. „Wir sehen uns“, echote ich mit einem hoffentlich nicht zu enttäuschten Lächeln.

Ich blieb noch im Flur stehen, bis er die Tür geschlossen hatte und winkte sogar einmal affig. Dämlich grinste ich die geschlossene Tür an. Ich konnte gar nicht glauben, was in den letzten Minuten alles passiert war. Oder waren es Stunden gewesen? Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Es fühlte sich gleichzeitig an wie ein Wimpernschlag und doch eine Ewigkeit. Einfach unbeschreiblich…

Mit einer Leichtigkeit, als wäre ich selbst ein Windgeist, tänzelte ich durch den Flur zurück, allerdings war mein Ziel nicht mein Zimmer, sondern das von Fimora. Ich musste ihr unbedingt alles erzählen! Egal, ob sie lesen wollte oder nicht! Das würde sie einfach umhauen! So etwas konnte man in keinem ihrer Bücher finden!

Kapitel 4

Als es langsam Zeit fürs Abendessen wurde, stand ich unschlüssig vor meinem Kleiderschrank. Ich wollte schön aussehen, aber nicht als wollte ich es erzwingen, es sollte auf keinen Fall aufgesetzt wirken, sondern ganz natürlich. Das war gar nicht so einfach! Fimora war da auch keine Hilfe.

Laut ihr sah alles gleich aus und sie meinte nur immer wieder, ich sollte mir nicht so viele Gedanken machen und es wären doch nur Klamotten und Haare… Echt anstrengend! Manchmal wünschte ich, sie könnte mehr ein normales Mädchen sein! Eine normale Freundin, mit der ich über Kerle reden könnte und feiern und mich hübsch machen. Aber da war ich bei ihr eindeutig an der falschen Adresse.

Trotzdem war ich dankbar für ihre Gesellschaft, ganz alleine wüsste ich gar nicht, wohin mit meiner ganzen Aufregung und vielleicht war es auch nicht verkehrt, sie als eine Art Ruhepol zu haben, der mich ein wenig ausbremste, sonst wäre ich wahrscheinlich total überdreht.

Am Ende entschied ich mich dazu, die schlichte und doch exquisite Uniform der Akademie anzubehalten. Dazu Ohrringe mit blauen Kristallen, die perfekt zu meinen Augen passten und diese im Idealfall etwas mehr zum Leuchten brachten und ein nachfrisierter Pferdeschwanz, der alte war von der Windbeschwörung völlig hinüber gewesen. Beim Blick in den Spiegel hatte ich fast einen Herzinfarkt bekommen.

Aufgeregt wartete ich, bis endlich der Gong zum Essen läutet… etwa zwei Sekunden lang. Mit dem Zurechtmachen hatte ich wohl mehr Zeit verbracht als gedacht.

Betont normal schlenderte ich mit Fimora den gewohnten Weg, obwohl ich am liebsten gelaufen wäre, was für meine Frisur natürlich wieder nichts Gutes bedeutet hätte.

Wie würde Jaro wohl reagieren? Würde er sich zu meiner Freundin und mir setzen? Würde er mich überhaupt beachten? Würde er überhaupt zum Essen kommen?

Wie immer stellte ich mich in die Schlange zur Essensvergabe. Dabei ließ ich möglichst unauffällig meinen Blick durch den Raum schweifen. Jaro schien noch nicht da zu sein. Ungeduldig fing ich mal wieder an mit den Füßen zu wippen.

„Könntest du vielleicht zwei Sekunden lang stillstehen?“, machte meine bücherversessene Freundin mich mal wieder auf meine nervösen Angewohnheiten aufmerksam. Nur schwer beherrscht, unterdrückte ich das Wippen. Dafür fing mein Finger an auf den Oberschenkel zu trommeln, der von der enganliegenden Hose der Uniform schön betont wurde.

Fimora warf mir nur einen Blick mit hochgezogenen Augenbrauen zu. Ja, ja, schon gut. Gerade konnte ich einfach nicht stillhalten.

Ich war schon so gespannt auf seine Reaktion, auch wenn ich eigentlich nicht glaubte, dass er mich nur einmalig als Ortskundigen ausgenutzt hatte. Dafür war er doch viel zu nett gewesen. Nein, das zwischen uns hatte Potenzial, eine richtige Freundschaft zu werden, vielleicht sogar mehr…

Langsam strömten immer mehr Lehrlinge in den Raum, aber immer noch keine Spur von Jaro. Schließlich waren wir an der Reihe und ich wählte ganz schlicht eine Schüssel Suppe mit Brot. Jaro war immer noch nicht aufgetaucht.

Wollte er vielleicht gar nicht zum Essen kommen? Es schien immer mehr so. Allmählich verwandelte sich meine freudigen Erwartungen in fade Enttäuschung.

Wir ließen uns an dem gleichen Tisch wie immer nieder. Hinten in der Ecke, fernab von den Plätzen der beliebten Lehrlinge, wo es richtig zur Sache ging. Aber wenn Jaro doch noch kam, konnte er uns hier hinten schlecht entdecken. Sollten wir uns doch weiter vorne hinsetzen?

„Bist du dir sicher, dass du dir diesen mysteriösen, wundervollen Beschwörer nicht eingebildet hast?“, fragte Fimora mit hochgezogenen Augenbrauen und zerfetzte mit ihrer Gabel ihr Hühnchen. Irgendwie sah es immer brutal aus, wie sie aß, was gar nicht zu ihrem ungefährlichen Leser-Charakter passte.

„Ich hab ihn mir nicht eingebildet“, erwiderte ich, eine Spur beleidigt davon, dass sie allein auf die Idee kam, dass ich mir sowas einbildete. „Dann ist der außergewöhnliche Traummann wohl etwas schüchtern“, musste sie weiter darauf herumreiten und ich wünschte, ich könnte ihr einfach ein Buch in die Hand drücken. Ich hatte auch ohne sie schon genug Zweifel im Kopf.

„Hey, das war nicht so gemeint“, schaltete sie wieder auf nett. „Schon gut“, murmelte ich nur und aß weiter meine Suppe. Das hier war alles andere, als das fröhliche zweite Treffen, das ich mir ausgemalt hatte.

Plötzlich verstummten alle Gespräche im Raum, bis auf ein Raunen hier und da. Aufgeregt hob ich den Blick. Ja! Das war er! Jaro! Meine Augen wurden groß. Er trug nicht mehr seinen auffälligen Umhang, sondern die stattliche Uniform der Akademie und darin sah er wirklich unglaublich gut aus. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass er so eine gute Statur hatte. Groß, athletisch und irgendwie auf eine ganz gelassene Art ungezähmt.

Seine Ausstrahlung war einfach einzigartig und seine spitzen Ohren und die Hautfarbe waren da nur die Krönung. Es gab wirklich nichts an ihm, was nicht auffällig wäre. Die Uniform zeigte sogar noch einmal mehr den Kontrast zwischen ihm und allen anderen in diesem Saal. Wenn er mit seiner Kleidung vorgehabt hatte, zur Menge zu gehören, hatte er sein Ziel kilometerweit verfehlt.

Klar, dass ihn alle anstarrten, ja, inklusive mir. Wie sollte man da auch wegsehen?

Sein Blick schweifte über alle hinweg und ich konnte ihm ansehen, dass er sich einfach nur unwohl fühlte. Sofort schämte ich mich, dass ich ihn angestarrt hatte. Ich war auch nicht besser als die anderen. So gerne würde ich ihm helfen, doch ich konnte nichts tun, um ihn durchschnittlich zu machen, das konnte wohl niemand.

Er schien mich nicht gesehen zu haben, aber das war ja auch kein Wunder. Immerhin hatte ich, im Gegensatz zu ihm, Durchschnittlichkeit zur Perfektion gebracht. Entschieden schritt er zur Theke. Man, waren seine Bewegungen geschmeidig und doch bestimmend, als wäre er selbst frei und unbekümmert wie der Wind, gleichzeitig stark und sanft und… er war einfach Wind, unbeschreiblich.

Die einzige Eigenschaft, die er nicht vom Wind hatte, war die fehlende Sichtbarkeit. Ansonsten fand ich die Beschreibung als Naturgewalt durchaus treffend. Zumindest hatte er im Speisesaal für ordentlich Wirbel gesorgt.

Langsam wurde das Tuscheln im Raum immer lauter, wie ein säuselnder Wind, der immer weiter zum Sturm aufgepeitscht wurde.

„Das ist also Jaro“, fand auch Fimora ihre Sprache wieder. „Ja“, bestätigte ich schlicht, ich hatte es aufgegeben, Worte für ihn zu suchen. Obwohl ich ihn ja schon vorher getroffen hatte, war ich von seinem selbstverständlichen und doch deplatzierten Auftritt ganz durch den Wind.

„Du hast nicht gelogen, was ihn betrifft und auch nicht übertrieben“, brachte meine Streberfreundin ihre nächsten sachlichen Feststellungen, die völlig überflüssig waren. „Oh ja. Er ist unbeschreiblich…“, erwiderte ich und konnte den Blick einfach nicht von ihm abwenden.

„Und du hast ihn durch die Akademie geführt“, Fimora klang richtig ungläubig, aber ich nahm es ihr nicht übel, ich glaubte es ja selbst kaum. „Und er hat mir geholfen, meine erste Beschwörung zu meistern“, bemerkte ich etwa genauso fassungslos.

„Er muss wirklich sehr weit gereist sein“, dachte die Streberin laut nach. „Zimmer 4136“, informierte ich sie nicht mehr so sachlich. Da war also mein Humor wieder! Viel besser als diese Schwärmerei.

Dafür bekam ich einen Ist-das-dein-Ernst?-Seitenblick. Frech grinste ich sie an.