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Birgid Windisch

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Beschreibung

Was ist nur los, im Umkreis von Magdas Revier? Es hat den Anschein, als ob ein Killer zwischen Familienvätern, auf dem Ego-Trip, aufräumt. Diese haben nichts zu lachen und werden gnadenlos dahingemeuchelt auf ganz besondere Weise, passend zu ihren, meist teuren, Hobbies. Wird es Magda und ihrem kompetenten Team auch diesmal gelingen, einem gefährlichen Mörder das Handwerk zu legen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 206

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Birgid Windisch

Schnullerfoxtrott

Rache ist süß

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Epilog

Liebe Leser,

Impressum neobooks

Kapitel 1

Birgid Windisch

Schnullerfoxtrott

Mümlingtalkrimi

Band, Nr. 10

BirgidWindisch

Schnullerfoxtrott

Rache ist süß

Heimatkrimi

Die Kommissare des Höchster Polizeireviers:

Magdalena Wild, 54 Jahre, manchmal unbeherrscht und wild, arbeitet perfekt mit ihrem Partner Ben zusammen, mit Namen Lieb. Deshalb werden sie oft verlacht als Wild und Lieb.

Ben Lieb 31 Jahre, schüchtern, ist ruhig und ausgeglichen, verfügt über ein gutes Gedächtnis und gesunden Menschenverstand.

Herbert Büchler, 56 Jahre, ruhig und besonnen, war Leiter des SEK in Darmstadt. Demnächst arbeitet er bei der Mordkommission in Obernburg und Aschaffenburg. Er und Magda sind seit Steinbruchpolka ein Paar.

Freddy Feller, 42 Jahre, ist für die Tatortfotos zuständig. Er lebt mit seinem Freund Adalbert zusammen und ist bekannt für seine Adleraugen

Eddie Appel, Spusi, 41 Jahre, wirkt manchmal ein wenig naiv, aber das täuscht. Bei der Spurensuche ist er unübertroffen und findet das kleinste Haar.

Anne Klotz, Spusi, 36 ist ein alter Hase. Sie ist etwas schneller bei allem, als ihr etwas transusiger Spusi-Kollege Eddie, doch zusammen sind sie unübertroffen.

Susi Kullmann, Gerichtsmedizinerin, 35 Jahre, klein und mollig, isst leidenschaftlich gern. Sie und Eddie sind ein Paar. Inzwischen haben sie eine kleine Tochter – Ronja, 3, Magdas Patenkind, die es faustdick hinter den Ohren hat.

Wolfi, das Technikgenie macht eine Ausbildung zum Profiler und ist nur sporadisch da. Momentan arbeitet er in Michelstadt

Und das Fränzchen – Magdas Riesendackel - die Seele des Reviers

Für alle Mütter

Der Mann saß, früh am Morgen, bequem auf seinem Hochsitz am Waldrand. Das Gewehr hatte er auf der hölzernen Brüstung aufgelegt. Im Zielfernrohr beobachtete er einen kapitalen Bock, einen Zwölfender. Selten genug bekam man ein solch schönes Exemplar zu Gesicht. Anscheinend gab es zu viele Jäger, die sie systematisch dezimierten. Sich selbst schloss er natürlich davon aus.

Er grinste in sich hinein. Kaum, dass er seinen Jagdschein hatte, lief ihm diese fette Beute direkt vor die Nase. Wenn das kein Jagdglück war! Jetzt musste er nur noch treffen. Ein Blattschuss wäre optimal. Er lud und entsicherte das Gewehr und räusperte sich vorsichtig. Dann begann er langsam den Zeigefinger zu krümmen. Als er eben abdrücken wolle, schnalzte der Arm grundlos nach oben. Verständnislos ruhte sein Blick auf dem Gewehr, mit dem er direkt in den Himmel geschossen hatte. Dann sank sein Kopf langsam hinunter und ein seltsamer roter Fleck, direkt im Herzbereich geriet in sein Blickfeld. Erstaunt bemerkte er, dass die Rötung sich auf der grünen Jacke immer weiter ausdehnte. Was hatte das nur zu bedeuten?, schoss es ihm durch den Kopf. Dann wurden seine Augen glasig und verloren jeden Ausdruck. Der Bock war beim ersten Schuss schon geflohen und im Wald herrschte unheimliche Stille. Leise Schritte kamen vorsichtig näher und die Leiter wankte sanft, ausgelöst durch das Erklimmen einer kräftigen Gestalt in Jeans und grauem Hoody mit hochgezogener Kapuze.

Sie zog ein Zwei-Euro-Stück, einen Kinderschnuller, ein buntes Kinderkopftuch, sowie ein zusammengefaltetes, rund geschnittenes Goldpapier aus ihrer Hosentasche, öffnete ihm grob den Mund, indem sie fest zwischen die Kieferknochen drückte, legte das Zwei-Eurostück unter seine Zunge und stopfte ihm brutal den Schnuller, den sie vorher kurz in sein eigenes Blut aus der Brustwunde getunkt hatte, zwischen die Lippen. Danach wand die Gestalt das Kopftüchlein über Kinn und Kopf und band es fest zusammen, damit der Mund zu blieb, wenn die Leichenstarre einsetzte. Nun befestigte die Gestalt noch geschickt das durch Karton versteifte, goldene Metallpapier um den Kopf des Toten, so dass es aussah, als habe der Hochsitzer einen Heiligenschein. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk, machte ein Foto mit dem Smart-Phone, grinste stolz, hing sich den Rucksack wieder um, in dem sie ihre Utensilien hergebracht hatte und machte sich sofort wieder an den Abstieg.

Zügig rannte die Gestalt zu ihrem Motorroller, zufrieden mit der Arbeit, die sie abgeliefert hatte. Dann lächelte sie glücklich, setzte den Helm auf, schwang sich in die Kabine und startete den dreirädrigen Kabinenroller – der Feldzug war eröffnet, der erste Zug getan!

Kapitel 2

Die junge Frau des Hochsitzers, machte sich am frühen Nachmittag, mit Verpflegung, auf den Weg zu ihm. Als sie ihn vor zwei Jahren kennengelernt hatte, war er stets höflich und zuvorkommend zu ihr gewesen und sie hatte sich akzeptiert, wohlbehütet und aufgehoben gefühlt. Schon nach drei Monaten hatten sie geheiratet. In letzter Zeit machte sie sich jedoch zunehmend Gedanken, ob es nicht doch zu früh gewesen war.

Ihre Mutter und ihre Geschwister hatten sie gewarnt, aber sie hatte nicht hören wollen und wirklich gedacht, ihn so gut zu kennen, dass sie sich sicher beim Gedanken an eine Heirat fühlte. Sie seufzte leise. Leider war er nicht so fürsorglich geblieben. In letzter Zeit machte er gar Anstalten, sich wie ein Pascha aufzuführen. Er erwartete, dass sie bei all seinen Aktivitäten stets am Ort seines Werkelns erschien und ihn mit köstlichem Essen und warmen Getränken verwöhnte. Sie nahm sich fest vor, ihn langsam von seinen, für ihn inzwischen selbstverständlichen Erwartungen an sie, zu entwöhnen Jetzt wo sie im siebten Monat schwanger war, ging ihr diese Bedienerei gehörig auf den Wecker. Leise kicherte sie in sich hinein. Entwöhnen! Ihrer Ansicht nach genau der richtige Wortlaut für ihren verwöhnten Mann! „Huhu!“, rief sie ihm laut zu, das unheimliche Gefühl abschüttelnd, das sie befiel, als der Hochsitz in ihren Blick geriet. Nicht, dass er sie noch mit einer Wildsau verwechselte und aus Versehen abschoss! Keine Antwort. Sie schüttelte den Kopf und setzte den Fuß auf die erste Sprosse. Dann würde sie auch noch hochklettern müssen. Es half nichts. Leise vor sich hin schimpfend, weil er ihr nicht einmal Antwort auf ihr Rufen gab, erklomm sie Sprosse um Sprosse. Wenn sie hinunterfiele und dem Kind etwas passieren würde, dann Gnade ihm Gott! Finster sah sie über den Rand zur Bank hin, wo ihr Gatte faul herumhing. Hing, war der richtige Ausdruck. Er lag, anscheinend schlafend, schief über der Bank- das Gewehr lag neben ihm. Es sah aus, als wäre es ihm beim Einschlafen heruntergefallen. Seufzend rüttelte sie ihn an der Schulter und bemerkte dabei verständnislos den merkwürdig baumelnden Kopf, um den ein sonderbarer Heiligenschein leise schaukelnd auf der Brust seine Ruhe fand, als der Kopf dort niedersank. Ein rostroter Fleck im Herzbereich hatte sich sternenförmig ausgebreitet, wie ihr befremdet auffiel. Seltsam, dachte sie bei sich, bevor ihr endlich dämmerte, was es mit seiner eigentümlichen Unbeweglichkeit und fehlenden Reaktion, sowie dem bräunlichen Fleck, auf sich hatte.

Vor Schreck wäre sie beinahe von der Leiter gefallen, als sie eilig, halb rutschend, hinabkletterte. Den Schnuller hatte sie gar nicht bemerkt. Unten angekommen lehnte sie sich, an allen Gliedern zitternd, an der Leiter an. Erschauernd zog sie ihr Handy aus der Hosentasche, was ihr erst beim dritten Versuch gelang und wählte 110. „Polizeinotrufzentrale, Meier ist mein Name. Was kann ich für sie tun?“, erklang eine weibliche, geschäftsmäßig klingende Stimme an ihrem Ohr. „IIIIchhh hhhaaaabbbe ebbbennn meinnen Mannnnn gefunddden ununund errr siehtttt irgennnndwwwie tooot auss!!“ Unvermittelt brach sie in Tränen aus. „Wo sind sie denn?“, wollte die Dame, nun einfühlsamer klingend, von ihr wissen. „Iiiim Waaalddd.“ „Und wo im Wald?“, wollte die Dame ungeduldig wissen. „In Mimmmling, an deer Eichwwaldhütttte innn ddden Wwwald und immer weiterrr, biß man fffast oberhalb dddes Hainsssstaddter Sssteinbrrruch ist, abbbber einein kleines Ssstück innn dddden Wwwald hineinnnn, aufff dddem Hooochhhsitzzz!“ „Bleiben Sie ganz ruhig“, bestimmte die Frau am Telefon. „Setzen sie sich unterhalb des Hochsitzes auf den Waldboden und warten sie auf unsere Leute. Wenn sie nicht gleich gefunden werden, machen Sie sich bitte bemerkbar!“ Die Frau des Toten nickte automatisch, ohne daran zu denken, dass die Dame am Hörer sie nicht sehen konnte. Dann beendete sie abrupt das Gespräch, setzte sich mit dem Rücken an die Leiter und lehnte sich erschöpft an. In ihrem Kopf herrschte ein fürchterliches Durcheinander und sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ein dicker Kloß steckte in ihrem Hals, den sie krampfhaft immer wieder hinunterschluckte. Um keinen Preis durfte er ganz nach oben steigen, sonst würde sie womöglich in einen Weinkrampf fallen und das kam gar nicht infrage.

Hoffentlich war der Mörder nicht mehr in der Nähe und lauerte nur noch auf eine Gelegenheit, ihr ebenfalls den Garaus zu machten. Angestrengt spitzte sie die Ohren und hörte tatsächlich seltsame Geräusche. Es klang, als ob leise Schritte immer näher kämen und dazu knackten immer wieder kleine Ästchen, als ob sich jemand vorsichtig einen Weg bahnen würde. Und hatte sie nicht vorher einen Zweiradmotor gehört? Sie war so neben der Kappe, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte. Panisch sah sich die Ehefrau um. Sie fühlte sich wie auf einem Präsentierteller und wartete ängstlich auf den erlösenden Schuss!

Kapitel 3

Die Kommissare saßen in der Pause bei Kaffee und Torte. Eddie hatte sie mitgebracht – eine Spende seiner Frau Susi, der Gerichtsmedizinerin. Sie hatte die Torte zu Eddies Geburtstag gebacken und ihm für die Kollegen mitgegeben. Eigentlich hatte sie zur Pause auch da sein wollen, aber wahrscheinlich war ihr wieder etwas dazwischen gekommen, oder ihre Tochter Ronja, wollte sie mal wieder nicht gleich weglassen. Außerdem hatte das Team kurz zuvor wieder einen üblen Mordfall gelöst und das Apfelblütenfest in Höchst von einem üblen Beigeschmack befreit. Nächstes Jahr würden sie wieder unbeschwert feiern können, obwohl sicher der eine oder andere Mensch der Opfer vom Jahr zuvor gedenken würde und das war auch gut so!

Helmut, der uniformierte Kollege, der den Dienst an der Pforte versah und ansonsten als Mädchen für alles fungierte, öffnete die Tür zum Besprechungsraum und reichte Magda das Telefon: „Ein Mord!“, raunte er ihr unüberhörbar zu. Magda kaute fieberhaft und schluckte schnell die Torte ohne Genuss hinunter. „Magda Wild, Polizeirevier Höchst, was kann ich für sie tun?“, spulte sie ihren Telefonsatz noch etwas nuschelnd ab. „Was?“ Alarmiert hob sie die linke Hand. „Ein Mord sagen sie? Wo?“ Sie zog einen Stift aus dem Stiftbecher auf dem Tisch und notierte sich etwas auf ihrem Block. „Was ist denn?“ Neugierig hatten alle die Köpfe gehoben. „Ein Mord“, erklärte Magda fast unhörbar. Elektrisiert versuchten die anderen, zu lauschen, aber vergebens, die Stimme war zu leise und nur von Magda zu hören. „Bleiben sie ruhig, wir kommen!“ Sie lauschte noch kurz. „Was? Sie haben das Gefühl, beobachtet zu werden und hören Schritte näherkommen?“ Sie überlegte kurz. „Ist ein Gebüsch in der Nähe? Ein dichtes Gestrüpp? Super! Legen sie sich auf den Bauch und robben sie ein Stück hinein, damit es der Angreifer nicht so einfach hat. Was?“ Sie schüttelte den Kopf. „Stellen sie sich nicht so an, lieber Arme und Beine verkratzt, als tot! Bleiben sie ruhig, wir kommen!“ Sie bedeutete den Kollegen, dass die Zeit drängte, dann rannten alle zusammen an die Autos, wo sie sich ohne Zögern in zwei Fahrzeugen verteilten und mit quietschenden Reifen, Blaulicht und Sirene, losrasten, von Höchst, nach Hainstadt, wo Magda und Ben in Richtung Waldamorbach abbogen und die Zufahrt zum Steinbruch nahmen. Vom Parkplatz aus rannten Magda und Ben die Waldtreppe, links vom Steinbruch, hinauf und ließen das Auto unten stehen. Die Frau am Telefon hatte gemeint, oberhalb des Steinbruches, geradeaus und querfeldein, seien es nur ein paar Minuten zu Fuß. Bei dem Sprint gerieten sie ganz schön ins Schnaufen, trotzdem blieben sie nicht stehen. Ein Mensch war in Lebensgefahr, da konnten sie auf ihr eigenes Befinden keine Rücksicht nehmen.

Derweil fuhren Anne, Eddie und Freddy weiter nach Mömlingen und von dort, am ehemaligen Wiegehäuschen, links die Straße am Kühtrieb hinein und den Berg hinauf. An der Gabelung hielten sie sich links und kurz danach bogen sie wiederum links in den schmalen, steilen Wirtschaftsweg zur Eichwaldhütte ein.

Der Weg war nur für Forst- und Landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben, doch die Ermittler rasten unvermindert schnell den geteerten Weg weiter hoch, so dass das Auto hüpfte und hoppelte. Es war eine wahre Freude und alle wurden schön durchgeschüttelt. „Au!“ Anne hatte sich bei Eddies wilder Fahrweise den Kopf angestoßen und hielt sich Kopf und Bauch. „Du fährst auch nicht besser!“, rief Eddie entschuldigend. „Die Zeit drängt, wir müssen die Spuren sichern!“ Er warf Anne einen selbstgefälligen Blick zu, den diese genervt seufzend zurückgab. „Jaja“, brummelte sie leise, „ich weiß, der unfehlbare Eddie ist wieder unterwegs!“ Sie schüttelte den Kopf, während Eddie sie frech angrinste. „Wo ist überhaupt deine Angetraute?“, wollte sie stirnrunzelnd von ihm wissen. Der ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Sie müsste eigentlich bereits dort sein. Sie ist von Rai-Breitenbach aus gestartet.“ „Aha“, meinte Anne finster. „Fahr mal langsamer, wir müssten jetzt gleich da sein. „Ja, ja“, gab er schulterzuckend zurück, dann deutete er rechts in den Wald hinein. „Schaut ihr beiden bitte? Einer links, einer rechts?“ Freddy seufzte leise. „Wo ist er denn? Sieht alles gleich aus hier – Wald eben!“ Sie waren schon an der Schwedenschanze vorbeigekommen, den steilen Grenzberg hinaufgefahren und den hohen Stein hatten sie auch schon hinter sich gelassen. „Wenn du so viel Dreck aufwirbelst, sehe ich gar nichts mehr“, brummte Anne missmutig. „Halt!“ Prompt hielt Eddie an und Anne ließ die Augen wandern, bis sie einen schmalen Pfad ausmachen konnte, der möglicherweise zu dem gesuchten Hochsitz führte. „Bieg mal da rechts ein! Das könnte der Weg zu dem gesuchten Anstand sein!“ Eddie bog ruckartig in den Weg ein, der viel zu schmal war für ein normales Auto. Das Wasser hatte sich in den Fahrrinnen gesammelt und spritzte hoch bis an die Scheiben, als endlich ein Hochsitz in ihr Blickfeld geriet. Daneben konnten sie dichtes Gebüsch erkennen und einen Fuß, der darunter hervorlugte. Erschrocken sog Anne die Luft ein und wollte gleich losstürmen, noch bevor das Auto richtig anhielt doch Eddie bedeutete ihr zischend, vorsichtig zu sein. Gleichzeitig hielt Freddy sie von hinten an den Schultern fest, woraufhin sie sich gründlich umschaute, ohne etwas Verdächtiges erkennen zu können. Eddie räusperte sich entschlossen, bevor er laut rief: „Hier ist die Polizei, legen sie ihre Waffe nieder und kommen sie mit erhobenen Händen heraus!“ Links von Eddie hörten sie plötzlich lautes Knacken, als bahne sich jemand rücksichtslos seinen Weg durch den Wald. Eddie nahm sofort die Verfolgung auf, während Anne weiter zum Hochsitz hin vorrückte, wo sie eine vorsichtige Bewegung ausmachen konnte. Der Fuß bewegte sich rückwärts aus den Sträuchern und kurz darauf erschien der Rest einer Frau mit weit aufgerissenen Augen. „Stehen sie langsam auf!“, forderte Anne laut. „Aber da ist einer“, flüsterte die durchdringend. „Er ist weg“, deutete Anne in Eddies Richtung. „Sie sind in Sicherheit!“ Die Frau stieß heftig die Luft aus und schloss erleichtert kurz die Augen. Anne winkte sie zu sich und ließ sie ins Auto einsteigen. „Bleiben sie sitzen, egal was passiert. Ich muss meinen Kollegen unterstützen.“ Die Frau nickte wortlos und stieg hinter dem Beifahrersitz ein, wo sie sich umgehend im Fußraum verkroch. Freddy nahm sich ihrer mit freundlichen Worten an. Anne nickte befriedigt und rannte grimmig los, sich um Eddie sorgend, der den Mörder ganz allein verfolgte. Da hörte sie einen Schuss und griff sich im Laufen ans Herz, ohne ihre Geschwindigkeit zu verringern. Kurz darauf konnte sie ihren Kollegen erkennen, der bewegungslos mitten auf dem Weg saß - die Pistole immer noch in der Hand, die auf seine Oberschenkel gesunken war. „Halt! Stehenbleiben!“, drohte Anne wütend. „Wenn sie meinem Kollegen etwas angetan haben, werden sie das bitter bereuen!“ Sie blieb bei Eddie stehen und bemerkte verständnislos Blut an seiner rechten Hand, in der er immer noch die Waffe hielt. „Bist du verletzt?“ rief sie ihm aufgeregt zu. Eddie nickte mit käseweißem Gesicht. „Nur die Hand. Lauf weiter, du hast ihn gleich!“ Als Antwort drang ein Zweiradmotor hinter der Kurve vor ihnen in ihr Bewusstsein. „Der hat ein Motorrad, oder ein Moped!“, stieß Anne hervor und sah sich wild nach Eddie um. „Los, ruf Verstärkung und ein Sanka!“ Dann rannte sie weiter. Ein weiterer Schuss setzte sie in allerhöchste Alarmbereitschaft. Sie mobilisierte ihre letzten Reserven und rannte um die Kurve, wo sich ihr ein merkwürdiges Bild bot. Der große, dunkelgrüne Kombi von Eddie und Susi stand quer auf dem Weg. Ein Fahrer war nicht zu erkennen und der Zweiradfahrer hielt direkt daneben und zielte mit seiner Waffe ins Innere des Wagens. „Fallenlassen!“, brüllte Anne wild und gab einen Warnschuss ab, etwa einen Meter neben dem Mörder. Der Mopedfahrer zuckte erschrocken zusammen. „Sind sie verrückt?“ Wütend wendete er seine Maschine, um nun Kurs auf Anne zu nehmen, als diese laut zurückbrüllte: „Ich würde es nicht darauf ankommen lassen!“ Sie schoss einen halben Meter neben ihm vorbei. Der Zweiradfahrer zuckte sichtlich zusammen, wendete erneut und raste nun mit durchdrehenden Reifen los, wobei das Motorrad arg schlingerte. Kurz darauf war er wie ein Spuk verschwunden. Anne lief keuchend zum Auto und öffnete die Tür. Niemand zu sehen. „Susi? Bist du hier drin?“ Sie schlug die Beifahrertür zu und öffnete die hintere Tür. Mit dem Gesicht nach unten lag Susi, so weit in den Fußraum gedrückt wie irgend möglich. „Uff, Gott sei Dank!“, stöhnte Anne laut, woraufhin Susi vorsichtig den Kopf hob. „Isser weg?“ Anne nickte: „Ja, isser. Gott sei Dank!“ Susi krabbelte mühsam aus dem Auto. „Wo ist denn Eddie? Wenn man ihn einmal braucht, ist er nie da!“ Anne nahm sie kräftig in den Arm. „Er ist dort hinten“, raunte sie ihr leise zu. „Wo?“, hob Susi sogleich alarmiert den Kopf. „Ist er verletzt?“ Anne nickte. „Nur an der Hand.“ „Was heißt da nur!“, rief Susi aufgebracht und schob Anne weg. Kurz darauf saß sie auf dem Fahrersitz. „Ich lotse dich hin.“ Anne setzte sich schnell neben sie. Fahr einfach wieder in die ursprüngliche Richtung, bevor du dich quergestellt hast.“ Mit durchdrehenden Reifen, raste Susi los. „Pass auf, Susi, dein Ehemann sitzt mitten auf dem Weg. Nicht, dass du ihn noch platt fährst!“ Anne deutete nach vorn. „Da sitzt er schon!“ Susi legte eine Vollbremsung hin und stand schon wieder quer, woraufhin Anne wütend loswetterte über verrückte Weiber, die ihren Mann totfahren würden, vor lauter Angst um ihn. „Hey, mein Schatz, da bist du ja!“, begrüßte Eddie seine Frau, ohne mit der Wimper zu zucken. „Donnerwetter“, raunte Anne leise. „Den hast du aber schon gut abgehärtet.“ Susi warf ihr einen zittrigen Blick zu und grinste zufrieden. „Er ist durchaus lernfähig.“ „Hätte ich nicht gedacht“, erwiderte Anne ihr Grinsen. „Hey, ich bin hier und blute vor mich hin. Hättet ihr beiden die Güte, meine Wunden zu verbinden und mir erste Hilfe zu leisten?“ Susi stand bereits neben ihm. „Wo?“ „Na hier!“ Er deutete auf seine Hand, die er fest zur Faust geballt hatte. Die Wunde musste bereits zu bluten aufgehört haben, die Hand war blutverkrustet. „Das ist wahrscheinlich nur eine einzige, klitzekleine Wunde. Kein Grund, deswegen wie ein Halbverreckter mitten auf dem Weg zu sitzen.“ Sie sah ihn tadelnd an. „Schau dir mal die Riesenblutlache an!“ Eddie deutete auf mehrere fingernagelgroße Blutflecke. „Bei einer Riesenblutlache wärst du sicherlich bewusstlos, du Weichei“, erklärte ihm seine mitleidlose Frau. Eddie zuckte ergeben die Schultern und stand auf. Dann öffnete er die Faust und zeigte Susi seinen verwundeten Daumen. Der Schuss war genau an der Daumenkuppe gelandet, wo sich die meisten Nerven befanden. Sie hob die Hand vor ihre Augen, besah sie sich genau, dann pustete sie zärtlich darauf, zog ein Pflaster aus der Hosentasche und platzierte es geschickt so, dass die Daumenkuppe sicher verpackt war. „Ich brauche mindestens einen Verband!“, rief Eddie entrüstet. Susi winkte ruhig ab. „Ja, morgen vielleicht.“ Schimpfend drehte sich Eddie um und sah seinen Kollegen Magda und Ben entgegen, die soeben, heftig keuchend, bei ihnen anlangten. „Von wegen ein paar Minuten oberhalb des Steinbruches“, keuchte Magda und klang fast wie ein Blasebalg. Anklagend hob Eddie den verpflasterten Daumen. „Nicht einmal verbunden hat sie mich und das will eine kompetente Gerichtsmedizinerin sein!“ „Tote bluten halt normalerweise nicht“, ergriff Magda unverzüglich Susis Partei und kletterte zu ihr ins Auto, so dass die beiden Männer hinten einsteigen mussten. „Ach, dann muss ich anscheinend erst tot sein, damit sich mein Eheweib für meine Wunden interessiert!“ Ben schob den wetternden Eddie zur Seite und stieg zu ihm ein „Wo ist denn jetzt der Tatort?“, wollte seine treusorgende Gattin Susi wissen. „Fahr einfach geradeaus weiter und da, wo die tiefen Reifenspuren sind, biegst du links ein, dann siehst du es schon“, antwortete er mürrisch seiner Frau.

Sie sahen Annes Auto mitten auf dem Pfad stehen. „Gefährlich dürfte es nicht mehr sein, der Mörder ist uns ja entkommen!“, stieg Magda unverzüglich aus, bevor Ben sie daran hindern konnte. „Das kann man nie wissen!“, warnte er seine Chefin, aber sie zuckte nur die Schultern und knallte die Tür zu. Susi stieg ebenfalls aus und rannte vorneweg, zum Tatort. „Wenn das dein Herbert wüsste!“, blitzte Eddie Magda an und stieg ebenfalls aus. Er öffnete Annes Auto, um die drinnen sitzende, sichtbar schwangere Frau, zu mustern. Weit aufgerissene, rot geschwollene Augen sahen ihm entgegen. „Was ist denn mit meinem Mann?“, flüsterte die Frau, als habe sie Angst, laut zu sprechen. Eddie zuckte hilflos die Schultern. „Ich fürchte, da kommt jede Hilfe zu spät.“ Er bemerkte, dass ihre Augen sich schon wieder mit Tränen füllten und sogleich überliefen. „Aber wir werden uns erst einmal einen genaueren Überblick verschaffen.“ Magda steckte den Kopf ins Fahrzeug. „Können wir jemanden für sie anrufen? Ihre Mutter vielleicht?“ Ihre sachliche Stimme, beruhigte die Schwangere sichtlich. Magda schob nun Eddie, der noch neben ihr stand, sanft zur Seite. „Hilf Anne“, raunte sie ihm leise zu.

„Meine Freundin Belinda wäre gut.“, erwiderte die Frau mit zögernder Stimme. „Nummer?“, antwortete Magda knapp und notierte sie, als die Frau automatisch antwortete. Sie rief sofort an. „Ist dort Belinda?“ „Wer will das wissen?“, blaffte eine barsche Frauenstimme. „Mein Name ist Magda Wild, Hauptkommissarin vom Polizeirevier Höchst! Ihre Freundin hat mir soeben ihre Nummer gegeben!“ Magda konnte genauso unfreundlich klingen. Die Frau räusperte sich und meinte nun vorsichtiger. „Welche Freundin?“ Magda drehte den Kopf und warf der Frau neben sich einen fragenden Blick zu. „Silvia Wolfstetter!“, rief die, nun lauter, mit festerer Stimme, in Richtung Smartphone. „Wolfram ist tot!“ Das letzte kam schon wieder mit zitternder Stimme. „Ich komme!“ kam es aufgeregt aus dem Hörer. „Moooment!“, schaltete sich da Magda wieder ein. „Sie wissen ja gar nicht wohin. Wir sind noch am Tatort. Es dauert eine gute halbe Stunde ungefähr, bis ihre Freundin zuhause ist, aber dann können sie gerne zu ihrer Unterstützung bei ihr sein.“ „Tatort?“, kam jetzt ganz leise die Antwort. „Was um Himmels Willen ist denn bloß passiert?“ „Das erfahren sie dann von ihrer Freundin, wir können zu laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben!“, erklärte Magda resolut.

„Ist gut“, erwiderte Belinda, „ich fahre direkt zu Silvia. Sagen sie ihr, dass ich in einer halben Stunde bei ihr bin.“ „Mach ich“, antwortete Magda, nun freundlicher. Dann schaltete sie das Telefon aus und steckte es aufatmend ein.