14,99 €
Warum sind wir niemals genug? Wir beschäftigen uns mit Self Love und Body Positivity, embracen «bodies in all shapes and sizes» – und lassen uns doch sofort von Schönheitsidealen und der Perfektion auf Instagram und TikTok zutiefst verunsichern. Nur selten sind wir in der Lage, uns selbst, unsere Körper wirklich schön zu finden, ganz besonders dann, wenn wir nicht mehr 20 sind. Warum ist das so? Susanne Krammer ist jahrelang selbst in diese Falle getappt. Als Mode- und Beautyjournalistin hat sie diese Ideale selbst befeuert, und der Wunsch, noch «perfekter» auszusehen, hätte sie fast das Leben gekostet, als eine völlig unnötige Beauty-OP schiefging und sie nach einer schweren Sepsis nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. In ihrem Buch widmet sie sich der Frage, wie es dazu kommen konnte – und warum fast alle Frauen trotz Feminismus und Aktivismus noch nicht weiter zu sein scheinen und es uns einfach nicht gelingt, uns so anzunehmen, wie wir sind: schön.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 381
Veröffentlichungsjahr: 2025
Susanne Krammer
Wie ich mich von unerreichbaren Schönheitsidealen verabschiedet und zu mir selbst gefunden habe
Warum sind wir niemals genug?
Wir beschäftigen uns mit Self-Love und Body Neutrality, akzeptieren «bodies in all shapes and sizes» – und lassen uns doch sofort von Schönheitsidealen und der Perfektion auf Instagram und TikTok zutiefst verunsichern. Nur selten sind wir in der Lage, uns selbst, unsere Körper wirklich schön zu finden, ganz besonders dann, wenn wir nicht mehr 20 sind. Warum ist das so?
Susanne Krammer ist jahrelang selbst in diese Falle getappt. Als Stylistin hat sie diese Ideale selbst befeuert, und der Wunsch, noch «perfekter» auszusehen, hätte sie fast das Leben gekostet, als eine völlig unnötige Beauty-OP schiefging und sie nach einer schweren Sepsis nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte.
In ihrem Buch widmet sie sich der Frage, wie es dazu kommen konnte – und warum fast alle Frauen trotz Feminismus und Aktivismus noch nicht weiter zu sein scheinen und es uns einfach nicht gelingt, uns so anzunehmen, wie wir sind: schön.
Susanne Krammer (aka fraubeauty) ist nicht nur Journalistin, Influencerin und Hair- und Make-up-Artistin – sie ist Unternehmerin. 2016 entwickelte sie nach journalistischer Arbeit für diverse Frauenmagazine das erste deutsche Beauty-Online-Magazin June Mag. Sie hat schon mit allen großen Marken wie Gucci, Chanel, L’Oréal und Prada gearbeitet. Mit ihren eigenen Kanälen erreicht Susanne mittlerweile fünf Millionen Menschen. Vor allem auf Instagram hat sie sich eine treue Community aufgebaut, die ihr auch bei ihrem Podcast-Projekt «Trotzdem schön» zur Seite stand, in dem sie ihre jahrelange gesundheitliche und psychische Krise, ausgelöst durch eine missglückte Beauty-OP, schilderte. 2023 wurde sie von der Glamour als «Content Creatorin des Jahres» ausgezeichnet. 2024 launchte sie ihre eigene Kosmetiklinie «hautsache».
Dieses Buch wurde bewusst nicht in der genderneutralen Sprache formuliert. Stattdessen werden abwechselnd weibliche und männliche Formen verwendet. Diese stilistische Entscheidung dient der Spiegelung und kritischen Darstellung sprachlicher Machtverhältnisse der Modebranche, in der Frauen immer noch strukturell benachteiligt werden. Die Sprache ist somit nicht wertfrei, sondern Teil der inhaltlichen Aussage.
Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes habe ich in diesem Buch manche Namen geändert.
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Oktober 2025
Copyright © 2025 by Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg
Mitarbeit Antje Korsmeier
Covergestaltung Hauptmann & Kompanie Werbeagentur, Zürich
Coverabbildung Benjamin Becker
ISBN 978-3-644-02202-7
Schrift Droid Serif Copyright © 2007 by Google Corporation
Schrift Open Sans Copyright © by Steve Matteson, Ascender Corp
Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt, jede Verwertung bedarf der Genehmigung des Verlages.
Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.
Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.
Alle angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Printausgabe.
Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.
www.rowohlt.de
Für die Liebe – die uns alle verbindet, heilt und trägt.
Das Neonlicht fällt von schräg oben auf meinen Körper, der schon länger keinen Sonnenstrahl mehr gesehen hat und entsprechend blass ist. Die Deckenbeleuchtung ist so installiert, dass jede Delle in meinen Oberschenkeln gleich mehrere Schatten wirft. Der Anblick ist das Gegenteil von einem Augenschmaus. Aber es herrscht Frieden in mir. Ich bin alleine mit mir in dieser Umkleidekabine des Grauens, die vermutlich jedem Menschen auf der Welt das Shoppingerlebnis madig machen würde. Früher war meine Umkleidekabine immer voller Menschen, ich stand nie alleine vor dem Spiegel – da waren die wertenden Blicke meiner Mutter, die harschen Kommentare meiner Klassenkameraden, die Headlines aus den Frauenmagazinen … Das Stimmengewirr war unerträglich, wenn nicht alles an meinem Körper perfekt war. Und wann ist das schon der Fall?
Jahrzehntelang war ich gefangen von den Bildern, die mir das Außen als erstrebenswert eingab: schlank sein, eine makellose Haut haben, volle Lippen, schmale Taille, großer Busen, you name it. Für mich war Schönsein gleichbedeutend mit Gemochtwerden, und danach hatte ich eine so große Sehnsucht. Viele werden dieses Gefühl kennen. Auf der ewigen Suche nach uns selbst und nach Anerkennung schauen wir mit geradezu süchtigem Blick immer wieder in den Spiegel und nutzen jede Schaufensterscheibe, um kurz zu prüfen, wie wir aussehen. Entsprechen wir dem Bild, das wir abgeben wollen, gehen wir zufrieden weiter. Wenn nicht, reagieren wir unzufrieden bis verzweifelt und sind anfällig für all die Versprechungen, die ein schnell wachsender Markt in unsere traurigen Ohren raunt.
Ich war der perfekte Adressat für die Fashion- und die Beautybranche, die mehr verkaufen als Mode oder Kosmetikartikel. Sie dealen mit der Verheißung der Transformation: Kauf Produkt X, und du erlangst Schönheit, Anerkennung, Wohlgefühl und Liebe. Und so stehen wir vor dem Spiegel und glauben, dass der Lippenstift, den wir im Luxuskaufhaus von unserem letzten Geld erstanden haben, ein bisschen mehr Selbstwert auf uns abfärben lässt. Dabei vergessen wir, dass die Liebe für uns in uns selbst liegt und dass funkelnde Kosmetiktiegel und Pigmente zwar Freude bereiten können, sie aber nicht die Wunden lindern, die uns ganz bewusst zugefügt wurden.
Vermutlich würde niemand ein Pflaster von dem Menschen kaufen, der ihn geschnitten hat. Doch genau das tun wir in schöner Regelmäßigkeit. Die Firma, die mir heute ein heilendes Gesichtswasser andrehen möchte, hat mir letzten Sommer das überdosierte Serum mit viel zu viel Fruchtsäure verkauft. Ich dachte, damit könnte ich mir ein bisschen was von der Faltentiefe wegätzen. Leider ist die Falte noch immer da, die gesunde Haut ist weg. Der Dopaminkick durch goldene Kosmetikdöschen währt kurz, danach kommt der Kater, und ich kann nicht entscheiden, ob meine blöden Poren oder die gewiefte Kosmetikindustrie schuld daran sind, dass ich jetzt aussehe wie ein mittelalter Gouda in der Sommersonne. Und schon bin ich mittendrin in einem tückischen Teufelskreis aus Selbstwertsteigerung und Selbstentwertung. Das Schönheitsparadox besteht darin, dass wir glauben, durch irgendein Produkt oder irgendeinen Eingriff unseren Wert zu steigern, was naturgemäß nicht der Fall ist; das deprimiert uns, wir fühlen uns minderwertig, und schwups, sind wir bereit für die nächsten Versprechungen der Beautybranche. Ein Artikel nach dem anderen wird auf den Markt geschmissen, und wenn die aktuelle Mascara enttäuscht, keine Bange, die nächste ist schon auf einem Frachter unterwegs nach Europa, um endlich unsere Wimpern länger, dichter und definierter aussehen zu lassen. Wäre mit dichten Wimpern unser Leben nicht endlich besser? Wären wir dann nicht schön und würden uns weniger falsch fühlen?
Schon im alten Rom, im Ägypten Kleopatras und vermutlich auch bei den Höhlenmenschen ging eine Faszination von allem aus, was schön anzusehen war: der Sonnenaufgang, Gold, Edelsteine, die glitzernden Wellen des Meers oder Menschen mit ebenmäßigen Gesichtszügen. Schönheit basiert auf einem ausgefeilten Blickregime, und in dieses Regime ist das Bewerten schon mit eingebaut. Mit 60 Falten haben? Wird schwierig, wenn wir uns die Stars anschauen, die jetzt mit Ü 60 über den Red Carpet schreiten. So gut sah ich nicht mal mit neun aus.
Im Laufe der Zeit sind die Produkte, die ewige Jugend prophezeien, immer mehr und immer teurer geworden; eine Schönheits-OP ist längst kein Tabu mehr. Ist sie gut gemacht, sieht eine Frau mit 80 aus wie 40, und dieses Bild wird sofort als Update auf die kollektive Festplatte geladen, ob wir wollen oder nicht. «So sieht 80 aus», schreiben dann die Medien, während die Wahrheit hier wäre: So sehen 80 Jahre, 14 Operationen und ein Investment von 460000 Euro aus. Macht uns das glücklich? Nein. Können wir uns gegen dieses ständige Kategorisieren und Bewerten wehren? Ja.
Es beginnt damit, uns klarzumachen, dass Beauty und Schönheit nicht dasselbe sind. Beauty ist etwas, das wir kaufen können. In Tiegeln, in leeren Versprechungen, mittels Beauty-OPs oder der Lügen anderer Menschen, die etwas von uns wollen und uns dafür mit Komplimenten überschütten. Bei Beauty geht es um die äußere Erscheinung, die Wahrnehmung durch andere, den Schein. Ich habe als Make-up-Artistin Models geschminkt, die so alkoholkrank waren, dass sie sich beim Shooting kaum auf den Beinen halten konnten, aber später auf dem Werbeplakat aussahen wie das blühende Leben. Schönheit hingegen ist alles andere als äußerlich oder oberflächlich, sie berührt uns im Herzen, und wir können sie mit jeder Zelle unseres Körpers wahrnehmen. Schönheit spüre ich mit geschlossenen Augen, sie ist überirdisch und dennoch mühelos. Sie erhascht mich in einem Moment, in dem ich sie kaum erwarte, sie überrascht mich und durchflutet mich. Sie ist ein Ganzkörpergefühl in einer augengesteuerten Welt. Beauty arbeitet mit dem Schönheitsideal; Freude und innerer Frieden entstehen durch das Schönheitsgefühl.
Natürlich ist es so viel einfacher, etwas zu betrachten und im Bruchteil einer Sekunde, nach einem kurzen Abgleich mit den allgemeingültigen Schönheitsidealen, zu beschließen: Der, die oder das sieht gut aus! Für das Gefühl der wahren Schönheit hingegen muss ich zuerst mein Herz öffnen. Ist das geschehen, wird mir schnell klar, wie viel Schönheit es in unserer Welt gibt. In den belanglosesten Augenblicken, den kleinsten Zwischenmenschlichkeiten, den Sommergeräuschen im Hinterhof, den Blicken eines alten Ehepaars im Zug; da ist die junge Frau, die ihrer Mutter liebevoll die Hand hält, die erste Blume im Frühjahr oder das rostrote Blatt, das Widerstand gegen das Novembergrau leistet. Manchmal liegt Schönheit auch in Worten oder Düften. Das offene Herz kann Schönheit nicht nur empfangen, es wird Schönheit empfangen, es zieht sie magnetisch an. Das verschlossene Herz wird vieles gar nicht wahrnehmen und davon ausgehen, dass Schönheit verdient, bezahlt und erworben werden muss. Schließlich müssen wir gut aussehen, um im Leben weiterzukommen. Wenn wir weiterkommen, bekommen wir Anerkennung, und dann ist unsere Welt in Ordnung.
Ich glaube zutiefst daran, dass uns kein weltliches Etappenziel so weit bringt wie die Fähigkeit, Schönheit spüren zu können. Es würde so viel verändern – erst in uns selbst, dann in unserem Umfeld. Was wäre, wenn wir in einer Welt frei von Schönheitsidealen leben würden, einer Welt ohne Frauenmagazine, Werbespots, Instagram-Feeds? Was, wenn wir die aus Unsicherheit gespeiste Sucht nach Schönheit einfach von der kollektiven Festplatte löschen würden? Würden wir dann noch Lidschatten kaufen und wären nervös vor einem Date, wenn die Haare nicht sitzen? Oder würden wir nicht viel eher einfach leben, fühlen und ganz im Jetzt und Hier sein?
Vermutlich ist das eine Utopie. Denn, wie die amerikanische Autorin Lucy Grealy es so wunderbar auf den Punkt gebracht hat: «Schönheit ist sehr wichtig und zugleich absolut irrelevant.» Wir Menschen werden wohl immer ein tiefes Bedürfnis nach Schönheit haben, wir wollen dem Schönen nahe sein, daran teilhaben. Aber es wäre so heilsam, wenn wir uns von den hohlen Beauty-Idealen, die so oft unser Selbstwertgefühl beschädigen, befreien könnten. Vielleicht sind wir ja tatsächlich an dem Punkt, das alles endlich zu überdenken?
In der Umkleidekabine ist es immer noch still. Ich würde nicht behaupten, dass ich immer und überall gegen die Botschaften und Anforderungen der gängigen Schönheitsideale gefeit bin. Doch im Laufe der Zeit, mit vielen Ups and Downs, habe ich einen liebevolleren Blick auf meinen Körper gewonnen und kann mit voller Überzeugung sagen: Ich bin schön genug.
«Wenn du genau hier liegst, siehst du den Regenbogen», flüsterte ich zwischen tausend Wassertropfen in den Himmel. Aber mein Bruder hörte mich nicht. Das Zischen vom Rasensprenger war zu laut. Ich lag splitterfasernackt auf dem Rücken im pitschnassen Gras und versuchte, die Augen offen zu halten, obwohl das kalte Wasser direkt auf mein Gesicht prasselte. Der Rasensprenger meiner Eltern war für mich wie ein Wunder. Er wirbelte Wasser in die Höhe und mir schien es jedes Mal so, als würden die zarten Strahlen aus kleinen Tropfen den Himmel berühren. Ich war fünf, und alles, was mich umgab, erschien mir wie Zauberei. Eine unbändige Begeisterung erfüllte mich, sie fühlte sich an, als wäre ich unmittelbar mit Starkstrom verbunden, und aus mir wirbelten nur so Ideen und pure Freude.
Natürlich gab es immer Ärger, wenn das Wasser zu lange lief. Weil es den Rasen in eine Moorlandschaft verwandelte und wegen der Dürre, die jeden Sommer herrschte. Also hieß es schnell sein, denn ich musste ja viele kleine Augenblicke einfangen. Das Spiel war simpel. Mein Bruder und ich nahmen Anlauf – in einem Affenzahn schossen wir über den Rasen –, dann sprangen wir ab, flogen durch die Wand aus erfrischendem Nass und landeten auf dem Boden mit einem leichten Brennen auf der Netzhaut, weil wir aus Angst vor krummen Landungen die Augen nicht schließen konnten. Natürlich war es mein Ziel, möglichst lange zu fliegen. Nackt und schwerelos schoss ich durch die Luft, bis die Schwerkraft mich doch wieder einholte und ich auf dem rutschigsten Rasen der Welt versuchte, nicht auf den Arsch zu fatzen.
Ich habe nie gezählt, wie lange ich in der Luft war, vermutlich nicht einmal den Bruchteil einer Sekunde, aber es fühlte sich so frei an, und dadurch dehnte sich der Augenblick aus. Was ist schon Zeit, wenn man so klein ist und alles in Gefühlen misst? Wenn ich an diese Augenblicke zurückdenke, glaube ich immer, dass ich mich damals schön gefühlt habe. So nackt und frei und ohne die Angst vor der Bewertung meines Körpers. Damals war der ja nur mein Vehikel, um die Freude zum Ausdruck zu bringen, die Tränen laufen zu lassen oder lautstark die Wut in die Welt zu brüllen. Mein Körper war mein Meinungsverstärker, mein Gefühlslautsprecher.
Wenn ich die Augen schließe und versuche, diese ungebremste Lust aufs Leben aus meiner inneren Schatzkammer hervorzukramen, wird die Sehnsucht nach genau diesen Augenblicken unendlich groß. Dann möchte ich zurück und für immer an einem warmen Sommermorgen im August durch eine hauchzarte Wasserwand springen. Alles vergessen, was seitdem passiert ist. Alles aufgeben für dieses Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit. Keine Termine, kein Stress, keine Verpflichtung und keine Klamotten.
Heute würde mir aber so viel im Weg stehen. Erst mal würde es sich vollkommen bekloppt anfühlen, im Garten meiner Eltern nackt zu sein; der Wasserstrahl würde nicht bis zum Himmel reichen, sondern mir wahrscheinlich von schräg unten ins Nasenloch spritzen; mit dem Anlaufnehmen wär’s auch schwierig, denn ich würde nach gerade mal drei Schritten bei den Nachbarn am Grill stehen, und außerdem würde ich mir beim Landen den Fuß verknacksen. Mit Sicherheit.
Doch es geht ja um das Gefühl, und das darf verpackt sein in jede Form von Erlebnis. Es geht um Freiheit und bedingungslose Selbstliebe. Um das Gefühl, einfach seinen Körper zu bewohnen, unbehelligt von irgendwelchen Meinungen oder Verurteilungen, die auf mich einprasseln. Die Meinung der anderen, ich denke so nicht über mich. Oder doch? Meine Meinung von mir selbst war eigentlich tipptopp. Bis irgendwelche Menschen sich zur Heidi Klum einer Castingshow ernannten, beschlossen, dass ich dort teilnehme, und befanden, dass mein Aussehen gar nicht so super ist. Leider geht es mit dieser unfreiwilligen Castingshow im Leben schon ziemlich früh los.
Ich erinnere mich noch ganz genau an das Gefühl vor der ganzen Außenmeinung. Ich stand vor dem Spiegel und dachte gar nichts. Weder etwas Positives noch etwas Negatives. Ich habe mich mit Neugier und Spannung angeschaut. So wie ich auch die Welt um mich herum betrachtet habe. Ich staunte über alles und jeden. Keine Wertung, einfach nur pure Begeisterung. Mein Spiegelbild faszinierte mich. Wer hatte sich diesen Körper ausgedacht, den ich jeden Tag neu dekorieren und in Szene setzen konnte? So stand ich morgens in Blümchenunterwäsche vor dem Spiegel und verstand mich als Leinwand für ein Kunstwerk.
Latzhosen waren cool, aber nicht mein Freund, wenn ich zwischen den Abenteuern mal schnell aufs Klo musste. Das war schon öfters im wahrsten Sinne des Worts in die Hose gegangen. Aber mehrere Röcke übereinander, zwei verschiedene Strümpfe, ein Unterhemd, definitiv einen großen elastischen Gürtel und eine Wollmütze – das war praktisch und wunderschön zugleich. Es sollte sich schließlich lohnen, einen Körper zu haben. Ich war ja ich, und ich wollte nicht einfach nur eine Jeans und einen Pulli anziehen. «Eine Wollmütze im Sommer?», meine Mutter lachte mich aus, als ich aus dem Zimmer kam. Aber sie ließ mich meine eigenen Erfahrungen machen. Ich zog meine Gummistiefel an und sprang im Hopserschritt Richtung Kindergarten.
Die Kindergärtnerin war noch gnädig, aber die anderen Kinder lachten. Im Chor. Das verstand ich nicht. Ich sah doch phänomenal aus. Mit knallrotem Kopf schrie ich: «Aber ich bin schön!», was nur zu noch mehr Gelächter führte. Mein Zufluchtsort war der Mirabellenbaum hinter dem Klettergerüst im Garten der Kindertagesstätte. Dort saß ich, und mir liefen die Tränen runter. Es brannte ganz arg in der Brust, nicht dazuzugehören. Der Spiegel war ein verdammter Lügner. Meine Mutter hatte gesagt, dass der zeigt, was ist, aber das stimmte gar nicht. Der war doch nur dazu da, um zu prüfen, was die anderen sehen konnten, und man bekam noch mal kurz die Chance, sich Gedanken zu machen, ob es so eine gute Idee ist, bei Regen mit einer Badehaube der Oma auf die Straße zu gehen.
Ich schaute an mir runter. «Aber ich bin doch so schick heute», schluchzte ich alleine auf einem dicken Ast. Ich sah die anderen in ihren Nickipullis im Kreis sitzen und lachen und spielen. Langweiler. Die sahen alle so gleich aus. Die Mädchen hatten Kleidchen an, Haarspangen und Zöpfchen, Strümpfe mit Rüschen und Lacksandalen. Die Jungs trugen Jeans mit Abnähern auf den Knien, T-Shirts mit Autos drauf und Halbschuhe, die nach vorne immer breiter wurden. Klarer Fall, das Outfit der Jungs war sehr viel praktischer zum Spielen und Erleben von Abenteuern. Ich fühlte mich so falsch. Und es half ja auch nichts, aufregend zu sein, wenn man ganz für sich alleine aufregend war. Morgen würde ich den Spiegel für mich und nicht gegen mich nutzen. Ich würde prüfen, ob ich aussah wie die anderen Kinder, bevor ich das Haus verließ.
In gewisser Weise sind wir alle Heidi Klum. Denn Mode und Schönheit sind darauf angewiesen, dass sie wahrgenommen werden, von anderen gesehen werden. Beides hat viel mit Inszenierung zu tun, aber ohne Publikum ist beides nichts. Gäbe es keine Blicke der anderen, dann gäbe es keine Fashion und keine Beauty. Das Gesehenwerden ist entscheidend, und daran wirken wir alle mit. Jeden Tag, sobald wir das Haus verlassen und unter Menschen sind. Unsere Blicke schweifen über Straßen und Häuser, Gesichter und Körper … Das Problem ist, dass das Anschauen so oft mit einem Bewerten einhergeht. Für die Fashionbranche ist das natürlich unabdingbar, Qualität und Trends basieren immer auf der einen oder anderen Form von Auslese. Aber nicht jeder Bürgersteig ist ein Catwalk, nicht jedes Outfit will eine Aussage machen, nicht alles muss beurteilt werden. Ich deutete damals im Kindergarten das Lachen der anderen als Auslachen. Ich schämte mich und fühlte mich ausgegrenzt. Viele werden eine ähnliche Situation erlebt haben, viele kennen die Verunsicherung, die das auslöst.
Kann man schauen, ohne zu werten? Kann man angeschaut und beurteilt werden, ohne dass einen dies irgendwie tangiert? Kann man sich im Spiegel betrachten, ohne die Blicke der anderen mit zu berücksichtigen? Ist das eigene Spiegelbild nicht immer schon ein Bild aus der Perspektive der anderen?
Ob ich den Spiegel fortan tatsächlich «für mich» nutzte, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass ich mich als Jugendliche und Erwachsene viele Jahre nur durch die Augen der anderen wahrnahm. Ich sehnte mich nach Anerkennung und Schönheit und rang mit einem Schönheitsideal, das mich alles andere als glücklich machte.
«Wie viele Lippenstifte hast du?», fragte ich meine Tante mit 72 Prozent Ehrfurcht und 28 Prozent Neugier in der Stimme, während ich in Zeitlupe und ganz vorsichtig die oberste Schublade der Badezimmerkommode öffnete. Jetzt bloß keine schnelle Bewegung machen. Eigentlich war es hier wie im Museum: nur schauen, nichts anfassen.
Tante Paula stand vor dem Spiegel, und ich sah von hinten nur ihren schwarzen Rock und ihre goldenen Hausschuhe mit kleinem Absatz. Ich sah Nylonstrümpfe mit Naht und ihre durchsichtige Chiffonbluse mit weiten Ärmeln, die ihre schwarze Spitzenunterwäsche ein kleines bisschen durchschimmern ließ. Sie drehte sich zu mir um: «Ich hab sie A-L-L-E, mein Schätzchen», lachte sie, während sie sich mit einem groben Hornkamm durch ihre kurzen dunklen Locken fuhr. Danach sah ihre Frisur immer aus wie ein Mikrofon und war weicher als ein Wattebausch. Sie war die schönste Frau, die ich kannte. Meine Tante Paula. Mein Herz schwappte über vor lauter Liebe und Bewunderung.
Tante Paula setzte sich jeden Morgen perfekt in Szene. Außerdem duftete sie immer nach Parfum am Hals, nach Creme im Gesicht, nach Puder an den Lippen, und ihre Kleidung nach dem besten Waschmittel überhaupt. Eine Duftwolke, die für mich nach Liebe roch. Sie hatte ein breites, wunderschönes und warmherziges Lächeln. Ihre Zähne waren groß, kerzengerade und weiß. Ich war mir sicher, dass sie mehr Zähne hatte als wir normalen Menschen – für mehr Grinsen, mehr Charisma, mehr Freundlichkeit und für das gewisse bisschen Mehr von all den guten Gefühlen auf der Welt. Wenn ich bei ihr war, dann ging es mir immer unglaublich gut, ich tankte mich einmal mit Liebe voll und schwelgte in absoluter Freude und Fülle.
Tante Paula wohnte quasi in einer Drogeriefiliale. Sie besaß zwar nicht wirklich A-L-L-E Lippenstifte, aber so viele, dass ein Tausendfüßler einen in jeder Extremität hätte halten können und trotzdem noch welche übrig gewesen wären. Nagellack und Lippenstifte waren ihr Ding, alles andere besaß sie eigentlich nicht. Jeder einzelne war pink, mit Glitzer, mit Pearl-Effekt, matt, pastellfarben. Kurz: Sie hatte jede Nuance, die es zu diesem Farbton gab.
Ihr Badezimmer war mein Happy Place, und tief in meinem Herzen weiß ich, dass meine Tante der Grund ist, warum ich überhaupt angefangen habe zu glauben, dass ein Lippenstift die Welt verändern kann. Das Gefühl von Geborgenheit und Schönheit, das ich umgeben von Puderduft und Pigment in ihrem Badezimmer empfand – dieses Gefühl sollte jede Frau einmal haben dürfen. Daraus wurde dann irgendwann der Wunsch, Make-up-Artistin zu sein, um so viele Frauen wie nur irgend möglich auf die Paula-Art zu verzaubern und ihnen das Gefühl zu vermitteln, wie schön sie sind.
Bei Tante Paula war ich Sternzeichen Tropenvogel, Aszendent bunte Gartenblume und fühlte mich so richtig wohl in meiner Haut. Schönheit war ihr wichtig. Aber es war nicht die einfache Schönheit, die es zu kaufen gibt, die sie umgab, sondern es war die Schönheit des Lebens. Obwohl sie nicht in einem Schloss wohnte, schaffte sie es, dass ich mich immer wie eine Prinzessin fühlte, wenn ich bei ihr war. Sie lebte in einer Fülle, die mir nie wieder begegnet ist. Nicht, weil sie einen so phänomenalen Kontostand hatte, nicht, weil sie die teuersten Dinge besaß, sondern weil in ihrer Gegenwart jeder Moment so wertvoll war.
Während bei meinen Eltern alle Bücher standen, die den Booker Prize gewonnen hatten, besaß meine Tante kein einziges Buch, aber sie kannte die Abkürzung mitten ins Leben, von dem meine Eltern eher in der Theorie lasen. Sie hatte nur ein Werbeheftchen der AOK auf ihrem Nachttisch liegen, in dem der Blutkreislauf beschrieben wurde. Näpfli, das rote Blutkörperchen, begab sich darin auf eine abenteuerliche Reise durch den Körper. Jedes Mal, wenn ich bei ihr übernachtete, las sie mir aus diesem siebenseitigen Meisterwerk vor. Ich lag in ihrem Arm, in ihrer Stimme lag unendlich viel Schönheit, und ich fühlte mich so geliebt, dass ich jedes Mal dabei einschlief, mariniert in purem Glück. Es waren diese kleinen Momente, in denen ich lernte, dass Liebe und Schönheit Zwillinge sind, die einander mögen und Hand in Hand unterwegs sind. In Tante Paulas Armen verstand ich, dass wir die wahre Schönheit am ganzen Körper spüren und nicht nur mit den Augen sehen können.
Genauso großzügig und liebevoll, wie Tante Paula mich mit Wohlgefühl überschüttete, ging sie auch mit sich selbst um. Sie liebte sich. Punkt. Da gab es überhaupt keine Diskussion. Sie ging am Morgen singend ins Bad und lächelte sich erst einmal an, wenn sie ihr Spiegelbild sah. Sie suchte keinen Fehler, verglich sich nicht, sondern bestaunte das Kunstwerk, das sie war, mit einer gewaltigen Portion Dankbarkeit.
In ihrem Kleiderschrank funkelte und glitzerte alles. Sie besaß goldene High Heels wie die Barbie-Puppe, mit der ich nicht spielen durfte, weil das zu Essstörungen führte, wie meine Mutter immer sagte: «Der Körper dieser Puppe ist absurd. Hätte den eine Frau, würde sie einfach umfallen.» Für mich war Barbie wie Tante Paula. Sie hatte tolle Kleider, tolle pinke Lippen, tolle Haare, lebte in einem Traumhaus und trug immer ein Lächeln im Gesicht. Barbie war alles, was ich gerne sein wollte. Barbie hatte keine Mutter, sie hatte kein Kind, sie hatte ihr fucking Leben im Griff, während sie den Camper belud, um zwei Wochen an den Tropical Beach zu fahren. Barbie war kein Körperideal für mich, Barbie war ein Life Goal.
Irgendwann hatte ich das perfekte Barbie-Pink in der Badezimmer-Drogerie gefunden und trug meinen Erfolg zu meiner Tante. Sie trat vor den Spiegel und gab die Farbe auf ihre Lippen. Das konnte sie mit so viel Sicherheit, wie ein Rennfahrer über eine Bergstraße gleitet, die er schon tausend Mal gefahren ist. Meine Backe klebte fest am Spiegel, um nichts zu verpassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich überhaupt nicht im Sinn, dass ich auch mal einen Lippenstift auftragen könnte. Ich wusste zwar, dass ich Lippen hatte, aber ich war ja klein und chronisch unwichtig, warum sollte mir das Coolste auf der Welt erlaubt werden? Als sie mich fragte: «Willst du dich mal schön fühlen?», nickte ich bloß, drehte meinen Kopf zu ihr und spitzte meine Lippen. Der warme, weiche Stift mit pudriger Textur streichelte über meinen Mund. Er kitzelte ein kleines bisschen und es fühlte sich auch irgendwie fremd an, etwas auf den Lippen zu haben, fast unangenehm, aber als der Duft in meine Nase stieg, den ich sonst nur von Paulas Bussis kannte, war es so, als würde jemand ein Licht in meinem Herz anknipsen. Den Rest des Tages war ich eine Lady. Alles war anders. Ich lief anders, schließlich hatte ich Pigment auf den Lippen zu navigieren, ich sprach anders, ich wollte nicht riskieren, dass etwas verrutschte, und an Essen war gar nicht mehr zu denken.
«Wasch dir den Mist aus dem Gesicht», zischte mich meine Mutter an, als ich am Abend wieder nach Hause gebracht wurde. Und an meine Tante gewandt: «Ich habe dir tausend Mal gesagt: keinen Nagellack, keinen Lippenstift, kein Parfum, keinen Zucker, keine Barbies, kein Weißmehl!» Ihre Stimme schnappte über: «Willst du, dass sie so eine dumme oberflächliche Thusnelda wird?» Sie verkniff sich zu sagen: «So wie du!» Aber sie dachte es, und Paula wusste, dass sie es dachte. Meine Mutter schäumte vor Wut, man konnte es spüren.
Tränen liefen über meine Wangen und ich fühlte mich schuldig, dass meine Tante all diesen Hass abbekam. Paula ließ das Gewitter stoisch über sich ergehen; sie kannte es schon, erlebte es jedes Mal, wenn sie mich nach einem Wochenende wieder zurückbrachte. Ich wischte mir mit dem Unterarm den Lippenstift aus dem Gesicht. Das ganze Lady-Sein war dahin, ich fühlte mich klein, dumm und lächerlich.
Nach der Belehrung wurde Paula jedes Mal einfach weggeschickt, ohne Abschied, und auf dem Weg nach draußen sagte meine Mutter: «Immer weint sie, wenn du sie hier ablieferst, ich glaube, es ist besser, wenn wir das nicht mehr machen.» «Das»? Das Schönste? Das Wichtigste in meinem Leben, meine ganze Freude? Ich brach zusammen und weinte noch mehr.
Als ihre Schwägerin weg war, knöpfte sich meine Mutter mich wegen des Lippenstifts vor: «Und das findest du jetzt schön?» Wie verletzend eine einfache Frage dadurch werden kann, dass der Unterton verletzen möchte. In einem anderen Umfeld hätte ich gesagt: «Ja, ich finde das schön!», und alles wäre in Ordnung gewesen. Aber meine Mutter ließ keine Meinung außer ihrer eigenen gelten. Keinem gestand sie diesbezüglich auch nur einen Quadratmillimeter zu. Die wichtigste Regel in unserem Haushalt lautete: Meine Mutter ist der einzige Mensch auf Erden, der alles sehen, verstehen und schlau in die Zukunft schauen kann. Sie sagte, wie die Dinge in Wahrheit waren, und wir anderen konnten dankbar sein, dass sie deshalb nicht die Bodenhaftung verlor. Totenstill starrte sie mich an, und ihre Blicke schmerzten auf meiner Haut. Ich konnte sie überall spüren und fühlte mich wie die größte Versagerin, die sich ein weiteres Mal zu ernst genommen hatte. Das Gesicht meiner Mutter war wie gefroren, nichts bewegte sich, ich hörte nur, wie sie die Luft durch ihre Zähne zog. Das zeigte mir, dass es jetzt an der Zeit war, mich zurückzuziehen.
Der einzige Ort, der sich von innen absperren ließ und es somit erlaubte, kurz von dieser Welt zu verschwinden, war das Badezimmer. Doch was bei Tante Paula ein Palast der Mädchenfreuden war, war bei uns zu Hause eine Nasszelle, die ihren Zweck erfüllte. Es sah ein bisschen so aus, als hätten ein Rehazentrum und das städtische Hallenbad gemeinsame Sache gemacht. Grau in Kombination mit vergilbtem Weiß wird nie den Elle Dekoration Award gewinnen. Ein Abfluss mitten im Raum – so praktisch, um den Boden zu wischen und danach das Wasser direkt abfließen zu lassen. Der Boden wurde aber nie gewischt. Außer einem Stück Seife, einem Birkenshampoo, das zum Davonrennen roch, einer ranzigen Bienenwachssalbe und einer salzigen Zahncreme aus dem örtlichen Reformhaus gab es da nicht viel zu entdecken. Jeden Morgen begrüßte mich eine große Spinne in der Ecke über dem Fenster. «Sieh es als Kompliment an, dass sie bei uns ist. Spinnen sind nur da, wo die Energie gut ist. Hast du bei Tante Paula schon mal eine Spinne gesehen?», sagte meine Mutter jedes Mal, wenn ich zum Ausdruck brachte, wie sehr ich mich vor dem großen schwarzen Ding mit den langen haarigen Beinen fürchtete. Auch wenn das mit der Energie eine griffige Marketingstory für den Putzstil meiner Mutter war, fiel mir natürlich schon auf, dass die Spinne nicht in einer sauberen Ecke saß. Es war dreckig bei uns. Ich schämte mich, Freunde mit nach Hause zu bringen. Auf allem lag Staub, aber wehe, man entsorgte einen Kaffee, der hilflos vor sich hin schimmelte. Dann donnerte meine Mutter los: «Spiel dich nicht so auf und lass mich nie wieder als schlechte Hausfrau dastehen!» Dabei griff sie in meinen Nacken und zog so fest an meinen Haaren, dass diese zum Teil ausrissen. Ein bisschen so, wie es eine Katze mit ihren Jungen macht, nur sehr viel bedrohlicher und aggressiver. Wobei ich ihr nur eine Freude machen wollte, indem ich etwas wegräumte, das schon schlecht war. Was hatte ich falsch gemacht? Warum wurde ich dafür bestraft?
Meine Mutter war das komplette Gegenteil von Tante Paula. Sie machte sich nichts daraus, wie sie aussah. Aber nicht auf eine Weise, dass sie Frieden mit ihrem Äußeren geschlossen hätte und sich selbst schön fand, nein, sie hatte Schönheit an sich zum Teufel gejagt. Ihr war alles zuwider, was mit Äußerlichkeiten zu tun hatte. Irgendetwas Schlimmes musste passiert sein, dass sie sich selbst auf diese Weise ablehnte. Sie fand es furchtbar, wie meine Tante sich kleidete, wie sie sich in Parfum hüllte; und wenn nach einem Kaffeetrinken Paulas Lippenstift noch an Gläsern und Tassen klebte, fluchte sie in der Küche. Schönheit war widerwärtig. Amen. Die Zähne meiner Mutter waren nicht weiß, sie waren gelb und schief. Ihre Haare waren selten frisch gewaschen, meist klebten sie ihr platt und fettig am Kopf. Sie trug die Kleidung ihrer Schwester auf und lief selbst im Winter barfuß herum. Meine Mutter hielt das eigene Ungepflegtsein immer als Fahne der Emanzipation hoch.
Meine Eltern waren beide intellektuell und sehr belesen, und meine Mutter wurde nicht müde, mir einzubläuen, dass eine Frau nicht schön sein müsse, ja, dass sie sogar vermeiden solle, schön zu sein, weil sie sonst nur für ihre Schönheit wahrgenommen würde und das führte unweigerlich zu einem hohlen Kopf. Das war für meine Mutter der Angstgegner schlechthin: ein schöner, hohler Kopf. Bildung hingegen hielt sie für den größten Trumpf überhaupt. Sie besuchte zahlreiche Seminare von irgendwelchen bedeutenden Psychologen und nutzte anschließend ihr neu erworbenes Wissen, um zu verkünden, was mit uns anderen nicht stimmte. Oft saß sie am Küchentisch zwischen Bergen alter Zeitungen und Bücher und war vertieft in irgendwelche philosophischen Texte. Wehe, jemand nannte sie faul oder unproduktiv! «Ich bilde mich», sagte sie dann über den Rand ihrer schweren Brille hinweg, gefolgt von der Behauptung: «Nichts ist gefährlicher als eine Frau mit einem klugen Verstand und einem großen Schatz an Bildung.» Ich aber wollte nicht gefährlich sein. Ich wollte gemocht werden, so wie Tante Paula. All das führte dazu, dass ich von meiner Mutter weder Komplimente für meine Schönheit bekam, weil sie mich nicht verderben wollte, noch Komplimente für meine Klugheit, denn die musste ja erst noch geformt werden.
Wenn meine Mutter irgendwo auftauchte, hatten alle vor ihr Angst. Aber das lag nicht an ihrem brillanten Mastermind, sondern an ihrem kratzbürstigen Wesen, das wie ein brachialer Türsteher verhinderte, dass sich überhaupt jemand näherte. Klar konnte sie auch anders, wenn sie wollte. Aber sie wollte nur ganz selten. Manchmal fand sie eine Lehrerin aus der Grundschule oder jemanden aus dem Elternbeirat nett, aber es war verdammt schwer, ihren Ansprüchen zu genügen. Meistens rümpfte sie die Nase, egal um wen es ging. Besonders zuwider waren ihr die Freunde meines Vaters, dem sie ein einfach gestricktes Gemüt attestierte. Diese Freunde waren gottlose Proleten, die stumpfsinnigen Aktivitäten nachgingen.
Aber den Anwärter aufs Priesteramt der St. Anna Kirche, den fand sie toll, der war so Viertel vor verboten und gefühlte 100 Jahre jünger als sie. Jedes Mal, wenn er etwas sagte, lachte sie hysterisch; alles war auf einmal witzig, geistreich oder klug. Wie durch ein Wunder war sie zurechtgemacht, wenn sie zum Pfarramt ging, und sie zog sogar an einem schnöden Wochentag ihre Bluse mit Blumenprint an. Die Birkenshampooflasche war plötzlich leer und die Haare frisch gewaschen. Sie lebte in ihrer ganz eigenen Version der «Dornenvögel» und ärgerte sich, glaube ich, ziemlich, dass ihr diesmal nicht ihre Art, sondern eher ihr Aussehen im Wege stand. Drei Reistage pro Woche sollten das Problem beseitigen, die Pfunde schmelzen lassen, die sich frecherweise an ihr festkrallten und so gar nicht weichen wollten. Aber auch nachdem sie 400 Gramm abgenommen hatte, war sie leider noch immer nicht die verbotene Frucht, für die der heiße Fast-Priester sein Amt an den Nagel hängte, um mit ihr in den Sonnenuntergang zu fahren. Sie war die dicke kleine Frau in der Midlifecrisis, die über alles lachte, was er sagte. Irgendwann wurde er zum Priester und meine Mutter wieder zum Eisberg.
Mit dem Eisberg kam auch die Kälte zurück – und die Fressattacken. Sie aß nie mit uns, immer nur heimlich hinter der Küchentür, wenn sie sich unbeobachtet fühlte. Ganze Brote aß sie stumm in sich hinein. «Elvis’ guilty pleasure waren Toastbrote mit Erdnussbutter und Marmelade», sagte sie, als ich sie einmal aus Versehen erwischte. Ich hatte es nicht geplant, sie in einem Moment der Schwäche zu ertappen. Es war streng verboten, sie so zu sehen. Ein Eisberg gibt nicht nach. Er schickt unsinkbare Schiffe auf den Meeresgrund. Ein Eisberg ist unbesiegbar. Doch in den Momenten hinter der Küchentür war sie ganz klein, voller Schuld, Traurigkeit und Butterbroten. Also suchte sie den Schulterschluss mit dem King of Rock ’n’ Roll, um das Ganze zumindest so darzustellen, als wäre eine kleine Sucht nichts Außergewöhnliches, wenn man so ein Genie war wie Elvis oder sie. Celebrities unter sich, ich hatte ja keine Ahnung.
Als junge Frau war sie Schauspielerin beim Theater gewesen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Ich selbst habe sie nie auf der Bühne gesehen, sie hat mir nur immer wieder erzählt, wie großartig sie war. In der Theorie hat sie geliefert, in der Praxis eher nicht. Wenn sie sich eine Telefonnummer nicht merken konnte, lag es nur daran, dass sie zu Telefonnummern eben keine Emotionen hatte. Und um zu beweisen, wie fit sie im Kopf war, zitierte sie im Gegenzug direkt 18 Zeilen aus dem Faust. Nichts blieb ohne Inszenierung; keine Situation, in der nicht der Scheinwerfer auf sie gerichtet war. In ihrem Zimmer stand eine Kiste, randvoll gefüllt mit Zeitungsausschnitten von früher, auf denen sie zu sehen war, und manchmal verlor ich mich darin. Die Frau von den Fotos wollte ich als Mutter. Elegant, schick, grazil, mit vollen dunklen Haaren. Sie trug einen perfekten Haarschnitt, ein perfektes Make-up und einen geheimnisvollen Gesichtsausdruck. Sie war so unendlich schön. Wohin war diese Frau verschwunden? Wie konnte es sein, dass sich ein Mensch auf allen Ebenen dermaßen veränderte? Wenn ein Glas Wasser auf dem Tisch stand, dann wurde es mit der Zeit schal, aber es wurde ja nicht zu Essig. Warum hatte meine Mutter sich selbst aufgegeben? Manchmal setzte sie sich in solchen Momenten neben mich und erzählte von den alten Zeiten. Es waren immer dieselben drei Geschichten, mit den immer selben acht Theaterzitaten. Aber sie war friedlich, solange sie vom Theater erzählte, also versuchte ich, den Augenblick durch unzählige Fragen in die Länge zu ziehen: «Wie hast du es geschafft, so schön zu sein?»
«Zu jener Zeit habe ich nur von einer Tütensuppe und einer Cola am Tag gelebt. Wir müssen lernen, Hunger auszuhalten, wir müssen ihn beherrschen können.»
Doch das alleine war es nicht. Es ging nicht ums Essen. Es ging nicht um Hunger, den sie nun nicht mehr bezähmen konnte. Es war die Einsamkeit, die sie erstarren ließ. Es war das Unglück in ihrem Gesicht. Sie hatte sich selbst verlassen. Schon damals verstand ich, dass Elend der beschissenste Make-up-Artist ist. Und davon war meine Mutter durchdrungen und umgeben. Keine Diät der Welt, keine Schminke hätte es aus ihrem Gesicht weggezaubert.
Natürlich gab es für das Elend einen Grund, eine Rechtfertigung. Das Unglück hatte mit mir angefangen. Vor meiner Geburt war alles super gewesen, danach brach ihre Welt zusammen. Meine Mutter gab sich auf … und ging auf wie ein Hefeteig. «Dein Vater wollte nie Kinder haben. Ich musste ihm versprechen, dass ich das ohne ihn hinbekomme», sagte sie, als wäre das etwas ganz Besonderes, für das es einen Orden geben sollte. Das machte meinen Vater zur Samenbank auf zwei Beinen.
Mein Vater war lustig und intelligent, er hatte die schönste und sanfteste Stimme, und ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der meinen Vater nicht mochte. Er hatte im Sommer immer dieselbe Fischerweste an und im Winter immer dieselbe Lederjacke. An manchen Abenden träumte ich davon, dass er in mein Zimmer kommen und sagen würde: «Komm, wir hauen ab. Ans Ende der Welt.» Er kam nie in mein Zimmer.
Er war Oberstudienrat, und die Schule, an der er unterrichtete, war keine normale Schule, sondern eine Schule für Menschen, die ihr Abitur nachholten. Es war ein Kolleg, was dem Ganzen ein bisschen den Vibe von etwas ganz Besonderem gab. Auf einer Schule waren ja alle, aber auf ein Kolleg kamen wirklich nur die Auserwählten, oder? Die meisten hatten bereits ein wildes Leben hinter sich. «Der hat schon gesessen», bemerkte mein Vater einmal beim Einkaufen und zeigte auf einen sehr großen, starken Mann. «Die geht anschaffen», sagte er zu mir, nachdem eine seiner Nachhilfeschülerinnen unser Haus verlassen hatte. Als ich wissen wollte, was das bedeutete, erklärte er es mir geduldig, in allen Einzelheiten. Yasmin war also Sexarbeiterin. Sie hatte keine Schneidezähne, kurze Haare in einem frechen Dunkelrot und eine rauchige Stimme. Ich verstand das Leben nicht: «Wenn jemand mit Sex sein Geld verdient, muss er dann nicht besonders schön sein?» Yasmin sah aus, als wäre sie die Protagonistin eines wilden Kinofilms, in dem am Ende alle an einer Überdosis Drogen starben. Sie sah gruselig aus. Wenn sie sich zu mir herab beugte und mich angrinste, sah ich ihren Rachen, so breit war die Zahnlücke. Ich hatte Angst vor ihr, obwohl sie immer lieb zu mir war.
Eine andere Schülerin war blond und schön, und ihr schaute mein Vater immer nach. «Wir können die Welt immer nur durch unsere eigenen Augen sehen», sagte er, als wäre er 100 Jahre alt, verdammt weise und ich mindestens 82 und ihm in Sachen Weisheit dicht auf der Spur. Aber ich war erst sechs. Es war zu früh. «Am besten ist es, wenn du den Blinden und den Sehenden von dir überzeugst», haute der Hobby-Yoda direkt hinterher. Ich wiederholte die Worte und dachte angestrengt darüber nach. Was meinte er damit? Damals wusste ich nicht, dass mich dieser Satz für viele Jahrzehnte in einen Perfektionismus treiben würde, der mich fast das Leben kostete. «Na ja, wenn du jemanden mit deinem Wesen verzauberst, weil du so eine tolle Persönlichkeit hast, und dann auch noch so schön bist wie diese Schülerin eben», sagte mein Vater. «Dann hast du es geschafft.» Doch den Weg dahin erklärte er mir nicht. Ich konnte nur den Druck verspüren, dieses Ziel erreichen zu müssen. Ich wollte geliebt werden, aber das Einzige, was den Blick meines Vaters erhaschte, war die Schülerin mit ihrem kurzen Rock. Mit ihrem Parfum. Ihrem Lidschatten. Ihren goldenen Haaren. Mich schaute er nie an. «Durch euch Kinder habe ich gelernt, wegzuschauen und wegzuhören», hatte er mal nach einer Schulaufführung gesagt und laut gelacht.
Wenn ich nach der Schule nach Hause kam, erwartete mich meine Geige. Ein Instrument, in das ich mich verliebt hatte, lange bevor ich sprechen konnte. Im Haus meiner Eltern gab es zwar einen Fernseher, aber während bei den Familien rechts und links in der Nachbarschaft «Die Muppet Show» und «Sesamstraße» liefen, gab es bei uns nur ein paar VHS-Kassetten. Mitschnitte von wichtigen Klassikkonzerten mit Itzhak Perlman, Anne-Sophie Mutter, Gidon Kremer oder Aufnahmen vom ganz großen Karajan. Es gab eine Kassette mit «Faust. Der Tragödie erster Teil», eine von der Balletttänzerin Gigi Hyatt und eine mit Mozarts «Zauberflöte», vor der meine Eltern mich gerne mal parkten. Was dazu führte, dass ich die ganze Oper auswendig kannte, bevor ich in den Kindergarten kam. Ich sang alles nach und hielt dabei so treffsicher jeden Ton, dass meine Eltern bald überzeugt waren: Das Kind muss gefördert werden.
Eigentlich wollte ich singen, aber für eine Gesangsausbildung war ich zu jung. Also wurde die Stimme nicht zu meinem Instrument, sondern eine kleine geschwungene Holzskulptur. Die Geige faszinierte mich, sie zog mich magisch an. Vielleicht, weil meine Mutter immer wieder betonte, dass es das schwerste Instrument sei. Was vermutlich nicht einmal stimmte. Ich war fünf und hatte keine Ahnung, aber jedes Mal, wenn ein Violinist seinen Job gut machte, dann hatte meine Mutter Tränen des Glücks in den Augen. Das wollte ich auch schaffen. So bekam ich eine Geige und einen Lehrer. Der roch nach Leder und Kolophonium. Weil ich noch so klein war, verstand ich leider nicht, dass es wichtig ist, Noten lesen zu können. Ich spielte einfach alles nach Gehör, und es funktionierte. Ich hörte es in meinem Kopf, und der sagte meinen Händen, was sie spielen sollten. Für mich eine klare Sache, für meinen armen Geigenlehrer ein Grund, meinen Eltern zu sagen, dass ich zu wild war und er ihnen empfehlen würde, mich ans Frankfurter Konservatorium zu schicken, wo man mir schon Zucht und Ordnung beibringen würde. Einige Monate später stand ich zum Vorspielen im Dr. Hoch’s Konservatorium.
«Susanne Elisa Sulamith, stimmt das?»
Ich nickte, den Geigenhals in der einen schwitzigen Hand, den Bogen in der anderen schwitzigen Hand. Ich trug ein neues Kleid von Tante Paula und einen breiten Lackgürtel, der zwickte, weil er zu eng saß. Ich hatte die Haare frisiert und meine Nägel lackiert. Das war ein wichtiger Auftritt, ich wollte gut aussehen, schließlich hatte ich nur diese eine Chance, um zu überzeugen.
«Was spielst du uns denn heute vor?»
«Den Winter von Vivaldi», schoss es aus mir heraus und ich setzte an.
«Moment mal, wo sind denn deine Noten?», fragte ein älterer Herr.
«Die brauche ich nicht, ich habe alles im Kopf.» Und ich spielte einfach das nach, was ich bei all den anderen Geigern immer gesehen und gehört hatte. Ohne Sinn und Verstand, aber mit extra viel Gottvertrauen und Leidenschaft.
Als ich die letzte Note gespielt hatte, schaute mich das Komitee an. «Sag deinen Eltern, wir schreiben ihnen einen Brief.»
Sechs lange Wochen ließ der auf sich warten. Dann lag er dort, auf dem Tisch meiner Mutter, im Chaos zwischen der Süddeutschen Zeitung und dem Kochbuch Schlemmen ohne Reue. Natürlich gab es einen Moment der Freude, als ich erfuhr, dass ich aufgenommen worden war. Aber schon im nächsten Augenblick stellte meine Mutter sicher, dass ich den Druck spürte, der von dieser Chance ausging: «Weißt du, wie viele Schüler jedes Jahr versuchen, ins Konservatorium zu kommen und abgelehnt werden?» Ich hatte keinen blassen Schimmer, aber ich wollte endlich aufhören, eine Enttäuschung zu sein.
Während andere Kinder bei schönem Wetter ins Freibad gingen, stand ich in unserem Wohnzimmer und übte ununterbrochen. Ich verstand nicht, was ich da übte, ich reagierte nur auf die Emotionen meiner Mutter. War sie zufrieden, entspannte ich mich, war sie unzufrieden, musste ich mich wohl mehr anstrengen. Sie hatte sich einen Taktzähler gekauft, ein Metronom, und schnalzte im Takt mit der Zunge, während ich spielte. Sie kritisierte mich, als würde es in unserem kleinen Wohnzimmer in Rödelheim um Leben und Tod gehen.
«Schau mich an!»
Ich schaute sie an, wie sie auf dem Schaukelstuhl saß, ihr Doppelkinn verschmolz mit ihrer Brust, ihre Augen waren klein hinter ihren dicken Brillengläsern, und ihre Mundwinkel hingen tiefer als Wolken an der Küste.
«Ich bin traurig. Willst du, dass ich traurig bin? Willst du das? Spiel mir das Lied noch einmal vor, und vielleicht bin ich dann nicht mehr traurig.»
Ich setzte die Geige an und gab alles. Bei den ersten Takten schloss sie die Augen, und es schien, als würde sie sich von der Melodie tragen lassen, aber dann war ich zu langsam oder zu schnell, und durch ihr Gesicht lief ein Zucken, ihre Augen gingen auf.
«Ich bin nicht glücklich, oder?»
