Seven Oaks- - Christine Stutz - E-Book

Seven Oaks- E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Terese ist verzweifelt. Mit 17 Jahren verliert sie alles. Ihr Vater stirbt und ihre geliebte Ranch wird versteigert. Sie selbst soll in ein Jugendheim gebracht werden. Voller Wut flüchtet sie. Zuvor allerdings bringt sie ihr geliebtes Pferd Wonder Boy zum Nachbar- Timothy ODonald. Auch wenn sie den Mann nicht ausstehen kann, so hofft sie, dass er sich um ihr Pferd kümmern wird.` Terese arbeitet in einer Stadt. Dort wird sie schwer krank. Timothy findet sie und kann gerade noch das Schlimmste verhindern. Er nimmt Terese mit zu sich Nachhause. Dort soll sie gesund werden und mit ihrem Pferd bei dem berühmten Herbst Rennen antreten. Terese lässt sich auf das Angebot ein. Denn das Preisgeld würde ihr helfen, neu anzufangen. Doch Timothy hat andere Pläne mit Terese. Er will sie nicht wieder gehe lassen. Doch da gibt es noch Peggy Marschall. Die Frau hat anscheinend auch Ansprüche auf Timothy..

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Seitenzahl: 91

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Seven Oaks-

TitelseiteProlog1. Kapitel2. Kapitel3.Kapitel4.Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. KapitelEPILOGImpressum

Seven

Oaks

Prolog

Prolog

Eine einzelne Träne lief mir übers Gesicht. Ich ging ein allerletztes Mal über den Mond beschienen Innenhof von Live Tree und schloss das große Scheunentor. Meine letzte Tat hier, wahrscheinlich für immer, dachte ich traurig. Morgen würde der neue Verwalter, der heute bereits hier gewesen war, die Ranch meiner Eltern übernehmen. Solange, bis sie im nächsten Monat versteigert werden würde. Viel bringen würde sie nicht, dazu war die Ranch zu alt und unmodern. Hoffentlich reichte es, um Vaters Schulden zu bezahlen, dachte ich besorgt.

Da ich noch nicht ganz volljährig war, sollte ich Morgen in ein Jugendheim gebracht werden. Die Frau vom Jugendamt war heute auch schon hier gewesen. Sie hatte mir groß und breit erzählt, wie schön es dort sein würde. Wie viele andere Mädchen ich dort kennen lernen würde. Doch dort würden sie mich nie hinbekommen, dachte ich bitter. Seit dem Tod meiner Mutter, hatte ich gelernt, für mich selbst zu sorgen. Damals war ich 10 Jahre alt. Ich erinnere mich nicht gerne daran. Es war der Anfang vom Ende unserer Ranch gewesen. Seitdem hatte mein Vater getrunken und die Ranch vernachlässigt.

Wieder wischte ich ärgerlich eine Träne aus meinem Gesicht. Ich ging zum Offenstall. Dort, am Gatter stand mein geliebtes Pferd Wonder Boy. Er streckte seinen Kopf zu mir und bettelte um ein Stück Zucker. Ich griff in meine Hosentasche. Auch er, mein geliebtes Pferd, gehörte mir nun nicht mehr. Auch er gehörte zum Inventar und würde versteigert werden.

„Na, mein Kleiner“ sagte ich zu dem riesigen Pferd. „Das wird wohl unser Abschied.“ Als habe das Tier mich verstanden, stupste es mich an. Seine großen Samt- Augen sahen mich fragend an. Liebevoll knabberte er an meiner Schulter. Ich warf meine Arme um seinen Hals und weinte hemmungslos. Wonder Boy war mein letztes Stück Familie. Außer ihm hatte ich niemanden mehr.

Plötzlich ging ein Ruck durch meinen Körper. Sollte die Bank sich doch meine geliebte Ranch unter den Nagel reißen. Wonder Boy würden sie nicht bekommen, dachte ich mutig.

Ich holte den Sattel aus dem Stall, warf ihm dem Pferd über und griff meinen gepackten Rucksack. Dann öffnete ich das Gatter. Ein aller letzter Blick –

Dann ließ ich Live Tree hinter mir. Meine Kindheit, meine Jugend, mein ganzes Leben.

Ich lenkte Wonder Boy zur Nachbar-Ranch. Dort, einige Meilen weiter, an Live Tree grenzend, lag Seven Oaks, die Ranch meiner besten Freundin Lisa O`Donald. Ihr Bruder Timothy war dort der Boss. Auch die Beiden hatten früh ihre Eltern verloren. Eine Tante sorgte für Beide. Tante Susan war eine Seele von Frau. Wann immer ich Sorgen oder Kummer hatte, konnte ich mich bei ihr ausweinen. Oft genug hatte ich in der großen Küche gesessen und mich laut über Lisas Bruder, Timothy beschwert. Timothy, der mich ebenso wenig mochte, wie ich ihn. Fast musste ich jetzt grinsen. Das war eigentlich schon immer so gewesen, überlegte ich. Wir beiden hatten uns gestritten, wann immer wir uns trafen.

Ja, dorthin würde ich Wonder Boy bringen. Für mein geliebtes Pferd war ich bereit, meinen Stolz, das Einzige was mir geblieben war, zu vergessen.

Wenn Timothy auch nur ein Funken Herz hatte, würde er sich um Wonder Boy kümmern. Auch wenn er es nie zugeben würde, er mochte Wonder Boy. Immerhin war er, außer mir, der einzige, der das Pferd ungestraft reiten durfte.

Wonder Boy war ein reinrassiges Rennpferd. Als Fohlen habe ich ihn von meinem Vater geschenkt bekommen. Ich hatte ihn auf einer Pferdeauktion entdeckt und bettelte gnadenlos darum. Timothy O`Donald hatte Vater damals vom Kauf abgeraten, ein Grund mehr für mich, dieses Pferd zu wollen. Ein heftiger Streit zwischen Timothy O`Donald und mir war damals entbrannt- Ich war die Siegerin. Vater hatte mir das Pferd gekauft. Timothy war es dann, der mir half, es zuzureiten.

Für eine Ranch völlig ungeeignet, war Wonder Boy aber Seele von Tier. Jedenfalls bei mir, jeden anderen biss Wonder Boy in die Flucht. Ich musste schlucken, denn die letzte Aussage stimmte nur zur Hälfte. Timothy O`Donald durfte ihn noch ungestraft anfassen. Warum, das war allerdings auch mir ein Rätsel.

Ich brachte Wonder Boy also zu ihm. Dort so hoffte ich, würde er Aufnahme finden. Im Stillen betete ich, Timothy würde ihn, der alten Zeiten wegen, ersteigern. Vielleicht behielt er ihn in Erinnerung an mich, dachte ich plötzlich.

Bald hatte ich das Offen Gatter der Seven Oaks Ranch erreicht. Ich nahm meinem geliebten Pferd das Zaumzeug ab und schickte ihn mit einem kleinen Klaps auf die Weide. Den Sattel ließ ich auf seinem Rücken. Dort, in den Satteltaschen hatte ich den letzten Schmuck meiner Mutter gepackt. Den Schmuck, den mein Vater noch nicht für Schnaps versetzt hatte. Ich wusste, Timothy würde ihn für mich aufbewahren. Irgendwann würde ich ihn mir wiederholen. So wie ich wieder auf die Beine gekommen war. Doch bis dahin war der Schmuck sicher bei den O` Donalds.

Ein letzter Seufzer. Dann nahm ich meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zur großen Straße. Unwillkürlich gingen meine Gedanken zu Lisa und ihrem großen Bruder zurück. Ich war mit Lisa aufgewachsen. Wir beide waren gleich alt. Wir waren wie Siamesische Zwillinge. Stets hingen wir zusammen und hatten jede Menge Blödsinn angestellt. Mehr als einmal wurde mir von Timothy der Hintern dafür versohlt. Ich musste, trotz meiner misslichen Lage, grinsen. Mit Lisas großem Bruder habe ich, solange ich denken konnte, immer in Clinch gelegen. Irgendetwas in mir ließ mich diesen riesigen Mann immer wieder provozieren. Stets musste ich das letzte Wort behalten, oder ihn mit einer spontanen Aktion auf die Palme bringen.

Nun, das hatte ja jetzt ein Ende. Timothys Leben würde auf jeden Fall ruhiger werden, überlegte ich schmunzelnd. Von mir würde er nicht mehr gestört werden. Ich verließ die Gegend. Was sollte ich hier auch noch. Nichts hielt mich hier mehr. Mit meiner erst 17 Jahren floh ich vor dem Jugendheim und machte ich mich auf den Weg in ein neues Leben.

1. Kapitel

1. Kapitel

Mir war unendlich übel. Meine Augen taten so furchtbar weh, meine Beine waren wie Blei. Ich war unendlich erschöpft.

Seit fast drei Monaten arbeitete ich nun schon in der kleinen Stadt, weit fort von Seven Oaks. Ich machte Doppelschichten, kam kaum zum Schlafen und hatte mir, zu allen Überfluss, auch noch eine schwere Grippe eingefangen. Wie gern würde ich mir jetzt, in meinen billigen, schäbigen Zimmer, die viel zu dünne Bettdecke über den Kopf ziehen und einfach nur schlafen. Doch das war ganz unmöglich. Mein Blick ging zur Uhr. Noch drei Stunden, dann hatte ich etwa zwei Stunden frei. Dann begann der Spätdienst bis Mitternacht. Und das alles sieben Tage die Woche. Was immer ich übrig hatte an Geld, sandte ich an Timothy, mit der Bitte, es für Wonder Boys Futter zu verrechnen. Er hatte mein Pferd tatsächlich ersteigert, das hatte ich herausgefunden. Dafür würde ich dem Mann ewig dankbar sein. Irgendwann würde ich Wonder Boy zurückkaufen, das hatte ich mir geschworen. Mein Magen knurrte. Seit gestern Morgen hatte ich bereits nichts mehr gegessen.

Auch wenn ich hier im Restaurant arbeitete. Umsonst gab’s hier nichts. Mein Boss war ein echtes Ekel. Jetzt unterdrückte ich ein heftiges Zittern. Ich fror fürchterlich. Ich fühlte mich so furchtbar elend, doch würde ich jetzt Nachhause, (Welch ironisches Wort für die miese Absteige) gehen, wäre ich meinen Job sofort los. Und nächste Woche mein Zimmer. Da wurde hier in der Stadt nicht lange gefackelt. Dann saß ich auf der Straße.

Ich wischte gerade einen Tisch ab, als die Tür aufging und ein ziemlich großer Mann an der Seite einer hübschen Frau das Restaurant betrat. Die Beiden erkannte ich natürlich sofort. Mein Schüttelfrost verstärkte sich.

„Was willst du denn in so einem Lokal“ hörte ich die arrogante Stimme von Peggy Marschall sagen. Sie war die Tochter des Bankiers, des Mannes, der mir mein geliebtes Live Tree genommen hatte. Peggy und ihr Vater. Die Geißeln unserer Gegend, dachte ich wütend. Sie hing, wie immer, am Arm von Timothy. Wo auch sonst. Schließlich galten die beiden seit langem als Traumpaar.

Meine geschwollenen Augen gaukelten mir kein Trugbild vor. Dort in der Eingangstür stand Lisas Bruder Timothy O`Donald!

„Zack, sagte, er habe hier ein rothaariges Mädchen arbeiten sehen. Lange Haare, Rot und schmal. Könnte sein, dass es Terese ist“ antwortete Timothy jetzt nachdenklich. Ich versuchte mich so klein wie möglich zu machen. Das fiel mir bei meinen 1,65 Metern nicht allzu schwer. „Vergiss das Gör doch endlich, Darling. Sie ist ausgerissen. Wer weiß, wo die sich herumtreibt. Wahrscheinlich ist sie bereits im Knast gelandet. Würde mich nicht wundern, wenn ich an ihre Eltern denke.“ Antwortete Peggy jetzt genervt. Wut kam in mir hoch. Was fiel der widerlichen Frau ein, so über meine Eltern zu sprechen.

„Kundschaft“ zischte mir mein fetter Chef ins Ohr. „Beweg dich, Mädchen oder du fliegst.“ Energisch schob er mich in den Gastraum. Flucht war jetzt sinnlos. Also reckte ich mein Kinn vor, nahm meinen Block und bewegte meine bleischweren Beine Richtung Tisch zwei.

Timothy saß mit dem Rücken zu mir. Peggy sah mich natürlich sofort, und ihr abwertender arroganter Blick traf mich voll. Ihre grauen Augen registrierten meine jämmerliche Erscheinung. Die schmutzige Schürze, das verschlissene T-Shirt, die kaputte Jeans. Ich seufzte still auf. Wie ich diese Frau verachtete. Doch da musste ich jetzt durch, es half nichts.

Peggy berührte Timothys Arm und wies auf mich. „Da hast du dein Chaos-Kind., Liebling Sie ist doch nicht im Knast gelandet.“ Sie war die Einzige, die über ihren vermeidlichen Scherz lachte. Ich schwieg mit zusammen gekniffenden Lippen. Langsam drehte sich Timothy O’Donald auf seinem Stuhl um und starrte mich erschüttert an. Er zog finster seine Augenbrauen zusammen. So, als konnte er nicht glauben, was er vor sich sah.

„Verdammt! Wie siehst du denn aus!“ schnauzte er mich zur Begrüßung an. Seine braunen Augen taxierten mich genau, keine Kleinigkeit schienen ihnen zu entgehen. Stolz drückte ich mein Kreuz durch. Der Mann sollte mein Zittern nicht spüren. „Ich denke, ich sehe aus wie immer, 1,65 Meter groß, rote Haare und grüne Augen. Etwas zu große Ohren, die, Gott sei Dank, von meinen Haaren verdeckt werden.“ Antwortete ich frech wie immer, obwohl ich wusste, Timothy meinte meine geschwollenen Augen, mein gerötetes Gesicht und die mindestens 10 Kilo Gewichtsverlust. Meine Stimme klang in meinen eigenen Ohren wie das Krächzen eines Raben. Der Hals brannte wie Feuer.

Timothy zog verärgert seine Augen zusammen. „Du siehst schwerkrank aus“ sagte er wieder. Seine wunderbar kühle Hand legte sich auf meine Stirn. Ich wusste selber, dass ich hohes Fieber hatte. Als ich wütend zurückweichen wollte, ergriff er mich am Arm.

„Quatsch, so sehe ich mich immer aus, wenn du in meiner Nähe bist. Du machst mich krank. Das war schon immer so.“ antwortete ich krächzend. Seine Hand auf meiner Stirn machte mich nervös. Eine wohlige Wärme durchströmte meinen Körper. Ich begann heftig zu zittern.

Mir verschwamm alles vor den Augen, doch um keinen Preis der Welt wollte ich vor diesem Mann Schwäche zeigen. „Sagt was ihr Essen wollt, oder verschwindet.“ Mir standen die Tränen in den Augen. Timothy hier vor mir zu sehen, erinnerte mich daran, was ich verloren hatte. Mein geliebtes Live Tree, Lisa und Wonder Boy .Jetzt nahm er endlich seine Hand von meiner Stirn und stand auf. Er überragte mich um Haupteslänge. Ich reckte meinen Hals, um ihn weiterhin ins Gesicht zu sehen. Ein Fehler, umgehend wurde mir furchtbar schwindlig.