Shiftless - TA Moore - E-Book

Shiftless E-Book

TA Moore

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Beschreibung

Die Night Shift ist die dünne, sichere Linie der Stadt - und in manchen Nächten ist sie dünner als in anderen. Es ist nicht die Tatsache, dass er letzte Nacht fast gestorben wäre, die den Night Shift Officer Kit Marlow aus der Fassung bringt. Daran ist er gewöhnt. Es ist die Tatsache, dass nicht ein Werwolf versucht hat, ihm die Kehle herauszureißen, sondern sein Freund und Kollege, der versucht hat, ihn unter die Erde zu bringen. Nun, Freund … Jetzt wird Marlow ein Mord angehängt, den er nicht begangen hat, und zwar von einem Mann, der schon mehr als genug davon auf dem Kerbholz hat. Die Hälfte der Polizisten in San Diego will Marlow für seine angeblichen Taten hinter Gittern, und die andere Hälfte will ihn tot sehen, bevor er seine Version der Geschichte erzählen kann. Das Problem ist, dass er sie nicht auseinanderhalten kann. Es gibt nur eine Person in der Stadt, der Marlow vertrauen kann, auch wenn er weiß, dass er Cade Deacon nicht in seine Probleme hineinziehen sollte. Der scharfzüngige CEO einer privaten Sicherheitsfirma ist Marlow in den letzten Wochen zwar näher gekommen, aber es mit der SDPD aufzunehmen, ist zu viel verlangt. Marlow hat jedoch keine andere Wahl. Wenn er seinen Namen nicht reinwaschen kann, bevor der letzte Vollmond des Monats untergeht, wird er vielleicht keinen weiteren mehr erleben. Das wäre schade, denn Marlow würde gerne die Nacht mit Cade verbringen, ohne eine Schutzausrüstung zu benötigen. "Shiftless" ist der dritte Band der Night Shift Reihe. Band 1: Shift Work Band 2: Split Shift

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 229

Veröffentlichungsjahr: 2024

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TA Moore

Shiftless

Night Shift Band 3

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2024

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: Shiftless (Night Shift 3)

Übersetzung: Erin Sommer

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© Vector Tradition – shutterstock.com

© serge-b –stock.adobe.com

© Lukasz Desigh – stock.adobe.com

© angelocordeschi – stock.adobe.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-682-1

ISBN 978-3-96089-683-8 (ebook)

Inhalt:

Die Night Shift ist die dünne, sichere Linie der Stadt - und in manchen Nächten ist sie dünner als in anderen.

Es ist nicht die Tatsache, dass er letzte Nacht fast gestorben wäre, die den Night Shift Officer Kit Marlow aus der Fassung bringt. Daran ist er gewöhnt. Es ist die Tatsache, dass nicht ein Werwolf versucht hat, ihm die Kehle herauszureißen, sondern sein Freund und Kollege, der versucht hat, ihn unter die Erde zu bringen.

Nun, Freund …

Jetzt wird Marlow ein Mord angehängt, den er nicht begangen hat, und zwar von einem Mann, der schon mehr als genug davon auf dem Kerbholz hat. Die Hälfte der Polizisten in San Diego will Marlow für seine angeblichen Taten hinter Gittern, und die andere Hälfte will ihn tot sehen, bevor er seine Version der Geschichte erzählen kann. Das Problem ist, dass er sie nicht auseinanderhalten kann.

Es gibt nur eine Person in der Stadt, der Marlow vertrauen kann, auch wenn er weiß, dass er Cade Deacon nicht in seine Probleme hineinziehen sollte. Der scharfzüngige CEO einer privaten Sicherheitsfirma ist Marlow in den letzten Wochen zwar näher gekommen, aber es mit der SDPD aufzunehmen, ist zu viel verlangt.

Marlow hat jedoch keine andere Wahl. Wenn er seinen Namen nicht reinwaschen kann, bevor der letzte Vollmond des Monats untergeht, wird er vielleicht keinen weiteren mehr erleben.

Das wäre schade, denn Marlow würde gerne die Nacht mit Cade verbringen, ohne eine Schutzausrüstung zu benötigen.

Kapitel 1

Glassplitter lösten sich aus Cades Haaren und fielen zwischen seinen Füßen auf den Fliesenboden. Sie glitzerten in dem Schaum, der rund um den Abfluss herumwirbelte. Cade spannte seine Zehen an und spürte die Splitter unter seinen Füßen. Die meiste Zeit war Cade froh, dass er sich nicht daran erinnern konnte, was der Wolf getan hatte. Niemand musste genau wissen, wie es war, eine Möwe zu fressen. Der Geschmack der Reste zwischen seinen Zähnen, als er aufgewacht war, war schlimm genug gewesen. Und wenn Cade letzten Vollmond Marlow gefressen hätte, wäre das Letzte, was er wollte, die blutigen Details zu kennen. Cade würde darauf wetten, dassdies einer der seltenen Fälle wäre, bei dem die Realität wahrlich schlimmer wäre als alles, was er sich ausmalen konnte. Und seine Fantasie hatte in diesem Fall Überstunden gemacht. Aber manchmal musste er sich fragen, was zur Hölle sein fellbesetztes Selbst getan hatte.

Cade drehte den Hahn weiter auf, bis Nadeln aus heißem Wasser auf seinen Kopf und seine Schultern prasselten. Das weiße Rauschen des Duschwassers übertönte fast den Klang einer Stimme. Cade vernahm sie gerade so im anderen Zimmer. Er stellte das Wasser ab und knetete die Nässe aus seinen Haaren.

»Warte kurz«, rief er, als er aus der Dusche trat. »Ich muss mich anziehen.«

»Es kann warten«, sagte Lem. Es gab eine Pause, dann fügte er hinzu: »Aber du wirst nicht glücklich sein, wenn es wartet.«

Saubere Kleidung lag ordentlich zusammengefaltet auf dem Tisch neben dem Waschbecken. Cade würde ein paar Minuten brauchen, um sich abzutrocknen und anzuziehen. Es gab eigentlich nicht viel, was nicht warten konnte, und Lem wusste das und hatte trotzdem gestört.

Cade schnappte sich ein Handtuch und wickelte es sich um die Hüften, als er ins Büro ging. Die Morgensonne überzog den grauen und schwarzen Raum mit honiggoldenen Lichtstreifen. Lem saß auf der Armlehne der Couch mit einem Tablet auf den Knien.

»Was?«, fragte Cade.

»Weißt du«, sagte Lem, »wenn du dir an Vollmond nicht freinehmen willst, könntest du dir eine Wohnung in der Stadt suchen. Sogar ein Haus. Ein hübsches.«

Die gab es. Aber das Bauernhaus war sein Traum. Jeder hatte eines in seiner Branche: das Mädchen zu Hause, der Junge, den man jeden Abend anschrieb, Eltern, denen man im Alter helfen oder in allen Angelegenheiten widerlegen wollte. Es war egal, was es war; man musste nur etwas haben, damit sich die beschissenen Teile, also die ungeliebten Jobs und die Drecksarbeit, lohnten. Für Cade war es ein Bauernhaus auf dem Land mit Platz für die Familie und einem Grill auf der hinteren Veranda gewesen, den er jedes Wochenende anzünden konnte. Jetzt hatte er das Bauernhaus und den Grill, aber er war nie dazu gekommen, ihn anzuwerfen. Und er hatte auch keine Familie, außer Lem, der die Vororte als einen Ausflug in die Wildnis betrachtete.

»Das fühlt sich an, als würde ich nachgeben«, meinte Cade. »Sobald ich einen neuen COO gefunden habe, jemanden, der ein bisschen einspringt, werde ich in der Lage sein, mehr auszugehen.«

Dem skeptischen Gesichtsausdruck von Lem nach zu urteilen, glaubte er das nicht, aber er argumentierte auch nicht dagegen. Stattdessen tippte er auf den Bildschirm des Tablets, drehte ihn um und hielt ihn Cade hin.

»… natürlich war es ein Blauer Mond«, sagte ein durch und durch gut aussehender Mann mit einem sorgfältigen Styling in die Videokamera. Oder in sein Handy. Eins von beidem. »Vielleicht hatte das etwas mit den unglücklichen Ereignissen zu tun, die San Diegos Night Shift gestern Abend erschüttert hat.«

Trotz der Hitze auf seiner leicht verbrühten Haut, die vom Duschwasser immer noch gerötet war, spürte Cade, wie ihm kalter Schweiß ausbrach. Seine Kehle zog sich zusammen, als er sich auf die unverblümte Verkündung von Marlows Tod einstellte. Niemand hatte sich je die Mühe gemacht, es zu beschönigen, wenn jemand von der Night Shift starb. Es wäre also niemand überrascht.

Das Bild wurde auf eine körnige, vergrößerte Aufnahme eines großen blonden Mannes umgestellt, der auf der Ladefläche eines Krankenwagens saß. Er trug kein Hemd und hatte starke violette und blaue Blutergüsse auf seiner blassen Brust und seinem Bauch. Die Sanitäter versuchten immer wieder, ihm eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase zu stülpen, aber er schob sie weg, als er mit der Frau neben sich sprach.

Dann schwenkte das Kamerabild zur Night Shift, die in Formation rund um den Krankenwagen stand, während Wölfe knurrten und die Grenzen um sie herum testeten.

»Officer Cordell Franklin, ein erfahrener Officer der Night Shift, der sowohl in San Francisco als auch in San Diego gedient hat, wurde Berichten zufolge heute Abend bei der Ausführung seiner Pflichten erschossen«, berichtete der Mann. Seine Stimme wankte vor grenzwertiger Aufregung. Während des Vollmonds geschah vieles, aber das meiste davon erregte nur begrenztes, lokales Interesse. Die Leute schalteten am Morgen danach ein, um herauszufinden, was mit ihrem Haus, ihrer Frau oder ihrem Nachbarn passiert war, aber das hier könnte etwas mehr Sendezeit bekommen. »Im Moment wissen wir nicht genau, was passiert ist, aber wir haben gehört, dass ein anderer Beamter der Night Shift vor Ort war und nun von seinen Kollegen gesucht wird. Einer Quelle zufolge handelt es sich bei dem fraglichen Mann um Kit Marlow, der in den Korruptionsskandal verwickelt war, bei dem Lieutenant Ned Piper seines Amtes enthoben und inhaftiert wurde. Angesichts der heutigen Ereignisse steckte vielleicht noch mehr hinter dieser Geschichte. Das war Dalton Reeves für …«

Der Videoclip endete abrupt. Erleichterung überkam Cade und er spürte, wie seine Knie dadurch schwächer wurden. Er würde sich später Sorgen darüber machen, was gestern Abend passiert war. Im Moment wusste er: Marlow lebte und die Night Shift war korrupt. Das war besser als das, was Cade erwartet hatte. Das Problem, das ein Komplott darstellte, konnte behoben werden; ein Tod nicht.

»Okay«, sagte er, als er das Tablet zurückgab. »Als du sagtest, es könne nicht warten, dachte ich, jemand sei tot.«

Lem zuckte mit den Schultern und tippte auf den Bildschirm. »Nun, man munkelt in den Nachbarschaftsforen, dass es jemand ist«, erwiderte er. »Der Ex-Freund eines Einwohners, Barney Irgendwas, wurde nach dem angeschossenen Officer in einem Leichensack herausgetragen. Es heißt, dass die Night Shift Barney getötet habe und es nur eine Frage der Zeit gewesen sei. Er war offenbar jeden Vollmond gekommen, um aufs Grundstück zu pinkeln, seit er mit dem Typen Schluss gemacht hatte, der dort wohnte.«

»Das kommt vor«, meinte Cade. »Die Night Shift bringt ihn nicht um, weil er gepisst hat, aber wenn er durchgedreht …«

Lem hielt einen Finger hoch, um ihn zum Schweigen zu bringen. »Damit gibt es ein Problem. Ich habe den Namen des Ex aus seinem Mietvertrag herausgesucht und eine kurze Recherche über ihn angestellt. Er hat im Hilton Bayfront drei Nächte gebucht, das Angebot für einen Vollmond-Kurzurlaub. Check-in bei Sonnenuntergang.«

Also war niemand auf dem Grundstück gewesen, als Barney dort angekommen war. Das machte es schwierig, den Mord zu rechtfertigen. Streng genommen, war es der Night Shift erlaubt, tödliche Gewalt einzusetzen, um sich oder andere zu schützen, aber Selbstverteidigung war schwer zu verkaufen. Das Leben der Night Shift war von dem Moment an in Gefahr, als sie auf die Straße ging, sodass sie im Grunde jeden töten und sich auf Selbstverteidigung berufen konnte. Sie wusste als Einzige, ob es so war oder nicht. Und sie kannte als Einzige die Wahrheit darüber, ob die Anschuldigung gegen Marlow stimmte.

»Gibt es Neuigkeiten von Marlow?«, fragte Cade.

Lem schüttelte den Kopf. »Die Polizei sucht nach ihm, aber sie sagt nur, dass er eine Person von Interesse ist. Keine Einzelheiten. Er ist also auf der Flucht, aber warum und wohin wissen wir nicht.«

Das Warum spielte keine Rolle. Cade war es egal, ob Marlow mal jemanden ermordet hatte. Um ehrlich zu sein, würde es ihn unterbewusst erleichtern, wenn er Marlows damaliges und heutiges Ich nicht mehr voneinander trennen müsste, was ihn viel Mühe gekostet hatte. Die Frage nach dem Wo könnte gelöst werden, aber es würde einige Zeit dauern.

»Sie können da nicht reingehen!«, sagte Cades Assistentin außerhalb des Büros. Ihre Stimme war schriller als sonst. »Es sei denn, Sie haben einen Haftbefehl oder …«

Der Satz endete mit einem Piep und dem Öffnen der Tür, durch die O’Hara hineinstürmte. Wenige Schritte hinter ihm war Bennett, ihr Gesicht war unglücklich verfinstert und ihre Lippen waren eingerissen.

»Captain«, sagte Cade mit kalter, unpersönlicher Stimme. »Das ist unerwartet. Haben wir einen Termin?«

»Halten Sie die Klappe«, entgegnete Bennett.

O’Hara hielt seine Hand hoch, um sie zum Schweigen zu bringen. Sie biss die Zähne zusammen, wobei die angespannten Muskeln in ihrem Kiefer sichtbar wurden, und schwieg.

»Haben Sie Marlow gesehen oder mit ihm gesprochen?«, fragte Cartwright.

Cade zog die Augenbrauen hoch und warf Lem einen Blick zu. »Welche Uhrzeit haben wir?«

»Es ist sechs Uhr morgens.«

»Falls ich es getan habe, habe ich ihn also gefressen«, sagte Cade. Er schmeckte eine Sekunde lang stechende Galle in seinem Rachen, als er schluckte. Offenbar war es noch nicht lustig. O’Hara musste das nicht wissen. »Ist das alles?«

»Nein.« O’Hara griff in seine Tasche und zog ein Foto von einem Toten heraus, um es Cade zu zeigen. Sein Haar war nass und sandbraun und umrahmte sein schlaffes, fahles Gesicht. »Kennen Sie Barney Lyons?«

Cade warf einen kurzen Blick auf das Foto und zuckte mit den Schultern. »Nein.«

»Wirklich?«, fragte O’Hara. »Weil er die Straße runter gearbeitet hat, in The Fat Fish. Das ist nicht einmal einen Block entfernt. Sie waren noch nie dort?«

Die Erinnerung an die unerwartete Begegnung mit Marlow auf der Straße war so lebendig, dass Cade die Wärme seines Kusses auf seinen Lippen spüren konnte. Er erinnerte sich an den zerknitterten Aufkleber auf der Verpackung, die er in den Müll geworfen hatte, damit die Reinigungskräfte sie sortieren und entsorgen konnten. Jeder, der Fernsehen schaute, wusste, dass es überraschend sein konnte, wie viele Dinge man anhand des Mülls über jemandem herausfinden konnte. Nicht viele wussten, wie einfach es war, weggeworfene Tüten vom Hinterhof bis zur Müllkippe zu verfolgen, wenn man motiviert genug war. Wenn die SDPD am Ball war, auch wenn es der falsche Ball war, würde sie nicht lange brauchen, um herauszufinden, dass er dort gewesen war. Mindestens ein- oder zweimal. Ein unverblümtes Dementi könnte später gegen ihn verwendet werden.

»Ich kann mir Gesichter schlecht merken«, sagte er. »Ich habe ihn vielleicht dort gesehen, aber wir haben nie zusammen Bier getrunken. Warum?«

»Er ist tot.«

»Ganz offensichtlich«, bestätigte Cade. »Wenn er unter normalen Umständen so aussähe, würden sie ihn nicht mit Lebensmitteln arbeiten lassen.«

O’Haras Mundwinkel zuckten vor unterdrücktem Ärger. Er steckte das Foto in seine Tasche. »Seit Sie in der Stadt sind, sind Sie ein gewaltiger Dorn im Auge der SDPD«, ließ er ihn wissen. »Ich verstehe also, dass Sie viel in diese reflexartige, antiautoritäre Persönlichkeit investiert haben, die Sie kultiviert haben. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt.«

Lem schnaubte und zuckte mit den Schultern, als sowohl O’Hara als auch Bennett ihn anstarrten. »Schmeicheln Sie sich nicht selbst«, sagte er. »Ihr seid nicht die ersten Cops, die er für dämlich hält. Die SDPD ist nicht einmal unter den Top Five.«

»Vielleicht sagt das mehr über ihn aus«, meinte Bennett.

»Na ja, tz.«

Cade ignorierte beide, als er O’Hara ansah. »Worum geht es hier, O’Hara? Und kann es warten, bis ich meine Hosen anhabe?«

Es gab eine lange Pause, als O’Hara seine Antwort abwog. Schließlich nickte er kurz und trat in Cades persönlichen Bereich. Also offenbar ein Nein auf die zweite Frage. »Letzte Nacht hat einer meiner besten Officers einen Mann umgebracht und versucht, einen anderen Beamten der Night Shift zu töten, als sie versuchte, ihn aufzuhalten«, schilderte O’Hara mit grimmiger Stimme. »Und wenn ich anfange, zu graben, taucht jedes Mal auf die ein oder andere Weise Ihr Name auf. Lyons arbeitete ein paar Häuser von Ihren Büros entfernt. Haley wurde auf einem Grundstück getötet, das Ihre Security bewacht hat. Und trotz der Tatsache, dass Sie ihn fast getötet hätten, taucht Officer Marlow immer wieder in Ihrer Firma auf. Ich glaube nicht an Zufälle.«

Cade verschränkte die Arme. Dabei stießen seine Ellbogen gegen O’Haras Brust. »Hundert Menschen arbeiten nur wenige Türen von meinen Büros entfernt«, entgegnete er. »Einige von ihnen sind wahrscheinlich im letzten Monat gestorben, aber das heißt nicht, dass ich etwas damit zu tun habe. Das Gleiche gilt für Haley. Wenn ich etwas damit zu tun hätte, hätte ich das Verbrechen nicht für euch aufgeklärt, oder?«

»Sie haben auf alles eine Antwort, oder?«, erwiderte O’Hara. »Leute, die etwas zu verbergen haben, tun das normalerweise. Was ist mit Marlow? Sie haben Ihre Verachtung für die Polizei sehr lautstark zum Ausdruck gebracht. Was macht ihn zur Ausnahme von der Regel? Warum genießen Sie plötzlich seine Gesellschaft?«

Cade lehnte sich vor, bis sich ihre Nasen fast berührten. Er konnte die Verbitterung einer langen Nacht riechen. »Ich will ihn ficken. Frage beantwortet?«

Das Erröten kam unerwartet. Es kroch über O’Haras Wangen, unter das Gestrüpp angegrauter, rötlicher Stoppeln bis hin zu seinen Ohren.

Trotz der kaum unterdrückten Wut, die deutlich aus Bennett stach, schnaubte sie kurz amüsiert über diesen Seitenhieb.

O’Hara ignorierte sie. Er trat von Cade zurück und räusperte sich. »Ich fürchte, nicht. Jedenfalls nicht alle. Wir würden gerne auf dem Revier mit Ihnen sprechen.«

»Werden Sie Fragen stellen oder erzählen?«, wollte Cade wissen.

O’Hara knackte mit den Knöcheln, als er die Hand ballte. »Bis Sie sich weigern, werden wir Fragen stellen.«

Es gab zu viel Wolf unter Cades Haut, der nervös angesichts der Aussicht auf weitere zwei Nächte Chaos war, als dass er die implizite Drohung leichtfertig hinnehmen konnte. Sein Nacken kribbelte und seine Zähne fühlten sich sehr scharf an seiner Zunge an. O’Hara hatte in einer Sache recht: Cade gefiel seine feindselige Beziehung zu den lokalen LEOs. Er hatte nicht viel übrig für Polizisten, denn seiner persönlichen Erfahrung nach waren sie entweder nutzlos oder standen ihm im Weg. Das kam auch bei der Zielgruppe von Cold Winds gut an. Jemand, der private Sicherheitsdienste engagierte, wollte im Allgemeinen nicht, dass die Polizei in seine Angelegenheiten involviert wurde. Das bedeutete aber nicht, dass derjenige einen echten Darknet-Söldner wollte. Die Verträge enthielten Verhaltensklauseln. Bisher hatte sie noch niemand gegen Cold Winds eingesetzt. Aber man könnte.

»Nun, da Sie so nett gefragt haben …«, sagte Cade. »Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ziehe ich mich an und rufe zuerst meinen Anwalt an. Sie können an der Rezeption warten, es sei denn, Sie möchten eine Show.« Er zog das Handtuch von seiner Taille und rieb damit sein durchnässtes Haar. O’Hara schaute nicht hin. Gut für ihn.

»Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit«, sagte O’Hara zu ihm. Er überprüfte kurz die Uhrzeit auf seiner Armbanduhr, als er sich umdrehte, um den Raum zu verlassen. »Die Höflichkeit läuft in zwanzig Minuten ab, Mr. Deacon. Danach, nun ja. Das Revier hat Ihren Arsch schon einmal gesehen.«

Bennett blieb zurück, als er ging. »Meiner Erfahrung nach brauchen nur schuldige Männer Anwälte«, meinte sie.

Die Tür schloss sich hinter O’Hara und die drei blieben allein.

»Bitte«, sagte Cade. »Funktioniert das jemals? Jeder braucht einen Anwalt. Die Schuldigen wissen es einfach.«

Ihre verletzten Lippen zuckten in einem kalten Lächeln. »Also geben Sie es zu?«

»Nicht ohne anwesenden Anwalt«, sagte Cade. »Jetzt verschwinden Sie aus meinem Büro.«

Bennett trat einen Schritt zurück. »Sie denken, Sie seien schlau, aber ich kannte Ned Piper, und er hatte diese Stadt jahrelang unter völliger Kontrolle. Sie sind nicht auf seinem Niveau. Es ist mir also egal, wie Sie Marlow in diese Scheiße hineingeritten haben, Sie werden dafür bezahlen. Dafür werde ich sorgen. Anwalt hin oder her.« Sie machte auf dem Absatz kehrt und folgte O’Hara aus dem Raum.

Cade wartete darauf, dass das Klicken guter Handwerkskunst und verstärkten Metalls unter der polierten Holzschicht erklang. »Finde ihn.«

»Was?«, fragte Lem.

»Marlow.« Cade legte sich das feuchte Handtuch um den Hals und warf seinem Bruder einen verärgerten Blick zu. »Sobald ich von meinem gänzlich optionalen Gespräch mit der SDPD zurückkomme, möchte ich wissen, wo er ist.«

Lem machte eine verärgerte Geste, als er aufstand und dabei sein Tablet fast zu Boden warf. Er schnappte es sich unbeholfen und stützte die Kante an seine Hüfte. »Und wie stellst du dir das vor?«, fragte Lem frustriert. »Die Night Shift und die halbe Stadt suchen nach ihm, aber ich soll ihn einfach ‚finden’? Wie soll ich das anstellen, Cade?«

»Ist mir egal, wie du das anstellst. Ich will nur, dass es getan wird. Ich habe Jahre damit verbracht, unseren Kunden, der Presse und verschiedenen lokalen Regierungsbeamten zu sagen, dass Cold Winds besser finanziert, besser besetzt und einfach besser ist als die SDPD. Also mach keinen Lügner aus mir. Finde Marlow, bevor sie es tun.«

Lem verzog das Gesicht und blickte auf sein Tablet hinunter. Als er aufsah, waren seine Gesichtszüge entschlossen und unglücklich. »Bist du dir mit all dem sicher?«, fragte er und hob eine Hand, um Cade zu stoppen, bevor er etwas erwidern konnte. »Und sag mir nicht, ich solle mich um meinen eigenen Kram kümmern. Das sind Geld und Arbeitsstunden von Cold Winds, die du in deine persönlichen Angelegenheiten investierst. Ich erinnere mich, wie sauer du auf Justin warst, als er das Gleiche getan hat. Vielleicht lässt du zu, dass dir deine persönlichen Gefühle für einen Typen im Weg stehen, den du erst seit einem Monat kennst, oder noch nicht einmal seit einem Monat. Ich möchte, dass du glücklich bist, großer Bruder, aber dieser Marlow könnte sich als schlechte Partie herausstellen. Vielleicht hat er getan, was sie sagen. Vielleicht sollten wir uns nicht einmischen.«

Cade ließ das Handtuch auf den Boden fallen, um die Feuchtigkeit von seinen nassen Füßen aufzusaugen. »Vielleicht solltest du deinen Job machen«, meinte er. »Was, sofern ich keine Anmerkung verpasst habe, Cybersicherheit ist, nicht der persönliche Engel auf meiner Schulter.«

»Also gibst du zu, dass ich recht habe?«, fragte Lem. »Dass es eine schlechte Idee ist?«

Cade zuckte mit den Schultern, als er sich umdrehte und zurück in das kleine Badezimmer ging, um sich anzuziehen. »Könnte sein«, sagte er über die Schulter hinweg. »Aber das ist meine Firma und ich kann hierzu aufrufen, nicht du. Und sag Beth, sie soll mich auf dem Polizeirevier treffen. Ich möchte nicht, dass es länger dauert als nötig.«

Lem seufzte laut genug, um noch gehört zu werden, als Cade die Tür hinter sich schloss. »Also muss ich jetzt das Unmögliche tun und mit meinem Ex sprechen?«, fragte er. Er schlug zweimal mit der Hand gegen die Tür. Ihr Vater hatte das getan, wenn er die Nase voll von ihnen gehabt hatte. All die Jahre später spannten sich Cades Schultern bei dem Geräusch immer noch an, obwohl er wusste, dass Lem es war, der seine Hand noch nie gegen jemanden erhoben hatte. »Vielleicht sollte ich das Jobangebot von Justin annehmen. Schließlich kann es mir bei ihm egal sein, ob er sich verarscht.«

Sie wussten beide, dass er das nicht tun würde. Und sie wussten wahrscheinlich beide, dass Cade das nicht wollte. Lem war die einzige Familie, die er hatte, und keiner von ihnen verfügte über die emotionalen Fähigkeiten, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, wenn sie nicht zusammenarbeiteten. Nichts davon half Cade dabei, im Moment kein Arschloch zu sein. »Mach nur«, sagte er. »Du könntest eh bald nach einem neuen Job suchen, wenn du nicht losmarschierst und tust, was dir gesagt wird.«

Es gab eine Pause, dann schnaubte Lem. »Gut. Aber ich hoffe, dieser Typ ist es wert.«

Cade zog seine Jeans über seine schlanken, feuchten Hüften. »Ich auch«, stimmte er zu, als Lem bereits gegangen war.

Er warf einen Blick auf sein Spiegelbild und rieb sich über seinen stoppeligen Kiefer, während er über eine Rasur nachdachte. Das Problem war, dass er wusste, dass Marlow es wert war. Er hatte keine Zweifel daran. Und das jagte ihm Angst ein.

Kapitel 2

»Willkommen bei Bones and Broth. Wie kann ich Ihnen helfen?« Das Mädchen hinter der Theke spulte die Frage auswendig ab. »Die heutige Spezialität ist Tilapia und Kugelfischbrühe, die mit Fisch aus der Saltonsee gemacht wird. Sie können eine Fatbomb für nur einen Dollar hinzufügen; die wird Sie fit halten, bis der Mond aufgeht.«

Gibt es hier Kaffee?, lag Marlow auf der Zunge. Er schluckte es herunter, als er auf die Tafel hinter ihr blickte. Die Tagesangebote waren mit Kreide geschrieben und kaum lesbar. »Einen großen Rote-Bete-Kwass«, bestellte er stattdessen. »Und einen Joghurt.«

Sie tippte es in die Kasse ein. »Das macht zwölf Dollar vierzig. Haben Sie eine Treuekarte?«

Hatte er nicht. Er hatte auch nicht gerade damit gerechnet, zur Zahlung aufgefordert zu werden. Normalerweise wurde er das, ziemlich oft sogar, aber es war einfacher, sich bei Vollmond von Leuten einen Kaffee ausgeben zu lassen. Für Ihren Dienst, hieß es dann. Nicht, dass er im Dunkeln einen Wolf von einem anderen unterscheiden konnte, aber die Leute schienen von der Vorstellung angetan, dass es eine gewisse Wirkung hatte, der Night Shift zu schmeicheln.

Marlow klopfte seine Taschen ab, als er versuchte, sich wieder zu fassen. Es dauerte eine Sekunde, bis er sich daran erinnerte, dass sich seine Brieftasche, zusammen mit seinem Ausweis und seinen Hausschlüsseln, immer noch in einem Schließfach in der Waffenkammer befand.

Das Mädchen hinter der Theke begann genervt auszusehen. »Wenn Sie gehen müssen und Ihren …«

»Nein«, sagte Marlow. Er fischte seinen Fünfzig-Dollar-Notschein aus der Gesäßtasche und übergab ihn ihr. Er war schon seit fünf Jahren in der einen oder anderen Tasche gewesen. Die Knicke waren so fest, dass sich das Papier nach dem Auffalten nicht mehr glätten ließ. »Es tut mir leid. Mein Ex ist ein Arschloch.«

Es war eigentlich keine Lüge und auch keine Erklärung. Das Mädchen fasste es jedoch als eine auf. Die meisten Leute taten das. Die Details wurden durch die eigene Erfahrung ausgefüllt und sie waren entweder verständnisvoll oder gingen nicht darauf ein. Das war eines der Dinge, die man lernte, wenn man sparsam mit Worten umging. Die Leute interpretierten mehr in das hinein, was man nicht sagte. Ausnahmsweise war das nützlich.

»Uff, ja«, sagte das Mädchen und zählte sein Wechselgeld ab. »Kenne ich.«

Marlow überließ ihr ein anständiges Trinkgeld, nahm den Kwass und den Joghurt und zog sich in den hinteren Teil des Cafés zurück. Sie hatten Stühle statt Bänke, die wackelig auf ihren dünnen Metallbeinen standen. Er setzte sich auf einen, der es ihm ermöglichte, den Rücken zur Ecke zu drehen und sich ein bisschen zu entspannen.

Die Sonne ging auf und die Wölfe kauften wieder Knochenbrühe und flirteten. Marlow hatte immer noch Probleme, alles zu bewältigen, aber dafür hatte er jetzt Zeit. Keiner von ihnen würde ihm in dem Moment, in dem er unachtsam war, die Kehle rausreißen.

Marlow tauchte seinen Löffel in den Joghurt und rührte um, bis die Erdnussbutter und die Geleeschicht am Boden herausgehoben waren. Sein Magen knurrte so laut, dass er aufblickte. Niemand im Café hatte es bemerkt.

Er war letzte Nacht in das Haus eines Wolfs eingebrochen, um auf die Morgendämmerung zu warten. Es war nicht schwierig gewesen. In Nullhäusern gab es Fensterläden, Riegel und Sicherheitskameras mit eigens dafür vorgesehenen Kanälen, denn wenn jemand einbrach, dann wahrscheinlich, um ihn in seinem Bett zu fressen. Der Wolf hatte ein Zylinderschloss und ein Schiebefenster, das er halb offen gelassen hatte, weil die meisten Einbrecher nicht verzweifelt genug waren, das Risiko einzugehen, bei Vollmond zu arbeiten. Marlow hatte den Kleiderschrank im Hauptschlafzimmer nach der Jeans und dem Hemd durchsucht, die er trug. Das Hemd war blassrosa mit grauem Karo. Jeder, der ihn kannte, wusste, dass er ein solches eigentlich nie tragen würde. Der Rucksack, den er sich geschnappt hatte, um seine „Night Shift“-Ausrüstung zu verstauen, war derzeit im Kofferraum seines zerstörten Firebird auf dem Parkplatz des Mechanikers eingeschlossen. Er hätte sich ein schlechteres Haus aussuchen können, aber der Küchenschrank war leer gewesen. Er hatte nur Gazebeutel, Knochenbrühe und einen Vorrat an Salzcrackern gefunden.

Marlow löffelte sich den Joghurtbrei in den Mund. Die Kanten des Plastiklöffels stießen scharf gegen seine Lippen, als er ihn abstreifte.

Er hatte nie darüber nachgedacht, wie es am Morgen danach für Wölfe war. Diejenigen, die sich für die Nacht wegschließen konnten, waren nicht sein Problem, sobald die Sonne aufging. Die Day Shift kümmerte sich um sie und Marlow war dann normalerweise auf dem Heimweg. Er hatte ein paar Wölfe gedatet, bevor er seine Chance auf die Night Shift bekommen hatte, als es nur riskant und nicht grenzwertig idiotisch gewesen war, aber es war nie etwas Ernstes gewesen. Jetzt fragte er sich, wie es war, wenn sie auf dem Bürgersteig, am Pier oder am Strand aufwachten, während er hier gerade aß. Waren sie überfressen von der Völlerei des Wolfs? Zu ausgehungert, um es nach Hause zu schaffen, um etwas zu essen? Einen Moment lang erinnerte er sich an den rohen Blick, eine Mischung aus entmutigt, erleichtert und wütend, mit dem Cade ihn am Morgen nach dem letztenMal bedacht hatte, als Franklin versucht hatte, sie zu töten. Marlow hatte es damals nicht verstanden, aber jetzt wusste er es. Oder zumindest verstand er es ein bisschen besser. Wölfe konnten sich nicht erinnern, was sie bei Vollmond getan hatten, aber das bedeutete nicht, dass sie nicht einige Details abrufen konnten, wenn sie es versuchten. Wenn sie herausfanden, was oder wen sie gefressen hatten, wurde ihnen vielleicht zu schlecht, um noch einmal über Essen nachzudenken. Das würde die Salzcracker erklären. Marlow fühlte sich schuldig, als er sich daran erinnerte, wie leicht er Cades schlechten Morgen hätte aufwerten können. Aber er schob es beiseite. Er konnte sich jetzt nicht damit befassen.