Split Shift - TA Moore - E-Book

Split Shift E-Book

TA Moore

0,0
4,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Wenn du bemerkst, dass das Schwierige an der Arbeit in der Night Shift nicht die Werwölfe sind, sondern die Menschen … Nachdem der Night Shift Officer Kit Marlow den Mord an dem Kinderstar Haley Jenkins aufgeklärt hat, ist er der Meinung, dass er sich eine kleine Auszeit verdient hat. Vielleicht sogar eine Verabredung zum Abendessen mit Cade Deacon, dem sarkastischen Sicherheitsberater, dem sehr guten Küsser und Werwolf, der bei den Ermittlungen geholfen hat. Das war, bevor jemand in einer Night Shift-Uniform sie beide von der Straße drängt. Bei Vollmond ist die einzige Verabredung zum Abendessen, an der Cade interessiert ist – Marlow auf einem Teller serviert. Und das nicht auf eine sexy Art. Es ist das zweite Mal, dass korrupte Beamte der Night Shift versuchen, Marlow zu töten. Wenn es nach ihm geht, wird es auch das letzte Mal sein. Das Problem ist, dass er nur noch achtundzwanzig Tage bis zum nächsten Vollmond hat. Wenn er bis dahin nicht herausgefunden hat, wer ihn tot sehen will, muss er sich mit einem Team im Rücken, dem er nicht trauen kann, auf die Straßen voller Werwölfe begeben. Aber das Wichtigste zuerst. Die nächsten zwölf Stunden lebend und ungefressen überstehen und hoffen, dass ein zweites Date weniger ereignisreich ausfällt, falls es doch noch zu einem kommt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 193

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



TA Moore

Split Shift

Night Shift Band 2

Impressum:

© dead soft verlag, Mettingen 2023

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe. Split Shift (Night Shift 2)

Übersetzung: Erin Sommer

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© angelocordeschi – stock.adobe.com

© leeyiutung – stock.adobe.com

© Vector Tradition – shutterstock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-654-8

ISBN 978-3-96089-655-5 (ebook)

Inhalt:

Wenn du bemerkst, dass das Schwierige an der Arbeit in der Night Shift nicht die Werwölfe sind, sondern die Menschen …

Nachdem der Night Shift Officer Kit Marlow den Mord an dem Kinderstar Haley Jenkins aufgeklärt hat, ist er der Meinung, dass er sich eine kleine Auszeit verdient hat. Vielleicht sogar eine Verabredung zum Abendessen mit Cade Deacon, dem sarkastischen Sicherheitsberater, dem sehr guten Küsser und Werwolf, der bei den Ermittlungen geholfen hat.

Das war, bevor jemand in einer Night Shift Uniform sie beide von der Straße drängt. Bei Vollmond ist die einzige Verabredung zum Abendessen, an der Cade interessiert ist … Marlow auf einem Teller serviert. Und das nicht auf eine sexy Art.

Es ist das zweite Mal, dass korrupte Beamte der Night Shift versuchen, Marlow zu töten. Wenn es nach ihm geht, wird es auch das letzte Mal sein. Das Problem ist, dass er nur noch achtundzwanzig Tage bis zum nächsten Vollmond hat. Wenn er bis dahin nicht herausgefunden hat, wer ihn tot sehen will, muss er sich mit einem Team im Rücken, dem er nicht trauen kann, auf die Straßen voller Werwölfe begeben.

Aber das Wichtigste zuerst: die nächsten zwölf Stunden lebend und ungefressen überstehen und hoffen, dass ein zweites Date weniger ereignisreich ausfällt, falls es doch noch zu einem kommt.

Kapitel 1

Das Auto war für offene Strecken und Geschwindigkeit gebaut worden: lang, cool und schwarz. Es war am Straßenrand zum Liegen gekommen, auf dem Dach gelandet und stark beschädigt, während langsam heiße Flüssigkeit heraussickerte und über den rissigen Asphalt lief. Ein hauchdünnes Spiegelbild des runden weißen Mondes waberte ölig in der flachen Pfütze.

Marlow öffnete seine Augen und blinzelte bei der abstrakten Kollision von Farbe und Licht, die sein Blickfeld erfüllte. Übelkeit kam in ihm auf und er kniff die Augen zusammen. Es half nicht, sondern machte ihm nur bewusst, dass sein Herzschlag in seinen Nebenhöhlen schmerzte und es sich anfühlte, als hätte ihm wieder jemand in die Schulter geschossen.

Er versuchte es ein zweites Mal. Die Übelkeit rumorte unangenehm in seiner Brust, aber nach ein paarmal hartem Blinzeln wurde Marlow klar, was mit der Welt nicht stimmte: Sie stand kopfüber hinter der kaputten Windschutzscheibe. Oder besser gesagt, er lag verkehrt herum. Die Straßenlaternen warfen ihre Linien aus Licht in Winkeln, die er normalerweise nicht sah, über die Straße.

Marlow atmete kräftig aus und sah feine Spritzer Blut auf dem verbliebenen Rest seiner Windschutzscheibe. Das war nicht gut. Marlow registrierte das und archivierte es für später. Im Moment konnte er nicht viel dagegen tun. Nicht, bis er das Auto verlassen und herausgefunden hatte, was passiert war. Seine Gedanken waren zerstreut. Das Letzte, woran er sich erinnerte, war der grobe Griff von Cades Hand an seinem Nacken sowie seine Hitze und sein Gewicht, als er Marlow vom Steuer weggezogen hatte. Mist, hatte Cade gegen sein Ohr gezischt. Dann hatten sich Cades Arme schmerzhaft fest um ihn geschlungen. Harte Knöchel hatten sich in seine Schultern gebohrt und der unbequeme Winkel hatte das Atmen erschwert. Dann war etwas so hart gegen sie geprallt, dass sich Marlow für eine Sekunde schwerelos gefühlt hatte. Bis er es nicht mehr gewesen war.

Marlow streckte die Hand aus und fummelte am Sicherheitsgurt herum. Er war eingeklemmt. Das Nylon war verheddert und die Metallschnalle zerschlagen und unter Marlows Fingern verdreht. Panik überkam ihn und die leise Erkenntnis, dass es schlimm war. Er riss heftig an der Schnalle. Sie gab leicht nach, obwohl er sich das vielleicht nur eingebildet hatte, und wurde wieder unnachgiebig. Die Panik stieg an und verblasste. Er konnte die Auswirkungen immer noch spüren. Sein Atem war heiß und keuchend in seinem Hals und sein Herzschlag, der immer noch schmerzhaft hinter seinen Augen pochte, war zu schnell. Doch je mehr Adrenalin durch seinen Körper pumpte, desto ruhiger war sein Verstand.

Posttraumatische Belastungsstörung. Jeder, den Marlow kannte, hatte sie. Wenn man seine Nächte damit verbrachte, gegen gewaltige Werwölfe zu kämpfen, die Probleme mit der Impulskontrolle hatten, ergaben sich solche Dinge. Die Störung wäre für die Abteilungstherapeuten wahrscheinlich einfacher zu behandeln, wenn sie nicht manchmal so nützlich wäre.

Cade stöhnte neben ihm. Gewissermaßen. Es begann jedenfalls als Stöhnen, bevor es sich auf dem Weg nach draußen durch seine Zähne verdichtete.

Marlow warf einen Blick auf seinen Beifahrer. Blut beschmierte dunkel Cades zerzauste, blonde Locken und sorgte für große, nasse Flecken auf seinem Hemd. Seine Arme hingen schlaff über seinem Kopf, ein Ärmel seines Hemds war abgerissen, zusammen mit einem guten Stück seiner gebräunten Haut. Was von seinem Arm übrig war, zeigte plötzlich eine Gänsehaut und der feine Flaum blasser Haare verdunkelte sich zusehends.

Marlow schluckte etwas Blut, spuckte es aus und kam zurück zu der Frage, wie er sich abschnallen sollte. Wenn ihm das nicht gelang, wäre es egal, wie lange sie schon hier waren. Irgendwann wäre es zu lange.

Er bewahrte ein Taschenmesser in der Ablage der Fahrertür auf, aber auf dem Kopf zu stehen, hatte die Sache verkompliziert. Marlow drehte sich um, so gut er konnte. Schmerz strahlte von seinen Rippen aus, als sie aneinanderrieben. Er musterte das Dach des Autos. Nichts.

Er schluckte die langsame Welle der Übelkeit herunter und griff über sich, um entlang des Dachs nach etwas zu suchen, das er gebrauchen konnte. Alles, was er fand, war ein Stift, was nicht viel nützte. Vielleicht war es aus dem Auto geflogen. Marlow überprüfte das Fenster neben sich. Es war zerbrochen und wie Diamanten draußen auf der Straße verstreut. In der Mitte stach der leuchtend rote Griff des Messers im Mondlicht hervor. Was Marlow daran erinnerte …

Neben ihm sog Cade schnell und eifrig die Luft ein, was nicht ganz … richtig klang. Nicht ganz menschlich. »Wie lange?«, fragte Cade.

»Willkommen zurück«, sagte Marlow mit angespannter Stimme, als er seinen Arm aus dem Auto streckte. Seine Finger stießen gegen das Taschenmesser, aber er bekam es nicht zu fassen. Er stützte seinen Fuß gegen die Konsole und drückte sich so weit wie möglich heraus. Der Sicherheitsgurt war wie ein Schraubstock um seine Schulter und seine Rippen, als er sich bemühte, es zu erreichen. Nah dran. Näher. Marlow schaffte es schließlich, es zu packen und zurück ins Auto zu ziehen. Seine Hand fühlte sich durch den Druck des Sicherheitsgurts taub an, aber er schaffte es und legte den Daumen in die Kerbe an der Klinge, um sie zu öffnen. »Bist du okay?«

Cade lachte rau und nicht gerade amüsiert. »Das werde ich sein«, sagte er. »Wie lange haben wir?«

Das Armaturenbrett hatte beim Aufprall Risse bekommen, die Instrumententafel war eingeknickt und zerbrochen. Marlow zeigte mit seinem Kinn darauf, während er am Sicherheitsgurt arbeitete. Der Griff des Messers war ebenfalls gesplittert; die scharfen Kanten lagen hart in seinen Fingern, während er sägte. »Die Uhr funktioniert nicht. Wie lange glaubst du?«

»Nicht lange«, antwortete Cade. Er hustete und räusperte sich. Oder versuchte es. Es hörte sich an, als ob da etwas stecken geblieben oder beim Unfall beschädigt worden wäre. »Wenn ich weit genug weg von …«

»Von dem frischen Fleisch, das neben dir blutet?« Marlow schnaubte, als er am Rand des Riemens schnitt. »So schnell kannst du dich nicht bewegen.«

»Glaubst du, du kannst es?«, fragte Cade. »Wie geht es deinem T-Bone-Steak von einem Knie?«

Gute Frage. Marlow konnte sie noch nicht beantworten. Er spürte, wie sich das Lenkrad in seinen Oberschenkel drückte, unbequem, aber nicht schmerzhaft, hatte aber keine Ahnung, inwieweit es funktionstüchtig war. Er würde es herausfinden.

Der Riemen trennte sich unter der Messerkante und riss ab. Marlow grunzte, als der Beckengurt sein Gewicht auffing. Er baumelte eine Weile daran, dann wurde er locker und löste sich. Marlow zog sein Bein unter dem Steuer hervor und fiel ungelenk gegen das Dach des Autos. Dem Knie ging es … nicht gut. Marlow biss die Zähne zusammen, als er sich herumwand, bis er flach auf dem Bauch lag. Das Glas grub sich in seine Ellbogen und Knie, als er sich durch das Fenster zwängte, die Arme vor sich ausgestreckt, um seine Schultern schmaler zu machen. Er zog sich heraus, die Straße war nass.

»Marlow. Kit«, sagte Cade. Seine Stimme war dünn, als wäre sie ihm an einem Draht durch die Zähne herausgezogen worden. »Ich hab dich echt gemocht.«

»Du kennst mich nicht«, entgegnete Marlow. Er rollte sich herum und kam auf die Beine. Sein Rücken war trotz der abendlichen Kälte verschwitzt, sein T-Shirt klebte an ihm. »Das hilft wahrscheinlich.«

Es war das Lächeln des Wolfs, das wild und unbeschwert über Cades Gesicht strahlte. Dann war dieses Gesicht verschwunden. Marlow atmete scharf ein. Zehn Jahre in der Night Shift, sein ganzes Leben als Null, und er hatte noch nie eine Verwandlung gesehen. Warum auch? Es war kein Verbrechen, ein Wolf zu sein, und das bedeutete, dass sie nicht Marlows Angelegenheit waren, bis sie etwas anstellten und die Night Shift gerufen wurde. Er fand nicht, dass er etwas verpasst hatte.

Knochen zerbrachen und formten sich neu, dann brachen sie erneut, als sich feste Muskeln verdickten. Die Haut riss auf und schälte sich ab, als raues, gelbbraunes Fell in verfilzten, schleimigen Büscheln durchbrach. Der Mensch klappte zurück wie ein Hoodie, als sich die breite Schnauze und der schwere Schädel des Wolfs durchzwängten. Zerrissene Kleidung wurde ungeduldig von Krallen weggezogen, als sie ihn plötzlich einengte.

Marlow atmete aus. Der Mann war so schnell verschwunden und der Werwolf über das gestülpt, was übrig war. Es fühlte sich an, als hätte es länger dauern sollen.

Der riesige, sandfarbene Wolf war in das schwarze Autowrack gequetscht, halb erwürgt durch den Sicherheitsgurt, der sich in das Fleisch seiner breiten, von dünnem Fell überzogenen Brust grub. Er knurrte, die Zähne waren weiß und spitz und das Auto wackelte heftig von einer Seite zur anderen, als Cade gegen die Barrieren ankämpfte. Der Sicherheitsgurt gab zuerst nach, riss entzwei und dann stieß Cade mit der Schulter die Tür heraus. Sie platzte aus den Angeln und flog über die Straße gegen die metallenen Fensterläden, die an der gegenüberliegenden Ladenfront heruntergezogen waren. Cade schälte sich aus dem Auto, als wäre es eine zu kleine Jacke. Er schüttelte sich und ließ Glassplitter aus seinem dicken, zerzausten Fell regnen. Er warf seinen Kopf zurück und heulte den Mond an.

Ein paar andere Wölfe aus der Stadt antworteten, die zwischen den Hochhäusern und im Hinterland verteilt waren. Allerdings noch nicht viele. Je höher der Mond stieg, desto mehr würden es sein, bis schließlich bis zu 80 Prozent der Stadt den Kopf in den Nacken warfen.

Marlow rappelte sich auf. Er trat einen Schritt zurück. Dann noch einen. Seine Ferse traf auf eine Pfütze. Das Geräusch des aufspritzenden Wassers war kaum zu hören, aber genug. Eines von Cades spitzen Ohren zuckte in Richtung des Geräusches und seine breite Schnauze folgte ihm. Sie starrten sich einen Moment lang an.

Ich hab dich gemocht.

Dieser Satz wiederholte sich in Marlows Kopf. Wenn er darüber nachdachte, konnte er den Geschmack von Cades Mund immer noch aus seinem Kurzzeitgedächtnis abrufen. Unter normalen Umständen wäre es ein netter Zeitvertreib. Nicht jedoch, wenn diese Küsse irgendwo in dem hungrigen Gehirn eines Wolfes vergraben waren.

Cade legte seinen Kopf zur Seite und stürzte sich dann nach vorn. Er sprang gekonnt auf das Fahrgestell des Autos, balancierte auf dem Rahmen und knurrte Marlow an. Seine Augen hatten sich kaum verändert, waren immer noch bernsteinfarben und wölfisch.

Marlow zog seine Waffe in einer einzigen geschmeidigen Bewegung und zielte. Die Silbermunition lagerte in der Station, aber die in das Magazin geladenen Hohlkugeln würden Löcher von der Größe seiner Faust in alles reißen, was sie trafen. Werwölfe eingeschlossen. Das Problem war, dass es Cade nur verlangsamen würde. Es wäre nicht genug.

»Tut mir leid«, sagte Marlow.

Der erste Schuss bohrte sich durch die Seite des Autos und zerstörte den Kühler. Er explodierte mit einem Knacken des Metalls und einem Sprühnebel aus überhitztem Dampf und rostigem Wasser, das einen Weg durch das Fahrwerk nach oben suchte und Cades Füße und Beine erreichte. Der Schmerz von verbrühtem Fleisch brachte Cade dazu, zu knurren und auf das Auto einzudreschen. Die Muskeln über seinen Schultern waren zum Zerreißen gespannt, als er die Federung herausriss und sie wie einen Hammer schwang. Das Auto gab unnatürliche Töne von sich, während Cade darauf einschlug.

Marlow zuckte zusammen. Der Impala hätte den Unfall überstehen und von einem guten Mechaniker repariert werden können, aber nicht unter Cades Wutanfall oder dem Folgenden. Er zielte ein paar Zentimeter tiefer und schoss eine Kugel auf die Straße. Es flogen Funken, als sie eine Vertiefung in den Beton bohrte. Marlow biss seine Zähne gegen das Zittern zusammen und versuchte es erneut. Zwei Kugeln auf die Straße und eine weitere in den Motor. Diesmal erreichte der Funke das aufgestiegene Gas und entzündete es blitzartig. Es brannte schnell, dünn und rauchig, aber das glänzende Ölband wurde zu einer Lunte und flackerte zurück zum kaputten Tank. Die darauffolgende Explosion riss Marlow zu Boden.

Seine Brust schmerzte und seine Lungen verkrampften, als er versuchte, die heiße Luft einzuatmen. Oben auf dem Auto brannte Cade. Gelbbraunes Fell wurde schwarz und versengte auf roter Haut, während er schrie.

»Tut mir leid«, krächzte Marlow mit rauer und heiserer Stimme. Er schnappte sich die Waffe, die er fallen gelassen hatte, und rappelte sich auf.

Cade riss einen der Reifen vom Wagen und warf ihn mit Gebrüll auf die Straße. Gummifäden blieben wie Karamell auf der Straße kleben, als er abprallte.

Marlow rannte. Das war der erste Schritt des Plans. Er hoffte, dass ihm bald der zweite einfallen würde. Er lief schräg über die Straße und bog rechts in eine enge, hochwandige Gasse ab, die nach Zigarettenrauch, gebratenem Blumenkohl und Fett roch. Eine Ratte, wohlgenährt und trotz fehlender Schwanzhälfte gesund, beobachtete ihn mit glänzenden Tintentropfenaugen von einem Müllcontainer aus. Sie verharrte, bis Marlow zu nahe kam, dann zuckte sie mit dem halben Schwanz und rannte die Wand hinauf zur Feuertreppe. Sie schwang kurz an der Sprosse wie ein Turner unter den Nagetieren, dann huschte sie das Geländer hinauf in den zweiten Stock.

Marlow unterbrach für eine Sekunde den Schritt, als er seinen Kopf neigte, um die Bewegungen der Ratte zu verfolgen. Ein halber Plan formte sich in seinen Gedanken: Auf den Müllcontainer klettern, die unterste Sprosse der Feuertreppe ergreifen und hoch. Aber er wurde verworfen. Es würde vielleicht funktionieren, wenn der Wolf nicht Cade wäre. Eine solche Jagd könnte abgebrochen werden, wenn die Spur kalt oder die Jagd zu anstrengend würde. In der Stadt gab es noch anderes Fleisch. Aber Cades Wolf hatte sich auf Marlow geprägt, als der Mond die Erinnerung an einen unterbrochenen Kuss hervorgeholt und sich die pikante Spannung zwischen Flirt und Komplikation zu einem simplen, hungrigen Verlangen verfeinert hatte. Es war kaum die Art von verdammter, blutiger Romanze, über die Shakespeare Romeo und Julia geschrieben hatte. Cade würde der Pein in seiner Brust nicht durch eine ganze Stadt folgen, um Marlow zu finden und sein Herz zu fressen. Aber das musste er auch nicht. Marlow war genau vor ihm gewesen, bedeckt von Schweiß und frischem Blut, um Cades Appetit anzuregen. Und dann hatte Marlow ihn angezündet. Das war eines der Dinge, die einem die ganze Nacht einen Werwolf einbrockten.

Marlow zwang sich wieder zum Laufen. Es war schwer. Die kurze Pause hatte seine wunden Beine mit Blei gefüllt, als er um den Müllcontainer herum ging und an versiegelten Liefertüren und Garagen mit Vorhängeschloss vorbeilief. Graffitis an der Rückseite eines Gebäudes, die über kleine quadratische Fenster gesprüht waren, erregten seine Aufmerksamkeit. Ein karikaturhafter Ganesh hing inmitten eines Wirbels von Symbolen und Bildern. Tagsüber erstrahlte er in leuchtendem Kaugummirosa und Cyan, aber der Mond hatte ihn zu Grau- und Fleischtönen verdunkelt. Er sollte Glück bringen, Schutz vor den Wölfen bieten.

Marlow erkannte es. Er war schon einmal hier gewesen. Das letzte Mal hatte es mehr Blut und ein halbtotes Wildschwein gegeben, das jemand an der Stadtgrenze losgelassen und das sich in jemandes Garage versteckt hatte. Das hier war ein solider Anhaltspunkt und die mentale Landkarte der Stadt in seinem Kopf lotete sich neu aus. Vielleicht hatte er sogar einen Plan. Keinen guten, aber einen Plan. Im St. Anne’s gab es ein Obdachlosenheim drüben auf der Irving. Wenn er rechtzeitig da war, würden sie ihn reinlassen. Pater Bellamy wurde mehrmals im Jahr angewiesen, seine Türen verschlossen zu halten, sobald der Mond aufgegangen war, und es der Nachtschicht zu überlassen, sich um irgendwelche Probleme zu kümmern. Bisher hatte er noch nie darauf gehört. Es wäre ein zehnminütiger Lauf. Fünf, wenn er den Skatepark durchquerte.

Marlow riskierte einen Blick über seine Schulter. Eine ölige Rauchsäule aus dem brennenden Auto wirbelte in die Luft, aber er konnte Cades wütendes Geheul nicht mehr hören. Er hatte keine zehn Minuten.

Das Ende der Gasse lag ein paar Meter vor ihm, als etwas vom Himmel fiel und vor ihm mit einem nassen Spritzer landete. Er trat darauf und es gab unter seinem Stiefel mit einem Knacken dünner Knochen nach. Blut und Eingeweide quetschten sich heraus und der Instinkt ließ Marlow taumeln, als er versuchte, sein Gewicht von dem Ding herunterzuverlagern. Es war eine Ratte. Jedenfalls der Großteil einer solchen. Der Kopf war abgerissen und hatte nach wie vor nur einen halben Schwanz. Marlow hüpfte von dem kleinen Kadaver weg und blickte zu den Dächern hinauf. Da oben krümmte sich ein Schatten, halb verloren in der Dunkelheit, dann war er weg.

»Mist«, äußerte Marlow leise.

Hatte Cade ihn eingeholt, dann blieben ihm wahrscheinlich keine fünf Minuten Zeit. Er hatte jedoch keine anderen Ideen, also machte er sich auf den Weg zum Ende der Gasse. Sein Fokus verengte sich auf den Boden und die Route, die er im Kopf festgelegt hatte. Zwei gelbe Streifen tauchten unter seinen Füßen auf und er machte einen großen Schritt, um den Bordstein zu überwinden.

Ein schmaler Pfad führte zwischen zwei schwarze, gusseiserne Zäune hindurch, der auf der einen Seite mit Gras überwachsen war und auf der anderen einen zerbrochenen Trittstein aufwies. Ein Tor hing in verzogenen Scharnieren, was repariert werden sollte, und versperrte den Weg. Marlow sprang darüber hinweg. Das forderte seinen Preis, als er landete. Ein Ruck aus Schmerzen ging durch sein Knie bis hinauf in seine Leistengegend und ließ fast sein Bein einknicken. Er zwang sich zum nächsten Schritt und zum nächsten. Beim dritten Mal akzeptierte sein Körper, dass der Schmerz keinen Unterschied machen würde, und wandelte ihn zu einem weniger hartnäckigen Pochen um.

Ein nackter Mann sah mit einem Joint zwischen seinen Lippen ruhig vom Dach seiner Garage aus dabei zu, wie Marlow vorbeihastete.

Sechs Minuten jetzt. Das Tor hatte ihm Zeit gekostet.

Er überquerte eine andere Straße und gelangte auf den Parkplatz vor dem Skatepark. Ein alter Wimpel für die Conquistadors von der Serra Highschool flatterte von einer Stange in der Nähe des Footballfeldes und warf einen langen Schatten über den vernarbten, unebenen Asphalt. Vielleicht würde er es schaffen, nachdem er …

Etwas prallte von der Seite gegen ihn und Marlow verlor seinen Gedankengang, als er flog. Er traf auf eine Metallkette und brach durch sie hindurch. Das Geräusch war wie von Nägeln, die auf der Tafel kratzten, und regelrecht laut in der Stille. Die Haut riss an den Metallhaken auf, als er auf die andere Seite rollte. Die Luft verließ seinen Körper mit einem Krächzen und seine Lungen verkrampften hinter seinen Rippen. Sein Atem pfiff nur, als er versuchte, Luft einzusaugen und gleichzeitig auf die Beine zu kommen.

»Cade«, versuchte er es wie üblich, auch wenn es nie funktionierte. Die Worte kamen heiser aus seiner Kehle. »Nicht …«

Es war nicht Cade. Der Wolf ihm gegenüber war drahtig, hatte dichtes schwarzes Fell und ein fehlendes Ohr. Er grinste, die Lippen waren über abgebrochene Zähne gezogen. Er wartete, wollte, dass Marlow weglief.

»Fick dich«, sagte er, zog zum zweiten Mal seine Waffe und schoss dem Wolf die Kniescheiben weg. Fleisch und Knochen spritzten hinter ihm heraus und seine Beine gaben unter ihm nach.

Der ohrenlose Wolf ging mit einem wütenden Knurren zu Boden und krallte sich am Asphalt fest, während er sich voranzog. Schwarze Krallen hinterließen tiefe Rillen in der Straße.

Es hatte Marlow nicht mehr Zeit verschafft, aber weniger Entfernung, die jetzt zurückgelegt werden musste. Er drehte sich um und rannte. Diesmal brauchte es mehr Schritte, um seinen Körper davon zu überzeugen, ihm keine Alarmsignale bezüglich des Schmerzes mehr zu schicken. Die Hälfte seiner Aufmerksamkeit richtete er hinter sich, der Rest war auf die dünnen schwarzen Balken des Kreuzes gerichtet, das er als Silhouette vor dem Mond sehen konnte. Fast da.

Schweiß sammelte sich in seinem Nacken und unter seinen Armen. Er hechtete über einen Zaun und durchquerte einen Garten voller leerer Blumenbeete. Im zweiten Stock des Hauses zuckte hinter den schweren Gittern ein Vorhang, als jemand hinausschaute. Marlow sah ein schmales Stück Gesicht, dann schoben sich die Vorhänge wieder zu. Er konnte es der Person nicht verübeln, denn er war es, der so dämlich war, nach dem Aufgehen des Mondes draußen zu sein, und wurde nicht einmal dafür bezahlt.

Hinter den schweren Fensterläden der Kirche erklangen Stimmen in einem ansteigenden Gesang. Dieser hätte fast das Schnauben des Raubtiers übertönen können, das ihm auf den Fersen war.

Marlow verstärkte seinen Griff um die Waffe. Das Magazin war leer, aber er klemmte trotzdem einen Finger um den Abzug. Er erreichte den Rand des Grundstücks der Kirche und drehte sich herum, aus Gewohnheit die Waffe erhoben.

Der einohrige Wolf kauerte sich hin, seine Muskeln waren wie Stahlseile in den Beinen, und sprang.

Marlow spannte sich an. Das würde ungefähr so viel nützen wie die leere Waffe.

Der Wolf traf gegen ihn und dann flogen beide rückwärts, bis sie gegen einen Hydranten krachten. Er zerbrach und Wasser spritzte hoch. Marlow drückte seinen Arm gegen den Hals des Wolfs, als die Zähne Zentimeter von seiner Nase entfernt aufeinanderkrachten. Speichel tropfte warm und mit einem säuerlichen Gestank von Fleisch auf sein Gesicht.

Dann war er fort. Marlow blinzelte in den Himmel und schaute dann rüber. Cade, dessen Fell immer noch versengt war, und der schwarze Wolf rissen sich gegenseitig Fetzen heraus, während sie auf der Straße kämpften.

Marlow ließ seinen Kopf wieder gegen den Bürgersteig fallen und wuchtete sich dann auf die Ellbogen. Das war nicht einmal annähernd die schlimmste Nacht, die er je gehabt hatte. Er würde heute nicht aufgeben, biss die Zähne zusammen und hinkte die Stufen zur Tür hinauf. Der Gesang dahinter schwoll an und brach dann abrupt ab, als Marlow seine Faust gegen das Holz hämmerte.

»Night Shift«, krächzte er mit rasselndem Atem durch den Türspalt. »Ich bin zu Fuß unterwegs und erschöpft.«

Ihm antwortete Schweigen. Es zog sich lange genug hin, dass Marlow sich fragte, ob Pater Bellamy endlich auf die Leute hörte, die ihm Vorträge gehalten hatten. Dann hörte er, wie die Riegel auf der anderen Seite zurückglitten.