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Eine ältere Dame ging in ein Zoogeschäft, um ein Zwergkaninchen zu kaufen. Sie schaute sich eine Weile unentschlossen um und wusste nicht, für welches Zwergkaninchen sie sich entscheiden sollte. Doch dann entschloss sie sich ein schwarzes Zwergkaninchen zu kaufen nannte es "Sissi". Ab da kommt Sissi selbst zu Wort und erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht. Sie erzählt wie sie bei den Menschen aufgenommen wurde. Später entschied sich Sissi´s Frauchen noch ein weiters Zwergkaninchen zu kaufen, damit Sissi nicht alleine und einsam ist. Sie kaufte ein zweites Zwergkaninchen und nannte es Lala. Die Abenteuer die sie erlebten erzählt Sissi weiter.
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Seitenzahl: 59
Veröffentlichungsjahr: 2021
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An einem stürmischen Novembertag wurde ich von vielen anderen kleinen Häsinnen von unserer Pflegerin aus dem Gehege herausgehoben um ab jetzt bei den Menschen zu leben. Ich verhielt mich völlig erstarrt vor Angst ganz still. Vor mir stand eine Frau und sah mich mit traurigen Augen lange und unentschlossen an. Sie schien auch geweint zu haben und sie konnte sich nicht entscheiden ob sie mich nun nehmen sollte oder nicht. Ich merkte, ich war auch garantiert nicht ihr Typ. Da ich mich aber gar nicht rührte, sah sie in mir wohl ein kleines, ruhiges und anschmiegsames Wesen, (wenn sie sich da nicht mal täuschte). Sie entschied sich letztendlich doch, mich zu sich zu nehmen. Jetzt bin ich sozusagen ein “ Kaninchen - Einzelkind.“ Ich bin mal gespannt auf mein Leben außerhalb der Geborgenheit, zuerst bei meiner Häsin Mama und etwas später in dem großen Kindergarten in meinem Gehege im Zoogeschäft. Dort war viel Platz für uns kleinen Mädchen, die Buben waren nebenan und zu unserer Sicherheit durch einen Zaun von uns getrennt. Aber dafür rannten die Meerschweinchen wie eine wild gewordene Herde in die ein Bienenschwarm gelandet war, durch unsere Stube und gaben Pfeiftöne von sich, die nervtötend waren. Wir kleinen Mädchen halten gerne mal ein Mittagsschläfchen aber daran hielten sich die durchgedrehten Raser natürlich nicht. In meinem neuen Zuhause angekommen war ich leicht seekrank, weil ich in jeder Kurve in meinem kleinen Transportkarton hin und her rutschte und mir übel war.
Zum Glück können Kaninchen sich nicht übergeben und so blieb alles sauber. Bei der Ankunft in meiner neuen Bleibe wurde ich sogleich erlöst und in mein neues Heim gesetzt. Etwas später wurde ich gewogen, ich war 720 Gramm leicht. Mein Appetit hat durch das Ungemach der Autofahrt nicht gelitten und ich mampfte gleich drauflos, das angebotene Futter schmeckte mir sofort. Es gefiel mir ganz gut, jetzt eine eigene Wohnung zu haben. Nach dem Motto; my home is my castle, oder „hier bin ich Tier hier darf ich sein“. Ich hoffe nur, dass ich hier nicht einfach abgestellt und einsam werde, denn wir Kaninchen brauchen Gesellschaft, entweder unseres Gleichen oder aber sehr viel Zuwendung von den Menschen, welche ich dann auch reichlich bekam. Es ist mir aber gleich aufgefallen, dass ich nicht die erste Bewohnerin in diesem Kaninchenheim war, es war alles frisch für mich gerichtet, doch mein Näschen sagte mir, da gab es noch einen anderen tierischen Bewohner vor mir. Aber wo war mein Mitbewohner geblieben? Hat er sich nur versteckt? Will er mich erschrecken?? Nein, niemand zu hause. Vielleicht werde ich eines Tages erfahren wer es war.
Es dauerte tatsächlich nur ein paar Tage, als eine Besucherin erstaunt feststellte, dass sie eine neue Insassin im Kaninchenheim vorfand und dass mein Heim schon im Wohnzimmer stand obwohl es doch draußen noch gar nicht richtig kalt war. Da erfuhr ich die traurige Geschichte und mir wurde plötzlich klar, warum die Frau so traurig war als sie mich kaufte und dass ich nur ein Trostpflaster, war als sie sich für mich entschied. Da konnte ich noch keine Zuneigung zu mir erkennen. Der geliebte Hector das Widder- Zwergkaninchen deren eigentliche Besitzerin die Enkelin Lisa-Marie war, sie hatte ihn zu Ostern geschenkt bekommen, er lebte aber bei ihren Großeltern, weil sie Hector nicht mit nach hause nehmen konnte. Sie kam aber immer in den Schulferien um ihren vierbeinigen Freund zu sehen und mit ihm zu spielen.
So auch im Oktober in den Herbstferien. Lisa-Marie und mein neues Frauchen kamen überein, dass der siebzehnte Oktober Hectors erster Geburtstag sein sollte. Sie backten am Vorabend einen Hasenkuchen aus leckeren Zutaten, den er sicher gerne knabbern würde.
Am nächsten Morgen wurden dann die kleinen Geschenke vor ihm ausgebreitet. Doch Hector hatte keinen Appetit, er nahm auch keine der anderen Leckereien, von denen er sonst nicht genug bekommen konnte, zu sich. Er wirkte sehr ruhig
und wollte auch nicht mit Lisa- Marie um den Esstisch um die Wette rennen, im Gegenteil er lag unlustig herum und wollte am liebsten nur schlafen. Am anderem morgen sah mein neues Frauchen mit Entsetzen dass er über Nacht überhaupt keine Nahrung mehr aufgenommen hat.
Da schrillten bei ihr sofort alle Alarmglocken, denn sie wusste wenn ein Kaninchen keine Nahrung mehr zu sich nimmt, muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden. Er wurde noch am selben Tag auf das gründlichste untersucht und die Röntgenaufnahme zeigte, dass sich im Magen etwas Unverdauliches befand. Das war schon eine sehr ernste Sache.
Er bekam Spritzen und mein Frauchen flößte ihm mehrmals täglich frisch gepressten Ananassaft ein, ebenso flüssige Spezialnahrung. Sie massierte bis dreimal täglich sein Bäuchlein, indem sie ihn wie ein Baby auf den Arm nahm. Hector hielt ganz still, er spürte, dass ihm die Massage guttat. Die Anstrengungen haben sich gelohnt und er hatte nach einer Woche wieder leise Darmgeräusche.
Nach zwei Wochen war er fast wieder der „Alte“ aber dann kugelte er sich beim Sprung aus seinem Heim das Hüftgelenk aus, er landete auf dem Rücken, vielleicht vor Schwäche. Da konnte jetzt nur eine OP helfen, da er nicht sofort behandelt werden konnte, denn der Unfall geschah am Samstag und Montag war noch ein Feiertag. Die zwei Tierärzte entschieden sich für eine Operation, oder eventuell in der Narkose das Hüftgelenk wieder einzurenken und es zu fixieren. In der Narkose erlitt das arme Kerlchen einen Herzstillstand.
Alle Bemühungen der Tierärzte ihn zu reanimieren waren vergeblich. Die Trauer war sehr groß und er wurde im Arm von seinem Frauchen nach hause getragen. Dann wurde er auf die Couch gebettet wo Frauchen sich dann unter Tränen vom ihm verabschiedet hat. Als nach zwei Stunden die Starre eintrat hat sie ihm noch mal sein kaltes Öhrchen geküsst und ihn sanft in einen kleinen Sarg, den Herrchen gezimmert hatte, mit vielen gelben Roseblättern, welche er so gerne futterte und Watte gebettet und er bekam ein schönes Grab auf dem Grundstück. Er wird nie vergessen werden. Ein kleiner Rosenstock ziert jetzt sein Grab. Mein Frauchen weinte während sie alles erzählte und wieder durchlebte, dass Hector nur so ein kurzes Kaninchenleben hatte, vor sich hin.
Nun wusste ich, warum sie so traurig war. Er ist wirklich viel, viel zu früh in den Kaninchenhimmel gegangen. Lisa- Marie war auch furchtbar traurig und sie weinte bitterlich. Ihre Freundin, die auch Kaninchen hat trauerte gemeinsam mit ihr.
Ich werde alles tun, dass mein Frauchen wieder fröhlich wird. Sie geht so lieb und zart mit mir um und wird mich mit Sicherheit eines Tages genau so lieben wie sie Hector geliebt hat. Wenn sie mich aus meinem Heim heraus holt bleibe ich unbeweglich auf ihrem Schoß sitzen. Ich versuche nicht zu fliehen und beiße auch nicht. Ich liebe es, wenn sie mich dann streichelt oder mit einer kleinen Bürste mein Fell pflegt. Normal sind kleine Kaninchen ja keine Schoßtierchen, doch ich lasse mir gerne sanft das Fell von ihr streicheln und so wurden wir im Laufe der Zeit immer vertrauter miteinander.
