So fühlt sich nur die Liebe an - Rachel Gibson - E-Book

So fühlt sich nur die Liebe an E-Book

Rachel Gibson

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Beschreibung

Eine herrlich romantische Kurzgeschichte von Bestsellerautorin Rachel Gibson.

Seine erste große Liebe vergisst man angeblich nie. Doch Blue Butler aus New Orleans würde nichts lieber vergessen als ihre stürmische Teenageraffäre mit Kasper Pennington, in den sie so schrecklich verliebt war und der einfach verschwand, um zu den Marines zu gehen. Doch plötzlich ist er wieder da – reifer, muskulöser und charmanter. Und auch er hat die Südstaatenschönheit Blue nie vergessen können …

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Seitenzahl: 123

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Inhalt

Seine erste große Liebe vergisst man angeblich nie. Doch Blue Butler aus New Orleans würde nichts lieber vergessen als ihre stürmische Teenageraffäre mit Kasper Pennington, in den sie so schrecklich verliebt war und der einfach verschwand, um zu den Marines zu gehen. Doch plötzlich ist er wieder da – reifer, muskulöser und charmanter. Und auch er hat die Südstaatenschönheit Blue nie vergessen können …

Weitere Informationen zu Rachel Gibson sowie zu lieferbaren Titeln der Autorin finden Sie am Ende des Buches.

RACHEL GIBSON

So fühlt sich nur die Liebe an

Übersetzt von Antje Althans

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel»Blue By You« bei Avon Impulse, an imprint of HarperCollins Publishers, New York.

Deutsche Erstveröffentlichung August 2015

Copyright © der Originalausgabe 2013 by Rachel Gibson

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2015

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur

Thomas Schlück GmbH, 30827 Garbsen.

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München

Umschlagmotiv: © FinePic®, München

Redaktion: Sandra Lode

MR · Herstellung: Str.

ISBN: 978-3-641-14935-2

www.goldmann-verlag.de

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Dies ist ein Roman. Personen, Orte und Handlungen sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Kapitel 1

An den meisten Sonntagen konnte einem in St. James Parish nicht entgehen, dass ständig irgendwelche Sünder zu irgendeiner Messe pilgerten, die von sieben Uhr morgens bis sieben Uhr abends alle halbe Stunde in der einen oder anderen Kirche abgehalten wurden. Während der Rest des Staates Louisiana für Trivialitäten wie Jazz, Flusskrebse und Mardi Gras berühmt war, zeichnete sich St. James Parish dadurch aus, Nummer drei auf der Liste der US-amerikanischen Bezirke mit den meisten Katholiken zu sein.

Ehre sei Dir, Herr.

Die Gegend war auch für Perique-Tabak und dreihundert Jahre alte Lebenseichen bekannt, die mit langen, dünnen Trieben des filigranen Louisianamooses behangen waren, vor allem jedoch für die großen Plantagen, die die River Road am Mississippi entlang säumten. Diese Antebellum-Villen waren ein Teil der Geschichte der Südstaaten und brachten eine Menge Geld von Touristen ein.

Dank sei dem Herrn!

Auf der Veranda des umgestalteten Sklavenaufseher-Cottages von Dahlia Hall führte Blue Butler ihren Purple Jesus zum Mund, den sie direkt aus einem Mason-Glas trank. Der kalte Traubensaft mit Ginger Ale und Wodka kühlte ihre Kehle und wärmte ihren Magen. Es war Sonntag, und am Tag des Herrn belohnte sich Blue mit einem Purple Jesus für eine Woche harte Arbeit.

Amen.

Die Abendsonne warf lang gezogene Schatten über die ausgedehnten Gartenanlagen von Dahlia Hall, während auf die Rückseite des Herrenhauses goldenes Licht fiel. Die Plantage war an die zweihundert Jahre im Besitz von Blues Familie und früher einer der größten Zuckerhersteller in den Südstaaten gewesen, der wichtigste nach der Esterbrook-Plantage, die an der River Road nur wenige Meilen weiter südlich lag. Doch auch wenn Esterbrook mehr Zucker produziert hatte, war die dortige Villa nie so elegant gewesen wie Dahlia Hall, die Außenanlagen nie so ansprechend. Mit den zwei markanten Treppenaufgängen, die sich vom Boden bis zum oberen Balkon wölbten, und der Lünette über dem Eingang war Dahlia Hall eine beeindruckende Kombination aus französisch-kreolischem Kolonialstil und Greek-Revival-Stil.

Esterbrook war schlicht im klassischen Greek-Revival-Stil erbaut. Quadratisch, mit zwei rundum verlaufenden Balkonen, die von zahlreichen korinthischen Säulen gestützt wurden. Doch in einem war Esterbrook allen anderen Greek-Revival-Villen am Mississippi überlegen: in der schieren Größe des Haupthauses. Es war so riesig, dass man sich fragen musste, ob Theodore Pennington, der ursprüngliche Besitzer, damit irgendetwas hatte kompensieren wollen.

Quantität hieß nicht immer Qualität, und wie Blues Ururur-Urgroßmutter über die Penningtons zu sagen pflegte: »Man kann einem Schwein einen Goldring durch die Nase ziehen, und es bleibt trotzdem ein Schwein.«

Natürlich hätte Ururur-Urgroßmutter Toussaint allein bei der Vorstellung, dass eine ihrer Nachfahrinnen aus einem Mason-Glas einen Purple Jesus schlürfen könnte, einen hysterischen Anfall bekommen. Blue war überzeugt, dass sie für das erste weibliche Oberhaupt von Dahlia Hall eine Riesenenttäuschung gewesen wäre. Sie hauste im Cottage des Sklavenaufsehers, und ihre dunklen Locken, die ihr bis auf den Rücken herabfielen, waren ständig zerzaust. Sie lief barfuß herum und stellte ihre nackten Beine in einer abgeschnittenen Jeans zur Schau. Nicht genug, dass sie am Tag des Herrn Alkohol trank, sie hatte auch noch ihr dünnes weißes T-Shirt mit Purple Jesus bekleckert. Eine Südstaatenlady war sie nicht, so viel stand fest.

Als Blue noch ein Kind gewesen war, hatte ihre geliebte Großmutter nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie abgeschnittene Jeans missbilligte, die sie »billigen Ramsch« nannte; doch Blue hatte schon immer das Gefühl einer lange getragenen Jeans auf der Haut geliebt und nie eingesehen, warum sie eine bequeme Hose ausrangieren sollte, nur weil sie ein Loch am Knie hatte. Sicher, sie sah heute schrecklich aus, aber es war immerhin Sonntag. Der einzige Tag, an dem sie von Dahlia Hall freihatte.

Blue trank noch einen Schluck und blickte hinaus auf die gepflegten Hecken, die kunstvoll angelegten Blumenbeete, die sprudelnden Springbrunnen und die Statuen im Parterregarten. Es hatte sie fünf Jahre Zeit und unglaublich viel Geld gekostet, um die Gartenanlagen auf Dahlia Hall instand zu setzen, und Blue hoffte, dass die Frauen der nächsten Toussaint-Generationen verstehen würden, dass sie getan hatte, was nötig war, um die Plantage in der Familie zu halten. Sie war im Haupthaus aufgewachsen, das jedoch viel zu groß war, um von einer einzigen Person unterhalten zu werden. Körperlich und vor allem finanziell.

Ururururgroßmutter Dahlia war vor dem »Krieg zwischen den Staaten«, wie der Sezessionskrieg hier im Süden genannt wurde, bei einem Buggy-Unfall ums Leben gekommen und hatte sich nie Gedanken um Dinge wie Geld und Steuern machen müssen. Wenn die ursprüngliche Hausherrin in die Zukunft hätte blicken und sehen können, wie Touristen mit Flipflops dreimal täglich, sechs Tage die Woche, durch die mit Seilen abgesperrten Bereiche ihres geliebten Zuhauses schlappten, wäre sie schnurstracks auf ihre Chaiselongue zugesteuert. Fremde, die Porträts und Fotografien von Generationen von Toussaints begafften; Touristen, die durch ihr Schlafzimmer schlenderten, in dem sie fünf Söhne und zwei Töchter geboren hatte, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreicht hatten. Das alles hätte sie untröstlich in eine Ohnmacht sinken lassen.

Trotzdem, dies war eine Plantage, die durch Sklavenarbeit betrieben worden war. Blue wiegte sich in ihrem alten Schaukelstuhl und trank noch einen Schluck. Ihr gefiel die Vorstellung nicht, dass Dahlia Toussaint Rassistin gewesen war, und sah sie lieber als eine Frau ihrer Zeit. Es war nichts überliefert, was darauf hindeutete, dass sie einer Fliege etwas hätte zuleide tun können. Doch so gerne manche Familien es heute auch ausblendeten, es ließ sich nicht leugnen, dass Sklaverei in den Südstaaten legal gewesen war.

Blue fand, dass historische Wahrheiten schonungslos dargelegt und offen diskutiert werden sollten. Deshalb hatte sie zehn der ursprünglich dreiundsechzig Sklavenhütten instand setzen lassen, um den Touristen auch diesen Teil der amerikanischen Geschichte nahezubringen und ihnen zu zeigen, dass es auf Dahlia Hall weder wie auf Jeffersons Landgut Monticello noch wie in Tarantinos Django Unchained zugegangen war.

Es gab nur noch sehr wenige historische Plantagenhäuser in der Gegend, die noch im Besitz eines direkten Nachkommen der ursprünglichen Eigentümer waren. Dahlia Hall und Esterbrook, die nur wenige Meilen voneinander entfernt lagen, waren zwei davon. Esterbrook war der Öffentlichkeit jedoch nicht zugänglich.

Die Plantage weiter unten an der Straße gehörte einem der Letzten aus einer langen Reihe sich rasant vermehrender Penningtons. Blues Steuerberaterin und Highschool-Freundin Carolee zufolge lebte Kasper Pennington in Jefferson Parish, wurde jedoch oft auf Esterbrook gesichtet, wo er damit beschäftigt war, das Haupthaus instand zu setzen. In St. James Parish waren Klatsch und Tratsch das Evangelium, doch seit sie diverse Baufahrzeuge gesehen hatte, auf denen sein Name prangte, wusste sie, dass es stimmte.

Blue bückte sich und stellte ihr Glas auf die Holzveranda. Sie verscheuchte eine Fliege vor ihrem Gesicht und blinzelte in die Abendsonne. Bei einem »River Society«-Meeting vor fünf Jahren hatte sie alles über Kaspers Rückkehr nach Louisiana erfahren, über seine Zeit bei den Marines und seine Baufirma. Es war die Rede davon gewesen, dass er mit dem Aufbau des von Katrina verwüsteten Lower-Ninth-Ward-Bezirks in New Orleans und von St. Bernard Parish angefangen hatte. Inzwischen besaß er mehrere Baufirmen und stellte viele ehemalige Marines ein.

Das hatte sie gehört. Das und auch anderes. Schmeichelhaftes über seine Karriere bei den Marines und weniger Schmeichelhaftes über sein Privatleben. Über seine Ehen (zwei) und Scheidungen (ebenfalls zwei) und seine Vorliebe für Flittchen. Blutjunge Flittchen.

Natürlich hatte Blue Kasper Pennington nicht gesehen. Schon lange nicht mehr. Nicht, seit er seine Ausbildung zum Kundschafter-Scharfschützen absolviert hatte und auf Heimaturlaub gewesen war. Das war vor zweiundzwanzig Jahren gewesen, als seine Großmutter, Miss Sudie, noch auf Esterbrook gelebt hatte. Zweiundzwanzig Jahre, seit sie über dampfende Flusskrebstöpfe hinweg in seine dunklen Augen gesehen und gespürt hatte, wie sie unter seinem direkten Blick errötete.

Es gab Männer, vor denen Mütter einen warnten. Ganze Familien, vor denen Generationen von Müttern ihre Töchter warnten. »Halt dich fern von den verdorbenen, süßholzraspelnden Pennington-Jungs«, tönte die Warnung durch die Jahrzehnte. Was natürlich bloß dazu diente, Generationen von Töchtern neugierig zu machen.

Töchter wie Blue.

Als sie nach ihrem Mason-Glas griff, erregte ein weißes Aufblitzen hinter den GarÇonnières ihre Aufmerksamkeit. Dahlia Hall war geschlossen, die Tore versperrt und die Alarmanlage im Haupthaus eingeschaltet. Blue richtete sich auf und schirmte ihre Augen mit der Hand ab. Da war es wieder, in den Schatten der Eichenallee, und bewegte sich auf den Familienfriedhof zu. Nicht schnell, aber in gleichmäßigem Tempo, wie durchs Alter verlangsamt. Wenn der Kirchenhut nicht gewesen wäre, hätte Blue die Gestalt für den Geist ihrer geliebten Großmutter, Julia Toussaint-Butler, halten können, der gekommen war, um sie heimzusuchen. Ähnlich wie der Hut, den ihre Großmutter stets zur Messe in St. Philips getragen hatte, nur dass Julias schwarz gewesen war, mit schwarzer Netzstickerei und wenigen geschmackvollen Federn. Der Hut, der auf den Friedhof zusteuerte, war rot. Mit massenhaft roter Netzstickerei und langen Federn, die auf und ab wippten. Ihre Großmutter hätte niemals einen roten Kirchenhut getragen.

ENDE DER LESEPROBE