Verrückt nach Liebe - Rachel Gibson - E-Book

Verrückt nach Liebe E-Book

Rachel Gibson

3,8
2,99 €

Beschreibung

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Lily Darlington hat schon einige verrückte Dinge in ihrem Leben getan. Ihr Exmann kann ein Lied davon singen, schließlich hat sie ihr Auto in sein Wohnzimmer gefahren – er hatte es aber wirklich verdient! Doch das ist alles schon Jahre her und Lily ist endlich wunschlos glückliche, alleinstehende Mutter und erfolgreiche Geschäftsfrau. Bis Tucker Matthews, der neue unwiderstehliche Hilfssheriff, in ihr Nachbarhaus zieht, und Lily merkt, dass ihr vielleicht noch eine Sache zum perfekten Glück fehlt. Womöglich ist es Zeit für eine letzte kleine Verrücktheit.

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Seitenzahl: 143

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Inhalt

Lily Darlington hat schon einige verrückte Dinge in ihrem Leben getan. Ihr Exmann kann ein Lied davon singen, schließlich hat sie ihr Auto in sein Wohnzimmer gefahren – er hatte es aber wirklich verdient! Doch das ist alles schon Jahre her, und Lily ist endlich wunschlos glückliche, alleinstehende Mutter und erfolgreiche Geschäftsfrau. Bis Tucker Matthews, der neue unwiderstehliche Hilfssheriff, in ihr Nachbarhaus zieht, und Lily merkt, dass ihr vielleicht noch eine Sache zum perfekten Glück fehlt. Womöglich ist es Zeit für eine letzte kleine Verrücktheit ...

Weitere Informationen zu Rachel Gibson sowie zu lieferbaren Titeln der Autorin finden Sie am Ende des Buches.

Rachel Gibson

Verrückt nach Liebe

Übersetzt von Antje Althans

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Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel»Crazy on you« bei Avon Impulse, an imprint of HarperCollins Publishers, New York.
Copyright © der Originalausgabe 2012 by Rachel Gibson Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Wilhelm Goldmann Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,Neumarkter Str. 28, 81673 München Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur, München Umschlagmotiv: left of centre photography / getty images; FinePic®, München Redaktion: Anita Hirtreiter MR · Herstellung: Str. ISBN: 978-3-641-12137-2V003www.goldmann-verlag.de
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Kapitel eins

Lily Darlington hasste es, wenn man sie für verrückt hielt. Lieber hätte sie sich als Zicke bezeichnen lassen – oder gar als blöde Zicke –, weil sie wusste, dass sie keins von beidem war und auch nie gewesen war. Jedenfalls nicht mit Absicht. Doch sobald jemand das v-Wort vor Zicke setzte, ging Lily tatsächlich wie eine verrückte Zicke auf jemanden los.

Zumindest hatte sie das früher getan, als sie noch impulsiver gewesen war und ihre Gefühle nicht unter Kontrolle gehabt hatte. Als sie in null Komma nichts auf hundertachtzig war. Als sie Jimmy Joe Jenkins in der dritten Klasse Milch über den Kopf geschüttet und in der sechsten die Luft aus Sarah Littles Fahrradreifen gelassen hatte. Als sie noch geglaubt hatte, dass jede Aktion nach einer Reaktion verlangte. Als sie noch unbesonnen gewesen und gelegentlich übers Ziel hinaus geschossen war – zum Beispiel, als sie mit ihrem Ford Taurus ins Wohnzimmer ihres Exmanns gerast war.

Aber in letzter Zeit war sie nicht übers Ziel hinausgeschossen. Mittlerweile war sie in der Lage, ihre Emotionen im Zaum zu halten. Inzwischen war sie eine seriöse Geschäftsfrau und Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Sie war achtunddreißig und hatte hart an sich gearbeitet, um das »verrückt« aus ihrem Leben und vor ihrem Namen zu verbannen.

Lily schnappte sich eilig ihre Tote Bag und verließ ihren Friseur- und Schönheitssalon Lily Belle durch die Hintertür. Da sie für ihren letzten Schneiden-und-Färben-Termin länger gebraucht hatte als erwartet, war es schon nach sieben. Sie musste gut hundert Kilometer fahren, ihrem Sohn ein Abendessen zaubern, ihm bei den Hausaufgaben helfen und ihn in die Badewanne scheuchen. Sobald er im Bett war, stand auf ihrer To-do-Liste noch, die Goodie-Bags für ihre Sonderaktion am nächsten Samstagabend zusammenzustellen.

Eine vereinzelte Glühbirne leuchtete über ihrem Kopf, während sie die Tür abschloss. Die kalte Nachtluft strich über ihre Wangen, und eine leichte Brise fuhr unter ihren Wollmantel. Es war Ende März im Texas Panhandle und abends immer noch so kalt, dass ihr Atem in einer Wolke vor ihrem Gesicht hing.

Solange sie zurückdenken konnte, hatten die Leute sie als verrückt bezeichnet. Die verrückte Lily Brooks. Dann hatte sie diese Ratte Ronnie Darlington geheiratet, und sie hatten sie die verrückte Lily Darlington genannt.

Als sie zu ihrem Jeep Cherokee lief, hallte das Klappern ihrer Stiefelabsätze vom Müllcontainer wider. Mit dem Daumen auf dem Funkschlüssel entriegelte sie die Türen, und die Heckklappe sprang auf. Sie stellte ihre schwere Tote Bag neben die Kisten mit Haut- und Haarpflegeprodukten und klappte den Kofferraum wieder zu.

Okay, vielleicht war sie während ihrer Ehe ein kleines bisschen verrückt gewesen, aber ihr Exmann hatte sie auch verrückt gemacht. Er hatte mit der Hälfte der weiblichen Bevölkerung von Lovett, Texas geschlafen. Er hatte sie nach Strich und Faden betrogen und ihr weisgemacht, sie sähe Hirngespinste. Er war ein so brillanter Heimlichtuer gewesen, dass sie schon fast selbst geglaubt hatte, es wäre nur Einbildung. Doch dann hatte er sie wegen Kelly dem Flittchen abserviert. Sie erinnerte sich nicht mal mehr an Kellys Nachnamen, aber er war von heute auf morgen ohne jeden Skrupel ausgezogen. Zudem hatte er sie allein mit einem Stapel Rechnungen, einem leeren Kühlschrank und einem zwei Jahre alten Jungen zurückgelassen.

Er hatte geglaubt, er könne ein neues Leben anfangen und würde damit davonkommen, sie vor allen bloßzustellen. Er hatte tatsächlich gedacht, sie würde es einfach so hinnehmen, und das hatte sie mehr als alles andere dazu gebracht, mit ihrem Wagen in sein Wohnzimmer zu rasen. Sie hatte weder ihn noch sonst jemanden umbringen wollen. Er war zu der Zeit nicht mal zu Hause gewesen. Sie hatte ihn nur wissen lassen wollen, dass er sie nicht einfach so wegwerfen konnte. Dass er nicht einfach so gehen konnte, ohne genauso zu leiden wie sie selbst. Doch er hatte nicht gelitten. Lily war mit einer Gehirnerschütterung und einem gebrochenen Bein im Krankenhaus gelandet, während ihm das Ganze – von seinem kaputten Fernseher mal abgesehen – am Arsch vorbeigegangen war.

Sie schloss sich in ihrem SUV ein und ließ den Motor an. Der rote Jeep Cherokee war der erste Neuwagen, den sie sich jemals angeschafft hatte. Noch bis vor einem Jahr hatte sie immer Gebrauchtwagen gekauft. Aber der Erfolg ihres Friseur- und Schönheitssalons ermöglichte es Lily, Geld für etwas auszugeben, wovon sie schon immer geträumt hatte – etwas, wovon sie nie geglaubt hätte, dass es jemals wahr würde. Ihre Doppelscheinwerfer leuchteten auf der Rückwand des Salons, als sie rückwärts vom Parkplatz setzte und nach Hause fuhr – zu dem Häuschen mit drei Schlafzimmern direkt neben dem ihrer Mutter in Lovett, einer Kleinstadt nördlich von Amarillo, woher sie auch stammte.

Neben ihrer Mutter zu wohnen war Fluch und Segen zugleich. Ein Fluch, weil Louella Brooks im Ruhestand war und nichts anderes zu tun hatte, als ihre Nase in fremde Angelegenheiten zu stecken; ein Segen, weil diese im Ruhestand war und auf Pippen aufpassen konnte, wenn er aus der Schule kam. Und obwohl ihre Mutter sie mit ihrer »Gartenkunst« wahnsinnig machte, so war sie doch eine gute Großmutter, und Lily fand es angenehm, sich wegen ihres Sohnes keine Sorgen machen zu müssen.

Lily fuhr auf den Highway nach Lovett und stellte im Radio einen Countrymusic-Sender ein. Sie hatte ihren Sohn nie allein großziehen wollen; sie war selbst von einer alleinerziehenden Mutter großgezogen worden. Louella hatte rund um die Uhr geschuftet, um Lily und ihre ältere Schwester Daisy durchzubringen, und im Wild Coyote Diner unzählige Stunden Kaffee eingeschenkt und Rindersteaks serviert. Lilys Wunsch war es, dass es ihrem eigenen Kind einmal besser erginge: Phillip Ronald Darlington, oder Pippen, wie ihn alle nannten. Als er zur Welt kam, war sie achtundzwanzig gewesen. Sie hatte damals schon gewusst, dass es in ihrer Ehe kriselte, jedoch verzweifelt an ihr festgehalten und sich alle Mühe gegeben, ihre kleine Familie zusammenzuhalten, um ihrem Sohn etwas zu geben, das sie selbst nie gehabt hatte: einen Daddy und eine Mom, die immer zu Hause war. Dafür hatte sie über vieles hinweggesehen, nur um letzten Endes hilflos zusehen zu müssen, wie Ronnie Pippen und sie doch verließ.

Um diese Zeit war auf der Strecke nach Lovett nicht viel Verkehr, und während der Fahrt leuchteten ihre Scheinwerfer auf dem Asphalt und auf dem Wüsten-Beifuß am Straßenrand. Sie schaltete das Radio aus, nestelte an ihrem iPod und sang bei einem Song der Countryband Rascal Flatts mit. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug hundertzehn Stundenkilometer, was in Wahrheit hundertzwanzig bedeutete. Das wusste jeder, weshalb sie auf hundertdreißig beschleunigte.

Ein Jahr nach ihrer Scheidung war sie womöglich ein wenig … ausgeflippt. Hatte impulsiv und emotional gehandelt. Hatte sich vielleicht verloren; war vielleicht aus ein paar Jobs zu viel gefeuert worden; hatte ein paar Tequilas zu viel gekippt und mit ein paar Männern zu viel geschlafen. Hatte womöglich ein paar unüberlegte Entscheidungen getroffen – wie das Lilien-Tattoo an ihrem Hüftbein und ihre Brustvergrößerung. Aber es war ja nicht so, als hätte sie Riesen-Stripperinnen-Titten. Sie hatte sich die Brüste nur von dem B-Körbchen, das sie nach der Geburt ihres Sohnes hatte, zu einem vollen C-Körbchen vergrößern lassen, das sie schon vorher gehabt hatte. Jetzt hasste sie es, Geld für ein Tattoo rausgeworfen zu haben, und hatte auch gemischte Gefühle, was die Kosten ihrer Brust-OP betraf. Zu einem günstigeren Zeitpunkt in ihrem Leben hätte sie es vielleicht nicht getan. Wenn sie das Selbstvertrauen gehabt hätte, das sie mittlerweile hatte, hätte sie das Geld vermutlich für etwas Sinnvolleres ausgegeben. Andererseits gefiel Lily ihr Aussehen, und sie bereute es im Grunde nicht. Damals war der neue Busen der verrückten Lily Darlington das Gesprächsthema schlechthin in der Kleinstadt gewesen. Oder zumindest in der Kadaver-Bar, wo sie zu viel Zeit auf der Suche nach »dem Richtigen« verbracht hatte – nur um wieder mal mit dem Falschen im Bett zu landen.

Lily blickte nicht gern auf dieses Jahr ihres Lebens zurück. Sie war nicht die beste Mutter gewesen, hielt es jedoch inzwischen für eine Phase, die sie hatte durchmachen müssen, um dahin zu kommen, wo sie heute stand. Eine Phase, die sie hatte durchleben müssen, bevor sie wieder zur Vernunft kam und an ihre und Pippens Zukunft denken konnte. Etwas, das sie seelisch hatte verarbeiten müssen, ehe sie eine Fortbildung zur Friseurin machte, ihre Lizenz erlangte und sich einen festen Kundenstamm aufbaute.

Sieben Jahre, nachdem sie ihre erste Dauerwelle gelegt und ihren ersten Haarschnitt verpfuscht hatte, war sie nun die Inhaberin eines Salons namens Lily Belle, in dem andere Stylisten, Masseure, Maniküren und Hautspezialistinnen Behandlungsräume von ihr anmieteten. Ihr ging es endlich gut. So gut, dass sie nicht mehr die Anruferkennung nutzen musste, um Telefonaten mit Schuldeneintreibern zu entgehen.

Sie dachte an alles, was sie am Abend noch erledigen musste, und hoffte, dass ihre Mutter Pippen schon etwas zu essen gemacht hatte. Der Junge war größer als die meisten Gleichaltrigen. Er würde einmal so groß wie sein Daddy, die Ratte. Auch wenn Ronnie seinem Sohn in letzter Zeit einen Tick mehr Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Er nahm ihn am nächsten Wochenende, was schön war, da Louella ihren Bingoabend hatte und Lily ihre Sonderaktion.

Als das Telefon in ihrer Handtasche und das UConnect im Wagen klingelten, blickte sie aufs Lenkrad. Der Jeep Cherokee war immer noch so neu für sie, dass sie oft die falschen Knöpfe drückte und die Anrufe beendete statt annahm. Besonders abends. Sie drückte einen Knopf, von dem sie hoffte, dass er der richtige war. »Hallo?«

»Wann kommst du nach Hause?«, fragte ihr Sohn.

»Ich bin schon unterwegs.«

»Was gibt’s zu essen?«

Lächelnd griff sie in ihre Handtasche auf dem Beifahrersitz. »Hat Grandma dir nichts gekocht?«

Pippen seufzte. »Sie hat Spaghetti gemacht.«

»Oh.« Louella war berüchtigt für ihre schlechte italienische Küche. Dasselbe galt für Tex-Mex-Gerichte. Für eine Frau, die ihr Leben lang Essen serviert hatte, war sie eine miserable Köchin.

»Ich verstecke mich im Bad.«

Lily lachte und zog eine Flasche Wasser heraus. »Ich mach dir ein getoastetes Käsesandwich mit Suppe«, versprach sie und schraubte den Verschluss ab. Sie hatte Halsschmerzen und fragte sich, ob sie sich einen Infekt eingefangen hatte. Das war nur eines der vielen Risiken, wenn man beruflich viel mit Menschen zu tun hatte.

»Schon wieder?«

Jetzt war es an Lily zu seufzen. »Was willst du denn?« Sie sah über den Flaschenrand auf die Straße, während sie einen großen Schluck trank. Sie hatte keine Zeit, um krank zu werden.

»Pizza.«

Lächelnd ließ sie die Flasche sinken. »Schon wieder?«

Ein Blinklicht im Rückspiegel erregte ihre Aufmerksamkeit. Dicht hinter ihr fuhr ein Streifenwagen, weshalb sie den Fuß vom Gas nahm, um ihn vorbeizulassen. Als er nicht überholte, stellte sie erschrocken fest, dass er sie im Visier hatte. »Du meine Güte«, murmelte sie. »Das kann nicht sein Ernst sein.«

»Was?«

»Nichts. Ich muss Schluss machen, Pippen.« Sie wollte ihn nicht beunruhigen. »Ich bin bald zu Hause«, versicherte sie ihm und legte auf. Sie hielt am Straßenrand, und die Scheinwerfer und das rot-weiß-blaue Blinklicht erhellten den Jeep Cherokee, als der Sheriffwagen hinter ihr hielt.

Es hatte eine Zeit in ihrem Leben gegeben, in der sie durchgedreht wäre. In der sie Herzrasen bekommen, ihr Puls gehämmert, ihr der Kopf geschwirrt und sie fieberhaft überlegt hätte, wobei man sie nun wieder ertappt oder was sie im Handschuhfach, in der Konsole oder im Kofferraum versteckt hatte. Doch die Zeiten waren vorbei, und heute Abend war sie nur verärgert. Was vermutlich bedeutete, dass sie eine gesetzestreue Bürgerin war. Mit achtunddreißig endlich erwachsen. Trotzdem war sie verärgert.

Sie schaltete das Automatikgetriebe auf Parken und drückte auf den Fensterknopf an der Armlehne. Während die Scheibe aufglitt, beobachtete sie im Seitenspiegel, wie die Tür des Sheriffwagens aufging. Sie kannte fast alle Hilfssheriffs in Potter County, da sie mit der Hälfte von ihnen oder ihren Verwandten die Schulbank gedrückt hatte. Wenn es Neal Flegel oder Marty Dingus war, der sie angehalten hatte, wäre sie richtig sauer. Neal war ein Freund von ihr, der nicht lange fackeln würde, sie anzuhalten, um einfach nur mit ihr zu quatschen, und Marty war frisch geschieden. Sie hatte ihm letzte Woche die Haare geschnitten, und er hatte regelrecht aufgestöhnt, als sie ihn im Haarwaschbecken einshampoonierte. Sie hatte keine Zeit für eine Fahrzeugkontrolle, nur damit Marty sie erneut um eine Verabredung bitten konnte.

Eine Falte zerfurchte ihre Stirn, als sie dem von hinten beleuchteten Hilfssheriff dabei zusah, wie er auf sie zukam. Er war kleiner als Marty und dünner als Neal. Sie konnte erkennen, dass er eine braune Nylonjacke mit einem Stern auf der Brust trug. Am Kragen seiner Jacke war einiges Zubehör befestigt, und sein Gürtel schien von diverser Polizeiausrüstung beschwert zu sein. Die Wolke seines Atems hing von den Scheinwerfern erhellt hinter ihm, während er näher kam und das stete Stampfen seiner Polizeistiefel lauter wurde.

»Ich glaube nicht, dass ich zu schnell gefahren bin, Officer«, sagte sie, als er an ihrer Tür stehen blieb.

»Und ob Sie das sind.« Die rot-weiß-blauen Lichter leuchteten seitlich auf seinem Gesicht. Sie konnte seine Züge nicht klar erkennen, sah aber, dass er jung war. »Haben Sie eine Waffe im Wagen, Ms Darlington?«

So war das also. Er hatte ihr Nummernschild überprüft und wusste, dass sie die Erlaubnis hatte, eine versteckte Waffe mit sich zu führen. »Die ist unter meinem Sitz.«

Er zog seine Stabtaschenlampe hervor und leuchtete auf ihren Schoß und zwischen ihre Füße.

»Sie werden sie nicht sehen.«

»Sorgen Sie dafür, dass es so bleibt.« Er richtete das Licht auf ihre Schulter. »Ich muss Ihren Führerschein, Ihren Fahrzeugschein und Ihren Versicherungsnachweis sehen.«

Sie schnappte sich ihre Handtasche und zog ihre Geldbörse heraus. »Sie sprechen zu schnell, um von hier zu sein.« Sie zog auch ihren Führerschein und ihre Versicherungskarte hervor. »Sie müssen neu in der Stadt sein.«

»Ich bin erst seit ein paar Wochen in Potter County.«

»Das erklärt es.« Sie griff nach ihrem Fahrzeugschein im Handschuhfach und händigte ihm die Dokumente aus. »Hier wird sonst keiner wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten.«

»Deshalb habe ich Sie auch nicht angehalten.« Er leuchtete mit seiner Lampe auf ihre Papiere. »Sie haben mehrfach die Mittellinie überfahren.«

Im Ernst? Nun ja, wenn sie versuchte, zwei Dinge auf einmal zu tun, war sie nicht die beste Fahrerin. Deshalb hatte sie sich auch das UConnect mit Freisprecheinrichtung angeschafft. »Mir ist seit fünfzehn Kilometern niemand entgegengekommen«, erklärte sie. »Es bestand keinerlei Gefahr eines Frontalzusammenstoßes.«

»Das heißt nicht, dass Sie auf der Mittellinie fahren dürfen.«

Sie blickte in die dunklen Schatten seines Gesichts – und dahin, wo das Licht sein glattrasiertes Kinn, seinen markanten Kiefer und seinen Mund berührte, der durch den Schatten, der über den Bogen seiner Oberlippe fiel, eindrucksvoll wirkte. Der Rest von ihm blieb in der tiefschwarzen Nacht verborgen, sie hatte allerdings eindeutig den Eindruck, dass er nicht nur jung, sondern auch sehr sexy war. So sexy, dass sie in jüngeren Jahren neckisch mit ihren Haaren gespielt hätte. Jetzt verspürte sie jedoch nichts als die Sehnsucht nach ihrem gemütlichen Zuhause und ihrem Flanellschlafanzug. Vielleicht hätte sie das traurig stimmen sollen, aber das tat es nicht.

»Haben Sie heute Abend getrunken?«

Sie lächelte. »Nur Wasser.« Sie musste an das letzte Mal denken, als Neal sie von der Kadaver-Bar nach Hause kutschiert hatte.

»Ist irgendetwas lustig?«

Und an die vielen Male, als sie erst im Morgengrauen von Partys nach Hause gefahren und zur selben Zeit ins Bett gefallen war, als ihre Mutter aufstand, um zur Arbeit zu gehen. »Ja«, sagte sie und fing an zu lachen.

Er verzog keine Miene. »Ich bin gleich wieder da«, brummte er und lief mit ihren Papieren zum Streifenwagen.