Sternkreuzer Proxima - Konvoi der Verzweifelten - Dirk van den Boom - E-Book

Sternkreuzer Proxima - Konvoi der Verzweifelten E-Book

Dirk van den Boom

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Beschreibung

Folge 10: Die Proxima gibt dem Konvoi der Flüchtenden von der Konferenz Geleit - da werden sie erneut angegriffen! Mit den Schiffen der Zu7 fliegt auch ein alter Bekannter ... Captain Gerard Kraus! Kann Zadiya Ark dem rachsüchtigen Terraner etwas entgegensetzen und gleichzeitig den Konvoi schützen? Und was steckt wirklich hinter der Aggression der Maschinenwesen?

Über die Serie:

Schicksalsmission jenseits der Grenzen der bekannten Galaxis!

Der verheerende Bürgerkrieg ist vorbei - zumindest vorerst. Die alte Republik liegt in Schutt und Asche. Die Nachkriegsordnung hängt vor allem von einer Frage ab: Wer kann sich als erster überlegene außerirdische Technologie sichern? Denn die terranische Zivilisation ist nicht allein im Universum!

Die außerirdische KI Caliban hat Captain Zadiya Ark und die Proxima um Hilfe bei einem verheerenden Konflikt in ihrem Heimatsystem gebeten. Unter der Flagge von Arks Heimat Khalid soll die Proxima mit dieser Mission auch einen essentiellen Wissensvorsprung sichern. Doch die Terranische Republik ist ebenfalls interessiert: Admiral Bonet beauftragt Captain Gerard Kraus - und beide haben noch eine Rechnung mit Zadiya Ark offen ...

Wer gewinnt das Wettrennen mit unbekanntem Ziel? Was wird die Terraner dort erwarten? Und warum sollen ausgerechnet die technologisch unterlegenen Menschen in der Lage sein, den Konflikt unter den Aliens zu beenden?

Die Fortsetzung von "Sternkreuzer Proxima" von Dirk van den Boom verspricht erneut packende Action, hintergründigen Humor und einfach gut durchdachte Military-SF!

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Inhalt

CoverSternkreuzer Proxima – Die SerieÜber diese FolgeÜber den AutorTitelImpressum12345678910111213141516

Sternkreuzer Proxima – Die Serie

Der verheerende Bürgerkrieg ist vorbei – zumindest vorerst. Die alte Republik liegt in Schutt und Asche. Die Nachkriegsordnung hängt vor allem von einer Frage ab: Wer kann sich als erster überlegene außerirdische Technologie sichern? Denn die terranische Zivilisation ist nicht allein im Universum!

Die außerirdische KI Caliban hat Captain Zadiya Ark und die Proxima um Hilfe bei einem verheerenden Konflikt in ihrem Heimatsystem gebeten. Unter der Flagge von Arks Heimat Khalid soll die Proxima mit dieser Mission auch einen essentiellen Wissensvorsprung sichern. Doch die Terranische Republik ist ebenfalls interessiert: Admiral Bonet beauftragt Captain Gerard Kraus – und beide haben noch eine Rechnung mit Zadiya Ark offen …

Wer gewinnt das Wettrennen mit unbekanntem Ziel? Was wird die Terraner dort erwarten? Und warum sollen ausgerechnet die technologisch unterlegenen Menschen in der Lage sein, den Konflikt unter den Aliens zu beenden?

Die Fortsetzung von »Sternkreuzer Proxima« von Dirk van den Boom verspricht erneut packende Action, hintergründigen Humor und einfach gut durchdachte Military-SF!

Über diese Folge

Die Proxima gibt dem Konvoi der Flüchtenden von der Konferenz Geleit – da werden sie erneut angegriffen! Mit den Schiffen der Zu7 fliegt auch ein alter Bekannter … Captain Gerard Kraus! Kann Zadiya Ark dem rachsüchtigen Terraner etwas entgegensetzen und gleichzeitig den Konvoi schützen? Und was steckt wirklich hinter der Aggression der Maschinenwesen?

Über den Autor

Dirk van den Boom (geboren 1966) hat bereits über 100 Romane im Bereich der Science-Fiction und Fantasy veröffentlicht. 2017 erhielt er den Deutschen Science Fiction Preis für seinen Roman »Prinzipat«. Zu seinen wichtigen Werken gehören der »Kaiserkrieger-Zyklus« (Alternative History) und die Reihe »Tentakelkrieg« (Military SF). Dirk van den Boom ist darüber hinaus Berater für Entwicklungszusammenarbeit, Migrationspolitik und Sozialpolitik sowie Professor für Politikwissenschaft. Er lebt mit seiner Familie in Saarbrücken.

DIRK VAN DEN BOOM

KONVOI DER VERZWEIFELTEN

Folge 10

Originalausgabe

»be« – Das eBook-Imprint der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Uwe Raum-Deinzer

Lektorat/Projektmanagement: Lukas Weidenbach

Covergestaltung: Massimo Peter-Bille unter Verwendung von Motiven von © Arndt Drechsler

eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-7517-1520-1

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1

»Ein solcher Angriff wird den Feind demoralisieren.«

Der Delegant der Zu7 sagte es ohne jede Empathie, eine kalte, berechnende Feststellung. Kraus hatte absolut nichts dagegen, Feinde zu demoralisieren, er hatte während des Krieges um die Republik durchaus Freude daran empfunden, derlei zu erreichen. Demoralisierte Feinde hatten einen sehr großen Vorteil: Ihr Widerstand wurde schwächer, und sie entwickelten eine Tendenz dazu, die Waffen zu strecken. Besorgniserregend war nur der kleine Prozentsatz an Abweichlern, die eine andere Reaktion entwickelten, etwas, das der Offizier »aktive Verzweiflung« nannte. Wenn ein Bewaffneter nichts mehr zu verlieren, aber noch einige Patronen im Magazin hatte, entwickelte er eine ganz eigene Art der Gefährlichkeit. Seltsamerweise hatten solche Verzweiflungstäter manchmal auch noch das Glück auf ihrer Seite, beides zusammen war in jedem Falle eine gefährliche Mischung.

Daher war Kraus eher vorsichtig, was seinen eigenen Enthusiasmus anging. Sich emotional zurückzuhalten, passte ohnehin gut zu einem Gespräch mit dem Deleganten. Er wunderte sich immer noch ein wenig, dass eine Maschine so gut verstand, was es überhaupt bedeutete, Demoralisierung zu empfinden.

»Wird ein solcher Konvoi nicht besonders gut geschützt sein?«, fragte er.

»Vormals: ja. Aktuell: nein. Es sind zu viele unterwegs und die Kräfte der Allianz weit gestreut. Sollte sich unser Angriff ankündigen, gäbe es das Risiko einer organisierten und vor allem vorbereiteten Gegenwehr. Derzeit gehen wir nicht davon aus, dass man uns erwartet. Die meisten unserer eigenen Einheiten operieren in anderen Sektoren. Wir kommen unerwartet.«

Der Delegant drehte sich, und obgleich man es gar nicht richtig erkennen konnte, wirkte es, als würde er Kraus direkt anstarren. Der Captain der Anaconda bemühte sich um Reglosigkeit angesichts dieser Beobachtung. Aus den Augenwinkeln sah er, wie sich Johannsen in ihrem Sessel versteifte. Gemeinsam saßen sie im Bereitschaftsraum, nur sie beide und der Roboter. Die Frau hatte eine grundlegende Abneigung gegen die Zu7 entwickelt. Diese hielt sie nicht von ihren Pflichten ab, alles andere als das. Dennoch war der Ersten Offizierin stets anzumerken, dass sie die Gegenwart der Zu7-Drohne nicht gerade genoss. Für so eine Empfindung kämpften sie allerdings aktuell auf der falschen Seite.

»Welche Rolle spielen wir?«

»Sie werden sich am Angriff beteiligen.«

»Unsere Bewaffnung ist unzureichend, um erfolgreich gegen Schiffe der Allianz eingesetzt zu werden. Und haben Sie die Schutzschirme erst geknackt, bedarf es unserer Raketen gewiss nicht mehr.«

»Das ist nicht der Punkt. Wir greifen den Konvoi an, in dem die Proxima mitfliegt. Wir wünschen, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit auf dieses Schiff konzentrieren. Wir werden dafür geeignete Rahmenbedingungen schaffen und den Konflikt analysieren.«

Der Delegant war unerbittlich. Er wollte, dass sich die Anaconda in Gefahr brachte. Seine Motivation war auf eine erschütternde Weise der eines organischen Lebewesens ähnlich: Es ging zum einen um einen Loyalitätsbeweis, der die Basis für jede weitere Kooperation sein sollte. Es ging zum zweiten um ihre Rolle als Anschauungsobjekt, das unter dem sezierenden Blick des Deleganten seine Handlungen und Reaktionen offenzulegen hatte. Dafür gab es sogar einen wissenschaftlichen Fachbegriff: die teilnehmende Beobachtung. Kraus hatte es nachgeschlagen, das Einzige, was ihn aktuell von den Reaktionsmöglichkeiten einer Laborratte zu unterscheiden schien. Und vielleicht gab es auch noch einen dritten Grund, der etwas mit der Proxima zu tun hatte. Vielleicht wollte man auch sehen, wie man dort reagierte, wenn es drauf ankam. Über all das konnte Kraus lediglich Spekulationen anstellen.

»Wir stehen zur Verfügung«, sagte er. Der Delegant hatte das unmerkliche Zögern gewiss bemerkt, es war unwahrscheinlich, dass ihm hier irgendwas entging. Aber warum sollte Kraus seinen Widerwillen auch vollständig verbergen?

»Wir werden Ihr Schiff schützen«, erklärte die Maschine. »Die Beobachtung erfordert, dass Ihr Fahrzeug weitgehend unbeschädigt bleibt. Kollateralschäden können nicht ausgeschlossen werden.«

Also Besatzungsmitglieder, die irgendwie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Kraus war kein Mann mit hohen moralischen Standards, das würde niemals jemand über ihn behaupten. Aber seine Crew, das war ein anderes Kapitel. Die ihm anvertrauten Frauen und Männer nicht sinnlos zu opfern und so gut wie möglich am Leben zu erhalten, das gehörte zu den Pflichten, die er früh verinnerlicht hatte. Deswegen ging ihm die nonchalante – oder schlicht eiskalte – Attitüde der Drohne mächtig gegen den Strich. Andererseits würden sie und Admiral Bonet sehr schnell beste Freunde werden – und sich wahrscheinlich im Streitfalle ohne jeden Skrupel gegenseitig umbringen.

Manchmal lebte er schon in einer schrecklichen Welt.

»Dann danke ich Ihnen für den Schutz«, war aktuell die einzige Antwort, die ihm noch einfiel. Johannsen und er beobachteten den Deleganten, wie er einen Datenburst auf ihre Schirme übertrug, ehe er ohne weitere Formalitäten davonglitt und sie im Raum des Captains allein ließ. Johannsen betrachtete die Daten, taktische Informationen, Einschätzungen gegnerischer Kampfkraft, alles sehr wichtig und zu einem anderen Zeitpunkt hoch faszinierend, denn sie boten einen Einblick in außerirdische Technologie.

Johannsen war also nicht uninteressiert. Aber ihre Aufmerksamkeit lag woanders, das war ihr anzusehen. Kraus konnte das nachvollziehen. Und sie machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube.

»Mir gefällt das nicht, Captain«, fasste die Frau nun ihr Unwohlsein in Worte. Sie legte ihr Tablet auf den Tisch und schob es mit einer kleinen, aber entschieden wirkenden Geste von sich. »In was für eine Art von Kooperation begeben wir uns hier eigentlich?«

»Wir haben das doch bereits diskutiert …«

»Nein, Captain, das hier nicht.« Sie zeigte auf das Tablet. »Wir sollen nicht einfach nur die Proxima angreifen. Damit hätte ich kein Problem. Das ist ein Konvoi, der sich für mich durch zwei Dinge auszeichnet: Er beinhaltet bewaffnete Einheiten der Allianz, von denen wahrscheinlich jede einzelne die Anaconda aus dem All fegen könnte, und zahlreiche unbewaffnete Raumfahrzeuge, die sich nicht einmal gegen uns so richtig wehren können, wenn wir es auf einen Angriff anlegen. Das bedeutet für mich, dass wir möglicherweise in die Situation geraten, einen Haufen Zivilisten umzubringen, die nichts anderes tun, als sich in Sicherheit zu bringen. Und sei es nur durch einen Fehler in der Feuerleitung, gar nicht mal aus Absicht.«

»Ich denke schon, dass wir bei der Auswahl unserer Ziele sehr selektiv und sehr sorgfältig vorgehen werden«, wandte Kraus ein. »Ich habe definitiv nicht die Absicht, auf Schiffe zu feuern, die sich weder wehren können noch eine Bedrohung für uns darstellen.«

»Das haben wir dem Deleganten aber nicht gesagt.«

»Er sprach von der Proxima. Ich spreche von der Proxima. Sollten die Zu7 etwas anderes erwarten …«

»… und wir diese Erwartung dann nicht erfüllen, werden wir vom einigermaßen gelittenen Kooperationspartner sehr schnell zum Opfer werden. Und sei es nur als ein Kollateralschaden, auf den man jetzt auch keine Rücksicht mehr nehmen muss.«

»Sie sehen das zu pessimistisch.« Kraus sagte es mit Nachdruck, obgleich er absolut nicht sicher war, ob er damit auch recht hatte.

Johannsen war erwartungsgemäß nicht beeindruckt. »Ich bin die Erste Offizierin, es ist mein Job, das Schlimmste zu erwarten. Irgendwann wird es so kommen, dass wir ein zu großes Risiko eingehen. Ich möchte aus dieser Sache lebend herausfliegen, Captain. Wenn wir gute Beute machen wollen und Admiral Bonet mit uns zufrieden sein soll, ist die Fortsetzung unserer Existenz dafür eine ganz wichtige Voraussetzung.«

Kraus verzog den Mund. »Sie werden sarkastisch. Das bedeutet, Sie meinen es sehr ernst, so gut kenne ich Sie. Ich halte die Augen offen, das verspreche ich. Und wir feuern nur auf die Proxima. Wenn Ark und ihre Mühle als expandierende Trümmerwolke im All schwebt und die Zu7 auf andere Gedanken kommen, haben wir im Zweifelsfalle auf unserem eigenen primitiven Schiff ein großes Maschinenproblem und müssen weitere Kampfhandlungen leider abbrechen.« Er sah sie bedeutungsvoll an. »Das ist ein Vorfall, den man zu gegebener Zeit mit Willis vorbesprechen sollte.«

Johannsen lächelte. »Man« war sie, und die gegebene Zeit war jetzt. Sie war mit diesem Befehl absolut einverstanden, das war ihr anzusehen.

»Captain!«, sagte sie und erhob sich. »Das wäre von meiner Seite aus alles.«

Johannsen ließ ihn in seinem Raum allein. Er verbrachte noch einige Momente nachdenklich mit einer kalt gewordenen Tasse Kaffee, die er nicht zu verschwenden gedachte.

Kraus sah auf die Tür, durch die Johannsen gerade gegangen war, und wusste die Vorbereitung des »Vorfalls« in guten Händen. Dass der Delegant mit seiner ständigen akribischen Aufmerksamkeit diese Art von Trick womöglich durchschauen würde, war eine Gefahr, der sie begegnen mussten. Kraus hatte im letzten Krieg viele Dinge getan, und nicht an alles dachte er gerne zurück. Sein Pflichtbewusstsein und seine Selbstdisziplin hatten ihm über manchen leisen Zweifel hinweggeholfen, und die Aussicht auf Beförderung und gesellschaftlichen Aufstieg war für ihn immer sehr motivierend gewesen. Aber auch für Gerard Kraus gab es eine rote Linie. Es musste bei ihm einiges passieren, bis man sie überschritt. Manchmal war sie von seiner Position aus gar nicht richtig zu erkennen, aber sie war immer da. Da war er mit Johannsen ganz einer Meinung.

Im Regelfalle war es eine schlechte Idee, sich zu viel Moral zu leisten. In dieser Situation mochte es sich gar als fatal erweisen. Aber es gab Dinge, die selbst ein Captain Kraus nicht zu tun bereit war.

2

Die Ghimli war ein sehr zerknautschtes Raumschiff. Und das war bereits sehr höflich formuliert.

Marcus Hamilton war sich darüber im Klaren, dass diese Klassifikation nicht den Standards entsprach, weder denen seiner Flotte noch denen der Allianz. Aber ihm fiel wirklich kein besseres Wort ein. Als Margie und er mit dem kleinen Boot nahe an den kleinen Frachter herangekommen waren, hatten sie ausreichend Gelegenheit gehabt, sich das Schiff anzusehen. Ebenso wie die Proxima im letzten Drittel des Konvois positioniert, hatte es während ihres nunmehr ersten Orientierungsaustritts aus dem Hyperraum laut und vernehmlich um Hilfe gebeten und von allerlei technischen Problemen berichtet. Sara hatte ihnen, unterstützt von Simmons, die Einschätzung gegeben, dass die primitiven Menschen mit ihren groben Werkzeugen hilfreich sein konnten, denn die Probleme betrafen das Tritranstriebwerk der Ghimli, und damit kannte man sich immerhin einigermaßen aus. Die Proxima war außerdem in der Nähe und hatte ein funktionsfähiges Beiboot.

Ark hatte sie demnach losgeschickt. Sie tat alles, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Der Kommandant der Ghimli, ein Wesen namens Endim, das ebenso zerknautscht wirkte wie der Frachter, war jedoch nicht sonderlich begeistert gewesen. Vielleicht befürchtete er, für einen Public-Relations-Stunt missbraucht zu werden. Dummerweise sanktionierte das Kommandoschiff des Konvois die Aktion sofort, offenbar dankbar, einen Freiwilligen gefunden zu haben. Da der Konvoi nach einer ereignislosen ersten Hyperraumetappe nun einige Stunden im Leerraum zubrachte, gab es genug Zeit für Reparaturen. Die Ghimli war nicht das einzige Schiff mit Schwierigkeiten, und der Konvoi sollte auf jeden Fall zusammenbleiben. Würde die Herde ein schwächeres Mitglied zurücklassen, war die Gefahr groß, zum Opfer von Raubtieren zu werden. Die Tatsache, dass die Raubtiere hier aus Metall, Plastik und Elektronik bestanden, änderte nichts am Risiko.

Die Ghimli erinnerte am ehesten an eine nicht vollständig zerdrückte Kartoffel, die einen Überguss aus dunklem, silbrig schimmerndem Material erhalten hatte. Sie war im Moment ebenso wie die Proxima mit Flüchtlingen aller möglichen Spezies vollgestopft, stand aber unter dem Kommando eines Captains aus dem Volk der Anndi, das auch den Großteil der Crew stellte. Im Vergleich zu den Menschen waren sie eher kleinwüchsig, rund, mit einem Kopf, der so bemerkenswerte Ähnlichkeit mit der Form des Raumfrachters hatte, dass Marcus schon sehr an sich halten musste, um nicht unhöflich zu starren.

Das Schiff selbst war in einem Zustand, den Margie und er nach kurzem Austausch und der ersten Sichtung von übermittelten Statusdaten als kritisch bezeichnen mussten. Es war nicht nur das Triebwerk, dessen teilweiser Ausfall sie auf den Plan gerufen hatte. Es war der generelle Reparaturbedarf, der sich für das geschulte Auge auch auf einem Fahrzeug zeigte, dessen genaue Konstruktionsprinzipien ihnen unbekannt waren. An Bord angekommen, verfestigte sich der Eindruck leider. Wenn aus halb offenen Leitungen Flüssigkeiten austraten, die Innenbeleuchtung in regelmäßigen Abständen in ein wildes Geflacker ausbrach und stechender, leicht schimmliger Geruch auf eine verminderte Leistung der Luftumwälzung hinwies, dann wurde deutlich, dass die Ghimli schon bessere Zeiten gesehen hatte. Auch das war immer noch eine sehr höfliche Umschreibung. Marcus mochte sich irren, aber er kam zu der Einschätzung, dass diese »besseren Zeiten« auch schon ziemlich lange her waren und der kommandierende Anndi die Gelegenheit zu Reparaturen eher zögerlich ergriffen hatte. Armut könnte der Grund dafür sein, Marcus wollte da aber nicht voreilig urteilen.