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Alkohol und Drogen bestimmen das Leben von Lucas Wie in einem Tagebuch beschreibt eine Mutter ihre Verzweiflung über den Absturz ihres Sohnes. In Rückblicken berichtet sie von den Schwierigkeiten der Kinder- und Jugendzeit von Lucas, der an ADHS leidet. Sie fragt sich, ob seine Probleme oder der falsche Freundeskreis ihn in die Sucht geführt haben. Diese Erzählung hat ein offenes Ende, weil sie von der Gegenwart berichtet. Die Mutter möchte ihre Sorgen mit betroffenen Eltern teilen, in der Hoffnung, ihnen mit ihren Erfahrungen helfen zu können. Eine Fortsetzung ist nicht ausgeschlossen.....
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2020
Die Autorin schreibt unter Pseudonym.
Diese Geschichte ist eine Erzählung aus der Sicht einer Mutter. In der Hoffnung, damit Gleichgesinnten helfen zu können. Damit diese sehen, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine sind.
Die Namen der Personen sind geändert.
Dieses Buch ist eine Erzählung aus der Sicht der Mutter eines alkoholabhängigen jungen Mannes, der unter Alkoholeinfluss auch zu Drogen greift und lange Zeit Cannabis konsumiert hat.
Es wird in der Gegenwart, mit Rückblicken bis in die Kinderzeit berichtet, da Lucas schon als Kleinkind die Diagnose ADHS erhalten hat. Für die Eltern stellt sich die Frage, in wieweit diese Krankheit für die Abhängigkeit verantwortlich ist.
Wahre Geschichte
Lucas
Mutter
Rückblick
Lucas als Kleinkind
Gegenwart
Lucas im Entzug
Rückblick
Gegenwart
Neun Wochen zuvor
Rückblick
Lucas in seiner eigenen Wohnung
Gegenwart
Fünf Wochen zuvor
Drei Tage danach
Gegenwart
Rückblick
Lucas im Entzug (das erste Mal)
Gegenwart
Hoffnung
Alles begann im Oktober 1995. Da wurde ich geboren und seitdem stand das Leben meiner Eltern auf dem Kopf. Nein, das ist nicht ganz richtig, denn die ersten neun Monate war ich wie ein Engel. Da waren mein Vater und meine Mutter ganz anderes von meinem Bruder Tim gewöhnt. Sie legten mich abends ins Bett und ich schlief.
Fast die ganze Nacht ließ ich sie in Ruhe schlafen. Tagsüber beschäftigte ich mich viel mit mir selbst. Ausruhen wollte ich mich dann allerdings nicht, aber dafür hatten ja alle nachts ihre wohlverdiente Ruhe. Alles kann man ja schließlich nicht haben. Ich muss zugeben, dass ich morgens, wenn meine Mutter mit Tim beschäftigt war, häufig Schreiphasen einlegte. Mein Bruder musste nämlich in den Kindergarten und sie musste sich um ihn kümmern. Ganz so einfach kann man es seinem Umfeld ja auch nicht machen. Aber ich glaube, Mama war ansonsten sehr zufrieden mit dem Tagesablauf. Vielleicht hätte sie sich gerne tagsüber mal hingelegt, denn manchmal war sie schon erschöpft, weil sie damals schon krank war. Aber, wie schon gesagt, nie ist alles perfekt.
Ja, meine Mutter war kurz nach meiner Geburt krank geworden. Sie hat eine Tumorerkrankung und musste sich oft operieren lassen. Vielleicht war das auch für mich eine Belastung, ich weiß es nicht. Sie war immer bedacht darauf, dass ich nicht allzu viel davon mitbekam. Auch ihre Termine zu den Bestrahlungen hat sie immer so gelegt, dass ich, als ich älter war, nichts davon bemerkt habe. Ich war in dieser Zeit im Kindergarten oder später in der Schule. Mein Leben war anscheinend nie so ganz einfach, nur habe ich davon nichts mitbekommen. Ich glaube, ich habe überhaupt nicht verstanden, um was es in dieser Welt eigentlich geht. Ich litt und leide aktuell noch immer unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS). Was schuld daran war, dass ich später im Alkohol und Drogensumpf unterging?
Keine Ahnung. Wem ich dafür die Schuld geben soll? Keine Ahnung. Den Ärzten, weil sie meine Eltern in der dritten Klasse überredet haben, mir Ritalin zu geben? Meinen Eltern, weil sie es gemacht haben? Meinem Bruder, weil bei ihm immer alles gut lief? Der Schule? Oder meinen Freunden? Ich weiß es nicht, wen ich dafür verantwortlich machen kann, dass ich später suchtkrank wurde.
Alkohol, Cannabis und Speed bestimmen heute mein Leben. Es tut mir sehr leid, dass ich meinen Eltern und meinem Bruder so viel Kummer bereitet habe und das immer noch so ist, aber ich komme aus diesem Teufelskreis nicht so einfach wieder heraus. Wer ein Buch mit Happy End lesen möchte, sollte die Finger von dieser wahren Geschichte lassen, denn ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Vielleicht wird es eine Fortsetzung geben, aber ob das Ganze gut oder schlecht ausgeht, ist ungewiss. Da ich aber im Moment nicht klar denken kann, überlasse ich es ab jetzt meiner Mutter, alles aus ihrer Sicht weiter zu erzählen.
Ja, was soll ich sagen. Im Moment bin ich sprachlos. Mein Sohn ist 23 Jahre alt und gestern mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Auf seinen eigenen Wunsch, nachdem er nach einigen Wochen, nach dem Entzug, wieder rückfällig geworden war. Und ich liege nachts wach und frage mich zum tausendsten Mal: »Was ist schiefgelaufen? Was haben wir als Eltern falsch gemacht? Aber ich werde von vorn beginnen.
Lucas war ein Wunschkind. Bis zu seiner Geburt war ich auch noch gesund gewesen. Sein Bruder war drei Jahre alt, als er auf die Welt kam. Wir waren sehr glücklich, endlich komplett zu sein. Natürlich rechnet man nicht kurz nach der Geburt eines Kindes damit, krank zu werden. Aber mein Mann und ich haben unser Bestes getan, dass unsere Kinder nicht allzu viel davon mitbekommen haben. Wenn ich ab und zu grübelte, ob meine Krankheit schuld an Lucas Probleme sein könnte, tröstete ich mich damit, dass andere Eltern sich scheiden ließen oder Elternteile starben und deren Kinder sich schließlich auch normal entwickelten. Auf jeden Fall war es mit unserem Hausfrieden ab dem Tag vorbei, an dem Lucas anfing zu krabbeln. Nichts war mehr von dem pflegeleichten Säugling übriggeblieben. Nichts war vor ihm sicher. Bevor er laufen konnte, saß er schon auf der Kante des Tisches und drohte herunterzufallen. Später hatten wir mehr Glück als Verstand, dass unser Kind im Urlaub nicht in einem Hafen ertrunken ist oder auf dem Weihnachtsmarkt verloren gegangen war. Wieder fragten wir uns, an was das liegen konnte, denn sein Bruder war doch so pflegeleicht. Die Erziehung konnte also nicht schuld daran sein. Wir hörten überall wo wir eingeladen waren die Worte: »Was ist der Tim doch für ein liebes Kind. Und so gut erzogen. Da könnt ihr stolz sein.« Über Lucas hörten wir so etwas nie. Da hieß es eher: »Wir würden euch ja gerne zu unserem Geburtstagsfest einladen, aber nur, wenn Ihr euren Kleinsten irgendwo unterbringen könnt.« Selbstverständlich lehnten wir dankend ab. Fast jedes Treffen mit Freunden und deren Kindern endete im Chaos. Des Öfteren kam ein Kind heulend zur Mutter gerannt und schimpfte unter Tränen: »Der Lucas ärgert mich dauernd und geschubst hat er mich auch.«
Das ging natürlich auch nicht spurlos an unserer Ehe vorbei. Mein Mann Andreas vermied es, irgendwo mit unserem Sohn hinzugehen und das war für Tim und mich wiederum sehr schlimm, denn wir waren sehr gesellig. Aber zum Glück hielt unsere Beziehung das aus.
Da beide Kinder ziemlich oft an Bronchitis erkrankt waren, beschloss ich mit ihnen in eine „Mutter und Kind Kur“ zu gehen. Allerdings war dort alles nur noch schlimmer. Mit zwei Kilo weniger und völlig entkräftet kam ich drei Wochen später wieder nach Hause.
Am zweiten Tag in der Reha sagte eine Mutter zu mir: »Gibt es bei euch keine Sportvereine für hyperaktive Kinder?«
Am fünften Tag sagte eine andere: »Schlimm, so ein Kind zu haben.«
Und am siebten Tag drückte mir jemand, ohne etwas dazu zu sagen, ein Buch über ADHS in die Hand. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir auch noch nicht bewusst gewesen, dass mein Sohn so viel anders war als andere Kinder. Wieder zu Hause angekommen, entschärfte sich die Situation wieder. Es muss, im wahrsten Sinne des Wortes „das Reizklima“ an der Nordsee gewesen sein. Selbst bei einem Nachtreffen wurde ich gefragt: »Hast du deinem Kind Valium gegeben?«
