Tammy kommt Nachhause - Christine Stutz - E-Book

Tammy kommt Nachhause E-Book

Christine Stutz

5,0

Beschreibung

Die kleine Tamara, kurz Tammy genannt, ist verzweifelt! Ihre Eltern lassen sich scheiden und ihre Mutter reißt sie gewaltsam aus ihrer geliebten Heimat. Sieben Jahre darf Tammy nicht zu ihrem Vater-zurück zur großen Cartland Ranch. Dann hält sie es nicht mehr aus. Sie macht sich heimlich auf den Weg zurück. Kaum dort angekommen, muss sie feststellen, dass sich alles geändert hat. Die Ranch gehört jetzt einem anderen Mann- Curd Alexander. Dieser Kerl hält Tammy für die neue Köchin! Ausgerechnet Köchin! Tammy kann nicht kochen und die Küchengeräte hassen sie! In ihrer Gegenwart passieren die merkwürdigsten Katastrophen! Trotzdem lässt Tammy sich auf das Spiel mit der Verwechslung ein. Sie will herausfinden, was mit der Ranch passiert ist. Warum ihr Vater sie verkaufen musste. Sie wird die Köchin spielen, egal, ob sie dabei untergeht. Bis ihr Vater wiederkommt und alles aufklärt. Schon am ersten Abend mit Tammy im Haus,ist Curd Alexander einem Nervenzusammenbruch nahe. Diese merkwürdige Frau ist das wandelnde Chaos. Curd ist sicher. Noch vor Ende der Woche hat die Frau ihn in den Ruin getrieben..

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Tammy kommt Nachhause

TitelseiteProlog1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4 Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9 Kapitel10 Kapitel11 KapitelEpilogImpressum

Tammy

Kommt

Nachhause

Prolog

Prolog

„Nein! Ich will nicht weg! Ich will hierbleiben! Bitte, Dad! Lass nicht zu, dass ich weg muss!“ schrie das junge Mädchen voller Angst. „Ich will hier nicht weg. Ich will nicht zu Mutter. Bitte, ich will hier bleiben!“ Das Mädchen schrie gellend. Es wehrte sich gegen den Mann, der sie von ihrem Zuhause wegbringen wollte. Doch der schweigende, harte Mann zerrte das Kind ohne Rücksicht zum schwarzen Luxusmobil. Er nickte der Frau auf der Rückbank kurz zu. Dann schob er das Kind in den Wagen. Die Frau grinste gehässig. Sie hielt das schreiende Kind grob fest. „Hör auf zu schreien! Du gehörst jetzt mir“ befahl die Frau genervt. „Ich hasse dich, Mutter!“ Das Mädchen drehte sich und biss der Frau in die Hand. Die Frau schrie laut auf. Dann fuhr der Wagen langsam davon.

Der andere Mann, dem das junge Mädchen so anbettelte, hatte seine Hände tief in den Hosentaschen. Bewacht von zwei Freunden, musste er tatenlos zusehen, wie man seine kleine Tochter fortbrachte. Daran konnte er nichts ändern. Er hatte das Sorgerecht verloren. Seine geschiedene Frau hatte dem Gericht klargemacht, das eine einsame Ranch nicht der ideale Ort war, um ein Mädchen aufzuziehen. Hier gab es keine Schule und keine anderen Kinder. Doch das stimmte nicht! Samuel hatte seine Tochter unterrichtet und ihr alles gegeben, was sie zum Glücklichsein brauchte. Es hatte Tammy an nichts gefehlt! Tammy war hier frei und unbeschwert gewesen.

Samuel Cartland hatte lange gekämpft. Alles versucht. Teure Anwälte engagiert. Viel Geld dabei verloren. Doch seine Exfrau war eiskalt gewesen. Ohne die Wünsche von Tamara zu berücksichtigen, ließ sie das Mädchen heute abholen. Samuel Cartland wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und rannte, trotz seiner Freunde, dem Wagen hinterher. Er musste seiner Tochter sagen, wie sehr er sie liebte. „Wir werden uns wiedersehen, Tammy! Ganz bestimmt! Ich werde weiter um dich kämpfen! Ich werde versuchen, dass du mich in den Ferien besuchen darfst! Wann immer du willst! Die Ranch ist dein Zuhause! Ich werde hier sein und auf dich warten, Liebling!“ schrie er verzweifelt. Das Mädchen weinte herzzerreißend. „Ich liebe dich, Dad. Ich werde immer versuchen, hierher zurück zu kommen!“ rief das Mädchen laut. Der bullige Mann fuhr jetzt ohne Worte das Fenster hoch. Der Wagen setzte sich schneller in Bewegung. Dann wurde er kleiner und schließlich sah man nur noch eine Staubwolke. Tamara Cartland war weg. Samuel fiel in den Sand. Das grausame Ende, einer sehr schmutzigen Scheidung.

Seine Exfrau Dolores hatte ihm das einzige genommen, was Samuel wirklich geliebt hatte. Seine Tochter Tammy. Sein ein und alles. Er wusste, Dolores würde alles versuchen, um das Kind von ihm fernzuhalten. Auch wenn er weiter kämpfen würde. Es würde wohl lange dauern, bis er seine geliebte Tochter wieder in die Arme schließen konnte. Dafür würde Dolores schon sorgen.

Jetzt war Lärm zu hören. Ein ziemlich großer, wunderschöner Hengst rebellierte auf einer Weide. Das Pferd wieherte laut und wütend. Er schlug mit seinen Hinterbeinen gegen das Gatter. Immer härter. Immer wütender. Samuel erhob sich schwer. Tamaras Hengst hatte mitbekommen, wie man seine Besitzerin weg geschleift hatte. „Wir müssen Gatsby beruhigen! Der nimmt das Gatter auseinander.“ schrie einer der Freunde. Samuel schüttelte nur seinen Kopf. Er wusste, was er zu tun hatte. Ohne Tammy gab es keinen Gatsby auf der Ranch. Er ging schwerfällig zum Gatter und öffnete es. „Sie wird wiederkommen Gatsby. Ganz bestimmt. Tammy gehört hierher. Und dann werden wir beide für sie da sein.“ Sagte Samuel weinend. Das riesige Pferd stieg nervös in die Höhe. Dann galoppierte es wild bockend über den Hof. Weiter der Steppe zu. Schnell war der große Hengst verschwunden. „Sie wird wiederkommen, Gatsby. Sie wird wiederkommen. Da bin ich mir sicher. Wir müssen nur warten.“ Flüsterte Samuel heiser. Er sah dem Pferd traurig nach.

„Das war die richtige Entscheidung, Samuel. Wir hätten das Pferd nie halten können. Nicht ohne Tammy.“ sagte Milli tröstend. Die mollige Köchin legte ihre Hand beruhigend auf Samuels Schulter. Der große, starke Mann fiel weinend in ihre Arme.

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

1 Kapitel

1 Kapitel

Mit zittrigen Händen öffnete ich das Gatter, Vorsichtig fuhr ich hindurch und stieg aus, um es wieder zu schließen. So, wie ich es mein Leben lang gelernt hatte. Immer das Gatter wieder schließen. Nicht, dass die wertvollen Rinder flüchten konnten, oder die Wildpferde das teure Weideland leerfraßen. Erst dann, als das Gatter geschlossen war, riss ich die Arme in die Luft und schrie voller Freude. Ich schrie laut, es hörte mich ja auch niemand. Ich hatte Cartland-Land unter den Füßen! Laut schreiend tanzte ich über die Weide. Endlich wieder Cartland-Land! Darauf hatte ich so lange gewartet. Verdammt lange gewartet! Ganze sieben Jahre musste ich auf diesen Augenblick warten. Jetzt endlich war ich wieder Zuhause! Zuhause auf meiner Ranch! Jetzt war ich endlich sicher. Hier konnte mir keiner etwas tun.

Überglücklich ließ ich mich ins hohe Gras fallen und roch den würzigen, typischen Duft ein. Unvergleichlich, dachte ich überglücklich. Jetzt würde mich nichts mehr von hier wegbekommen! Ich war endlich wieder da, wo mein Herz zurückgeblieben war! Ich war Zuhause. Niemand würde mich hier je wieder wegbekommen.

Nur widerwillig erhob ich mich und stieg zurück in den altersschwachen Jeep. Ich machte mich auf dem Weg zur Ranch. Vater würde überrascht sein. Sehr überrascht. Ich hatte ihm zwar geschrieben, dass ich Nachhause kommen wollte. Und er war auch überglücklich gewesen, als wir vor einer Woche telefoniert hatten. Doch der gute Mann rechnete erst in drei Wochen mit mir. Aber ich hatte es nicht mehr ausgehalten. Es war zu gefährlich geworden, bei Mutter zu bleiben. Ich war froh, dort entkommen zu sein. Eigentlich tat ich im Moment etwas Verbotenes, dachte ich gut gelaunt. Denn noch war ich keine Einundzwanzig Jahre alt. Noch war ich nicht volljährig. Noch konnte Dolores, wie ich meine Mutter gehässig nannte, mir den Aufenthalt hier verbieten. Und sie würde es auch tun, wüsste sie davon. Denn die Frau hatte andere Pläne mit mir. Ich seufzte. In knapp drei Wochen wurde ich endlich volljährig! Bis dahin hatte Mutter über mich zu bestimmen. Verdammtes Gesetz! Egal, jetzt war ich hier. Endlich Zuhause. Jetzt würde man mich nur mit Polizeigewalt hier wegbekommen. Zur Not würde ich mich die Wochen über in den Bergen verstecken! Hier bekam mich niemand mehr weg.

„Hätte Mutter mich doch nie von hier weggebracht“ sagte ich jetzt traurig. Ich musste wieder an den fürchterlichen Abschied damals denken. Ich hasste meine Mutter aus tiefsten Herzen. Die Frau hatte mich nicht aus Liebe, aus meinem geliebten Zuhause gerissen. Sie hatte es nur aus Geldgier getan. Denn ich hatte von Großvater einen großen Teil der Ranch geerbt. Großvater war der einzige Mensch gewesen, der den wahren Charakter meiner Mutter durchschaut hatte. Er hatte die Ranch zu beiden Teilen an Vater und mich vererbt. So bekam Mutter nur einen winzigen Bruchteil an Abfindung, als sie meinen Vater verließ. Zuerst musste sie sich damit zufriedengeben. Sie ließ mich freiwillig auf der Ranch zurück . Ich war ihr im neuen Leben nur im Weg. Ich hatte ihr nicht hinterher getrauert.

Das war das schönste Jahr hier gewesen. Nur Dad und ich! Wir beide gegen den Rest der Welt. Niemand konnte uns trennen. Ich war immer an Vaters Seite gewesen. Auf der Weide, beim Viehtrieb oder Zuhause beim Lernen. Doch dann war Mutter dahintergekommen, dass ich jedes Jahr einen großen Teil an der jährlichen Abrechnung bekam. Jedes Jahr, wenn Vater die Rinder verkauft hatte, floss eine hohe, fünfstellige Summe auf ein Extrakonto auf meinem Namen. Kaum hatte Mutter das rausgefunden, setzte sie alles daran, mich in ihre gierigen Finger zu bekommen. Leider mit Erfolg. Als Sorgeberechtigte hatte sie Zugriff auf mein Vermögen. Und sie bediente sich reichlich. Wütend wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich schloss kurz meine Augen. Jetzt war Schluss damit. Ich war wieder Zuhause!

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa

„Na, das ist ja mal eine interessante, junge Frau“ sagte Curd Alexander lachend. Er saß etwas Abseits auf seinem Pferd und hatte die unbekannte Frau beobachtet. Warum hatte sie sich in den Dreck geworfen und hatte den Boden geküsst? War sie mit dem Papst verwandt? Weshalb hatte sie so laut, so fröhlich geschrien? Völlig ohne Grund? Hatte die Frau psychische Probleme? Musste er sich Sorgen machen? Es handelte sich wohl um die Aushilfe. Die neue Köchin, die Milli vertreten sollte. Die sollte heute doch eintreffen. „Na Mahlzeit. Hoffentlich überleben wir alle die drei Wochen“ sagte der große Mann wieder. Besser, er war auf der Ranch, wenn die Frau dort ankam. Nicht auszudenken, was sie sonst anstellen konnte.

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Die geliebte Ranch kam endlich in Sicht. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und steuerte den alten Wagen auf das Haupthaus zu. Gleich, gleich würde ich Zuhause sein! Ich würde meinen Vater wieder in die Arme nehmen können. Ich würde Gatsby begrüßen. Mein Hengst. Mein geliebter Hengst! Ob das Pferd mich überhaupt wiedererkennen würde? Ich zitterte vor Freude. Fast hätte ich erneut aufgejubelt, so sehr freute ich mich. Ich übersah eine Pferdetränke und rammte sie. Der Jeep kratzte daran entlang, das Wasser schwappte über den Hof. Es war mir egal, ich war Zuhause.

Ich hielt den Jeep vor dem imposanten Haus und atmete tief durch. Es sah noch immer so aus, wie ich es in Erinnerung hatte. Ich hob meinen Kopf und sah mich überglücklich um. Einige neue Gebäude waren errichtet worden. Alte waren dafür verschwunden. Nun, es waren ja immerhin sieben Jahre vergangen. Bestimmt hatten auch die Cowboys in der Zeit gewechselt. Es würde sich kaum noch jemand an die kleine Tammy erinnern. Egal, Hauptsache, mein geliebter Dad war Zuhause. Alles andere interessierte mich nicht.

Gut gelaunt sprang ich aus dem Jeep. Direkt in die Arme eines großgewachsenen Mannes. Er fing mich lachend auf. Ich stolperte und war froh, als er erneut nach mir griff. „Hoppla, Lady. Nicht so eifrig. Sie kommen noch schnell genug zu ihrem Job“ sagte der Mann lachend. Er untersuchte die verschrammte, linke Seite des Jeeps und seufzte leise. Dann sah er mich wieder an. Er betrachtete fasziniert mein Gesicht. Seine dunkle Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken. So einen Mann hatte ich nicht erwartet.

„Job?“ fragte ich verwirrt. Wer war der große Mann, der mich festhielt! Von welchem Job redete der Mann. Ich wollte hier keinen Job antreten. Ich war hier Zuhause! Nun, arbeiten wollte ich schon, doch ich hatte mir noch nichts überlegt. Es gab bestimmt genug zu tun.

„Na, sie sind doch die neue Köchin, oder? Die Vertretung für Milli“ sagte der Mann jetzt grinsend. Er sah mich abschätzend an. Wie einen preisgekrönten Stier, dachte ich finster. Dann nickte er zufrieden. Anscheinend hatte ich seine Musterung bestanden. Ich hielt empört die Luft an. Der Mann hielt mich für die neue Köchin? Sah ich wie eine Köchin aus? Ich? Ausgerechnet ich? Ich machte einen großen Bogen um jede Küche! Ich kannte kein einziges Rezept, aber alle guten Restaurants in New York auswendig! Was für eine Frechheit dieses Mannes!

Ich holte tief Luft. „Wer sind sie denn überhaupt! Der neue Vorarbeiter?“ schnauzte ich den grinsenden Mann nun an. Sehr unhöflich, das merkte ich und senkte beschämt meine Stimme. Ich hatte mich ja auch noch nicht vorgestellt. Der Mann lächelte nun schmaler. „Sie müssen nicht nervös werden, Mädchen. Ist ihr erster Job auf einer Ranch? Ist nicht schlimm hier. Wir sind zwar alle rau, aber herzlich. Sie werden sich schnell eingewöhnen und es hier mögen.“ Sagte der Mann nun verständnisvoll. Ich sah den Mann schweigend an. Er hatte mir noch immer nicht seinen Namen genannt. Wer war der Kerl!

„Ich bin Curd Alexander. Alexander ist der Nachname. Ich bin ihr Boss, Mädchen“ sagte der Mann nun geduldig. „Mein Boss? Ich dachte, ich bin hier auf der Cartland Ranch! Ist da nicht Samuel Cartland der Boss?“ fragte ich nun verblüfft. Das war doch Daddys Ranch! Eindeutig. Was war hier los! „Ich bin extra nach dem Navi gefahren! Ich kann mich nicht verfahren haben“ setze ich erklärend hinzu. Ich hätte das Navi nicht gebraucht. Den Weg hierher blind gefunden. Zu oft war ich ihn in meinen Träumen gelaufen. Trotzdem sah ich mich vorsichtig um.

„Das ist die Cartland Ranch, Mädchen. Du bist richtig. Samuel Cartland ist mein Partner. Ich habe ihm einen Teil abgekauft. Wir bewirtschaften die Ranch gemeinsam. Ich weiß allerdings nicht, was dich das angeht! Du sollst hier nur kochen. Dein Reich ist die Küche.“ sagte der Mann nun streng. Ich schluckte tief. Daddy hatte einen Teil der Ranch verkauft? Davon hatte er mir nie etwas geschrieben. Und er hatte mir doch so viele Briefe geschickt. Fast jede Woche hatte er mir geschrieben, Ich hatte die Briefe immer in einem geheimen Postfach abholen können. Und ich hatte immer zurückgeschrieben. Heimlich, ohne Mutters Wissen.

„Sie sind hier also der Boss? Wo ist Mister Cartland?“ fragte ich weiter. „Man sagte mir, ich solle ihn hier treffen.“ Daddy würde alles aufklären. Ich wollte Daddy sehen! Ich wollte meinen Vater in die Arme nehmen und nie wieder loslassen. Vater würde mich ins Haus holen und glücklich sein.

Der große Mann vor mir grunzte genervt. „Samuel Cartland ist auf Hochzeitsreise! Mit Milli. Der eigentlichen Köchin! Deshalb habe ich eine Aushilfe angefordert! Dich, Mädchen. Nun genug der Fragerei! Das muss dir reichen. Komm ins Haus. Ich zeige dir die Küche. Dann zeige ich dir deine Unterkunft. Ich habe noch mehr zu tun!“ sagte der Mann nur. „Ich kann hier nicht den ganzen Tag zubringen!“ Er schien jetzt leicht verärgert zu sein, dachte ich amüsiert. Gut so! Anscheinend nervten ihn meine Fragen. Konnte ich gut verstehen, denn Fragen konnte ich gut. Ich konnte geradezu bohrend werden. Das war meine Spezialität.

Nun, egal was der Kerl dachte. Vater würde es schon aufklären. Dann stoppte ich. Vater war auf Hochzeitsreise? Er hatte Milli geheiratet? Ich strahlte plötzlich. Ich erinnerte mich an Milli. Die gutmütige Köchin hatte ich schon immer gemocht. Schön, dass Vater mit ihr ein neues Glück gefunden hatte.

„Hast du einen Namen, Küchengirl?“ fragte mich dieser Curd Alexander nun neugierig. Ich schluckte schwer. Sollte ich dem Mann sagen, wer ich wirklich war? Oder sollte ich das Spiel noch etwas mitspielen. Verdient hatte der arrogante Kerl es eigentlich, dachte ich. Ich folgte dem Mann in das große Haus. Hier hatte sich seit meinem Weggang nichts verändert. Immer noch dieselben Möbel, der gleiche, altmodische Röhren-Fernseher. Wie oft hatten Daddy und ich vor dem Apparat gesessen. Bewaffnet mit Popcorn und Cola. Ich an Daddy gekuschelt, irgendwann einschlafend. Ich schluckte hart.

„Die Küche ist hinten links, Mädchen. Deine Aufgaben sind übersichtlich. Das bekommst du hin. Noch einmal, hast du einen Namen? Ich kann dich doch nicht die ganze Zeit Mädchen rufen.“ Sagte Curd Alexander wieder. Diesmal noch genervter. Wieder sah er mich an, als zweifelte er an meinem Verstand. Den Blick kannte ich zur Genüge. So hatten mich schon viele Menschen angesehen. Deshalb zuckte ich nur mit den Schultern und folgte ihm. Er führte mich in die Küche. Zögernd folgte ich ihm.

Die Küche.

Ausgerechnet Köchin sollte ich spielen.