TEUFELSJÄGER 035: Im Garten der Düfte - W. A. Hary - E-Book
oder
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 035: Im Garten der Düfte - von W. A. Hary: "…ist mancher schon verduftet – für immer!"   Seit Mark Tate in der jenseitigen Sphäre ORAN verschollen ist, ruht das Böse keineswegs auf Erden. Klar. Aber Mark Tate und seine Freunde sind ja nicht die einzigen Kämpfer gegen das Böse. Einer ist vor allem wichtig: Dr. Toy Fong! Er ist sogar so wichtig, dass ich ihm diesen Roman gewidmet habe. Weil er zwar wie Mark Tate im Heute lebt, aber dennoch ein di­rekter Nachfahre von Mark Tate ist! Klingt kom­pliziert? Nun, Mark Tate ist ein tausendfach Wiedergeborener – und das blieb eben nicht ohne Folgen, wie die Existenz von Toy Fong be­weist. Aber lest selber... Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Auch jede Druckausgabe ist jederzeit nachbestellbar.   eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks!   HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt.   Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 035: Im Garten der Düfte

"…ist mancher schon verduftet – für immer!"

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

 

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt!

 

TEUFELSJÄGER 035

Im Garten der Düfte

von W. A. Hary

"…ist mancher schon verduftet – für immer!"

Seit Mark Tate in der jenseitigen Sphäre ORAN verschollen ist, ruht das Böse keineswegs auf Erden. Klar. Aber Mark Tate und seine Freunde sind ja nicht die einzigen Kämpfer gegen das Böse. Einer ist vor allem wichtig: Dr. Toy Fong! Er ist sogar so wichtig, dass ich ihm diesen Roman gewidmet habe. Weil er zwar wie Mark Tate im Heute lebt, aber dennoch ein di­rekter Nachfahre von Mark Tate ist! Klingt kom­pliziert? Nun, Mark Tate ist ein tausendfach Wiedergeborener – und das blieb eben nicht ohne Folgen, wie die Existenz von Toy Fong be­weist. Aber lest selber...

Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2015 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Lektorat: David Geiger

1

Die Müdigkeit kam plötzlich und unerwartet. Eben hatte er sich noch durchaus munter ge­fühlt und jetzt gähnte er verhal­ten und blinzelte seinen Gastge­ber aus schläfrigen Augen an. Ja, er hatte sogar Mühe, das Glas, aus dem er getrunken hatte, auf den Tisch zurück zu stellen.

Lord Gilbert Guinness hatte Dr. Toy Fong zu sich auf das Schloss gebeten, weil es Probleme gab - Probleme geschäftlicher Na­tur und dafür war der Londoner Experte für Marketing und Public Relations, Dr. Toy Fong, der richtige Mann.

Der Vermittler, dem Dr. Fong diese Einladung verdankte, hieß Blake Sandow und er war des Lords Schwager.

Heute Nachmittag war Toy Fong auf Fairy Stone Castle ein­getroffen. Zum ersten Mal hatten sich der Lord, dessen Schwager und Dr. Fong persönlich gegen­über gestanden.

Jetzt, am Abend, saßen sie ge­mütlich am offenen Kamin. Blake Sandow überließ seinem Schwager die Führung des Gesprächs. Er machte einen ru­higen, ja, verschlossenen Ein­druck. Toy Fong wurde nicht aus ihm klug.

Lord Guinness vermied es, auf den Grund von Toy Fongs Anwesenheit zu sprechen zu kommen. Wegen Blake Sandow? Was hatte er vor dem noch zu verheimlichen, was er ohnedies schon wusste? Sonst hätte Sandow ja wohl kaum als Ver­mittler auftreten können...

Eigentlich war es Toy Fong recht so. Er wollte zunächst den Lord als Menschen kennen lernen und erst dann als Geschäfts­mann. Eine reine Erfahrungssa­che.

Lord Guinness sah, wie es um seinen Gast stand und erhob sich lächelnd.

»Ich glaube, es ist besser, wenn ich Ihnen jetzt Ihr Zimmer zeige.«

Toy Fong bemühte sich vergeblich, die nicht zu erklä­rende Müdigkeit wieder abzu­schütteln. Er war unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Seine Umgebung wirkte unwirklich, verschwommen. Was war los mit ihm?

Blake Sandow reichte ihm die Hand und wie aus weiter Ferne hörte Dr. Fong die Worte: »Dann will ich mich verabschieden, Do­ktor. Hier bleibt nichts mehr zu tun für mich. Alles ist in die Wege geleitet und läuft auch ohne mich ab. Noch heute fahre ich nach Hause. Falls meine Anwesenheit erforderlich werden sollte, bin ich sofort wieder zur Stelle.«

Toy Fong registrierte es kaum. Er meinte, zum Lord gewandt: »Sie haben recht.« Nur mühsam kam es über seine Lippen, als hätte er zuviel getrunken. »Es ist wirklich ratsam, ich ziehe mich zurück. Haben morgen noch einen schweren Tag vor uns.«

Wie betrunken wankte er hin­ter dem Lord her.

Niemand sagte ihm, dass es für ihn vor allem eine schwere Nacht werden würde!

Das Grauen nahm seinen Anfang. Vorerst blieb ungeklärt, wieso es ausgerechnet Dr. Toy Fong traf, der zum ersten Mal in seinem Leben in dem mittelalterli­chen Schloss übernachtete...

*

Seltsame Laute schwebten in der Luft.

»Wer bist du?« fragte eine her­rische Stimme.

»Toy Fong«, murmelte der Gefragte im Halbschlaf und wälz­te sich auf die andere Seite, um sich weiter dem friedlichen Schlummer hinzugeben.

Die Stimme aus dem Nichts ließ jedoch nicht locker.

»Habe ich es mir doch gleich gedacht, du verdammtes Schlitz­auge!«

So durfte niemand ungestraft mit ihm reden. Sofort war Toy Fong hellwach und fuhr im Bett hoch.

Undurchdringliche Finsternis umgab ihn. Sie war so tief, als hätte er plötzlich das Augenlicht verloren.

Ihn schwindelte. Er fühlte sich allein und verloren, denn es gab keine Möglichkeit zur Orientierung. Da war nur die wei­che Unterlage des Bettes. Wo stand es? Im Nirgendwo? Seine forschend umhertastenden Hände stießen ins Leere.

Beklemmung ergriff von ihm Besitz. Ein Kloß bildete sich in seiner Kehle, den er gewaltsam hinunterschlucken musste, ehe er in der Lage war, etwas zu sagen.

»Was, um alles in der Welt, geht hier vor?«

Es klang recht kläglich aus seinem Mund, wie er zugeben musste und was ihn dermaßen ärgerte, dass er zornig hinzufüg­te: »Was wollen Sie eigentlich von mir? Und wer sind Sie denn über­haupt?«

Die Stimme lachte hässlich, dass Toy Fong eiskalte Schauer den Rücken hinunterjagten.

»Wie, du erkennst mich auf einmal nicht mehr, verdammtes Schlitzauge?«

Toy Fong wollte wegen dieser Redensart aufbrausen, aber die Stimme kam ihm zuvor: »Wohl immer noch so empfindlich, was?«

Abermals das hässliche Ge­lächter, das Toy Fong durch und durch ging.

Ihm fiel jetzt auch auf, dass die Stimme seltsam hohl klang - als käme sie direkt aus einem Grab.

Seine Finger krallten sich in die Bettdecke. Er schloss die Augen, versuchte, einen klaren Kopf zu bekommen.

»Ich will jetzt endlich wissen, was hier vorgeht! Wo bin ich überhaupt?«

Er riss die Augen wieder auf.

»Oh, du scheinst dich in den letzten Jahrhunderten sehr ge­ändert zu haben. Hilflos wie ein Kind gibst du dich, Toy Fong. Wo bleibt deine Überlegenheit? Traf dich die Niederlage so sehr?«

Ein eisiger Hauch berührte Toy Fongs Gesicht. Etwas krab­belte über seine Haare in den Nacken - wie eine Hand.

Er überwand endlich die schreckliche Starre und versuch­te, das Ding zu packen, es von sich zu schleudern.

Aber da war absolut nichts! Hatte er es sich nur eingebildet? Hämisches Kichern ringsum. Toy bildete sich ein, dämonische Augen glühten ihn aus der Fins­ternis an, blutrünstig auf jede Re­gung achtend, gierig verharrend, das Opfer im Grauen wiegend. Und Toy Fong war das Opfer!

Mit einer zornigen Geste warf er die Decke beiseite und wollte aufspringen.

Mitten in der Bewegung stopp­te er. Ein Gedanke durchzuckte ihn wie ein Blitz: Er kannte nicht den unheimlichen Ort, eingebettet in das Nichts! Die Lagerstätte allein blieb ein Anhaltspunkt, den er unter keinen Umständen verlieren durfte. Daran festhalten musste er sich, um nicht dem Wahnsinn zu verfallen.

Auf dem Bettrand sitzend, schaute er mit brennenden Augen umher. Die Beine baumelten frei herunter. Unter den Füßen kein Widerstand.

Plötzlich entstand ein in­fernalisches Heulen und Brausen. War da nicht auch ein fernes Glü­hen, das rasch näher kam? Oder existierte es nur in seiner über­reizten Phantasie, im noch immer umnebelten Gehirn?

Toy Fong hatte die Wahnvor­stellung, das Bett stünde in einem U-Bahn-Tunnel und das da vorn sei ein Zug und so klang es auch. Erschütterungen pflanz­ten sich durch das Bett fort, übertrugen sich auf Dr. Toy Fong. Ein gewaltiger Luftzug. Mit ra­sender Geschwindigkeit sauste ein Ding auf ihn zu. Ja, es hatte Toy Fong zum Ziel und es gab keinen Ausweg für ihn.

Sollte er das Bett als letzte Verbindung zur Realität verlassen, um schleunigst De­ckung zu suchen?

Zu spät zu solcherlei Überle­gungen!

Unwillkürlich duckte er sich, als würde das etwas nutzen.

Das Heulen erreichte ihn.

Wie mit eisigen Krallen be­tastete es seinen Körper, verlor sich hinter ihm.

Die Stimme kehrte zurück. Sie lachte und das Lachen hallte wider wie in einem Schallraum, um das Grauen zu mehren, das Toy Fong erfüllte und peinigte.

»Was ist aus dem alten Toy Fong geworden? Was blieb von ihm übrig? Ein kläglicher Rest, zu nichts mehr nütze. Ein schreckhaftes Weib und kein Meister der Schwarzen Künste. Ja, so leicht war er vorher nicht zu beeindrucken. Ich erkenne ihn nicht wieder, den Magier unter den Magiern. Hat die einstige Nie­derlage allen Mumm aufge­braucht?«

Toy Fong wollte protestieren, wollte sagen, es sei ein Irrtum, er wisse nichts von Magie und sol­chen Dingen. Ein anderer müsse gemeint sein.

Doch da war ihm, als würde sich ein Schleier lüften, um ein Geheimnis preiszugeben, dessen Vorhandensein in sein Bewusst­sein nicht gedrungen wäre.

War es wirklich möglich?

Woher kamen diese eigen­artigen Gedankenketten, die ihm zuflossen und wie entstanden sie? Sickerten sie aus den un­ergründlichen Tiefen des Unterbe­wusstseins herauf?

Sie drangen in sein Denken ein und trachteten danach, es zu beherrschen.

Ohne dass es Toy Fong verhindern konnte, entstand um ihn herum die Vision eines Blu­mengartens, wie er ihn exotischer und fremdartiger nie zuvor gese­hen hatte. Leider wusste er nicht viel von Botanik, sah lediglich die bunten Farbkleckse, diese verwir­rende Vielfalt, ohne die Details näher bestimmen und einordnen zu können.

Inmitten der Farbtupfer, die betäubende Düfte erzeugten, ge­wahrte Dr. Toy Fong eine Bewe­gung. Die Vision war so echt, dass er nicht mehr daran zweifelte, sich inmitten des Gartens zu befinden.

Eine groteske Situation, wie sie unwirklicher und gespens­tischer kaum sein konnte, denn Toy Fong saß noch auf dem Bett­rand, hilflos wie ein Kind. Die un­erhörten Eindrücke machten ihn winzig, drückten ihn nieder, überwältigten ihn.

Wie gebannt starrte er auf die zitternden Blüten, hinter denen ein Schatten auftauchte.

Und dann wurden sie von einem Menschen geteilt!

Ein Mensch?

Er trat hervor und es schien, als schwebte er dabei und brauchte nicht den Boden zu be­rühren mit seinen Füßen.

Auf Toy Fong kam er zu, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, obzwar die unergründlichen Augen in seine Richtung sahen.

Was für ein unbegreiflicher Widerspruch!

Es war ein Chinese, zumindest ein Mann vom asiatischen Kon­tinent. Toy Fong ahnte, dass auch die Blumen Gewächse dieser Region waren.

Direkt vor Toy Fong blieb der Alte stehen. Er passte in nicht zu beschreibender Manier in diese Umgebung. Sie schien ge­wissermaßen ein Stück von ihm zu sein.

Auf einmal wusste Toy Fong, warum die Augen des Alten in seine Richtung sahen, ohne ihn wirklich wahrnehmen zu können.

Der Mann war blind!

Tot waren die Augen und un­natürlich geweitet. In ihnen spiegelte sich die Umwelt, ohne sie aufzunehmen.

Der Chinese hob die Hände. Die Finger waren ungewöhnlich schmal, lang und knochig. Pergamentartig spannte sich die Haut darüber.

Die Hände zitterten und sie griffen nach Toy Fong.

Unwillkürlich hielt Toy den Atem an. Er wollte ausweichen. Jedoch, er konnte die Starrheit nicht überwinden und er fürchte­te sich unwillkürlich vor der un­vermeidlichen Berührung von diesen gespenstischen Händen.

Gespenstische Hände?

Ja, das waren sie, denn die Berührung fand nie statt, konnte gar nicht stattfinden! Es war, als hielten sich die beiden Männer in ganz verschiedenen Sphären des Diesseits und des Jenseits auf. Die Hände gingen durch Toy Fong hindurch. Hemd, Haut und Mus­keln bildeten keinen Widerstand.

Erstmals wurde ihm bewusst, dass der Garten der Düfte eine leichte Transparenz behalten hatte, wie bei einer Doppelbelich­tung.

War es tatsächlich nur eine Vision und mehr nicht?

Und da hatten die knorpe­ligen, uralten Hände die Stelle er­reicht, wo sich Toy Fongs Herz befand.

Fasziniert starrte Toy auf seine Brust, in der die Hände verschwunden waren. Sie steck­ten in seinem Innern bis zu den Handgelenken.

Unnatürliche Kälte machte sich an dieser Stelle breit, ge­wann rasch an Intensität, durch­strömte seinen Körper, griff ra­send schnell um sich, machte ihn zittern und beben und ließ seine Zähne klappernd aufeinander­schlagen.

Und dann blieb Toy Fongs Herz stehen, als hätte es der Chinese angehalten.

Grausamer Schmerz fraß sich in Toys Brust, während sich sein Blick verschleierte.

Nach wie vor unfähig, sich zu rühren, vermochte sich nicht ein­mal ein Stöhnen von seinen Lippen zu lösen, die zu­sammengefroren schienen.

Die wundervollen Blüten ringsum verfielen. Sie wurden welk von einem Augenblick zum anderen, lösten sich von den Stängeln, um zur Erde zu segeln, die von einer dicken Schicht ge­dorrtem Gesträuch bedeckt war.

Toy Fong starb nicht, obwohl sein Herz nicht mehr schlug. Er konnte sich den seltsamen Zu­stand nicht erklären, in dem er sich befand. Sein Geist blieb wach, während der Garten der Düfte innerhalb kurzer Zeit ein Bild wüster Zerstörung bot.

Garten der Düfte? Wie kam Toy Fong auf diesen Begriff?

Es war der Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal die zweite Stimme vernahm.

»Von mir hast du die Formu­lierung«, klang es auf.

Infernalisches Gebrüll ent­stand, das von Toy wie aus weiter Ferne wahrgenommen wurde. Es klang voller Wut und Hass und Toy Fong brachte es unwillkürlich mit der ersten Stimme in Ver­bindung. Aber er beschäftigte sich nicht weiter damit. Er war einfach nicht fähig dazu und die Ereignisse ließen ihm keine Zeit.