Traumhund - Emil Keller - E-Book

Traumhund E-Book

Emil Keller

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Beschreibung

Emil Keller schenkt mit diesem Buch seinen Lesern nicht nur profundes Fachwissen, sondern darüber hinaus eine tiefe Einsicht in die Tatsache der Mitgeschöpflichkeit von Mensch und Tier, welche die besondere Qualität des Buchs kennzeichnet.

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Seitenzahl: 466

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Emil Keller

Traumhund

Grundwissen über Auswahl, Bindung, Prägung und Erziehung

www.traumhund.ch

© 2016 Autor Emil KellerLektorat: Dr. Matthias Feldbaum, Augsburg Covergestaltung: Karl F. Schneider, Engwilen 

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7345-4055-4 

Hardcover

978-3-7345-4056-1

e-Book

978-3-7345-4057-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d‐nb.de abrufbar.

Zum Geleit

Emil Keller begegnete ich erstmals auf meinen Spaziergängen zwischen Wiesen und Feldern außerhalb unseres Dorfes Engwilen im Thurgau. Während ich mich um gesundheitliches Wohlergehen und Ausgleich zur Büroarbeit bemühte, war sein Motiv offensichtlich ein völlig anderes: Er führte seinen Hund aus. Nun begegnet man auch auf dem Land ständig Leuten, die sich bemühen, andere Zeitgenossen nicht unnötig durch ihre Hundebegleitung zu ängstigen, oft ein wortreiches und mäßig erfolgreiches Unterfangen.

Aber hier war alles anders. Kein an die Leine nehmen, kein Rufen, keine Hektik. Eine auffallend unaufgeregte Begegnung mit einem Hundehalter und seiner nicht ganz ungefährlich aussehenden Begleitung, welche bei späterer Gelegenheit als Malinois Dame vorgestellt wurde. Eine bemerkenswerte Begegnung mit einer, wie es schien, Einheit aus Mensch und Tier, welche sehr beeindruckend war und bei folgenden Begegnungen über das höfliche Grüßen hinaus schnell zu erstem Gesprächsbedarf meinerseits führte, was sich dann erfreulicherweise als nicht einseitig herausstellte und im Folgenden eine neue Freundschaft begründete.

Je mehr ich auf diese Weise über Hunde, und wie es zu einer gelungenen Beziehung zwischen ihnen und dem Menschen kommen kann, erfuhr, desto deutlicher erschien wieder das Bild von Kim vor meinem Auge, unseres wunderschönen und gutmütigen Leonberger‐Labrador Rüden, dem gegenüber ich mich immer noch schuldig fühle in der Gewissheit, ihn nicht so behandelt zu haben, wie es nötig gewesen wäre und er es hätte erwarten dürfen. Und mein neues Wissen wuchs schnell, nicht nur durch unsere Gespräche, sondern auch nachdem Emil Keller mich auf seine Website hingewiesen hatte. Dort war nicht nur viel Unverzichtbares für einen Hundehalter oder einen, der es werden will, zu finden. Vielmehr vermittelten die Texte ein emotionales Engagement, welches nicht anders als liebevoll genannt werden kann. Aber es war schlicht unmöglich, den ganzen Umfang des ins Web gestellten Materials am Computer zu lesen, das wäre eine Strapaze. So kam es zur Idee, es in Buchform zu bringen.

Emil Keller schenkt mit diesem Buch seinen Lesern nicht nur profundes Fachwissen, sondern darüber hinaus eine tiefe Einsicht in die Tatsache der Mitgeschöpflichkeit von Mensch und Tier, welche die besondere Qualität des Buchs kennzeichnet. Möge es viele Leser erreichen und bereichern.

Karl F. Schneider, Dipl.‐Ing. Architekt SIA

Engwilen, im Juli 2016

Vorwort

Traumhund nennt sich dieses Buch deshalb, weil ich von meinen ersten Hund Donar immer wieder träume. Diesen Deutschen Schäferhund kaufte ich mit 25 Jahren, und er begleitete mich über neun Jahre hinweg. Während der darauffolgenden 28 langen Jahre war es mir aus beruflichen Gründen nicht möglich, eine so erlebnisreiche Freundschaft einzugehen, doch jetzt konnte ich mir wieder für mein liebstes Hobby die Zeit nehmen, die es dazu braucht.

Das besondere Wesen „Hund“, das Brücken zur Natur schafft, und so viel mir zu geben imstande ist, bereicherte mein Leben enorm. Diese Fülle, meine Liebe, mein Respekt und meine Wertschätzung für den Hund sind der Grund für die Abhandlungen, die ich hier schrieb.

Mit meinen Aufsätzen versuche ich, Menschen in diese faszinierende Welt einzuführen und aufzuzeigen, wie ehrlich, anspruchsvoll und aufopfernd so eine Beziehung ist. So wird der Umgang miteinander und damit das Zusammenleben von Beginn weg für alle zur Freude.

An meinen Donar denke ich noch heute voller Zuneigung. Durch ihn habe ich viel gelernt: Ich erfuhr die Natur, und er zeigte mir, wie tief Urinstinkte genetisch verankert sind. Er beschützte mich wie ein Wolf, indem er beispielsweise auf Bergwanderungen, mich durch ein tiefes und wiederholt leise knurrendes „mmm … wuff“ weckte, und auf Menschen, die in der Nähe unseres Biwaks noch zur Berghütte gingen, aufmerksam machte. Danach lief er von mir weg, um aus gewisser Distanz zu unserer Schlafstätte die nächtlichen Bergwanderer zu verbellen. Anschließend kehrte er über einen großen, weiten Bogen zum Nachtlager zurück. Dies machte er instinktiv, um mein Nachtlager nicht den Menschen zu verraten. Donars Verhaltensweise ist analog zu vielen Reaktionen anderer Wildtiere, so schützt der Wolf in der Natur ebenso seine Jungen in der Höhle vor Feinden.

Am nächsten Morgen beim Sonnenaufgang teilten wir das Frühstück auf dem Berg. All die vielen Erlebnisse gaben mir stets zusätzliche Kraft, im Alltag vorwärtszugehen und zu bestehen.

Durch fairen Umgang und gegenseitigen Respekt erfährt man viel von der seit Jahrtausenden gewachsenen Symbiose zwischen Mensch und Hund. Der Hund ist Begleiter, Freund, Beschützer und in der heutigen Zeit oftmals Therapeut zugleich und zeigt uns die Welt auf seine Weise:

Jeder sucht nach dem Sinn des Lebens, hofft oder denkt zurück, der Hund lebt nur vom Augenblick und schenkt uns damit sein Glück!

Inhalt:

Ich kauf mir meinen „Traum“‐Hund

Voraussetzungen schaffen

Ein Hund ist kein Spielzeug

Beobachten

Den richtigen Hund wählen

Mischlinge

Todsünde

Hundezucht: Mehr Hobby als Geschäft

Schussangst

Hunde aus Tierheimen

Wie muss ich mein Zuhause vorbereiten

Spielsachen

Duschgelegenheit

Spiele und Gegenstände

Logik beim Hund

Familien‐ oder Sporthund respektive Begleithunde

Wenig Zeit

Rassewahl

Rüde oder Hündin

Wo finde ich meinen Hund?

Abholen des Welpen

Bindung

Bindung, Vertrauen, Prägung, Erziehung und allgemeines Grundwissen

Der Welpe

Der Spiegel

Das Alleinlassen des Hundes muss gelehrt werden

Strafen

Erste Spaziergänge im Alltag

Zuhause und Allerlei

Warum Prägung und was wir sonst noch wissen sollten

Rangordnung

Utensilien und weitere Überlegungen

Bindung

Tagebuch von Jypsy de la Videmanette

Vorgeschichte

Tagebuch einer frühen Prägung

Exkurs über den Sinn und Unsinn eines Hundehalterbrevets, Sachkundenachweis

Sport – ein weiter Weg

Schutzdienst (Exkurs)

Weiterer Aufbau

Hommage an Ojo

Abschied

Leben nach Ojo

Die neue Herausforderung

Ein Leben mit Faust

Die Diagnose

Ein erschreckend normales Todesurteil

Faust

Fragwürdige Intoleranz in IPO und anderen Schutz‐Hund‐Sparten

Jypsy mit zehn Jahren

Der Welpe

Verse

Fairness

Seelenverwandtschaft

Schutzdienst

Namen

Die Fährte

Das Spiel

Waldspaziergang

Mein lieber Hund

Hundesprache

Hundemorgen

Zitate

Ich kauf mir meinen „Traum“‐Hund

Es gibt einige, die träumen von einem Hund, der schon mit allem Können ausgestattet zur Welt kommt, und man müsste nur warten, bis er groß, stark und mit den besten Instinkten versehen mit uns die Zukunft bestreiten kann. Wäre dies der Fall, gäbe es bis heute wohl nicht so viele Bücher über Erziehung, Sport, Familientauglichkeit und vieles mehr rund um den Hund. Ja, es liegt viel Wissen über dieses Wesen vor, das uns Anreiz und Herausforderung zugleich ist, wie Verantwortung zu übernehmen, um im Gegenzug einen echten Teampartner zu erhalten. Ein Hund ist eben nicht etwas komplett anderes als ein kleines Kind. Das Erziehen eines Hundes ist, wie einen Diamanten aus einem Rohling zu schleifen, und dies wünschen wir uns ja auch für unsere Kinder, welche wir mit großer Sorgfalt durch die ersten Jahre begleiten; sie erziehen, schulen und fit fürs Leben machen. Nichts anderes geschieht bei unserem Hund. Daher ist es von großer Wichtigkeit, bevor wir unseren Hund anschaffen, für die erste und schwierigste Zeit einen Leitfaden zu haben, an dem wir stets überprüfen, ob wir es richtig angehen.

Nur wenig gelingt sofort. Wer um die Schwierigkeit des Anfangs und die Tücken des Erziehens weiß, bringt leichter jene Zuversicht auf, die zu beharrlicher Zielstrebigkeit gehört. Erziehungsfehler bieten uns die Chance, zu Kennern der Materie zu werden. Wer Holzwege begangen hat, lernt sie zu vermeiden. Ganz besonders zahlt sich Geduld im Umgang mit dem Tier aus. Schenken wir dem Hund mehr Zeit der Beobachtung, so lernen wir, ihn besser einzuschätzen. Erst wenn wir versuchen, seinen Blickwinkel einzunehmen, entwickelt sich bei uns ein besseres Verständnis, welches dem Ziel dient, einer konfliktarmen Ausbildung näher zu kommen.

Was wäre, müssten wir vor dem Hundekauf eine Halter‐ Eignungsprüfung ablegen oder vor dem Kinderkriegen die Ehe‐ und Erziehungstauglichkeit nachweisen? So manch einer würde ohne den ersehnten Vierbeiner nach Hause gehen, von Partnerschaft und Kindern ganz zu schweigen. Doch auch ohne Hundeführerschein bedarf es eines praktischen Leitfadens, denn ohne Grundwissen bezahlen wir oftmals viel zu viel unwiederbringliches Lehrgeld. Dabei wünschen wir uns doch alle in gleichem Maße einen umgänglichen und sicheren Hund als Teampartner, oder nicht?

Warum wir all diese Gedanken vor dem Kauf eines Hundes entwickeln sollten, möchte ich hier an dem lebensnahen Beispiel meines Hundes Jypsy zeigen, die ich bis zur IPO‐Weltmeisterschaft geführt habe. Wie jeder Mensch ist auch jeder Hund etwas ganz Besonderes. Folglich gibt es auch keine allein selig machende Anleitung für die Erziehung. Es müssen Anreize geschaffen werden und durch genaues Beobachten und Wahrnehmen des Hundes, diesen vorangebracht werden, nur so kann das für uns alle erstrebte Ziel durch – gegenseitiges Vertrauen – erreicht werden.

Wer kennt nicht das Gefühl, nachdem der Hund bereits einjährig ist, dass zu Vieles hätte besser gemacht werden können? Motivierbarkeit und Beziehung sind holprig, und man beginnt sich zu fragen, was denn falsch gelaufen ist. Gemachte Fehler zeigen sich postwendend. Allzu häufig wird das gezeigte Verhalten des Hundes durch den Menschen falsch interpretiert, was oft zu einer unerwünschten Entwicklung führt. Dabei können selbst Außenstehende Rückschlüsse ziehen, wenn sie kritisch und genau sein gezeigtes Verhalten analysieren. Von unserem Verstand her scheinen uns viele Befehle logisch, werden aber vom Hund nicht so verstanden. Um diese Fehlinterpretationen zu vermeiden, sollte man wissen, welche Voraussetzungen der Hund mitbringt. Hunde verfügen über ein gutes Gehör, emotionales Gedächtnis und sind äußerst sensibel. Die Wissenschaft errechnete, dass die Riechfläche eines Schäferhundes zum Beispiel etwa dreißigmal so groß und sechzehnmal so dick wie beim Menschen; sprich 0,1 Millimeter statt 0.006 Millimeter beträgt. Seine Riechschleimhaut birgt eine gewaltige Zahl von Sensoren; bis zu zweihundertzwanzig Millionen Riechzellen statt der mickrigen fünf Millionen bei seinem Herrchen. Auch sein Riechhirn ist ca. vierzigmal größer. Also alles in allem, ein Hund ist ein ebenso fantastisches und komplexes Wunderwerk der Natur wie der Mensch selbst. Diese Grundkenntnisse und noch viele mehr braucht es, um nicht später Tierpsychologen oder Ausbildungsleiter im Übermaß strapazieren zu müssen; denn Erziehungsfehler zu beheben ist weitaus schwieriger, als man denkt. Vor allem bleiben so manche, je nach Tiefe des hinterlassenen Eindruckes, auf dem Grund der Seele des Hundes ein Leben lang gespeichert. So erkennen erfahrene Übungsleiter immer wieder bei Hunden zögerliches Verhalten und Unsicherheiten, die von falschem Umgang zeugen. Unbewusst bemerkt dies der Halter genauso, versucht sie zu verdrängen oder die Schuld der Eigenart seinem Hund zuzuschieben, doch in Wahrheit handelt es sich um begangene Erziehungsfehler. Solche „Störungen“ beeinflussen die Leistungs‐ und Lernfähigkeit des Hundes und schmälern die Freude des Hundebesitzers. Gerade aus diesem Grunde sollten wir uns Gedanken machen, ehe wir uns unseren Hund aussuchen, geschweige überhaupt die definitive Entscheidung für das Haustier treffen. Hatten wir zuvor schon einen Hund, kennen wir nur zu gut die Schwierigkeiten der Lernfähigkeit, die Problematik im Umgang, und dass es immer Hunde gibt, die wesentlich einfacher zu führen sind, wie der Eigene.

Voraussetzungen schaffen

Gute Voraussetzungen schaffen, bevor der Hund da ist, sowie sich mental vorzubereiten und sich ein gewisses Maß an Wissen anzueignen, ist somit von größter Bedeutung! Ein Hund entwickelt sich rasant und überfordert uns sehr schnell. Mit einem Jahr ist er beinahe ausgewachsen und lebt sich bereits mit all seinen Instinkten und Anlagen aus. Daher müssen wir ihm sogenannte Leitplanken setzen, das heißt erziehen und mit Sinn und Verstand den Hund anleiten. So stellen wir uns die Frage, wie gehen wir mit diesem jungen, kleinen Wesen, das aus seinem Familienverband herausgerissen wurde und uns nun anvertraut ist, überhaupt um? Welche Befehle nutze ich im Alltag. Es ist abzuwägen wie wir zwischen lernendem Spiel und Freizeit uns ausdrücken wollen. Zum Beispiel gewöhne Dich an „Komm“, „Daher“, „Zu Mir“, „Dableiben“, „Lieg“, „Warten“ anstatt die Sportausdrücke: „Fuß“, „Platz“, „Steh“, „Kehrt“, „Zurück“ oder „Hier“. Dies sind Arbeitskommandos, die früher oder später gelehrt werden, aber taugen nur für den Hundesport und würden sich im Alltag abnützen.

Ein Hund ist kein Spielzeug

Ein Hund ist kein Spielzeug, weder für Kinder noch für Erwachsene. Er ist mit viel Geduld, liebevoll und mit Frühkonsequenz zu Beginn und später mit Konsequenz zu erziehen und zu führen. Nur dies bringt uns den Erfolg und macht aus uns ein harmonierendes Team. Korrigieren oder beschimpfen Sie ihren Welpen nie in emotionaler Form, sondern lernen Sie, so zu erziehen, dass ihr Hund es versteht! Bewahren Sie stets Ruhe und fallen Sie niemals über ihren Welpen her, denn wir sind für diesen beängstigend, übermächtig, beeindruckend und verunsichern ihn schnell. Durch Unkenntnis kann dieses Wesen weit mehr geschädigt werden, als wir uns vorstellen können; was wir im Verlaufe seines Lebens aber noch spüren werden.

Beobachten

Durch Beobachten lernen wir ihn verstehen und seine Bedürfnisse, die er durch immer wiederkehrende Verhaltensmuster anzeigt, zu deuten. Dies setzt gleichzeitig ein großes Engagement und viel Zeit voraus.

Den richtigen Hund wählen

Den unserer Persönlichkeit entsprechenden Hund anzuschaffen, heißt, denjenigen zu wählen, der uns vor allem in Temperament am ehesten entspricht, und den wir kräftemäßig auch als ausgewachsenes Tier führen können. Nur so sind wir in der Lage, in unserem Rudel „Leithund“ zu sein und eine von Beginn an sanfte, klar strukturierte Führung vorzugeben, die jedes Tier so dringend braucht. Schließlich lernt es die Grenzen seiner Freiheit nur durch uns.

Mischlinge

Mischlinge machen in unserer Gesellschaft den größten Anteil der Hundepopulation aus. Diese Entwicklung entstand möglicherweise aus der fälschlichen Vorstellung, Mischlinge seien robuster, weil man Studien über verschiedenste Krankheitsprobleme nur bei Rassehunden durchführte. So sind Hüftgelenksdysplasie (HD), Ellenbogendysplasie (ED) und weitere Erkrankungen im Volksmund lediglich das Resultat von Überzüchtungen der Rassehunde. Niemand führt Statistiken über die Erkrankungen der Mischrassen. Genetisch vererbte Erkrankungen werden ebenso auf Mischlinge übertragen. Bei Rassehunden bestehen Vorschriften für die Zulassung zur Zucht. Diese beinhalten u.a. auch tierärztliche Zeugnisse, die bestätigen, dass gewisse vererbbare Krankheiten in Schach gehalten und damit reduziert werden. Somit bieten reinrassige Tiere, die zur Zucht offiziell zugelassen sind, die größere Gewähr, sich zu gesunden Hunden zu entwickeln. Mischlinge sind einfach nur die preiswerteren Hunde, wenn sie überhaupt etwas kosten. Man sieht einen rührenden Welpen und schon ist er mitgenommen. Daher sind auch unsere Tierheime überfüllt mit diesen vielen, schnell hergegebenen Mischlingshunden, da sie, wenn sie schwierig, zu groß oder zu aggressiv werden, oftmals einfach wieder weggegeben werden wie ein Spielzeug, das doch nicht so funktionierte wie gedacht. Also werden sie ohne viel Aufhebens entsorgt, waren ja auch nicht teuer. Doch das, was wir diesem Lebewesen zugefügt haben und was aus ihnen geworden ist, fällt in den meisten Fällen auf den erziehenden Ersthalter zurück. Denn gerade diese Wesen in den Tierheimen erfuhren selten eine kompetente Prägung. Die nun verlassene Seele soll jetzt selbst sehen, wie sie weiterkommt! Wo bleibt da das Verantwortungsbewusstsein?

Todsünde

Eine Todsünde begeht derjenige, der seinen Welpen schlägt, beschimpft, wegsperrt, auf ihn Jagd macht (weil er vielleicht ein Kissen vom Sofa zwischen den Zähnen hat), ihn über Gebühr anschreit, den Welpen unterwirft, auf den Rücken dreht oder glaubt, ihn mit Verachtung strafen zu können. All dies beschädigt das Vertrauen und verunsichert ihn. Wenn man meint, dass die Mutterhündin auch recht robust zurechtweist, so bezweifle ich, dass wir dies zum einen nachahmen können, denn wir beherrschen weder eine hundegerechte Körpersprache noch ein gleichartiges, hundegerechtes Verhalten, und zum anderen sind wir für ihn neu und übermächtig. Wie soll er uns also verstehen, wenn wir so grob mit ihm umgehen. Angst ist schließlich für jedes Wesen die schlechteste Voraussetzung, um lernen zu können.

Hundezucht: Mehr Hobby als Geschäft

Seriös betriebene Hundezucht ist mehr Hobby als Geschäft und der Preis eines guten Tieres sollte absolut irrelevant sein. Ein Hund ist in der Haltung ohnehin weitaus teurer als der nicht ins Gewicht fallende Kaufpreis. Wichtig ist, dass wir einen Hund mit Ahnentafel erhalten, dass wir etwas über das Aussehen und die Eigenschaften der Elterntiere erfahren, dass wir fachgerecht beraten werden und dass die kleinen Welpen artgerecht geprägt und mit Sachkenntnis aufgezogen werden. Wenn man im Volksmund sagt: „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“, so trifft das selten so zu wie in der Hundezucht. Zudem hat ein hoher Preis schon manchen veranlasst, seinen Schützling verantwortungsbewusster zu umsorgen, weil er eben „wertvoll“ ist.

Bei einem Mischling kann man über dessen Erbanlage und damit über Gesundheit und Charakter zu Beginn nur Vermutungen anstellen, da die meisten seiner Ahnen, wenn überhaupt bekannt, mit großer Sicherheit wenig Aufschluss geben. Dies birgt ein bedeutend größeres Risiko als bei einem Tier aus einer Rassezucht mit Stammbaum. Zudem geben Mischlinge die ehemals herausgezüchteten Veranlagungen ihrer Elterntiere, insofern diese reinrassig waren, ebenso gemischt weiter. Und keiner weiß, zu welchen Fähigkeiten dieser Hund Talente aufweist. Die drei wichtigsten Kriterien für einen verantwortungsvollen Züchter, die ihn auszeichnen, sind Gesundheit, Wesen (Verhaltenseigenschaften) und erst zum Schluss die Schönheit.

Für die Zulassung zur Zucht müssen zum Beispiel bei einem Deutschen Schäferhund folgende Anforderungen erfüllt sein: Erstens eine Wesensprüfung, zweitens eine Arbeitsprüfung (IPO 1 oder Entsprechendes), drittens eine DNA‐Analyse für den Abstammungsnachweis, viertens Röntgenbilder über Hüftgelenk- oder Ellenbogen‐Dysplasie, sprich vererbbare Knochenkrankheiten und fünftens die „Körung“ samt Prüfung zur Bestimmung der Körklasse. Bis zur definitiven Zuchtzulassung sind die Hunde bereits zwei bis drei Jahre alt und meistens ordentlich ausgebildet. Wichtig ist auch der Zuchtwert der Elterntiere, der beim Züchter nachgefragt werden kann. Je niedriger der Wert, umso weniger risikoreich ist das Vererben von HD (gute Werte liegen zwischen 70–85). Ebenso haben wir die Möglichkeit, von vorgängigen Würfen respektive deren Haltern zu erfahren, wie sich ihre Hunde gesundheitlich entwickelt haben. Ein gewissenhafter Züchter gibt hier gerne Auskunft. Andererseits sind Mischlingshunde nur von „Liebhabern“ gezüchtet und deren Kenntnisse sind zumeist eingeschränkt und mehr von Emotionalität als von Sachverstand geprägt.

Die Vorschriften der Rasseklubs sind die Leitfäden zu einer erfolgreichen Zucht. Mit der Kenntnis über das erzielbare Optimum und der Bewertung der Elterntiere können wir bereits früh in etwa abschätzen, was uns erwartet. Wer sich einen Sport‐ oder Arbeitshund wünscht, für den ist es wichtig, sich darüber zu informieren, welches Zuchtziel vom Züchter verfolgt wird. Die einen züchten vermehrt auf Schönheit, andere auf Leistung. Die einen züchten geeignete Tiere als Blindenhunde, Familienhunde und andere mit gleicher Rasse Schutzrespektive Sporthunde. So muss man selbst wissen, welcher Hund und welche Zuchtlinie von uns die Gewünschte ist. Reine Leistungslinien sind Hunde mit bedeutend mehr Temperament, oftmals gemischt mit ganz leichter Unsicherheit, welche sich bei korrekter Führung wieder zurückbildet respektive im Sport kanalisiert und durch diesen eliminiert wird. Diese Hunde sind absolut nicht gefährlicher als andere, doch sie brauchen einfach mehr Erfahrung und Können während der gesamten Ausbildung. Auch über die Genetik kann sich der angehende Hundesportler informieren, sofern er sich einer höheren Ausbildung als der eines Familienhundes zuwenden will. Für Familienhunde ist Selbstsicherheit ein gefragtes Attribut, denn Unsicherheit ist oftmals gleichbedeutend mit „Angstbeißer“. Aber es ist schon richtig, wir prägen und „machen“ den Hund selbst, und deshalb sind wir in der heutigen Zeit mehr denn je gefragt, uns ausreichendes Wissen anzueignen. So etwa, dass Gelenkschäden wie HD/ED zum Beispiel nichtnur auf die Vererbung zurückzuführen sind. Zum Entstehen dieser Schäden können viele verschiedene Faktoren beitragen wie Überfütterung im ersten Lebensjahr, glatte und rutschige Bodenbeläge oder zu viel Bewegung. Welpen, die auf stark rutschigen Platten oder Keramikböden gehalten werden, um die Zwingerreinigung zu vereinfachen, sind gefährdet. Somit liegt es stets auch am Halter, seinen Hund mit Verstand und möglichst viel Kenntnis dort zu kaufen, wo die Verhältnisse seinen Vorstellungen am ehesten entsprechen respektive artgerecht, vielseitig und mit Verstand und Zuneigung früh geprägt und mit viel Fachwissen aufgezogen wird. Es gibt auch sogenannte „Vermehrer“ von Hunden, diese sind zu meiden.

Schussangst

Dies scheint mir ein wichtiges Thema zu sein. Leidet eine Mutterhündin bereits, wenn am Nationalfeiertag oder Jahreswechsel Raketen gezündet werden, oder wenn Kinder zur Zeit des Karnevals mit Knallpistolen spielen oder ein Gewitter über das Land zieht, unter Schussangst, dann leiden ebenso deren Welpen. Daher ist es außerordentlich wichtig, dies nachzufragen, um nicht später selbst in die Lage zu geraten, hilflos den Angstzuständen seines Hundes ausgeliefert zu sein.

Hunde aus Tierheimen

Ältere respektive Hunde aus Tierheimen aus zweiter oder dritter Hand eignen sich eher für erfahrene Hundeführer, die wissen, wie mit Hunden umzugehen ist, oder für Menschen, die aus irgendwelchen Gründen gerade diesen Typ Hund suchen. Es sind bereits geprägte Hunde mit all ihren Tugenden und „Macken“. Ohne entsprechende Erfahrung in der Hundeführung sind negative Verhaltensmuster oftmals schwierig in kontrollierbare Bahnen zu lenken. Der einzige Vorteil: Oft kann man diese Tiere versuchsweise für eine Woche zu sich nehmen, und wenn man mit ihnen und ihren erlernten Verhaltensweisen nicht zurechtkommt, sie wieder zurückbringen. Aber ein selbst aufgezogener, gut geprägter Hund hat einen überragenden Vorteil und ist weitaus einfacher auf die eigenen Bedürfnisse hin zu erziehen. Er ist verlässlicher und passt sich besser dem gewünschten Umfeld an.

Wie muss ich mein Zuhause vorbereiten

Wer seine persönliche „Lieblingsrasse“ gefunden hat, muss im nächsten Schritt sein Zuhause entsprechend vorbereiten. Wo schläft der Hund? Wie und wo ist sein Lager (anfänglich Hunde‐Flugbox mit Gittertür)? Hat der Hund eine gewisse Übersicht (er möchte keinen Ankömmling oder jemanden, der geht oder kommt, verpassen)! Ist der Platz groß genug, wenn der Hund ausgewachsen ist? Ist dieser Ort genügend geschützt (kein Durchzug, trocken und nicht zu hell), und bietet er die notwendige Ruhe? Weiter muss überlegt werden, in welchen Räumen sich der Hund aufhalten darf und wo nicht. All dies sollten wir bis zum Tag X bereits gut durchdacht und vorbereitet haben.

Spielsachen

Ein paar wenige Spielsachen (z. B. alte Pappschachteln) sollten vor Ankunft des Hundes besorgt werden, ebenso ein kleines Halsband, eine leichte Leine, eine längere Leine, um ihn immer unter Kontrolle zu haben und passende Fress‐ und Wassernäpfe. Auch die Adresse des nächsten Tierarztes muss griffbereit sein, Informationen über Prägungskurs für Welpen sollten beschafft sein, zudem wäre es sinnvoll, den Welpen schon im Vorfeld dort anzumelden, um sich einen Platz zu sichern. Zu Beginn möglichst dasselbe Futter geben wie der Züchter, an das der Hund bereits gewöhnt ist. Ein Tuch aus der Wurfkiste des Welpen soll mitbestellt werden. So kann der Welpe zu Beginn noch den Duft seiner Kinderstube schnuppern, was ihm Geborgenheit vermittelt. All dies hilft uns, Stress und vieles mehr zu vermeiden.

Duschgelegenheit

Eine Duschgelegenheit für den Hund braucht es, denn gerade in der nasskalten Jahreszeit kommt man triefend und total verdreckt nach Hause. Das Treppenhaus, die Wohnung, alles zeigt Spuren. Ideal ist, wenn man den Hund in der Garage abspritzen, trocknen und so relativ sauber in die Wohnung bringen kann. Wenn andere das Treppenhaus kehren müssen, ärgern diese sich sehr oft über die Halter der Hunde, die gerne mal eine Dreckspur hinterlassen, und dies gibt Zündstoff für Diskussionen und kann zu Missmut in der Wohngemeinschaft führen. Im Vorfeld muss natürlich eine Tierhaltebewilligung vom Vermieter eingeholt werden.

Spiele und Gegenstände

Positive Erlebnisse und Spiele mit Gegenständen, die er ausreichend besitzen darf, machen gleichzeitig anderes für den Welpen uninteressant. Wichtig ist jedoch, dies dem Hund „schmackhaft“ zu machen. Viele können sich nicht vorstellen, was sie mit einem so kleinen Hund alles unternehmen können. Ein Tipp: Ganz sachte beginnen, immer etwas bereitstellen und seien dies nur ein dickes Seil, Kartonschachteln, ein Ball und so fort; so lenken Sie den Hund ab und machen ihn zum „umweltverträglichen“ Hausgenossen.

Wie kann ich ihn sonst noch lenken? Natürlich mit einem laut gesprochenen NEIN. Und schaut er uns verdutzt an, locken wir ihn freudig zu uns, lenken ihn also einfach ab. Dies ist besser als Hinrennen, selbst wenn vielleicht mangels unserer Aufmerksamkeit bereits etwas zu Bruch gegangen ist. Spielt der Hund mit dem Vorhang oder knabbert er an Tischbeinen oder Pflanzen, können wir durch einen sanften Ruck, der die empfindlichen Halswirbel nicht verletzt, über die Schleppleine den Hund stören, denn der sanfte Ruck wird vom Hund mit dem verbunden, was er gerade betrachtet (z. B. als Strafe des Vorhangs), und nicht mit dem Hundeführer in Verbindung gebracht; natürlich nur, solange wir in der Wohnung die Schleppleine (ca. 8–10 m) benutzen. Kommt er nach der „Strafe des Vorhangs“ daraufhin auf uns zu, loben wir ihn für sein Kommen ausgiebig. Nur so bleiben wir ihmvertraut. Nach sechs bis sieben Monaten erkennen wir bereits große Unterschiede zu Hunden, die durch ihre Besitzer für sie unverständliche, ja sogar schmerzliche und/oder beängstigende Erfahrungen gemacht haben. Das Vertrauen unseres Welpen zu uns wird auf die oben beschriebene Weise allmählich belastbarer und verstärkt sich, weil wir ja den Hund nie anfassen (außer zum Loben und streicheln), weder ihm etwas entreißen noch ihm Gewalt antun. Sein Vertrauen muss aber weiter gepflegt und erhalten werden, denn dieses bleibt noch über lange Zeit in einem sehr zerbrechlichen Zustand. Weil wir die Erfolge täglich sehen, lernen wir – um dieses riesige, bereits sich anhäufende Kapital nicht zu verlieren – das Beste zu geben, denn Vertrauen und Kommunikation sind eineiige Zwillinge und gleichzeitig die Grundvoraussetzung für den Umgang mit unserem Tier! So erleben wir einen Hund, der weitaus kommunikativer und freudiger ist als Hunde, mit denen in der Jugendzeit nur wenig verständnisvoller Umgang gepflegt wurde.

Logik beim Hund

Der Hund kennt keine Logik. Er verknüpft eine Erfahrung – zum Beispiel Schafe – mit Gefahr, sofern er beim Herangehen mit dem zu deren Schutz aufgestellten Elektrozaun in Berührung kommt. Er glaubt, dass die Schafe ihm den „elektrischen Schlag“ verabreicht haben, und hütet sich von nun an vor ihnen. Über logisches Denkvermögen verfügt er nicht, sondern das Erlebnis bewirkt eine geistige Verknüpfung von Schaf und Schmerz. Er versteht nicht jedes Wort, doch er lernt Haltung mit Stimmlage und Worten zu kombinieren. Er kann einen entsprechenden Gegenstand mit der Zeit einem Wort zuordnen. Als junger Hund wird er besonders ausgeprägt mit Augen und Ohren lernen. Die Körpersprache respektive auch das Handzeichen des Menschen in Verbindung mit dem Wort hilft der Einprägung (Verknüpfung). Er wird immer wiederkehrende Redewendungen, die zu bestimmten Anlässen gesagt werden, mit den entsprechenden Handlungsabläufen (Bewegungsmustern) auf diese Weise mit der Zeit von uns lernen. Dressieren heißt erziehen, schulen, lehren, Kunststücke beibringen, und wenn kein logisches Denkvermögen beim Hund vor handen ist, müssen wir uns überlegen, wie wir unsere Wünsche zeigen können, damit sie der Hund richtig verstehen lernt. Dies ist später gleichbedeutend mit anfänglicher Früh‐ und später absoluten Konsequenz zur präzisen Ausführung, gutem und genauem Führen und gleichzeitiger Belohnung mit einer immer wiederkehrenden Gestik und Worten in gleicher Befehls‐ oder Tonlage. Wenn wir dies begriffen haben, fällt es uns etwas leichter, mit unserem Hund erfolgreich zu arbeiten. Wie bringe ich ihm etwas bei, heißt, sich im eigenen Kopf zuerst klar zu sein, was ich von meinem Hund will. Sodann muss dies durch viele Wiederholungen geübt werden. Man ist der Auffassung, dass ein einfacher Befehl innerhalb von drei Wochen erlernt wird, sofern man täglich zwei bis drei Mal dieselbe Übung wiederholt.

Zeigen wir unserem Welpen, was Lob bedeutet durch einen herzlichen Ausruf „Brav gemacht!“ und was schlecht und falsch ist durch ein (enttäuschtes) „Nein!“ Wir nehmen zumeist an, der Hund könne uns verstehen, aber wir sprechen für ihn eine „Fremdsprache“. Somit könnte es auch hilfreich sein, im Frühstadium mit einem „Klicker“ zu bestätigen, was gut ist und dies mit einer Belohnung verbinden, was ebenso eine gute Methode ist. Wir können versuchen, ihn mit einem Futterstück in eine gewissen Stellung wie „Platz“ zu bringen, indem wir ihm dieses zwischen die Vorderpfoten schieben und wenn er dann das gewünschte „Platz“ macht, den Klicker betätigen und ihm gleichzeitig das kleine Futterstück übergeben. So lernt er, dass ein Klicken eine Bestätigung darstellt. Auch wenn es auf den ersten Blick ein wenig aufwendig erscheint, ist es für den Hund aber bedeutend einfacher zu verstehen, als wechselnde Stimmlagen und Worte zu interpretieren.

Grundsätzlich hat ein Hund kein schlechtes Gewissen. Erkennt der Hund eine bevorstehende Strafe für das Herunterreißen eines Tischtuches, während wir nicht gleichzeitig zugegen waren, und würden wir im Nachhinein strafen, so wäre dies der Beweis unseres Fehlverhaltens. Er erinnert sich nur durch unser vorher mal gezeigtes Entrüstungs‐ und eventuelles Drohverhalten an Ungemach, weiß aber nie, weshalb wir so reagieren. Ein Hund kann und darf eben genau wegen seiner mangelnden Logik und Denkweise nie im Nachhinein für eine Tat bestraft werden (Vertrauensverlust!). Hier ist zu berücksichtigen, dass der Welpe diesbezüglich eine noch langsamere Leitung zum Hirn hat, und deshalb ist sofortiges Lob nach leichter Korrektur besonders wichtig. Beim Welpen ist es besser, manchmal nichts zu sagen, zu „Übersehen“ und eher Nachsicht zu üben, anstatt unüberlegt zu handeln. Dies lässt uns Zeit zu überlegen, wie wir ihm sein Fehlverhalten abgewöhnen könnten. Der Welpe muss eine Verknüpfung schaffen können, mit der er lernend durch Erfahrungen Fehlverhalten meidet. So ist man ebenso verstandesmäßig gefordert, wie auch der Hund.

Familienoder Sporthund respektive Begleithunde

Für die persönliche Wahl und den eigenen Geschmack das richtige Tier zu finden, ist die erste große Hürde für den angehenden Halter. Die meisten Hunde eignen sich als Familien‐ und Begleithunde. Wichtig ist nur, was wir aus dem Jungtier machen, vor allem, wie wir ihn prägen, halten und lehren und wie stark wir uns engagieren wollen. Nachlässigkeiten in der Prägungsphase zeigen sich gerade dann, wenn wir uns es anders überlegen und einen relativ guten Hund später doch im Sport einsetzen wollen. Dort rächen sich zuallererst unsere möglichen Mankos in der Prägung, was alles deutlich schwieriger macht.

Alle Hunde brauchen sehr viel Auslauf, Spiel und aktive Zuwendung, was ein hohes Engagement voraussetzt. Es gibt aber Hunde, mit denen noch verstärkt gearbeitet werden sollte, damit ihr Triebverhalten respektive ihr Überschuss an Temperament nicht in Aggression umschlägt. Dies gilt vor allem für Arbeitshunde wie den Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Dobermann, Belgischen Schäferhund (Malinois) und noch viele andere Rassen. Solche Hunde können bei falscher Führung eine aktive Dominanz selbst dem Halter gegenüber entwickeln. Durch ihre Kraft, ihren Trieb (Temperament) und die entsprechende Veranlagung ist ein Anfänger schnell mit diesen Rassen überfordert. Hier reden wir von Leistungszucht und von Hunden, für die eine gewisse Erfahrung des Führers und ein entsprechendes Umfeld eine zwingende Voraussetzung sind. Je ernster die Prägungsphase des Hundes wahrgenommen wird, je fairer wir mit ihm umgehen, je weni ger wir ihn selbst zur Aggression ermutigen, umso sicherer bleibt sein Umgang mit den Mitmenschen. Dies heißt jedoch nicht, dass er, wenn der Hund erwachsen ist, gestellten Aufgaben im Schutzdienstbereich nicht genügen kann. Im Gegenteil, er lernt ja „Arbeit“ und „Freiheit“ zu unterscheiden und ist somit mit Sicherheit weitaus glücklicher als derjenige, der durch zu frühe Aggressionsförderung stets „unter Strom“ steht und bei der kleinsten unerwarteten Situation sofort auf Aggression schaltet. Diese Belastung als Führer aushalten zu müssen, ist eine schwere Bürde, die nicht sein muss. Auch ein vernachlässigter Hund kann ebenso aggressiv werden, verblödet in gewissem Sinne und wird nur noch mit großer Schwierigkeit zu führen sein. Fazit ist: Jeder Hund braucht Führung! Ebenso sollte er möglichst sich nur einer einzigen Person unterordnen müssen, denn er braucht eine konsequente Hand und kann nicht gleichzeitig zwei oder mehreren „Herren“ dienen.

Wenig Zeit

Ein Hund ist kein Golfsack, den man in die Garage (Zwinger) stellen kann und der nur bei Sonnenschein hervorgeholt wird. Ein Hund will alle Tage mehrere Male hinaus, bei Wind und Wetter. Er ist ein Rudeltier und benötigt engen Kontakt. Durch Nässe und Schmutz bringt er etliches an Staub und Dreck in den Wohnbereich, und daher ist es wichtig, seinen Bewegungsradius im Wohnbereich so zu bestimmen, dass wir gut damit leben können. Wenn wir ihm nur den Eingang zur Verfügung stellen wollen, so müssen wir alles andere von Beginn an verbieten respektive absperren, damit er nie die Gelegenheit hat, andere Räume zu betreten. Dies erst nach der Prägungszeit durchsetzen zu wollen, könnte sich zu einer nachträglichen Herkulesarbeit entwickeln. Deshalb ist Konsequenz vom ersten Tag an so wichtig. Doch vergessen wir dabei nie, dass der Hund ein Rudeltier ist und mit seiner Meute zu leben wünscht!

Rassewahl

Durch Kino und Fernsehen kommen gewisse Rassen leicht in Mode. Hier erlebt man die schönsten Fantasien, was Hunde angeblich zu denken und zu leisten vermögen, und manch einer glaubt, dass es sich in diesen Filmen immer um das gleiche Tier handelt, was natürlich nicht stimmt. Der eine macht dies gut, der nächste jenes, und das geübte Auge erkennt, dass in einem Film oft mehrere, fast gleich aussehende Hunde beteiligt sind. Mit allen Tricks zusammengeschnitten erscheinen uns diese als wahre Helden. Solche Hunde gibt es aber nicht, vor allem keine mit logischem Denkvermögen, denn komplexes Denken beherrscht er nicht, sondern muss immer dazu angeleitet werden. Gerade dafür sind wir eben Hundeführer.

Für die Wahl unseres Hundes müssen andere Kriterien gelten: Darf mein Hund mehr oder weniger Laut geben (bellen), habe ich genügend Zeit zur Beaufsichtigung, muss er klein, mittelgroß oder darf er groß sein? Hat er genügend Ruhe bei mir, habe ich überhaupt Zeit für eine zusätzliche Fellpflege (Langhaarrassen), kann ich den Hund auch kräftemäßig führen? Wie reagiert die Nachbarschaft, wohne ich im Parterre mit Garten oder im fünften Stock, kann ich mir ein Tierheim während meiner Urlaubsreise leisten. Wie lange kann ich ihn unter Umständen allein lassen (muss aber bei jeder Rasse unbedingt erlernt und eingeübt werden)? Findet sich in der Nähe einen Hundeverein, eine Welpenschule, oder wie komme ich von A nach B? Soll der Welpe zu einem Sporthund oder einem Familienhund herangezogen werden? Ist es mir egal, in schmutzigen Kleidern herumzulaufen, wenn er aufgrund seines großen Temperaments noch anfänglich oft hochspringt, im Spiel und auch bei schlechtem Wetter? All dies sollte ich mir durch den Kopf gehen lassen. Danach nehmen wir einen seriösen Ratgeber zur Hand, z. B. „Kynos großer Hundeführer“ (Kynos Verlag) und informieren uns über all die Rassen und deren Merkmale respektive Eigenschaften. Sollte uns eine Rasse bereits vorschweben, so gibt es die Möglichkeit, uns in einem aktiven Club zu informieren, und durch Beobachtung und Gespräche Hilfe zu erhalten, um zum richtigen Züchter respektive Hund zu gelangen.

Auf diese Weise finden wir unseren Favoriten und treffen die Wahl. Von Bedeutung ist das Temperament, welches meiner Person und meinem Lebensstil entsprechen soll. Die Vorstellung oder noch besser der Versuch, einen Hund zurückzuhalten, wenn eine Katze vor uns die Straße überquert, lässt manchen Hundeführer überlegen, ob die persönliche Kraft auch ausreichend ist. Nichts ist demoralisierender, als vom Hund über die Straße gezogen zu werden (unter dem schadenfreudigen Blick von Nicht‐Hundehaltern). Nur ein ganz gut ausgebildeter Hundeführer kann den Hund so erziehen, dass er nicht jagt. Wer hier nicht genügend Erfahrung mitbringt oder kein entsprechendes Umfeld kennt, sollte dies in sein Kalkül einbeziehen. Die Hoffnung, man werde dies schon schaffen, ist leider keine Sicherheit, und wenn es dann doch nicht funktioniert, auch kein Trost, sondern nur nachträglicher Ärger.

Wie gut schützt auch ein kleinerer Hund? Keiner kann dies genau wissen, und das ist gut so und ausreichend für die persönliche Sicherheit. Jeder Hund beschützt seinen Meister, wenn echte Not herrscht. Ganz wichtig ist es zu wissen, dass in solchen Fällen der Hund angeleint und eng bei sich geführt werden muss. Er sollte der treue Begleiter sein für Alltag und Freizeit. Anerzogene Aggression macht Hunde sehr schnell unkontrollierbar und gefährlich. Wenn mich ein junger Hund nicht mehr zu seinem Fressnapf hinzutreten lässt, zeigt er Dominanz über mich, was nicht passieren sollte. Es liegt allein in unserer Hand, dem Hund von Beginn weg nur das zuzugestehen, was wir für angemessen und gut erachten. Wird er selbst uns gegenüber zu forsch, so müssen wir die Fortsetzung seines Spieles erkennen und sofort unterbinden. Gerade hier braucht es absolut keine Gewalt, sondern lediglich ein klares „Nein“ oder emotionsloses kurzes Fassen und nicht übertriebenes kurzes Blockieren am Nacken ohne Worte, und der Hund lernt schnell, sein Verhalten anzupassen. Machen sie nie Jagd auf den Hund, denn hierbei erlebt er das „Fang‐mich‐Spiel“ und/oder er ängstigt sich durch unsere Größe, wenn wir ihm nachjagen und zu fassen versuchen. All dies sollten wir immer bedenken. Es ist einer der vielen Momente, in dem der Hund uns gegenüber auch in einen Vertrauenskonflikt geraten könnte. Schnappt er sich einen Gegenstand wie eine Fernbedienung, so ist das scharfe „Nein“ von Vorteil, und sobald er den für ihn interessanten Gegenstand loslässt, innehält oder uns auch nur verdutzt anschaut, rufen wir ihn und belohnen sein Kommen, indem wir etwas anderes zum Spielen anbieten oder ihn mit einem Leckerli locken und es ihm geben.

Für junge Hunde ist eine glückliche, sichere und harmonische Umgebung genauso wichtig wie für Menschenkinder. Wollen wir nervenfeste, sichere und wesensstarke Hunde mit einem unerschütterlichen Vertrauen zu uns heranwachsen lassen, die sich obendrein ordentlich verhalten, müssen wir uns dementsprechend von Beginn an ebenso korrekt und dem Hund gegenüber verständlich verhalten. Ebenso müssen wir ihr neues Zuhause mit klaren Regeln gestalten.

Rüde oder Hündin.

Soll es ein Rüde oder eine Hündin sein? Es gibt Zeiten, in denen Rüden bevorzugt werden, und dann wiederum sind eher Hündinnen gesucht. Wissenschaftlich gibt es mehr Rüden als Hündinnen, die zur Welt kommen. Der Rüde ist größer und kräftiger und markiert, die Hündin tut dies hauptsächlich zur Zeit der Hitze (Läufigkeit). Nach der Kastration markiert diese weniger und ist in der Lage, ihre Blase auf einmal zu entleeren. Rüden benötigen durch das ständige Markieren länger, bis die Blase vollständig geleert ist.

Wenn Rüden miteinander kämpfen, ist der Kampf meist friedlicher als zwischen Hündinnen. Durch die Kastration nehmen wir dem Rüden enorm an Persönlichkeit und degradieren ihn zum Neutrum. Dadurch werden sie von Weibchen oftmals angegriffen respektive verjagt oder fremde Rüden reiten auf. Sie verlieren bedeutend mehr an Persönlichkeit als eine Hündin, die sterilisiert wird.

Warum so viele Rüden früh‐kastriert werden, ist mir persönlich ein Rätsel. Man kann ihm doch nicht 30 % seines Temperamentes „wegoperieren“ und damit gleichzeitig die triebbedingte Lernfähigkeit nehmen, um ihn in unser persönliches Leben problemloser integrieren zu können. Es kommt mir vor, als versuchte man, aus einem stattlichen Hund einen künstlich führbaren zu machen, gefügig, temperament‐ und kraftlos. Das Thema Kastration beim Rüden wäre ein wichtiges Thema für den Tierschutz! Es ist dazu zu bemerken, dass kastrierte Rüden genauso aggressiv werden können wie gesund belassene. Wer einen bereits auffälligen Hund später kastriert und glaubt, damit ihn zahmer machen zu können, irrt, denn in den meisten Fällen ändert er sich nach erfolgter Prägung und den gemachten Erfahrungen im ersten Lebensabschnitt trotz Kastration praktisch nur noch sehr wenig. Kastrierte Hunde haben im Allgemeinen die Tendenz, dick zu werden und daher ist ein genaues Abwägen und Einteilen der Futtermenge oft eine zusätzliche Herausforderung.

Die Hündin kann zur Zeit der Hitze empfindsamer sein und verlangt Einfühlungsvermögen vom Hundeführer. Sie irritiert durch ihre Duftstoffe das Verhalten der Rüden, sollte die Witterung in deren empfindsame Nase gelangen.

Ansonsten ist die Hündin dem Rüden absolut gleichwertig. Sie sind kleiner, weniger gewichtig, und daher leichter zu führen. Es empfiehlt sich, während der Hitze die Hündin nicht in der Nähe des Wohnsitzes zu versäubern, denn dies könnte streunende Rüden anziehen. „Höschen“ verhindern das beflecken der Teppiche und Blattgrüntabletten reduzieren die Wirkung ihrer Duftstoffe. Eine Kastration der Hündin, im Gegensatz zum Rüden, verändert ihr Verhalten in der Regel „nur“ unwesentlich mit der Einschränkung, dass wir hier nur den Familienhund meinen und nicht den ausgesprochenen Sporthund. Hündinnen, die im Sport eingesetzt werden, können nach drei oder vier Jahren kastriert werden, nachdem die gesamte Entwicklung des Hundes normal durchlaufen wurde und die Erziehung abgeschlossen ist. Sehr früh kastrierte Hündinnen entwickeln sich langsamer. Die Einbuße an Temperament ist weniger erkennbar als bei Rüden, aber möglicherweise ändert sich trotzdem etwas. Bei Frühkastrationen nämlich geht auch die triebbedingte Lernfähigkeit wie bei den Rüden zurück. Hündinnen fressen öfter jeglicher Unrat, den sie finden.

Es gibt somit weder Vor‐ noch Nachteile, sondern nur eine persönliche Vorliebe aufgrund von Erwartung und Vorstellung. Die meisten Rüden werden auf Wunsch von bequemen Besitzerinnen früh kastriert, um das freie Streunen zu ermöglichen und damit der Verpflichtung, „regelmäßig Gassi zu gehen“ zu entgehen. Dies freut die Tierärzte, denn nur diese machen große Kasse, doch der Hund ist der absolute Verlierer! Eunuchen lassen grüßen!

Wo finde ich meinen Hund?

Wer sucht, der findet. Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft SKG verfügt über die Adressen sämtlicher Rasseklubs der Schweiz, der Österreichische Kynologenverband ÖKV über diejenigen für Österreich, der Verein Deutscher Hunde (VDH) über diejenigen für Deutschland usw. Durch diese Fachverbände erhalten wir Auskunft über die gesamte Palette der Hundevielfalt. Sich über gesunde Zuchtlinien zu informieren, ist genauso wichtig wie die Frage nach den gegenwärtigen Problemen mit Erbkrankheiten. Wo finden sich gute und verantwortungsbewusste Zuchtstätten? Wann haben diese Welpen zu verkaufen? All diese Fragen kommen auf, nachdem ich mich für eine Rasse entschieden habe. Fragen zum Züchter sollten am besten vor Ort abgeklärt werden. Wie ist der Zwinger angelegt? Wir wollen ja auch wissen, wie die Hunde gehalten werden, aufwachsen und welche Kontakte (zu Erwachsenen und Kindern) diese bereits erlebt haben. Auch denke ich, dass es wichtig ist, wenn ich weiß, was für einen Auslauf sie haben und welche Böden sie schon kennen (Rasen/Kies/Platten/ Roste). Wie sie geprägt werden, d. h., ob mit ihnen schon Spaziergänge oder Autofahrten gemacht wurden. Darf ich als Erster oder Zweiter oder „nur“ erst als Fünfter aus den Welpen auslesen. Was für mich noch wichtig zu wissen ist, ob ich einen Sachverständigen (Hundehalter aus einem Rasseverein) mitnehmen darf, um zu sehen, welchen Eindruck die Welpen auf ihn als Experten machen. So erwerbe ich vielfältige Kenntnisse und erhalte Aufschluss über die Kompetenz des Züchters und dessen Zuchtstätte. Der engagierte Züchter freut sich, seine Welpen an verantwortungsvolle Hundehalter verkaufen zu können und wird gerne bereit sein, umfassend und hilfreich zu informieren.

Abholen des Welpen

So holen wir unser kleines Wesen zwischen der achten und zwölften Woche und wissen, dass der Hund noch so klein ist, dass er viel schlafen muss und Ruhe braucht. Wir achten, dass er vor der Heimfahrt nichts zu fressen bekommt; denn, sollte es ihm übel werden oder müsste er gar erbrechen, wäre dieses Erlebnis für alle Beteiligte unangenehm. Vor allem der Hund könnte für lange Zeit ein Unbehagen für Autofahrten entwickeln. Im Auto legt man ihn am besten auf eine Decke und setzt sich neben den Hund oder nimmt ihn auf den Schoß, sofern wir nicht selbst fahren müssen. Nicht gerade ideal ist, wenn wir ihn in die Hundebox legen, es sei denn, er wurde vom Züchter bereits ans Autofahren gewöhnt. Vernünftige Züchter verlangen sogar, dass der Welpe am Vormittag abgeholt und durch eine Zweitperson während der Fahrt betreut wird. Oftmals wehren sie sich dagegen, dass der Welpe die erste Autofahrt vereinsamt in einer Box verbringt. Gut ist, er wäre auch bereits an die Leine gewöhnt und man hätte schon kleinere Ausflüge in die Umgebung gemacht usw.

Zu Hause bringen wir ihn zum Platz zum Versäubern und lassen ihn diese Umgebung erstmal erkunden. Danach füttern wir ihn an dem dafür vorgesehenen Platz in der Wohnung. Anschließend bringen wir ihn zu seinem Ruheplatz, nachdem wir den Lappen aus der Wurfkiste des Züchters in die Box gelegt haben, und lassen ihn schlafen. Die Bezugsperson setzt sich am besten zum Welpen hin, bis er einschläft. Ganz wichtig ist, dass stets genügend frisches Wasser zur Verfügung steht, was vor allem bei Trockenfutter gilt.

Beginnt der Welpe, unruhig zu werden und zu fiepen, so holen wir ihn heraus und tragen ihn zu allererst direkt an den Ort zum Versäubern. Unsere Bestätigung mit „So ist brav“ und viel weiterem Lob dient der Konditionierung. Dies animiert den Hund, uns möglichst zu gefallen. Mit der Zeit können wir den Hund so erziehen, dass er uns anzeigt, wo er hingemacht hat. Dies erreicht man durch eine kleine Belohnung, nachdem er sich gelöst hat. Das ist eine verblüffende Leistung des Hundes und zudem eine große Hilfe, um im hohen Gras seine Hinterlassenschaften aufnehmen zu können und nicht vor lauter Suchen noch selbst hineinzutreten. Jetzt können wir ihn wiederum herumspringen und erkunden lassen, danach folgt wieder Ruhe.

Bindung

Bindung, Vertrauen, Prägung, Erziehung und allgemeines Grundwissen

Der Welpe

Zart und fein sind die Gefühle früh erwacht ist der Instinkt alles gemischt durch die Lebensmühle welch’ Wunder uns das Neue bringt

Eine Leine voller HoffnungWie naiv sind viele schon nur Kenntnis, Wissen, und Erfahrung bringen erst den gerechten Lohn

Haus, und Umfeld vorbereitet Vereinfacht vieles zu Beginn von großer Kenntnis angeleitet steckt auch Harmonie darin

Wir lernen dieses Wesen kennen entdecken auch, was es empfindet werden uns nicht gleich verrennen damit Vertrauen niemals schwindet

Jedes Geschöpf sucht seinen Wert urteile nie mit einem Schwert überprüfe alles, oft ist’s verkehrt Gelassenheit hat oft Chancen vermehrt

Lass dich niemals arg verwirren dumme Sprüche gibt’s zuhauf bleib dir treu, Du wirst nicht irren nimm nie Risiken in kauf

So trage Sorge deiner Liebe auf dass sie wachse wie ein Baum Geborgenheit heißt auch die Wiege Leb‘ und Liebe deinen Traum

So lass den Hund nun wachsen lebe nur die Frühkonsequenz lass ihn erst Vertrauen fassen sonst überschreiten wir die Grenz‘

Warum ein Welpe und kein ausgewachsener Hund? Mit der richtigen Vorbereitung und Einstellung kommt eigentlich nur ein Welpe infrage. Nur so können wir unseren zukünftigen Partner zum größten Teil selbst formen und lernen diesen durch seine Reaktionen bei den verschiedensten Erlebnissen gut kennen und verstehen. So ist es möglich, selbst spätere Verhaltensweisen entsprechend zu interpretieren, über die sonst nur noch Vermutungen angestellt werden können. Es gibt kaum ein Wesen auf dieser Welt, das uns seinen Spiegel innerhalb dreier Jahre so drastisch vor Augen hält wie der eigene Hund. Durch sein Verhalten deckt er schonungslos auf, was wir gut oder schlecht gemacht haben. Eine echte Bindung zum Tier kann nur entstehen, wenn wir sanft, mit Rücksicht und viel Kenntnis die Erziehung angehen und dieses entstehende und wachsende Urvertrauen vom Hund zu seinem Führer sachte festigen, damit zu allererst eine gesunde Belastbarkeit und großes Vertrauen zum Hundeführer wachsen kann!

Der Spiegel

Wer kann so schauen wie ein Hund

Seine Augen widerspiegeln, und geben kund

Erziehung, Pflege, und Dein Wissen

Du erkennst Dich gleich, frag Dein Gewissen

Er zeigt durch sein Verhalten

Ob Nerven, Verstand im Zaume gehalten

So gleicht der Hund sehr seinem Meister

Es nutzen weder Farb’ noch Kleister

Bemühe Dich durch Dein Verhalten

Sein Vertrauen zu Dir doch zu erhalten

In seinen Augen erkennst Du sein Leben

All die Liebe, die Du ihm gegeben

Er wird zum Abbild, stell dir vor

Er ist Dein Spiegel, sehe Dich vor!

Wenn wir bereit sind, den Welpen und den Junghund mit Geduld und Liebe, mit entsprechenden Möglichkeiten und Kenntnissen aufzuziehen, und ihm ausreichend Zeit widmen, dann dürfen wir uns auf großartige Erlebnisse gefasst machen; denn nichts macht den Hund aufnahmefähiger, als eine harmonische, liebevolle und abwechslungsreiche Jugendzeit. Die große Lernphase beim Hund beginnt mit vier Wochen und endet mit etwa vier bis fünf Monaten, wobei jeder Zeitabschnitt wichtige Lernstufen beinhaltet. Die Sozialisierung mit Menschen beginnt schon ab der vierten Woche. Daher ist ab diesem Zeitpunkt ein positiver Kontakt zu verschiedenen Personen wichtig und liegt bis zur Übernahme des Hundes weitestgehend in den Händen des Züchters und seiner Familie. Selbst hierüber sollte mit dem Züchter das Gespräch gesucht werden, denn je mehr Einfühlungsvermögen er für seine Welpen zeigt, umso mehr Vertrauen hätte ich zu ihm. Ein junger Hund auf Probe existiert nicht.

Der Welpe ist ein Wesen, das abhängig vom Menschen ist, was aber nicht automatisch auch Bindung bedeutet. Je besser wir ihn führen lernen, umso einfacher ist seine Integration in unsere Gemeinschaft. Das Ziel ist eine gute Bindung und dies bedeutet uneingeschränktes Vertrauen zu seiner Bezugsperson. Denken wir also vor dem Kauf über alle Konsequenzen gut nach und entscheiden uns erst dann, wenn wir uns nach bestem Wissen und Gewissen mit allen auf uns zukommenden Themen gründlich befasst und alles durchdacht haben. Wir übernehmen ein Wesen, das seine Mutter und seine Geschwister verliert und sich uns deshalb sehr eng anschließt. Es wird durch uns geprägt. Übernehmen wir einen Welpen aus einem Rudel Junghunde erst nach fünfzehn Wochen oder noch später, ist dieser meist verstärkt auf Hunde geprägt und bindet sich, sofern sich der Züchter mit seinen Familienmitgliedern nicht speziell bemüht hat ihn gut zu sozialisieren, schlechter an die Menschen an.

Wie erwerben wir das Vertrauen, die echte und gute Bindung zu unserem Hund? Bindung ist im Grunde das Grundvertrauen des Hundes zu uns. Er ängstigt sich nicht, auch wenn wir neben ihm aufspringen, ihn anschreien, gegen ihn gestikulieren oder unsererseits ein Drohverhalten einnehmen. Der Hund kommt trotzdem auf den Befehl „Hier“ mit erhobenen Ohren und mit dem Schwanz wedelnd zu uns! Dies soll man aber nicht mit dem Welpen tun! Das ist erst bei einem Hund möglich, der so um die zwei Jahre alt ist und mit viel Bedacht aufgezogen wurde. Würde er fliehen, würde dies belegen, dass etwas zwischen Hundeführer und Hund nicht stimmt, dass das Vertrauen gewissen Einschränkungen unterliegt und ein Vertrauensverlust verursacht wurde. Je nach Grad dieses Bruches ist das Arbeiten mit so einem Hund bedeutend schwieriger, denn er erkennt durch unsere Emotion oder Überreaktion unsere innere Haltung ihm gegenüber, fühlt sich verunsichert, ja in gewissen Fällen sogar blockiert, kann sich somit nicht mehr genügend auf uns einstellen und verliert damit einen Teil seiner Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit. Dieses Verhalten kennt man ja auch bei Menschenkindern. Selbst Gerüche können in ihrem Gedächtnis bedeutende Erlebnisse wachrufen. So kann der Stress des Hundeführers seine persönliche Ausdünstung verändern, obwohl dieser davon nichts bemerkt. Der Hund erinnert sich an schlechte Erlebnisse und bringt diese in den damaligen Zusammenhang. Durch den Schlaf werden Erinnerungen eines Säugetiers verankert, die Erinnerung an das Erlebte und Gelernte wird in den Neuronen gespeichert und wieder abgerufen, wenn ähnliche Situationen auftauchen. Keiner weiß, wovon Hunde träumen, und gerade auch deshalb sollten wir Übungen stets mit einer positiv gelungenen Aufgabe und mit Lob beenden.

Es ist ungemein wichtig, unserem Welpen gegenüber möglichst in ausgeglichener Stimmung zu sein. Üben wir ein sinnvolles Maß an Toleranz und Verständnis für seine Bedürfnisse und natürlichen Instinkte, bleiben wir ihm gegenüber verständig, erhalten uns die Bewunderung für sein Wesen und Schreiten nur so ein, dass der Hund niemals uns als die strafende Person erkennen kann, dann haben wir das große anfängliche Ziel erreicht. Denn auch der Schriftsteller Friedrich von Bodenstedt (1819) schriebdas folgende passende Zitat:„DesZornes Ende ist der Reue Anfang.“

Wer glaubt, der Hund vergisst unsere emotionalen Ausrutscher wieder, täuscht sich. Bewusst oder unbewusst bleiben gerade Erfahrungen der ersten Monate seines Lebens in seiner Seele gespeichert. Wie viel ein Welpe in dieser Zeit zu lernen in der Lage ist, grenzt an ein Wunder. Nicht umsonst nennt man diese Zeit die wichtigste in seinem Leben.

Wir sind gerade in den ersten Lebensmonaten gefordert, den Welpen so zu lenken, dass er dies im Grunde noch gar nicht durchschaut. Wir können mit unserer Stimme ihn von irgendwas wegrufen, ablenken und spielerisch ihn dazu erziehen, das zu tun, was wir für gut erachten. Wir können durch ein klares „Nein“ ihn zum Ablassen von irgendwas bewegen, das wir nicht wünschen, und schaut er uns daraufhin verdutzt an, locken wir ihn mit einem lohnenden Spielgegenstand oder durch fröhliches Ansprechen weg.

Das Alleinlassen des Hundes muss gelehrt werden

Manche glauben, der Hund könne ohne Weiteres allein sein. Das ist nicht wahr, und er war es auch als Welpe bisher nie gewohnt. Er ist von Natur aus ein Rudeltier und will immer um uns sein. Er konnte sich bisher an Geschwister anschmiegen und nun sind wir für ihn verantwortlich. Also sind wir zu Beginn immer in Hör‐ und Sichtweite und setzen uns dazu, bis er einschläft. Man kann die Hundebox auch in der Nacht ganz am Anfang ins Schlafzimmer holen, und wenn der Hund unruhig wird, ihn umgehend hinaus tragen und auf den zum Versäubern bestimmten Platz bringen. Bei Erfolg wird er entsprechend gelobt. In der Nacht wird nicht gespielt, sondern man bringt ihn danach sofort wieder in seine Box. Schläft er nach einiger Zeit durch, können wir die Hundeschlafbox sukzessive aus unserem Schlafbereich entfernen, bis sie an der geplanten Stelle ist und bleibt. In Notfällen hören wir ja unseren Hund, denn man sollte immerzu in Hörweite sein, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist.

Wichtig ist die Konsequenz, mit der man ihm verbietet, sich in gewissen Räumen oder auf unseren Sessel/Diwan zu begeben. Ansonsten gehört eines Tages die gesamte Wohnung ihm, er verteilt den Dreck überall, denn der junge Hund hat die Angewohnheit, einem auf Schritt und Tritt zu folgen. So ist es auch wichtig, dass wir ihn zwischendurch in die Box legen, wenn wir in der Nähe sind, damit er sich daran gewöhnen kann. Er sollte uns dabei aber hören können. Wenn wir kurz hinausgehen, kann das Radio leise weiter laufen, was ihn beruhigt. Auf keinen Fall darf vergessen werden, ihm zu sagen: „Ich bin gleich wieder da“, auch wenn wir nur für fünf Sekunden weggehen. So lernt er, ohne den Zeitbegriff in Wirklichkeit zu kennen, „Ich bin gleich wieder da“ bedeutet für ihn, dass man sehr kurze Zeit weggeht und wiederkommt. Damit übt der Hund das Warten. Mit der Zeit werden die Abstände etwas größer, und es reicht ihm, uns nur zu hören, um ruhig zu bleiben, oder die Illusion des Radios gaukelt ihm vor, wir wären noch in der Wohnung. Eine kleine Belohnung nach der Rückkehr ist ebenso empfehlenswert und kostet fast nichts, lehrt ihn aber, auf die Belohnung zu warten, und das brave Ausharren wird so zum freudigen Erfolgserlebnis.

Schnell versteht und lernt der Hund, dass durch Fiepen oder Jammern seine Notdurft bekannt wird und er hinausdarf. Das macht er aus seiner Natur heraus, denn im Grunde verschmutzt kein gesunder Hund seine Schlafstätte.

Lasse ich ihn frei in der Wohnung laufen, kann bei Futterunverträglichkeit oder Krankheit Durchfall auftreten oder, wenn ich abgelenkt bin und den Hund nicht genügend beobachte, oder solange ich sein Verhalten noch nicht lesen kann, ein kleines Unglück passieren. Doch dann nützt nur das Bewahren von Ruhe. Grundsätzlich sind wir es, die seine Anzeichen übersehen haben, und sind selbst schuld. Den Hund niemals nachträglich über eine ihm längst nicht mehr bewusste Missetat beschimpfen, denn der freut sich ja, wenn wir zu ihm gehen, und wir würden das Vertrauen wieder zerstören, das sich gerade jetzt in einer wichtigen Aufbauphase befindet. Auf den Hund nicht achtend kann man, sofern man will, den Kothaufen oder den kleinen See während des Aufnehmens beschimpfen, aber niemals den Hund! Kommt man hinzu in dem Moment, wo es passiert, dann nimmt man den Hund wortlos und ohne Hektik auf, trägt ihn wort‐ und emotionslos auf das gewohnte Plätzchen, und schafft er es, sich weiter zu versäubern, so lobt man ihn ausgiebig! Danach wird das von ihm verunreinigte Örtchen aufgeputzt und möglichst desinfiziert. Dies nicht, weil wir nicht gut geputzt haben, sondern weil der Duft stets animiert, sich erneut an dieser Stelle zu versäubern. Eine Option ist auch das Entfernen der Teppiche in der Anfangszeit. So können wir billigste, rutschfeste Unterlagen, die leicht weggeworfen oder auch gewaschen werden können, benutzen, die einen guten Übergangsdienst erweisen.

Das Belohnen zu Beginn der ersten Zeit liegt vor allem im Verbalen und in Streicheleinheiten. Wir sollten möglichst wenig Leckerli gebrauchen (bestenfalls von seinem Welpenfutter), denn der Hund ist in dieser Phase mit uns selbst noch sehr zufrieden, und so schaffen wir das Grundvertrauen auf unsere ganz persönliche Art und Weise. Ein ständiges Belohnen mit Futter macht aus uns eine „Milchkuh“, und dies sind wir mit Sicherheit nicht. Ebenso sollte das Futter für spezielles Loben von der Tagesration stets abgezogen werden, sonst hat man allzu schnell einen dicken und gesundheitlich gefährdeten Hund.

Strafen

Korrekturen aufgrund zu konsequenter persönlicher Vorstellungen oder radikales Verhalten verängstigen den Welpen und blockieren sein Lernverhalten. Wir gewinnen dadurch keinen freudigen Freund, sondern einen Hund, der sich zu seinem Führer mit der Zeit passiv verhält, sich ängstigt und dadurch nicht mehr gut zuhört und schwieriger lernt. Dies heißt aber nicht, dass der Hund sich nicht gleichwohl später enorm interessiert zeigen kann an Beutespielen mit dem Ball. Das ist jedoch ein rein beutebezogenes Verhalten und hat mit Bindung überhaupt nichts zu tun.

Ein Hund mit Bindung ist lernbereiter, fröhlicher und akzeptiert auch ein „Nein“ ohne Problem, sofern wir ihm etwas anderes anfänglich dafür anbieten. Die Kunst des Hundeführers besteht nicht im Aberziehen, was der Hund nicht darf, sondern im Anerziehen, was er darf und tun soll.

Positive Erlebnisse und Spiele mit Gegenständen, die er ausreichend besitzen soll, machen, wie oben schon erwähnt, gleichzeitig anderes für den Welpen uninteressanter. Wichtig ist jedoch, dies dem Hund erst einmal „schmackhaft“ zu machen. Viele können sich nicht vorstellen, was sie mit einem so kleinen Hund alles unternehmen können. Ein Tipp: Ganz sachte beginnen, immer etwas bereitstellen und sei dies nur ein dickes Seil, Kartonschachteln oder ein Ball.

Frühkonsequenz