Vision - Ana Alonso - E-Book

Vision E-Book

Ana Alonso

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Beschreibung

Als Alex nach einer Party der geheimnisvollen Jana folgt, trifft er damit eine Entscheidung, die sein Leben verändert: Noch in derselben Nacht sticht Janas Bruder ihm ein Tattoo, von dem es heißt, es habe magische Fähigkeiten. Von nun an kann Alex Janas Empfindungen spüren, wann immer sie in seiner Nähe ist. Doch wenn er versucht, sie zu berühren, verbrennt ihn ein alles verzehrendes Feuer. Denn Jana ist kein gewöhnliches Mädchen. Und in ihrer Welt wäre die Liebe zu Alex unverzeihlich.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 558

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Titel

Ana Alonso und Javier Pelegrín

Vision

Das Zeichen der Liebenden

Aus dem Spanischen von Ilse Layer

Impressum

Die Originalausgabe erschien 2010 bei Editorial Viceversa, S.L., Barcelona, unter dem Titel »Tatuaje«. Copyright © Ana Alonso and Javier Pelegrín, 2010 (for Part I) Published by arrangement with Ana Alonso and Javier Pelegrín. c/o MB Agencia Literaria S.L., through Literarische Agentur Michael Gaeb all the following volumes according to their first publication in Spain.

Erste Veröffentlichung als E-Book 2012 Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2011 Arena Verlag GmbH, Würzburg Alle Rechte vorbehalten Aus dem Spanischen von Ilse Layer Covergestaltung: Frauke Schneider, unter Verwendung der Fotos von © plainpicture/Mohamad Itani; © shutterstock/maxim ibragimov; © shutterstock/r.nagy; © shutterstock/bomg ISBN 978-3-401-80135-3www.arena-verlag.de Mitreden unter forum.arena-verlag.de

Erstes Buch – Jana

Kapitel 1

Diese Nacht würde anders sein als alle anderen Nächte zuvor.

Das war ihm in dem Moment klar, als er die Haustür aufmachte und Erik vor ihm stand, die Augen schwarz geschminkt, auf den Lippen ein vielsagendes Lächeln. Hinter ihm warteten zwei Mädchen in eleganten Klamotten – und der Sportwagen von Eriks Vater, den Erik nur zu besonderen Gelegenheiten geliehen bekam. Das größere der beiden Mädchen erkannte Alex sofort: Marta, Eriks ewige Verehrerin. Die andere, eine Rothaarige mit großen, ängstlichen Rehaugen, hatte er noch nie gesehen.

»Ein Nein gibt’s nicht, du brauchst es gar nicht erst zu versuchen«, stieß Erik ohne ein Wort der Begrüßung hervor, drängte sich an ihm vorbei in den Hausflur und ließ seinen Blick auf der Suche nach Alex’ Jacke über die Garderobe wandern. »Heute ist die Party im Molino Negro. Ich hab’s selbst auch gerade erst erfahren. Dieses Jahr machen sie es so spät, damit die Feier nicht mit dem Schuljahresbeginn zusammenfällt. Das darfst du auf keinen Fall verpassen. Außerdem spielen sie Emo-Musik, es wird dir also mit Sicherheit gefallen.«

Erik hatte die Jacke, die er suchte, entdeckt, er zerrte sie unter einem Mantel von Alex’ Mutter hervor und warf sie Alex zu. Der schlüpfte, ohne nachzudenken, hinein, dann folgte er seinem Freund, überrumpelt von dessen Entschlossenheit, auf die Straße. Die beiden Mädchen hoben zur Begrüßung flüchtig die Hand. Alex erwiderte den Gruß, dann drehte er sich wieder zum Haus, ließ den Blick ins erleuchtete Innere wandern. Auf einmal zögerte er, die Tür hinter sich zuzuziehen.

»Erik, ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt Lust auf eine Party habe«, protestierte er schwach. »Außerdem habe ich meiner Mutter nicht Bescheid gesagt. Sie macht sich bestimmt Sorgen, wenn sie nach Hause kommt und ich bin nicht da…«

»Sei kein Blödmann, Alex. Sie wird nicht mal merken, dass du nicht da bist. Geht sie je in dein Zimmer, wenn sie aus dem Labor kommt?«

»Sie vertraut mir eben«, erwiderte Alex mit einem Lächeln, doch gleichzeitig lag eine Spur Ernst in seinem Gesicht. »Schließlich bin ich kein Kind mehr.«

»Verlass dich auf mich: Sie wird gar nicht merken, dass du ausgeflogen bist«, wiederholte Erik. »Und jetzt komm oder willst du den ganzen Abend hier rumstehen? Ich möchte jedenfalls nicht zu spät zur Party kommen.«

Alex folgte Erik zu dem nagelneuen metallicfarbenen BMW, wo Marta bereits auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Das andere Mädchen stand unentschlossen an der geöffneten hinteren Wagentür.

»Das ist übrigens Irene.« Erik strich ihr flüchtig übers Haar. »Irene, und das ist Alex. Lass dich nicht von seinem dümmlichen Gesichtsausdruck täuschen, das ist bloß Fassade. In Wirklichkeit ist er ein richtiger Partylöwe. Ich an deiner Stelle wäre vorsichtig, dass er dich nicht auffrisst. Aber vielleicht möchtest du ja auch gefressen werden?«

Erik lachte über seinen eigenen Witz, während er sich hinter das Lenkrad fallen ließ und Irene und Alex ein wenig verlegen hinten einstiegen. Marta drehte sich um und schenkte Alex ein strahlendes Lächeln. Ihr rundes Gesicht war dem Anlass entsprechend stark geschminkt.

Mit einem weichen Schnurren sprang der Motor an und Erik reihte sich in den Verkehr zur Ciudad Vieja, der Altstadt, ein. Draußen huschten die dunklen Silhouetten der Bäume vorbei, hin und wieder abgelöst von den hell erleuchteten Säulenportalen der Villen.

»Wenn du magst, dann schminke ich dich«, sagte Irene unvermittelt. Ihre Stimme klang dunkel und rau, wie die Stimme einer älteren Frau. »Du kannst schließlich schlecht ungeschminkt auf einer Emo-Party aufkreuzen. Zum Glück habe ich alles dabei. Lass mal hören… In welcher Stimmung bist du? Nein, warte, ich will es selbst herausfinden. Ich kann nur leider dein Gesicht nicht richtig erkennen…«

Ohne das Tempo zu drosseln, öffnete Erik das Handschuhfach, beugte sich zur Seite und zog eine Taschenlampe heraus. Er warf sie über die Schulter nach hinten, wo sie auf Irenes schwarzem Rock landete. Irene knipste die Lampe an. Sie richtete den Lichtkegel direkt auf Alex’ Gesicht, sodass dieser unwillkürlich die Augen zusammenkniff und sich wegdrehte.

»Du siehst gut aus«, sagte Irene so laut, dass sie auch im vorderen Teil des Wagens zu hören war. »Wenn auch nicht ganz so gut wie dein Freund.«

Marta lachte kurz auf. Unsanft hielt Irene Alex am Kinn fest und begann, ihm die Augen mit dunklem Lidschatten zu schminken.

Alex ließ es widerstandslos über sich ergehen. Er war unruhig und aufgeregt und wusste selbst nicht, woher dieses Gefühl auf einmal kam. Die Partys im Molino Negro waren legendär. Einmal im Jahr engagierten die jungen Besitzer der alten Mühle verschiedene Rock- und Hip-Hop-Bands und richteten auf dem verfallenen Gelände verschiedene Partyräume ein, die sie den jeweiligen Musikrichtungen entsprechend gestalteten. Die Gäste ließen sich die ganze Nacht hindurch in der Dunkelheit von Bühne zu Bühne treiben und von Innenhof zu Innenhof, sie tanzten wie in Trance und betranken sich. Das hatte Alex zumindest gehört, denn bisher hatte er noch nie die Gelegenheit gehabt, eine dieser sagenumwobenen Partys zu besuchen.

»Komme ich da überhaupt rein?«, fragte er.

Irenes lange Fingernägel gruben sich in seine Wange, während sie versuchte, die Hand ruhig zu halten, um Wimperntusche aufzutragen.

»Soll das ein Witz sein?«, knurrte Erik. »Du bist mit mir unterwegs.«

Ja, das war tatsächlich eine blöde Frage gewesen. Schließlich war er mit Erik befreundet und es gab keine Party, auf die Erik nicht kam, wenn er wollte. Erik war selbstsicher, er war intelligent und reich. Und als wäre das noch nicht genug, sah er auch noch unverschämt gut aus. Erik ließ sich nicht so schnell von irgendetwas abhalten.

Sie verließen die Hauptstraße und bogen in ein verlassenes Gewerbegebiet ein, die beste Abkürzung, wenn man zum Strand wollte. Die Lichtpegel der Scheinwerfer ertasteten die eckigen Umrisse der alten Fabriken, sie hoben sie kurz aus der Dunkelheit heraus, ehe sie wieder darin verschwanden. Ohne zu zögern, steuerte Erik durch das Gewirr von Straßen, alle menschenleer und ohne jeden Charme. Er schien genau zu wissen, welchen Weg er nehmen musste.

Als Irene mit Alex’ Augen fertig war, kramte sie wieder in ihrem geblümten Schminktäschchen. Alex warf einen Blick auf das Sammelsurium an Stiften und Döschen, die Irene offenbar immer dabeihatte. Das Täschchen verströmte einen unangenehmen Geruch nach Puder und billigem Parfüm.

Gleich darauf spürte er auf der rechten Wange das Kitzeln eines weichen Pinsels, der in gleichmäßigen Bewegungen vom äußeren Rand des Wangenknochens bis zu den Mundwinkeln wanderte. Wieder und wieder. Er versuchte, sich zu entspannen und an nichts anderes zu denken, schloss die Augen und genoss die sanfte Berührung. Er wurde gerade von einem Mädchen geschminkt, einem Mädchen, das gar nicht übel war, nach den wenigen Blicken zu schließen, die er bisher auf sein Gesicht erhascht hatte. Und das außerdem auch noch an ihm interessiert und nicht gerade zurückhaltend zu sein schien. Und zusätzlich würde er sich in wenigen Minuten auch noch mit eigenen Augen davon überzeugen können, wie eine der legendären Partys im Molino Negro aussah… Es war klar: Vor ihm lag eine besondere Nacht.

Da fiel ihm plötzlich Laura ein.

»Ich hätte meiner Schwester Bescheid sagen müssen.« Er suchte Eriks Blick in den dunklen Schemen des Rückspiegels. »Ich hab mich nicht mal von ihr verabschiedet.«

»Sie weiß Bescheid«, erwiderte Erik, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. »Ich hab ihr eine SMS geschickt, dass ich dich heute Abend entführt habe. Sie hat schon geantwortet… Hier, lies selbst.«

Alex griff nach dem Handy, das Erik ihm hinhielt, und scrollte sich durch das Menü. Super, hatte Laura geschrieben. Pass auf ihn auf. Entnervt warf Alex das Handy auf den Sitz neben sich. Seit wann verschworen sich seine kleine Schwester und sein bester Freund, um hinter seinem Rücken sein Leben zu organisieren?

»Jetzt musst du einen Moment ganz stillhalten«, flüsterte Irene. Ihre Stimme klang weich und verführerisch. »Ich male dir nämlich gleich die Lippen blutrot an. Auf einer Emo-Party muss man die Farbe seines Herzens auf den Lippen tragen. Das gilt übrigens auch für dich, Erik. Wenn wir da sind, soll Marta das nachholen.«

»Marta wird gar nichts nachholen, stimmt’s, Süße?«

Statt einer Antwort kicherte Marta aufgeregt. Alex schnalzte so laut mit der Zunge, dass Erik es nicht überhören konnte. Die Art und Weise, wie sein Freund Martas Bewunderung ausnutzte, hatte ihm noch nie gefallen. Zugegeben, Marta war ein bisschen nervig und tratschte gern. Aber dass Erik sie so behandelte, hatte sie nicht verdient. Marta hätte alles für Erik getan und er wusste das genau und bestärkte sie auch noch darin. Und obwohl er nicht an ihr interessiert war, verabredete er sich immer wieder mit ihr.

Mit einer heftigen Bewegung schüttelte Marta ihre halblangen Haare, als wollte sie einen lästigen Gedanken loswerden.

»Wisst ihr, wer auch kommt?« Sie klang immer wie ein kleines, verzogenes Mädchen. »Das erratet ihr sowieso nie: Jana.«

Für einen Moment bliebt Alex das Herz stehen. Jana. Jana würde ins Molino Negro kommen. Und er saß hier seelenruhig in diesem Wagen, angemalt wie ein Clown, mit einem Mädchen, das er gerade erst kennengelernt hatte und das ihm bis eben sogar noch ziemlich attraktiv vorgekommen war.

Plötzlich schoss das Auto nach vorn. Alex wurde tief in den Sitz gedrückt, der Lippenstift rutschte vom Mund über seine Wange.

»Was machst du denn, Erik?«, fragte Irene empört. »Ich hätte dem armen Alex gerade fast ein Auge ausgestochen.«

»Wir sind spät dran«, erwiderte Erik vollkommen unbeeindruckt.

Erst als sie das Gewerbegebiet verlassen hatten und die ersten Blocks mit Strandappartements erreichten, nahm Erik den Fuß wieder vom Gaspedal. Im Wagen hatte sich in der Zwischenzeit ein angespanntes Schweigen ausgebreitet. Irene überlegte, den Lippenstift einfach auf Alex’ Wange zu lassen, um ihrem Werk einen originelleren Touch zu geben. Aber nachdem sie sein Gesicht eine Weile nachdenklich betrachtet hatte, wischte sie den Strich doch wieder ab.

»So und jetzt sieh dich mal an«, flüsterte sie ihm ins Ohr. »Du bist ein anderer Mensch geworden…«

Alex blickte in den staubigen kleinen Spiegel, den Irene ihm hinhielt. Das bleiche, eingefallene Gesicht mit den schwarz umrandeten Augen und dem blutroten Mund, das ihm entgegensah, hätte aus einem Achtzigerjahre-Videoclip stammen können. Eigentlich gar nicht so schlecht. Ganz im Gegenteil… Er fragte sich, was Jana von seiner Verwandlung halten würde.

»Mit wem kommt sie?«, fragte Erik unvermittelt.

Alex wusste sofort, auf wen sich seine Frage bezog. Und aus Martas Schweigen schloss er, dass es auch ihr klar war.

»Sie geht nie auf Partys«, fuhr Erik fort. »Zumindest so gut wie nie… Jemand muss sie eingeladen haben.«

»Keine Ahnung, wer sie eingeladen hat.« Martas Stimme klang gleichgültig. »Ich weiß nur, dass sie kommen will… Sie hat mich angerufen und gefragt, ob ich eine Einladung brauche und ob sie mich mitnehmen soll.«

Sie hatten die alte Strandpromenade erreicht. An ihrem Ende zweigte die Schotterstraße ab, die zur Mühle führte. Zwei Motorräder fuhren an ihnen vorbei und jetzt waren auch andere Autos zu hören, die sich aus verschiedenen Richtungen näherten. Als sie in den Schotterweg einbogen, überholten sie mehrere Gruppen von jungen Leuten, die sich zu Fuß auf den Weg zur Party gemacht hatten.

Erik fand problemlos einen Parkplatz in der Nähe der Gartenmauer.

Sobald sie die Türen öffneten, schlugen ihnen Stimmengewirr und Gelächter entgegen, unterlegt vom rhythmischen Dröhnen der Bässe. Feuchtkalter Seewind fuhr ihnen durch die Haare. Alle vier hielten einen Moment inne, um die tanzenden Lichter in den Wipfeln der Obstbäume zu betrachten. Links von ihnen, im Hauptgebäude der Mühle, schimmerte es rot hinter den Fensterscheiben.

»Wo gehen wir rein?« Marta zupfte an ihrem grauen Pailletten-Top, damit der Ausschnitt richtig saß. »Angeblich spielt Betadine in der ehemaligen Schmiede, ganz hinten. Mögt ihr Betadine?«

»Wir können durch den Garten gehen und uns erst mal alles ansehen«, schlug Erik vor.

Marta und Irene nickten und setzten sich sofort in Richtung Gartenmauer in Bewegung, wo ein Durchlass zu sehen war. Alex wollte ihnen folgen, doch Erik hielt ihn zurück.

»Wenn ich gewusst hätte, dass Jana auch kommt, hätte ich dich nicht mitgenommen«, sagte er ernst.

Alex grinste schief. »Warum das denn? Denkst du, dass du mich vor ihr beschützen musst?«, fragte er spöttisch.

Er wollte weitergehen, aber Erik ließ ihn nicht los. »Komm schon, Alex. Sie würde dir bloß das Leben schwer machen. Sie ist genau der Typ Mädchen, merkst du das nicht?«

Alex’ Lächeln erlosch langsam. »Ich sehe Jana jeden Tag in der Schule«, erwiderte er bestimmt. »Wir gehen seit Jahren in dieselbe Klasse und ich hab’s bisher ganz gut überlebt, wie du siehst.«

»Alex, ich meine es ernst. Ich weiß, was Jana dir bedeutet. Ich sehe doch, wie du sie im Unterricht ständig anstarrst, und das gefällt mir gar nicht. Du weißt doch sonst immer ganz genau, was gut für dich ist. Was du willst und was nicht…«

»Und wenn ich sie will?«, fiel Alex ihm ins Wort. Bei seiner Frage wurde ihm ganz heiß wie von einem dieser Drinks, die einem sofort in den Kopf steigen.

Erik antwortete nicht gleich. Ein paar Sekunden lang war nur das hypnotische Wummern der Bässe hinter der Gartenmauer zu hören, aber darauf achtete keiner der beiden.

»Du verwechselst da was«, sagte Erik schließlich. »Ich kann’s ja sogar verstehen, schließlich hast du deinen Vater verloren und sie ihre Eltern, alle drei unter ungeklärten Umständen… Und jetzt redest du dir ein, das würde euch verbinden. Aber mach dir nichts vor, Alex. Sie ist nicht so, wie du denkst. Sie ist gefährlich.«

Alex bohrte seinen Blick in den seines Freundes. Langsam reichte es ihm. »Was weißt du überhaupt von Jana?«, fragte er scharf. »In der Schule redest du jedenfalls nie mit ihr.«

Erik sah zur Seite.

»Ich mag sie nicht. Klar, sie ist wunderschön, aber irgendwas an ihr gefällt mir nicht. Pass einfach auf dich auf, ja?«

»Okay, vielen Dank für die Warnung. Können wir jetzt vielleicht reingehen oder hast du mich bloß hergeschleppt, um mir ins Gewissen zu reden?«

Erik, der ein wenig größer als Alex war, legte ihm den Arm um die Schultern und schüttelte ihn freundschaftlich.

»Ich hab schließlich deiner Schwester versprochen, auf dich aufzupassen«, sagte er und in seiner Stimme schwang ein neckender Unterton mit. »Und ich werde mich hüten, mich mit Laura anzulegen.«

Beide mussten lachen und die Spannung zwischen ihnen löste sich auf. Marta und Irene, die noch immer wartend am Eingang zum Garten standen, winkten ungeduldig.

»Marta hat ihr Nasenpiercing entfernen lassen«, stellte Alex überrascht fest, als sie auf die Mädchen zuliefen. »Hast du sie darum gebeten?«

»Quatsch. Aber sie hat mir gesagt, sie hätte es für mich getan. Wahrscheinlich weiß sie, dass ich Piercings hasse.«

»Sie tut wirklich alles, um dir zu gefallen, oder?«, zog Alex seinen Freund auf.

Er hatte große Lust, sich bei Erik für den kleinen Vortrag von gerade eben zu revanchieren. Da blitzte plötzlich ein Gedanke in seinem Kopf auf, der ihn stutzen ließ.

»Eigenartig«, sagte er nachdenklich. »Jana und Marta waren ziemlich gut befreundet, bis Marta sich das Piercing machen ließ. Danach haben sie sich kaum noch getroffen… Das hat Marta mir irgendwann mal erzählt. Jana kann Piercings anscheinend auch nicht leiden. Komischer Zufall, oder? Ihr habt denselben Tick.«

Erik setzte zu einer Antwort an, als ganz in der Nähe plötzlich die ersten Takte eines bekannten Hip-Hop-Songs erklangen. Sofort leuchteten Eriks tiefblaue Augen auf und er ließ sich vom Rhythmus der Musik mitreißen. Wenn Erik tanzte, war es, als würde die Welt um ihn herum stehen bleiben. Seine Fähigkeit, sich zu bewegen, mühelos, als wäre jeder Zentimeter seines Körpers elastisch, war verblüffend.

Alex beobachtete amüsiert, wie andere Leute, die ebenfalls zur Party wollten, stehen blieben, um gebannt zuzuschauen. Martas verzücktes Lächeln sprach Bände und sogar Irene schien fasziniert zu sein.

Als das Stück zu Ende war, brach spontaner Applaus aus. Erik deutete eine ironische kleine Verbeugung an, bevor er gelassen zu Alex zurückschlenderte. Noch bevor er bei ihm war, stürzte Marta auf ihn zu und schlang ihm die Arme um den Hals.

»Du bist fantastisch«, sagte sie, den Tränen nahe. »Einfach fantastisch.«

Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und drückte einen Kuss auf den kleinen Skorpion, den Erik in den Nacken tätowiert trug, alt und vergessen wie eine Narbe.

Kapitel 2

Alex hatte die Hoffnung beinahe aufgegeben, Jana an diesem Abend noch zu begegnen, da entdeckte er sie ganz hinten in einem völlig verqualmten Raum, reglos zwischen lauter tanzenden Menschen. Er hatte ein paar Bier getrunken und in der alten Schmiede während der Zugabe von Betadine ein bisschen mit Irene rumgeknutscht. Nach dem Konzert hatte sie versucht, ihn in eine Ecke zu ziehen, um weiterzumachen. Aber er hatte sich verdrückt, weil er nach Jana Ausschau halten wollte. Noch immer spürte er ein angenehmes Kribbeln am Hals, dort, wo Irene ihn mit ihren schwarzen Vampir-Nägeln gestreichelt hatte. Er war glücklich und zugleich seltsam niedergeschlagen. Vor allem aber erfüllte ihn ein seltsames Gefühl der Freiheit, denn der Zwang, sich wegen Jana ständig etwas vorzumachen, quälte ihn nicht länger.

Er war verrückt nach ihr. Er hatte es fertiggebracht, Erik das zu sagen, und es sich damit zum ersten Mal auch selbst eingestanden. Er hatte es satt, sich ständig zu bremsen, seine Gefühle wegzuschieben, als wären sie peinlich. Denn das waren sie nicht. Er war verrückt nach Jana und er würde sie für sich gewinnen. Auch wenn er nichts von ihr wusste, weder ob sie im Moment einen Freund hatte, noch ob sie mal mit jemandem aus der Schule gegangen war. Er wusste nur, dass er sie im Unterricht schon viel zu lange keine Sekunde mehr aus den Augen lassen konnte, dass er zusammenfuhr, wenn sie in der Nähe war, und dass er sich beherrschen musste, um nicht ihre Hand zu berühren, wenn er an ihrem Pult vorbeiging. Jetzt reichte es. Sie waren keine Kinder mehr, so konnte es nicht ewig weitergehen.

Heute Abend war es so weit. Er würde auf sie zugehen, würde ihr seine Gefühle gestehen, auch wenn er damit riskierte, sie zu verschrecken. Allerdings machte Jana nicht den Eindruck, als sei sie leicht aus der Ruhe zu bringen. Alles an ihr strahlte Selbstsicherheit und Gelassenheit aus. Ihr Lächeln… ihr wunderschönes Lächeln hatte etwas Unnahbares, fast schon Arrogantes. Aber Alex war entschlossen, es zu versuchen. Beim fünften Bier war er felsenfest vom Erfolg seiner Mission überzeugt.

Schon von Weitem sah er, dass sie nicht geschminkt war, wodurch sie sich deutlich von den anderen Emos um sie herum abhob. Alex bewunderte sie für dieses Selbstbewusstsein. Jana brauchte kein raffiniertes Make-up, um ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, denn ihr Gesicht erzählte dem Betrachter alles: das, was sie empfand, und auch das, was sie nicht empfand. Mit den perfekt geschwungenen Lippen und den samtweichen kastanienbraunen Augen wirkte es eigenartig sinnlich und kühl zugleich. Es war mutig von ihr, so verführerische und doch distanzierte Züge ungeschminkt auf einer Emo-Party zu zeigen.

Sie schien gar nicht zu merken, wie sehr sie aus der Menge hervorstach. In sich hineinlächelnd, stand sie bei der Clique, mit der sie gekommen war, und hörte sich stumm die lautstarken Witze eines der Jungen an. Sie trug ein schlichtes schwarzes Kleid, das auf Taille geschnitten war und dann in anmutigem Schwung bis zum Knie fiel. Es wirkte viel dezenter als die meisten anderen Outfits, die auf der Party zu sehen waren. Alex konnte sich nicht von ihrem Anblick losreißen. Wie ein Schlafwandler bahnte er sich einen Weg durch die Menge. Die Musik und das Stimmengewirr um ihn herum nahm er kaum noch wahr. Die alte Scheune kam ihm auf einmal riesengroß vor, er hatte das beängstigende Gefühl, nie dort anzukommen, wo Jana stand, wunderbar und vollkommen wie aus einer anderen Welt. Er ging schneller, ohne seinen Blick auch nur eine Sekunde von ihr abzuwenden.

Da sah er, wie sie ihr Handy aus der Tasche zog und ans Ohr hielt. Ihre Lippen bewegten sich und über ihr Gesicht huschte ein Anflug von Unmut. Mit einem Zeichen in Richtung ihrer Freunde wandte sie sich ab und steuerte ans andere Ende der Scheune, weg von den Lautsprechern, wahrscheinlich um den Anrufer besser zu verstehen.

Eine Gruppe stark geschminkter Mädchen kam Alex in die Quere und nahm ihm für einen Moment die Sicht. Als er wieder hinsah, war Jana verschwunden. Als hätte sie sich in Luft aufgelöst…

Vielleicht war sie aber auch nur durch die Hintertür hinausgegangen.

— * —

Hinter der Tür lag eine übel riechende Gasse mit zwei quer auf dem Asphalt stehenden Müllcontainern und einer kaputten Straßenlaterne ganz am Ende, wo eine mit Geranien geschmückte Steintreppe zur Antigua Colonia hinaufführte. Alex vermutete, dass Jana diesen Weg genommen hatte. Ohne lange zu überlegen, folgte er ihr so leise wie möglich. Auf der letzten Stufe angelangt, entdeckte er ihre Silhouette. Sie überquerte gerade einen leer gefegten Kreisverkehr. Er wartete, bis sie in eine der steil ansteigenden Straßen dahinter eingebogen war, dann nahm er wieder die Verfolgung auf.

Die Geräusche der Party waren nun nicht mehr als ein fernes Echo, in das sich das gleichförmige Rauschen des Meeres mischte. Trotz der Entfernung hallten Janas Schritte jetzt deutlich wider, der Klang ihrer Absätze war hart und abgehackt. Jeden einzelnen dieser Schritte spürte Alex am ganzen Körper. Sein Herz schlug schnell und heftig und seine Gedanken waren wirr und widersprüchlich. Es fühlte sich verboten an, was er da tat – Jana nachspionieren wie ein Jäger seiner Beute –, und zugleich wünschte er sich nichts sehnlicher, als sie zu beschützen und sie in den Armen zu halten, ohne viel mehr von ihr zu kennen als ihren Namen und ohne ihr Fragen zu stellen.

Er ging hastig, genoss die laue Brise, die ihm ins Gesicht schlug, und achtete kaum auf die Tristesse seiner Umgebung. Die Antigua Colonia bestand aus einer Vielzahl von gewundenen Straßen hoch über den Klippen, ein Viertel mit einstmals luxuriösen Villen, die hinter ihren staubigen Vorgärten seit Jahrzehnten dem Verfall ausgesetzt waren. Hinter den gelben und blauen Fassaden, deren verblasste Farben im Laternenlicht kaum noch zu erkennen waren, mit ihren hohen Säulenportalen und Glasveranden hausten vereinzelt noch alte Leute, Erben der Überreste einer untergegangenen Pracht. Es war ein Jammer. In den Achtzigerjahren, als das Viertel sich schon deutlich geleert hatte, hatte ihm das große Erdbeben endgültig den Todesstoß versetzt und ein Großteil der Familien, die noch hier ausharrten, zogen in die Neubaugebiete am Strand, die sicherer und mit weniger Erinnerungen behaftet waren.

Über die Antigua Colonia kursierten alle möglichen Geschichten. Als regelrechtes Wunder galt, dass die Villen noch nicht eingestürzt waren, denn die meisten waren durch das Erdbeben ernsthaft beschädigt worden. Kaum ein Haus, das nicht einen Riss quer über die Fassade, ein Loch im Dach oder eine zusammengefallene Säule am Portal aufwies. Ihre früheren Bewohner waren wegen Einsturzgefahr ausgezogen und doch hielten sich die Bauten immer noch aufrecht. Als Geisterhäuser, reglose, bedrohliche Zeugen einer Vergangenheit, die nicht vergehen wollte. Aber diese unerklärliche Standhaftigkeit war nicht das einzige Rätsel der Antigua Colonia. Wer pflanzte zum Beispiel jedes Frühjahr Geranien und Petunien in die Blumenrabatten und ersetzte sie im Herbst durch Stiefmütterchen? Warum wuchsen die Zypressen und Eukalyptusbäume in den verwilderten Gärten weiter, als wäre nichts geschehen? Die Stadtwerke kümmerten sich schon lange nicht mehr um diesen Teil der Stadt und doch türmte sich auf den Straßen nicht der Müll. Nur gelegentliche Reifenspuren auf dem Asphalt machten deutlich, wie viel Sand und Schmutz sich im Laufe der Zeit auf ihnen angesammelt hatte.

Alex hatte die Antigua Colonia seit Jahren nicht betreten. Er war überhaupt erst ein- oder zweimal hier gewesen, als Kind. An einen dieser Ausflüge erinnerte er sich dunkel. Damals hatte er seinen Vater begleitet. Er hatte Angst gehabt. Jetzt war dieses Gefühl wieder da, aber nicht wegen der heruntergekommenen Häuser oder der ausgestorbenen Straßen. Er machte sich Sorgen um Jana. Wohin wollte sie so eilig – um diese Zeit und an diesem Ort? Ob sie hier wohnte?

Inzwischen waren ihre Schritte nur noch ein fernes Echo, er hatte sie aus den Augen verloren. An einer Kreuzung blieb er stehen, um durchzuatmen, und blickte sich um. Am Ende einer der drei Straßen ragten die Steinmauern des San-Antonio-Parks auf, der an der höchsten Stelle der Colonia lag. Dahinter bohrte sich der Turm der Friedhofskirche mit seiner dunklen Silhouette in den von Sternen übersäten Himmel. Der Park war um diese Zeit bestimmt geschlossen. Und doch war Alex sicher, dass Jana diese Straße genommen hatte, auch wenn er ihre Schritte nun gar nicht mehr hörte.

Eine Windböe verfing sich in der Krone einer hohen Magnolie, die auf wundersame Weise überlebte, obwohl sich die Hälfte der Äste ins Nachbarhaus gebohrt hatte. Als ihre schweren Blätter zur Ruhe kamen, trat tiefe Stille ein. Alex rannte die Straße zum Park hinauf. Sein Atem ging immer schwerer, je steiler der Weg anstieg. Die Gummisohlen seiner Turnschuhe gaben beim Aufprall auf dem Pflaster ein weiches Schmatzen von sich und seine Beine begannen, vor Anstrengung bereits zu brennen. Als er die Anhöhe schließlich erreicht hatte, blieb er erschöpft stehen. Das schmiedeeiserne Parktor war verschlossen.

Er folgte dem Verlauf der Mauer, in der Hoffnung, noch einen anderen Eingang zum Park zu finden. Da hörte er hinter sich plötzlich ein Geräusch. Eine Siamkatze war auf einen Schutthaufen geklettert und beobachtete ihn aus grünlich funkelnden Augen. Der Haufen zerbrochener Steine lag direkt vor der Mauer, wenige Meter vom Tor entfernt, und darüber entdeckte Alex eine Lücke in den Steinen, als hätte ein Riese genau an der Stelle hineingebissen. Wenn er Glück hatte, würde es ihm gelingen, den Schutthaufen zu erklimmen und von dort über die beschädigte Mauer zu klettern. Als Alex sich näherte, stieß die Katze ein gereiztes Fauchen aus und trollte sich die Straße hinunter. Er bückte sich, um sich die Masse aus Mörtel und zerbrochenen Steinen genauer zu betrachten.

Ein Loch. In der Erde klaffte ein schmales, ziemlich tiefes Loch, das von einem spitzen Absatz stammen konnte. Kurz entschlossen nahm Alex Anlauf. Mit zwei Sätzen war er oben auf dem Schuttberg, von dort hangelte er sich bis zum brüchigen Rand der Mauer empor. Bevor er auf der anderen Seite wieder hinunterkletterte, suchte er den dunklen Park nach Janas Silhouette ab. Doch da war weit und breit keine Spur von ihr. Nur wispernde Bäume und das Rascheln der ersten trockenen Blätter, die über die Sandwege geweht wurden. In der Ferne hörte man das Plätschern eines Brunnens. Und hier und da stand eine stumme Statue.

Und jetzt? Er erinnerte sich an einen Schulausflug zu den exotischen Bäumen, die der Stadtrat am zehnten Jahrestag des Erdbebens hier hatte pflanzen lassen. Damals war er vielleicht neun oder zehn gewesen und der Park hatte ihn schaudern lassen. Vor allem wegen des Friedhofs, der den ganzen östlichen Teil hinter der Kirche einnahm. Hunderte von uralten Grabsteinen unter den Zypressen und Eiben, alle rissig und verwittert. Alex versuchte, die Kreuze unter den Bäumen auszumachen, aber sie wurden vom Schatten, den die Kirche warf, verschluckt.

Da glaubte er, genau aus dieser Richtung Gelächter zu hören. Ohne lange zu überlegen, sprang er von der Mauer in den Park und rannte über das Gras zu einem ungepflegten Sandweg, der direkt zur Friedhofskirche führte. Das Gelände stieg steiler an, als er gedacht hatte, schon bald keuchte er heftig.

Kurz blieb er stehen, um durchzuatmen, als er auf einmal ein lärmendes Grüppchen seitlich aus der Kirche kommen sah.

Instinktiv duckte er sich hinter ein paar Sträucher, um nicht entdeckt zu werden. Trotz der Entfernung und der Dunkelheit merkte er sofort, dass etwas mit diesen Leuten nicht stimmte. Sie bewegten sich geschmeidig wie Katzen. Und in ihre Unterhaltungen mischten sich Knurrlaute, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Sogar noch bevor Alex ihre Gesichter erkennen konnte, begriff er, dass es Ghuls waren, Mitglieder einer Jugendbande, Freaks, die sich operieren ließen, um bestimmten Tieren so ähnlich wie möglich zu werden.

Um Jana besorgt, kroch Alex bis zum Friedhofszaun an der Rückseite der Kirche, wo sich das Pfarrhaus befand. Vor der Tür hatte sich die Gruppe Ghuls versammelt, sie klopften sich gegenseitig auf den Rücken und verabschiedeten sich mit unzusammenhängenden Sätzen voneinander, als hätten sie bis eben gefeiert. Aus der Nähe wirkten sie regelrecht verstörend. Manche hatten sich das Kinn vergrößern lassen, andere fielen durch eine fliehende Stirn und wulstige Augenbrauen auf und bei mehr als einem waren die Arme unnatürlich dicht und dunkel behaart.

Nur einer sah ganz anders aus als die anderen – offenbar der Gastgeber. Während er lächelnd auf der Schwelle des Pfarrhauses stand und darauf wartete, dass seine Gäste sich zerstreuten, hatte Alex Zeit, ihn eingehend zu mustern. Falls er sich das Gesicht hatte operieren lassen, so war es kaum zu erkennen. Einzig die buschigen grauen Koteletten, die einen großen Teil seiner Wangen überzogen, und seine goldfarbenen Augen wirkten ungewöhnlich. Insgesamt sah er ziemlich gut aus, wenn auch eindeutig aggressiv.

Das waren also Besetzer. Einige von ihnen hatten sich im Pfarrhaus offenbar häuslich eingerichtet, denn als vier Ghuls aufbrachen, zog sich der Rest ins Innere des Gebäudes zurück. Alex hatte davon gehört, dass in der Antigua Colonia etliche Häuser von Ghul-»Familien« besetzt wurden. Aber er war mehr als überrascht, dass sie sich offenbar sogar in einer Kirche einnisteten, war dieser Unterschlupf doch eigentlich zu auffällig für Leute, die wohl eher unbemerkt bleiben wollten.

Die Gäste liefen einen Kiesweg entlang, der sich zwischen den Gräbern hindurchschlängelte, passierten ein zweites, offensichtlich offenes Parktor und zerstreuten sich in unterschiedliche Richtungen. Dort musste es also einen Ausgang geben. Alex vergewisserte sich, dass niemand ihn bemerkte, dann rannte er den Kiesweg entlang, ohne nach rechts und links zu sehen.

Erst als er das Tor erreicht hatte, blickte er sich um. Inzwischen hatte er Janas Spur ganz verloren. Wenn sie tatsächlich durch den Park gegangen war, hatte sie ihn wahrscheinlich längst wieder verlassen. Egal, wie sehr er sich bemühte, er würde sie nicht mehr finden. Er kannte sich hier nicht aus und jetzt, wo er ihre Schritte nicht mehr hörte, machte es keinen Sinn, sie weiter zu suchen.

Kurz überlegte er, zur Party zurückzukehren, aber was wollte er da jetzt noch? Jana war nicht mehr dort, sondern hier, irgendwo am Südhang der Antigua Colonia. Selbst wenn er sie nicht fand – in diesen heruntergekommenen Straßen mit ihrem Duft nach Zypressen und welken Rosen würde er sich ihr näher fühlen. Es war, als würde er ein Geheimnis mit ihr teilen, ohne dass sie es wusste. Die Vorstellung löste ein Kribbeln in seinem Nacken aus.

Doch als er das angelehnte Parktor passiert hatte, wurde er unsicher. Die Straße, die vor ihm lag, war nicht beleuchtet und das einzige Zeichen, dass es hier tagsüber Leben gab, waren alte Straßenbahnschienen zwischen den Pflastersteinen, die im rötlichen Widerschein des Nachthimmels sonderbar funkelten.

Alex folgte der leichten Schlangenlinie der Schienen die Straße hinab. Hin und wieder war in der Ferne ein Auto zu hören, ansonsten herrschte bedrückende Stille. Sein Blick wanderte über die abbröckelnden pastellfarbenen Fassaden. Er versuchte, hinter den zerbrochenen Scheiben der Glasveranden oder in den dunklen Fenstern der Türmchen und Erker irgendeine Regung zu entdecken. Befand Jana sich vielleicht hinter einer dieser ehemals weißen Türen? Aber selbst wenn, wie sollte er das herausfinden? Er konnte natürlich in jedem einzelnen Haus fragen. Die abgegriffenen Löwenköpfe und kleinen Messingfäuste der Türklopfer schienen ihn geradezu aufzufordern, die unheimliche Stille zu durchbrechen… aber er wusste, dass es ein sinnloser Versuch sein würde.

Etwa auf halber Höhe bog die Straße scharf nach links, der Bürgersteig auf der rechten Seite verbreiterte sich und wurde zu einer Art Aussichtspunkt über den tiefer gelegenen Teil der Stadt, begrenzt von einem Eisengeländer.

Alex verschlug es den Atem. Zu seinen Füßen funkelten die Wolkenkratzer des Finanzzentrums, das aus dieser Entfernung deutlich kleiner aussah, als es in Wirklichkeit war. Dicht gedrängt standen dort der Sharpe-Turm, einem im Wind geblähten Segel nachempfunden, das Gebäude der Barnett Company, das aussah wie eine auf der Spitze stehende Pyramide (eine architektonische Meisterleistung, so hatten sie in der Schule gelernt), der Landis-Turm, die Büros der Maverick-Studios, die gedrungene zylindrische Silhouette des Auditoriums… All diese Gebäude hatte er schon Tausende Male gesehen, aber noch nie so, von oben, zu kleinen geometrischen Formen zusammengeschrumpft, die wie Juwelen in der Nacht glitzerten.

Das ferne Geräusch von Schritten ließ ihn hochschrecken. Sie klangen schnell und zielstrebig und gehörten ganz eindeutig zu einer Frau mit hohen Absätzen. Sie schienen vom oberen Teil der Straße zu kommen, aber Alex konnte niemanden entdecken. Vielleicht befand die Person sich in einer Seitenstraße? Er überquerte die Straße und hielt nach einer Einmündung Ausschau. In einigen Metern Entfernung zweigte tatsächlich ein Weg ab, aber sosehr er sich auch beeilte, als er dort ankam und in die schmale Gasse spähte, war diese menschenleer. Die Schritte waren nach wie vor zu hören, kamen jetzt aber von irgendwo hinter ihm. Ob ihm das Echo einen Streich spielte?

Verwirrt bog Alex in die dunkle Seitengasse ein. Immer wieder stolperte er über vorstehende Pflastersteine. Die Schritte schienen näher und näher zu kommen, aber sobald er sich umdrehte, verlor sich das Geräusch. Zu sehen war niemand, nicht einmal ein Schatten. Hatte Jana vielleicht einfach den Spieß umgedreht und verfolgte jetzt ihn? Er traute es ihr ohne Weiteres zu. Wenn sie ihn spüren lassen wollte, wie unangenehm es war, von jemandem ausspioniert zu werden – dann machte sie ihre Sache gut.

Am Ende des Sträßchens angekommen, stellte er fest, dass es zu einer Villa führte, die größer war als die anderen Häuser ringsum. Direkt an der Steilküste ragte ein dreistöckiger Turm in die Höhe. Er stand in einer Sackgasse. Hier ging es nicht weiter, ihm blieb nichts anderes übrig, als umzukehren und zurückzugehen.

Die Schritte klangen jetzt näher denn je. Jana war dicht hinter ihm, da war er sicher. Sobald er sich umdrehte, würde er sie wahrscheinlich sehen, die Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen, würde sie auf ihn zukommen. Er schnellte herum. Und fluchte, als wieder niemand zu sehen war.

»Du bist mir gefolgt?«, fragte eine Stimme in seinem Rücken.

Ganz langsam drehte Alex sich noch einmal um. Jana lehnte an dem verspielten Geländer, das die Villa umgab, und sah ihn ernst an. Ihr blasses Gesicht leuchtete hell in der Dunkelheit.

»Du bist mir gefolgt«, wiederholte sie, diesmal war es eine Feststellung. »Du brauchst gar nicht erst zu versuchen, es zu leugnen.«

»Ehrlich gesagt hatte ich am Schluss eher das Gefühl, dass du mir gefolgt bist.«

»Ach ja?« Jana blickte ihm neugierig ins Gesicht. »Die Straßen hier sind merkwürdig. Das Echo… Du weißt schon.«

»Ja, wahrscheinlich war es das Echo.«

Alex machte einen Schritt auf sie zu. Jana rührte sich nicht. Die Brise wehte ihr den Saum ihres schwarzen Kleides sanft um die Beine und spielte mit ihren Haaren. »Und warum bist du mir gefolgt?«, fragte sie leise.

Musste er das wirklich erklären?

»Ich wollte dir etwas sagen.« Alex beschloss, die Flucht nach vorn anzutreten. »Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf. In der Schule muss ich dich die ganze Zeit ansehen. Ich muss dich beobachten… Das hast du bestimmt gemerkt…« Er stockte.

Sie ließ sich mit der Antwort Zeit.

»In der Schule beobachten mich alle.« Aus ihren dunklen, wilden Augen sah sie ihn durchdringend an. »Das hast du bestimmt gemerkt…«

Alex nickte, ohne ihrem Blick auszuweichen.

»Ja. Aber sie sehen dich nicht so an wie ich.« Es kam ihm so vor, als erschauere sie unmerklich.

»Ja«, sagte sie.

Ihre Augen wichen für einen Moment zu der leeren dunklen Gasse hinter ihm aus. »Und jetzt?«, fragte sie herausfordernd. »Was soll das jetzt werden?«

Alex überlegte kurz, was er antworten sollte.

»Ich weiß nicht«, gab er schließlich zu. »Was du willst. Nur, was du willst.«

Sie drehte sich um und machte ein paar Schritte den Gehweg entlang, wobei sie die Hand über die Stäbe des schmiedeeisernen Gitters gleiten ließ, an das sie sich gerade eben noch gelehnt hatte. »Hier wohne ich«, sagte sie, blieb stehen und wandte sich ihm wieder zu. »Überrascht dich das?«

Alex sah zu dem blassblauen Turm hinauf. Der Anstrich wirkte noch nicht besonders alt. Auf einer Seite zog sich eine Fensterfront über drei Stockwerke. Neben dem Turm erhob sich eine dünne, unglaublich hohe Palme in den Himmel.

»Ein seltsamer Ort«, antwortete er aufrichtig. »Hast du schon immer hier gewohnt?«

»Schon immer. Zumindest ist es das einzige Zuhause, an das ich mich erinnern kann.«

Alex machte noch zwei vorsichtige Schritte auf sie zu. Er lächelte nicht. Er war nervös und erschrocken über sich selbst und er wollte nicht so tun, als hätte er das hier unter Kontrolle. Er wollte sie berühren, sie in den Arm nehmen, war zu allem bereit, nur um in ihrer Nähe zu sein. Er hatte keine Lust mehr, sich länger zu verstellen.

»Du siehst eigenartig aus mit der Schminke. Irgendwie… trauriger.«

Instinktiv wischte Alex sich übers rechte Lid, es brannte, als etwas von der Wimperntusche ins Auge geriet. Wie absurd. Er hatte völlig vergessen, dass er geschminkt war.

»Jetzt hast du alles verschmiert. Das macht es nicht gerade besser.« Jana lächelte zum ersten Mal.

Sie kam auf ihn zu und blieb genau einen Schritt vor ihm stehen. Trotz ihrer Absätze war sie mindestens zehn Zentimeter kleiner als Alex.

»Nachts treiben sich hier oft Banden von Modifizierten herum. Sie sind ziemlich gefährlich, und wenn sie dich allein und so geschminkt sehen… Also, es würde mich nicht wundern, wenn sie dich dann überfallen.«

»Meinst du die Ghuls? Ich hab vorhin welche auf dem alten Friedhof beobachtet. Ohne sie hätte ich den Ausgang aus dem Park wahrscheinlich nie gefunden. Danach hab ich mich allerdings gleich wieder verlaufen. Dieses Viertel ist ein richtiges Labyrinth, deshalb habe ich ein bisschen länger gebraucht.«

Das sagte er, weil er das Gefühl nicht loswurde, dass Jana auf ihn gewartet hatte. Doch sie reagierte gar nicht auf seine Bemerkung und wirkte auch nicht sonderlich besorgt, als er die Ghuls erwähnte – eher neugierig.

Trotzdem fragte sie nicht nach.

»Sie hassen Schminke«, erklärte sie stattdessen. »Sie fühlen sich davon verspottet. Du hast großes Glück gehabt, dass dir nichts passiert ist. An deiner Stelle würde ich mich vorsichtshalber ein bisschen waschen, bevor du nach Hause gehst. Mit diesen Typen legt man sich lieber nicht an.«

Wieder lächelte sie, aber diesmal eher scheu.

»Soll das heißen, ich darf mit reinkommen?«, fragte er ungläubig.

Jana kramte in der Tasche ihrer schwarzen Jacke und zog einen winzigen Schlüssel heraus. »Ja.« Sie wandte ihm den Rücken zu, während sie den Schlüssel ins Schloss des schmiedeeisernen Tors steckte. »Du darfst mit reinkommen.«

Kapitel 3

Drinnen roch es nach Kaminfeuer und frischer Farbe oder vielleicht auch nach irgendeinem Lack. Alex’ Augen mussten sich erst an das schummrige Licht einer kleinen bunten Lampe gewöhnen, die auf einer bröckelnden Konsole am Treppenabsatz stand. Man merkte sofort, dass dieses Haus einmal sehr vornehm gewesen war. Der abgewetzte Perserteppich auf den Holzstufen, das gedrechselte Treppengeländer aus Mahagoni, die Gemälde mit den schweren Goldrahmen… Alles hatte etwas Kunstvolles und Dekadentes, was durch das grünrosa Licht der Lampe noch betont wurde. Nirgends sah man Spinnweben oder Staub. Auf eigenartige Weise unterstrich die makellose Sauberkeit die Spuren des Verfalls noch.

»Komm mit. Das einzige benutzbare Bad ist oben«, sagte Jana leise.

Stumm stiegen sie die Treppe hinauf. Alex ging hinter Jana. Er konnte die Augen nicht von ihr lassen, von ihrer schlanken Taille, den perfekten Hüften. So nah war er ihr noch nie gewesen.

Als sie den Treppenabsatz erreicht hatten, blieb Jana plötzlich stehen, drehte sich um und strich zärtlich über Alex’ Arm, bis hinauf zum Hals. Dann zog sie ihn ganz langsam an sich und küsste ihn. Ihre Lippen waren glühend heiß, feucht und verlockend wie eine verbotene Frucht.

Nach einem endlosen Augenblick löste sie sich sanft von ihm und sah ihm in die Augen. Ihre Finger hatten sich in seinem Nacken verschränkt.

»Ich habe noch nie jemanden geküsst, der so stark geschminkt ist«, sagte sie lächelnd.

Alex wollte sie wieder an sich ziehen, aber Jana wandte sich ab. Sie zog ein kleines summendes Handy aus der Tasche. Das grün leuchtende Display erhellte kurz ihr Gesicht, sodass Alex wahrnahm, dass ihr Lächeln einem Anflug von Unmut gewichen war.

»Am besten wäschst du dir erst mal das Gesicht«, erklärte sie abrupt und stieg dann weiter die Treppe hinauf.

Alex folgte ihr, ganz benommen von Janas Kuss, der noch auf seinen Lippen kribbelte. Oben angekommen, stieß er prompt gegen ein Gestell aus Metall, das mit Getöse umfiel. Erschrocken sah er es über die Dielen rollen. Es war ein bronzener Schirmständer. »Ich hoffe, ich habe niemand aufgeweckt«, flüsterte er.

»Keine Sorge. Mein Bruder geht nie früh ins Bett.«

Alex schluckte, er war verlegen. Janas Bruder hatte er ganz vergessen. Er war also zu Hause. Die Aussicht, ihm zu begegnen, gefiel ihm nicht sonderlich.

Während er den Schirmständer wieder an seinen Platz stellte, öffnete Jana am Ende des Flurs eine Tür und knipste das Licht an.

Hier befand sich ein ziemlich großes Badezimmer mit einem Waschbecken aus weißem Marmor und einem Spiegel, der von goldenen Glühbirnchen eingerahmt war, wie sie früher in Künstlergarderoben üblich gewesen waren.

»Komm rein. Im Eckschränkchen sind Reinigungstücher und Make-up-Entferner. Du kommst allein klar, oder?«

»Ich glaube schon, trotzdem danke.«

Jana trat zur Seite, um ihn vorbeizulassen. Alex drehte den Wasserhahn auf und hielt den Kopf darunter. Vom eiskalten Wasser bekam er eine Gänsehaut. Er schloss die Augen und seufzte, so erleichtert fühlte er sich.

Als er den Kopf hob, traf er im Spiegel Janas Blick, die beobachtete ihn amüsiert.

»Wenn du magst, kannst du das Handtuch da benutzen.« Sie deutete auf ein rotes Frotteeknäuel, das auf einem Holzhocker lag, direkt neben der Badewanne mit den goldenen Füßen. »Es ist meins. Ich lass dich jetzt allein.«

Jana zog die Tür hinter sich zu. Reglos lauschte Alex dem Klappern ihrer Absätze auf dem Holzboden, die sich langsam entfernten, bis sie in irgendeiner fernen Ecke des Hauses stehen blieb. Dann nahm er das Handtuch und rubbelte sich die Haare trocken. Bevor er es wieder auf den Hocker legte, vergrub er das Gesicht darin und atmete seinen Duft ein. Es verströmte einen dezenten Geruch nach Weichspüler mit Apfelaroma, sonst war da nichts. Aber trotzdem wusste er, dass es ihr Handtuch war, es hatte ihre Hände berührt, ihr Gesicht. Er spürte, wie sich plötzlich alles um ihn herum drehte, als hätte er gerade einen neuen Drink ausprobiert, der stärker und gefährlicher war als alles, was er kannte.

Als er sich wieder ein bisschen gefangen hatte, fiel ihm auf, wie verschmiert das Handtuch war. Richtig, er war ja hier, um sich abzuschminken. Er selbst hatte darin zwar keinerlei Übung, aber er erinnerte sich vage, wie er als Kind manchmal seiner Mutter dabei zugesehen hatte. Er zog die Reinigungstücher aus dem Schränkchen und rubbelte erbarmungslos Stirn, Lippen und Wangen ab, bis keine Spur von Make-up mehr auf seiner Haut war. Dann kippte er ein wenig Make-up-Entferner auf ein Wattepad und säuberte Wimpern und Augenlider vorsichtig von der Farbe.

Als er fertig war, lächelte er skeptisch in den Spiegel. Sein nasses Haar wirkte dunkler als gewöhnlich, da war kaum noch eine Spur Blond, und seine Wangen leuchteten nach der heftigen Reinigungsprozedur feuerrot. Aber seine blauen Augen wirkten klar und hellwach wie immer. Ernste, warme Augen, wie seine Mutter immer sagte. Das Beste an ihm.

Als im Flur plötzlich Schritte zu hören waren, knipste Alex hastig das Licht aus und öffnete die Tür.

Vor ihm an der Wand lehnte ein etwa fünfzehnjähriger Junge. Alex erkannte ihn sofort, obwohl man ihn schon letzten Winter aus der Schule geworfen hatte. Es war David, Janas Bruder.

»Wie geht’s?«, begrüßte ihn der Junge, ohne sich zu rühren. »Jana hat mir gesagt, dass du hier bist.«

»Hallo David, lange nicht gesehen.«

Sie hatten eigentlich nie etwas miteinander zu tun gehabt, waren sich nur ab und zu auf dem Schulhof über den Weg gelaufen. Alex wusste von seiner Schwester Laura, dass David jahrelang Klassenbester gewesen war. Der Tod seiner Eltern hatte alles verändert: Er war aufsässig geworden und hatte sich ein paarmal auf dem Schulhof geprügelt. So ein Verhalten wurde in Los Olmos nicht geduldet.

»Jana muss noch was erledigen, sie hat gerade einen Kunden. Wenn du willst, kannst du in der Bibliothek auf sie warten, sagt sie. Komm, ich bring dich hin.«

David drückte sich von der Wand ab und lief los, aber Alex hielt ihn an der Schulter zurück. Janas Bruder drehte sich um und sah ihn kühl aus diesen blaugrünen mandelförmigen Augen an, über die alle Mädchen in Los Olmos getuschelt hatten. Sie harmonierten perfekt mit Davids bleichen, scharf konturierten Wangen und seinen schmalen, schön geschwungenen Lippen.

»Was für einen Kunden?«, fragte Alex leise. Seine Stimme zitterte.

David lächelte spöttisch.

»Was machst du denn für ein Gesicht? Hat Jana dir nichts erzählt?«

Alex schüttelte langsam den Kopf, während er versuchte, seine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen.

»Wir haben ein Tattoo-Studio. Davon leben wir. Jana entwirft die Motive und ich gebe ihnen die künstlerische Note und übertrage sie anschließend auf die Haut.«

David hatte sich wieder in Bewegung gesetzt und diesmal folgte Alex ihm widerstandslos.

»Ich wusste, dass Jana gut zeichnen kann, aber ich hatte keine Ahnung, dass sie Tattoos entwirft«, stellte er fest, während sie den Flur entlanggingen.

»Erst seit unsere Eltern tot sind. Von irgendwas müssen wir schließlich leben. Und wir sind gut. Richtig gut. Auch als Team.«

»Aber warum mitten in der Nacht? Das ist ziemlich seltsam, oder?«

»Wir machen keine normalen Tattoos. Sie sind… ungewöhnlich. Und der Zeitpunkt ist wichtig. Tagsüber würden sie nicht gelingen.«

Sie stiegen eine weitere Treppe hinauf, dann blieb David vor einer schweren Holztür stehen, die aussah, als wäre sie zugeschlossen. Janas Bruder machte keine Anstalten, sie zu öffnen. Stattdessen lehnte er sich gegen die Tür und lächelte Alex eisig an.

»Interessierst du dich für Tattoos?«, fragte er ironisch.

»Jetzt schon«, erwiderte Alex ungerührt. »Macht ihr auch Piercings?«

Das Lächeln auf Davids Gesicht erlosch.

»Nein«, sagte er nur. »Wir mögen keine Piercings. Sie sind genau das Gegenteil von dem, was wir tun. Sie verstümmeln den Körper. Unsere Tattoos dagegen… wie soll ich das erklären… unsere Tattoos ergänzen den Körper, eröffnen ihm neue Möglichkeiten, statt ihm irgendetwas wegzunehmen.«

David schien das, was er sagte, völlig ernst zu meinen. Alex erwiderte seinen Blick.

»Ehrlich gesagt, verstehe ich das nicht ganz.«

David vergrub die Hände tief in den Taschen, wie um zu signalisieren, dass er jetzt etwas weiter ausholen musste.

»In manchen Kulturen werden Tattoos magische Eigenschaften zugeschrieben«, sagte er, ohne Alex aus den Augen zu lassen. »Sie verleihen einem die Kraft oder die besonderen Fähigkeiten dessen, was tätowiert wird. Sie sorgen quasi dafür, dass die verschiedenen Wesen auf der Haut des Betreffenden in seiner Seele zusammenleben. Ein Piercing ist genau das Gegenteil eines Tattoos, es nimmt einem etwas weg, was schon da ist. Es schafft einen Leerraum und schwächt.«

Alex stellte sich vor, wie David mit diesem kleinen Vortrag, den er sicher schon öfter gehalten hatte, seine Kunden zu überzeugen versuchte. »Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstanden habe«, sagte er, während er Davids Blick, ohne mit der Wimper zu zucken, erwiderte. »Soll das heißen, eure Tattoos sind magisch?«

»Kommt drauf an, wie man es sieht. Streng genommen handelt es sich nicht um Magie. Wir geben unseren Kunden nichts, was sie nicht schon haben.«

Alex musterte Janas Bruder einen Moment lang stumm. Er versuchte, in dessen feinen, ein wenig harten Gesichtszügen zu lesen.

»Das ist ein Scherz, oder?«, fragte er und grinste.

David zuckte die Achseln. »Kommt drauf an, wer du in Wirklichkeit bist.«

»Okay. Ich kann verstehen, dass die Tattoos für euch eine spirituelle Bedeutung haben. Aber zu behaupten, sie würden die Fähigkeiten der Menschen beeinflussen, geht ein bisschen weit, oder?«

»Woher willst du das wissen?« Von einem auf den anderen Moment hatte Davids Stimme einen schneidenden Tonfall angenommen. »Du hast keine Ahnung, wovon du redest.« Er drehte sich um, zog einen Schlüssel aus der Tasche seiner Jeans und steckte ihn ins Türschloss. Alex merkte, wie gereizt David war, aber etwas ließ ihm einfach keine Ruhe: Eine Frage musste er einfach noch stellen. »Und was macht Jana jetzt gerade mit diesem… Kunden?«

David mühte sich einen Moment mit dem Schloss ab, bis sich der Schlüssel drehen ließ.

»Das hab ich doch schon gesagt, sie entwirft ein Tattoo für ihn. Etwas ganz Persönliches, eine Art Talisman, den nur er tragen kann.«

»Aha.«

Alex blieb skeptisch. David schien das zu spüren, denn er drehte sich wieder zu ihm um.

»Du solltest sie mal bei der Arbeit erleben.« Jetzt lächelte David zum ersten Mal wirklich offen. Er hatte strahlend weiße Zähne. »Sie ist die Seele unseres Geschäfts. Die Kunden glauben ihr jedes Wort. Wenn sie mit ihnen gesprochen hat, um herauszufinden, welchen Teil ihres Wesens sie in einer Zeichnung einfangen will, kommen sie jedes Mal ganz benommen ins Studio und verziehen meist nicht einmal das Gesicht, wenn ich mit der Arbeit anfange. Na ja, du weißt wahrscheinlich, was ich meine. Sie verführt einen, ohne einen auch nur anzusehen.«

Als Alex an die Kunden dachte, mit denen Jana allein und in einem so intimen Rahmen zusammensaß, merkte er, dass er eifersüchtig war.

»Eigentlich wollte ich mir nie ein Tattoo machen lassen«, sagte er, »aber jetzt könnte ich es mir schon vorstellen…«

David betrachtete ihn nachdenklich. Dann trat er wortlos in den Raum, den er gerade aufgeschlossen hatte, und knipste eine Stehlampe links neben der Tür an, bevor er Alex hineinbat.

»Das hier war die Bibliothek meiner Eltern. Nach ihrem Tod mussten wir einen Teil der Bücher verkaufen, um die Schulden zu bezahlen. Wie du siehst, sind trotzdem noch ziemlich viele übrig.«

Staunend betrachtete Alex die Mahagoni-Bücherschränke, hinter deren Scheiben Tausende von Büchern aufgereiht standen, große und kleine, dicke und dünne, alle aufwendig in Leder gebunden und mit Goldprägung auf dem Rücken. Es gab auch einige Lücken in den Schränken, das stimmte schon, aber das, was noch da war, bot wahrscheinlich genug Lesestoff für ein ganzes Leben.

»Wow«, sagte er bewundernd. »Deine Eltern müssen ganz besondere Menschen gewesen sein, wenn sie all das hier zusammengetragen haben.«

»Eigentlich stammen die meisten Bücher von meinem Großvater, dem Vater meiner Mutter. Aber es stimmt, meine Eltern waren besondere Menschen.«

»Schlimm, das mit dem Unfall«, sagte Alex unbeholfen.

»Mehr als schlimm. Es war eine Katastrophe«, erwiderte David mit tonloser Stimme. »Ein Verlust, den man durch nichts wiedergutmachen kann.«

»Mein Vater ist auch tot.« Alex bereute diesen Satz sofort. Er sprach nie über den Tod seines Vaters, nicht einmal mit seiner Mutter oder seiner Schwester. Und unter normalen Umständen wäre David sicher der Letzte gewesen, dem er sich hätte anvertrauen wollen.

Janas Bruder war an den Schreibtisch getreten, der mitten im Raum stand. Zerstreut strich er über ein paar Bände, die darauf lagen. »Was du eben gesagt hast, dass du dir ein Tattoo machen lassen willst, meinst du das ernst?«, fragte er plötzlich.

Alex überlegte nur einen kurzen Moment.

»Ja, warum nicht?«, antwortete er dann und verzog den Mund zu einem leichten Lächeln. »Ich würde gern sehen, wie Jana arbeitet.«

»Jana gefällt dir, oder?«

Das war eine sehr direkte Frage. Also musste die Antwort es auch sein.

»Ziemlich, ja.«

Ein verlegenes Schweigen trat ein, das David nutzte, um ein halbes Dutzend Skizzenhefte einzusammeln, die auf dem Boden verstreut lagen.

»Vielleicht kann ich sie dazu überreden, ein Tattoo für dich zu entwerfen«, sagte er, während er die Hefte auf den Tisch legte.

Alex hatte sich in einen roten Ledersessel fallen lassen und verfolgte aufmerksam, was David tat.

»Darüber würde ich mich freuen.«

»Ich gehe mal nachsehen, ob sie schon fertig ist. Die Kunden mögen es nicht, wenn sie warten müssen, und speziell dieser ist ziemlich ungeduldig. Du kannst dir ja so lange die Bücher ansehen, wenn du willst. Jana kommt bestimmt gleich.«

Alex nickte und hob zum Abschied kurz die Hand. Ohne die Geste zu erwidern, blieb David einen Moment auf der Türschwelle stehen und musterte ihn aufmerksam. Beim Hinausgehen zog er die Tür sanft hinter sich zu.

Alex stand auf, er lief ein paar Schritte im Raum herum, um sich zu entspannen. Irgendetwas an David hatte ihn nervös gemacht. Er wusste selbst nicht, warum. Eigentlich war er ziemlich höflich gewesen, sogar ganz nett… Vielleicht lag es an dieser irritierenden Selbstsicherheit, die Janas Bruder älter wirken ließ, als er war. Er redete und bewegte sich, als wüsste er immer genau, was er tat und worauf er hinauswollte, während er sein Gegenüber gleichzeitig spüren ließ, wie sehr er bezweifelte, dass es bei ihm auch so war.

Um sich abzulenken, schaute Alex sich die Regale an. Sie waren angefüllt mit den verschiedensten Büchern, überwiegend zu philosophischen und ethnologischen Themen. Daneben standen aber auch prächtige alte Ausgaben der großen Klassiker und zahlreiche wunderschön illustrierte Kunstbände. Er zog ein Buch mit dem Titel Altarbilder der Renaissance aus einem der unteren Regale und blätterte darin. Eine Schicht Seidenpapier schützte jede einzelne Abbildung und bildete einen eigenartigen Kontrast zu dem dicken Glanzpapier darunter. Viele der Altarbilder befanden sich nicht in Museen oder berühmten Kirchen, sondern in kleinen Gotteshäusern in der europäischen Provinz, wo Vernachlässigung und Schlampigkeit der Behörden zu ihrem fortschreitenden, unabwendbaren Verfall beitrugen. So stand es zumindest in der Einleitung.

Als Alex den schweren Band an seinen Platz zurückstellte, fiel ihm ein anderes, genauso dickes, aber offensichtlich wesentlich älteres Buch ins Auge, auf dessen in Leder gebundenem Rücken unter dem Titel ein goldenes Segelschiff mit drei Masten prangte. Überrascht kniete Alex sich vor das Regal. Dieses Symbol hatte er irgendwo schon einmal gesehen. Und plötzlich fiel ihm auch ein, wo: auf einem alten Buch seines Vaters. Im selben Moment schoss ihm das Bild durch den Kopf: sein Vater, der den dicken Wälzer mit dem goldenen Segelschiff auf dem Rücken genau in dem Moment zuklappte, als er, damals acht oder neun Jahre alt, schreiend in sein Arbeitszimmer gestürmt war. Komisch, dass er sich noch so genau daran erinnerte. Irgendetwas an der Szene musste sich ihm nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt haben. Vielleicht der angespannte Gesichtsausdruck, mit dem der Vater das Buch hastig zur Seite gelegt hatte, als sein Sohn ihn überrascht hatte… Doch es schien nicht genau das gleiche Buch zu sein. Um ganz sicherzugehen, zog Alex den Band aus dem Regal und strich nachdenklich über den Einband. Ja, das grüne Leder fühlte sich ähnlich glatt an, aber in dem Buch seines Vaters ging es um Astronomie, um die Art und Weise, wie die Sternbilder in den frühen Hochkulturen gedeutet wurden. Dieses hier trug den Titel Sagen und Traditionen der keltischen Völker. Ein seltsames Detail fiel ihm auf: Das goldene Segelschiff hatte am Heck eine halbmondförmige Scharte, eine Kleinigkeit, die ihm auch schon bei dem Buch in seiner Erinnerung ins Auge gestochen war. Alex wusste nicht viel über Buchdruckverfahren, aber vielleicht waren ja beide Segelschiffe mit demselben beschädigten Stempel auf dem Einband geprägt worden. Neugierig suchte er auf den ersten Seiten des Buchs nach dem Erscheinungsdatum. Januar 1887 in Venedig. Das war seltsam, denn das Buch war gar nicht auf Italienisch verfasst. Alex nahm sich vor nachzusehen, wann und wo das Astronomiebuch seines Vaters gedruckt worden war.

Im Flur näherten sich Schritte und er richtete er sich auf, ohne den alten Band über die keltischen Traditionen aus der Hand zu legen. Doch sein voreiliges Lächeln erlosch schlagartig, als er merkte, dass nicht Jana ins Zimmer getreten war, sondern David.

Er wirkte sehr blass und erst jetzt fielen Alex die dunklen Ringe unter Davids Augen auf.

»Was ist los?«, fragte er alarmiert.

»Jana musste noch mal weg«, antwortete Janas Bruder mit gedämpfter Stimme. »Ich soll dir sagen, dass es ihr leidtut. Es war nicht geplant.«

»Hat es was mit der Arbeit zu tun?«

David lächelte müde.

»Sozusagen. Ich hoffe, sie ist bald zurück, ich mag es nicht gern, wenn sie um diese Zeit noch unterwegs ist. Dieses Viertel hier… Du verstehst mich, oder?«

Alex nickte bedrückt. Auch ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, dass Jana gerade ganz allein durch die dunklen, unheimlichen Straßen der Antigua Colonia lief. Was konnte so dringend sein, dass sie um fünf Uhr morgens aus dem Haus musste, kurz nachdem sie ihn zu sich eingeladen hatte? Das Ganze war höchst eigenartig. Aber ganz offensichtlich gab es für Jana einiges, was ihr weit wichtiger war, als sich um ihren Gast zu kümmern. Trotz der Leidenschaft, mit der sie ihn noch vor ein paar Minuten geküsst hatte.

»Ich glaube, ich gehe jetzt lieber nach Hause«, sagte Alex. »Ich hoffe, ich finde den Weg zurück…«

»Nein«, unterbrach ihn David. »Jana will, dass du hier schläfst. Für jemanden, der sich in der Colonia nicht auskennt, ist es um diese Zeit auf den Straßen viel zu gefährlich. Wobei das sicher nicht der einzige Grund ist, weswegen sie will, dass du bleibst. Musst du irgendjemandem Bescheid sagen?«

»Es reicht, wenn ich meiner Schwester eine SMS schicke, damit sie sich keine Sorgen macht. Aber ich weiß wirklich nicht, ob das so eine gute Idee ist…«

»Das zu tun, was Jana sich wünscht? Wenn du Jana magst, solltest du lieber darauf eingehen. Glaub mir.«

Alex musste lächeln. Er zuckte die Achseln. »Okay, du hast gewonnen«, sagte er.

»Komm, ich zeige dir das Gästezimmer.«

Vorsichtig stellte Alex das Buch, in dem er geblättert hatte, ins Regal zurück. »In der Bibliothek meines Vaters steht ein ganz ähnliches Buch. Auf dem Rücken ist auch so ein Segelschiff abgebildet und beide Bände haben diese Scharte. Komisch, oder?«

»Ja, allerdings.« David musterte ihn aufmerksam.

»Aber es ist nicht dasselbe Buch: In dem hier geht es um keltische Traditionen, das Buch meines Vaters hatte mit Astronomie zu tun. Ich tippe darauf, dass beide kurz nacheinander im selben Verlag erschienen sind.«

»Ich würde die Bibliothek deines Vaters gern irgendwann mal sehen.« Janas Bruder lächelte. Doch in diesem Lächeln lag etwas Finsteres, eine Art plötzliches Misstrauen, das Alex überraschte.

»Interessierst du dich für alte Bücher?«, wollte er wissen.

»Nur für ganz bestimmte.« Ohne seine Antwort zu erklären, drehte David sich um und verließ die Bibliothek. Alex, der plötzlich nervös war, beeilte sich, ihm zu folgen.

»Ein keltischer Knoten wäre ein ideales Tattoo für dich«, erklärte David, ohne sich umzudrehen. »Ich habe vorhin Jana gefragt und sie fand die Idee auch gut. Wenn du willst, machen wir es dir gleich morgen. Samstags haben wir zwar immer viel zu tun, aber die Kunden stehen nicht gern früh auf. Am frühen Vormittag würde es also gehen.«

Sie hatten das Ende des Flurs erreicht, wo David eine weiße Tür öffnete und das Licht anknipste. Alex blinzelte, geblendet von einer Deckenlampe, einem dreiarmigen Leuchter mit kleinen weißen Lampenschirmen und einem halben Dutzend herabhängender Kristalltränen.

Eine himmelblau-elfenbeinfarben gestreifte Tapete bedeckte die Wände des Zimmers, in dem sich nichts weiter befanden als ein schmiedeeisernes Bett, über das eine alte Patchworkdecke gebreitet worden war, und eine Holzkommode mit Schüssel und Krug, die an vergangene Zeiten erinnerte.

»Da ist das Bad.« David deutete auf eine Schiebetür an der gegenüberliegenden Wand neben der Kommode. »Da kannst du morgen früh duschen. Handtücher sind im Schränkchen unter dem Waschbecken. Fehlt noch etwas? Das Bett ist gemacht, du hast Glück.«

»Hast du einen Wecker? Ich möchte nicht verschlafen.«

David legte die Hand auf den Heizkörper unter dem Fenster und zog sie gleich wieder zurück. Offenbar war er warm genug. »Keine Angst«, sagte er. »Jana wird sicher auch erst ausschlafen wollen. Wenn du wach bist, kommst du einfach zu mir ins Studio. Es ist unten, du läufst den Flur entlang bis zu einem Vorraum, wo ein ziemlich interessantes Bild meiner Urgroßmutter hängt… Das Studio liegt genau gegenüber.«

»Bist du dann dort?«

»Ja. Wir wecken Jana auf und nach dem Frühstück machen wir uns an deinen keltischen Knoten. Schlaf gut! Hoffentlich hast du keine Angst vor Gespenstern…«

Alex hörte David kichern, während er durch den Flur davonging. Er knipste fast sofort das Licht aus.