Vitametrie® - Joachim Heuser - E-Book

Vitametrie® E-Book

Joachim Heuser

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Beschreibung

In dem Buch Vitametrie® beschreibt der Autor Joachim Heuser sein Lebensmodell, welches auf den Erfahrungen und Erkenntnissen beruht, die er in den 70 Jahren seines Lebens (VITA) erlebt und gesammelt hat. Die Auflistung seiner wichtigsten Erkenntnisse bezeichnet er als sein Wertesystem. Mit diesem Wertesystem begegnet (vergleicht, misst = METRIK) er nun alle Lebenssituationen, in die er gerät und stellt sich die Frage: "Bin ich in dieser Situation glücklich? Ist die Antwort JA, dann ist sein Lebensziel, nämlich "glücklich zu leben", erreicht. Ist die Antwort NEIN, dann beschreibt Joachim Heuser einen strukturierten Erkenntnisprozess, der ihn schrittweise zum Glücklichsein führen kann. Hierbei setzt er mehrere Methoden ein, die er als hilfreich und effizient empfunden hat. Vitametrie® ist sein Lebensmodell zum Glücklichsein. Vitametrie® ist also sein Modell und seine Methode, die ihm schon oft in vielen Lebenssituationen einen Halt und einen Weg aufgezeigt hat, glücklich zu sein. Vitametrie® orientiert sich am Gedankengut der Mathematik, die Joachim Heuser immer schon fasziniert hat.

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Joachim Heuser

 

Vitametrie®

Mathematik für ein bewusstes Leben

 

 

 

 

Impressum

Texte: © Copyright 2021 by Joachim Heuser Eichenweg 11, 35104 Lichtenfels Kontakt: [email protected] Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung und Abbildungen: Copyright 2021 by Antje Bleck www.arte-antjebleck.eu

Druck: epubli, ein Service der neopubli GmbH, Berlin

 

Meinen Kindern

Susanne, Benjamin und Sabine

Über den Autor:

Joachim Heuser, Jahrgang 1951, war Manager in einer Softwarefirma bei München. 2006 entschied er sich, aus dem Beruf auszuscheiden und auf die Kanareninsel La Palma zu ziehen. Seit 15 Jahren lebt er überwiegend auf La Palma. Seit 5 Jahren als Rentner verläuft sein Leben nun in völlig anderen Bahnen: Als Diplom-Mathematiker hilft er vielen Schülern beim Schulabschluss in Mathematik und er ist Initiator eines Tauschkreises auf La Palma. Ein besonderes Anliegen hat er sich nun erfüllt und dieses Buch Vitametrie® geschrieben. Hierin fasst er seine Erkenntnisse über das Leben zusammen, die aus seinen Erfahrungen entstanden sind. Er hat es seinen 3 Kindern gewidmet und gibt seine “Lebensphilosophie” gerne an alle Menschen weiter, die an seinen Ansätzen und Gedanken interessiert sind.

 

Ein Exkurs zum Wesentlichen

“Was gibt es schon im Leben, wennman nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht.” (Worte des indianischen Häuptlings Seattle an den amerikanischen Präsidenten, 1855)

Eines Tages wurde ein alter Professor der französischen nationalen Schule für Verwaltung gebeten, für eine Gruppe von etwa 15 Chefs großer nordamerikanischer Unternehmen eine Vorlesung über sinnvolle Zeitplanung zu halten. Dieser Kurs war einer von fünf Stationen ihres eintägigen Lehrgangs. Der Professor hatte daher nur eine Stunde Zeit, sein Wissen zu vermitteln.

Zuerst betrachtete der Professor in aller Ruhe einen nach dem anderen dieser Elitegruppe (sie waren bereit, alles was der Fachmann ihnen beibringen wollte, gewissenhaft zu notieren).

Danach verkündete er:

"Wir werden ein kleines Experiment durchführen." Der Professor zog einen riesigen Glaskrug unter seinem Pult hervor, das ihn von seinen Schülern trennte und stellte ihn vorsichtig vor sich. Dann holte er etwa ein Dutzend Kieselsteine, etwa so groß wie Tennisbälle, hervor und legte sie sorgfältig, einen nach dem anderen, in den großen Krug. Als der Krug bis an den Rand voll war und kein weiterer Kieselstein mehr darin Platz hatte, blickte er langsam auf und fragte seine Schüler: „Ist der Krug voll?“ Und alle antworteten "Ja." Er wartete ein paar Sekunden ab und fragte seine Schüler: "Wirklich?"

Dann verschwand er erneut unter dem Tisch und holte einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die großen Kieselsteine und rührte dann leicht den Topf um. Der Kies verteilte sich zwischen den großen Kieselsteinen bis auf den Boden des Krugs. Der Professor blickte erneut auf und fragte sein Publikum: „Ist dieser Krug voll?“ Dieses Mal begannen seine schlauen Schüler, seine Darbietung zu verstehen. Einer von ihnen antwortete: "Wahrscheinlich nicht!" "Gut", antwortete der Professor.

Er verschwand wieder unter seinem Pult und diesmal holte er einen Eimer Sand hervor. Vorsichtig kippte er den Sand in den Krug. Der Sand füllte die Räume zwischen den großen Kieselsteinen und dem Kies auf. Wieder fragte er: "Ist dieses Gefäß voll?" Dieses Mal antworteten seine schlauen Schüler ohne zu zögern im Chor: „Nein!“ "Gut", antwortete der Professor. Und als hätten seine wunderbaren Schüler nur darauf gewartet, nahm er die Wasserkanne, die unter seinem Pult stand, und füllte den Krug bis an den Rand. Dann blickte er auf und fragte seine Schüler:

“Was können wir Wichtiges aus diesem Experiment lernen?"

Der Kühnste unter seinen Schülern - nicht dumm - dachte an das Thema der Vorlesung und antwortete: „Daraus lernen wir, dass, selbst wenn wir denken, dass unser Zeitplan schon bis an den Rand voll ist, wir, wenn wir es wirklich wollen, immer noch einen Termin oder andere Dinge, die zu erledigen sind, einschieben können. „Nein“, antwortete der Professor, „darum geht es nicht. Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist Folgendes: wenn man die großen Kieselsteine nicht als Erstes in den Krug legt, werden sie später niemals alle hineinpassen.“

Es folgte ein Moment des Schweigens. Jedem wurde bewusst, wie sehr der Professor recht hatte. Dann fragte er: "Was sind in eurem Leben die großen Kieselsteine: Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Die Realisierung eurer Träume? Das zu tun, was euch Spaß macht? Dazuzulernen? Eine Sache verteidigen? Entspannung? Sich Zeit nehmen ...? Oder etwas ganz anderes? Was wirklich wichtig ist, ist dass man die großen Kieselsteine in seinem Leben an die erste Stelle setzt. Wenn nicht, läuft man Gefahr, es nicht zu meistern ... sein Leben. Wenn man zuallererst auf Kleinigkeiten achtet (der Kies, der Sand), verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit für die wichtigen Dinge in seinem Leben. Deshalb vergesst nicht, euch selbst die Frage zu stellen:

„Was sind die großen Kieselsteine in meinem Leben? Dann legt diese zuerst in euren Krug des Lebens."

Mit einem freundlichen Wink verabschiedete sich der alte Professor von seinem Publikum und verließ langsam den Saal.

Abbildung 1: Es geht mir gut

 

Doch fangen wir ganz vorne an

Ich wurde von einer Frau in diese Welt geboren. Warum, weiß ich nicht. Ich finde dieses „warum“ aber auch nicht wichtig. Es ist eben so. Nun bin ich hier.

Ich bin in einem Paradies gelandet: Hier ist die Luft, die ich zum Atmen brauche. Hier ist Wasser und Erde, Erde mit Pflanzen, Früchten und Tieren, die ich zum Essen und Trinken brauche. Hier sind andere Menschen, mit denen ich reden kann, die mir helfen können, mit denen ich mich befreunden und von denen ich lernen kann. Hier werden mir ständig Situationen geboten, mit denen ich zurecht kommen muss. Ich habe unendlich viele Möglichkeiten und Chancen, wie ich hier leben kann. Ich kann mich umschauen, kann mir aussuchen, was ich machen möchte. Ich kann mir den Sinn, hier zu leben, selbst geben. Ich kann hier glücklich sein!

Ja und das möchte ich doch auch! Also der Kern meines Lebens hier auf diesem Planeten ist: Ich möchte glücklich leben.

Glücklich leben heißt: Ich möchte mit mir und den anderen Menschen gut zurechtkommen. Ich möchte in Situationen Entscheidungen treffen, die mir gut tun. Ich möchte gesund sein. Ich möchte eine positive Grundeinstellung haben, tolerant und hilfsbereit sein. Ich möchte bewusst sein, was ich bewirke, wenn ich etwas tue, welche Folgen meine Taten haben. Ich möchte das tun, was „meins“ ist. Ich möchte die „großen Kieselsteine“ erkennen und wertschätzen.

Wow! Was für ein Anspruch. „Glücklich leben“, bekomme ich das hin?

Wenn alles gut geht, ist „glücklich leben“ einfach! Ich denke gar nicht darüber nach. Ich nehme es an, so wie es ist, nutze die Möglichkeiten, die mir das Leben bietet und bin von Grund auf dankbar. Ab und an kam mal der Gedanke: “ Das ist ja alles nicht so selbstverständlich”, aber löste keine weiteren Überlegungen oder Veränderungen bei mir aus. Ich war “im Flow”. Ich fühlte mich kraftvoll, positiv, lebenslustig und genoss das Leben. So lebte ich die ersten 38 Jahre.

Anders wird es, wenn Schwierigkeiten und Probleme auftreten, die das ganze Gebäude des „glücklichen Lebens“ gefährden. Jetzt geht es an die Substanz, jetzt bin ich getroffen und frage nach dem „Warum“. Jetzt versuche ich mich und das Leben zu verstehen. Welche Situationen haben mich aus der Bahn geschmissen, wie habe ich hier und da reagiert, was hat mich unglücklich gemacht. Und wie komme ich da wieder raus? Denn unglücklich will ich ja nicht bleiben! Also wieder: Wie müsste ich sein, um glücklich zu leben? Das war mein Leben dann in den nächsten 15 Jahren, also bis ich 53 Jahre alt war. In dieser Zeit habe ich gelebt, um zu überleben. Und in dieser Zeit habe ich viel über mich und das Leben nachgedacht. In dieser Zeit ist dieses Buch entstanden.

Die Grundidee, der Kern zur Vitametrie® ist: Ich bin ein Mensch hier auf dieser Erde und meine Bestimmung ist, mich so zu entwickeln, dass ich glücklich leben kann. Ich meine, der Schlüssel dazu sind meine „Programme“, meine Erkenntnisse, meine Erfahrungen und meine „Überzeugungen“, die ich mir im Laufe meines Lebens angeeignet oder mitbekommen habe. Daraus sind dann meine „Werte“ entstanden. Die Summe aller meiner Programme, Erkenntnisse und Erfahrungen, also meiner Werte, bezeichne ich als mein „Wertesystem“.

Wenn alles gut für mich läuft, kann ich das Leben genießen, aus dem vollen Schöpfen. Dann stimmen meine Werte mit dem, was mir im Leben passiert, überein. Wenn ich aber Schwierigkeiten habe, Unfälle, Krankheiten, arbeitslos werde oder etwas passiert, was mich aus der Bahn schmeißt, dann werden meine Werte auf den Prüfstand gestellt. Meine aktuellen Werte stimmen nicht mehr mit den Lebenssituationen überein. Nun bin ich gefordert, mir solche „kritischen“ Situationen anzuschauen und darauf zu reagieren. Also Folge davon werde ich mein Wertesystem bestätigt finden, oder ändern. “Diese Situation macht was mit mir” oder “so etwas möchte ich nicht noch einmal erleben” oder “ihr könnt mich alle mal” sind Ausdruck dieses Prozesses. Das wird im Allgemeinen mit „Wachstum“, mit „Entwicklung zu höherer Reife“ bezeichnen und ist der ganz normale Ablauf des Lebens, den wir alle hier auf dieser Erde durchmachen. Dieses „Überprüfen“ des eigenen Wertesystems findet ständig statt. Immer dann, wenn wir anderen Werten oder Wertesystemen begegnen, die nicht unsere eigene sind,immer dann, wenn wir „getriggert“ werden, wenn wir wütend werden, wenn wir uns verletzt fühlen, wenn wir beleidigt sind, unser Selbstbewusstsein verlieren, u.s.w. In solchen Situationen bietet uns das Leben die Chance, „reifer“ zu werden, unser Wertesystem zu vervollständigen, zu ändern und zu verbessern.

Was unser Menschsein hier auf der Erde wohl auch beinhaltet, ist unsere Eigenschaft, selbst das eigene Wertesystem zu missachten, ja sogar zu vergessen. Ich meine damit die Macht der Triebe, der Sehnsüchte, der Bedürfnisse, ja der Bedürftigkeit. Wir selbst torpedieren oft unser eigenes Wertesystem und verletzen uns und andere. Wir spüren dabei meistens ganz tief in uns die „warnende Stimme“, dieses tief in uns vorhandene „Gewissen“, und trotzdem tun wir es. Auch wenn es dann nicht sofort zutage tritt, irgendwann fressen uns Schuldgefühle von innen auf, wir suchen nach Wiedergutmachung, nach Versöhnung, nach Verzeihung und Heilung der Wunden. Und sich selbst zu verzeihen ist noch mal eine andere Nummer als Anderen zu verzeihen!

Es macht also viel Sinn, sich über sein Wertesystem Gedanken zu machen.

Ich beschreibe hier meine Persönlichkeitsentwicklung, den „Aufbau“ meiner Werte, wie er im Laufe meines Lebens stattgefunden hat. Angefangen von der Geburt, im Kleinkinderalter, als Jugendlicher und schließlich als Erwachsener. Ich beschreibe einige meiner „Überprüfungssituationen“ und meine Rückschläge durch meine unerfüllten Sehnsüchte, also mein ganz gewöhnliches Leben. Ich denke, jeder, der das liest, kennt das alles schon. Ich habe es nur mit meinen eigenen Worten aus der Sicht meiner Passion, der Mathematik beschrieben. Das Ergebnis ist dieses Buch, das ich Vitametrie® genannt habe. Vitametrie® setzt sich zusammen aus “Vita”, dem Lebenund “Metrie”, also einem Mass, einer Metrik, die mir die Möglichkeit gibt, meine Lebenssituationen zu messen, zu bearbeiten und zu lösen. Die Vitametrie® ist also die Beschreibung des Aufbaus meines Wertesystems, wie es sich entwickelte und weiterhin ändert. Für die ständige Veränderung und Weiterentwicklung meines Wertesystems habe ich einen allgemeingültigen Prozess beschrieben. Ich habe ihn “Meinen Erkenntnisprozess” genannt. Beim Durchlaufen dieses Prozesses helfen mir einige Methoden, die ich mir angeeignet habe und die ich mir quasi in eine Werkzeugkiste gelegt habe. Komme ich heute in Situationen, die meine Werte triggern oder in Frage stellen, kann ich oft eine geeignete Methode – ein Werkzeug – aus meiner Werkzeugkiste nehmen und nutzen, um damit “Meinen Erkenntnisprozess” zu durchlaufen und die Situation zu klären.

Möge die Vitametrie® vielleicht einigen Menschen Hilfe und Halt geben, hier auf diesem Planeten ihr Leben bewusst und glücklich zu leben!

Abbildung 2: Ich bin voller Zuversicht und Selbstvertrauen

 

Geburt und Kleinkind

Kaum habe ich das Licht der Welt erblickt, ist meine erste Aktion der erste Atemzug. Also „Atmen“ ist ein geschenktes Programm, das ich zum überleben brauche. Dann habe ich Hunger und sauge an der Brust meiner Mutter. Also „Saugen“ und „Essen“ ist ein weiteres Programm, das ich zum Überleben geschenkt bekommen habe. Ebenso „Verdauen“. Wenn ich Hunger oder Blähungen hatte, habe ich mich mit „Schreien“ gemeldet. Ich bin noch klein und auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen. Ich lerne also pures „Vertrauen“.

Ich bekomme und erlerne also von Anfang an Programme und Verhaltensweisen, damit ich in dieser Welt zurechtkommen kann, damit ich hier (über)leben kann. So habe ich schon von Anfang an begonnen, meine Persönlichkeit zu entwickeln.

Nun kommt die Entwicklung der Sinne hinzu: Sehen, Hören, Fühlen – Schmerz empfinden, Riechen. Ich beginne schon gleich in den ersten Tagen mit meinen Fingern zu spielen. Ich entdecke und entwickele meine Motorik.

Ich lerne, dass ich zu essen bekomme, wenn ich schreie. Ich lerne, dass ich Zuwendung bekomme, wenn ich lache. Dann beginne ich zu krabbeln und will laufen lernen.

Ich beginne zu sprechen und meine Umwelt zu entdecken. Ich mache erste Erfahrungen mit Gegenständen und lerne, mit meiner „kleinen“ Umwelt zurechtzukommen. Meine Eltern helfen mir, schützen oder tadeln mich.

Ein ganz wesentlicher Teil meiner „Programmierung“ findet aber nonverbal statt. Wenn ich schon größer bin, adaptiere ich viele Verhaltensweisen meiner Eltern, meiner Großeltern, Geschwister. Dann später auch von Freunden und Bekannten. Ich finde „Vorbilder“ oder „Typen“, deren Verhalten ich auf keinen Fall annehmen möchte. Ich habe also irgendwie in mir auch ein geschenktes Programm mitbekommen, das einordnet, was für mich gut oder schlecht ist, was mir gefällt und was nicht, was ich annehmen möchte und was nicht. Manche sagen dazu auch “Bauchgefühl”. Und es entwickelt sich mein Ego. Was ist „meins“, mit welchen Verhaltensweisen kann ich mich durchsetzen, worauf bin ich stolz? Auch bildet sich das „Gewissen“ aus, wenn ich etwas „Böses“ tue. Welche Normen hierfür gesetzt sind, erlerne ich von meinen Eltern. Das nennt man „Erziehung“.

 

 

 

Jugendlicher und Erwachsener

Dann begegne ich andern Kindern und Erwachsenen in den befreundeten Familien meiner Eltern, im Kindergarten, in der Schule und in Vereinen. Ich lerne, wie sich mein Verhalten auf die Anderen auswirkt und wann ich selbst wütend, sauer oder zufrieden bin.

Ich lerne mit meinem Körper umzugehen. Ich treibe Sport, ich lerne schwimmen, ich lerne mit Alkohol, Zigaretten und Drogen umzugehen. Ich entdecke meine Sexualität und das andere Geschlecht.

Ich komme ständig in Situationen, die meine Gefühle auslösen. Wenn ich geärgert werde, bin ich sauer, wenn ich gelobt werde, stolz. Wenn ich mir ein Geschenk gewünscht habe und es nicht bekomme, werde ich traurig, u.s.w.

Und überall mache ich Erfahrungen. Aus den Erfahrungen ziehe ich meine Erkenntnisse: Entweder gut und nützlich für mich, oder schlecht und verwerflich. So will ich sein, so nicht.

Dann lerne ich die Regeln des menschlichen Zusammenlebens. Ich komme in Berührung mit den ersten Gesetzen: Volljährigkeit, Führerschein und Personalausweis. Ich werde Teil der Gesellschaft und übernehme deren Normen und Gepflogenheiten: Tanzstunde, Konfirmation, Schule, Vereine u.s.w.

In meiner Entwicklung habe ich auch „Überzeugungen“ ausgebildet und mir zu eigen gemacht: Krieg ist abscheulich! Helfen ist eine Tugend! Frauen sind benachteiligt! Familie geht über alles! Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt! Ein Indianer kennt keinen Schmerz! u.s.w.

So entwickelte ich meine Persönlichkeit und habe mir viele Überzeugungen und Werte angeeignet, die es mir ermöglichen, in dieser Welt der „Menschen“ zu leben. Als Individuum, in Kontakt mit anderen, in der natürlichen Umwelt und mit den Errungenschaften des menschlichen Erfindungsreichtums. Ich hatte meine „großen Kieselsteine“ gefunden und ich wusste aber auch, dass ich einem stetigen Lernprozess unterworfen bin.

Du wirst alt wie eine Kuh und lernst immer noch dazu!

Soweit, so gut. Bei dieser ganzen Entwicklung trat eine kaum spürbare „Entfernung vom Ursprung“ ein. Ich lebte so, dass ich immer wieder in meinen Überzeugungen und Werten bestätigt wurde. Ich war ständig damit beschäftigt,meine Existenz zu sichern, Geld zu verdienen, Karriere zu machen und Güter anzuschaffen. Ich arbeitete für diese Dinge und meinte, sie machen mich glücklich. Ich habe mich „verlaufen“ auf dem Weg durch die Faszination der Materie, ja, ich habe mich damit identifiziert.

“haste was, biste was!”

Und oft machte ich all das zu meinen „großen Kieselsteinen“. Ich ging einen Weg, der mich längerfristig in Probleme und Schwierigkeiten gebracht und manchmal auch krank gemacht hat. Irgendwie ging das bei mir so. Da aber kurzfristig immer alles gut verlief, war mir gar nicht bewusst, dass ich auf Dauer so nicht weitermachen konnte. Erst als die Schwierigkeiten größer wurden, begann ich nachzudenken, trat raus aus dem „Film“. Ich hielt an. Heute sehe ich das so, dass ich vom Leben angehalten wurde. Ich stellte Fragen und suchte nach Antworten. Ich merkte, dass die bisherigen „großen Kieselsteine“ gar nicht die sind, die ich heute noch brauchte. Die Werte und Überzeugungen, die ich mir angeeignet hatte und die für mich bisher „wahr“ waren, mit denen ich immer gut gelebt hatte, waren ins Schwanken kommen. Es begann ein neuer Lebensabschnitt.