Von den Ahnen lernen - Marianne Giesert - E-Book

Von den Ahnen lernen E-Book

Marianne Giesert

0,0
2,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ausgehend von dem heutigem Museumshof "Großdöllnerhof" in Rechberg/Österreich, in dem Marianne Giesert´s Großmutter Maria Windischhofer geboren wurde, erzählt sie in ihrem neuesten Buch die Ahnengeschichte über drei Jahrhunderte. Sie gibt damit einen Einblick in die Geschichte einer Familie und gleichzeitig auch in die allgemeinen Arbeits- und Lebensbedingungen der jeweiligen Zeitetappen. Im Fokus steht die Geschichte ihrer Mutter, Maria Wastler, die ihr Leben von Rechberg ausgehend nach Berlin verlegt hatte, aber nie den Bezug zu ihrer Heimat Rechberg im Mühlviertel verloren hat. Durch die konkrete Geschichte der Familie mit ihren spannenden Facetten wird die Vergangenheit mit Leben gefüllt und damit fassbar und nachvollziehbar gemacht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 84

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Das Rechberger Wurzelbuch

VON DEN AHNEN LERNEN

MARIANNE GIESERT

2. AUFLAGE 2017

Alle Rechte an dieser Ausgabe

© Marianne Giesert

Text von Marianne Giesert

Lektorat: Silke Schulze-Gattermann

Farbgrafik: René Blättermann

Buchgestaltung: Gabi Schnauder

Ein besonderer Dank geht an die Gemeinde Rechberg

für Fotos und Schriftquellen aus Rechberg.

ISBN 978-3-7345-9111-2 (Paperback)

ISBN 978-3-7345-9112-9 (Hardcover)

ISBN 978-3-7345-9113-6 (e-Book)

DER GROSSDÖLLNERHOF IN RECHBERG

Mühlviertel / Österreich

 

MARIANNE GIESERT´S FAMILIE HEUTE

 

Dieses Rechberger

FAMILIEN-WURZELBUCH

widme ich

meinen beiden Töchtern

KatjaundLea,

meinen Enkelkindern

Oskar, Hollie, Leo, LillyundBen

sowie meinen Schwiegersöhnen

FabianundOliver.

DIE AHNENTAFEL

DER FAMILIEN

WASTLER UND WINDISCHHOFER

VORWORT

Meine eigene Geschichte ist mit dem Geburtsort meiner Mutter – Rechberg im Mühlviertel/Österreich – stark verknüpft. So habe ich als Großstadtkind aus Berlin das Leben auf dem Land, auf einem kleinen Bauernhof in Rechberg, kennen und schätzen gelernt. Einerseits konnte ich dort als Kind in der Natur nach Herzenslust spielen, andererseits hatte ich auch Arbeiten zu verrichten. Sie waren für mich Freude und Abenteuer zugleich:

– es war das Ziegenhüten, Schweine- und Hühnerfüttern,

– das Heueinfahren oder das Kornernten in der dörflichen Gemeinschaft.

Vor allem lernte ich Menschen kennen und schätzen, die emsig und ohne Verdruss, tagein, tagaus, körperlich schwer arbeiteten – und dies mit Freude taten.

Meine Mutter Maria und ihre Familie Wastler/Windischhofer prägten mich sehr mit ihrer Herzlichkeit, ihrer großzügigen Gastfreundschaft, ihrer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit auf den kleinen und großen Festen und mit ihrer Hilfsbereitschaft, einander bei Schwierigkeiten zu unterstützen. Platz und Essen war immer für alle da, auch wenn das Haus noch so klein war und das Essen oft durch zusätzliche Lebensmitteln ergänzt oder gestreckt werden musste.

Es wurde gemeinsam hart gearbeitet, aber auch mit viel Freude und Genuss gefeiert. Dazu gehörte ein gutes reichhaltiges Essen, viele Getränke, Gesang und Tanz. Es war eine schöne Zeit! Jetzt soll dieses Büchlein dazu beitragen, die Geschichte meiner Mutter zu erzählen und damit Rechberg, ihren Geburtsort, ein Stück mit ihrem Leben und ihren Wurzeln zu füllen.

Ich war immer wieder erstaunt, durch welch tolle Ideen und Projekte das Dorf Rechberg von Jahr zu Jahr attraktiver wurde. Es entstand der Badesee, der Großdöllnerhof wurde restauriert und zu einem Heimatmuseum ausgebaut, der Naturpark eröffnet und vieles mehr. Vor allem der Großdöllnerhof hat mich fasziniert. Hier ist ein Ort der Geschichte – als Museum – konkret nachvollziehbar und fassbar gemacht. Es ist ein wunderschöner Platz für die Menschen in der Gegenwart, zum Kraftschöpfen und Regenerieren. Darüber hinaus ein besonderer Ort für mich und meine Familie, da meine Großmutter dort am 01.02.1873 geboren wurde und bis zu ihrer Hochzeit mit Josef Wastler, am 11. Februar 1896, gewohnt hat. Dadurch hat dieser Großdöllnerhof auch heute noch etwas Einzigartiges für mich. Es ist ein Geschenk, diesen Ort meinen Kindern und Enkelkindern fassbar und nachvollziehbar machen zu können. Dazu soll auch dieses kleine Büchlein beitragen.

Es war sehr wertvoll für mich, die Geschichte dieses Dorfes und seiner Menschen ein Stück des Weges begleiten zu dürfen. Teils direkt vor Ort im Miteinander, meist aber aus der Ferne, von meiner Heimatstadt Berlin.

In diesem Wurzelbuch erzähle ich aus der Perspektive meiner Mutti, Maria Wastler, verheiratete Sikorski, über die wichtigsten und bewegendsten Etappen in ihrem Leben. Grundlage dafür waren Interviews, die ich über mehrere Jahre mit ihr geführt habe. Gleichzeitig wird ein Einblick in unsere Ahnengeschichte gegeben. Sie bezieht sich hauptsächlich auf unsere Ahnen auf dem Großdöllnerhof in Rechberg.

Ich möchte mich bei allen Rechbergern und Rechbergerinnen für die Herzlichkeit und Geborgenheit bedanken, die ich mein Leben lang hier erfahren durfte. Mein Dank gilt vor allem auch Karl Weichselbaumer, der durch sein Wirken und Tun Rechberg ein besonderes Gesicht gegeben hat. Seine Klarheit, seine Herzlichkeit und sein Wille, Dinge umzusetzen, haben mich immer besonders stark beeindruckt.

Foto: Gemeinde Rechberg

SCHWAMMERLING IN RECHBERG

Möge dieser Ort das Prädikat „besonders wertvoll“ behalten – und mit ihm die Menschen, die hier leben in ihrer Einzigartigkeit, geprägt durch ihre Herzlichkeit, ihren Gemeinschaftssinn und durch die schöne steinreiche Natur des Granits.

MARIANNE GIESERT

März 2016

DIE GESCHICHTE DER MARIA WASTLER, GENANNT „MITZI“ AUS RECHBERG

Mit ihren Wurzeln und Erfahrungen auf den Stufen der Zeit

 

MARIA WASTLER

 

MITZI WASTLER ERZÄHLT …

… geboren wurde ich am 19. September 1909 als viertletztes Kind meiner Eltern Maria, geb. Windischhofer, und Franz Wastler in Rechberg bei Perg in Oberösterreich.

Rechberg liegt 40 Kilometer östlich von Linz und etwa 600 m hoch im südöstlichen Teil des Mühlviertels. Das Mühlviertel als Teil der Böhmischen Masse war einstmals ein mächtiges Gebirge. Durch den Einfluss von Luft, Wasser, Eis, Hitze, Kälte und Verwitterung wurde das Gestein vor ca. 250 Millionen Jahren an seiner Oberfläche soweit abgetragen, dass heute der in großer Tiefe entstandene Granit in seiner Schönheit und Vielfältigkeit frei liegt – und das Mühlviertel entstand.

MEIN VATER

Franz Wastler

*28.08.1873 Königswiesen†20.06.1958 Rechberg

MEINE MUTTER

Maria Wastler, geb. Windischhofer

*01.02.1873 Rechberg

†19.08.1958 Rechberg

So wie es zu dieser Zeit üblich war, wurde ich, wie meine Schwestern und Brüder – ohne viel Aufsehen – bei uns zu Hause geboren.

Mein Vater, der Franz Wastler, war gelernter Schuster und meine Mutter, die Maria Windischhofer, war Bauerntochter vom Großdöllnerhof in Rechberg.

Insgesamt hatte ich 11 Geschwister. Vier davon verstarben gleich oder kurz nach der Geburt. Dies war vor allem für meine Mutter sehr traurig und kräftezehrend.

NOTGETAUFTES MÄDCHEN

*20.05.1896

+20.05.1896

MARIA

*07.06.1897

+10.10.1897

JOSEPH

*12.08.1898

+07.03.1982

CHRISTINE

*18.02.1901

+04.12.1990

MARIA

*18.02.1901

+05.03.1901

FRANZ

*20.06.1903

+14.03.1952

ERNST

*22.10.1904

+15.05.1993

KARL

*04.11.1906

+12.03.1915

MARIA

*19.09.1909

+16.10.2001

TOTGEBORENES MÄDCHEN

*17.11.1911

+17.11.1911

GOTTFRIED

*01.01.1915

+28.03.2000

ANNA

*27.01.1918

+17.01.2010

Die Kindersterblichkeit (Kinder bis 5 Jahre) lag damals in der Donauregion bei 35 Prozent.

Es herrschte eine große Armut. Alle in der Familie – auch die Kinder – mussten auf ihre Weise von klein auf zum Lebensunterhalt beitragen. Sie beteiligten sich an allen anfallenden Arbeiten im Haus bzw. an der Beschaffung von Lebensmitteln.

Für das Verständnis der damaligen Zeit und die weiteren Entwicklungen möchte ich einen kleinen Einblick in das Leben der früheren Generationen geben. Mittelpunkt soll dabei der Großdöllnerhof mit meinen Vorfahren sein. Skizziert werden die unterschiedlichen Arbeits- und Lebensbedingungen im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten und Entwicklungen der jeweiligen Epoche.

 

Einblick in das Leben meiner Vorfahren

DIE GESCHICHTE LEBT!

Um einen Einblick in das Leben der früheren Generationen zu geben, möchte ich als Erstes die Familienlinie meines Vaters, Franz Wastler, nachzeichnen und dann mit besonderem Schwerpunkt die Familienlinie meiner Mutter, Maria Windischhofer.

 

DIE WASTLER-FAMILIE

Die Familie meines Vaters Franz Wastler

 

Die Familie meines Vaters Franz Wastler

DIE WASTLER-FAMILIE

Mein Urgroßvater Mathias Wastler(*1795, †17.09.1869 in Königswiesen) kam aus Kalschin im Königreich Böhmen. Mathias heirateteFranziska Buchmüller, meine Urgroßmutter(†17.07.1863 in Königswiesen), Tochter des Johann Buchmüller, Bäckermeister in Urfahr (Herrschaft Wildberg), vermählt mit Maria Dietschler.

MEIN URGROSSVATER

MEINE URGROSSMUTTER

Mathias Wastler

Franziska Wastler,

Väterlicherseits

geb. Buchmüller

Sie hatten fünf gemeinsame Kinder und lebten in Heiligenberg:

HERMANN

*07.04.1830

JOSEPH

*19.02.1831

ERNEST

*19.09.1833

+31.07.1900

RUPERT

*15.09.1834

FRANZ

*09.10.1837

+06.02.1936

Mein Urgroßvater Mathias Wastler baute ein Schulhaus in Heiligenberg, wo er von 1828 bis 1845 als Schulmeister und Leiter der Schule wirkte.

Diesen Beruf gab es noch nicht so lange. Erst 1774 wurde die Allgemeine Schulordnung für die Normal-, Haupt- und Trivialschulen von Maria Theresia eingeführt und damit die Schulpflicht für alle, erst einmal für die ersten sechs Schuljahre.

Laut Schulchronik war Mathias „ein tüchtiger Schulmann und ein guter Musiker“. Im Jahre 1875 übersiedelte Lehrer Wastler nach Königswiesen. Er verstarb dort mit 74 Jahren.

Sein jüngster Sohn Franz (*09.10.1837), mein Uronkel, wurde ebenfalls Lehrer. Er lebte in Linz, wo er im Alter von 99 Jahren (†06.02.1936) starb. Damit erreichte er ein ungewöhnlich hohes Alter für die damalige Zeit.

Sein dritter Sohn Ernest Wastler, gleichzeitig mein Großvater, wurde am 19.09.1833 in Heiligenberg geboren.Er war Tischler, Ausnehmer und Messner in Königswiesen. Die Bezeichnung „Ausnehmer“ weist darauf hin, dass er „eingeheiratet“ hatte (Bauernhof, Gut, usw.)

MEIN GROSSVATER

MEINE GROSSMUTTER

Ernest Wastler

Christina Wastler, geb. Haslinger

*19.09.1833 Heiligenberg

*1835

†31.07.1900 Königswiesen

†29.12.1891 Königswiesen

Väterlicherseits

Mein Großvater, Ernest Wastlerist an einem 19. September geboren worden, am gleichen Tag wie ich. Leider konnte ich meine Großeltern väterlicherseits nicht mehr kennenlernen, da sie schon vor meiner Geburt starben. Mein Großvater verstarb am 31.07.1900 und wurde 67 Jahre alt. Meine Großmutter wurde nur 56 Jahre alt, sie verstarb am 29.12.1891 – 18 Jahre bevor ich 1909 auf die Welt kam. Über die Todesursachen ist nichts weiter bekannt.

Zehn Kinder wurden in dieser Familie geboren. Einige starben bereits im frühen Kindesalter.

JOSEF

*31.07.1864

MARIA

*23.08.1865

ERNEST

*03.01.1867

LEOPOLDINE

*20.08.1868

+27.09.1869

KARL

*17.09.1869

+23.02.1874

FLORIAN

*03.04.1871

+14.02.1874

HEINRICH

*06.07.1872

+13.08.1872

FRANZ

*28.08.1873

+20.06.1958

KARL

*15.10.1875

ALOIS

*14.06.1878

+17.02.1879

Mein Vater Franz (*28.08.1873) war 18 Jahre alt, als seine Mutter starb.Fünf Jahre später 1896, mit 23 Jahren, heiratete er meine Mutter, Maria Windischhofer.

 

DIE WINDISCHHOFER FAMILIE

Die Familie meiner Mutter Maria Wastler, geb. Windischhofer

 

Die Familie meiner Mutter Maria Wastler, geb. Windischhofer

DIE WINDISCHHOFER FAMILIE

Meine Mutter Maria Wastler, geb. Windischhofer wurde am 1.02.1873 auf dem Großdöllnerhof in Rechberg geboren.

Diese Familienlinie lässt sich bis zu Michael Windischhofer, *1722, †18.03.1816 (mit 94 Jahren), zurück verfolgen – also etwa 300 Jahre!

 

WELCHE ARBEITS- UND LEBENSBEDINGUNGEN HERRSCHTEN ZUR DAMALIGEN ZEIT?

Die Pestepidemien im Land forderten viele Todesopfer und schränkten das Leben stark ein. Besonders sind die Jahre 1349, 1541 (ein Drittel der Bewohner von Wien starb), 1588, 1679 (12.000 Tote alleine in Wien) und 1713/14 (9000 Tote in Wien) hervorzuheben.

Es wurden strenge Verordnungen für die Bevölkerung erlassen, um die Seuche einzudämmen:

Tavernen und Gasthäuser wurden geschlossen, Musik und Tanz war nicht mehr erlaubt, Menschenansammlungen verboten. Auch sollte kein Schweinefleisch verzehrt werden, und es wurde großer Wert auf Sauberkeit gelegt.

Zu dieser Zeit entstand auch das Lied „Oh du lieber Augustin“, welches wir heute noch gut kennen. Diesem Lied liegt die Geschichte eines Mannes namens August zugrunde, der im schwer alkoholisierten Zustand versehentlich zu den Toten in einer Pestgrube geworfen wurde. Als er aus seinem Alkoholrausch aufwachte, machte er sich mit seinem Dudelsack und wilden Gesängen bemerkbar. So konnte er aus der Totengrube herausgezogen werden und überlebte. Seit dieser Zeit berichtete er in Liedern über den Vorfall.